Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1937)
- Date
- 1937-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653632--30201-2684737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Amman 2× ep/1044017
- Haifa 2× ep/1047930
OCR text
Nr. 7,26.1.1937 JOD IRC HF RUNDSCHAU Seife 7 Aus der Wirtschaft Von der Woche Neue Terrorakte In der Nacht zum Freitag erlebte ganz Palästina eine neue Tcrrorwclle, die insbesondere in den nördlichen Bezirken des Landes zum Ausbruch kam. Es gab wieder zahlreiche Bombenanschläge und Schießereien. Die Aktionen der Terroristen richteten sieh dieses Mal besonders gegen gemäßigte Araber. So wurden in arabischen Läden in Haifa und Akko Bomben geworfen oder reiche Araber beschossen, weil sie sich geweigert hatten, die sogenannten „Steuern" an die Terroristenbanden abzuführen. Auf f 1 assin Sehn k r i, den Bürgermeister von Haifa, sind auf der Straße von einem jungen Araber vier Revolverschüsse abgegeben worden. Sdiukn blieb unverletzt, der Attentäter entkam. Auf das Haus eines arabischen Notabein in Haifa ist ein B o m b> e n a 11 e n t a t verübt worden. Das Gebäude wurde beschädigt. H assanSchukri empfing nach seiner Errettung Gratulationsbesuche von Vertretern aller Gemeinden. Er aß mit dem High Commissioner zusammen zu Mittag. Arabische Banditen überfielen nachts in der Nähe von Nablus irrtümlich ein Auto mit einer Polizeipatrouüle. Es folgte ein halbstündiger Schußwechsel, wobei einer der Araber getötet wurde; die anderen entkamen. Ein verdächtiger Araber wurde im Zusammenhang mit dem Mord an David Hamm a m i verhaftet, der am 6. Januar von drei Arabern überfallen und schwer verwundet wurde und am 20. Januar seinen Verletzungen erlegen ist. Auf einen arabischen Ladenbesitzer, der mit Juden Geschäfte tätigte, wurden in Jerusalem Schüsse abgefeuert, die ihn jedoch nicht trafen. Am späten Abend überfiel eine Gruppe Araber Juden im jüdischen Viertel von S a f e d und bewarf sie mit Steinen. Einige Juden wurden leicht verletzt, dagegen erhielt ein englischer Polizist, der den Uebcrfallenen zu Hilfe kam, so schwere Verletzungen, da Ii er in ernstem Zustand ins Hospital gebracht werden mußte. Aus Politik und Leben Der Schatzmeister der Exekutive der Jcwish Agency Elieser Kaplan ist nach Amerika abgereist. Die Reise Mngt mit dem bevorstehenden Besuch I>r. Weizmanns in den Vereinigten Staaten zusammen. Zu Ehren von Dr. Weizniann und Frau sowie Mitgliedern der Habimah wurde am Montag in Alexandrien von Baron Menasce ein Empfang veranstaltet. Die Anwesenden begaben sich danach ins Theater, wo von der Habimah „Davids Krone" gespielt wurde. Die High Commissioner von Palästina und Syrien, sowie der Präsident des Libanon waren in Kas-el-Naküra, nördlich von Akko, anwesend, wo eine neue Grenzzollstation eröffnet wurde. Ben Zwi und E m i n Abdul Hadi, ein Mitglied des Obersten Moslemischen Rates, werden auf Einladung des Königs als Repräsentanten Palästinas der Krönungszeremonie beiwohnen. Die amerikanische Arbeiter-Delegation, die sich gegenwärtig in Palästina aufhält, besuchte im Laufe der Woche die Siedlungen im Emek, in Galiläa und im Jordantal. Aus Amman wird gemeldet, daß die Kältewelle, die augenblicklich Trausjordanien heimsucht, zahlreiche Opfer gefordert habe. Bisher seien gegen hundert Menschen erfroren. (? — A. d. R.) Der Sohn des früheren türkischen Sultans Abdul Hamid erhebt Anspruch auf die ehemaligen türkischen Staatslämlereien in Palästina mit der Begründung, daß diese Ländereien nicht Staats-, sondern Privateigentum des Sultans waren. Im Auftrag des Sohnes Abdul Hamids hat der Haifaer Rechtsanwalt eine entsprechende Eingabe allen palästinensischen Kreisgericliten vorgelegt. Jerusalem, 21. Januar. (JTA.) Im Jisehmv herrscht ziemliche Erregung über die angebliche Absicht der Regierung, eine Reihe von Aemtern, die während der Unruhen nach Tel-Awiw verlegt worden waren, wieder nach Jaffa zur ückzu verlegen. Es wird dies insbesondere im Hinblick darauf als eine ungerechte Maßnahme empfunden, daß die Aemtcr von der viel größeren und am Wirtschaftsleben stärker beteiligten Bevölkerung von Tel- Awiw naturgemäß mehr in Anspruch genommen werden, als von der Bevölkerung Jaffas. Das Aufsuchen der Aemter in Jaffa ist für die Einwohner" von Tel-Awiw mit Unannehmlichkeiten verbunden. Generalversammlung der jüdischen Kolonialbank In Jerusa'em fand die Generalversammlung des J e w i s h Colonial Trust statt. Den Vorsitz führte Lasar Braudo, der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses. Anwesend waren 25 Teilnehmer; von insgesamt 400 000 Aktieninhabern waren 22 000 durch Ussischkin, Rotlenstreich, üluskin und Bergmann vertreten. In seiner Ansprache führte der Vorsitzende aus, daß trotz der zahlreichen Schwierigkeiten der letzten Jahre die Position jetzt gefestigt sei, nachdem die Zeiten der Krisis im Jahre I«20 und 1934, als die Liquidation der Bank schon einsetzte, glücklich überwunden worden waren. Er erklärte, daß die erste Hälfte des Jahres 193b mit einem Gewinn von C 318 000 die geschäftlich günstigste Zeit gewesen sei. Weitere Gewinne seien zu verzeichnen durch den Besitz von Aktien der APAC, die um die Hälfte gestiegen seien; mit Dividenden, Vorzugsaktien, gewöhnlichen Aktien, sonstigen Vergünstigungen belauft sich der Gewinn aus diesen Q icllen zusammen mit Gewinnen aus Investierungen in Palästina auf C 365 000. Außerdem brachte die Aufwertung des Aktienbesitzes einen Gewinn von £ 316 000. Aut Grund dieser Gewinne konnte eine radikale Abschreibung der noch verbliebenen zweifelhaften Aktiva erfolgen und außerdem noch die Reserven erhöht werden. Der Vorsitzende hob hervor, daß das gesamte ausgezahlte Kapital jetzt durch sichere Aktiva gedeckt sei. Dieser günstige Stand der Dinge, der hauptsächlich aus den Gewinnen aus palästinensischen Investierungen resultiert, läßt jedoch die Direktoren nicht die großen Verluste der vergangenen Jahre übersehen. Der Vorsitzende kündigte ferner an, daß der bisherige Direktor Dr. Georg 11 a 1 p e r n jetzt in den Ruhestand trete und daß sein Nachfolger auf der nächsten Sitzung, die gleichzeitig mit dem nächsten Kongreß stattfinden soll, gewählt werden wird. (Palcor.) Kleine Nachrichten In der Sitzung des Board of Direcfors der General Mortgage Bank of Pales'une, Ltd., Tel-Awiw, vom 17. Januar bestätigten die Direktoren der Bank den Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 1936, sowie die Bilanz nebst Gewinnnnd Verlustrechnung per 31. Dezember 1936. Es wurde beschlossen, die ordentliche Generalversammlung zum 7. Februar einzuberufen. Die Bilanz sieht eine Stärkung des Reservefonds um weitere .CP 15 000 vor, die dem Reingewinn 1936 entnommen wurden. Damit beträgt die offene Reserve der Bank CP 35 000. Es wurde ferner beschlossen, der Generalversammlung vorzuschlagen, eine Dividende von 7','i <"<> auf die Stammaktien und 6a/i auf die Vorzugsaktien für das Jahr 1936 zu verteilen. Auf der letzten Jahresversammlung der jüdischen Arbeiicrsiedlungsgesellschaft N i r wurde das Kapital der Gesellschaft auf 250 000 Pfund erhöht. Die Gesellschaft verfügt über ISO 000 Pfund Kapital und Reserven. Sie plant Bewässerungsarbeiten im Kishon-Tal östlich von Haifa vorzunehmen. Nach einer Veröffentlichung des Statistischen Büros der Palästina-Regierung betrugen die Einlagen in den palästinensischen Niederlassungen ausländischer Banken Ende Oktober 1936 14 140 146 Pfund. Das bedeutet eine Steigerung von 30 000 Pfund gegenüber September 1936. Die jüdischen genossenschaftlichen Kreditinstitute hatten Einlagen von insgesamt 2642053 Pfund. Unter den Niederlassungen ausländischer Banken ist auch die Anglo-Palestine- Bank einbegriffen, deren Depositen Ende Oktober allein 7i/a Millionen Pfund betrugen. Im Oktober 1936 sind nach einer Bekanntmachung des Statistischen Büros der Palästina-Regierung 1264 Dun am Land von Juden erworben worden, die dafür 73!4 Pfund zahlten. Von Januar bis Ende Oktober 1936 kauften Juden 16 700 Dunam Land von Arabern für einen Betrag von S9 315 Pfund. Im Laufe der ersten zehn Monate des Jahres 1936 erwarb die Regierung von Arabern 1278 Dunam Boden, die Stadtgemeinden 29 Dunam, Kirchen, Klöster und Europäer 3058 Dunam. Auf dem vom Keren Kajemefh kürzlich neu erworbenen Boden auf Beisan-Oebiet wurden soeben zwei Gruppen Kolonisten angesiedelt: Die Kwuzah „Tel Amal" des Ha- Bar Mitwah-Terminci Am 13. l'ebriiar (2. Adar): Bernhard Hausmann, Sohn von J. Hausmann, Tel-Awiw. Aclind Ilaamstr. 126.— Am 20. Februar (9. Ad.ir): Hein?. (Zwi) Hau in, .Sohn von Hans Baum (fiiiher Leipzig). Tel-Awiw, laeklr. 6, schomer Hazair und die Kwuzah „Hasade", die bis zuletzt als Lohnarbeitergruppe in Rischon le Zion gearbeitet hat. In der arabischen Zeitung „El Dschamea e! Islamia" wird festgestellt, daß die Mieten in Jaffa stark gefallen sind. Es wird dies darauf zurückgeführt, daß die jüdischen Kaufleute während der Unruhen die Stadt verlassen und ihre Läden geschlossen haben. Man rechnet in Jaffa auch mit einer empfindlichen Einschränkung der Bautätigkeit infolge des Sinkens der Mieten. Die Palestine Brcwery Ltd. in Rischotr le Zion, die vor einem Jahr ihren Betrieb aufgenommen hat, hat bis Ende des Jahres 1936 22 000 hl oder 5,3 Millionen Flaschen Bier erzeugt. Vor einigen Monaten hat sie auch mit der Mal/bicibrauerei begonnen. Das Kapital der Gesellschaft ist von 50 (XM) aut 60 000 Pfund erhöht worden. Die Brauerei liefert zwei Drittel des gesamten Bierkonsums, der im Jahre 1936 auf 30 000 hl geschätzt wird. Die palästinensische Schokoladenfabrik „Elite*1 verdoppelte ihr Aktienkapital auf 16000 Pfund. Die neuen Aktien wurden von den bisherigen Aktionären übernommen, die sich meist in England und dem übrigen Europa befinden. Eine ägyptische Zeitung meldet, da(i arabische I inaiizgruppeu in Palästina der ägyptischen Regierung angeboten haben, einen ständigen A u t o b u s d i c n s t zwischen Aegypten und Palästina einzurichten. Das Kapital der zu gründenden Gesellschaft soll von Aegyptern und palästinensischen Arabern aufgebracht werden. Bevollmächtigter der palästinensischen Araber soll der Bürgermeister von Bethlehem sein. Die Zifrus-Cxportgcnossenschaff „Pardcss", die im Jahre 1900 gegründet worden ist, zählt jetzt S00 Mitglieder und ist damit die größte Exporfgenusscuschatt Palästinas für Zitrusfrüchte. In der letzten Saison veisehiffte sie 27,2 "o aller ausgeführten Zitrusfrüchte. Das Kaffecspczialhaus „Atara"', das au (kr seinen Filialen in Haifa und Jerusalem 35 Verkaufsstellen in fast allen Moschawoth im Lande eingerichtet hat, ei öffnete eine neue Filiale in Tel-Awiw, Allenbysfr. IIS, Ecke Rothschild Boulevard. Hausbesitz und Hypotheken Unter diesem Titel bringt die „Jud. Rundschau" in Nr. 2 eine Zuschrift von Dr. Jakob I. e v i - Jinh-alein-Talbicli. In dieser wird die heutige Hypothckenbclastiing in Palästina als durchaus tragbar bezeichnet. Dr. I.evi erklärt, ein Zinssatz von 7V'ä "<> werde auch vom Hausbesitzer als gesund bezeichnet. Das mag vielleicht sein; aber vom Standpunkt des Mieters — und auf den kommt es ja an, da dieser die Zeche zu bezahlen hat ..... ist dem auf das alleriiachdrückliebste zu widersprechen; abgesehen davon, daß eine V '■• prozentige erste Hypothek eine noch viel höhere lielashing für die zweite bedeutet, gibt es kein Land der NX'elt, in dem mit derartigen Zinsbelastungen erträgliche Mieten erzielt werden können: England, Holland und auch Deutschland rechnen für ihre Arbeiierwohnungen mit einer I hirehscluiitlsbelastung von 3Va-5 o;0. Solange Palästina keine billigeren, langfristigeren und ausgiebigeren Hypotheken erhält, ist die beutige Vt'ohnungssituation nicht zu sanieren. Die teueren Hypotheken sind fast ausschließlich verantwortlich für die Tatsache, daß man hier etwa das Doppelte für ein Zimmer zahlt als in Europa und damit eine Ueberfüllung der Wohnungen und eine Ueberbelastung des Budgets mit Miete (35—50 <•:<.) feststellen muß. Wenn hier keine Aenderung eintritt, wird Palästina konkurrenzunfähig sein und sanitär wie hygienisch die heranwachsende Generation auf des schwerste gefährden. Man sage nicht, daß hier ein frommer Wunsch vorgetragen wird; die gleiche Nummer der „Jüd. Rundschau" berichtet von den Arbeiten des Runninsehen Forschungsinstitutes und ihren Arbeiten auf dem Gehietc des Wohnungswesens; die erste größere Arbeit dieser Stelle wird aus einem kollektiven Zusammenarbeiten von I achlcuien heraus zeigen, wie man diesem Krebsschaden des Landes a b helfen kann; heute aber sei gesagt, daß erfreulicherweise die Zahl der Geldgeber im Lande zunimmt, die mit bescheideneren Zinssätzen zufrieden sind; das gilt für die amerikanischen Hypothekenbanken (zur Zeit 7< ) und namentlich für englische Versicherungsgesellschaften, die zu (> ».. neuerdings Geld hierher geben. Man kann mir hoffen, dal! der Unfug der 8 «»igen Belastung für die I. und ') - 12 ".-.ige für die II. Hypothek allmählich aufhören wird. F rnsl K a Ii ii, Jerusalem (Schluß des Palästina-Teils) $. ). Agnon: Die Verlassenen Erzählung von einem Rabbi aus dem heiligen Lande, möge es erbaut und festgegründet werden Aus dem Hebräischen von N. N. OLATZER (Schluß) „Siehe auf den Bergen die Füße des Freudenboten." Ein Läufer kam, einen Brief in den Händen: Haltet euch für den dritten Tag bereit! Da rüsteten sich alle, am Freudenfeste von Bräutigam und Braut teilzunehmen und sagten: Eine kostbare Perle fischten die Abgesandten aus dem Meere des Talmuds in Polen; die Hochzeit wird von einer Pracht sein, wie sie Jerusalem nicht gesehen hnt, seit dem Tage, da seine Kinder in die Verbannung gingen. Alle Manner Jerusalems zogen aus, den Bräutigam zu begrüßen und führten ihn mit, großen Ehren, mit Trommeln, Cymbeln und Reigen heim. Man brachte ihn ins Haus des Rabbi Achieser und die Großen Jerusalems Probten sein Wissen; die Worte seines Mundes waren Perlen, seine Erscheinung glich der eines Königs. Der Tag der Trauung kam heran. Man führte die Braut, z.um Rabbi hin, und dieser breitete seine Hände über ihr Haupt zum Segen aus. Da brach sie in Weinen aus und bat, die Leute möchten sich entfernen! Als alle gegangen waren, berichtete sie dem Rabbi die ganze Hegebenheit, daß sie selbst den Schrein umgestürzt habe und gefrevelt gegen das Gebot: „Schweifet nicht hinter den Gelüsten eurer Herzen her!" Einchrocken und entsetzt stand der Rabbi da und Angstgesichte verwirrten ihn. Doch gleich fand er seine Fassung wieder und um die Braut am Tage, da ihr Vertebung wird, zu ehren, begann er ihr Trost zu spenden, r sprach zu ihr: „Mein Kind, unsre Weisen, ihr Andenken zum Segen, sagten: .Wenn ein Mensch heiratet, sind seine Sünden zu Ende.' Hier wird nicht vom Manne gesprochen, sonders vom Menschen, woraus folgt, daß der Heilige, gesegnet sei er, sowohl dem Manne als auch der Frau, wenn sie heiraten, ihre Sünden vergibt. . Du meinst vielleicht: die Sünden seien wohl zu Ende, doch was sollten die Frauen tun, da es ihnen nicht vergönnt ist, viele Gebote zu erfüllen? Aber: Ein wichtiges Werk hat ihnen der Herr, er sei gesegnet, anvertraut: Kinder zu erziehen, rechtschaffen vor Gott!" Und auch er fand Worte des Lobes für ihren Bräutigam, um ihre Liebe zu ihm und die Anhänglichkeit ihres Herzens zu wecken. Was aber den Schrein betreffe, so sei Schweigen das beste, er selbst werde ihn an seinen Ort im bethause bringen, und Gott, der gütige, werde ihr vergeben. Als die Braut das Haus des Rabbi verließ, befahl dieser, Rabbi Achißser zu nagen, man möge Ben Uris Sehrein ins Bethaus bringen. Man ging, ihn zu holen, doch man fand ihn nicht mehr. Ward er gestohlen, fortgeschafft, in den Himmel entrückt? — wer kanns melden, wer kanns sagen? Der Tag ging zu Ende, die Sonne war untergegangen. Die Vornehmen Jerusalems versammelten sich im Hause des Rabbi Achieser, um das Hochzeitsfest seiner Tochter zu feiern. Jerusalem erstrahlte in wunderbarem Lichte, und der Garten duftete wie die BBume des Libanon. Die Spielleute holten ihre Instrumente hervor, und die Diener klatschten in die Hflnde, zur Steigerung der Lust! Und dennoch schien es, als habe sich Trauer des Raumes bemächtigt, als wollte diese das Trauzolt umstoßen und es über ihren Köpfen fortreißen. Man setzte sich um den Tisch des Edlen, um vom Hochzeitsmshl zu genießen. Die Gelehrten erfreuten sich an den köstlichen Speisen, an dem würzigen Weine, an den Liedern und Hymnen. Der Spaßmacher »teilte die Frommen zum Reigen auf und diese hoben zu tanzen an, wie da» Gebet es will, um Braut und Bräutigam zu erfreuen. Aber eine Traurigkeit lag über diesem lieblichen Paar, wie eine Scheidewand trat sie zwischen die beiden und trennte sie mit Gewalt voneinander. „Nicht nahte eines dem anderen all die Nacht", auch nicht, als man sie in ein besonderes Gemach führte. Er saß in einem Winkel für sieh, und ließ seine Gedanken schweifen. Er dachte an sein Elternhaus und an Fradle, seine Nachbarin, deren Mutter bei ihnen bedienstet war, seit seine eigene Mutter starb. Und Dina saß in einem andern Winkel, als lausche sie fernen, süßen Melodien. Wohin ist Ben Uri gegangen, wohin hat er sich gewandt? ... Der Jüngling aber sprach das Morgengebet, In den Gebetmantel eingehüllt, mit den Riemen geschmückt. Während der sieben Hochzeitstage laßt man einen Bräutigam nicht allein, um ihn vor den Geistern zu behüten. Aber was sollte er tun, wenn die Geister in seinem Herzen drinnen herrschen und ihn so sehr quälen? Und gerade in der Stunde, da er sein Herz rüstet, „Höre Israel... der Ewige ist einzig" auszurufen, und da er, um das Wort „Ein/iß" lange auszudehnen, mit seiner Hund die Augen verdeckt, damit nichts den tiedanken störe, ..... da drängt sieh Knülle in seine Hand ein, sie erseheint und tritt vor seine Augen. Und hatte sie sieh einmal hier eingenistet, so wich sie nicht von dannen, bis er seine Gebet i-iemen abgelegt, und sie in ihren Beutel getan halte. Wie schön ist doch dieser Beutel, wie schön sind die Buchstaben, die Fradle darauf gestickt hatte! Er preßt den Beutel zusammen, legt ihn in die Gebetmantelhülle, um ihn vor den Augen der Geschöpfe zu verbergen. Sein Vater, der Rabbi, schaut ihm in Erregung; und Besorgnis zu: Was könnte seinem Sohne im Hause des Schwiegervaters fehlen? Reichtum? Hier herrseht ja Reichtum und Vornehmheit! Eine Frau? Die .schiine und anmutige Frau ist ja sein! Eine Wohnung? Die ist ja wie ein königlicher Palast. Doch wo ist sein zufriedenes 11er;'.? Man kam zum Mahle zusammen, sprach die Sieben Segensprüche und setzte Braut und Bräutigam nebeneinander. Ihre Körper waren sieh nahe, aber beider Herzen andern hingegeben. Zueinander fanden sie nie. Monate kamen und gingen. Viele Jünger hatten sieh versammelt, um die Lehre ans dein Mundo Rabbi Jccheskcls zu hören, und die Tnlmudschule ward der GoUcsgelehrten voll. Gnadenreiche Lehre war auf seinen Lippen; jede Erklärung, jede /Auslegung, jede Andeutung, die aus seinem Munde kam, begleiteten gute Engel und erleuchteten das Angesicht des Spreehers mit dem Liebte der Lehre. Aber mitten im Lehren krampfte sieh sein Herz in Kummer zusammen, als wäre er, Gott bewahre, undankbar für das Glück, das Heilige- Land betreten zu haben. Dina lebte einsam und still. Iiier und da verließ sie für eine Weile die Wohnung und ging zu dem Winke! hin, wo Ben Uri am Schrein zu arbeiten nflcgte, und betrachtete die Geräte und Farben, auf denen Staub lag. Dann faltete sie ihre Hfindo und sang eines der Lieder Den Uris, bis ihre Augen voll Trünen standen. Einmal ging Rabbi Jecheske! dort vorbei und hörte eine schöne Melodie, die aus jener Stube kam. Er wollte stellen bleiben und hören, aber man sagte ihm, das »ei nicht die Stimme eines Menschen; nein, es stöhnten in der Stube jene Geister, die aus dem Hauch)