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Jüdische Rundschau · 1937-01-26 · Heft 7 (26.1.1937) · page 6

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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 7, 26.1.1937 Erstes Steinberg-Konzert Zweite Darbietung des „Huberaian-Ordiesters" Auch das zweite Konzert des „Huberman-Orchesters", unter Leitung des Dirigenten H. W. Steinberg, war romantischer Musik gewidmet. Im Zentrum stand Brahms Violinkonzert in D-Dur, gespielt von Adolf Busch, dessen weltbekannte Persönlichkeit einem Publikum, das vor noch nicht langer Zeit die Konzertsäle deutscher Städte füllte, nicht mehr vorgestellt zu werden braucht. Adolf Busch ist eine der reinsten und edelsten Mtisikertvpen, die es heute noch gibt. Musik der Romantik findet an ihm einen ebenso hervorragenden Interpreten wie Bach. Diese beiden Seiten seines Wesens kommen naturgemäil beim Spiel Regerscher und Brahmsscher Werke am charakteristischsten zur Auswirkung. Das Brahnis-Kon/ert erfalit diesen Künstler vielleicht noch monumentaler, als es vom Komponisten selber realisiert werden konnte — insbesondere in den Ecksätzen. Das Zentrum war aber die rein vom Musikalischen her wunderbar herb und zart gestaltete re/itatorische Kantilcne des Mittelsatzes, während Büschs wunderschöner emotioneller Klang in den Ecksatten teilweise durch etwas zu dickes Orchestertutti verdeckt wurde. Das ßrahms-Konzcrt wurde — wie bekannt — von dem großen jüdischen Geiger Joseph Joachim, der auch bei der Komposition beratend mitwirkte, im Jahr 1879 uraufgeführt. Huberman hat es dem Komponisten im Alter von zwölf Jahren vorgespielt. Ii. W. S i e i n be r g ist eigentlich das gerade Gegenteil von Husch. I 'ml e< war trotz des riesenhaften gemeinsamen Frfnlgis — vielleicht keine übermäßig glückliche Idee, die Heidtii so \ersihinUinn Musiker zusammenzubringen. Steinbergs Starke ist gerade ein sehr extensiver, schwellender, oft stark opernHfier Ort iiesterklang, kühl-sachliche Herausprofilicrung der instnimeiitalthemuük. Dabei erreicht er sehr ausladende Steigerungen und instrutiientative Wirkungen großen Stils. Steiuberg ist seit langem als hervorstechend versierter Orchester!« iter und -er/ieher bekannt. Charakteri.-ti<rli war seine Programmwahl, die stark kotori.stischr, naturalistische, effektvolle, etwas theaterhafte Musik bevorzugt. Wie eine Bombe schlug die quasi-orienta- Kadio Jerusalem Neue Solo-Instrumente Der Fagottist Chatioch Marcus war erfolgreich an einem ungewöhnlichen Piwgramm beteiligt, in dem dem Fagott eine soiistischc Rolle zufiel: man brachte eine Sonate für Fagott mit Cello- und Cembalobegleitung von Telemann, ein Duo für Fagott und Cello von Mo/art und ein Trio für Flöte, Fagott und Klavier von Beethoven zur Aufführung, (f lute: William von Blaese, Cello: Daniel llofmekler, Cembalo und Klavier: Erich Sachs.) Ein anderes instrumental interessantes Konzert wurde vom I lornqtiartett des „Pal est ine Orchcstra" durchgeführt. Erster Hornist: Horst Salomon. Die Hornisten spielten Werke von Mendelssohn, Sehein usw. Das wenig bedeutsame Programm erklärt sich aus der Tatsache, daß die Literatur für dieses Instrument beschränkt ist. Max Lampel gab ein Ürgel-Kon/ert mit Werken aus dem V). und 17. Jahrhundert: Choral von Samuel Scheidt, O-Moll- Prähidium und Fuge von Buxtehude und eine Passacaglia von J. Kaspar. Mau sieht, wie vielseitig und perspektivenreich sich das Radio in instrumentaler Hinsicht entwickelt. Konzerte wie diese sind auch in den Programmen bedeutender Sender höchst selten zu finden. Jüdische Musik Warum gelingt es den wenigsten Pianisten, jüdische Klaviermusik befriedigend zu interpretieren? — jüdische Klavierwi ikv enthalten zwei grundlegende Elemente: Das kciu-PianistNche und das Jüdisch-Fmotionello bzw. Jüdisch- Inhaltliche. Der moderne Pianist erreicht meist nur das Rein- Piamstisriie. Den gieislig-cntpfindungsiiiäßigcn Inhalt kann er nicht dar--;. Ilcn, weil er ihn nicht ha*, weil ihm der traditionelle 1 l'ndiis niesi fehlt. Das war spürbar in Frank Pollacks Interpretation dir „Palästinensischen Skizzen" von Joachim Stutschewsky. Pollack ist ein guter Pianist, aber bei diesem Werk waren z. B. ilie Tempi meist zu rasch und dem Stück „Dvukuth" merkte n»o wahrhaftig nicht seine Herkunft aus der rlias-.iiliNclien Sphäre an. Der (k-iger hat rs leichter - die Geige gehört zu den ..Vla-e isch-estiiiitischen" Instrumenten, Sascha Parnes spielte den 2. m;d Teil der Baalscheni-Suitc von Kniest Bloch durchaus, echt und iil>erzeiigungskraftig. Meist hört man nur den 1. Teil dieses reichlich abgespielten und weitaus überschätzten Werkes, l.s ist nicht zu verstehen, warum die jmlis<-bi:i Gi i;;cr ihr Repertoire nicht erweitern. Es gibt ""v" viel selten oder nie Gespieltes von Alexander und Grcgnire Ki ein, Weprik, Guessin usw. In den: „Quodlibet auf jüdische Themen" E. W. Sternher;"- (tiu Sn. ichoRbotei), emem musikalischen Scherzstück, einer Art „Puzzle-Spiel", dem bekannte palästinensische Lieder zugrunde b't »eti, zeic»t sich (wie übrigens auch in den Werken Braiidinanns usw.), wie allmählich das slawische Element aus dem Osten und Westen Europas stammender Komponisten zugunsten eines Klangstils zunicktritt, der mehr Orientalisches, Palästinensisches zur Fntlaltiuig bringt. All dies wirkt vorläufig noch als Experiment, oft maniriert und konstruiert. Fs ist aber doch interessant zu beobachten, wie die produktive Klang\(irstelhuig des modernen, bisher in entgegengesetzter Richtung trainierten und von ganz anders woher inspirierten Komponisten sieh allmählich verändert, neue Elemente aufnimmt und zu immerhin bedeutsamen realen Resultaten geführt wird. - Michael Taube erwies sich, wie immer, als temperament- und verständnisvoller Interpret des Sternbergschtn Schaffens. Das Radio-Kammerorchester ist Aufgaben moderner Musik langst gewachsen. Wie Klange aus vergangenen Zeiten wirkten dagegen frühe Gesänge Heim ich Schalits und Erich Walter Sternbergs. Den Jehuda-Levy-l.iedern Schalits wurde eine ältere deutsche Uebersetznng zugrunde gelegt. Sie haben einen allgemeinen, ivrisch-relrdösen Charakter; ihre strömende Ruhe wurde durch Lisa Jülichs kultivierten Sopran hervorgehoben und durch Michael Taubes hervorragende Klavierbegleitung unterstützt. — E. VC'. Sternbergs Lieder haben mehr lyrische Art. Beide Komponisten sind seither stilistisch andere Wege gegangen •-■ unter dem Einfluß ihrer intensiven Absichten zu neuer jüdischer Musik hin. Die eben gehörten Lieder sind nicht mehr repräsentativ für sie. Das „Jerusalenter MSnnerquarte t" (1. Tenor: L. Rahinowitz, 2. Tenor: E, Cioidstein, Bariton: Sch. Weißfisch, Baß: A. Btrman. Dirigent: Mosche Rappaport) sang jüdische, z. T. palästinensische Oesänge, die ihr Dirigent selber vierstimmig bearbeitet hat. Diese Bearbeitungen erinnern bei allem Wohlklang zu stark an den Chorsatz der Don-Kosaken und verwandeln diese Lieder so stark nach der russischen Seite lische, eminent bunte, uns heute etwas kinohaft anmutende Musik der „Polowetzer Tanze" des russischen Komponisten Alexander Borodin ein. (Das Publikum raste.) Hauptstücke des Stciubergschen Programms waren die beiden sinfonischen Dichtungen der beiden jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn und Arnold Schönberg, „Hebridenouvertüre" und „Verklärte Nacht". Es gibt manche Aehnlichkeit der naturalistischen Stimmungswerte, der Instrumentierung, Das homophone Partiturbild Mendelssohn entwickelt sich bei Schönberg rapide zu extremer Polyphonie. Beide Werke entspringen einem romantischen Naturgefühl, das sich die Vieifarbigkeit des Orchesters dienstbar macht. Steinberg, der zu einer gewissen Schcmatik der Gestaltung neigt, stellte die Thematik beider Werke scharf und fresKohaft heraus. Dadurch werden beide Stücke entsentimentalisiert, erhalten jedoch bisweilen eine dramatische liebersteigertheit, die an Wagner erinnert. Sicher wirkt die Hebridenouvertüre stellenweise als eine Vorahnung Wagners, und ebenso ist die Herkunft der „Verklärten Nacht" vom Tristan her unverkennbar -- immerhin zeigt sich doch schon in diesem frühen Schönberg ein so exzentrisches Po'.yphon'cgewebe, daß eine ganz, neue Geistigkeit — überhaupt eine ganz neue Musikgesinnung — damit angezeigt ist. Steinberg betonte das wagnerische, Schwelgerische und faf!te die bei Schönberg so unendlich linear gezeichneten Mittelstimmen zu einem derart schwül-dicken Orchesterklang zusammen, wie er von Schönberg fraglos nicht beabsichtigt war. Sicher wird die Hauptthematik dadurch einfacher und verständlicher — aber die Hintergrundzeichnung, so charakteristisch für Schönberg, geht dadurch verloren. An diesem Werke kann das Streichorchester alle seine hervorragenden Eigenschaften beweisen. Man soll sich aber nicht etwa der Täuschung hingeben, daß diese Werke von Borodin und Schönberg „moderne Musik" sind: es sind Uebergangserschcinungen, zwischen Nachromantik und Impressionismus stehend. Für das Orchester bedeutet Steinbergs Erziehung unendlich viel. Ein großer Könner ist hier am Werk, auch wenn sein Stil vielleicht nicht unbedingt allgemeine Anerkennung finden wird Alice Jacob-Loewenson hin, daß man meist vergißt, daß es jüdische Lieder sein sollen. Immerhin ist der Bearbeiter sehr bewandert und talentiert und versteht allerhand vom Chorsatz. Jüdische Interpreten moderner jüdischer Komponisten Den eigenwilligen Neo-Akademismus des sympathisch-abseitigen Wieners Hugo Kauder gestaltete Taube mit Hilfe des Kammer-Orchesters zu neuartiger Form- und Klangwirkung. Das Werk: „Präludium, Passacaglia und Fuge" brachte der Dirigent durch zeitlupenhafte Plastik zu evidenter Größe. Hans Schlesinger dirigierte eine andere neue „Passacaglia" des schon öfter als nervorstechend befähigt erwähnten Bertholcl Goldschmidt. — Alice Jacob-Loewenson spielte die erste Klaviersuite des unlängst verstorbenen Frankfurter Komponisten und bedeutenden Musikpädagogen Bernhard Sekles, die durch eine virtuose und völlig neuartige Schlußfuge bedeutsam ist. — J. Brandmann spielte, von dem Pianisten Abileak begleitet, seine Violinsonatq; das Studio-Ensemble führte ein Quartett des ebenfalls in Palästina lebenden Jizchak Edel auf; Verdina Schlonsky spielte Kleinigkeiten von Hans Eisler und Verdina Schlonsky; der neuerdings dem Radio zugesellte Sascha Parnes spielte „La Boeuf sur le Toit" von Darius Milhaud. Altes neu gehört Von Dr. Peter Gradenwitz gab es zwei Neubearbeitungen: eine „Suite über Musik von Salomone de Rossi Ebreo" sowie das Arrangement eines Konzertes für Klarinette und Streicher (Klarinette: Jochanan Cohen) von Johann Wenzel Anton Stamitz, dem Musikrevolutionär des IS. Jahrhunderts. Dieses Conzerto ist sympathisch trocken, manchmal etwas zu nüchtern im Stil. Hans Schlesinger, der es mit einem Conzerto von Ludwig Spohr kommunizierte, führt derlei Musik mit der geeigneten Partiturtreue aus. Dr. Benno Bardi dirigierte eigene Bearbeitungen einer Serenade von Lcclair und einer Streicher-Suite von Mendelssohn. — Karl Salomon brachte u. a. eine Aufführung des 4. Brandenburgischen Konzerts von Bach, dessen zauberhafte Besetzung (2 Flöten, Violine, Cello und Streichorchester) reizvoll m Erscheinung trat. — Der englische Pianist Seal führte innerhalb seiner Serie französischer Musik die Cembalisten des 17. Jahrhunderts in geschmackvoller Auswahl auf dem Piano vor. Toscanini-Nadiklang Durch die einzigartige interpretative Einstellung Toscaninis haben abgebrühteste Konzertbesucher Pa'ästirsas Werke neu gehört, die ihnen längst nicht mehr konzertwürdig erschienen waren. Der innere Höhepunkt des ersten Abends war ohne Frage der 2. Satz der „Unvollendeten". Ja — war sie denn überhaupt noch „unvollendet"? — Die allgemeine Auffassung geht dahin, sie als genialen zweisätzjgen Torso einer viersätzigen Konzeption aufzufassen. Ernst Krenck hat einen Schlußsatz dazu komponiert, Die meisten Dirigenten interpretieren den 2. Satz als eine „Aufhellung" des düsteren 1. Satzes — dadurch tritt das Fragmentarische noch mehr in den Vordergrund. Toscanini stellt dagegen den 2. Satz als eine Fortsetzung, Vertiefung und Steigerung des 1. Satzes dar — und sofort entsteht ein glaubwürdiges Ganzes mit einem überzeugenden Schluß. Nach dieser Auffassung könnte es scheinen, als ob Schuberts Idee in Wirklichkeit durch diese zweisätzige Form hinreichend zum Ausdruck gekommen ist. Er hatte ganz einfach die Konvention der Klassiker durchbrochen und eine zweisätzige Sinfonie geschrieben. Die 2. Brahras-Slnfonie vermittelt dagegen selbst in Toscaninis hinreißender Wiedergabe genau die cn'gegcngcsetzten Empfindungen: hier schlägt sich ein Akademiker erfolglos mit klassischen und romantischen Traditionen herum, erreicht damit das, was Paul Bekker bereits vor längerer Zeit etwa als „bürgerliche" Form der nachbeethovenschen Sinfonie im Gegensatz zur „monumcntalisiertcn" Form Gustav Mahle r s formuliert hat. — Die Brahms-Sinfonie war ein Fremdkörper im Programm. Sie ist die unzulänglichste und unbedeutendste der Brahms-Sinfonien. Ohne Frage wäre eine der ersten Mahler-Sinfonicn mit ihrer volkstümlichen Melodik, ihrer genialen Koloristik — zumal für „jüdische" Ohren — viel leichter verstandlich gewesen, Toscanini selber hatte gerade kurz vorher in Paris Busoni, Schostakovich und andere moderne Komponisten aufgeführt. Der Maestro ist bekannt dafür, daß er sich für Junges und Neues einsetzt. Einem so hervorragenden Orchester kann eine der einfacheren Mahler- Sinfonicn keine kompliziertere Aufgabe sein; etwa fehlende Instrumente hätten ebenso leicht beschafft werden können wie der zusätzliche Oboist, der tclegraphlsch aus Holland berufen worden ist. Neue Pläne Welt-Zentrum für jüdische Musik in Erez Israel. Uns wird geschrieben: Ein Initiativ-Komitee, bestehend aus Dr. Salli Levi, Jehuda Schertok und Hans Eisenstädt, hat sich die Aufgabe gesetzt, die Schaffung eines „Welt-Zentrums für jüdische Musik in Erez Israel" in die Wege zu leiten. Dieses Musikzentruin wird die Aufgabe haben, den Kontakt zwischen Erez Israel und den jüdischen Komponisten der Welt herzustellen, um so der nationalen Musikbewegung einen Aufschwung zu verleihen. Die Künstler sollen zum Schaffen von Werken angeregt werden, die auf dem Wege zu einem neuen jüdischen Musikstil richtungweisend sind. Eine möglichst restlose Erfassung des schon vorhandenen Materials an Schöpfungen (auch unveröffentlichter Manuskripte) soll in einer Zentralstelle erfolgen. Es besteht die Absicht, die auf diesem Wege einlaufenden Druckschriften und Noten der Jüdischen National- und Universitäts-Bibliothek zu übergeben. Außerdem wird dieses Material der Musikabteilung des Palestine Broadcasting Service (Pal. Rundfunk) eingereicht. Eine „Gesellschaft für jüdische M u - s i k" soll ins Leben gerufen werden, sowie eine Zeit» schrift für jüdische Musik, die in gewissen Abständen über die Arbeit der Gesellschaft berichten wird. Ein zu gründender Musikverlag soll den jüdischen Komfionisten die Veröffentlichung ihrer Schöpfungen erleichtern, n allen musikalischen Zentren der Welt sollen Komitees gebildet werden, die im Zusammenhang mit der Zentrale an diesem Werk mitarbeiten. Das Kultur-Departement des Waad Leumi hat beschlossen, eine Zusammenkunft aller jüdischen Musiker von Erez Israel einzuberufen, auf der dieses Programm zur Diskussion gestellt und beraten wird. Ihre Mitarbeit haben bis jetzt zugesagt: Jizchak Grünbaum, Mitgl. d. Exekutive der Jewish Agency, Prof. D. Schorr, Prof. Dr, David Yellin, Prof. Dr. S. Rosowsky, Israel Brandmann. Emil Häuser, Dr. Erich Hurwitz, Stefan Wölpe, Michael Taube, Leo Low, Max Lampel, Dr. Eliezer Lubrany, W. Latzki-Bertholdy, Hermann Swet, Karl Salomon, Ben- Tzissy, Dr. Josef Kastein, Meiiasche Rabinowitz, Dr. Rosolio. Ferner haben folgende Organisationen und Institutionen ihre Unterstützung zugesichert; Waad Leumi, Erziehungsabteilung; Histadruth Haowdim, Kulturdepartement; Hebr. Lehrerseminar Jerusalem; Wizo. (Anschrift: Dr. S. Levi, Jerusalem, King George Ave., House Halbreich.) Kammermusik. Wir erhalten folgende Mitteilung: Ein Kreis für Kammermusik verdankt seine Entstehung der Initiative einiger neueingewanderter Olim aus Deutschland. Während an der Aufführung von Werken für großes Orchester in Tel-Awiw kein Mangel herrschte, ist für die Kammermusik verhältnismäßig wenig geschehen. Der erste Abend der neuen Vereinigung war Beethoven gewidmet und brachte neben dem Trio Do minor op. 1 Nr. 3 in seinem vokalen Teil, den ein Mitglied des Gillis-Studio, Frau Ada Schor, bestritt, die Klärchen-Licder und die Schottischen Lieder mit Trio-Begleitung. Das Trio setzte sich aus der Pianistin Frau Schmucl<Icr-Heß und den Herren Brandmann (Violine) und Weißgerber (Cello) zusammen. Das zweite Konzert, das bereits in einem größeren Saale stattfinden konnte, war Schumann gewidmet. Es ist dem Kreis für Kammermusik gelungen, ein Quartett aus den Mitgliedern des Huberman-Orchesters zu bilden, das an diesem Abend das Quartett op. 41 Nr. 1 und — unter Mitwirkung von Frau Schmuckler-Fleß — das Piano-Quintett op. 44 in ausgezeichneter Weise zu Gehör brachte. Den vokalen Teil hatten Mitglieder des Gillis-Studio übernommen, die in Solo-, Duett- und Quartett-Gesängen das „Spanische Liederspiel" (in hebräischer Uehersetzung von Herrn Meir Fredmann) aufführten. Neben der allmonatlichen Veranstaltung von Kammermusikabenden in Verbindung mit Vokalmusik (in Vorbereitung befinden sich ein Brahms-, Tschaikowsky-, Bach- und ein Kammermusik-Abend palästinensischer Komponisten) veranstaltet der Chug Vorträge mit musikalischen Beispielen zur Einführung in die großen Symphonie-Konzerte, musikwissenschaftliche Vorträge und bereitet Konzerte in der näheren und weiteren Umgebung von Tel-Awiw vor. —• Adresse: Tel-Awiw, Brenner-Strcet 16. Huberman über das Palästina-Orchester. Unser Londoner J.K.-Berichterstatter schreibt uns: Die gesamte englische Presse berichtet in großer Aufmachung über die Toscanini- Konzerte in Palästina. Die großen Zeitungen würdigen eingehend die geistige Bedeutung des neuen Orchesters tür Palästina und das jüdische Volk. So setzt sich der „Daily Telegraph" des näheren mit dem im Tel-Awiwer Konzertprogramm erschienenen Artikel Hubcrmans über die „Juden in der Musik" auseinander, der in der Hoffnung mündet, daß Palästina einmal ein neues Musikgenie erzeugen möge. Fl über m a n, der sich jetzt auf einer Konzerttournee in England befindet, äußerte einem Vertreter des „M anchester Guardia n" gegenüber, daß er am meisten von der einzigartigen Rolle beeindruckt sei, die die Arbeiter im physischen und kulturellen Aufhau des Landes spielen. „Es ist der überwältigende Eindruck, den ich als Künstler in einem Lande empfange, wo zum erstenmal in der Weltgeschichte (mit Ausnahme des alten Griechenlands) Symptome einer Gemeinschaftskultur vorhanden sind,, der mich zum Anhänger Palästinas gemacht hat." Die wunderbare Haltung Toscaninis könne er nicht in Worte fassen. „Ich würde nicht gewagt haben, ihn zu bitten, ein zweites Mal nach Palästina zu kommen. Aber er rief spontan aus: ,Wie schwer es mir fällt, dieses Orchester zu verlassen, Huberman! Ich komme nächstes Jahr wieder.' Toscanini sei ein sehr schwieriger Mann, wenn man etwas von ihm gegen seine Ueberzeugung verlangt, aber er sei der großzügigste Mensch, wenn es sich um Opfer für eine große Sache handelt. Die ägyptische Tournee sei vielleicht von großer historischer Bedeutung, da Palästina zum erstenmal ein Zentrum werde, von wo aui der Orient befruchtet werde." — Huberman äußerte sich bereits über einen neuen Plan, der ihn beschäftigt, eine Musikakademie zu gründen. Diese Akademie werde vollständiger sein als jede bisher bestehende, da sie eine allgemeine Erziehung mit der musikalischen Ausbildung har« monisch vereinigen werde. Aus Palästinas Musikwelt Am 15. Januar feierte der verdienstvolle Musikpädagoge Prof. David Schorr seinen 70. Geburtstag. Prof. Scnorr hat sich in den vielen Jahren seiner Wirksamkeit in Palästina durch populäre Vorträge, Konzerte, Gründung von Musikvereinen und nicht zuletzt durch seine liebevolle Förderung jugendlicher Talente große Beliebtheit errungen. Auch für jüdische Musik zieht der Jubilar immer wieder von neuem ins Feld. In einem Hauskonzert im Hause Erich Cohn (Jerusalem) sang Edith Boroschek Lieder von Georg Wolfsohn und Gustav Mahler. Elisabeth Lesser-Cohn spielte, von Paul Frankenburger begleitet, je eine Violinsonate von Händel und Richard Strauß. Alice Jacob-Loewenson hielt in der Jung-Wizo (Jerusalem) und in der Histadruth (Petach Tikwah) Vorträge über das Thema: „Das palästinensische Volkslied und der moderne Komponist" (mit Platten). Lady Reading traf in Haifa ein. Sie besuchte in Belebung des High Commissioncrs ein Konzert des Palästinaymphonie-Orchesters mit Adolf Busch als Solisten. Weitere Musikberidite / v<m aüCc jacob-Locwemon

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