Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 JOOISCHE RUNDSCHAU Nr. 6, 22.1.1937 Der Vorkämpfer der norwegischen Juden - Emanzipation In der literarischen Welt Norwegens offenbart sich ein Phänomen, das auch vom Standpunkt de* Judentums Interesse verdient. Der grolle nationale Dichter Henrik Wergeland, Schöpfer des nationalen Feiertags, Björnsons Vorläufer und Lehrmeister, Vorkämpfer der Emanzipation des Judentums, ist Gegenstand einer unegewöhnliehen Renaissance. Wesentliches von ihm und über ihn erschien in den letzten fahren. Alle „Wergelandiana" müssen naturgemäß auf des grollen Dichters und Menschenfreundes Wirken für die luden eingehen. Die deutsche Ucbersetzung, die Schreiber dieser Zeilen den beiden Oedichtbänden Wergelands „!>er Jude' und „Die Jüdin" hat angedeihen lassen und die ein sehr wohlwollendes Echo fand (ömtvedts Verlag Oslo 1035), stand bereits im Zeichen dieser Renaissance. Des Dichters Absicht war es, den «dien Streit, den er in einem Ueberrnali von Eingaben an das Storfing für die Zulassung der Juden führen mußte, mit diesen Gedichten seelisch zu unterbauen. — Die Behandlung der „Judensache" im Storting am 9. September 1842, die sein Werk war und ihn mit Hoffnungsfreudigkeit erfüllte, wenn sie auch den endgültigen Sieg noch nicht brachte — ihn sollte Wergeland nicht mehr erleben —, hat Wergeland zum Gegenstand einer interessanten Schrift gemacht. Es ist ein Sitzungsprotokoll, einzig in seiner Art. Den trockenen Kanzleistil, den der Gegenstand aufnötigt, durchbricht immer wieder die edle Schönheit der Sprache des Dichters, den ruhigen Bericht durchbebt die leidenschaftliche Stellungnahme des Menschenfreundes. Unvergeßlich sind die Porträts, die er von den Freunden und von den Gegnern der Duldungsproposition im Storting zeichnet. — Hie kleine Schrift ist in diesen Tagen neu erschienen. Die hochbegabte Schriftstellerin Ingeltorg Refüiig Hagen, die im vorigen Jahre \om gleichen Storfing mit dem Dichter-Ehrcnsold ausgezeichnet wurde, hat das Werk „Jödesaken" aus dem Kanzleistil von vor zirka 100 Jahren in ein modernes Norwegisch übernagen. Den skandinavischen Lesern ist diese Schrift, die immer wieder an Lessing gemahnt, damit aufs neue geschenkt. Rabb. J. Samuel (Oslo) Zionistische Arbeit in Buenos Aires. Aus Buenos Aires wird uns geschrieben: Einige deutsehsprechende Zionisten trafen sich im Hanse der hi.-^ijjvn Organisation, um mit Dr. Mibashan über die Bildung einer eigenen ürunpe zusprechen. (Dr. Mihash.m, der vc|hst längere Zeit in Deutschland gelebt hat, ist zur Zeit auf einer Südamerika-Reise für die Jewish Agency und den K. 11.; vgl. den Bericht aus Uruguay S. 2). Zunächst wurde die Frage erörtert, ob für die Bildung einer uruppe deutschsprechcndcr Zionisten eine wirkliche Notwendigst vorliege oder nicht. Die Notwendigkeit besteh t, und das bewies die zweite Zusammenkunft, zu der etwa 30 wirklich interessierte Menschen erschienen, die freudig die Möglichkeit einer aktiven zionistischen Betätigung begrüßten. Dr. Mibashan leitete auch diese offizielle Zusammenkunft und regte eine interessante Diskussion an, an der sieh alle Anwesenden lebhaft beteiligten. Der aus fünf Personen bestehende, an diesem Abend gewählte Ausschult hat mit der positiven Arbeit begonnen. Aut Anregung von Dr. Mibashan werden voraussichtlich nicht nur rein zionistische Themen behandelt werden, sondern auch aktuelle Fragen, die das gesamte jüdische Leben betreffen, so daß diese neue Gruppe wahrscheinlich baJd einen größeren Kreis deutschsprechender Juden interessieren wird. Wenn die Sprachschwierigkeiten der deutschsprechenden Zionisten überwunden sein werden, soll selbstverständlich die Verschmelzung mit den hiesigen Zionisten erfolgen. Der Talmud In Englisch. Wie wir dem Londoner „O b - Server" vom 10. Januar entnehmen, hat die Soncino- Press in der vergangenen Woche acht Bände einer englischen Taimud-Ucherset/ung herausgebracht, deren erste acht Bände bereits 103t publiziert wurden. Mit diesen 16 Bänden ist die erste Hälfte dieser Talmudübersetzung ins Englische abgeschlossen. Unter der Leitung von Rabbiner Dr. I. Epstein sind 10 Uebersetzer aus verschiedenen Teilen Englands sowie aus Amerika und Palästina zu dieser Arbeit herangezogen worden. Nochmals: Päckchen nach Palästina. 7u den Zuschriften in Nr. 2 und Nr. 3 wird uns mitgeteilt, daß Päckchen nach Palästina b i s / u 1 kg zulässig sind. Das Porto kostet für je 50 g 10 Pf. Nicht zulässig" i>t die Versendung von Päckchen unter der Bezeichnung „Muster ohne Wert", die dann in Pah-tiua Nachporto kosten. Juden und Jüdisches im Rundfunk Frtitig, 22. Januari Pari« (312), 19.33: Schallplatten: Werke von Mendelssohn. — Beiomiinster (540), 20.15: IT. a. Riibin^tciti. — Warschau (1339). 22: Mendelssohn: Aus „SonimcrnacliNtraiiin-'. — London (261), 22.40: Dr. Hein« Unger dirigiert Schubert und Mab Irr. Sennabend, 23. Januar i Tlilversum II (301), 12.55: TJ. a. Ochs. — Brüssel (322). 18: SchitUpIattcn, Schönherg: „Curre-l.iedcr". — Pari; (1848). 18: Srhallplatten: Jehuda Mcnuhin. — Lnibach (569). 18: l". a. Mendel ".söhn: Hebriden-Ouvertüre. — Paris (432), 21.30: Ottenbach: La Pericludc. f~ Regional (342), 22.30: „Holtmann, Erzählungen", Oper von Offenbach, zweiter Akt. — Wien (507), 22.20: Hermann Sehcy singt. — London (201). 22.50: U.a. Offenbach; 23.25: „Hoffmanns Erzählungen", dritter Akt. Sonntag, 24, Januari Wien (507). 19.10: Wamla Landowsko: Ocmbalo-VowäRc. — Warschau (1339), 21.30: Ewcl Stegmatt (Violoncellist) spielt. Montag, 25. Januari Warschau (1339), 17.15: Violinkonzert, von .Mast Rostal. — Riga (238), 17.25: l'. a. Mendelssohn: Ouvertüre Iii „Athalic". — Budapest 1350), 20.10: 1", a. „Sommernacht»- traum", von Mendelssohn. — Preßburg (299), 20,30: Hebräische Melodien. — täriissel M84). 21: Arien von Mcvctbecr. - ■ Lille (247). 21.30: U. a. Milhaud. i(iftititfifia(«iianttiff)iitii(iiitMiii(tiitfHtiifif iittiitiitititatiiMiiiiiiitniiiiiituitiiriiiiiiiitiitififiiiiiiiiiiiiitiiiiitiNiiiiitiiiiKitiiiiiii Jüdisches Leben in Frankreich. Unser Pariser K.-Bcrichterstatter schreibt uns: Kürzlich fand die Generalversammlung des Verbandes der jüdischen Scouts in Frankreich (Eclaireurs Israelites de France) statt, die die größte jüdische Jugendorganisation in Frankreich sind. Der Präsident der Eclaireurs, tdmond F1 e g, sandte eine Botschaft, in der er betonte, daß die Scoutbewegtmg eine harmonische Einheit der Tendenzen im Judentum darstellt. In dem Bericht wurde die starke Verbreitung der jüdischen Scoutbewegtmg, die bereits über 1000 Mitglieder zählt, unterstrichen. -- Unter dem Vorsitz des französischen üroßrabbiners Weil fand eine pädagogische Konferenz des französischen Rabbinats statt. In zahlreichen Referaten wurden die Fragen des jüdischen Unterrichts und des jüdischen Schulwesens in Frankreich und in seinen Kolonien behandelt. Es wurde schließlich die Einberufung einer großen Konferenz für religiöse jüdische Erziehung beschlossen, die durch Delegierte der jüdischen Oerncinden, der Wohltätigkeitsanstalten usw. beschickt werden soll. — Am 10. Januar fand in Mülhausen die Jahresversammlung der ost französischen Zionisten statt. Nach verschiedenen Berichten über die zionistische Arbeit in Ostfrankreich wurde der bisherige Vorsitzende, Metzger (Strasbourg), wieder- §ewäh!t, ebenso Rende Levy zur Vizepräsidentin, Paul e I i g m a n zum Schatzmeister und Einstein zum Sekretär. Blstritzky in Rumänien. Der jüdische Schriftsteller Nathan Bistritzky, Jerusalem, dessen Schauspiel „Schahbatai Zwi'' durch den Berliner Kulturbund aufgeführt worden ist und große Beachtung gefunden hat, besucht im Auftrage des Direktoriums des Keren Kajemeth Lejisracl verschiedene europäische Lander. Er hat seine Tätigkeit in Rumänien begonnen. In einer Reihe von öffentlichen Vorträgen und Zusammenkünften in Siebenbürgen und Alt-Rumänien hat er es mit außergewöhnlichem Erfolg verstanden, den Oedanken des Zionismus und der hebräischen Kulturarbeit in alle jüdischen Kreise hineinzutragen. Zionistisches Leben in Luxemburg. Außer in Luxemburg, der Hauptstadt des Landes, herrscht laut einem uns zugesandten Bericht auch jn F11 e 1 b r tt c k, welches mit zu den größten Gemeinden gehört, ein reges zionistisches Leben. Allwöchentlich finden Veranstaltungen des jüdischen Jtigendbundes (zionistische Heimabende) statt. Für die erwachsene lugend wird ein Iwritkursus unter Leitung des Lehrers L e v i veranstaltet, ebenso Vorträge. ANTWORTEN DER REDAKTION L.B. Berlin. Sie haben ganz recht. Dem Londoner „Observer" ist nun schon zum zweitenmal der I r r t u m unterlaufen, daß er den Verfasser der kürzlich auch englisch erschienenen „Kurzen Geschichte der Musik-', Alfred Einstein (ehemaliger Musikkritiker des „Berliner Tageblatt"), mit dein Physiker Prof. Albert Einstein verwechselt. Darum streicht er in der ausführlichen Besprechung das Buch als „ein Buch über Musik von dem größten lenenden Wissenschaftler" heraus. Chassidisdier Tanz Alle Redite vorbehalten Nadidrudt rerbotes Ch. Winawer _j^z>? eileng^i^ispes^^Si^ Intensivkurs zur Erlernung des Englischen. Die Presseabteilung der Reichsvertretung teilt mit: Es besteht die Absicht, ab Februar 1937 einen Intensivkurs zur Erlernung des Englischen einzurichten, der pädagogisch von der Schulabteilung der Reichsvertretung und organisatorisch durch den Hilfsverein betreut werden soll. Voraussetzung hierfür ist, daß Meldungen in ausreichender Anzahl eingehen. Der Kursus wird ein Vierteljahr dauern. Vorher geht ein vierwöchiger Vorkursus, so daß sich eine Gesamtdauer von vier Monaten ergeben wird. Schulgeld monatlich 30 RM., Gebühr für die Aufnahmeprüfung 10 RM. Der Kurs umfaßt 25 Wochenstunden, d. h. fünf Stunden täglich. Zur Aufnahme zugelassen ist jeder, der beabsichtigt, in ein englisch sprechendes Land auszuwandern und für den die Beherrschung des Englischen eine berufliche Existenznotwendigkeit darstellt. Meldungen sind mit dem Vermerk „Intensivkurs" unverzüglich zu richten an; Die Kurse des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Berlin W 50, Marburger Str. 5. Abschied wurde ihnen schwer. Aber je weiter Ben Uri seine Arbeit fordorte, um so mehr verwuchs er mit ihr, bis in. Augen und Sinn für nichts anderes mehr Raum blieb, als für den heiligen Sehrein An Dina dachte er nicht mehr, er vergaß nie. Nach einigen Tugen horte er auf zu singen. Dahin war der Reichtum seiner I.jeder, seine Stimme ward nicht mehr vernommen. Den ganzen Tat» stund er gebeugt (ja, formte schöne Gestalten für die Lade und erfül'te sie mit lebendigem Odem Auf dem Schrein schreiten Lfiwen mit goldener Mähne. Sie singen t.oligesntme, die Gottes Größe verkünden. L'eber der Derke breiten Adler ihre Fittiche aus, als wollten sie »ich im Fhiae zu den heiliaen Wesen erheben. Aber wenn sie das Läuten der goldenen G Wickelten beim Oeffnen des Sehreins vernehmen, dnnn bleiben sie, Flügel schlagend, auf ihrem Platze stehen und mit Lieblichkeit stimmen sie in den Gesang. Die Vornehmen Jerusalems hutton sich zur Einweihung des Schreins bereit* eingeladen, zum Tag, da man ihn in» Gotteshaus, da» der Edle gegründet hatte, einholen und die Thorarollcn hineinstellen würde, mit silbernen und. goldenen Kronen und allerlei heiligem Schmuck geziert. Vor Beinern Schrein gebeugt, stand Ben Uri und vervollkommnete »eine Schönheit mit einer Leidenschaft, wie sie ihn noch nie erfüllt hatte. In keinem Lande, in keiner Sladt, bei keiner Arbeit hatte er das empfunden, was ihn hier erfüllte, an der Statte, da Gottes Herrlichkeit sich offenbart hatte, und von der sie, um unserer Sünden willen, verbannt wurde. Nach einiger Zeit war die Arbeit beendet. Ben Uri übersah das Werk seiner Hände. Seine Seele war in die Lade eingetan, er selbst war wie ein Gefäß, dessen Inhalt ausgeschüttet ward. Plötzlich ward es ihm traurig ums Herz und unbewußt fing er an zu weinen. Er ging hinaus, um unter den Baumen des Gartens frische Luft zu schöpfen, und sich ein wenig zu Stflrken, Im Westen versank die Sunne, und der Horizont schimmerte rot. Ben Uri ging tiefer in den Garten hinein, er legte sich hin und schlief ein. Zu gleicher Stunde verließ «uch Dina ihr Gemnch. Ihren Leib bedeckt« ein Nachlgewand; auf ihrem Angesichte lag Erschauern. Lange Tage hatte aie Ben Uris Stimme nicht mehr gehört und ihn selbst nicht mehr gesehen. So ging sie hin, um »ein Werk zu betrachten. Sie trat ein und fand ihn nicht. In Bon Uris Raum stand Dina; vor dem offenen Fenster stand der (lottessehrein, denn dort pflegte B«n Uri?.u arbeiten. Sie stellt« »ich vor den Schrein, um ihn zu beschauen. Da kam der Satan und traufeite ihr Gift der Eifersucht ine Ohr ein. Er sprach zu ihr: Nicht grundlos hat sich Ben Uri von dir angewandt; dieser Schrein entfremdete dich ihm; das Werk «einer Hände entfernte sein Herz von dir. In diesem Augenblick streckte Dina ihre Hände aus und stieß den Schrein fort. Er geriet ins Wanken und fiel durchs Fenster hinunter. Der Schrein fiel, doch kein Teilehen ward verletzt, kein Stück zerbrochen. So lag er mitten in den Blüten des Gartens, dort, unter dem Fenster. Die Lilien und die anderen Blumen schüttelten die Köjife über ihm, wie Trauernde am Grabe eines Toten. Die Nacht breitete einen schwarzseidenen Vorhang über den Schrein aus. Der Mond trat aus den Wolken hervor und wirkte in den Vorhang silberne Fäden, in Gestalt des Davidschildes. 8. Des Nachts lag Dina wacherregten Herzens. Feuer der Hölle drang aus ihrem Innern und umloderte sie. Ihr Vergehen war groß; wer vermöchte ihre Sünde zu tragen? Vor Schmerz und Scham verbarg sie ihr Gesicht in den Kissen. Wie dürfte sie ihr Auge erheben und um Erbarmen bitten? Sic sprang aus dem Bette heraus und steckte die Lampe an; der große Spiegel warf den Lichtschein zurück. Er zeigte ihr das Gesicht einer Sünderin. Sie ging ans Fenster, stützte mit der Linken ihr Haupt und schaute hinaus. Von den Bergen Jerusalems drang ein Wind in ihr Gemach und verlöschte das Licht, als wHr's das eines Kranken, der schlafen soll. Er verfing sich in ihrem Hanr, spielte um ihr Haupt und flüsterte ihr süße Melodien ins Ohr, gleich den Melodien des Ben Uri. — Nacht um Nacht, in der Stunde, da die Menschen schlafen, sehweift Ben Uri mit dem Geist der Nacht, zieht in die Berge und starrt in die Sterne. Es wird erzählt, man habe ihn zwischen Gräbern streifen gesehen. Wo mag er nun sein? Unter den Baumen des Gartens schlaft er und träumt von einer Harfe, deren Saiten zerrissen und deren Melodien verflogen sind. Sie liegt da wie ein Gerät, das keinem zunutze ist, und ihre Melodien achwirren in der Welt umher und suchen Ruhe. Im Schlafe streckt Ben Uri seine Hand aus und ruft: Dina! Dina! Im Hofe liegt der Schrein. Der Herr der Nacht breitet seine dunklen Fittiche aus, und die Löwen und Adler auf dem Schrein hüllen sich in seine Schatten ein. Der klare Mond tritt aus den Wolken hervor und, als sein Spiegelbild, geht ein zweiter Mond aus dem Teiche im Garten auf und beide stehen sich gegenüber wie zwei Schabbatlichter, Wem war der Schrein zu vergleichen in dieser Stunde? Einer Frau, die ihre Hönde zum Gebet ausbreitet und deren Brüste — das sind die zwei Tafeln des Bundes — sich mit ihrem Herzen zum himmlischen Vater betend erheben. Herr der Welt, die Seele, die du ihm eingehaucht hast, rissest du aus seinem Innern und nun liegt er vor dir, als ein entseelter Leib... Wie lange noch sollen die Seelen verlassen umherirren in deiner Welt, wie lange noch soll das Lied deines Tempels ein gepreßtes Seufzen sein? Die Judenschaft Jerusalems versammelte sich, um den Thoraselircin zu begrüßen und um ihn von der Werkstütte des Meisters ins Bethaus zu führen. Doch als sie zu Ben Uri kamen, merkten sie, daß der Gottesschrein versehwunden war. Sie erschraken allesamt und riefen: Wo ist der Schrein? \\ o ist der .Schrein? Da gewahrten sie den Schrein, der vor dem Fenster unten im Hof wie ein Toter dalag. Ihr Zorn galt dem Meister. Sie sagten: Der war sieher ein Sünder und nicht würdig, daß durch ihn das heilige Werk getan werde, und nun, da es getan ward, hat der Himmel es verworfen! Der Schrein wurde für sie ein Wesen, das an eine Schuld gemahnen will, das kommt, um, Gott bewahre, Jaakobs Gemeinde anzuklagen. Der Rabbi entschied, der Sehrein müsse fortgebracht werden. Zwei Araber kamen und schleppten ihn in den Holzspoicher. Und die Juden gingen botrübter Seele und gesenkten Hauptes von dannen. Die Morgenröte ging auf, das Antlitz des Ostens er« hellte sich. Die Männer Jerusalems erwachten, wie Merv« sehen, die nus schwerem Traume erwachen. Der Sehrein war fortgebracht,* die Freude zerstört, der Meister ver« schwunden, keiner wußte wohin. Im Hause des Edlen herrschte Kummer. Tags und nachts schaut Dina durchs Fenster hinunte*. Ihre Augen hebt sie zum Himmel empor und senkt sie wie eine Sünderin. Auf dem edlen Rabbi Achit'ser lastet Sorge. Ein böses Zeichen sieht er in dem Geschehen. Da» Bethaus, das er erbaut hatte, stand verlassen da, ohne Schrein, ohne Thora, ohne Gebet. Da raffte sich der Edle auf und ließ an Stelle von Ben Uris Schrein einen neuen anfertigen. Man stellte ihn im Bethause auf; es war wie ein Andenken an die Zerstörung des Tempels. Und wer dahin zu beten kam, ward sofort von Schwermut befallen, Gott bewahre uns. Und wessen Herz die Gottesfurcht bewegte, der verließ leise diesen Ort und trat in irgendein dürftiges Bethaus, um sein Herz vor Gott auszuschütten. 4. „Die Zeit des Liedes war gekommen", die Tage der Hochzeit rückten immer naher heran; im Hause des Rabbi AchiPser knetete man, buk und kochte; man holte schöne Teppiche herbei und hing sie in die Tore des Hofes, für den Tag, da seine Tochter das Trauzelt betreten sollte mit dem jungen Gelehrten, dem für aie Busersehenen Herrn Jechcskel, sein Schöpfer behüte und erlöse ihn. Alles war für die Trauung gerichtet und erwartete das Kommen dea Bräutigams. (Schluß folgt)