Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6, 22.1.1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 15 Schach Bearbeitet von J. Mieiei Die nachstehende Partie wurde im Turnier zu Nottingham fm August vorigen Jahres gespielt. Unregelmäßige Eröffnung Tartakower zen Königsflügels zur Folge Botwlnnlk Weiß Schwarz S g8—f6 d7—d6 S b8—d7 ei—c5 hat. — Am besten wäre wohl S f6—h7 gewesen. 14. (2—(4! .... Damit beginnt ein unwiderstehlicher Angriff. Botwinnik hat die Partie vortrefflich angelegt und führt den nunmehr folgenden takfisenen Teil des Spiels glänzend durch. 14..... 15. K3Xf4 16. f4X'e5 17. c4—c5! 18. S c3X<]5 19. S (12—c4! 20. S c4—d6 pö i'4 K g8-g7 d6Xc5 c6xd5 1) c7—r6 S f8—g8 L d7—c6 Sr''V"j k'nn, wie leicht ersichtlich, die Qualität nicht mehr retten, aber Weiß gibt sich damit noch gar nicht zufrieden. 21. S d5Xe7! S g6Xc7 Falls 21____, Te8xe7, so 22. Sd6-f5t, L e(>xf5, 23. et xfä mit Angriff auf Dame und Springer. Stellung nach dem 21. Zuge von Schwarz 1. S gl—i3 2. c2—c4 3. d2—d4 4. g2—g3 Der Plan, die Partie in eine offene zu verwandeln, auf den der Gegner nachher sehr bereitwillig eingeht, muß als verfehlt bezeichnet werden. Mit e7—e6, c7—c6 und evtl. d6—d5 könnte Schwarz eine recht feste Stellung einnehmen. 5. L fl—g2 L f8—c7 8. 0—0 0—0 7. S bl—c3 c7—c6 8. c2—e4! D d8—c7 Nun ist in der Tat eine beiderseits offene Partie entstanden, aber sehr zum Nachteil von Schwarz, dessen Figuren sich gegenseitig im Wege stehen, und dessen Dame so unglücklich postiert ist, daß sie im weiteren Verlauf des Kampfes eine müßige Zuschaucrroile spielt. Im Gegensatz hierzu hat Weiß alle seine Figuren in eine Stellung gebracht, wo sie ihre volle Wirkungsfreiheit haben. ö. h2— h3 .... Damit nach Lei—e3 nicht S f6—g4 geschieht. 9..... T f8—c8 10. Lei—e3 Sd7—18 11. Tal—cl! h7—h6 Wenn dieser Zug zum Zweck von nachfolgendem S fo— h7 geschehen wäre, so könnte man ihn nicht tadeln, aber der Führer der schwarzen Steine verfolgt zu seinem Unglück einen ganz anderen, völlig verfehlten Plan. 12. d4—d5 L c8—d7 13. S i3—d2 g7—g5? Die schwarzen Hauptstreitkräfte stehen abseits vom Kampfplatze, und es ist nicht anzunehmen, daß ein Spieler von so klarem Positionsurtcil wie Tartakower mit völlig ungenügenden Mitteln einen Angriff auf die starke feindliche Stellung geplant hat. Offenbar hat Tartakower hier bereits seine Partie als verloren beWachtct, und aus dieser pessimistischen Stimmung heraus ist der Textzug geschehen, der eine entscheidende Schwächung desschwar- Aus jüdischen Sdiadhvereinen Die Jüdische Schachverclnigung Breslau bringt an den Dienstag Spielabenden ein „Franz-BotHiiiidcr-Gcdaclitni-lurisicr" zur Durchführung, das eine sehr .starke Besetzung gefunden und bereite interessante Kämpfe geboten hat. In der 1. Klasse, die ziemlich ausgeglichene I I n * i * k *■ * ü i . t "9 'i ä 4 Ä •'' 4 'Müs f a b c d 22. T (1X16! .... Eine hübsche, wenn auch naheliegende Fortsetzung. 22..... K g7Xf6 23. Ddl—li5 .... Mit der Drohung 1) h5xh6f nebst Le3—g5 matt. 23..... S c7—g6 24. Sd6—15 Tc8—g8 Zum ersten Male in dieser Partie droht Schwarz etwas, nämlich: 25....., L e6xf5, 26. clxfS, D c6xg2f, 27. K gl Xg2, S go— Mf usw. 25. Dh5Xh6 L c6Xa2 26. T cl—(11 T a8—d8 27. D Ii6—g5t K 16—c6 28. TdlXdS 17— S6 29. T<l8Xg8! Sg6—S4 30. I>gS-g7 Schwarz gibt auf. Briefe an die Redaktion Die .Jüdische Berlin, den 13. 1. 1937 Sehr geehrte Reduktion! Pas in der jüdischen Presse erschienene Conimuniquc des Keichsvci linndes der ludischen Kulturbünde über die Arbeit der Kulturbünde und das nnch au>- luhrli hetc Interview seines stellvcilrelcnden \'di ■sitzenden. Kenn Rechtsanwalt Heimo Cohn, in der „Jüd. Rundschau" mochten wir in einem, wie ini* scheint, wichtigen Punkte erganzen. Auf die Frage: ..bemühen Sie sich, auch die Jugend für den Kulturbund zu gewinnen" antwortet Herr Colin lediglich mit dein Hinweis auf Schwierigkeiten der Finanzierung und der Spidpl.uigcstaltuug und will die lugend im we-entlichen aul den Weg des Laienspiels und .sonstiger ktin-t le; i-cher Seil>-tbeiuti«aitig verweisen. So wertvoll sohhe lleiiiüliiingen .sind, in z.ihlrei-hen bcachrü hen Lei tungen jüdischer Schulen und Bünde bereits ihren Aiisdrm k gefunden haben, so begrüllen -« (r I die Tat-a, In', daS ein beim kei-hsvet band zu gründender lugcndbeirat diese Hrsiiebungeu \ereinigen und beraten will, -o bleibt doch die Aufgabe be.teilen, der jüdischen Jugend gute 'l'iieateraul lühningen. Konze; tc und sonstige Yer. ansla'Uingen zugängli''b zu machen, wo sich der junge Mensch zunächst nur rezeptiv verhalt. Nun besteht aber eine de artige t)rga; is.ilion. zum mindesten Im das Thcatd. bereits seil mehreren Monaten: die dem Reichsveiband der Jüdischen Kulturbünde arrgeldo,sene [ ü d i - s c h e luge n d b ü b n e. Nach einem sehr bei ällig aulgenomme- Jugendbühne nen Einzelvcrsuch irn vorigen Jahre, einer Aufttihrung des „Lingcbildctcn Kranken", vereinigt die Jugendbuhne in diesem Theater«unter rund 2500 jüdische Jugendliche in monatlichen Aultülirungen; im Icinvernehmen mit Lehrein .sämtlicher jüdi-chen (schulen führt .sie einen Spielplan durch, der der jüngeren Gene alion angemessen ist, und ihre bisherigen Aufiühiungen („Was ihr wollt" und „Ju-ik") waren gerade für die Jugend beispielgebend: sie zeigten hohes Niveau des Spiels bei beschrankten Mitteln. Die Lehrerschaft der jüdischen Schulen Berlins ist sich darin einig, dafr die ,,Jüdi-ohc Jugcndbühne" durch die Anregungen, die von ihren Aultülirungen ausgeben und bis in den Unteiricht hinein w-iiken. einen wertvollen Beitrag zur jud .sehen Erziehungsarbeit leistet, und es wäre nur e:\wiu.chl. < 1.1 IS der Jugendbi'ine di.' Möglichkeit gegeben würde, ihre Tätigkeit über Beilin hinaus au szu'lehnen. Robert Alt (Volksschule Auguststrafset. Pr. Erna Bergmann (Mad> lieiivolk--i hnle Auguststralie). Kate Kucnruct (4. Volksschulen Dr. Friedlander r Privatsr liule Pcltcvhn), Alice I lariunersiein (Leiterin der Hauslialtungsschule. der Jüd. (lern.), Dr. Paul Jacob (Private Waldschule K.iii-hit, Landsberg. Oberstudiendir. i.R. (Private Walds, hule (oimewa'al). Di. Th. I.icobiu-< 1 hoo. dor-llerzl-Sehule). Alice l.ipski und Herbert Nußbaum (Ad.ilJ Jisroel-Sebuleb Samuel rMittelsehulel. Dr. Else Inger i Volksschule R) kestraße). „Der kurze Freitag Breslau 21, den 20. Januar 1937 Sehr geehrte Redaktion! Man kann Bialiks Erzählung deuten, wie man will. Drc einen werden das gleiche herauslesen wie Herr Haber; die anderen (und das durfte die Mehrheit .sein) das, was der Naclierzäbler empfunden hat. Aber wie dem auch sei. Bialik selbst kann uns leider keine Auskunft mehr darüber geben, ob er die Figur des Rabbi Lipa „absolut komisch" oder anders aufgetai'l haben will. Er würde es sieh aber ohne jeden Zweite! entschieden verbitten, von jedem „Apikoics" als Kronzeuge für dessen Apikorsses reklamiert zu werden; tie-onders. soweit es die Schabhat-1 leiligung angeht Mit vorzüglicher Hochachtung M a x E h r! i c h Ccgner am Start sah, führt bisher wie zu erwarten der beste Breslau«* Spieler Hainik vor Bielschowskv. Hier ist besonders der schlechte Stand von Dr. Laband. der weit unter früherer Foim spielt und sieh neuerdings fast ganz cictrr theoretischen Schach zugewandt hat, und das gute Abschneiden von Dr. Epstein erwähnenswert. In der 2. Klasse hat Schenirer einen großen Punktvorsprung, während hinter ihm Dr. .Neftel, Eeueh'ag und Dt. Riescnfeld punktgleich an zweiter Stelle stehen. L, sind weiter harte Kampfe um die Platze zu erwarten. Am 22. Dezember sprach in der Reibe der alle 14 Tage .stattfindenden kurzen Vorführungen unter dem Titel: „Am Demonstrationsbrett" Adolf Bielshoivsky über das Thema: „Die Kralt der offenen Linie'1, das er an Hand einer prachtvollen Partie Rubuisteins erläutert e. Das Nationalgefühl der Jugendalijah Berlin, 18. Januar 1937 Sehr geehrte Redaktion! In Nr. 4 der „Jüd. Rundschau" vom 15. Jan. 1937 berichten Sie über eine Konferenz der Erzieher der Jugend- Alijah aus Deutschland, die vor kuizem in Palästina stattgefunden hat. Dieser Beiiiht beschäftigt sich in sehr aufschlulireither Weise mit dem Problem des Ilincinwachsens der Jugendlichen aus Deutschland in den Jischuw. Von selten der Erzieher wird liier eine teilweise sehr .st hatte Kritik geübt, die u. a. auch den Mangel an jüdi-chem Bewußtsein dieser Jugend hervorhebt. Er äul'icit mi h, wie der Verfasser benieikt, vor allen Dingen datin. dali man sich in einem koukieien Falle mehr tur das Schicksal der durch die Errichtung des Halens in Tel- Awb.v rnoglic herwer-e aibeitdos Jalfa und deren inier e-sieit. Die Kedakti'm Rriudscdciu" brmer -i: IV......Fm ten Morde Iünteigiünc der „Jüdi.sch rkt hierzu, d. um err! ..!,-. nuirg-vciilc geeignet Inn hibarc zuluhren." Diese s\ mploni über r ,in-ei! rgk suche un- ■it hinaiisicitigkeiten im jüdischen Lager bieten soll. Gewiß kann niemandem das Schicksal bestimmter arabischer Beiutsgruppen im Lande gleichgültig sein. Das verbietet schon die primitivste politische Einsicht; das darf aber keineswegs dazu führen, daß die Anteilnahme an dem Schicksal arabischer Gruppen das Interesse für die jüdische Situation verdrängt. Der so oft gerühmte Geiechtigkeitssinn. der Cs gerade dein aus jüdischen Zusammenhängen herausgelösten jungen jüdischen Menschen ermöglicht, ,-idi in die Problematik fremder Volker einzufühlen, wird zur hoch-ten l'ngerechtigkcit gegenüber dem eigenen Volk, wenn dc-sen Probleme und seine Intere-sfn dadurch in den Hintergrund treten U->en. Daiin kann man im Grunde nichts anderes als eine Entartung des natürlichen n.itionaien Empfindens erbb Iren. ' irr ei!r! rgkeir tujandere niciL'c sc hheLok Ii sinnvoll ergänzt weiden durch eine gerechte EinstXliiiig gegenüber dem eigenen Volk. Wer die Herkuntt unserer .lügend in Deut ■chLnid kennt, mc;!j. d.o.'i .sie unrrr einer er- .: c cjoHc hei; Beuel meg -c > .rgkeit. zu aileni ludischen leidet. Wenn mng .Iii. nie at ( den h tragise Frael tnvl ' ~ Reut 'eiiririg ei tirn'er -tandlich. 1 ei'1211-eb.sr!, wie. ubtigkeri gegeuab ien hirergm.ssen ii und ihren 1 linier' ie Arrferlnahuie ai (ierei arc h /e;:u: Iiihl Arbeit KCl! fX \-ou eu ii ilrzrc r zu reizt die rl der Jugeud-A 1 er si bes es t. ii'keif. .seheinn Mantel des. in Palästina r zionr.siiseheri \(i;d. so wird erzieherische ah in Erdz h Halenfür L.in- Mit vorzriglicher Hochac'ntung Dr. Hans C a p e 11 *.* Wir alle halten für notwendig, daß die jüdische Jugend von heute ein starkes jüdisches Volksgeftthl hat, und wir g|aubfn, t|aß gerade wegen der tiefgehenden Umstellung dieses Volksgefüh] bei der ans Deutschland nach Ere/ Israel gehenden Jugend vorhanden ist. Wir bedauern, daß sich durch eine vielleicht ungeschickte Fassung des Berichtes ein Mißverständnis darüber ergeben hat, was wir sagen wollten. Niemand wird annehmen, daß unsere jüdischen jungen Menschen nicht von den furchtbaren Morden in Jaffa erschüttert waren. Das bedeutet aber nach unserer Meinung noch nicht, daß alle jüdischen Jugendlichen in allen mit den Unruhen zusammenhängenden Fragen die allein als „vorschriftsmäßig" abgestempelte Meinung haben müssen; erfahrungsgemäß besteht in Palästina eine starke Unduldsamkeit gegenüber Ansichten, die von der üblichen Parole jeweils abweichen und auch andere Gesichtspunkte betonen. Wenn z. B. bei der Begeisterung über den neuen Hafen von Tel-Awiw manche junge Menschen, deren Nationalgefühl anzuzweifeln kein Grund vorliegt, auch an die arabischen Bootsleute in Jaffa erinnern und hier ein Problem sehen, so scheint uns das in der Tat ein hoffnungsvolles Symptom der geistigen Unabhängigkeit gegenüber einer allzusehr kultivierten Einseitigkeit des Urteils. Es scheint uns noch gar nicht so ausgemacht, ob nicht ein solches freieres Denken auch im nationalen Interesse fruchtbarer ist, jedenfalls scheint uns ein solcher Hinweis allein noch kein Anlaß zu einer Rüge für die Jugendlichen zu sein. ________ (Red.) Wiederaufnahme des Palästina-Dienstes der „Polonia". Ab Konstanza sind die nächsten Abfahrtstermine des Dampfers „Polonia": 17. Februar, 3. und '51. März. S. J. Agnon: Die Verlassenen Erzählung von einem Rabbi aus dem heiligen Lande, möge es erbaut und festgegründet werden Aus dem Hebräischen von N. N. üLATZLR 1. In alten Schriften wird überliefert: Ein Faden der Liebe läuft durch Israels Taten, und der Heilige, gesegnet sei er in seiner Hoheit, webt daraus Tuch um Tueh für ein Gewand, ganz aus Liebe und Gnade, darein Israels Gemeinschaft sich hüllen wird. Sie aber erstrahlt auch in der Verbannung im Glänze ihrer Schönheit gleichwie in der Jugend, im Hause ihres Vaters, im Heiligtum des Königs, in der königlichen Stadt. Und in der Stunde, da F,r, gesegnet »ei er, sieht, daß sie auch im Lande ihrer Widersacher nicht häßlich, bewahre, und nicht verächtlich ward, da neigt er, wenn man's sagen dürfte, sein Haupt ihr zu und preist sie und spricht: Siehe, schön bist du meine Freundin, schön bist du! Und hierin liegt das Geheimnis der Größe, der Festigung, der Gehobcnheit und der Liebe, die jeder Mensch in Israel verspürt. Manchmal kommt es vor, daß irgendein Schaden geschieht, Gott bewahre uns, und der Faden im Gewebe zerreißt; das Gewand verdirbt. Böse Winde dringen ein und reißen es in Fetzen. Beschämung ergreift sie allesamt und sie erkennen, daß sie entblößt sind. Ihre Feier bricht ab, aus Fest wird Furcht und ihr Schmuck wird zu Schmutz. Die Gemeinschaft Israels irrt in Kummer umher und jammert: Sie haben mich geschlagen, haben mich verwundet, haben mir das Gewand genommen! Fort ist ihr Freund, verschwunden, sie aber sucht ihn und stöhnt: Wenn ihr meinen Freund findet, was werdet ihr ihm sagen? Daß ich krank bin vor Liebe! Dieses Leiden der Liebe führt zu nichts anderm denn zu Schwermut. — bis Er vom Himmel ausgießt über uns den Geist, von neuem gute Werke zu sammeln, die Zier sind allen, die sie tun, allen, die den Faden der Liebe und der Gnade weiterspinnen vor Gott. An dieses Wort mußte der Verfasser dieser Geschichte denken, der großen und erhabenen Geschichte aus dem heiligen Lande, von einem überaus reichen Manne, dem edlen Herrn Achifiser, der den Entschluß gefaßt hatte, aus der Verbannung nach der heiligen Stadt Jerusalem zu ziehen, möge sie erbaut und {estgegründet werden. Dort wollte er wichtige Einrichtungen treffen und den Vorhof unserer Trümmcrslntt ein wenig herrichten, bis es uns vergönnt sein würde, daß ein Palast wieder ersteht, wenn der Heilige, gesegnet sei er, seine Herrlichkeit nach Zion zurückkehren läßt, bald in unseren Tagen. Möge Gott dem Edlen, Aehicser, zum Guten anrechnen, was er für seine Brüder, die Kinder seines Volkes tat, die in Goltes Angesichte sitzen im Lande des Lebens — obgleich sein Mühen vergeblich war. Söhne hatte Rabbi Aehicser nicht, doch täglich pries er Gott siebenmal für die einzige Tochter, die ihm geschenkt ward. Er behütete sie wie seinen Augapfel, er bestellte Wärterinnen und Mägde zu ihrer Bedienung, und jedes Begehren, das sie aussprach, wurde ihr mit königlicher Hand erfüllt. Sie war dieses Aufwandes wirklich wert, denn alle guten Eigenschaften vereinigten sich in ihr. Glanzvoll war sie wie eine Königstochter, rechtschaffen wie eine Stammutter, ihre Stimme klang wie Dawids Harfe und ein jeder ihrer Schritte war vornehm und bescheiden. Doch ihre ganze Pracht entfaltete sie drinnen, in den häuslichen Gemächern, und nur jene, die am Hole des Edlen ein- und ausgingen, erblickten sie zuweilen, wie sie bei Sonnenuntergang im Schloßgarten unter duftenden Bäumen und Rosensträuchern sich erging, und in der Abenddämmerung Tauben zutraulich gurrend sie rings umflogen und mit ihren Flügeln sie umschwebten, wie die goldenen Cherubim den heiligen Schrein. Als sie mannbar geworden war, sandte ihr Vater in alle Zerstreuung Israels Boten hin, um nach einem Jüngling, wie er sein soll, Ausschau zu halten, nach einem vollendeten Wesen, dem keins in der ganzen Welt gleichen sollte. Doch hier griff das Ränkespiel des Satans ein, und nicht ohne Grund begannen die Leute darüber zu murren, daß Rabbi Aehicser die Lehrhäuser und Talmudschulen im Lande Israels verworfen hatte und den Bräutigam für seine Tochter in der Verbannung suchen ließ. Aber wer sollte diesem Edlen und Großen sein Tun vorhalten? So wartete 'alles auf den Genoß, den Gott diesem wohlbewahrten Schatz beschert haben werde, der einzigen und verherrlichten Tochter, Tochter Jerusalems, der gepriesenen Stadt. Nach einigen Monaten kam ein Brief von den Abgesandten an und darin stand geschrieben: „Zu unsrer Freude tun wir Euch kund, / daß Gott uns half zu seltenem Fund, / wir haben im fernen Polen gesehn / einen herrlichen Jüngling, sittsam und schön. / Aus guter Familie, vollendet gelehrt, / vor allen Schülern geliebt und geehrt. / Es rühmen sich sein die größten Weisen, / doch lassen sie ihn mit Freuden reisen. Zur guten Ehe segnen sie ihn, / lassen mit reichen Gaben ihn zichn", und so weiter. Als der Edle sah, daß sein Plan geglückt, war, dachte er bei sich: Nun wäre es wohl angemessen, wenn unser Bräutigam in der großen Talmudschule zu Jerusalem lehrte und aus aller Welt ihm eine zahlreiche Jüngerschaft zuströmte, um die Lehre von Zion zu empfangen. Also ließ er tüchtige Handwerker kommen und ein herrliches Bauwerk errichten; er ließ es mit Kalk streichen, ließ es ausmalen und täfeln. Er Heß viele Wagen voll seltener Bücher anfahren, damit es den Gottesgelehrten an nichts fehlte. Ein kleines Gemächlcin bestimmte er fürs Gebet und schmückte es mit allerlei Schmuck. Er bestellte Schreiber, Thorarollen zu sehreiben und Goldschmiede, Sehmuck für die Rollen anzufertigen. Der Weise sollte in der Nähe seines Lehrens auch beten können, an einer Stätte, die des: Wortes würdig sei: „Das ist mein Gott, ich schmücke ihn!" Und mehr als auf Schmuck und Pracht des Gotteshauses wandte der Edle sein Herz dem heiligen Schrein zu, der von besonderer Schönheit werden sollte, wie ihn noch kein Auge sah. So begann er, nach dem rechten Handwerker zu suchen, doch war ihm keiner recht. Dann aber fand er unter den Handwerkern einen, erfahren in kunstreicher Arbeit; sein Name war Ben Uri. Das war ein schweigsamer und bescheidener Mann, dem Aussehen nach ein gewöhnlicher Arbeiter, doch aus seinen Augen und aus seinem Tun strahlte ein besonderer Geist. Diesem Manne übergab der Edle das Werk des heiligen Schreines. 2. Rabbi AchiSser nahm Ben Uri bei sich auf und bestimmte für ihn einen Raum im untersten Stockwerk seines Hauses. Ben Uri holte seine Geräte, machte sich an die Arbeit und ein neuer Geist durchströmte ihn. Seine Hände taten die Arbeit und seine Lippen jubilierten den ganzen Tag. Das hörte Dina, Rabbi Achiesers Tochter. Sie trat ans Fenster, blickte hinab und hörte zu und ihr Herz ward zu der Werkstätte hingezogen, wie durch einen Zauber. Ja, sie ging hinunter, um der Arbeit des Handwerkers zuzusehen, sie und ihre Mädchen; sie beschaute den Schrein, rührte die Farben um, probierte die Schmuckstücke, spielte mit den Geräten. Ben Uri tat seine Arbeit, hobelte einen Teil der Lade und sang immerzu. Dina hörte seine Stimme und wußte nicht, wie ihr geschah. Aber auch er wünschte sich, seine Stimme möge ihr Herz durch die Melodie anziehen, damit sie hier stehen bleibe und sich nie wieder entferne. Glück zog in ihre Herzen ein und sie erbebten. Der