Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 6, 22. I. 1937 Jüdisches Leben im Reich Vom Preußischen Landesverband Tagung des Rates — Annahme des Etats für 1937 Baden-Baden. Im Kulturbund brachte Otto Bernstein (Dresden) Erzählungen von Buber, Cohn und Perez zn Gehör. Braunschweig. Im ersten Kulturbund-Konzert spielte das Orchester unter Leitung von Prof. Prüwer Concerto grosso D-Moll von Handel, Violinkonzert E-Dur (Solist: Ernst Drucker) von Bach, und Serenade in C-Dur von Fuchs, und im /weiten Kon/ert unter Leitung von Richard Karp Kleine Nachtmusik von Mozart, Elegie von Michael Lewin und Serenade op. 48 von Tschaikowsky. In beiden Konzerten kam die hervorragende klangliche Qualität des Orchesters zu voller Geltung. Frankfurt a. M. Am 6. Januar fand das erste Konzert zugunsten der Jüdischen Winterhilfe statt. Das sehr reichhaltige Programm brachte zuerst die VII. Symphonie von Beethoven unter der sicheren und energievollen Führung von Rkhard Karp. Das Orchester gab sein Bestes, Hans Assenheim brachte mit höchst lebendigem Vortrag, stimmlich ausgezeichnet, zwei Lieder von Kowalski mit Orchesterbegleitting in der Instrumentierung von Karp. Anni Steiger spielte das Violinkonzert von Mendelssohn temperamentvoll und klangschön und fand für ihre ausgeglichene Leistung stürmischen Beifall. — Schließlich kam auch die leichtere Muse zu ihrem Recht. Der Jüdische Kammerchor brachte unter der bewährten Leitung von Dr. E h r e n r e i c h die „Rosen aus dem Süden1' von Johann Strauß lebendig und mitreißend zum Vortrag, wobei das stimmlich vorzüglich durchgebildete Material voll zur Geltung kam. Den Abschluß bildete die Ouvertüre zum „Zigeunerbaron", von Karp mit grolkr Verve dirigiert, vom Orchester ausgezeichnet wiedergegeben. — Durch ein Versehen unterblieb in der Besprechung der Frankfurter Wiedergabe des Oratoriums „Elias" die Erwähnung der Solistin Frau Erika Samson-Stern. Ihr sympathischer, von Mal zu Mal sich kräftiger und zu jugendlich-dramatischen Timbre entwickelnder Sopran trug viel zum Gelingen der Aufführung bei. -rn. Mannheim. Der „Liederkrauz — Jiid. Kulturbund" veranstaltet am U. Februar die Erstaufführung des Mozartoratoriums „Judith" (Betuüa liberata) in hebräischer Sprache. Dieses Jugendwerk .Mozarts, diu Vertonung eines italienischen Judifhtextes von Mctasfasiw, wurde bereits 1701 von David Franko-Mendes ins Hebräische übertragen. In dieser L'ebf rseivimg hat Karl S a I o in o n (Jerusalem) das Werk Moz.nU. neu eingerichtet und in Palästina zur Aufführung gebracht. Die Mannheimer Aufführung unter Leitung von Kapellmeister Max Sin/heimer bringt eine gekürzte Fassung des Werkes, bei der die langen Rezitative durch gesprochene Bibclworte ersetzt werden. Für März bereitet der Liederkrauz eine Aufführung der Oper „Orpheus und Eurydike" von Gluck vor. Die Titelrolle wird Paula Salomon (Lindberg) singen. Die Inszenierung besorgt Ernst Rudolf Mayer, die musikalische Leitung hat Max Sinzheimer. — ' Im „Liederkranz" gastierte vor dichtbesetztem. Hause. Chemjo Winawer mit seinen Sängern. Das ganze Konzert, bei dem mehrere Chöre wiederholt werden mußten, ließ die außerordentliche tonliehe und dynamische Kultur dieses Chores erkennen wie die Musikbesessenheit seines stürmisch gefeierten Dirigenten. Bei einem geselligen Zusammensein, das diesem musikalischen Erlebnts folgte, dankte Rabbiner Dr. Grünewald namens der Gemeinde und Rechtsanwalt Dr. Hecht namens des Kulturbundes Winawer und seinen Sängern. Dann nahm Chemjo Winawer selbst das Wort; erglaube, daß sich allmählich die Anschauung ändern werde, die auch die mancher Fachleute sei, daß es keine jüdische Musik gebe. -nn. München. (Ein Vortrag Martin Bubers.) Prof. Dr. Martin Bub er hielt im Rahmen der zweiten überbündischen Lernzeit für jüdische Jugendiührer in Bayern (veranstaltet vom Verband Bayerischer israelitischer Gemeinden und der Mittelsteile für jüdische Erwachsenenbildung) einen Bibelkursus über das Thema „Was bedeutet die Erwählung Israels in der Bibel?" Zum Abschluß des Kurses hielt er auf Einladung des Lehrhauses über diese Frage einen Vortrag. An Hand einer großen Reihe von Stellen aus dem 5. Buch Moses und den Schriften der Propheten führte Buber aus, wie wenig Israels Erwahluiig im Sinne der Bibel eine Besserstellung oder Bevorzugung darstellt. Zwar schloß Goft einen Bund mit Israel, der aber an Kraft verliert, wenn sich Israel seines daraus auf ihm lastenden Mehr an Pflichten zu entziehen sucht. An drei Midra>.eh-Wi>rten zeigte Buber auf, wie sehr der biblische Gott aller Wesen, die in seinem Bild geschaffen sind, gedenkt, auch wenn sie Israels Feinde waren. Israels Erwahhmg ist in der Bibel kein Privileg, sondern Verbindlichkeit und Aufgabe, die daraus erwachsen, daß Gott die Thor,! an Israel, und nur an Israel gegeben hat. Nie darf für l-rael aus dem Gedanken an seine Erwählung irgendeine „Sicherung" erwachsen: immer muß es seine besondere Aufgabe verwirklichen. Der Ort dieser Verwirklichung ist nicht der Himmel, sondern die Erde, der Zeitpunkt : un-c-r Alltag, der Raum: jedes Gebiet unserer Betätigung. Der Sinn von Israels Erwählung und Verheißung ist in .'lern Gebot „ein Segen allen Völkern" beinhaltet. So ist Israel wie je davor gestellt, an einer richtigen Gemeinschaft aller Menschen und Menschenvölker zu bauen, für zwcckfrcie und vollkommene Beziehungen der Menschen untereinander zu sorgen. Israels Erwählung kann also nie heißen, sich irgendwie ins Gemenge der Weltpolitik zu drängen, sondern mit besonderer Hingahe dafür zu wirken, daß das Kommen des messinnischen Reichs ermöglicht werde. Diese Erwahhmg als. Aufgabe ist heute so vordringlich wie in jeder früheren Stunde jüdischer Geschichte. Diese Erfüllung der Erwahiung, die wir in ihrer Strenge heute stärker denn je fühlen, hält' Buber in unserer Zeit für greifbarer, vollziehbarcr und vordringlicher als zu irgendeinem früheren Zeitpunkt. -- Die zahlreichen Hörer folgten dem Vortrag mit angespannter Ergriffenheit. Aul Einladung des Jüdischen Kulturbunds gab der Chor Chemjo Winawers in der Hauptsynagoge ein Konzert. Die Präzision der Darbietungen, die außerordentlichen Stimmen der Künstler, ihre Hingabe und die des Dirigenten fanden volle Anerkennung. " H. L. Wiesbaden. Im Zyklus „Sinngebung des Judentums, dargestellt an charakteristischem Gestalten unserer Geschichte" hielt Rabbiner Dr. Üitnematin (Offenbach a. M.) den dritten Vortrag über „Hiob — der Kampf um die Gerechtigkeit". Nur auf dem Hintergrund des Kampfes um die Gerechtigkeit Gottes ist der Kampf um die Gerechtigkeit in der Welt als Teil der Frömmigkeit zu verstehen. Im biblischen Buch ist dann alles aufgelöst durch den Oedanken: Leid ist Prüfung, ist Bewährung. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden teilt mit: Der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hielt am 17. Januar in Berlin seine Jahrestagung ab. Der Präsident des Rafes, Kammcrgerichfsrat i. R. Leo W o I f f, begrüßte bei Eröffnung der Sitzung die ordentlichen Mitglieder des Rates und eine Reihe von Stellvertretern, sowie die Delegierten der dem Preußenverband angeschlossenen Landesverbände und die Vorsitzenden der Provinzialverbände und gedachte der verstorbenen Ratsmitglicdcr Rabbiner Dr. Simonsolin (Breslau) und Rechtsanwalt Dr. Cohn (Bonn). Der Präsident wies darauf hin. daß dem Landesverband große, wichtige Arbeitsgebiete geblieben und neue hinzugekommen sind, wie sich aus dem den Mitgliedern vorgelegten Tätigkeitsbericht ergibt. Er kam sodann auf die Aufgaben der Reichsvertretung der Juden in Deutschland zu sprechen, deren Verfassung, Zusammensetzung und Arbeitsweise sich in den letzten Monaten verändert habe. Wichtig sei die kürzlich erfolgte Bildung eines Rates bei der Rcichsvertrelung, der sich mit grundsätzlichen Fragen der Selbstverwaltung der Gemeinden und der Landesverbände und vor allem mit der L'ebcrwachung der Finanzgebarung der Reichsvertretung und der Festsetzung des Haushaltsplanes zu befassen habe. Zwar habe die noch immer nicht völlig überwundene Auffassung der süddeutschen Verbände über gewisse Sonderinteressen innerhalb des Judentums in Deutschland eine dem wirklichen Kräfteverhältnis entsprechende Vertretung des Preußenverbandes verhindert, doch habe dieser sich gleichwohl zu tatkräftiger Mitarbeit im Rat bei der Reichsvertretung entschlossen. Es könne nicht die Rede davon sein, daß die Angiicderting der norddeutschen Verbände einem augeblich bestehenden Expansionsbedürfiiis des Preußenverbandes entsprungen sei. Vielmehr habe dieser nur seine Pflicht erfüllt, wenn er den kleinen, zum Teil schwach gewordenen Verbänden seine Hilfe und seine materielle Unterstützung angedeihen lasse. Auf diese Weise sei es gelungen, sie zu erhalten und zugleich die Fortsetzung ihrer Tätigkeit, zu der ihre eigene Kraft nicht reichte, sicherzustellen. Bei allseitigem Verständnis für die gemeinsamen großen'Aufgaben sei auf segens- und erfolgreiche Zusammenarbeit zu hoffen. Berichte der Dezernenten Der Eröffnungsansprache folgten — in ungefährer Anlehnung an den schriftlich vorgelegten Tätigkeitsbericht — die Berichte der Dezernenten. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee unterstrich die vom Präsidenten gemachten Bemerkungen über die Notwendigkeit des Zusammenschlusses, indem er darauf hinwies, daß der Schrumpfungsprozeß, von dem bisher im wesentlichen die Kleingemcinden betroffen waren, im jetzt abgelaufenen Geschäftsjahr in wachsendem Maße auch die Mittelgemeinden ergriffen hat. Die Durchführung des L a s t e n a u s g I e i c h s, die auch im Berichtsjahre Hatiptaufgabengebiet des Landesverbandes gewesen ist, geht Hand in Hand mit den Bemühungen um eine rationellere Gestaltung der Gemcindcorganisation durch Zusammenfassung kleinerer Gemeinden zu Bezirksgemeinden, durch Ausgestaltung der Lehrerbezirke usw. Zu den laufenden Zuschüssen an leistungsschwache Gemeinden gesellten sich diesmal einige an eine Anzahl von Miftelgemeinden darlehnsweise gegebenen Beihilfen, die infolge unerwarteter Hypotheken- oder Kreditkündigungen, besonders seitens öffentlicher Bankinstitute, notwendig geworden waren. Dr. Klee berichtete sodann über die vom Landesverband neugeschaffene Meldestelle für Binnen- und Auswanderung, die, im Zusammenhang mit den außerpreußischen Landesverbänden arbeitend, nicht nur eine jederzeitige Uebersicht über die gesamte Wanderungsbewegung, sondern — soweit Binnenwanderung in Betracht kommt — auch eine restlose steuerliche Erfassung aller durch die Gemeinden ermöglicht. Rabbiner Dr. G a 11 i n e r wies ebenfalls auf die Entwicklung in den Mittelgemeinden hin und zeigte, wie sehr sich diese auch auf das von ihm verwaltete Dezernat der Bezirksrabbinate auswirkt. Immer stärker ergibt sich die Notwendigkeit, auch mittlere Gemeinden mit Rabbinerstellen zu unterstützen und die Aufrechterhaltung der Rabbinate unter gleichzeitiger Ausgestaltung zu Bezirksrabbinaten zu sichern. Anschließend berichtete Dr. Oalliner über die vom Landesverband errichtete jüdische Lehrerbildungsanstalt Berlin. Im September 1936 haben 14 Hörer unu Hörerinnen eine von einer staatlichen Prüfungskommission abgehaltene Prüfung bestanden und ausnahmslos" inzwischen Anstellung innerhalb des jüdischen Schulwesens gefunden. Zum Ende des laufenden Schuljahres wird der zweite Lehrgang zur Ankündigungen Frankfurt am M«Ini Kulturbund-Aufführung des „Rigoleito" am 28. Januar, 20 Uhr, im Snp.lb.iu. Musikalische Leitung Prof. Früwer. Regie Kurt Rahmcr. Mitwirkende: Wilhelm Gutlmann, Emmy Lußheimer-Joseph, Richard Dresdner, Hans Assrnheim, Lconore Schwarz- Nenmaier, Max Lipmann, Janko Czcrncr-Kauffmann. Einfiihrimgsvortrag von Mitia Mavcr-Lisniann am 23. Januar, 19 l'hr, im kleinen Saal des Saalbaues. — Im Februar beginnen folgende Veranstaltungen: 2. Februar: Merlbach: Sprache der Bibel (20.30 L'hr, Fschersheimer Landsur. 7). Kantorowirti Ausgewählte Fragen der Soziologie. Xucrnbcrg: Aktuelle Wirt>ehaftsir.igen. 3. Februar: Kantorowiez: Sozialarbeit. Sandels: Infektionskrankheiten im Kindcsalter, Meyer: Rechen- und Schrcibsehwuchc im Kindcsalter. Messerer: Hebräische Lektüre. 4. Februar: Huber: Die jesajanisrhe und die „deuterojesajanische" Verheißung. 9. Februar: Pomeratut Geistige Entwicklung und erzieherische Funktion der zionistischen Iirwegum?. 11. Februar: Mattdorff: jüdische Zeilfragen in der Beleuchtung der jüdischen Presse. 17. Februar: Merzbach: Psychiatrische Grundfragen der Ileilpädagogik und Heilpädagogische Uebungen. 20. Februar: Hoffmann: Soziale Bedeutung der jüdischen Gemeinde. 23. Februar: Marbach: Der Zusammenstoß der römischen und jüdischen Welt. .— Hildesheim: Jüdischer Kulturbund, 27. Januar, Hotel Kaiserhof, 20.30 Uhr, Max Ehrlich und sein Ensemble in der Revue „Vorhang auf!" — K91n: ZOG. Am 26. Januar; Intensivkreis. 28. Januar: Arbeitskreis im Heim, Caiilienstr. 18-22, 20.45 Chr. Schlußprüfung zugelassen werden. — Achnlich günstige Ergebnisse liegen auf dem Gebiete der Lehrerfortbildung und der Religionslehrer-Kurse vor; eine Prüfung im November wurde von allen elf Teilnehmern bestanden, und im ganzen haben 32 akademisch gebildete Lehrkräfte die Befähigung zur Erteilung jüdischen Religionsunterrichtes erhalten. Dr. Hermann Schildberg er berichtete über die Tätigkeit der beim Landesverband neu eingerichteten Sonderabteihing für Vermögensverwaltung, deren bis jetzt 28 ehrenamtliehe Vertrauensleute überall im Lande im Einvernehmen mit den Provinzialveibänden und Bezirksrabbinaten die Gemeinden bei Fragen der Vermögensverwaltung und der Liquidation unterstützen, sowie auch für die Durchführung der für diese oft schwierigen Angelegenheiten aufgestellten einheitlichen Richtlinien Sorge tragen, damit keinerlei Gemeiitdeeigentum der jüdischen Allgemeinheit verloren geht. Auf diese Weise hat der Landesverband bereits sechs Voll- und 20 Tcilliquidationen durchgeführt und zur Zeit seien 50 weitere Fälle in Bearbeitung. Im Zusammenhang mit den Liquidationsmaßnahmen steht die Einrichtung der Sammelstelle für Thorarollen und Kle Kodesch. Zur Kulturarbeit des Landesverbandes übergehend, schilderte Dr. Schildberger zunächst die starke seelische Wirkung der Kulturfahrten, die von den Gemeinden in immer wachsendem Maße und mit immer stärker werdender Dringlichkeit angefordert werden. Zur vollen Auswirkung ist im Berichtsjahr die Wanderbüeherei gelangt. Der Etat Ueber den Haushaltsplan für 1937, den der Schatzmeister des Landesverbandes, Dipl.-Ing. Bruno W o y d a, aufgestellt und der Ratssitzung mit eingehenden Erläuterungen vorgelegt hatte, referierte als stellvertretender Schatzmeister R.-A. Dr. S u I z b c r g e r. Auch er betonte die Notwendigkeit engsten Zusaminenarbeitens aller, um bei äußerster Sparsamkeit in der Verwaltung die rationellste Ausnutzung aller Arbeitsmöglichkeiten zu erreichen. Insgesamt beläuft sich der Etat auf 545 000 RM., von denen 520 000 RM. durch Gelneindebeifräge aufgebracht werden, so daß das jüdische üemeindewesen sich jetzt, trotz Rückgangs der Steuerkraft und Anwachsens aller Anforderungen, aus eigener Kraft erhält. Als wichtigste Posten der Ausgabenseite seien genannt: Lastenausgleich für leistungsschwache Gemeinden und Zuschüsse an leistungsschwache Gemeinden zur Rahbinerbesoldttng (hanpt- und nebenamtliche Bezirkrabbiner) 250 000 Reichsmark; Beamte im Ruhestande 100 000 RM.; Kulturarbeit (Lehrerausbildung und -fortbildung, Kultuifahrten, Wanderbüeherei, „Gesamtarchiv" usw.) 74 200 RM. Die Aufbringung der Mittel erfolgt, soweit der schon erwähnte Hauptposten der Gemeindebeiträge in Betracht kommt, durch Umlage auf die Gemeinden. Für das Rechnungsjahr 1037 wurde folgender Umlagebeschluß beantragt: 1. Für den Landesverband: a) 1,25 »'« des Reichseinkommensteuersolls der Mitglieder der Synagogengemeinden für das Jahr 1935; b) 3 o/o vom Vermögenssteuersoll 1935 der Mitglieder der Synagogengemeinden, jedoch nicht mehr als 10 o/o' des Zuschlags zur Reichsvermögenssteuer, den die Gemeinde selbst erhebt. 2. Für die Reichsvertretting: a) 1,1 o.W des Reichseinkommensteuersolls 1935; b) 0,30 RM. Kopfgeld. Debatten und Beschlüsse In der an die Berichte anschließenden General« d e b a 11 e sprach zunächst Dr. Georg G o 1 d s t e i n (Wiesbaden) eingehend über den Etat. Von vielen Rednern wurden wertvolle Anregungen für die Arbeit des Verbandes gegeben, so u. a. von Rabbiner Dr. Eschelbach er (Düsseldorf) über die Notwendigkeit einer Ausgestaltung der Gefangenen« seelsorge. Der Haushaltplan für 1937 wurde einstimmig an« e n o m m e n, ebenso erfolgte die Annahme des Umlage« e s c h I u s s e s, soweit sich dieser auf die Zwecke des Landesverbandes bezieht, einstimmig. Ueber die Tätigkeit der Reichsvertretting der Juden in Deutsehland hatte deren Präsident, Rabbiner Dr. B a e c k, in seiner Eigenschaft als Ratsmitglied eingehend referiert. Im Laufe der Aussprache übte Direktor Kareski lebhafte Kritik an der Tätigkeit der Reichsvertretting, auf die Dr. Baeck gegen Ende der Tagung noch einmal entgegnete. Derjenige Teil des Umlage« beschlusses, der sich auf die Reichsvertretung bezieht, wurde dementsprechend vom Großen Rat mit allen gegen ei na Stimme angenommen. Ebenfalls angenommen wurde ein vom Ratsmitglied Dr. fsmar Freund eingebrachter Antrag, an die Gemeinden die Aufforderimg zu richten, daß alle Akten, die nicht mehr für die Zwecke der Verwaltung gehraucht werden und ab« gegeben werden können, an das Gesamtarchiv der Juden in Deutschland abgeliefert werden sollen. Unsere hebräische Zeitschrift '1 pby '»'"layn nHan„« Die 6. Nummer der hebräischer! pädagogischen Zeitschrift „Hamoreh Haiwri" (herausgegeben vom Tarbuth-Dezernat der ZVfD. unter Redaktion von Dr. S. Kaleko) ist soeben erschienen. Im Leitartikel gibt Dr. R a w i d o w i c z, London, eine Analyse des Standes der hebräischen Bewegung in der Qolah und regt die Einführung eines Sonderbeitrags für den Ausbau der hebräischen Arbeit an. Eine Anleitung für das Schreiben von Aufsätzen in der Schule gibt die bekannte Pädagogin Nechama Li bo witsch. — Der Lehrer E. Beiles macht den Versuch, die in den jüdischen Schulen bis jetzt verschiedenartig gebrauchte Schrift des Hebräischen in ein System zu bringen und sie für alle Altersstufen zu vereinheitlichen, — Ferner wird ein lehrreicher Vortrag, den der Dichter Sehn cur im Palästinenser Radio über die Betonung des Hebräischen in Dichtung und Prosa gehalten hat, fast wörtlich wiedergegeben. — Für die Lehrer in den unteren! Klassen und Kindergärtnerinnen bringt das Heft ein hebräisches Spiel mit Noten, Text voti J. Altermann, Musik von M. Kantor-Krwaitz. — Außerdem enthält die Nummer ein Verzeichnis der wichtigsten pädagogischen Ausgaben der letzten Jahre, sowie ein Literatur-Verzeichnis, Das Heft ist zum Preise von 0,33 RM. vom Tarbuth-De« zernat der ZVfD., Berlin W 15, Meinekestr. 10, zu be« ziehen. Prlnun.tftB« 41 Ecks StboatianstraBe Frankfurter AHM 304 •n der GnbeLb.rjr-r.tr. 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