Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU J^j^^i^JP Tl Nr. 6, 22. JANUAR 1937 Festschrift für Moses Gaster Occldent and Orient, being Studies in Scmitic Literature and Philology, Jcwish History and Philosophy and Folklore in the widest sense in Honour of Haham Dr. M. Gasters 80th Birthday. Ed. by Bruno Schindler Ph. D. in Collaboration with A. Marmorstein Ph. D. (Tajlors Foreign Pres», London W. C. I.) Vor einigen Monaten feierte ein großer Teil der wissenschaftlichen Welt den 80. Geburtstag Moses Gasters in London. Nun liegt zum Andenken an diese Feier eine wahrhaft seltene Gabe vor: eine Sammlung von Studien auf den verschiedensten Wissensgebieten von semitischer Philologie und Literatur, jüdischer Geschichte und Philosophie und besonders Volkskunde „im weitesten Sinne des Wortes". Alle diese Studiengebiete stellen sich hier dar als Teilabschnitte des großen Ackerlandes, auf dem die Lebensarbeit des Chachams Dr. Moses Gaster gewachsen ist. Der Sinologe Dr. Bruno Schindler, der seit über 30 Jahren dem Jubilar in Freundschaft verbunden ist, hatte die mühevolle Arbeit übernommen, alle diese Beiträge herbeizuschaffen und zum Druck zu befördern; aber diese „Arbeit der Liebe" ward ihm durch die große Bereitwilligkeit der jüdischen und nichtjüdischen Forscher an allen Enden der Welt erleichter». Wie er im Vorwort erzählt, war die Begierde, dem „Grand Old Man of English Jewry" ihre glückwünschende Anteilnahme zu zeigen, überall so groß, daß er eine Reihe von Beitrügen schon jetzt für einen evtl. erscheinenden Supplement-Band dieser Festschrift zurückstellen mußte. Da sich unter diesen Forschern, deren Arbeiten nun im zweiten Bande der Festschrift erscheinen werden, Namen wie Martin Buber, Harry Torczyner, Julius Guttmami, Prot. H. Hooke (King's College) und Prof. Montgomery (Philadelphia) befinden, so darf man auch auf diese Nachlese gespannt sein. Der Raum verbietet es zu unserem Bedauern, einen Begriff von der Reichhaltigkeit der Beiträge des vorliegenden Buches zu geben. Nur auf eine aufs Geratewohl herausgegriffene Reihe von Beiträgen sei kurz hingewiesen. Zunächst werden alle die Beiträge von Jugendfreunden und späteren Freunden Dr. Gasters besonderen Reiz haben, die sich mit der wcchselvollen Biographie des Jubilars beschäftigen, wie M. Schwarzfelds biographische Skizze der Jugendzeit Gasters und Bensusans Bericht über Dr. Gasters Wirken als Chacham der Sefarden in London. Als eine glückliche Ergänzung zu diesen Einzelberichten bietet sich die Bibliographie der Gasterschcn Werke und Aufsätze, die wir der Feder des Herausgebers Dr. Schindler verdanken und eine Einzelbetrachtung des rumänischen Forschers N. Cartojan, Bukarest, der seine Verdienste auf dem Felde der rumänischen Sprache, Literatur und Volkskunde als Beauftragter der Acadcmia Roumänä behandelt. Seine Lehrer auf dem Felde der jüdischen Wissenschaft, Zunz und Graetz, erscheinen beide mit unveröffentlichten Briefen; ganz besonders die Briefe von Graetz sind anziehend, weil sie, in der Zeit des Berliner Kongresses geschrieben, zusammen mit eigenen Briefen Gasters, von dessen Wirken schon zu jener verschollenen Zeit für die Sache der rumänischen Juden berichten, in Freud und Leid eines Gelehrtenlebens lassen uns die durch I. F. I b o g e n veröffentlichten Briefe von Zunz an den englischen Sefarden Mochatta hineinsehen, die für Anerkennung und Gaben danken — und doch von tiefster Enttäuschung des „Helden der jüdischen Forschung" sprechen. In das weite Reich der biblischen Forschung führen eine sehr scharfsinnige Einzeluntersuchung von Samuel K r a u ß, der den viclumstrittenen Ausdruck im Hohenliede „Schrecken in der Nacht" neu erklärt, K a - m i n k a s Deutungen einiger schwieriger Stellen in den Psalmen und Travers-Herfords interessante Hypothese über die Entstehung der Pirke Aboth. Aber auch an den „Hohenpriester der Jiddischen Forschung", wie Gaster von Judith Rosenbau m-Grünfcld genannt wird, wenden sich einzelne Beiträge aus jiddischem Forschungsgebiet, so B. Hellers und J. Grünfelds Bemerkungen zu Quellen und Entstehung des Maasse-Buches und eine inhaltreiche Studie von M. Weinreich „Form versus Psychic Function in Yiddish". Der „Volkskunde im weitesten Sinne", wie der Tite! der Festschrift es versprach, gehören die Abhandlungen von Immanuel L ö w, dem Altersgenossen Gasters, über „Marmor , die Untersuchung von M. Rigger „The formation ot the Child" und von Prof. Haggert Krappe (Washington) „The Birth of Eve" an. Zugleich führt eine Arbeit von Guido Kisch (New York) in die Rechtsgeschichtc der tuden „The Jewry Law of the Sachsenspiegel". Zu den untesten und lebendigsten Beiträgen des Buches gehören die Abhandlungen zur jüdischen Kunstgeschichte. Die Altmeister der jüdischen Bibliophilen, Elkan Adler und Rahel Wischnitzer-Bernstein, berichten über illustrierte Bücher: Frau Wischnitzer über den „Streiter des Herrn", eine Miniatur des Leipziger Machsor, während Elkan Adler höchst ergötzlich von seinem erfolglosen Kampfe um eine bibliographische Kostbarkeit erzählt: ein illustriertes jüdisches Andachtsbuch, das von Ramban geschrieben und von keinem anderen als ... Giotto illustriert worden sein soll. Auch in die Geschichte der Juden in Deutschland führt der Weg: Ravidowicz faßt noch einmal seine Anschauung vom Wesen Moses Mendelssohns zusammen; Bertha und Bruno S t r a u ß suchen ein vielumkämpftes Mendelssohn-Rätsel zu lösen: „Wer war der Mann von Stande?" Es ist ganz unmöglich, hier auch nur eine vollständige Anzeige aller dieser bald mehr, bald weniger gehaltvollen, immer aber interessanten Beiträge zu liefern. Aber ihr größter Reiz ist vielleicht nicht so sehr die Bereicherung unseres Wissens, sondern der Eindruck von einer produktiven Gemeinschaft jüdischer Wissenschaft. bs. Die Juden als Minderheit •ffmnon'imVina a'piB) D'ran vn ^nr niam •* b i t x -n •rnn •b^viv -oa pixn nxsm Ch. A. Suta: Jüdische Kultur im Mittelalter. Verlag Rubin Maaß, Jerusalem, 5697. Aus der Erfahrung eines bewährten Pädagogen, der sich mit dem feinen Einfühlungsvermögen eines Meisters der Erzählerkunst paart, ist ein Büchlein hervorgegangen, das in zwei Teilen von ungefähr gleichem Umfang die kulturellen Leistungen des jüdischen Mittelalters in der spanischen und der französisch-deutschen Umwelt zu schildern unternimmt. In fesselnder Darstellung wird gezeigt, wie gerade diese Umwelt, an der einen Stelle durch Freiheit und geistige Verwandtschaft mit dem Wirtsvolk, an der anderen durch Bedrückung und Fremdheit, das geistige Leben und die Leistungen der Juden beeinflußt hat. Sorgsam ausgewählte Proben aus den Dichtungen der Zeit beleben die Schilderung. Dem kleinen Buche, das auch drucktechnisch vorzüglich ausgeführt ist, wird hoffentlich ein großer Leserkreis beschieden sein. Dr. S. Lach mann, Tiberias Dr. Kurt Stillschweiß: Die Juden Osteuropas in den Minderheiten - Vertragen. 207 Seiten. Verlagsbuchhandlung Joseph Jastrow, Berlin 1036. Es hat einmal eine Zeit gegeben, in der die Frage der nationalen Minderheiten viel diskutiert wurde und eine umfangreiche Literatur darüber entstand. Diese Zeit liegt weit zurück. Mit der zunehmenden Verlagerung des Schwergewichts im Völkerleben von der internationalen Organisation, die ihren Gipfelpunkt im Völkerbund fand, nach den Staaten hin, mit der immer weiter fortschreitenden Steigerung des Willens zur nationalen Einheit im Staate gerieten die Minderheiten immer mehr aus der internationalen Sphäre in den innerstaatlichen Machtbereich. Wichtiger als die Völkerbundsgarantie wurden die Beziehungen des nationalen Mutterlandes der Minderheitsgruppen zu dem Staate, in dem sie lebten. So mußte notwendigerweise die Lage der jüdischen Minderheitsgfuppen, die kein nationales Mutterland haben, ständig schlechter werden. Die Juden Osteuropas sind daher heute mehr als die anderen Minderhcitspruppen darauf angewiesen, sich an den internationalen Vertragsschutz der Minderheiten zu halten. Es ist daher wohlbegründet, wenn jetzt ein Buch von Kurt Stillschweig über „Die Juden Osteuropas in den Minderheitenverträgen" erscheint, das aus der heutigen Situation heraus — seit dem Erscheinen des Buches von Georg Landauer über das geltende jüdische Minderheitenrecht im Jahre 1924 ist viel Zeit dahingegangen — die Minoritätenposition der Juden im Rahmen der Minderheitenabkommen beschreibt und würdigt. Vieles in dem Buche gehört bereits der Geschichte an und der Verfasser weist auch deutlich auf die Diskrepanz zwischen dem Inhalt der Verträge und der Wirklichkeit im Leben der jüdischen Minderheiten. Dazu ist Gelegenheit bei der Erörterung der Minderheitenrechte. Auf dem Gebiete der Staatsangehörigkeit, beim Schutz von Leben und Freiheit, in der Frage der Gleichberechtigung, vor allem auch im Wirtschaftskampf, der Religionsfreiheit und Sprachfreiheit, aber auch auf dem Gebiete des Minderheitenschulwcsens gibt es genügend Anlaß zu ernsten Beschwerden. Stillschwcigs Buch zeichnet sich dadurch vor der überwiegenden Zalil der Arbeiten zum Minderheitenrecht aus, daß es sich nicht auf eine abstrakte Darstellung des rechtlichen Systems beschränkt, sondern in lebendiger Sprache ein anschauliches Bild der Zustände zeichnet. So gibt er bei Erörterung der Frage der Sprachfreiheit eine anschauliche Beschreibung der komplizierten tatsächlichen Verhältnisse im Sprachgebrauch der Juden und der Schwierigkeiten, die sich daraus bei der Anwendung der gesetzlichen Vorschriften und der Regelung der Minderheitenvcrträge ergeben. Das hindert den Verfasser jedoch keineswegs, seine besondere Aufmerksamkeit der gerade auf diesem Gebiete besonders notwendigen Erörteiung der grundlegenden Begriffe zuzuwenden. Nicht nur die geschichtliche Entwicklung der Grundlagen des jüdischen Minderheitenrechts ist hier von Interesse, sondern vor allem auch die viel erörterte Frage der Juden als Minderheit. Auf diese Frage, ob die Juden eine „nationale" Minderheit sind, gibt Stillschweig nach eingehender Erörterung nicht nur der Situation der Ostjuden, sondern auch der der Westjuden folgende Antwort: „Diese Frage ist nicht einheitlich zu entscheiden und nicht abschließend zu beantworten. Nicht einheitlich zu entscheiden, weil die grundlegende Voraussetzung, der nationale K o 11 c k t i v w i 11 e, nur im Ostjudentum vorliegt. Nicht abschließend zu beantworten, weil der Kollektivwille keinen statischen Sachverhalt darstellt, sondern veränderlich ist. Der Kollektivwille kann, soweit er heute vorhanden ist, in der Zukunft schwinden und die vorhandene Nationalität zu einem bloßen Nationsfragment mindern. Er kann aber dort, wo er gegenwärtig fehlt, sich einmal dynamisch entwickeln und das heutige Nationalfragment zu einer wallten Nationalität ausgestalten." Gerade diese Teile des Buches, die interessante und wichtige Probleme behandeln, /eigen, daß sich zwar seit Entstehung der Minderheitenverträge in der Erfassung des Begriffes der nationalen Minderheit vieles verändert hat und neue Gesichtspunkte sich herausgebildet haben, daß aber die Entwicklung noch zu sehr im Flusse ist, um hier schon jetzt zu einer Klärung und Festlegung zu kommen. Das Buch ist dein Gedenken an Leo Motzkin gewidmet. Es zeigt sich mehr und mehr, daß das jüdische Volkin diesem Manne einen seiner besten Vorkämpfer verloren hat. Was für die Sicherung der Minderheitenrechte der Juden getan worden ist war vor allem sein Verdienst. Dr. Rudolf L e v y, Den Haag Leben eines jungen Juden in dieser Zeit Günter Rohr: „Briefe 1924—1933". Gedruckt bei J. P. Himmer, Augsburg 1935. Um es gleich vorweg zu sagen: in diesem merkwürdigen Buche, das von Freundeshand gesammelte Briefe eines jungen jüdischen Menschen enthält, der mit einer Anzahl von Kameraden im Sommer 1933 nach Brasilien auswanderte und kurz nach seiner Ankunft dort im Alter von 25 Jahren starb, ist das Wort „Jude" auf keiner Seite zu finden. Und auch die Verknüpfung jüdischen Schicksals mit dem eigenen Lebcnsplan erscheint verhüllt und nur einmal, freilich an einer bezeichnenden Stelle. Aber hier zeigt es sich, wie ein junger Jude in dieser Zeit aus der Ucberfülle der Kultur zu einem Leben physischer Arbeit gelangt. Günter Rohr wurde 1908 als zweiter Sohn des Rittergutsbesitzers Willi Rohr in Langguhle, in der früheren Provinz Posen, geboren. Die Familie des Vaters gehörte zu jenen früher in Schlesien und Posen nicht seltenen Familien von jüdischen Gutsbesitzern, die man vor dem Weltkriege allenthalben im östlichen Deutschland traf. Der begabte Junge beschließt schon auf der Schulbank, sich der klassischen Philologie zu widmen, wohl durch einen jungen Lehrer beeinflußt, den er sich dann auch in der Universität Kiel besonders anschloß und der seine erste Arbeit, eine umfangreiche Plato-Studie, anregte. Als Rohr sein Studium begann, da schwebte ihm als zukünftiger Beruf das höhere Lehramt vor; das Pädagogische war ihm freilich schon damals wichtiger als irgendeine Fachwissenschaft. Allmählich verstärkt sich diese Neigung zur Sozialpädagogik. Die Frage der Erwachsenenbildung beginnt ihm näher zu kommen. Er nimmt an den Arbeitslagern der Arbeiter, Bauern und Studenten im Boberhaus in Löwenberg teil und versucht, solche Lager auch in Norddeutschland zu begründen. Nach Beendigung seiner Doktorarbeit stellt er alle, wissenschaftlichen Pläne zurück und geht als Knecht zu Bauern in Schweden, wo er sich durch praktische Arbeit sein Brot verdient, als Holzhauer, als Landarbeiter auf Bauernhöfen, dazwischen wieder als Lehrer in kleinen Dorfschulen. Aus jenen Jahren stammen die schönsten seiner Briefe, die von der ungeheuren Umwandlung des Städters in den Arbeiter auf dem Lande zeugen. Auf diesem Felde findet er nun auch seine eigene Aufgabe. Erst leitet er ein Arbeitsdienstlager in Holstein. Dann aber wendet er sich immer mehr kolonialen Siedlungsplänen zu. Im Juni 1933 zieht er mit einem kleinen Häuflein von Kameraden nach Brasilien als „Kundschafter, Pionier, Vorbereiter und ähnliches". Sein Abschiedsbrief an einen Freund berührt zum erstenmal die Schwierigkeiten, die seiner Arbeit vielleicht in den Weg treten könnten „und die mindestens eine gewisse Charakterlosigkeit meinerseits erfordern würden, um ihnen aus dem Wege zu gehn". Nun aber geht er dieser und anderen Schwierigkeiten selbst aus dem Weg — und sieht dabei sein Ziel klar vor sich: „Mit je mehr Leuten ich spreche ... desto klarer wird mir, daß wir unsere Aufgabe gut schaffen werden, daß es keine Hindernisse geben wird, die man nicht mit Zähigkeit, Wendigkeit und Intelligenz überwinden kann. . .'' Sie wollen im Nordosten des Staates Sao Paolo siedeln. „Heute in acht Tagen stehen wir jedenfalls schon auf unserem eigenen Land." Zwei Wochen später hat man ihn in Sao Paolo begraben; während seine Arbeitskameraden schon in der Kolonie Terra Nova die Arbeit begonnen hatten, die er ersehnte. Ein merkwürdiger Zufall wollte es, daß Gunter Rohrs Eltern in Schlesien ein zweites Gut besaßen, Groß-Breesen, „das er als seine Heimat betrachtete". Dort, aber erzieht man jetzt junge jüdische Menschen zu jenem Pionier-Dasein, wie es Gunter Rohr verwirklichen wollte. Bertha Badt-Strauß Das J. W. I." publiziert Das Jiddische Wissenschaftliche Institut in Wilna ist jetzt in der Lage, eine beträchtliche Reihe von Neuerscheinungen herauszugeben. In erster Linie ist hier der II. Band der „Historischeu Schriften" zu nennen, ein Sammelwerk, das als Festgabe für den 75jährigen Prof. S. D u b n o w erscheint und u. a. enthält: eine Würdigung Dubnows von S. A. Horodetzky; von Dr. M. Gaster „Ein hebräisches Manuskript einer jüdischen Geschichte, geschrieben von einem Christen"; von Dr. J. Brutzkus "Geschichte der kaukasischen Bergjuden"; von Dr. B. Wcinryb „Jiddische Briefe aus dem Jahre 1588"; von J. Hcilpcrin "Die Vierländer-Synode und ihre Beziehungen zum Ausland"; von Dr. Borodianski „Die Hymnen zu Ehren Katharinas II. und ihre Verfasser"; Beiträge zur Geschichte der Dubncr Gemeinde, der Jerusalemer Kabbalisten im 18. Jahrhundert, der Sabbatai Zwi-Bcwegung, des Karliner Chassidismus, des ostjiidischen Wirtschaftslebens, der Warschauer Juden, des Verhaltens der Juden im polnischen Aufstand 1831, der russischen Pogrome, der rumänischen, Krakauer und Wilnaer Juden; endlich Briefe von David Friedländcr, von Moses Heß an Berthold Auerbach. Der Band wird etwa 800 Seiten in Großformat enthalten. Josct Perls jiddische Schriften erscheinen demnächst erstmalig in einem Band mit einer biographischen Einführung des Herausgehers J. Weinles und einer literarischsprachlichen Analyse von S. Kaltnanowitz. Joset Perl (1774—1839) war einer der großen Pioniere der Haskala in Oalizien, als Reformer, Schulreformer und hebräischer Satiriker berühmt. Herbert Spencers „Erste Prinzipien" (das „System der synthetischen Philosophie"), jiddisch von Dr. J. A. Merisson, sind dieser Tage erschienen, desgleichen die zweite Lieferung der jiddischen Ausgabe von S. Freuds Einführung in die Psychoanalyse. Band III und IV der Historischen Schriften (Geschichte der jiddischen Arbeiterbewegung bis 1897) sind Bücherstube, Hamburg, ftftKm I Mod Literatur Judaica Kinderbeschäftigungen | im Druck, ebenso Monographien über den Anteil der Juden am Koszciusko-Aufstand (von Dr. E. Ringclblum) und über die Chmelmzki-Epoche (von Dr. J. Schatzky). Dr. Max Weinreichs auf dem Linguistenkongreß gehaltener Vortrag über Jiddisch liegt als Broschüre in französischer Sprache vor: „Le Yiddish comme ohjet de la linguistique generale". Heldisdie Vorbilder ..Heroische Gestalten jüdischen Stammes", herausgegeben vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Verlag Erwin Löwe, Berlin 1936. Wie das Geleitwort von Dr. Leo Löwenstein betont, soll diese Publikation „der Auftakt werden zu einer umfassenderen Geschichte heldischen Geistes in jüdischem Stamme", und sie soll vor allem „unsere Jugend mit diesem Geiste erfüllen". Elf Biographien von Menschen jüdischer Abstammung werden zu diesem Zweck zusammengestellt. Nur eine biblische Figur, Josua, ist darunter; efn Vertreter der spanischen Epoche, Isaak Abrabanel. Dann folgt der polnische Freiheitskämpfer Berek Joselewicz und auf ihn acht Menschen aus der Gegenwart: der Afrikaforscher Em in Pascha, der Erfinder David Schwarz, der Röntgenforscher Levy-Dorn, der Physiker Robert von Lieben, der zionistische Freiheitskämpfer T r u m p e 1 d o r, der Philosoph Emil Lask, der australische General Monash und der Dichter Walter H e y m a n n. Die Biographien sind zum Teil recht spannend geschrieben, und da ja ein außergewöhnliches Menschenschicksal immer interessant ist, so wird man sich gern für einige Stunden der anspruchslosen Lektüre widmen. Bedenklich weit scheint uns in diesem Buch der Begriff des „Heroischen" gespannt zu sein. Man sollte diesen Begriff etwas sparsamer verwenden. Auch vom jüdischen Standpunkt wäre manches gegen das Buch einzuwenden, so z.B. daß manche der behandelten Personen nur in losem oder gar in überhaupt keinem Zusammenhang mit dem Judentum standen. Dennoch bleibt das Menschliche als der Gewinn und söhnt mit manchem kritischen Einwand wieder aus. —na,