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Jüdische Rundschau · 1937-01-22 · Heft 6 (22.1.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 6 (22.1.1937)
Date
1937-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6, 22. U937 JDDiSCHF RlIKJnSfHAU Safte 3 Was die amerikanische Judenheit ausgibt 48 Millionen Dollar für Gemeinde-Zwecke — Organisatorische Arbeit — Das Kubaprojekt Von unserem Korrespondenten New York, Anfang Januar Sammlungen und ihre Verwendung Ganz im stillen entwickelt sich allmählich im jüdischen Leben Amerikas eine Organisation, die die Hegemonie über jeden Bezirk jüdischen Lebens zu gewinnen scheint. Was großen Philanthropen unmöglich war zu erreichen, wird jetzt von einer Körperschaft verwirklicht: dem Council ot Jewish Federations and Weifare Funds. Wenn der Historiker künftiger Zeiten die Geschichte der letzten jüdischen Generation und ihrer organisatorischen Bemühungen schreiben wird, wird er den wichtigsten Platz diesem Council einräumen, der jetzt allmählich die Aufsicht über die Erziehung, die Aufrechterhaltung der Krankenhäuser, Hilfsarbeit im Ausland sowohl als auch Palästinaarbeit an sich reißt. Mit wenigen Ausnahmen sind seine Leiter Menschen, die häufig und oft zu Unrecht als „Assimilanten" bezeichnet werden. Ihr Hauptbemühen — welches auch immer ihr jüdischer Standpunkt sei — ist: das „Geräusch" und den „Lärm" der jüdischen Aktivität zu reduzieren und die Gemeinschaft auf eine tragbare, sozusagen „geschäftliche" Basis zu stellen. Der Council hat in Zusammenarbeit mit fast 80 lokalen Wohlfahrtsfonds gerade ein Jahrbuch herausgegeben, das die Ausgaben für das jüdische Sozial werk im Jahre 1Q35 analysiert. In diesem Jahr (1Q35) gab die amerikanische Judenheit Insgesamt 48 Millionen Dollars für örtliche, regionale, allgemeine und überseeische Zwecke aus. Die Gesundheitsarbeit erforderte 8 18 7S6 222 (30 «„); Familienhilfe S 4170713 (8,7 n.'o); Kinderfürsorge •« 5422321 (11,2 "n); Altersfiirsorgc S 2 322 609 (4,8 o/o); Obdachlosetiftirsorge * 03 677 (Ü,2',>); Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen § 237 516; Darlehen S 89 706 (0,2 »o); Urlaubsermöglichung S 270 323 (0,6 »i); Heime (Erholungs- und Erziehungsanstalten S 4 000 000 (S,3 ".,.); jüdische Erziehung 8 5 825 000 (12,1 <Vr>). -- Ferner gab es Ausgaben für überlokale Zwecke: für amerikanische Körperschaften $ 2477673 (5,1 "o); für überseeische Institutionen $ 3 251988 (6,8 o/o) und für Verwaltung S 1 200 000 (2,5 «,,). Bei den überlokalen Institutionen sind mit einbegriffen Tuberkulose-Heilanstalten, die jüdische Einwanderernilfsorganisation (Hias), die jüdische Telegraphcnagentur, die Bne Bnth, die landwirtschaftliche Schule, das American-Jewish Committee, der amerikanisch-jüdische Kongreß, die zentrale Wohlfahrtsorganisation usw. — Die überseeischen Aufbau- und Hilfsinstitutionen, insgesamt 11 Organisationen, die sich in 3 251988 teilten, schließen auch das Joint Distribution Committee, den Keren Hajessod, die Hadassah, den Keren Kajemeth, die Poale-Zion-Aktion und die Gesellschaft der amerikanischen Freunde für die Hebräische Universität ein. Einige interessante Schlaglichter auf die jüdische Situation in Amerika ergeben sich aus diesem Bericht. Z. B. sollen ungefähr 200 000 Kinder in den jüdischen religiösen Schulen Amerikas sein. Es gibt 316 jüdische „Zentren", wo Jungen und Mädchen, Männer und Frauen eine Stätte gemeinsamer körperlicher Ausbildung, genieinsamer Erholung und der Fortbildung in volkstümlichen Vorlesungen, Seminaren usw. über jüdische und allgemeine Gegenstände finden. Diese „Zentren" bestehen gewöhnlich aus schönen Häusern, gut gelegen; es befindet sich dort entweder eine jüdische Jungmännervereinigung (Y. M. H. A.) oder zugleich auch eine Synagoge oder in der Nähe ist irgendein jüdischer Versammlungsraum. Die "Zahlen für jüdische Erziehung zeigen, daß über 8 Millionen Dollar im Jahre 1929 gegen $ 5 825 000 im Jahre 1935 ausgegeben wurden. Die Zahl von 48 Millionen Dollars, die für das jüdische Sozialwerk während des Jahres 1935 aufgewandt wurden, könnte dem uneingeweihten Leser ein falsches Bild geben. Dieser Betrag stellt nicht nur freiwillige Gaben dar. Tatsache ist, daß mehr als die Hälfte des Geldes Einnahmen von Krankenhäusern, Heimen und anderen Institutionen darstellt und nur 46 »o aus freiwilligen Zuwendungen herrühren. Es ist ein Axiom in der amerikanischen Philanthropie, daß die große Masse nicht gibt. Das kommt daher, weil der Joint es stets vermieden hat, an die Massen zu appellieren, in der Ueberzeugung, daß dies nur Aufregung bedeute, ohne entsprechende Ergebnisse zu zeitigen. Der Bericht von 1935 wirft weiteres Licht auf die Tatsache, daß verhältnismäßig wenige Personen das philanthropische Werk der amerikanischen Judenheit erhalten. Bei einem Betrag von f 6 882 009, der von 151 175 Spendern kam, wurde eine Probeanalyse durchgeführt, die folgendes ergab: $ 1 598 414 oder 23,2'«/o stammten von 145 Spendern. Weitere 23,1 «« oder $ 1 592 409 stammten von 961 anderen Spendern. Insgesamt 1264 Spender (10,7 "n) brachten weitere $ 733 449 auf. In anderen Worten: 57 «o des Geldes stammten von 1,5 »o der Spender. Wenn man die Analyse ein wenig weiter führt, findet man, daß 9882 Spender weitere * 1659128 (24,1 n/o) gaben. Wir ersehen daraus, daß 81 von * 6 S82 009 von nur 8 °o der Gesamtzahl der Spender für die Wohlfahrt sfonds zusammengebracht waren. Die Antwort auf diese Situation ist, daß entweder die Juden nicht geben w ollen oder nicht geben k ö n n e n. Der Kenner der jüdischen wirtschaftlichen Lage in Amerika wird nicht zögern, die zweite Erklärung anzunehmen. Ansiedlung in Kuba? Von Zeit zu Zeit bringen die amerikanischen Zeitungen Nachrichten aus Havanna, die Interviews des amerikanischen Kongreßmitgliedes William I. Sirovich, New York, mit llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll llllllllllllllllllllllli llllllllllllllllllllllllllilillllllllllllHIl! Unser Romanteil Im Rahmen des Romanteils der „Jüdischen Rundschau" bringen wir als eine der nächsten größeren Veröffentlichungen „Der begrabene Leuchter tf ven Stefan Zweig. In dieser bisher in Deutschland unbekannten Arbeit führt uns der Dichter des „Jeremias" in die Welt des ausgehenden Altertums, in der die Juden als Exulanten im alten römischen und byzantinischen Reiche leben und die p-^1".' ■ Hoffnung auf die Wiedererrichtung des jüdischen Reiches und das Wiedererstehen des Tempels mit tiefster Inbrunst von Geschlecht zu Geschlecht überliefern. Als Symbol dieser Hoffnung erscheint der Leuchter aus dem Tempel Salomonis, an den sich das erschütternde Erlebnis eines Knaben heftet, der dann sein ganzes Leben in der Idee der Befreiung des Leuchters lebt, bis ihm in hohem Alter auf wunderbare Weise Erfüllung zuteil wird. Der große Schriftsteller und Psychologe Stefan Zweig versteht es, ein farbenprächtiges Bild jener Zeit zu geben, von dem sich das Drama der jüdischen Olaubenssehnsueht, die durch die Jahrhunderte fortwirkt, eindrucksvoll abhebt. Wie bereits mitgeteilt, werden wir in unserem literarischen Teil auch eine Reihe weiterer kürzerer oder längerer Arbeiten abdrucken. Wir bringen heute eine Erzählung des hebräischen Dichters Agnon, dessen dichterische Bedeutung in der „Jüdischen Rundschau" wiederholt gewürdigt wurde (zuletzt im vergangenen Jahre in Nr. 6 und 7 von Max Mayer und in Nr. 9 von Ernst Simon). Agnon hat das Leben des einfachen und frommen galizischen Kieinstadtjuden der Vorkriegszeit in einem an die Tradition und Denkweise dieses Kreises unmittelbar anknüpfenden hebräischen Stil literarisch gestaltet. Aus dem weiteren Programm unserer Romanveröffentlichungen erwähnen wir einen größeren palästinensischen Roman sowie eine Fortsetzung der mit so großem Beifall aufgenommenen Noah Pandre-Geschichten von Salman Schncur. *?<•' '•" 4 Stefan Zweig Aus dem Deboralied Haftarah für Sdiabbat, den 23. Januar 1937 Mein Herz den Satzungsgebend Jlsroel», Den edel Schenkenden Im Volk! Preist Ihr den Ewigen! Die auf Zehorots Eselstufen reiten, Auf Middins (Tieren) sitzen Und die des Weges ziehen, (Denen) sagts, Sie sollen bei Trompeferschall am Schöpfbrunn Dort laut des Ewgen Gnadentaten künden, Heilstat an seiner Freisiedlung in Jisrael, Als zu den Toren niederschritt des Ewgen Volk. Schofeiim l, 9-11 Deutsch von Harry Torczyner kubanischen Diplomaten wiedergeben, in denen eine großzugige Einwanderung von Juden aus Europa erörtert wird. Die letzte Nachricht besagt, daß Dr. Sirovich (er ist Arzt von Beruf) ein Interview mit Fulgencio Batist a, dem Diktator und Armcechcf von Kuba," hatte, in dem Batista sich einer Ansiedlung von HKMKKI Juden 'ins Deutschland in Kuba günstig gestimmt gezeigt haben soll. Zweitellos drucken manche jüdische Zeitungen in Europa diese Nachrichten gm gl.; u big ab, da sie wenig von Sirovich oder von Kuba wissen. (Die ...lud. Rundschau" hat s. Zt. die amerikanische Alehiung über das Simvich-Interview als Kurios u in abgedruckt und auf die Uuglaublichkeit der Sache hingewiesen. — A. cl. K.) I.s wurde tragisch sein, wenn diejenigen, die eine neue Zufluchtsstätte suchen, aus diesen phantastischen Erzählungen über Kuba I liiifuimgen schupfen wurden. Tatsache i.-t, daß n i e in a n d i n A m e r i k a D r. S i r o v i c h ernst n i in m t. Er ist ein I hlcttant, der Vorliehe für Publizität hat. Gelegentlich geht er wahrend der Ferien nach Kuba und nimmt bei diesem Ausflug die Gelegenheit wahr, einen der Regicningsbeanücti /u sprecnen, die sieh kaum einem Mitglied des amerikanischen Kongresses entziehen können, da Kuba stark abhangig von seinem mächtigen nördlichen Nachbarn ist. Abgesehen von der gelegentlichen Teilnahme an jüdischen Veranstaltungen zu Wahi/citen ist sirovich kein sehr aktives Mitglied der jüdischen GemeiiiMhaii. Dies sind auch die meisten anderen der zahlreichen jüdischen Abgeordneten nicht, mit der bemerkenswerten Ausnahme von William K o p p! e m a n aus Connecticut, einem bedeutenden Wirtschaftler, der viele Jahre schon vor seinem Eintritt in den Kongreß ein Führer in der zionistischen Bewegung Amerikas war. Aber Sirovich weiß, daß die Judenfrage jetzt auf der Tagesordnung steht und er sieht keinen Grund, warum sein Name nicht auch bei der Diskussion miterwähnt werden sollte. Aber abgesehen von Dr. Suovichs Leichtfertigkeit besteht wenig Wahrscheinlichkeit einer großzügigen Einwanderung nach Kuba. Batista hat ein Diktatorenregiment eingeführt, das den Juden nicht besonders freundlich gesinnt ist. Die wirtschaftlichen Bedingungen in Kuba sind bekanntermaßen unbefriedigend. Hunderttausend Juden aus Deutschland in dieser Zeit in diese kleine Republik zu verpflanzen, ist eine Wahnidee. Im Zusammenhang mit der Diskussion möglicher Auswege für die Juden in Deutschland ist es interessant, eine Anregung festzuhalten, die im letzten Monat bei einer Konferenz der Pro-I'alästiiiavereiiiiguug, die aus führenden, dem zionistischen Werk in Palästina' sympathisch gegenüberstehenden christlichen Geistlichen und Laien zusammengesetzt ist, gegeben wurde. Ein Spreeher, der völlig den Charakter und Zweck der Veranstaltung (nämlich gegen die Beschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina zu protestieren) vergaß, verlaugte, daß die amerikanischen Staaten Florida und Arizona ihre Gebiete den Einwanderern aus Mittel- und Osteuropa öffnen sollten. Weite Strecken brachliegenden Sumpflands und unbebauten Landes, im wesentlichen unbewohnt, so erklärte der Sprecher, könnten durch die Energie dieser neuen Siedler urbar gemacht werden. Diese Ansicht war so neu, daß che amerikanischen Zeitungen in ihren Berichten sie anstatt der Diskussion über Palästina in den Vordergrund rückten. Aber niemand, der den jetzigen Zustand der Fremdenfeindlichkeit in Amerika und das hiesige Arbcnslosenproblem kennt, würde zu glauben wagen, daß solch ein Vorschlag mehr sei als die Phantasie eines wohlmeinenden, aber nicht realistischen Menschenfreundes. AN DIE TRANSFERENTEN DER HAAVARA Hierdurch bringen wir zur Kenntnis, (faß die PALESTINE AGRICULTURAL SETTLEMENT ASSOCIATION LTD. <PASA> JERUSALEM bereit ist, Reidismarkbeträge der Transferenten bis zum Gegenwert von nominell LP 83000.— gegen Ueberlassung vierprozentiger Debentures zu je LP 100.— der genannten Gesellschaft entgegenzunehmen. Für die Zeichnungs-Annahme gilt folgende Reihenfolge: ■J Zeichnungen von bei der Reidisbank oder der Paltreu für das Vorzeigegefd vorgemerkten Personen unter Verwendung ihrer bei der " Reichsbank oder Paltreu eingetragenen Vormerkung auf Vorzeigegeld oder bei gleichzeitiger Zeichnung auch aus den über das Vorzeige« geld hinaus zur Einzahlung auf das Sonderkonto I vorgemerkten Beträgen im Höchstbetrage von 27 500.— Reichsmark. Soweit in der oben genannten Kategorie die Zeichnung unter Verwendung des für das Vorzcigegeld vorgemerkten Betrages erfolgt, ist ein ent* sprechender Verzicht auf Zuteilung von Bardevisen erforderlich, der erst mit der Verwendung dieser Beträge durch die PA SA rechtsverbindlich wird. *y Zeichnungen der zur Einzahlung in das Sonderkonto I vorgemerkten Personen, die nicht zu der unter 1 aufgeführten Kategorie gehören, ~' im Hödistbetrage von 10 200,— Reichsmark. Die ZeichnungsFrist läuft vom 25. Januar 1937 bis einschließlich 8. Februar 1937. ZeichnungssteUen für dieses Angebot sindi IN PAL ASTINA: IN DEUTSCHLAND Die Angfo Palestine Bank Ltd. Tef-Aviv und ihre Filialen, die Bankhäuser: M. M. Warburg *£> Co., Hamburg 1, Perdinandstr. 75, und Berlin W35, Tiergartcnstr. 2 b/ A. E. Wassermann, Berlin W 8, Wilhelmplatz 7, Gebr. Arnhold, Berlin W 8, Behrenstraße 63 Die genannten Bankhäuser haben sich bereit erklärt, Zeichnungen auch durch Vermittlung aller Transferbanken und Transferberater entgegenzunehmen. Sämtliche Einzelheiten des Angebotes sind aus dem Prospekt vom 8. Januar 1937 und dem Angebotsdireiben vom 11. Januar 1937 zu ersehen, die bei oben genannten Stellen, bei der Palästina-Treuhandstelie zur Beratung deutscher Juden G.m.b.H., Berlin SW68, Friedridistraße 218, und der PASA selbst erhältlich sind. Jerusalem, den 12. Januar 1937 PALESTINE AGRICULTURAL SETTLEMENT ASSOCIATION LTD. <PASA> JERUSALEM P-O.B. 92 Vertretung für Deutschland; BERLIN W 15, MEINEKESTRASSE 10

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