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Jüdische Rundschau · 1937-01-19 · Heft 5 (19.1.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 5 (19.1.1937)
Date
1937-01-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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jooischerundschau PALÄS TI NA" M LATT "januab my Vor dem Ende derVernehmungen Abreise der Kommission am Freitag — Doch Aussagen in London? Szenenwechsel vor der Royal Commisslon Von unserem Berichterstatter czk. Jerusalem, 8. Januar Torschluß-Politik Die Araber Palästinas können sich rühmen, eine neue politische Taktik erfunden zu haben, für die der Ausdruck „Torschluß-Politik" passen würde. Zum zweitenmal im Laufe der Ereignisse, die am 19. April vorigen Jahres mit den blutigen Unruhen in Jaffa bcannen, haben sie schwerwiegende politische Entschlüsse in le'.zter Minute gefalit und im Widerspruch mit ihrem vorherigen Verhalten. So war es, als sk plötzlich den Generalstreik abbrachen, nachdem sie kurz vorher noch feierlich erklärt harten, sie würden ihn „bis zum vollen Erfolg" weiterführen. So ist es jetzt, wo sie angesichts der schon halb gepackten Koffer der Kommission plötzlich sich eines anderen besannen und erklärten, sie würden nunmehr doch vor der Kommission erscheinen. Beidesmal warteten sie bis zum allerletzten Augenblick."' Damals lag die Erklärung des Kriegszustandes unterzeichnungsfertig auf dem Tisch des High Commissioners, diesmal war der Abreisetag der Kommission schon für kommende Woche festgesetzt. Unmittelbar bevor das Tor des Unwiderruflichen zuschlug, sind die Araber beidesmal noch hineingeschlüpft. Und wie beim Abbruch des Streiks haben sie die Verantwortung für ihre Inkonsequenz auf die Schultern anderen abgewälzt, die den Vorzug haben, mächtiger zu sein und außerdem weit vom Schuß .sind. Auch diesmal folgen die Araber — „schweren Herzens", versteht sich — dem Rat ihrer gekrönten Freunde auf den Thronen des Iraks und Saudi-Arahias, die damit, wenn nicht die juristische, so doch in gewissem Sinne die moralische Verantwortung für den Erfolg ihres Rates übernehmen. Eine Politik dieser Art würde in Europa ihre Träger heillos kompromittieren; aber es wäre ganz verfehlt, anzunehmen, daß das nun auch unter Orientalen der Fall sein mufl. Es hat im aral s hen Lager zweifellos große Meinungsverschiedenheiten gegeben, und der Beschluß, nun doch, vor der Kommission zu erscheinen, bedeutet eine Niederlage des Mufti, der bis zum letzten Augenblick dtn intransigentesten Standpunkt eingenommen hat. Aber daß dieser Beschluß schließlich doch einmütig zustande gekommen ist und als Entschließung des gesamten „höheren arabischen Komitees" verkündet werden konnte, ermöglicht es den Arabern, vor sich und der gesamten orientalischen Welt „das Gesicht zu wahren". Was Juden und Europäer über ihre Torschluß-Politik denken, berührt sie daneben wenig. Der Jischuw nimmt die Nachricht von der volte face der Araber mit Gleichmut auf. Soweit man überhaupt dem Erscheinen oder Nichterscheinen der Araber vor der Kommission eine Bedeutung beimißt, neigt man eher zu der Anschauung, daß der arabische Beschluß gewisse Vorteile mit sich bringt. Wären die Araber bei ihrer Abstinenz geblieben, so hätten sie später immer behaupten können, die Entscheidung der Kommission sei auf Grund einseitiger Informationen erfolgt und deshalb den berechtigten arabischen Forderungen nicht gerecht geworden. Dieses Agitationsmittel fälit nunmehr fort. Schluß der jüdischen Aussagen Möglicherweise machen sich die Araber bei ihrer Taktik vor der Kommission Erfahrungen zunutze, die die Juden gemacht haben. Auf jüdischer Seite hat man ein bißchen zu sehr aus der Psychologie jenes alten Juden heraus gehandelt, der, wie man erzählt, alle seine „Zorcs" vor die Kommission bringen wollte und als man ihm das Unsinnige dieser Absicht klarmachen wollte, ausrief: „Was? Dreißig lohr bin ich im Land und soll nicht derfen awegreden vom Herzen?" Das „Awegreden vom Herzen" ist eine schöne Sache, aber eine Royal Commission bildet hierzu weder die rechte Gelegenheit, noch stellen ihre Mitglieder besonders geduldige Zuhörer für Herzensergüsse dar. Der Mitteilungsdrang schien alle Kreise des jischuw gleichmäßig stark ergriffen zu haben, und offenbar wollte keine Organisation, keine Partei, keine Interessengruppe das Odium auf sich sitzen lassen, vor der Kommission nicht gesprochen zu Die arabischen Zeugen Wir haben in der vorigen Nummer über die Aussagen des Mufti und Auni Abdul Hadi am 12. und 13. Januar berichtet. Ucber die Fortsetzung des Verhörs von Auni Abdul Hadi am M i 11 w o c h n a c h m i 11 a g um 5 Uhr, als die Sitzung wieder aufgenommen wurde, berichtet „Palcor": Auni versuchte zu beweisen, daß die Fellachen sich jetzt in einer schlechteren Lage befinden als unter dem türkischen Regime. Er wies in diesem Zusammenhange auf die vor dem Kriege existierende Gesetzgebung hin, derzufolge es den Juden unmöglich war, Boden zu erwerben; auch der Bodenerwerb durch Gesellschaften unterlag Beschränkungen, während unter der britischen Herrschaft es zwar ein Schutzgebiet gebe, das sich jedoch nicht als ausreichend oder wirkungsvoll gezeigt habe. Sir Laurie H a m m o n d fragte, ob die Wirkungslosigkeit des Gesetzes nicht auf die Habgier der Fellachen zurückzuführen sei, was Auni Abdul Hadi jedoch bestritt. Er leugnete ferner, daß die arabischen Pächter eine angemessene Entschädigung für Bodenverkäufe erhielten. Sir Laurie Hammond stellte iiber diesen Punkt weitere eindringliche Fragen, jedoch ohne ausreichende Antworten zu erhalten und bemerkte schließlich ungeduldig, warum eigentlich der Zeuge hier erscheine und argumentiere, ohne Kenntnis der Tatsachen. Auni erklärte schließlich, daß die Araber es nicht zulassen könnten, daß auch nur ein weiterer Jude ins Land komme. Lord Peel fragte dann, ob die Araber jemals eine Konferenz am runden Tisch mit den Juden oder den Plan einer Kantonisierung in Erwägung gezogen hätten, was der Zeuge kategorisch verneinte und betonte, daß die Araber Unabhängigkeit und einen Vertrag mit Großbritannien verlangten. Die nationale Existenz der Araber sei schwer bedroht, und der gesamte Islam verfolge mit größter Besorgnis die Lage der Araber in Palästina. Der nächste Zeuge war Izzat Darwaza. Er befaßte sich mit den Ursachen der Unruhen, die er darauf zurückführte, daß erstens die Regierung die unbestreitbaren historisch begründeten Ansprüche der Araber auf Palästina, die stärker seien als die Ansprüche der Juden, nicht anerkenne; 2. auf die Entschädigung der Araber, die nach ihrem Kampf gegen die Türken auf Unabhängigkeit gehofft, jedoch in ihren Erwartungen getäuscht worden seien, und 3. auf die haben. Man kann dieses Zuviel leider nicht nachträglich korrigieren, wie es jetzt die Araber mit ihrem Zuwenig tun. Aber es sollte uns eine Lehre für die Zukunft sein, jene immer noch fehlende Autorität zu schaffen, der sich alle Partei- und Interessentenwünschc bedingungslos unterordnen. Der Kernpunkt: Das Mandat! Im übrigen konnte man während dieser Wochen feststellen, daß das palästinensische Publikum «inen sehr wachen und sicheren Instinkt dafür hat, was wirklich entscheidend ist, und was nicht. Ein bezeichnender Vorfall ereignete sich in dieser Hinsicht auf der Feier des fünfunddreißigjährigen Bestehens des Kercn Kajemeth in Tel- Awiw, die von etwa 30(10 Menschen besucht war. Auf ihr wurden Begrüßungsschreiben von Organisationen und Einzclpersönlichkeiten verlesen, die das Publikum zum größten Teil gleichgültig ließen. Plötzlich aber rauschte allgemeiner Applaus auf. Ein Name war gefallen, den drei Tage vorher nur wenige Menschen in ganz Tel-Awiw gekannt harten, der Name Leonard Stein. (Vor etwa zehn oder zwölf Jahren war Stein bei den zionistischen Massen sogar ausgesprochen unbeliebt, mit Unrecht, wie wir meinen. — A. d. Red.) Dieser Londoner Anwalt und Rechtsberater der Jewish Agency hatte am Vormittag dieses Tages eine scharfe Kontroverse mit den Mitgliedern der Kommission über Sinn und Auslegung des Palästina-Mandats gehabt. Diese Erörterungen waren durchaus nicht von der Art, Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber den nationalen Forderungen der Araber, während auf der anderen Seite die Regierung die Balfour-Deklaration, die schließlich nur ein Versprechen sei, anerkenne. Am Donnerstag wurde als arabischer Zeuge Dschemal Hussein i vernommen. Er knüpfte an die Aussagen Abdul Hadis an und unterstrich auch seinerseits, daß das Mandat keine Gült; g k c i t h a b e, da es dem Völkerbunds- Vertrag zuwiderlaufe. Solange die Balfour-Deklaration bestehen bleibt, sei nicht ab/usehen, wie der Friede im Heiligen Lande wiederhergestellt werden könne. Husseini behauptete, daß sämtliche Ansätze zu Maßnahmen, die der arabischen Bevölkerung zugute gekommen wären, durch den jüdischen Einfluß zunichte gemacht worden seien. Ais Beispiele erwähnte er das Weißbuch vom Jahre 1030, sowie die Berichte von Shaw und Sir John Hope- Simpson, die einfach ignoriert worden seien. Der Zeuge ließ sich über die Notlage der Fellachen aus und erkürte, daß der Vorschlag der Einführung einer Einkommensteuer, die die Steuerlast vom Fellachen genommen h;.tte, von den Juden abgedrosselt worden sei, die iiber iler Mamlatsregierung stehen. Professor Coupland erinnerte daran, daß die arabischen Orangenpflanzer den Vorschlag abgelehnt haben, worauf Hussein! entgegnete, dal) die Pflanzer die Einkommensteuer begrüßt hatten. Unter Bezugnahme auf die Fi kl n-wun-n Dr. Weizmanns und Dr. Rttppins, daß die Regierung in nrgenügendem Maße für die Entwicklung der LamhV;;<.'• dt e< >orgt habe, behauptete der Zeuge, daß die ZionMen die Durchführung des von der Regierung entworfenen Entwicklungsprogramms verhindert hätten. Sir Laurie Hammond und Lord Peel stellten dem Zeugen anheim, daß es fur die Araber la-sscr wäre, einen Regier ungsbeirat (Advjsory (aniunl) anzunehmen, als ganz leer auszugchen; I Isissoini bcharrte jedoch auf dem Standpunkt, daß die Araber vollständige Unabh ä n g i g k e i t u n d S e 1 h s t v c r w a 1 t n n g haben müssen. Sir Laurie 11 a tr. m o n d bemerkte, daß die von Juden gekauften Boden von den arabischen Besitzern als nicht anbaufähig angesehen wurden. Dies wurde von Hussemi energisch bestritten. Er behauptete, daß sämtliche von Juden erworbenen Boden früher von Arabern bebaut waren; der wie sie jedem einfachen Juden verständlich ist. Und doch hatte beim Lesen der Berichte jeder von den Tausenden gespürt: „Hier geht es um das Wesentliche, und dieser Mann vertritt unser Recht mit Mut, Würde und Sachkenntnis!" So hatte der ganze jischuw auch aufgehorcht, als ein paar Tage vorher ein Privatmann einen Brief an den High Commissioner veröffentlichte, in dem er darauf hinwies, daß in einer soeben herausgekommenen amtlichen Gesetzessammlung der Vertrag mit den Vereinigten Staaten hinsichtlich des Palästina-Mandates nicht enthalten ist. Sobald das Wort „Mandat" erklingt, ist man hier sehr hellhörig. Und man hat weder unbeachtet gelassen, daß der Vorsitzende der Roval (Kommission einmal erklärte, die Kommission brauche sieb an k e i n e der bisherigen Interpretationen des Mandats zu halten, Hindern könne eine eigene Interpretation schallen, noch ist es dem palästinensischen Publikum entgangen, weichen Nachdruck die Kommission auf die Feststellung legte, daß der Völkerbund jederzeit das Mandat andern könne. Worauf der judische Vertreter erklärte: „Ja — mit Einwilligung der Vereinigten St a a t e n!" Wenn es zur Entscheidung kommt, wird es um keine der unzähligen Einzelheiten gehen, die in den hundert oder mehr Memoranden stehen, sondern um dieses eine: Sinn u nd A u s i cg u n g des Ma n da t > 1 „Die Oelleitung brennt" / Falscher Alarm Vorige Woche brachten die großen Tageszeitungen Alarn#Nachrichten aus Palästina, daß die Oelleitung Mossul—Haifa wieder brennt. Man glaubte, es handle sich um einen Sabotage- Akt. Ein Leser sendet uns die untenstehenden Fotos, die am 9. Januar vom Berge Karmel aus gemacht wurden. Bei strahlend sonnigem Winterwetter verdunkelte sich plötzlich der Himmel, und man erkannte bald, daß es sich nicht um Wolken, sondern um Rauch handelte. Jedermann war davon überzeugt, daß die alten Erscheinungen der Unruhemonate sich wiederholten und ein Angriff auf die der I. P. C. (Iraq Petroleum Co.) gehörende „pipeline" unternommen worden war, bis sich allmählich herausstellte, daß das Feuer von I. P. C.¬ Arbeitern willkürlich angesteckt wurde, um zu verhindern, daß größere Mengen Petroleum, die bei Reparaturarbeiten ausgeflossen waren, auf die benachbarten Felder liefen. Die eine Aufnahme zeigt das Feuer im Eutstehen, während die zweite die sich über Haifa lagernden .Wolkenmassen zeigt, i0io.: e. Achter, u.u«

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