Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1937)
- Date
- 1937-01-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 5, 19.1.1937 318 Ueberfölle in einer Wojwodschaft! unseres Wissens ebenso wie das gleichfalls genannte Guayana (Cayenne) bisher als französische Strafkolonie diente. Man wird gewiß diesem Vorschlage nachgehen müssen, selbst wenn es sich um noch so abgelegene Gebiete der Erd- Oberfläche handelt, die es bei dieser Gelegenheit zu „entdecken" gilt. Dennoch kann nicht verkannt werden, daß mühsam herbeigesuchte Projekte dieser Art keine sehr großen Chancen enthalten und gewiß nicht als ins Gewicht fallende Lösungen der in einer Reihe von europäischen Landern als brennend empfundenen Judenfrage betrachtet werden können. Auf der anderen Seite ist es von unserem Standpunkt aus zu begrüßen, wenn sich maßgebende Regierungen mit der Judenfrage beschäftigen und den Wunsch hegen, wirklich etwas zu ihrer Erleichterung beizutragen. Leider ist es bisher zumeist bei diesem Wunsch geblieben, ohne daß ihm wirkliche Taten gefolgt wären! Entfernung vom Leben Das Gefühl, als Jude in einer solchen Situation existieren zu mussen, ist nicht immer leicht. Die Ausweglosigkeit, die für Hunderttausende, wenn nicht Millionen und besonders für einen großen Teil der jüdischen Jugend in Mittel- und Osteuropa besteht, liegt wie eine Wand vor unseren Blicken. Wir werden dazu gezwungen, uns immer wieder mit unseren eigenen Dingen zu beschäftigen, weil wir nicht erlahmen wollen, wenigstens Teilen des Volkskörpers einen Weg ins Freie zu bahnen. Diese Haltung birgt erhebliche Gefahren in sich. Wir sind in Gefahr, den Kontakt mit dem Lehen der Welt zu verlieren, in dem wir von unseren eigenen Angelegenheiten ganz in Anspruch genommen sind. Uns Juden in Deutschland, die wir Generationen lang am leben der Umwelt so starken Anteil genommen haben, beschleicht in manchen Momenten ein schmerzliches Gefühl, wenn wir erkennen, wie sehr wir aus den lebendigen Beziehungen zur Weit ausgeschlossen sind. Wir besaßen sie über das Medium des Volkes, in dessen Mitte wir leben, und wir haben als kleine und isolierte Gruppe heute nicht die Möglichkeit, eine solche Beziehung direkt herzustellen. Gewiß sind wir mit unseren eigenen Angelegenheiten stark besi h.iiiigt, aber wir müssen doch immer wieder empfinden, dali du sc nicht das ganze Leben bedeuten und nient die ganze Vi-fit mit ihren Freuden und Sorgen, sondern nur einen Teilausschnitt! Diese Erkenntnis ist wichtig, wenn unsere Gemeinschaft nicht geistig und seelisch verkümmern soll. Es ist die große Bedeutung, die Palästina für uns hat, daß dort ein Volksleben existiert, das wieder zu allen Fragen der Umwelt Stellung nehmen kann. Gewiii ist auch in Palästina sehr vieles eng. allzu eng, weil das Leben im Lande von Menschen bestimmt wird, die selbst noch zum großen Teil unter den Bedingungen des Ghetto aufgewachsen sind und denen der Blick ins Weite fehlt. Auf der anderen Seite aber gibt es in Palästina Kräfte, die über den eigenen Bezirk binausstreben und die Sicht in die große Welt hinein besitzen. Sie wollen das Land und das Volk als die natürliche Basis des Lebens und des Urteilens gewiß nicht aufgeben, aber diese Gegebenheiten ihrer Heimat sollen zum Leben der Menschen und Völker draußen in Beziehung gesetzt werden. Aufgeschlossenheit und nicht Abgeschlossenheit ist ihre Parole, die Parole eines judischen Volkes, das wirklich Ghetto und Emanzipation überwunden hat und ein neues nationales Leben beginnt. K.L. Französischer Katholizismus und antisemitische Bewegung Von unserem Berichterstatter K, Paris, im Januar In dem Sfraßburger „Foyer de l'Etucliant C at holt q ii e" fand in diesen Tagen eine interessante Debatte über die Judenfrage statt, der infolge der starken antisemitischen Bewegung im Elsaß und des Anteils, den katholische Politiker daran tu-limen, erhebliche Bedeutung zukommt. Der Jesuinnpater Herzog hielt das Referat über die Stellung der katholischen Kirche zu den Juden. „Die katholische Kirche ist universell und kann aus diesem Grunde weder ethnische noch sonstige Ausschlüsse vornehmen. Die Kirche steh! Uru'i als das < Mtesvolk an, mit dem sie das Alte To-tnment gi mein-am hat und bedauert, dal! Israel in seiner Vrrbh tidung das Wort < .hrNtus' nicht angenommen hat. Die katholische Kirche nimmt gegenüber der jüdischen Rasse die gleiche Haltung ein wie gegenüber allen anderen Rassen. Infolge der biologischen Einheit der Menschheit kann keine Rasse unterlegen sein und Israel sieht daher auf gleicher Basis wie alle anderen Rassen. Die katholische Kirche verfo'gt daher die Juden nicht und die antijüdischen Bullen, die manche Papste erlassen haben, waren nur als Verteidigung gegen das jüdische Proseivtentutn und gegen die fahnudische Propaganda gedacht. Heute sieht die katholische Kirche mit Bedauern den laizistischen (»eist, der in eine große Anzahl von jüdischen Gemeinschaften eingedrungen ist und der das Ende der religiösen Auffassung der Weit bedeutet." Wahrend Pater Herzog die religiöse Seite des jüdischen Problems betonte, sprach nach ihm einer der eisässischen Antisemitenführer Gaspard. „Er betonte, daß der Antisemitismus überall dort herrscht, wo Juden leben. Er ist die natürliche Reaktion der Bevölkerungsmehrheil gegen eine Gruppe, die einen politischen Einfluß ausübt und die sich andererseits deutlich vom Rest der Bevölkerung unterscheidet. Die Lösung kann nur auf dem Wege einer völligen Assimilation dieser fremden Elemente an die Mehrheit liegen." Im Namen der eisässischen Juden sprach Rechtsanwalt Braun, der den jüdisch-assimilatorischen Standnunkt vertrat. „Er betonte, daß die Juden nicht für die Fehler einzelner verantwortlich gemacht werden könnten. Die Juden wollen nur in Frieden leben, die bürgerlichen Rechte genießen und ihre Bürgerpflichten erfüllen," Eine zweite prominente Aeußerung von katholischer Seite liegt aus einem der anderen antisemitischen Zentren in Frankreich, aus Tuni s, vor. Dort hat sich die Zeitung „La Tunisie Catholiquc", das offizielle Organ des Erzbischofs, energisch gegen die zunehmende antisemitische Propaganda in Nordafrika gewandt. Die Erklärung der katholischen Geistlichkeit wendet sich vor allem gegen den Vertrieb der antisemitischen Zeitschrift „Libre Parole", die jetzt auf ihrem Einband die Parole „A bas les Juifs" trägt. In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, daß die antisemitische Propaganda, die in den letzten Wochen in Nordafrika etwas abgeflaut war, jetzt wieder mit erneuter Schärfe eingesetzt hat. Die English Zionist Fedcration hat im Hinblick auf die ernste politische Lage in Palästina eine Beratung der Vertreter aller zionistischen Gruppen und Institutionen in London veranstaltet. Es wurde angekündigt, daß die zionistische Landeskonferenz am 1. und 2. Mai in London statfinden wird. Polnischer Ministerpräsident gegen antijüdische Propaganda Von unserem Berichterstatter Warschau, 15. Januar Die Judendebatte Im polnischen Sejm zieht weiterhin die Aufmerksamkeit der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit auf sich. Die gesamte jüdische Presse befaßt sich eingehend insbesondere mit der (in unserem letzten Bericht wiedergegebenen) Rede des Abg. M i e d z i n s k i. Es wird jüdischerseits u. a. festgestellt, daß die Behauptungen des genannten Redners bezüglich der allzu großen Vermehrung der Juden in Polen unrichtig seien. Soeben hat das offizielle Statistische Amt Daten für das dritte Vierteljahr 1016 veröffentlicht. Danach betrifft der natürliche Zuwachs in Polen bei den Römisch-Katholischen 12 pro Mille, hei den Griechisch-Katholischen 11,5, bei den Griechisch-Orthodoxcn 10,8, bei den Juden 9,9. Ferner wird darauf hingewiesen, daß es nicht die Schuld der Juden sei, wenn sie größtenteils in einigen Berufen zusammengepfercht sind. Die polnischen Juden möchten gern andere Berufe, die schwersten nicht ausgenommen, ausüben, stoßen aber auf den stärksten Widerstand seitens der polnischen Oesellschaft und der Regierung. Es trifft auch für Polen nicht zu, daß die ökonomische Entwicklung hier zur Eliminierung des Handwerks und Kleinhandels zugunsten des Großhandels und der Industrie führe. Man vergegenwärtige sich, daß die Zahl der Berufstätigen im Handel' in Polen kaum '.),? ausmacht (in England 14,6 °'o!). Es ist in Polen genug Platz vorhanden für solche Handelsbetriebe und Werkstätten, bei welchen jetzt Juden beschäftigt sind. Nur die e t a t i s < i s c h c n Tendenzen, die vom Staate genährt und unterstützt werden, bedrohen die jüdischen Unternehmungen, keinesfalls aber die inneren Tendenzen der gegenwärtigen ökonomischen Entwickhing. Mit der Rede des Abg. Micdzinski war die Liste der antijüdischen Erklärungen im Sejm noch nicht erschöpft. Beim Budget des Justizministeriums kam u. a. der Anteil der Juden im Advokatenstande zur Sprache und es wurde ein energisches Eingreifen der Regierung zwecks Reduzierung der jüdischen Rechtsanwälte verlangt. Abg. Szczepanski beanstandete, daß die Regierung in das Konzentrationslager in Bereza auch nationaldemokratische Agitatoren verschicke und begründete seinen Widerspruch damit, daß doch diese echte polnische Patrioten seien, die nötigenfalls für ihr Vaterland kämpfen würden. Abg. Bakon verlangte nichts weniger als Abschaffung des Prinzips der Gleichheit aller Menschen vor dem Rechte, was er sozial-philosophisch mit einer Kritik der Prinzipien der Französischen Revolution zu begründen versuchte, wobei er die Konstituierung eines Sonderrechts für Juden und Befreiung derselben von der Militärpflicht förderte. Von diesen und ähnlichen Reden fühlte sich auch die Regierung getroffen, da sie endlich einsehen mußte, welchen Schaden und welche Konsequenzen solche Theorien dem Staate bringen können, zumal sie aus dem Regierungslager stammen. Es sei erwähnt, daß bisher sogar die Nationaldemokraten sich gescheut haben, solche radikale Forderungen zu stellen. Beim Budget des Innenministeriums ergriff nun Ministerpräsident Skladkowski (zugleich Innenminister) das Wort und mit stark erhobener Stimme wandte er sich gegen die letzten antijüdischen Emulationen mancher seiner Parteikollcgen. Martin Buber in Prag Von unserem Berichterstatter h. I., 15. Januar Martin Buber und Prag, das ist eine Einheit, die sich schon vor dem Weltkriege schöpferisch ausgewirkt hat. Buber erinnerte bei seinen dieswöchigen Vorträgen in Prag einige Male daran, an die Bedeutung Prags für seine eigene Entwicklung, an die ersten Vorträge, die er in Prag gehalten hat und die für ihn und eine Generation so bedeutend wurden, weil er damals zum ersten Male, angeregt durch den Prager Bar Koehba-Kreis, sich öffentlich mit den jüdischen Problemen auseinandersetzte. Etwas von dem Fluidum jener Vorkriegszeit brachte Buber auch diesmal wieder nach Prag. Weit über tausend Personen strömten zu seinem Vortrage („Ewigkeit und Oege n w a r t d e s Judentum s") und lauschten durch nahezu zwei Stunden seinen Worten. Die jüdische Aufgabe ist, so klang es eindringlich aus dem Munde Bubers, als Volk ein Segen zu werden, der Welt das Beispiel wahrer Gemeinschaft vorzuleben, die in der Unmittelbarkeit der Beziehungen der Menschen dieses Volkes zueinander, darin, daß sie in echter Weise miteinander leben, ungestört von Zweck, Mittel und von sozialen Gegensätzen zum Ausdruck kommt, wie zwei Zellen echter Gemeinschaft, die das Judentum in der Diaspora aufgebaut hat, die Familie undj die Gemeinde, sind heute nahezu zerstört. Erst in neuester Zeit ist wieder eine Chance aufgetaucht: Palästina. Hier sind wir vielleicht das letzte Mal auf die Probe gestellt, den Auftrag zu erfüllen, der tins schon am Sinai auferlegt wurde: durch echte Beziehungen der Menschen untereinander zu einem wahren Volke zu werden und durch das Bestreben, mit jenem Volke, mit dem uns das Schicksal zusammengeführt hat, in echten Gemeinschaftsbeziehungen zu leben. — Am nächsten Tage weilte Buber i n einem kleineren Kreise von Z i o n i s t en . Es fand ein dreistündiges Gespräch über Themen religiös-philosophischen Inhalts statt, ein Gespräch im besten Sinne Buberscher Unmittelbarkeit. Man hatte Martin Buher Fragen vorgelegt, die seinen Gedankenkreis betrafen, das Problem der Auserwähltheit des jüdischen Volkes, das Problem des nationalen „Leibs", also des Naturfaktors im nationalen Leben, religiös betrachtet, und schließlich die Frage des religiösen „Gesetzes", der Abhängigkeit der Pflicht zur Befolgung eines biblischen Gesetzes von der suhlektiven Voraussetzung des Sich-angesprochen-Eühlens. Die Debatte war von seltener Lebendigkeit und ungemein anregend. Buber antwortete auf alle Fragen jedem Einzelnen in persönlichster Weise und belegte seine Ausführungen philosophisch, philologisch und literarisch. Immer war es die Bibel und das hebräische Wort, aus dem der Sinn geschöpft wurde. Buber wirkte hier als Lehrer in einem eigenen, besonders fruchtbaren Sinn: er füllte die an ihn gestellten Fragen mit Leben und Sinn, ohne sie zu „erledigen". Es war kein gedanklicher Abschluß, sondern ein gedankliches Aulsteigen. So bleibt diesem Kreis ein reiches, lebendiges Problem-Material zur weiteren Betrachtung und Vertiefung zurück. Den Höhepunkt des Präger Aufenthalts Bubers bildete jedoch seine große Ansprache an die jüdische Jugend. Martin Buber im Kreise einiger hundert jüdischer Der polnische Premierminister verteidigte vorerst die Existenz des Konzentrationslagers und die Tatsache, daß dorthin auch nationaldemokratische Führer verschickt werden. Die Nationaldemokraten nützen die schwere ökonomische Lage der Bevölkerung aus und wollen diese mittels Judenpogromen lösen. Es ist aber verständlich — erklärte der Ministerpräsident —, daß die wirtschaftliche Lage nichts mit Ueberf allen auf die Juden und Vernichtung ihrer Läden zu tun hat. Die Situation kann nur im Wege einer ernsten, systematischen, langdatternden wirtschaftlichen Tätigkeit gebessert werden. Ministerpräsident Skladkowski gab dann einige statistische Ziffern an, die vielsagend seien. Im Jahre 1936 registrierte man in der Bialystoker Wojwodschaft 318 UeberfälTe auf Juden, wobei 3 Personen das Leben verloren haben. Der Minister bediente sich einer geographischen Karte dieses Landesteiles, auf welcher die Ortschaften besonders verzeichnet waren, wo die Judenexzesse sich meistens wiederholten. Diese planmäßige Aktion kann und wird von der Regierung nicht geduldet werden, und die Regierung suche diejenigen zu bestrafen, die Anstifter und Propagatoren solcher Methoden seien. „Ich bin bereit zu beweisen" fuhr Minister Skladkowski fort, „daß es nur bei den Juden beginnt, aber mit Anarchie endet." Und der Minister berichtet über charakteristische Vorfälle in einem Städtchen, wo der Markttag widerrufen worden sei und sich keine Juden befanden, dennoch kamen organisierte Trupps der von den Nationaldemokraten aufgehetzten Bauern und überfielen die Polizei. Sehr energisch rechnete der Premierminister mit denjenigen Abgeordneten ab, die von der Regierung neue Judengesetze forderten. Was die Nationaldemokraten vom Marschall Pilsudski verlangten und nicht erhielten, dies sollen auch Mitglieder der Pilsudski-Partei von der gegenwärtigen Regierung nicht erwarten. Ihre Ausführungen, meinte der Ministerpräsident, beweisen, daß diese Politiker schwache Nerven besitze n. I )iesc Abgeordneten seien krank und müßten sich heilen. Polen dagegen ist gesund und schreitet einer schönen Zukunft entgegen. Diese unzweideutige Erklärung des polnischen Regierungschefs wurde selbstverständlich von den Juden mit Anerkennung aufgenommen. Es bleibt aber nun abzuwarten, welche Taten diesen Worten folgen werden. Manche einsichtigen Teile des polnischen Volkes geben sich davon Rechenschaft ab, daß Gewalttaten das jüdische Problem nicht lösen werden. So z. B. lesen wir im Organ der polnischen Konservativen „Czas": „Wir stehen vor einem heiklen Problem, das weder durch Pogrome, noch durch Ausnahmegesetze wird gelöst werden können. Und doch ist Passivität in dieser Frage sehr schädlich und sogar gefährlich. In der Atmosphäre der Untätigkeit entwickeln sich die niedrigsten Instinkte, und der in erster Reihe wirtschaftliche Konflikt nimmt die Formen eines Rassenkampfes mit allen seinen Konsequenzen an. All dies wird noch durch politische, soziale und kulturelle Momente kompliziert. Die Debatte in der Budgctkomniission trug eher einen negativen Charakter und hat gar keinen konstruktiven Plan hervorgebracht. Lind doch muß unbedingt ein Ausweg gefunden werden und die Juden selbst müssen dabei behilflich sein." Das polnische Blatt meint wahrscheinlich dabei die Emigration, aber jüdischerseits wurde mehrmals darauf hingewiesen, daß wir selbst nicht imstande sind, etwas in dieser Beziehung zu unternehmen. Jugendlicher — mit einer gewissen Neugierde sah man dieser Begegnung entgegen. Wird er auch heute wie vor drei Jahrzehnten wieder jenen starken, lebendigen Kontakt zu seinen Hörern finden? Und — ein noch größeres Fragezeichen — werden diese jungen Menschen ihn verstehen — nicht sprachlich, obgleich auch dies in den neuen jüdischen Generationen der Tschechoslowakei, die im slawischen Milieu aufwachsen, ein beachtliches Problem darstellt —, hat Buber den jungen Juden von 1937 noch so viel zu sagen, wie denen des Jahres 1910? Der Kontakt war gleich in den ersten Sätzen hergestellt, vielleicht noch viel lebendiger und fester, als an den beiden Abenden. Der geistige Funken sprang durch den Saal, wühlte auf, hielt in Bann. Stellenweise, wenn Buber nach einer seiner eindringlichen Fragen oder mit Wucht vorgebrachten Vorwürfe und Anklagen innehielt, war es ganz still im Saal, aber um so kräftiger pochte in diesen Momenten der Herzschlag einer jungen Generation. Man sah es an ihren Blicken, man fühlte es aus ihrem Schweigen. „Moskau und Zion" In den „Nationalsozialistischen Monatsheften" vom Januar 1937 schreibt Dr. G. Leibbrandt über die Entwicklung des Bolschewismus. Im letzten Abschnitt des Aufsatzes bespricht er die Frage des Judentums im Bo l s ch e wi s• m u s und sagt u. a., daß die Zionisten der westeuropäischen Länder große Loblieder für die jüdischen Siedlungen, z. B. in der Krim, angestimmt hätten. Man konnte in dieser Periode beobachten, „mit welcher Sympathie besonders die Zionisten die Bestrebungen Moskaus verfolgten. Der Zionismus wurde gepriesen als asiatische Bewegung und die Parallele Moskau—Zion gezogen". Dazu wäre zu bemerken: Die jüdischen kolonisatorischen Versuche in der Sowjet-Union wurden zwar von den Juden außerhalb Rußlands als für die Lösung der russischen Judenfrage wichtig gewürdigt, dennoch aber gerade von zionistischer Seite in ihrer Begrenzung erkannt und niemals in irgendeiner Weise auf die gleiche Stufe wie Palästina gestellt. Bekannt ist der seinerzeit in Amerika ausgetragene Streit um das „Primat Palästinas", der im Hinblick auf die Krimkolonisation geführt wurde. Der Zionismus selbst gilt in Rußland als konterrevolutionäre und daher verbotene Bewegung, so daß Sympathien für die Bestrebungen Moskaus auf zionistischer "Seite niemals bestanden haben. Wenn eine Parallele zwischen Moskau und Zion von zionistischer Seite (im Gegensatz zu den unkontrollierbaren Feuilletons gelegentlicher Reiseschriftsteller) gezogen wurde, dann stets um die wesensmäßigen Unterschiede der beiden Bewegungen, die durch diese beiden Symbolworte gekennzeichnet werden, darzulegen und zu zeigen, daß das Sowjetsystem keine Lösung der Judenfrage bringt. HaupurSrift leiten Dr. Robert W e 111 c h, Berlin - Charlottenburg 8 tauch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenttein, Berlin W 15 Anzeigenleiter und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Güllig Anzeigen Preisliste 5 vom 1. April 1.938. Verlag und Anzeigenveiwahungs Jüdische Rundschau, Berlin VV 15, Meinekesti. 10k D.A. Dezember 34 512. — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schoneberg.