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Jüdische Rundschau · 1937-01-12 · Heft 3 (12.1.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 3 (12.1.1937)
Date
1937-01-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 12.1. „Hellas im Judentum" Die Geschichte gleicht besonders in bewegten Zeiten einem Gebäude, das vielen Versuchen von Restaurierung standzuhalten hat. Einmal bekommt die Fassade ein anderes Gesicht und einmal werden der Last des Gebäudes andere Stützen untergeschoben, abgesehen von den Änderungen, Reinigungen, Uebcrmahingen, die dauernd im Inneren stattfinden. Wenn der Berliner Gelehrte Eduard Wechssie r eine sehr ausgedehnte Untersuchung „Hellas im Evangelium" (Verlag Alfred Metzler) herausgibt, so ist es auf Umbau abgesehen wie auf eine Reinigung von Flecken, die dem heutigen Forscher ärgerlich scheinen. Wenn Adolf Harnack den Anteil der altjüdischen Ueberlieferung an der Entstehung des Urchristentums nicht mehr in dem bis dahin angenommenen Umfang gelten lassen wollte, so geht der Heutige mit beherztem Schritt von dem Punkt aus weiter, an dem ein großer und gewissenhafter Forscher stehen blieb. Es ist nicht unsere Sache, gegen Behauptungen aufzutreten, die wohl schon bei katholischen und protestantischen Theologen manchen Widerstand linden werden, aber es dürfte unsere Sache sein, einer Beweisführung zu widersprechen, die gegen die religiöse Wurzelkraft der Bibel gerichtet ist. Wenn die Bewahrung des Monotheismus ein Verdienst ist, so brauchte sie nicht, wie es bei Wechssler im Anfang heißt, dem Judentum zugeschrieben zu werden; in der hellenistischen Gcisteskultur wäre schon seit dem dritten Jahrhundert der alten Zeitrechnung ein starker und straffer Zug zu dem Einen Gott bemerkbar gewesen. — Mag das für die Philosophen und besonders für die Schule Piatos zugegeben werden, so bleibt noch ein großer Unterschied, ob diese Erkenntnis in einigen Köpfen vorhanden war oder ob sie ein Glaube, ein Volksbesitz gewesen ist, an dem auch der einfache Mann seinen Anteil hatte. Wechssler selbst, besonders wenn von den Verhältnissen im damaligen Galiläa die Rede ist, beruft sich auf den „Am haarez", doch scheint er kein Kenner des Hebräischen zu sein, da er für dieses wie für andere hebräische Worte eine falsche Akzentuierung vorschreibt. Der Verfasser ist Romanist. Wenn er aber das Buch des Predigers für ein im Original griechisch geschriebenes hält, so dürfte diese Voraussetzung in keiner Fakultät statthaft sein. Die gnostische Sekte der Maudäer wird dem Judentum mit einer etwas willkürlichen Verfügimg zugeschrieben. Richtig ist die Bemerkung, da Ii I.ukian von Samosata den witzigen Journalismus begründet hat und daß vor seinem Rationalismus oder Skeptizismus sieh alle religiösen Sorgen zu närrischen Uebcrsp.mntlicitcn verzerrten. Aber der große Spötter war kein Jude, sondern ein griechischer Syrer. Mit demselben Rieht könnte mau, wenn wiederum zweitausend Jahre um sind, Voltaire zu einem Juden machen. Aber wir haben mit unserem Heine schon genug auszustehen gehabt. Diese Beweisführung des Buches geht auf die Feststellung aus, daß das Judentum, wenn mau ihm hinter seine Schliche kommt, auch kein religiöses Genie gehabt hat. Und die Bibel? Der Verfasser sieht das Buch der Bücher als ein Literatlirwerk an, dessen Urhebertecht den Juden endlich abgesprochen werden sollte. Dieses kleine Volk, wie er sagt, das nur gelegentlich ein selbständiges politisches Dasein führte, hatte allenfalls ein literarisches Talent, mit dem es die urtümlichen Schöpfungen der anderen verarbeitete und sozusagen in Kurs brachte. Alles, was in der Bibel ursprünglich ist, stammt von den Aegyptern, den Assyrcrn und Babvloniern, die es wieder von den arischen Sumerern hatten. Der Gedanke des reinen Monotheismus sei aus der Zoroastcr-Religion der arischen Iranier eingedrungen, die auch z.uerst auf der Schätzung der Frau und der Familie bestanden hätten. Und dann kam der Hellenismus, von dem weiter sittliche und geistige Werte abgeleitet oder abgelistet werden konnten. Gewiß, es gibt historisch-polnische Dokumente wie etwa die Konstantinische Schenkung, die dann durch die Kritik entwertet worden sind, aber hier erscheint auch die Bibel als ein Rechtsinstrument, das die Juden den anderen Völkern entgegengehalten haben. Recht worauf? Auf den alleinigen Besitz des Alleinigen Gottes. Der Verfasser ha! eine merkwürdige Anschauung von dem Bund, durch den «ich Israel gleichsam einen mächtigen Partner verpflichtet hat. Aber die Juden haben neben dem literarischen Talent das der List. Und mit beiden Talenten sei in der Bibel in reiflicher Ueberlegung, in schlauer Berechnung alles verschwiegen und verwischt, was irgendwie auf die Spur hätte führen können, daß dieses kleine Nomadenvolk an eigentlich schöpferischer Kraft, an aufbauenden Fähigkeiten, an dauerndem geistigen Eigenbesitz, und gar an künstlerischem Vermögen hinter den Nachbarvölkern weit zurückstand. So war das Alte Testament ein unbezahlbares, unwiderlegbares Rechtsinstrument, eine unbesiegliche Waffe des Widerstandes und der gewagtesten Behauptungen. Es gehört auch zu den gewagtesten Behauptungen dieser Darstellung, daß die Juden in der Weltgeschichte nur als ein reproduzierendes und rationalistisches Volk auftreten, als eins der schonungslosen Aufklärung, die unerbittlich über die ewigen Quellgcbiete und die Urheimat der Seele hinweg geschritten sei. Und wenn es einmal anders aussieht, so muß sogar das Buch Hiob von einem Juden geschrieben sein, der von griechischem Denken schon stark berührt war. Immerhin wird von dem Verfasser zugegeben, daß die Figuren der Bibel, wie schon durch Jahrhunderte die größten Dichter und Künstler bemerkten, etwas ungeheuer Bestimmtes haben. Aber auch diese Gestaltungskraft dient wieder als Beweis; es sei eben leichter, das letzte Wort als das erste zu sprechen, nach urtümlichen Schöpfungen ein absch'ießendes Fertigfabrikat in Kurs zu bringen. Die Bibel gesteht diese Gesinnung schon dadurch ein, daß in ihr unablässig gezählt und gewogen wird, wahrscheinlich zur Vorbereitung von künftigen Händlern und Wechslern, wobei Wechssler wohl übersieht, daß ihre Bilder meistens vom Bauern- und Flirtenleben entnommen sind oder aus der Natur, die uns immer fremd gewesen sein soll. Es wird uns also außer dem literarischen auch ein mathematisches Talent zugestanden. Aus der Vorliebe für mathematische Denkformen erklärt Wechssler die Systeme hervorragender Denker jüdischer Abkunft; zugunsten dieser Beweisführung werden allerdings Simmel und Bergson außer acht gelassen, die gerade das entgegengesetzte Prinzip der Existcn/inlphilosophie vertreten. Außerdem hat es bis zu Kant ein philosophisches System ohne Grundlage der Mathematik überhaupt nicht gegeben. Descartes, der sich sogar mit den Chancen des Würfelspiels und der Rentenversicherung beschäftigte, war kein Jude, und Lcibniz war es auch nicht. Dafür wird Spinoza schwer zur Verantwortung gezogen mit seinem Dens sive natura, das die Allbeseelung der mittelalterlichen Mystik in reinen Materialismus umgedeutet haben soll. Der junge Goethe war anderer Meinung, wenn er durch seinen Spinoza nicht nur seine Allbeseelung entdeckte, sondern auch eine Seligkeit empfand. Hier irrte Goethe wohl, er war ja auch noch jung, obendrein ein Liebender, der seine Freude an Spinoza durchaus mit Charlotte von Stein teilen wollte. Wenn der Verfasser einen Aufschwung über die rein rationalistische Veranlagung eines Volkes zuläßt, das immerhin als Glaubensvolk zu leben und vor allem zu sterben wußte, so ist es die Psalmdichtung, die ihm doch von einem echten religiösen Urquell genährt scheint. Aber dieser Quell ist ihm auch wieder zu stark. So bedingungslos sich Gott hingeben, so unheroisch sich ihm unterwerfen, das hätte der Hellene nicht vermocht, der an sich nicht weniger fromm war, der an Tiefe des religiösen Gefühls hinter Psalmen und Propheten nicht zurückstand, wie besonders die neueren Entdeckungen über die griechischen Mysterien beweisen sollen. Es handelt sich im Fortgang dieser Untersuchungen immer mehr um einen Wettstreit zwischen Hellas und Juda. Gehört von den älteren Teilen der Bibel alles, was mystisch erhaben ist, den Babyloniern odty Aegyptern, so muß von ihrem jüngeren Teil alles, was geistig und sittlich bedeutend ist, trotz allen Vertuschungen dem Einfluß der Griechen zugeschrieben werden. So und so ist die Bibel eine Kompilation. Die Frage, warum sie trotzdem als ein Volksbuch so einheitlich wirkt, daß sie durch die Jahrtausende ein kleines Volk erhalten, als ein Menschheitsbuch soweit, daß sie auch anderen Völkern zum Hausbuch werden konnte, bleibt hier freilich unbeantwortet. Arthur Eloesser Nachprüfung der Ariereigenschalt bei Rasseprozessen Gelegentlich eines Prozesses wegen eines Verbrechens gegen das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre, zu dem das Reichsgericht als Revnionsinstanz Stellung zu nehmen hette, ergab sich eine grundsätzliche Aufforderung an die Gerichte zur Feststellung der Aricreigcnschaft in solchen Prozessen. Pas Oberste Gerieht bemängelt, daß die Vorinstanz hinsichtlich der Deutschbliitigkeit des Angeklagten keine weiteren Ausführungen gemacht habe. Das Reichsgericht vermutet, dal! die Vorinstanz diese Frage gar nicht weiter geprüft, sondern sieh lediglieh auf die Angaben d: . Angeklagten oder darauf verlassen habe, daß er der evangelischen Religionsgemeinschaft angehöre und daß nichts der Annahme der Dcub.ehhlütigkeit Widersprechendes in der HaiintverhaiKllung zutage getreten sei. Die richterliche Aufklärungspflicht habe sich aber auch hierauf zu erstrecken. Das Gericht halte also, so schließt das Reichsgericht, die Abstammung naher nachprüfen müssen. Pflegekinderschutz Das „Zentralbl.'itt für Jugendrecht und Jugendwohlfahrt" (Dezember lr)3n) veröffentlicht einen K'underliß des Reichsstatthalters in Thüringen und des Staatssekretärs und Leiters des Thüringischen Ministeriums des Innern vom 24. November 19% — Iii E 3530 —, in welchem zum Ausdruck gebracht wird, daß die Pflcgckindertinterbringung nach den Begriffen, die das Reichsbürgergesetz für die einzelnen Gruppen prägt, gehandhabt werden muß. In dem Erlasse heißt es hierzu u.a.: „infolgedessen sind grund-ätzlich deutirhblüt i'>e Pflegekinder bei deutschblütigen FilcRreltcrn unterzubringen. Jüdische Mischlinge »weiten Grades also Kinder mit einem jüdischen Großelternteil, können cbcnfalK noch bei deutschbllitigen Pflegeeltern aufgenommen «erden, weil dic-.fi Mischlinge infolge ihres geringen jüdischen Blutanteils recht bald in der deutschen Volksgemeinschaft aufgeben und daher eine entsprechende Erziehung frühzeitig erhalten sollen. Allerdings muß hierbei vorausgesetzt werden. dalS seitens jüdischer Verwandten eine Hccinflu-sung verhindert wird. Dagegen erfahren die jüdischen Mischlinge ersten Grades, also Kinder mit zwei jüdischen Gro&cltcrnteilen, eine andere Behandlung, well hier der jüdische Blut---anteil eiheblieh starker ist. Im allgemeinen sind diese Mischlinge in Mtschlingsfnmilicn gleichen Grades oder in jüdischen Familien unterzubringen. Sollten in einzelnen Fallen besondere Gtünde vorliegen, eine Ausnahme zuzulassen, so ist mir vor Erteilung der Pflcgccrlaubr.is unter Vorlage der Akten eingehend zu beri'htcn, weil kh eine solche Erlaubnis von meiner vorherigen Zu (immune, abhängig marfan muß. Im äbrifjen sind die Vorschriften des Reieh-jiigcndwohlfahrtsgesetzes über den Schutz der Pilctrekinder uneingeschränkt auch weiterhin maßgebend. Die Jugendämter haben mit größter Beschleunigung sämtliche rflcgcverhältma..e ihres Kreises nachzuprüfen und dort, wo es nach den eingangs genannten Gesetzen (gemeint sind: Reich-.bürgcrgoeU und iilut Schutzgesetz, sowie die dazu trl.e enen Verordnungen. Red.) notwendig ist, die l'tlegeerlaubnis zu widerrufen und für an.lerwcitu Unterbringung der Kinder zu .sorgen. In Zweifelsä.illen isi das Gutachten des Thür. I.andesamtes für Ra.-icucscn in Weimar einzuholen. Sollten für jüdische I'flegekin 1er oder jüdische Mischlinge ersten Gracka keine entsprechenden Pflegeeltern zu ermitteln sein, so sind sie in Waisenhäusern oder Kinderheimen jüdischen Bekenntnisses unterzubringen." iiimiiiiiiiiiiiiiiiitmiiiimimiiiiiiiiiiiiimMimmiiiiiiitM^ Postschlüsse nach Uebersee Vom 12. Januar bis 19. Januar (Abkürzungen: PA. =» Postamt; BPA. Bahnpostamt; Flh. «=3 Flughafen) Palästina. Schiff: 12. Jan. Frankfurt a. M. (BPA 19) 19Uhr; 13. Jan. München (BPA 1) 9 Uhr; 15. Jan. Hamburg (PA 1) 15 Uhr; 19. Jan. München (BPA 1) 9 Uhr. — Bahn: 14. Jan.; 16. Jan.; 18. Jan. München (BPA 1) 9 Uhr (Leitvermerk: via Belgrad—Aleppo). — Luft: 12. Jan.; 15. Jan.; 16. Jan.; 19. Jan. München (BPA 1) 18 Uhr; 13. Jan.; 16. [an. Berlin (PA C 2) 6 Uhr; 14. Jan.; 17. Jan. Berlin "(PA C 2) 10 Uhr. Vereinigte Staaten von Nordamerika. Schiff: 14. Jan. Hamburg (PA 1) 19 Uhr; 15. Jan. Berli» (PA C 2) 8 Uhr zu „Europa" 16. Jan. Cherbourg. — 18. Jan. Hamburg (PA 1) 19 Uhr; 19. Jan. Berlin (PA C 2) 8 Uhr zu „Aquitania" 20. Jan. Cherbourg. — Luft: Fahrten des Luftschiffes „Hindenburg" und Nachbringeflüge von Köln zum Dampfer finden bis auf weiteres nicht statt. Südamerika. Schiff: 13. Jan. Berlin (PA C 2) 20 Uhr; 14. Jan. Hamburg (PA 1) 6 Uhr zu „Cap Arcona" 11. Jan. Hmaburg. — 14. Jan. Berlin (PA C 2) 20 Uhr; 15. Jan. Frankfurt a. M. (BPA 19) 8 Uhr zu „Highland Patriot" 16. Jan. Boulogne. — 14. Jan. Berlin (PA C 2) 23 Uhr; 15. Jan. Hamburg (PA 1) 13 Uhr zu „General Osorio" 15. Jan. Hamburg. — Luft: 13. Jan. Berlin (PA C 2) 21 Uhr; 13. Jan. Frankfurt a. M. (BPA 19 oder Flh) 24 Uhr Deutsche Lufthansa. — 16. Jan. Berlin (PA C 2) 9 Uhr; 16. Jan. Frankfurt a. M. (BPA 19 oder Flh) 13 Uhr Air France. Südafrika. Schiff: 12. Jan. Hamburg (PA 1) 24 Uhr; 13. Jan. Köln (BPA 10) 21 Uhr zu „Usumbara" 15. Jan. Southampton nach Walfischbai und Lüderitzbucht. — 13. Jan, Hamburg (PA 1) 13 Uhr; 14. Jan. Köln (BPA 10) 21 Uhr zu „Warwick Castle" 15. Jan. Southampton nach Kapstadt, Johannesburg und Pretoria. — Luft: 12. Jan.; 15. Jan.; 19. Jan. Berlin (PA C 2) 22 Uhr und München (BPA J) 24 Uhr. Wie gfeNlnllt*!<*h den $chHbbat? Für Schabbat, 16. Januar Die Welterentwicklung der Halachah (VII) Halachah-Kompendlen und Codices Weder die Mischna noch der Talmud sind Oesetzbücher im engeren Sinne des Wortes, zumal sie viele einander widersprechende Lehrmeinungen aufzuweisen haben. Die talmudische Sammlung berücksichligt nicht nur die Halachoth, sondern gibt, auch einen Einbück in die Lehrmethode und den Gang der uelehrtcndiskussionen, wie sie an den Hochschulen üblich waren. Schon die Oconim versuchten, den Weg durch das Labyrinth talmudischer Lehrweise zu erleichtern, indem sie kurze, meistens für den praktischen Gebrauch bestimmte h alachische Kompendien schufen. Besonders groß war der Drang zur Syslematisierung des inzwischen unübersichtlich gewordenen Stoffes im spanisch-morgenländischen Kulturbezirk. Einer der ersten großen Kodi.ikatoren war R. Izchak Alfassi (ha-Rif) aus Fez. in Nordafrika, der von 1013 bis 1103 gelebt hat. Er war der Verfasser der sehr bekannten „Halachoth", in denen er den Grundgedanken der Halachah aus der Stoffülle der Gemarah' herauszuschälen versuchte. In seinem Werke macht er den Versuch, nur die rechtsgültigen Entscheidungen und ihre Beweisführung wiederzugeben, die im tahnudischen Text vorhandenen Kontroversen aber ganz fortzulassen. Bei der Festsetzung der Halachah ließ er sich ebenso von den maßgebenden Rechtsentscheidungen der Geonim sowie von seiner eigenen Forschungsarbeit leiten, indem er neben dem babylonischen auch den palästinensischen Talmud heranzog. Sein Kiesenwerk fand große Verbreitung, wurde häufig von den Späteren kommentiert und galt als Hauptquelle der Halachah für die nachfolgenden Dezisoren. Auch im deutsch-franzö-isenen Kulturkreis entstanden mit der Zeit verschiedene Halachah-Kompendien, so von Rabbenu Ocrschon, der den Titel „Meor ha-Gola" (die Leuchte der Diaspora) führte und von R a s c h i in seinem „Sefer ha- Pardcss". Aber erst R. Mosch e ben Maimon (Maimonides) gelang es, einen übersichtlichen, den gesamten halachischen Stoff umfassenden Religionskodex zu schaffen. Was Maimonides vorschwebte, war, einen vollständigen, systematisch gegliederten Kodex aller jüdischen Gesetze, Glaubensdogmen und rituellen Vorschriften herzustellen. Maimonides war aber dazu noch halachisch schöpferisch, indem er die beiden Talmude, die gaonäischen Entscheidungen, die Anordnungen der Späteren als Material benutzt und daraus sein eigenes Werk formte. Gewöhn'ich gab er denjenigen Rechtsnormen den Vorzug, die in der Tradition des Volkes gelebt haben, und erkannte sie als gültig an. Sein monumentales Werk nannte Maimonides „M i s c h n e Tora" (die Zweite Thora), das er im Jahre 1180 zum Abschluß gebracht hat. Es zerfällt in 14 Bücher (daher der sich ebenfalls eingebürgerte hebräische Name: nptnrt T der „Mächtige Arm", wobei T"* als Zahl 14 zu werten ist), von denen das erste, das „Ssefer ha-Mada", den Versuch macht, die Dogmen des Judentums unter philosophischer Beleuchtung darzustellen. Es ist interessant, daß Maimonides zu den Geboten der Ethik auch die Verpflichtung des Menschen zählt, neben der geistigen auch nach körperlicher Vervollkommnung zu streben. In den übrigen Büchern stellt der Rambam alle religiösen, fattiilien- und zivilrechtlichen Gesetze des Judentums dar, wobei er immer die halachtsche Entscheidung in einer präzisen und klaren Weise fällt. Das Werk des Rambam hat auch viele Gegnerschaft hervorgerufen, besonders die philosophische Beleuchtung der Dogmenlehre. Als Führer der Opposition hat sich in der Hauptsache der Rabcd (Abraham b. David) aus Posnie>e in der Provence hervorgetan. Literatur: Dubnow, IV §49, Enc. Jud. (Alfassi); Achad Haani „Schilton ha-Ssechel" in „AI Peraschat hadrachim" IV, 1-37. _ J. M. Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, t2. Januar: Luxemburg (1304). 13: Rubinstein: „Der Dämon". — Bordeaux (309). 14.20: U. a. Dürnbach. — Hilvcraum I (1875). 14.40: L". a. Rubinstein: I.ichtertanz der .Braute von Kaschmir. — London (261). 15.15: Ii. a. Mendels- .söhn: Sinfonie Nr. 3 A-Dur. — Pa. i» (1648). 15.4Q: U. a. Mendel-.-.ohn: I ihgaUgiottt. — Regional (342), 16: Mendelssohn: Ouvertüre zu Kuy Ula»; Saint-Sjens: Musik aus Samson und Dahin. —■ Odo (1154), 17: Conradi: <Xfenbacliiana. — Lvon (463). 18.30: Mendel?» ihn: Italieni.« he Sinfonie. — Luxemburg (1304). 22: Offcnlu-h: Aus llofimann^ Krz'ihlungen. Mittwoch, 13. Januar: Paris (1648), 13.15: Mendelssohn: Sommernat-huiraum-OuvrrMite. — Wien (507). 14: Schallplauen: Jaseha Heilet* »ficll. — Regional (342). 15: V. a. Saint-Saens: Aus San», wm und Dalüa. — llilversum I (1875). 18.10: l". a. MoMtkowski: Konicrtwalzer. — Pa is (1043). 18.45: Mendelssohn: Rondo capricio-o. — Puste Parifien (312), 19: Judi.ch-Rchgiri.se Sendung. — Pari, PTT. (431). 19: Mu-zkrwslii und Grünfcld: Serenaden. — Pr.u; (470). , 19.20: f. a. Oilenbaeb: Der Kakadu. — Midland '296). 19.40: Liederkonzert: Obe-kantor Wolf Lewi der Gemeinde Birmingham. — Udo (1154). 20.15: Goldmark: Serenade. — Prag (470). 20.30: ,,Almansor'\ Srhauspi"! von Heinrich Heine. — Brüssel. 20.15: Arien, Obetkantor Ri'hard Cohn. — Monte Oeneri (257). 20.45: Werke von Offenbart!. — Bordeaux-Lä f. (278), 21.30: Opcrnübcrt.ayung: Die Königin von Saba, von Goldmark. — llilversum I (1875). 22.20: I.*. a. Mendelssohn: Violinkoiuu t. Donnerstag, 14. Januar: Prag (470), 12.35: U. a. Moszkowski: Zwei spanische Tanze. — Poste Parisien (312). 13: Ottenbach: Orpheus in der l'nterwelt. — I,aih.i-h (559). IS: U. a. Moszkowski. Wien (507). 19.30: U. a. Geh-: Variationen. — Oslo (1154), 20.05: Orchesterkonzert: Mahler. — Paris PTT. (431). 20.45: U. a. Milhaud. — Brüssel. Harn. (322), 21: Werke von Moszkowski. — Brüssel, franz. (484), 21.30: Offenbach: Ouvertüre: „Der Blaubart". Freitag, IS. Januari Paris (1648), 12.45: Jüdische Sendung. — Straßburg (349), 12.15: Mendelssohn: Hochzeitsmarsch. — Bordeaux (309), 14.20: Mendelssohn: Ruy Blas. — Paris PTT. (431), 17.15: U.a. Mendelssohn: Scherzo. — Paris (1648), 18.30: Rubinstein: Melodie. — Midland (296), 19: U. a. Mendelssohn. — Stockholm (426), 20.30: Mendelssohn: Konzert E-Moll für Violine und Orchester. Sokolow-Dokumamt« werden g«aanun«lt. Wie uns mitgeteilt wird, besteht die Absicht, eine vollständige Ausgabe der Werke des verstorbenen Nahum Sokolow zu veranstalten. Zu diesem Zwecke appellieren die Herausgeber an alle Einzelpersonen, Vereine oder andere Körperschaften, in deren Hände sich irgendwelche wichtigen Briefe, Manuskripte oder andere Dokumente, seien sie politischer oder privater Natur, befinden, diese an die Adresse von Miss Celina Sokolow, 43, Campayne Gardens, London, NW 6, einzusenden. Alle Briefe und Dokumente werden sorgfältig aufbewahrt und nach Abschrift auf Wunsch wieder zurückgesandt. Der Aufruf, um dessen Nachdruck alle jüdischen Zeitungen gebeten weiden, ist unterschrieben von Celina Sokolow. Selig Brodetsky, Simon Rawidovicz,

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