Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1937)
- Date
- 1937-01-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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/■ Nr. 3, 12. I. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 seine Arbeiten zur ist, liat gc egentlich Die Königshochzeit Von unserem holländischen Berichterstatter RL. Den Haag, 8, Januar 1937 Anläßlich der Hochzeit der Kronprin/cssin J u I i a n a nahm auch die jüdische Bevölkerung lebhaften Anteil an den Kundgebungen für das Fürstenhaus Oranic n, das von jeher den Juden gegenüber eine wohlwollende Haltung eingenommen hat und ihre für die Niederlande geleisteten Dienste immer zu schätzen wußte. D. S. van Z ti i d e n, der durch Geschichte der Juden in Holland bekannt der fürstlichen Hochzeit eine mit interessanten Abbildungen ausgestattete Schrift „Oranje en Israel" herausgegeben, in der die Beziehungen zwischen dem Hause Oranien und den Juden in Holland im Verlauf der Geschichte seit der Aufnahme der sephardisehen Emigranten skizziert werden. In den Synagogen und in jüdischen Wohlfahrtseinrichttingen fanden besondere F c s t g o 11 e s d i e n s t e statt, in denen dem Dank der holländischen Juden für die Gerechtigkeit und den Schutz Ausdruck gegeben wurde, die das Haus Oranien ihnen immer gewährt hat. Auch die jüdischen Blätter in Holland waren dem festlichen Ereignis gewidmet. In Palästina wurde ebenfalls der Hochzeit gedacht. Das holländische Konsulat in H a i f a veranstaltete einen Empfang, auf dem der holländische Konsul, Vizckonsul und ein Engländer sprachen. Ein Tee in der Holländischen Bank Unic schloß sich an. IN ALLER KURZE In einem Schreiben an die United Synagogue of America hat Präsident Franklin D. R o o s e v e 1 "t erklärt, daß er die Ziele der von der Union eingeleiteten Aktion zur Neubelebting des religiösen Judentums in den Vereinigten Staaten billige und jeder Förderung für wert erachte. Das Jcwish Labour Committee, dem die bedeutendsten jüdischen Arbeiterorganisationen der Vereinigten Staaten angeschlossen sind, kündigt die Durchführung einer auf das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten sich erstreckenden Aktion zur Verteidigung der J u d e n h e i t I5 o I e n s an. Ein zwanzigjähriger Jude hatte sich vor der Großen Strafkammer in Frankfurt a. M. wegen Rassensebande und verbotswidrigem Tragen des Abzeichens der NSDAP, zu verantworten. Einer deutschblütigen Frau hatte er sich als Arier vorgestellt und seine Behauptung durch das Anstecken des Abzeichens unterstützt. Die Strafkammer verurteilte ihn wegen Vergehens gegen die Nürnberger Gesetze zu zwei Jahren Z u c h t h a u s. Das Sondergericht fällte außerdem eine Strafe von neun Monaten wegen unberechtigten Tragens des Abzeichens der NSDAP. Das Spezialgeschäft für Kristall, Glas, Porzellan, Haus¬ und Küchengeräte, Louis Abrahamsohn, Trier, ist in arischen Besitz übergegangen, ebenso die Firma Eichel & C o., Berlin NO 55. Die jüdische Notstandsküche in Manchester wurde von dem Bürgermeister der Stadt und seiner Gattin besucht. Der ehrenamtliche Sekretär des leitenden Komitees, Sidney Ncedeff, teilte dem Bürgermeister bei dieser Gelegenheit mit, daß auch Angehörige der British Union of Faszists auf ihre Bitte hin in der Küche verpflegt wurden. Der jüdische Psychoanalytiker" Dr."T e t g c n b a u m, ein Schüler Freuds, der 1021 bis 1023 das Spital für Geisteskranke in J e r u s a 1 e m leitete, ist im Alter von 49 Jahren an Lungenentzündung in New York gestorben. Im 82. Lebensjahr ist in Graz. Unircrsitätsprofessor i. R. Dr. Hugo Spitzer gestorben. Seine Arbeiten waren grundlegend für die moderne Kunstwissenschaft. Internationalen Ruf erlangte er insbesondere durch seine „Geschichte der Philosophie und Aesthetik". Wie wir erfahren, starb in Prag der ehemalige Herausgeber der Berliner Zeitschrift „Sozialistische Monatshefte", Dr. Joseph Bloch. Dr. Bloch, der eine eigenartige und eigenwillige geistige Persönlichkeit war, hat sich auch für die sozialen und nationalen Probleme des jüdischen Volkes interessiert und darüber in seiner Zeitschrift mehrfach berichten lassen. Obwohl er von seiner Grundanschauung aus von Mißtrauen gegen die englische Politik erfüllt war, hat er doch an Palästina und den Problemen einer jüdischen Massensiedlung lebhaften Anteil genommen. In Budapest verschied, nur 45 Jahre alt, der verantwortliche Redakteur des „M agvar Hill an", Dr. Ge/a Tele k i. Voriges Jahr hielt er im Uerzl-Saal einen Vortrag, in dem er — trotz seines assimilatorischen Standpunktes -- die Judenfrage mit weitem historischen und psychologischen Blick umfaßte um) erklärte. In Wien starb im 70. Lebensjahr der Komponist Dr. Felix Rosenthal, dessen Lieder und Tonwerke für Klavier und Kammermusik sehr bekannt waren. Er hat auch wissenschaftliche Arbeiten über Sprachstörungen herausgegeben. In Amerika wird demnächst ein biblischer Film von Max Reinhardt „Die ewige Strafe" aufgeführt werden. Die weibliche Hauptrolle der Batscha spielt Rosamond Pinchot. Ihr männlicher Gegenspieler ist Satn Jaffe, die gleichen Darsteller, die auch in Werfcls „Weg der Verheißung" auftraten. Unruhiger Orient Verschärfung des Sandschakstreits Von unserem Berichterstatter K. Paris, im Januar Der Konflikt zwischen Frankreich und der Türkei über den politisches Status des Sandschak von Alexandrette ist plötzlich in eine neue bedrohliche Phase getreten. Nachdem die Verhandlungen zwischen beiden Staaten nach der Abreise des türkischen Außenministers aus Paris auf diplomatischem Wege weitergeführt wurden und man in Paris aut eine freundschaftliche Beilegung der Gegensätze hoffte, hat die türkische Presse, die von der Regierung dirigiert wird, eine heftige Kampagne gegen Frankreich eröffnet. Gleichzeitig hat der türkische Regierungschef Ataturk Ankara verlassen und hat sich in die Bezirkshauptstadt des Südens begeben, wo er eine Konferenz mit den führenden türkischen Staatsmännern und Mi'i'ärs über die Sandschakfrage abhielt. In Paris waren gleichzeitig Nachrichten von türkischen Truppenkonzentrationen an der syrischen Grenze verbreitet, die zwar von Ankara dementiert wurden, jedoch zu einer Besprechung zwischen Staatssekretär Vienot und dem Kommandeur der französischen Truppen in der Levante Anlaß gaben. Wie man in französischen amtlichen Kreisen versichert, ist dieser türkische Vorstoß völlig überraschend gekommen. Die Türkei hat ihren Standpunkt in der Sandschakfragc mehrfach geändert. Nachdem die türkische Regierung selbst den Konflikt vor den Völkerbund getragen und der Entsendung einer Völkerbundskommission nach dem Sandschak zugestimmt hatte — wenn sie auch diese Maßnahme als unzureichend ansah — so hatte sie bei den späteren Pariser Verhandlungen überraschend versucht, den Völkerbund auszuschalten. Die Türkei hatte Frankreich die Gründung eines unabhängigen Sandschakstaates oder eines Staates unter gemeinsamer französischer und türkischer Verwaltung vorgeschlagen. Frankreich dagegen hat an seiner bisherigen Stellung festgehalten und hat betont, daß sich diesen türkischen Forderungen unüherwindbare völkerrechtliche, politische und moralische Hindernisse entgegenstellen. Frankreich ist in Syrien nur Mandatar des Völkerbundes und kann daher nicht über die Allsgliederung eines syrischen Gebietsteils verhandeln. Außerdem steht gerade das Nationalitätenprinzip, in dessen Namen die Türkei ihre Forderungen aufstellt, ihrer Erfüllung entgegen, denn die Türken sind mit 85 000 zwar der größte Bcvölkerungsteil, machen aber andererseits nur 40 »o der Gesamtbevölkerung des Sandschak aus. Trotz der schwachen Begründung des türkischen Standpunktes ist aber Frankreich der Türkei auf sachlichem Gebiet erheblich entgegengekommen und hatte die Gewährung einer administrativen und kulturellen Autonomie des Sandschak, eine türkische Freihafenzonc in Alexandrettc usw. vorgeschlagen. Um so unerwarteter ist in Paris die türkische Stellungnahme gekommen, da weder die bisherigen Verhandlungen noch die augenblickliche Lage im Sandschak selbst zu einer derartig scharfen Polemik Anlaß geben. Die Völkerbimdskommission ist jetzt im Sandschak eingetroffen und konnte sich überzeugen, daß dort vollkommene Ruhe und Ordnung herrscht. Es ist wohl zu einigen Manifestationen der Türken gekommen, an denen aber nur ein Bruchteil der Bevölkerung —- einige hundert — teilnahmen und die außerdem in voller Ruhe verliefen. Trotz der Zuspitzung des Sandsehakkonfliktcs hofft man aber in Paris noch immer auf eine freundschaftliche Regelung, und Staatssekretär Vienot hat den türkischen Gesandten zu sich berufen und auf den ungünstigen Eindruck hingewiesen, den die Polemik der türkischen Presse in Paris gemacht hat. Frankreich will alles daran setzen, damit die traditionelle türkische Freundschaft keine Trübung erfährt, und auch England ist in dieser Richtimg bemüht. Erinnerungen des Hauptmanns Dreyfus Drcyfus: Souvcniers et Correspondancc. von seinem Sohn. Editions Bernard Grasset, Capltaine Alfred 1 lerausgegehen Paris Wib. Im Sommer vorigen Jahres hat sich der Todestag von Hauptmann Dreyfus gejährt, mit dessen Namen die tiefe Erschütterung des politischen und sozialen Lebens Frankreichs verbunden ist, deren Wellen auch heute noch nicht völlig verebbt sind. Die Frage der Unschuld Dreyfus' ist heute kein Diskussionsstoff mehr, sein Name ist auf alle Zeit von jenem ungeheuerlichen Urteil des Kriegsgerichts, das einen Unschuldigen zum Verräter stempelte, gereinigt. Auch die Einzelheiten und Hintergründe der „Affaire" sind so eingehend von Anhängern und Gegnern Dreyfus', von Juristen und Historikern dargelegt worden, daß auch die Erinnerungen des unschuldigen Opfers keine überraschenden Enthüllungen mehr bringen können. Obwohl aber die Erinnerungen des Hauptmanns Dreyfus im wesentlichen Bekanntes wiederho'en, wird man sie nicht ohne tiefe Bewegung lesen können. Auch heute, in einer Zeit tiefgehender politischer und sozialer Umwälzungen muß der Kampf eines Unschuldigen um sein Recht erschüttern. Die Erinnerungen geben im wesentlichen den Briefwechsel wieder, den Dreyfus — zuerst aus dem Militärgefängnis, dann von St. Martin de Re und von der Teufelsinsel — mit seiner Frau geführt hat, sowie die Erinnerungen an den Kampf um die Revision seines Prozesses, den Kapitain Dreyfus nach dem zweiten ungerechten Urteil von Rennes, das ihm wohl die Freiheit, aber nicht die Ehre wiedergegeben hatte, geführt hat. Die Erinnerungen des Helden der „Affaire", sein Briefwechsel lassen naturgemäß die politischen und sozialen Aspekte hinter dem persönlichen Schicksal des unschuldig verurteilten Hauptmanns zurücktreten. Nicht daß Hauptmann Dreyfus die allgemein-politische Bedeutung seines Falles nicht begriffen hatte. An mehr als einer Stelle seiner Briefe und seiner Erinnerungen weist er auf diese Wirkungen seiner „Affaire", hin. Das Wort Clcmeuceaus, daß, „von allen Beteiligten der Affaire Dreyfus nur der Kapitän selbst ihre Bedeutung nicht begriffen habe," ist zwar geistvoll, aber ungerecht. Man kann es von sciten des Gefangenen derTieufelsinsel, der dort den schlimmsten Peinigungen und Demütigungen ausgesetzt war, und der nach Frankreich zurückgekehrt, durch das Kriegsgericht von Rennes erneut unschuldig verurteilt wird, nicht verdenken, daß er den Kampf zwischen „Drevfusards" und „Antidreyfusards" vor allem unter dem Gesichtspunkt seiner persönlichen Rehabilitierung beurteilt. Alfred Dreyfus tritt in seinen Erinnerungen und Briefen als ein intelligenter, ehrenhafter, fleißiger und wohlwollender Offizier von durchschnittlicher Begabung hervor, den das launenhafte Schicksal auf seinen Platz gestellt hatte, auf dem nur ein Mensch von außerordentlichem Charakter und Genie völlig hätte bestehen können. Die Kritiker mancher Schwächen des Kapitains nach seiner Rückkehr nach Frankreich dürfen außerdem nicht übersehen, was der vierjährige Aufenthalt auf der Teufelsinscl für den unschuldig Verurteilten psychisch und Ehysisch bedeuten mußte. Der Briefwechsel des Hauptmanns Ireyfus und seiner Frau vermittelt uns das Bild eines innigen Familienlebens und bringt uns die Gestalt einer jüdischen Frau nahe, deren liebevolle Energie und tiefes Vertrauen nicht nur ihrem Manne die nior.Vische Widerstandskraft gab, die furchtbaren Leiden zu ertragen, sondern die auch entscheidend an dem Kampf für die Wiede;aufnähme des Prozesses mitgewirkt hat. Kapitäin Dreyfus hat sein hartes Schicksal, seine ungerechte Verdammung, rein individuell empfunden. Fr hat als unschuldig verurteilter trauzöM^hcr Burger und degradierter Offizier gegen die Machenschaften seiner Feinde protestiert. In keinem Briefe, in keiner Zelle seiner Fi iiinerungcn tritt hervor, daß er den Zusammenhang zwischen der „Affaire" und dem jüdischen Kollektivschicksal begriffen hatte. Jene Erkenntnis der „Judcnfrage", die Theodor Herz! gerade der Drcyfusprozeß vermittelte, ist Hauptmann Alfred Dreyfus, dem assimilierten französischen Juden, dem korrekten Bürger und Offizier niemals aufgetaucht. Die antisemitische Kampagne -- eine Veröffentlichung der antisemitischen Zeitschrift „Libre Parole" hat die Drevfusaffaire eigentlich erst ausgelöst — ist in den Grundfragen, die sie aufrollte, an Hauptmann Dreyfus spurlos vorübergegangen. K. Jüdisches aus dem Pariser Kunstleben. Unser Pariser K- Berkhterstattcr schreibt uns: In dem Pariser Boulevard- Theater „Gymnasc" fand soeben die Erstaufführung eines neuen Stückes des bekannten jüdischen Theatcrschriftstellcrs Henry Bernstein statt. Das Stück, dessen Titel „Vovage" lautet, schildert das Schicksal einer Frau, die endlich den sie „erlösenden" Mann findet. Das Stück weist die bekannten Vorzüge der Bcrnsteinschen Dramatik auf: eine klare, gut aufgebaute Handlung und einen flüssigen, geistvollen Dialog. Trotzdem bleibt „Vovage" in der Sphäre jener „Boulevard- Stücke" stecken, die einer überwundenen und verstaubten Welt angehören und die Probleme schildern, über die die fürther ßerghräu überall beliebt heutige Zeit zur Tagesordnung übergegangen ist. — Nicht weit davon, im Thcitie Varietes, spielt Harry Baur die Hauptrolle einer Komödie „Christian". Baur stellt hier einen kleinen Beamten dar, der liehen seiner hesclu idenen bürgerlichen Existenz noch ein /weites Dasein fuhrt, in dem er — einmal in jedem Monat - alle jene glänzenden Seiten des Lebens genießt, die ihm in seiner realen Existenz versagt geblieben sind. Flarrv Baur versteht es auch in der Rolle des „Christian" einen lebendigen Menschen zu gestalten. •— Am 10. Januar wird cr.-tmalig in der großen Synagoge der Pariser Gemeinde in der nie de la Victoire ein großes geistliches Konzert stattfinden. — Mitte dieses Monats wird unter dem Vorsitz des bekannten jüdischen Bildhauers Nahum Aronson eine Ausstellung palästinensischer Künstler in Paris stattfinden. Es handelt sich dabei um Maler, Graphiker und Bildhauer, die Schuler des „Bezalcl" in Palästina waren. U. a. werden auch die beiden Kinder des Direktors des „Bezalcl", Boris Schatz, ausstellen. iimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim.......ii.....min.....iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiini.....iiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitii........iiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiniimiiMiiiiiiiiiiimiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimitiinnmiiiiiiiiii.......niiiiiiiiuiiiiii.......im..............iiiiiiiiiiititiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii......miiniiii.....iiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii.......iiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii......iiiiiiiiiiiim.......iiiiiimiimmm.....miiiiiiii« Gestalten aus Franz Werfeis „Weg der Verheißung" / Von der New-Yorker Aufführung Max Reinhardt (rechts) und Benjamin Zern ach (J ruhen Habimah) auf der Probe, Von links nach, rechts: Thomas Chalmcrs ats itAbraham"i Sidney Lumct als „Isaak"; 'Rosamond seba^'i Eloretm Meyer, als. ^gjl£tiscäe, Eiinzessin". Pinchot als „Bah Fotoi: Wcitgtl Frod«ctio^ mms~lu^^^jUutmmu