Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1937)
- Date
- 1937-01-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 12. L T937 Der Zwischenfall in Tripolis würde. Auf diese Weise könnte die Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit von Juden und Arabern sowohl in Palästina als auch im ganzen Osten geschaffen werden. Die Aussagen Ben Ourions, die durch keine Fragen unterbrochen wurden, wurden spater unter Ausschluß der Oeffcntlfchkeit fortgesetzt. Dr. Wci/mann sagte am 8. Januar unter Ausschluß der Oeffentüehkeit vor der Kommission aus. Am 9. Januar vormittags fand eine geschlossene Sitzung statt, aul der Herr Kisch und J. B. M a c k i e, Direktor der Imperial Chemical Industries, aussagten. Abroise verschoben Nachdem das Ende des arabischen Boykotts der Kgl. Kommission amtlich bekanntgegeben worden ist, hat die Kommission beschlossen, ihre Abreise, die ursprünglich auf den 12. Januar festgelegt war, /u verschieben. Die Mitglieder der Kommission verbrachten den Sonnabend in Amman, wo sie mit Emir Abdullah das Mittagessen und mit dem britischen B c r a t e r des Emirs das Diner einnahmen. Abdullah besprach mit ihnen die Probleme der palästinensischen Araber. Er übergab ihnen ein Memorandum, in welchem die historischen Rechte der Juden auf Palästina a b g e s t r i 11 e n werden und erklärt wird, daß die Balfour-Deklaration die arabischen Rechte präjudiziere. l erner wird für Palästina eine Selbstverwaltung nach dem Muster Transjordaniens gefordert. Kommission wird in London weitartagen? Wie Palcor erfährt, wird die Königliche Kommission nach Ihrer Rückkehr nach London die ehemaligen High Commissioners für Palästina, Chefsekretiirc der Palästina-Regierung, sowie die Koloniahninister in früheren britischen Regierungen vernehmen, u. a. Winston Churchill, Sir Philip C u n 11 f f e - L i s t e r, Malcolm M a c D o n a 1 d, Sir Herbert Samuel, Sir John C h a n c e I i o r, Sir Wyndham D e e - des u. a. (Das Colonial Office teilt hierzu auf Anfrage mit, daß ihm nichts von dieser Absicht bekannt sei.) Palästina bei der internationalen Studententagung Wien, 7. Januar. (J FA.) Die internationale Studentenkonfoderation, die ihren Sitz in Genf hat und der Völkerbundskouimission für geistige Zusammenarbeit untersteht, hält zur Zeit in Wien eine Tagung ab. Die der Konföderation als außerordentliches Mitglied angehörende palästinensische Studentenschaft hat durch ihren Delegierten Daniel Seher auf der Tagung die Zulassung als ordentliches Mitglied beantragt. Der Delegierte bemerkte hierzu, daß die durch ihn repräsentierte Vereinigung alle Hochschüler Palästinas, auch die arabischen, umfasse. Da die palästinensische Studentenschaft zu fast 00 aus Juden bestehe, sei es gerechtfertigt, daß sie bei internationalen Tagungen durch Juden vertreten wird. Von der „Vereinigung palästinensischer Studenten" werde jedoch niemand ausgeschlossen, vielmehr werde jeder Hochschüler, der in Jerusalem oder in Haifa studiert, automatisch Mitglied der Vereinigung. Daß Palästina juristisch eine Einheit darstelle, gehe schon daraus hervor, daß es als solche in internationale Organisationen, wie den Verband der Völkerbundligen und den Weltverband der Universitäten, dem 2b Staaten angehören, aufgenommen wurde. In der Aussprache wurde die Forderung' des palästinensischen Delegierten von dem Generalsekretär und von den Vertretern Belgiens, Frankreichs, Luglands, der Schweiz und Luxemburgs unterstützt. Dagegen erklärte der Vertreter Italiens, er habe zwar gegen die Aufnahme der palästinensischen Studentenschaft als ordentliches Mitglied nichts einzuwenden, verlange aber, daß vorher auch arabische Studenten eingeladen werden, damit man auch ihren Standpunkt kennen lerne, da die Araber in Palastina in der Mehrheit seien. Dieser Standpunkt wurde von dem Vertreter Griechenlands unterstützt. Der t ieneralsekretar betonte, daß die Palästinaregierung auf eine Anfrage geantwortet habe, die jüdische Studentenschaft sei die einzige Veitreterin der Hochschüler des Landes. Die Erledigung des palästinensischen Antrags wurde bis Ttir nächsten Sitzung vertagt, da keine Klarheit darüber besteht, ob zu seiner Annahme eine gewöhnliche oder eine qualifizierte Mehrheit erforderliih ist. „Unparteiisch" Die Zeitschrift „Great Britain and th« East" Auf der ersten Seile veröffentlicht die englische Zeitschrift „Great Britain and the East" in der Ausgabe vom 7. Januar folgende Erklärung: ,.Ls ist zu unserer Kenntnis gekommen, daß in gewissen Kreisen in Palästina der Eindruck zu bestehen scheint, daß ..Great Britain and the Last" anti jüdisch ist. Dies ist so vollkommen abwegig, daß wir es für notwendig halten, unsere Auffassung klarzulegen. Während die Zeitschrift eine Plattform geschaffen hat (und daran festhalten wird), von der aus Araber und Juden ihre Sache in besonderen Aufsätzen und Briefen an die Redaktion vertreten können, ist unsere redaktionelle I I a 11 u n g unparteiisch, und sie unterstützt voll und ganz die Politik der britischen Regierung, Juden und Arabern gleicherweise gerecht zu werden und Palästina zu einem geordneten, zufriedenen und glücklichen Lande zu machen. Diese ausdrückliche Feststellung über unser unverrückbares Ziel wird, wie wir hoffen, allen Mißverständnissen, die bestehen mögen, ein Ende machen." Aktion zur Befriedung des East End London, 6. Januar. (JTA.) Der Rat der Bürger Ost- Iondons hat in einer unter dem Vorsitz, des Erzbischofs von Canterbury abgehaltenen Sitzung eine planmäßige Aktion gegen die' Verbreitung von Judenfeindschaft im Londoner East End beschlossen. Im Zuge dieser Aktion sollen zunächst gemischt jüdischchristliche Klubs errichtet werden, um einen engeren gesellschaft'ichen Kontakt der verschiedenen Bevölkerungsschichten zu ermöglichen. Der Beschluß des Rates wurde von seinem Sekretär, Dr. J. J. Mallon, bekanntgegeben, der bei der Ausarbeitung des Gesetzes zum Schutz der öffentlichen Ordnung Berater der Regierung war. Erkrankung Nathan Birnbaums Amsterdam, 7. Januar. (JTA.) Der seit einigen Jahren in Scheveningen lebende Führer des gesetzestreuen Judentums, Dr. Nathan Birnbaum, ist schwer erkrankt. Mit Rücksicht auf das hohe Alter Dr. Birnbaums gibt sein Zustand i Besorgnissen Anlaß. Ein Nachwort Von unserem Berichterstatter Kr. Rom, 9. Januar Der um die Frag« der Schabbatruhe entstandene Zwischenfall in Tripolis (vgl. „J. R." vom 30. 12. 1936) hat nicht nur in der jüdischen, sondern auch in der nichtjüdischen Weltpresse ein Echo gefunden. Es kam verschiedentlieh zu Protestkundgebungen, und einige große Auslandszeitungen benutzten die Gelegenheit, um auf Grund teils falscher, teile übertriebener Berichte eine Kampagne gegen Italien und das faschistische Regime zu inszenieren. Die Berichterstattung über die Vorgänge in Tripolis wurde vor allem dadurch erschwert, daß Meldungen darüber nur in den lokalen Blättern an Ort und Stelle erschienen, während die italienische Presse im Mutterlande erst sehr verspätet und nur mit wenigen Zeilen darauf zu sprechen kam. So waren die ausländischen Zeitungen im wesentlichen auf die Nachrichten der Agentur „Reuter" und der in Tunis erscheinenden Zeitung „Tunis-Soir" angewiesen. Die Vorgänge in Tripolis wurden an dieser Stelle im wesentlichen richtig wiedergegeben. Zu Massenverhaftungen von Juden ist es entgegen den Meldungen verschiedener Auslandsblätter nicht gekommen. Außer den verprügelten wurden im ganzen 10 Juden sistiert, jedoch nach kurzer Zeit wieder frei gelassen. Unter den Freigelassenen befindet sich auch Wolfgang P i n n e r, der Sohn des im vergangenen Sommer in Tripolis verstorbenen Arztes Eh". Rudolf Pinner, der den Lesern der „J. R." aus seinen ergreifenden, in der „J. R." veröffentlichten Beiträgen sicher noch in Erinnerung ist. Der Oberrabbiner von Tripolis, Hai Gabizon, wendete sieh dieser Tage in einem offenen Brief an die Zeitung „Avvenire di Tripoli", in dem es u. a. heißt: „Die Meldung des Blattes „Tunis-Soir", wonach ich als Ober- Dic Judennot in Polen Von unserem Berichterstatter Warschau, 8. Januar Der Jahreswechsel brachte dem polnischen Judentum neue harte Schläge. Die antisemitische Boykott Propaganda hatte vor Weihnachten noch größere Dimensionen angenommen, und diesmal benutzte man in vielen Städten und Städtchen auch öffentlich als Losung das bekannte Wort des polnischen Ministerpräsidenten Skladkowski, welcher, wie wir seinerzeit berichtet haben, im Sejm erklärte: „Oekonomischer Kampf mit den Juden — bitte sehr..." Das neue Schechitagesetz tritt in Kraft Der Verelendungsprozeß der polnischen Judenheit greift also immer stärker um sich, und die Tageschronik ist voll von Meldungen über neue ausgestoßene jüdische Existenzen. Das am 1. Januar 1937 in Kraft getretene Gesetz über die Regulierung der S c h e c h i t a in Polen hat bereits die ersten vorausgesehenen Resultate gebracht. Die in Ausführung dieses Gesetzes erschienenen Verordnungen haben die Lage auf dem Fleischmarkt noch mehr kompliziert, und die polnischen Wirtschaftskreise sind über die Folgen des neuen Gesetzes für die polnische Landwirtschaft sehr beunruhigt. Inzwischen aber wurden tausende Juden, die als Händler oder Arbeiter in der Fleischbranchc jahrzehntelang beschäftigt waren, aus ihrem bisherigen Beruf ausgestoßen, und somit hat sich die Zahl der pauperisierten und arbeitslosen Juden beträchtlich vergrößert. Es muß mit Genugtuung verzeichnet werden, daß sich in Warschau ein Hilfskomitee gebildet habe, das ein Programm in konstruktivem Sinne für diese Opfer des Schechita-Gesetzes ausgearbeitet und zu verwirklichen begonnen hat. Exscss« ohn« End« Die letzten Tage brachten wiederum traurige Meldtingen über neue Exzesse, die leider mehrere Schwerverwundete und ein Todesopfer forderten. Schauplatz die es Pogroms, dem übrigens Unruhen und Zwischenfälle im Kreise ßialystok schon wochenlang vorhergingen, war der kleine Ort Czyzew. Verwaltung und Polizei waren hier auf der Hut, holten rechtzeitig Verstärkungen herbei, aber die von den dortigen nationaldemokratischen Führern aufgehetzte tausendköpfige Bauernmasse überflutete während eines Markttages das kleine Städtchen tmd überfiel bewaffnet die wehrlosen Juden. Die Schwerverwundeten wurden sofort nach Warschau gebracht, und ein Jude ist hier seinen Wunden erlegen. Im Zusammenhang mit diesen traurigen Ereignissen tritt wiederum kraß das Grundproblem zutage, das Professor Schorr in seiner letzten Senatsrede sehr richtig formuliert hat: Wir können uns nicht mit dem Versprechen der Regierung begnügen, daß sie die antijüdischen Exzesse scharf bekämpfen werde, sondern es handelt sich vielmehr darum, daß die Regierung antijüdischen Exzessen vorbeugen soll. Metamorphose dar Regierungspartei Wir sind letztens Zeugen eines Prozesses, der von ausschlaggebender Bedeutung für die weitere Entwicklung der polnischen Judenfrage sein kann. Die Regierungspartei ist nach dem Abieben Pilsudskis in Auflösung begriffen, und dies kam sehr klar während der letzten Parlamentssession zum Vorschein. Das Regierungslager zerfiel in mehrere Gruppen, die sich gegenseitig bekämpfen, und jede von ihnen ist bestrebt, Einfluß auf die Regierung zu behalten. Im Lande ist die Lage eine solche, daß von einer Regierungspartei, die noch vor Jahren das gesamte politische Leben zu beherrschen glaubte, keine Spur mehr vornan-, den ist. Dagegen wuchsen und erstarkten die zwei extremen politischen Lager, und zwar die der Nationaldemokraten und der Nationalradikalen einerseits, die der polnischen Sozialisten, der Bauernpartei und fortschrittlichen Gruppen andererseits. Es stellt sich nun heraus, daß ziemlich ansehnliche Teile des bisherigen Regierungslagers eine Metamorphose durchgemacht haben, die sie direkt in die Arme der Nationaldemokraten treibt. Diese Gruppen sind offen mit ihrem antijüdischen Programm, das sich nur in Nuancen von dem der rabbiner von Tripolis abgesetzt sein soll, Ist falsch. Ich bin nach wie vor im Amt und es ist mir auch nichts über' eine etwa geplante und bevorstehende Absetzung bekannt. Es ist auch völlig unzutreffend, daß 214 Israeliten verhaftet und verprügelt wurden. Diese Maßnahme wurde nur gegen zwei Glaubensgenossen verhängt, die sich des Ungehorsams gegen die bekannten Anweisungen der Regierung wegen der Schabbatruhe im modernen Stadtteil von Tripolis schuldig gemacht hatten." Die Angelegenheit selbst und der grundsätzliche Konflikt wegen der Einhaltung der Schabbatruhe, die für orthodoxe Juden eine sehr ernste und schwerwiegende Gewissensfrage ist, ist damit nicht beigelegt. Wenn wir recht informiert sind, bemühen sich die maßgebenden Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinden Italiens darum, eine Abänderung und Milderung des von dem Gouverneur von Tripolis erlassenen Dekrets vom 14. November v. J. zu erreichen. Es verdient auch darauf hingewiesen zu werden, daß maßgebende italienische Regierungsstellen aus Anlaß des Zwischenfalles in Tripolis und in gewisser Weise als Antwort auf die Pressekampagne gewisser Auslandsblätter, zumal in England und Amerika, erklärt haben, daß der Faschismus keine antisemitische Tendenz habe und die italienische Regierung die Angehörigen jüdischen Glaubens entsprechend den bestehenden Gesetzen völlig gleichberechtigt und ohne Unterschied behandle. Eine gleichlautende Erklärung hat auch der italienische Botschafter in London, Dino G r a n d i, dieser Tage einer Abordnung der ostjüdischen Geineinden Englands abgegeben, und der Führer der Revisionisten, Jabotinsky, hat ebenfalls ein derartiges Schreiben erhalten. Wir sind überzeugt, daß diese Erklärungen in allen jüdischen Kreisen ein sympathisches Echo finden werden. Es wurde an dieser Stelle oft ausgeführt, wie sehr gerade der Zionismus als Anrainer des Mitteimeers auf gute Beziehungen mit Italien Wert legt. Nationaldemokraten unterscheidet, hervorgetreten. Man hat von diesen Abgeordneten, die bei den letzten Seimwahlen mancherorts, z. B. im Lodzer Wahlkreis, um jüdische Stimmen geworben und jüdischerseits (Agudah!) Unterstützung erhalten haben, unlängst im Sejm Reden gegen Juden zu hören bekommen, die von keinem Antisemiten übertroffen werden können. Die Empörung in jüdischen Kreisen war groß, die Tatsache bleibt aber bestehen, daß sich ein Uebergang eines Teiles der Regierungspartei ins antisemitische Lager vorbereitet. Französische Anleihe und polnische Juden Warschau, 7. Januar. (JTA.) Anläßlich der Behandlung der Gesetzesvorlage über die in Frankreich aufgenommene Anleihe gab Abg. Dr. Emil Sommerstein im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs im Anschluß an das politische Expose des Außenministers Beck eine Erklärung ab, in der es heißt: Das vorgelegte Gesetzesprojekt über die französische Anleihe hat über seinen wirtschaftlichen Inhalt hinaus große Bedeutung; denn es bringt die erneute und vervollständigte Festigung der Freundschaft zwischen Polen und Frankreich und die Möglichkeit zum Ausdruck, die Verteidigungskraft Polens zu erhöhen. Wir Juden, Bürger des polnischen Staates, unterstreichen freudig diese positiven Momente und sprechen die Hoffnung aus, daß die Aktion zur wirtschaftlichen Belebung im Zusammenhang mit der Anleihe alle Bürger ohne Unterschied der Religion oder der Nationalität in gleichem Maße umfassen und daß das Prinzip „gleiche Pflichten, gleiche Rechte", insbesondere aber das Recht auf Arbeit, auch gegenüber der jüdischen Bevölkerung gewahrt werden wird. Der Pogrom in Czyzew Warschau, 7. Januar. (JTA.) Das Mitglied des jüdischen Parlamentsklubs Abg. Dr. Jehoschua Gott lieb sprach am 7. Januar bei dem stellvertretenden Innenminister K a w e c k i vor, um angesichts der pogromartigen Ausschreitungen, die in Czyzew stattgefunden haben, und der auch aus anderen Ortschaften der Wojwodschaft Bialystok eintreffenden beunruhigenden Nachrichten entsprechende Vorkehrungen zu fordern. Minister Kawecki versicherte dem Abgeordneten, daß er sorgfältig darauf bedacht sei, die Sicherheit von Leben und Eigentum in der Wojwodschaft Bialystok aufrechtzuerhalten. Die Polizeikräfte in den betreffenden Kreisen seien bedeutend verstärkt worden. Nachprüfung eines Todesurteils Das Oberste Militärgericht hat die Wiederaufnahme des im Jahre 1920 gegen den Rabbiner Chaim Schapiro von Plock durchgeführten Verfahrens angeordnet, das mit der Verurteilung des Rabbiners zum Tode geendet hat. Das durch ein Feldgericht gefällte und sofort vollstreckte Urteil hat seinerzeit ungeheures Aufsehen erregt. „Augenzeugen" hatten behauptet, der Rabbiner habe von seinem Hause aus den feindlichen russischen Truppen Signale gegeben. Die jüdische Oeffentüchkeit hat immer wieder die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den offenbar unschuldig Verurteilten gefordert. Diesem Verlangen ist nunmehr durch das Oberste Militärgericht entsprochen worden, nachdem Mängel in dem seinerzeitigen Verfahren aufgedeckt worden sind. Adv. Margolies, einer der Verteidiger der jüdischen Angeklagten im Przytyker Pogromprozeß, hat an das Berufungsgericht ein Gesuch um Haftentlassung der seinerzeit verurteilten Juden Feldberg, Haberberg, Lenga und Banda bis zur Verhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde beim Obersten Gerichtshof gerichtet. Das Gesuch wird damit begründet, daß die Verurteilten inzwischen erkrankt sind. Flauptschriftleiter: Dr. Robert W e 11 * c h, Berlin - Charlottenburg 8 (auch wantwortlicb für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenxtein, Berlin W IB. Anzcigcnleiter und verantwortlich Für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen- Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und An. zeigenverwaltungt HHIsehe Rundschau. Berlin W 15, Meineke$tr. 10, D.A. Deiember 34 512. — Bruck: Siegfried Scliolem, Bln.-Schöncberg. Trauriger Jahreswechsel