Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1937)
- Date
- 1937-01-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653627--30121-2684652- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 4× ep/1047930
OCR text
f JÜDISCHE RUNDSCHAP_Nr. 2, 8.f. 1937 Theater und Kunst u Haifaer Chronik Das Militär in der Stadt Haifa, im Dezember Die Anwesenheit großer Truppenkontingente ist in Haifa stark fühlbar. Der Unterschied, der vor den Unruhen zwischen den großen Städten Syriens wie Beyruth und Damaskus und den palästinensischen Städten wie Jerusalem und Haifa bestand, nämlich die auffallende Bedeutung des Militärs in Syrien gegenüber der Zurückgezogenheit der Soldaten in Palästina, ist nicht mehr vorhanden. Auf Schritt und Tritt begegnet man in allen Stadtteilen Haifas dem englischen Militär, es beherrscht zwar nicht das Stadtbild, aber es fällt doch stark auf. Die Geschäfte in der Jaffa- und Allenby- Straße, in der Altstadt und ebenso in Hadar-Hakarmcl, besonders die Cafes und Kinos profitieren von dieser neuen Käuferschaft des Landes, deren Kaufkraft gar nicht gering ist. Ueberall sieht man jetzt mehr englische Aufschriften afi vorher, die offizielle Sprache des Landes wird tatsächlich gebraucht, die Geschäftswelt bemüht sich, mit diesen neuen Käufern in ihrer Sprache zu sprechen. Bei Gelegenheit erfreut sich die llaifaer Bevölkerung an den Militär-Promenadc- Konzerten. Für das grotie Truppenkontingent ist ein besonderes militärisches Krankenhaus erforderlich gewesen, unterebracht in den Gebäuden der technischen Sehlde, die die egieruug in sehr großzügiger Weise in der Haifa-Bay vor den Unruhen für die Araber gebaut aber noch nicht eingeweiht hat. Neue Bauten Die Bautätigkeit in Haifa, die ja auch während des Streiks sowohl bei arabischen wie jüdischen Privatbauten nicht eingestellt wurde, wird fortgesetzt. Auch die Regierung und die Stadt fuhren Arbeiten aus. In kurzer Zeit wird das neue Viertel im I lafengcl.inde fertig sein, aber bei der Ucberfiillc vmi Biüos und Laden, die hier geschaffen werden, fragt man sie!« doch, \v c r dort hinziehen soll, oder wer zum mindesten die jetzigen I aper und Büroräume derjenigen Linnen mieten soll, die jetzt in das Hafengelände übersiedeln. Mit einer neuen Einwanderung auf Grund von IWI Zertifikaten wird dieses Viertel nicht zu besetzen sein, wie überhaupt die starke Entwicklung Haifas dabei nicht {Inhalten wird. Man mußte die Königliche Kommission durch tl.iscs «ieS.inde luhren und ihr die Frage vorlegen, welchen Sinn überhaupt »Ii.» Lrrichtung eines solchen Viertels haben kann, oder w eichen Zweck es ubirhaiipt hatte, dieses Gelände dem Meer abzugewinnen, oder, wie es jetzt geschieht, einen neuen, großen Zentralbahnliof dort zu bauen, wenn man nicht mit einer anhaltenden, jüdischen Einwanderung rechnet. Kulturarbeit Mit dem Beginn der Wintersaison hat in dem jüdischen Hai;,! auch die Kulturarbeit w ieder stark eingesetzt, liabimah, Uhel und andere Theater spielen. Die Volksuniversitäi hat ihre wisscnsclnttüchcii Kurse wieder aufgenommen. In der Histadruth gibt es Seminare über politische und wirtschaftliche Fragen. Die II. O.G. hat erneut hebräische Kurse begonnen, ebenso wie Vortrage und ein Seminar (Dr. Ginsburg „Vom Gallith über Europa nach Erez Israel") in deutscher Sprache. Besonders sei auch die Aufführung des Films von Ben Uri ,,Das Lrwachen des Volkes" erwähnt, der die jetzt so aktuelle Geschichte von Lsra und Nehcmia behandelt, mit einem hebräischen Text (Dr. Lew), der sich an die Bibel anschließt (dazu Schallplattemnusik von Süßmann-Rosenthal). Auch die Vereinigungen, wie Agudath Achim veranstalten belehrende Vorträge oder Musikabende, wofür Agudath Achim seinen (."bor Juva! ausgebaut ha h Die Vereinigung Beth Israel veranstaltet ebenfalls Vorträge und Seminare (z. B. Dr. Flk „Die Bedeutung der Religion für das kulturelle Leben der Gegenwart"). Das Tcchnion veranstaltet wieder Fortbildungskurse für Handwerker verschiedener Gattungen, die die in Palästina noch nicht vorhandene Fortbildungsschule ersetzen sollen. Es bemüht .sich auch sonst um seinen Ausbau und hat zu Beginn lies neuen Semesters eine Abteilung für chemische Technologie eingerichtet und als Dozenten dafür Dr. Hugo Humatin be-tellt. Die Abteilung hat ein besonderes Laboratorium erhallen und soll zur Entwicklung der palästinensischen, chemischen Industrie beitragen. Ein weiterer Fortbihhin:;-knrs für Archin klen wird von dem aus Berlin bekannten Architekten Harry Rosenthal abgehalten. Auf dem Gebiet der Fortbildung für die Schulentlassenen und die im Berufe Stehenden ist noch viel zu tun. A h a r o n b e n J i z c h a k * Hailas Arbeiterschaft. Gelegentlich der Feier des Injährigen Bestehens der llistadruth gab Aha C h u s c h i, der Leiter der Haifaer ilisdadrutb, einige Zahlen über die Entwicklung und Lage der llaifaer Arbeiterschaft bekannt, die allgemein interessieren dürften. Die Zahl der jüdischen Arbeiter in Haifa, die Linie 1921 erst bei 702 war, war ein Jahr spater bereits auf 2310 gestiegen. Ende 1926 betrug sie schon 5<i<)3. Ende 1920 S'Mi, am 1. Januar 1933 0160 und am 1. Januar 1931 711)0. Gleichzeitig stieg der Anteil der llistadruth-.Mitgbeder an dieser Zahl von 42,3 «» auf 86 «o. In den beiden folgenden Jahren war der Zuwachs der Arbeiterzahl besonders groß. Am 1. Januar 1935 betrug die Zahl der jüdischen Arbeiter in Haifa nämlich 13 820, hatte sich also seit I9.H mehr als verdoppelt und stieg bis zum 1. Januar 1936 weiter auf 19 200. Zur Zeit gibt es knapp 23(XX) jüdische Arbeiter in Haifa, von denen 02,2 ".« der Histadruth angehören. Zur Erkenntnis der Bedeutung der Arbeiterschaft für die jüdische Gesamtbevöikerung Haifas muß mau noch die f •"amilicnangehörigen der Arbeiter in Betracht ziehen. Geht man von den 21076 Mitgliedern der Histadruth aus, und nimmt man an, daß etwa 5000 von ihnen verheiratet sind, so kann man zur Arbeiterbevölkerung weitere 2300 Frauen hinzuzählen (2700 Frauen von Mitgliedern sind als Arbeiterinnen in der Zahl von 21 076 bereits enthalten). Ferner kann man als Minimum pro Familie 1 Vi Kinder rechnen, d. h, 7500 Kinder von den 5000 Arbeiterfamilien. Im ganzen ergibt sich auf diese Weise eine Arbeiterbevölkerung für Haifa von etwas über 30 000 Seelen. Nimmt man die jüdische Gesamtbevöikerung Haifas mit rund 50 000 Seelen an, so ergibt das einen Anteil der Arbeiterschaft von 60 »«. — Die K u p a t h - C h o I i m, die Krankenkasse der Histadruth, die im Jahre 1921 in Haifa 60 Mitglieder aufwies, stand im Dezember 1936 bei 12 801 Mitgliedern, versorgte also —- Frauen und Kinder eingeschlossen — rund 21 000 Menschen. Die Histadruth besitzt fünf wichtige Gebäude auf dem Hadar, das Arbeiterhaus, das „Bcthcnu", das Haus der Kupath-Cholim, das Freilicht- Kino „Amphithcatron" und das neue Lichtspieltheater „Qrah". Ferner stehen den Arbeitern 135 Wohnungen in Gemeinschaftshäusern auf dem Hadar und 900 Kleinhäuser in Kirjath-Chaim in der Haifa-Ray zur Verfügung. Alle diese Gebäude besitzen einen nicht unbeträchtlichen Wert. Alfred Markus, Haifa Avigdor Hamcirii „Haschigaon Hagadol" Uraufführung im „Thcatron Sadan" T e 1 - A w i w, im Dezember 1936 Im Jahre 1924 veröffentlichte die palästinensische Tageszeitung „Haare/." Flameiris Roman „Der große Wahnsinn", der im Jahre 1931 aus dem Hebräischen ins Deutsche übertragen, auch von einer Wiener jüdischen Zeitung zum Abdruck gebracht wurde. Im Jahre 1934 nahm der Autor die Dramatisierung des Buches vor. Nun wurde dieses Kriegsstück aufgeführt. Der These vom ,,Großen Wahnsinn" stehen die Antithesen vom „Krieg als notwendiges Uebel", vom „Krieg, aus dem die Völker geläutert hervorgehen" usw. gegenüber. Es geht dem Autor scheinbar weniger darum, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen, als um eine subjektive Schilderung des Krieges, wie er ihn — an der österreichischrussischen Front — erlebt hat. Darüber hinaus schenkt er der Situation der auf verschiedenen Seiten und gegeneinander kämpfenden Juden seine Aufmerksamkeit, und schließlich glaubt er hier — angesichts des Todes — „den Menschen, den wir sonst nie gesehen hätten, wie er wirklich ist", zu entdecken. Wir haben in den letzten zehn Jahren eine große Reihe von Stücken gleichen Sujets gesehen, und es ist nicht verwunderlich, daß bei Hameiri sich viele Züge wiederfinden, die dort bereits (und mit sicherer Hand) gestaltet wurden. Der Held des Dramas ist der Journalist Margulis, ehemaliger Bachur einer Jeschiwah. Aus dem pazifistisch gesinnten Intellektuellen wird in dem Moment ein Kriegsfreiwilliger, in dem ihn sein Freund Garai, Dozent für Philosophie, einen „vaterlandslosen Juden" genannt hat. Obwohl ihm der Sinn des Krieges durch den Krieg selbst nicht einleuchtend bewiesen werden kann, bleibt er das Muster eines mutigen und tapferen Soldaten. Dabei treibt er fast die Dinge auf die Spitze und seine Reaktion ist ähnlich der im „Braven Soldaten Schwejk" (gleichfalls von Hameiri ins Hebräische übersetzt). Während es Schwejk jedoch mit seiner Genauigkeit in der Befolgung auch der unverständlichsten Befehle ernst zu nehmen scheint — und wir also nach dem Gesetz der reziproken Wirkung unseren Spaß daran haben, — wird hier ein Unterton von Ironie spürbar. Diese Ueberlcgenheit bei aller Unterordnung trägt ihm den Haß seines nunmehrigen Vorgesetzten Garai ein, und des Feldwebels, der dessen Subjekt ist. An der Front erreicht Margulis die Nachricht von der Möglichkeit zur Wiedererrichtung einer jüdischen Heimat dank der Ralfour-Deklaration. Man hätte erwartet, daß Hameiri den hier so geschaffenen dramatischen Konflikt entwickelt und zu einem starken Ende steigert. Leider jedoch bleibt es bei einem episodenhaften Ansatz, der durch einen etwas sentimentalen Schluß verwischt wird — die Angehörigen der verschiedenen Konfessionen sprechen, jeder auf seine Weise, das Totengebet für einen gefallenen Kameraden. — Auch sonst ist Hameiri nicht gerade glücklich in der Gestaltung des jüdischen Moments. Daß' beispielhafter der Major plötzlich im Moment des Todes sich auf sein bis dahin vergessenes oder verleugnetes Judentum besinnt, ist nicht mehr als eine — vielleicht nicht einmal geschmackvolle — Nuance, die mit der Problemstellung nichts zu tun hat. Zu lang das an sich gelungene erste Bild, das in Budapest in einem Literaten-Nachtcafe spielt, mit den allzuoft sich wiederholenden tränenreichen Ergüssen des Barmädchens Mansi, deren Beziehung zu Margulis nicht allzu glaubwürdig gestaltet wird. Zu lang das Kasernenhofbild mit den Exerzierübungen, das einen Vergleich mit einer ähnlichen Szene im „Schwejk" nicht aushält. Dem Frontbild, das den gesamten zweiten Teil füllt, fehlt es gleichfalls an Dichtheit. Bei alledem wird in der Gestaltung der Charaktere dichterische Begabung spürbar. Alan fühlt jedoch deutlich, daß dem Epiker die besonderen Gesetze der Bühne noch allzu fremd sind. Um das Grauen des Krieges zu verdeutlichen, bedürfte es nur der im Programmheft aufgeführten Statistik der Toten und Verstümmelten. Vom Drama verlangen wir mehr. Saehe der Regie, die — wie bei der „Topaze"-AufFührung — in Händen von J. M. Daniel liegt, wäre es gewesen, eine klare Grundlinie herauszuarbeiten, die man vermißt, d. h. unter anderem die Reihe der breitausgespielten Episoden zu verdichten und erhebliche Streichungen vorzunehmen. An der Führung der Schauspieler erkennt man jedoch die Fälligkeiten Daniels. Das gilt besonders für den Feldwebel von Churgal, für Sarnows feingezeichnetcu Major, der leider durch den ihm vom Autor zugedachten Text nicht gefördert wird, für die Soldatentypen, die von Konstantiner, Ben- Josef und dem stillen und unaufdringlichen Kadari betreut werden, sowie vor allem für die zwei Episodenrollen, die Rachel Markus anvertraut sind. Ihre Leistung wäre vollendet, wenn sie nicht auch diesmal wieder allzusehr für das Parkett spielen würde. Ein wenig verhaltener, stiller, innerlicher, nicht so auf Effekt bedacht, und sie wird in der ersten Reihe der hiesigen Darsteller stehen. Der Dr. Garai des Schauspielers Koogan verliert sich etwas allzusehr in der Karikatur. Frau Schindler als Mansi hat Momente, in denen sie ihre Begabung erneut beweist. Im ganzen jedoch bleibt ihre Leistung gerade an dramatischen Stellen, so besonders am Schluß des ersten Aktes, um vieles zu verbessern. Arieli ist Margulis. Er ist frei von Manieriertheiten und wirkt svmpathisch. Für diese Rolle, die einen reifen Charakterspicler verlangt, ist er jedoch zu jung. Es fehlt das Ausstrahlen von „Persönlichkeit". Qenia Bergers Bühnenbild gehört zu den besten Dekorationen, die wir in letzter Zeit sahen. Sie findet die rirhtige Atmosphäre für die Budapester Szene und benutzt die Drehscheibe vorbildlich für den Aufbau der übrigen Bilder, die teils im Inneren der Kaserne, teils im Zimmer oder im Freien spielen. Das wiederholte Hin- und Zurückdrehen der Scheibe im Frontbild war ein wenig zu viel, weil hier dem Zuschauer, der anfänglich den Eindruck der Raumweite hatte, gerade die Kleinheit des Raumes demonstriert wird. Manfred Geis Die Stadtverwaltung von Tel-Awlw hat zur Förderung der künstlerischen Bestrebungen eine Summe zur Verfügung gestellt, die alljährlich zum Ankauf von Kunstwerken palästinensischer Künstler für das Museum Tel-Awiw verwendet werden soll. Die aus den Herren Bürgermeister Rokach, dem Leiter der Kulturabteilung der Stadtverwaltung Qurfinkel, dem Maler Rubin als Vorsitzendem der Vereinigung palästinensischer Künstler und Dr. Schwarz, dem Direktor des Museums Tel-Awiw, bestehende Kunstkommission hat nunmehr auf der Ausstellung palästinensischer Künstler folgende Werke angekauft: Aron Avni, Landschaft; Leon Fein, Interieur mit Blumen; Hajim Gliksberg, Blumenstilleben; Simon Holzmann, Stilleben; Mosche Mokadi,Künder; Joset Zaritzky, Gartenlandschaft, Ein Künstler-Kollektiv stellt aus Die erste Ausstellung des Künstler-Kollektivs „Chever O m a n i m", die mit viel Erfolg bei Stcimatzky in Jerusalem gezeigt wurde, wird nun mit einer Schau der graphischen Arbeiten, der Aquarelle und Oouaches, sowie neuer Plastik derselben Künstler fortgesetzt. Vizebürgermeister Daniel Auster eröffnete diese interessante Schau am 23. Dezember vor einem Kreise Jerusalemer Künstler und Kunstfreunde. In seiner Ansprache wies Herr Auster darauf hin, daß die Künstlcrschaft Erez Israels sich durch die traurigen Ereignisse der letzten Monate nicht in ihrem kulturellen Aufbauwillen beirren ließ, sondern als schöpferische Menschen mit neuen Arbeiten auf die Prüfungen der Zeit reagierten. Im ersten Räume der Ausstellung überrascht B e n - Z w i wiederum durch die Originalität seiner Plastiken, unter denen besonders eine Porträtbüstc Hubcrmaus hervorzuheben ist. Ziffer, der zweite Bildhauer der Gruppe, gibt sein bestes in den kleinen Tonakten, die durch die beschwingte Anmut der Bewegung überzeugen. — Mokady zeigt Oelskizzen und Gouaches, die stark an Daumier erinnern, aber oft zu flüchtig sind, um als eigene Arbeit gelten zu dürfen. Hingegen gewinnt H o 1 z m a n n, dessen Landschafts- und Inteneurfarbskizzen seinen Bildern überlegen sind, durch die Leichtigkeit der Linienführung und der Töne. Rubin zeigt hauptsächlich beicits bekannte Aquarelle (Olivenbäume, Kamele und Blumenstücke), die wiederum Proben seiner starken koloristischen Begabung liefern. Besonders impressive Lithos zum „Dybbuk" bringt S i m a. Steinhardt, der Meister des Holzschnitts erfreut durch die reife Könnerschaft seiner Jerusalemer Ansichten. Die in brauner Kohle und Rötel gehaltenen Zeichnungen A 11 w e i 1 s erreichen nicht immer das Niveau seiner großen Arbeiten. * Jerusalemer Chanukkah-Ausstellungen. Die orthodoxe Horeb-Schule veranstaltete eine Ausstellung von Schülerarbeiten, die ein lebendiges Bild vom I landfertigkeitsunterricht und dem Geist dieser Anstalt vermittelte. Besonders glücklich gelungen ist der Einbezug des religiösen klassischen Schrifttums in die Bastelarbeiten der Schüler, die etwa die Mauer des alten Jerusalem in Gips rekonstruieren, oder eine in der Gemara „Schabbat" geschilderte, auf Chanukkah bezügliche Szene mit selbstgefertigten Holzfiguren darstellen. — Die von der Wizo gegründeten Sc h a n i - Werkstätten zeigen palästinensisches Kunstgewerbe nach jemenitischem Muster. Arbeiten in Stoff, Bast und Metall entzücken durch Farbenfreudigkeit und originelle Ornamentik. Sch. Ben-Chorin Ury-Ausstellung Im Museum Tel-Awiw. Das Museum Tel- Awiw hat am 4. Januar eine Lesser-Ury-Gedächtnisausstellung eröffnet, in der 80 Gemälde, die besten Zeichnungen und das gesamte graphische Werk in sieben Sälen gezeigt werden. Es ist die größte bisher in Palästina veranstaltete Kollektiatisstellung des Künstlers, der am 7. 11. 36 75 Jahre altgcworden wäre. Beginnend mit dem Jahre 18S2 werden die bedeutendsten Gemälde aus allen Epochen gezeigt: Frühbilder aus Belgien, die als Meisterwerke des Impressionismus zu gelten haben, magisch leuchtende Berliner Straßen- und Kaffeehaus-Darstellungen, verschiedene der herrlichen Blumenstücke und Landschaften aus Thüringen, der Mark und Oberitalien in Oel und Pastell. Aus der späteren Zeit sind die Landschaften vom Rhein, aus Paris und die großartigen Londoner Nebelbilder, von den biWischen Darstellungen die letzte und wohl bedeutendste „Jakob segnet Benjamin" vertreten. Schließlich auch mehrere Selbstbildnisse, so „Der kranke Ury" von 1928 und das letzte, in seiner dämonischen Aufgcwühlthcit erschütternde von 193!. Geben diese Gemälde einen Begriff von dem Farbcnkünstler Ury, so nicht weniger die Zeichnungen einen solchen von der virtuosen Führung des Stiftes. Die Ausstellung, die als das Flauptereignis der diesjährigen Kunstsaison zu gelten hat, findet Ungeheuern BeifalL „Theatron Ivri" in Haifa. Am 16. und 17. Januar finden (im Makkabi-Saal) die Premieren von „Sturm im Wasserglas" und „Ann wie eine Kirchenmaus" statt. Hiermit wendet sich „Theatron Ivri" unter der künstlerischen Leitung von Alfred Wolf erstmalig wieder an die Haifaer Oeffentlichkeit, während die Premiere des neueinstudierten „Marius" („Zum goldenen Anker") am 6. Januar (im Jascha-Heifetz-Saal) in Tel-Awiw stattfindet. (Regie: B. Frankel.) Erziehung und Umgebung Im „Hapoel Hazair" schreibt Jakow B u d n i k über die Frage der Erziehung in der Kwuzah: Wenn wir unsere Kinder zur Arbeit, zu neuer Gestaltung der Gesellschaft, zur Gerechtigkeit, Gemeinschaft und Gleichheit erziehen wollen, so müssen wir ihnen eine ansprechende musterhafte U m ■ gebung schaffen. Wenn die Umgebung eine Dynamik der Arbeit, des Schöpferischen und des gesellschaftlichen Lebens aufweist, so können wir sicher sein, daß die in ihr aufgewachsenen Kinder danach trachten werden, die Fortsetzer dieses Lebens zu sein. Streben nach Erkenntnis und Kunst können hier wichtige Förderer sein. Wo sie fehlen, wird das Leben leicht grau und glanzlos und verliert die Anziehungskraft auf die kommende Generation. Es ist unbedingt notwendig, daß der ganze Kreis sich einig _ ist in dem Bestreben, in der Begeisterung und Anstrengung nicht zu ermüden und einen schönen Lebensstil zu schaffen, der sowohl in den Beziehungen der Menschen zueinander als auch in der Ausstattung der Räume, in der Kleidung, in der Sprechweise, in Festen und Feiern seinen Ausdruck findet. Alle diese Dinge müssen in entsprechender ästhetischer Weise gestaltet werden, denn nur so können wir hoffen, einen erzieherischen Einfluß auf unsere Kinder auszuüben. Um dies zu ermöglichen, sollte jeder Siedlungspunkt geeignete Räume für künstlerische und intellektuelle Erziehung haben. Es sollte auch in der Arbeitszeit nach Möglichkeit Rücksicht auf solche Bestrebungen und Beschäftigungen genommen werden. Bisher müssen die Menschen, die solche Interessen haben, sie in der Kwuzah meist auf Kosten ihrer Teilnahme am öffentlichen Leben oder auf Kosten ihres Familienlebens und ihrer Gesundheit befriedigen. Ohne Zeit und Raum und Geldmittel wird es nicht möglich sein, uns vor kultureller Verarmung zu bewahren. Niemand wird an der Wichtigkeit der Kulturarbeit zweifeln, und es wäre daher an der Zeit, damit aufzuhören, sie als Luxus zu behandeln. Die Kräfte, mit denen wir das große Werk, das das arbeitende Palästina heißt, errichtet haben, saugen aus den Schätzen der Vergangenheit. Aber nur uns selbst sind diese Schätze lebendig, und eine große Anspannung ist nötig, um sie in das Denken und Fühlen der kommenden Generation zu verpflanzen. ß