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Jüdische Rundschau · 1937-01-05 · Heft 1 (5.1.1937) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 1 (5.1.1937)
Date
1937-01-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife 10 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 1, 5. I. 1937 r Werden die Araber vor der Kommission erscheinen? Music Hall, Programmbudi und Blitzlicht Im rostroten Bülmcuhalbruud stellt die visionäre Erscheinung Toscaninis. In der geheizten, aber zu weiß getalktcii Halle sitzen sich elegante Damen auf eisernen üartenitühlen ihre seidenen Abendkleider durch. Muli das sein? Das englisch-hebräische Program.nbuch zu diesem außergewöhnlichen Ereignis meldet neben „Einführungen" koncentionell-platiderhafter Art: den besten Kaffee, die schönsten Leiuenschuhe und die reinste Margarine. Daneben herrliche Photos von Toseanini und Huberman. Muli das sein? Der Meister Toseanini wurde am Schiuli gegen seine ausdrückliche Ritte durch die Blitzlichtaufnahmc eines übereifrigen Re|)orters empfindlich belästigt. Das darf nicht sein! Sonst aber herrsehte ungewohnte Publikumsdisziplin, Ordnung, und alles Technische: üarderobe, Fahrverbindung usw. klappte erstaunlich gut. — wir können das Bcethovcn-Extrakoiizert, das in einer Woche in Tel-Awiw stattfinden wird, kaum erwarten. Der Eindruck ist unvergleichlich und unvergeßlich. Alice Jacob-Locwcnson, Tel-Awiw (A. d. Red.: Toseanini, dessen Augen sehr empfindlich sind, erschien wegen der undisziplinierten Blitzlichtaufnahme nur einmal vor dem applaudierenden Publikum. In seinem Namen dankte Huberman.) Empfang in Jerusalem c z k. Jerusalem, 29. Dezember Die Judenheit Jerusalems ist nicht gerade reich an großen gesellschaftlichen Ereignissen. Aber wenn einmal in langen Jahren sich die Gelegenheit dazu bietet, all seine hervorragenden Menschen in einer feierlichen Veranstaltung zu vereinigen, so pflegt der Anlaß dazu den Rahmen des rein Gesellschaftlichen zu sprengen. Tel-Awiw, die Heimat des palästinensischen Symphonie- Orchesters, iiat die Anwesenheit Toscaninis und seiner Gattin mit einer Reihe von restlichkeiten gefeiert, die dem (iast die Liehe und Dankbarkeit der ersten jüdischen Stadt zum Ausdruck brachten. Und doch nahm der sehlichte, wenn auch fcicrlkhe Empfang, der I" o s c a n i u i und II überman heute Unr.1i die J e w i s h A g e n c v sind den W a ad E e Ii in i zuteil winde, eine besondere und einzigartige Stellung ein.! »tun diesmal war es die erwählte Repräsentanz u e s j u i] i s c Ii e n Volk es , die in ihrem eigenen Hans den grollen Kunstler begrüßte. Der Konferenzsaal der jewish Agencv bildet in seiner vornehmen Schlichtheit einen ausgezeichneten Rahmen für derartige Gelegenheiten. Wie er sicli langsam füllte, entstand jene Atmosphäre, die Veranstaltungen dieser Art so selten gegeben ist. Hier war nicht nur eine gemeinsame Erwartung, sondern diese Menschen., so verschiedenartig in ihrer Herkunft, ihrei Stellung, ihrem Beruf, hatten doch alle ein Gemeinsames: die Arbeit am Aufbau der Nationalen Jüdischen Heimstätte und die Freude, ihr Werk durch die Anwesenheit eines so hervorragende« Mannes geehrt zu sehen. An der Spitze der Mitglieder der Exekutive war der Präsident der Zionistischen Weitorganisation, Dr. W c i z m a n n, erschienen, während der Leiter des politischen Departements, Herr Schertok, gemeinsam mit seiner Gattin die Honneurs des Hauses machten. Der Waad Leumi und die Nationalen Fonds waren durch ihre Leiter und hervorragendsten Mitarbeiter vertreten. Das musikalische Jerusalem, vom Kammerquartett bis zum Rundfunk, war naturlich vollzählig erschienen. Aber auch alle anderen Gebiete des künstlerischen, wissenschaftlichen und öffentlichen Lebens waren in reichem Maße vertreten. Neben den bekanntesten jüdischen Persönlichkeiten sah man eine Anzahl nichtjüdischer Gäste, so den anglikanischen Bischof von Jerusalem, Mitglieder des Konsularkorps und Herren des persönlichen Stabes des High Commissioncrs. Ais Maestro und Signora Toseanini in Begleitung H u - bermans den Saa! betraten, bildete sich spontan ein Spalier applaudierender Menschen, durch das die Gäste schritten. Dann trat erwartungsvolle Stille ein, als Dr. Wcizmann zu sprechen begann. Wci/manns Dankrede Er begrüßte Toseanini in einer kurzen Ansprache, die er hebräisch begann und spater in Englisch fortsetzte. Der Musiker und Künstler Toseanini ist in diesen Tagen oft genug gefeiert worden; der Präsident der Zionistischen Organisation begrüßte den g r o IS e n M e n s c Ii e n, der nach Erez Israel gekommen ist, nicht nur, um uns den Zauber seiner Musik zu bringen, sondern um durch seinen iksuch dem jüdischen Volk in einer Zeit größter Not Ehre zu erweisen. Es machte tiefen Eindruck auf die Versammelten, als Wcizmann in diesem Zusammenhang den Schatten eines anderen Großen heraufbeschwor, jenes Nicht juden, dem das jüdische Volk so viel zu verdanken hat: Lord B a I f o u r. Als Toseanini das Konzertpodiiun in Tel-Awiw bestiegen habe, da sei in ihm — so sagte Weizmann — ein ähnliches Erlebnis wieder lebendig geworden: der Augenblick, in dem Half cur auf der Estrade der Ehrengäste bei der Grundsteinlegung der Hebräischen Universität erschien. Der Bestich, den heute Toseanini Erez Israel abstatte, beweise das Gleiche, wie jener von Balfottr vor elf Jahren: daß es unter den Besten der europäischen Welt Männer gibt, die dem. was in diesem Lande geschaffen wird, mit Respekt und tätiger Sympathie gegenüberstehen. Der Jischuw sei glücklich, Toseanini in seiner Mitte zu wissen, und ganz. Erez Israel hoffe, daß die herzliche Beziehung, die diese Wochen zwischen dem jüdischen Palästina und dem großen nichtjüdischen Künstler hergestellt haben, von Dauer sein mögen. Zu Bronislaw H über man gewandt, beglückwünschte Dr. W e i z m a n u in ihm den Schöpfer des P a I ä - s t i n e n s i s c h e n S y in p h o n i e - O r c h e s t c r s. Welchen Stolz müsse er in diesem Augenblick als Jude wie als Künstler empfinden, eine Institution geschaffen zu haben, die in so hohem Maße zur Ehre des Jüdischen Nationalheims wie zur Verschönerung des Lebens des Jischuws beitrage. Am Schluß seiner Ansprache überreichte Dr. Weizmann Toseanini ein Album mit Photographien der Landschaft Palästinas und verschiedener Stadien des jüdischen Aufbauwerkes, das der Keren Hajessod zur Erinnerung an diesen Empfang zusammengestellt hatte. FJnc Sdienkung an Toseanini Tel-Awiw, 29. Dezember. (Pakor.) Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw veranstaltete zu Ehren von Toseanini einen Empfang, bei dem angekündigt wurde, daß eine Gruppe von Verehrern des Maestro ihm als Zeichen ihrer Bewunderung eine Plantage im Scharon geschenkt hat. Bürgermeister Kok ach, der die Tatsache der Schenkung verkündete, bemerkte dazu, daß Palästina um einen neuen Landwirt bereichert worden sei. In seiner Antwort sagte Toseanini, daß er die Absicht hege, mindestens einmal in jedem Jahre nach Palästina zurückzukehren. Die Exekutive der Arbeiterorganisation veranstaltete einen gemeinsamen Empfang für Toseanini und Huberman. Die Herren Locker und Remez sowie Frau Oolda Meierson hielten Ansprachen. In seiner Antwort feierte Huberman die große Musikliebe der jüdischen Arbeiter in Palästina. Noch Kein formeller Beschluß Jerusalem, 3. Januar. (JTA.) Es gilt fetzt als feststehend, daß das Oberste Arabische Komitee unter dem Druck der arabischen Staaten die Boykottierung der Kgl. Kommission aufgeben wird. Ein diesbezüglicher formeller Beschluß wird für die nächsten Tage erwartet. Die arabischen Führer werden von der Kommission in nichtöffentlicher Sitzung vernommen werden. Man rechnet mit dem Erscheinen folgender Mitglieder des Obersten Arabischen Komitees vor der Kommission: Großmufti von Jerusalem, Hadsch Emin el Hussein), Rechtsanwalt Auny Bey Abdul Hadi, Dschema! Hussein! und Ragheb Bey Nashashibi. (Eine Bestätigung dieser Nachricht steht noch aus. — Red.) « Sämtliche arabischen Zeitungen, sogar die radikalsten, die bisher jede Anregung betreffend Aussagen vor der Kommission als Verrat bezeichneten, sind nunmehr bemüht, eine Aenderung der öffentlichen Meinung in bezug auf die Kommission herbeizuführen. „Adifaa" meldet, daß die arabischen Könige den Boykott verurteilen, und daß nach Rückkehr der Delegation aus Riyad das Oberste Komitee eine Erklärung herausgeben wird, wie es die Könige von ihm verlangt hätten. Aus englischen Zeitungen Der „T i m e s" wird von ihrem Jerusalemer Berichterstatter mitgeteilt, daß die arabische öffentliche Meinung jetzt für die Beendigung der Boykottierung der Kgl. Kommission sei. „Adifaa", die einzige außer dem „Fclcstin" jetzt erscheinende arabische Tageszeitung, tritt ebenso wie „F e I e s t i n" dafür ein, daß die Araber, dem Rat der arabischen Herrscher folgend, vor der Kgl. Kommission erscheinen. Das Blatt meldet aus Bagdad, daß Mitglieder des irakischen Kabinetts nach einem von dem dortigen Pro-Palästina-Komitee veranstalteten Bankett dem Obersten Arabischen Komitee telegraphisch den gleichen Rat erteilt hätten. Der Emir von Transjordanien, heißt es in dem Bericht der „Times", kam in Begleitung von Hassan Sklky Dajany am Freitag nach Bagdad, und Auni Bey Abdul Hadi, der Beauftragte des Obersten Arabischen Komitees, hat sich aus Bagdad nach Rijad begeben. Die arabische Presse tritt warm für die geplante Bildung eines arabischen Bundes und die Entsendung ständiger palästinensisch-arabischer „Gesandtschaften" in die verschiedenen arabischen Hauptstädte als ein Mittel zur Stärkung der arabischen Solidarität ein. Die „Adifaa" behauptet, Italien hätte Absichten auf den Jemen, und der Irak sei von Persien und der Türkei bedroht. Sie erklärt, aus diesen Gefahren sei zu ersehen, daß ein arabischer Bund mit einer großen Armee nicht nur im Interesse Palästinas, sondern sämtlicher arabischer Staaten notwendig sei. Das Blatt tritt zwar für ein Bündnis ein, hält jedoch die geplante panarabische Konferenz für eine überflüssige Geste; die Konferenz würde nur als Tribüne für die Selbstreklame der arabischen Führer dienen. Der politische Mitarbeiter des „M anchester Guardian" weiß zu berichten, daß die Kgl. Kommission in einer oder zwei Wochen zurückkehren wird, ohne länger auf Aussagen der Araber zu warten. In Londoner politischen Kreisen sei man auch nicht geneigt, die jüngste Tätigkeit der arabischen Banden ernst zu nehmen. Die Behörden besäßen keinerlei Informationen, die den soeben aus Jerusalem eintreffenden Meldungen entsprächen, daß ein neuer arabischer Aufstand organisiert wird und die zahlreichen Fälle von Straßenraub in letzter Zeit dazu bestimmt seien, das Geld hierfür zu schaffen. Man zweifle sogar daran, ob diese Raubüberfälle mehr politische Bedeutung hätten als diejenigen, die auch in den besten Zeiten zum Bilde des palästinensischen Lebens gehörten. Was immer aber die Araber im Schilde führen sollten oder nicht, so heißt es in der Betrachtung weiter, sie verscherzen sich vollkommen die Sympathien bei ihren Freunden hier, und sicherlich wird niemand behaupten wollen, daß sie in letzter Zeit ihrer Sache große Dienste geleistet haben. Der Boykott der Kommission ist ein Schnitzer, den sie jetzt vielleicht selbst bereuen. Man glaubt hier, daß die Anhänger Nashashibis., die stets gegen den Boykott der Kommission waren, noch immer bereit sind auszusagen, und man glaubt, daß sogar die Anhänger des Mufti von Jerusalem nicht zögern würden, dies zu tun, wenn Ibn Saud oder sonst jemand dazu gebracht werden könnte, eine prestigerettende Formel zu finden. Sicher ist jedoch, so wird zum Schluß ausgeführt, daß die Araber einen Ausweg aus der Lage werden finden müssen, die sie sich selbst geschaffen haben, und zwar schnell. Die Kommission kann die Vernehmung der jüdischen Zeugen und Beamten in ein bis zwei Wochen abschließen; man erklärt mir, daß die Kommission, sobald dies geschehen ist, sofort nach England zurückkehren und ihren Bericht erstatten wird. Sie wird auch für kurze Zeit nicht in Palästina bleiben, um darauf zu warten, daß die Araber sich erweichen lassen. Es wäre nur zu bedauern, wenn die Kommission zurückkehren sollte, ohne die Sache der Araber von den arabischen Führern gehört zu haben, aber die Verantwortung dafür würde ausschließlich die Araber treffen. Irak und Palästina In einem Gespräch mit dem Bagdader Berichterstatter der „Times" hat der Außenminister des Irak, Dr. Nadschi e 1 A s i I, es in Abrede gestellt, daß die Irak-Regierung dem Führer der palästinensischen Terroristen, Fauzi Bey ei Kaukji, gestattet habe, eine an,t (britische Kampagne durchzuführen. Weder dieser Mann, noch sonst jemand, sagte der Minister, hat in diesem Lande eine antibritische Kampagne durchgeführt. Die Irak-Regierung hat Kaukji ausdrücklich mitgeteilt, daß seine Stellung die eines politischen Flüchtlings sei und daß sie es daher nicht dulden werde, daß er sich in irgendwelche politische Tätigkeit einläßt. Der Minister fügte hinzu, die gegenwärtige Regierung hoffe natürlich, daß das neue Jahr ihren arabischen Freunden in Palästina eine friedliche Lösung und glücklichere Verhältnisse bringen werde; sie wünsche aber, daß eine solche Lösung als Ergebnis vollster und freundschaftlichster Zusammenarbeit zwischen diesen Arabern und Großbritannien, dem Verbündeten des Irak, zustande komme. Die Presseagentur „Orient" meldet, der Beauftragte des Obersten Arabischen Komitees, Auni Bey Abdul Hadi, habe mit dem jetzt in Bagdad weilenden Rebellenführer Fauzi Bey el Kaukji eine dreistündige Unterredung gehabt. In arabischen Kreisen werde dieser Unterredung hohe Bedeutung beigemessen. Arbeitsreicher „Sylvester" Die Königliche Kommission hatte am 31. Dezember, noch vor Abschluß des alten Jahres, einen außerordentlich voll besetzten Tag. Außer den zwei öffentlichen Sitzungen, in denen die Herren David Y eil in und Leonard Stein vernommen wurden, wobei die Spätnachmittag-Sitzung bis 8 Uhr abends dauerte, hielt die Kommission auch zwei geschlossene Sitzungen ab. Die Zeugen bei den letzteren waren die Herren Daniel Auster, Vizcbürgcrmcistcr von Jerusalem; G. M a c L a r e n, Assistent des Bezirkskom ui;sars für lerusalem; ferner Miss R i d i e r Regierungsinspektorin der Mädchenschulen. Im Laufe dieser Woche sind außerdem unter Ausschluß der Oeffentlichkeit die zwei Gehilfen des Gouverneurs von Jaffa, Pol lock und B a d c o c k, sowie der Postdirektor Hudson vernommen worden. Die Frage der hebräischen Sprache Herr David Jellin, der am 31. Dezember in der öffentlichen Sitzung als Zeuge erschien, befaßte sich mit der Schmälerung der Rechte der hebräischen Sprache seitens der Regierung. Jellin sprach hebräisch. Er zitierte aus dem Mandat und der seinerzeitigen Proklamation Königs George V., denen zufolge die Regierung bereit sei, die drei offiziellen Spracnen zu benützen, bewies jedoch an Hand mitgebrachter zahlreicher Briefe von Regierurigsabteilungen, daß die hebräische Sprache nicht benutzt wird und daß Juden, die sich an die Behörden in Hebräisch wenden, Antworten erhalten, die in englischer oder arabischer Sprache abgefaßt sind. Die Mehrzahl der Ocrichtsprotokolle werden nur Arabisch geführt, während die Jahresberichte einer ganzen Reihe von Regierungsabteilungen ausschließlich in englischer Sprache erscheinen. Die Zollbehörden korrespondieren mit Arabern Arabisch, während ihre Mitteilungen an Juden in englischer Sprache erfolgen. Herr Jellin wies darauf hin, daß Hebräisch geschriebene Adressen auf Postsendungen in lateinischen Buchstaben kopiert werden, woraus sich Zeitverlust bei der Austragung der Post ergebe; er forderte, daß die Briefträger in der Lage sein sollen, Hebräisch zu lesen, genau so wie in allen Ländern der Welt, wo es als selbstverständlich vorausgesetzt wird, daß Postbeamte der Landessprache in Wort und Schrift mächtig sind. Sir Harold Mogjris fragte den Zeugen, ob ihm Briefträger in England bekannt seien, die Hebräisch lesen können, worauf Herr Jellin erwiderte: „England ist nicht das Jüdische Nationalheim 1" Aus den Aeußerungen der Kommissionsmitglieder ging deutlich hervor, daß sie dem in den Aussagen Jellins zum Ausdruck gekommenen Standpunkt kein Verständnis entgegenbrachten. Sie wiesen u. a. auf die hohen Kosten hin, die aus der Anwendung aller drei Sprachen entstehen würden, sowie auf die Tatsache, daß die Haltung Tel-Awiws gegenüber der Benützung der englischen und der arabischen Sprache eine durchaus ablehnende sei. Professor Coupland bemerkte, daß falls gewisse Bestimmungen des Mandats sich als praktisch undurchführbar erwiesen haben sollten, die Möglichkeit bestehe, eine Aenderung vorzunehmen. Jellin protestierte gegen die hauptsächlich im Rundfunk angewandte Bezeichnung des Landes in hebräischer Sprache als „Palestina Alef Jud", anstatt „Erez Israel", und zitierte aus dem Alten und auch aus dem Neuen Testament, um zu beweisen, daß „Erez Israel" von je her der hebräische Name Palästinas war. Lord Peel fragte, ob die Juden mit dieser Forderung nicht politische Ziele verfolgen, d. h. ob sie nicht mit der Bezeichnung „Erez Israel" andeuten wollen, daß das Land ein j ü - discher Staat sei. Jellin erwiderte, daß dies nicht der Fall sei, und daß die Juden nicht mehr verlangen, als daß der althergebrachte hebräische Name des Landes wieder, wie schon in der türkischen Zeit und bald nach der Eroberung Palästinas durch die Engländer, benützt werden soll. Er Fügte hinzu, daß nach tausend Jahren ein Name seinen buchstäblichen Sinn verliert; die Juden fordern nicht, daß das Land etwa „Land der Juden" genannt werde, obwohl das Volk heutzutage als „Juden" und nicht mehr als „Israel" bekannt sei. Leonard Stein Ober das Mandat Die Aussagen des Herrn Leonard Stein, ehrenamtlichen Rechtsberaters der Jewish Agency, bezogen sich auf die Auslegung des Mandats. Er wies auf die im Mandat enthaltene doppelte Verpflichtung der Mandatarmacht hin, und auf die Bemerkung, daß beide Verpflichtungen von gleichem Gewicht seien, was nichts weiter bedeute, als daß sämtliche Verpflichtungen, gleichgültig welcher Natur, die gleiche Bindungskraft haben. Er erklärte, daß man bei genauem Studium des Wortlautes des Mandats keinen Hinweis auf Verpflichtungen den Arabern gegenüber finden könne; während von den Juden und „anderen Volksteilen" vielfach die Rede ist, ist eine Erwähnung der Araber absichtlich vermieden worden. Er hob hervor, daß die Tatsache, daß beide Teile der Balfour-Deklaration in g eicher Weise bindend sind, bedeutet, daß sie auch von gleicher Natur seien: die Verpflichtung, die Schaffung des jüdischen Nationalheims zu erleichtern, ist eine positive, die andere Verpflichtung aber nicht. Stein zitierte einen Artikel, in dem diese Punkte einfehend behandelt werden, von Churchill, der zur Zeit er Bestätigung des Mandats Minister war. Zu scharfen Meinungsaustauschen kam es zwischen Stein und Sir Harold Morris, als ersterer zu einer Analyse der im Artikel 6 des Mandats erwähnten bürgerlichen und religiösen Rechte nichtjüdischer Gemeinschaften überi V

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