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Jüdische Rundschau · 1937-01-05 · Heft 1 (5.1.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 1 (5.1.1937)
Date
1937-01-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 1, 5.1.1937 Die Palästina-Aktion der ungarischen Judenheit Eine Erklärung der Zionisten Von unserem Berichterstatter Budapest, 1. Januar 1937 Mit Bezug auf unseren in der letzten Ausgabe der „J ü - dischen Rundschau" unter gleicher Aufschrift erschienenen Bericht unseres Budapester Korrespondenten veröffentlichen wir heute nachfolgende Erklärung des Vorsitzenden des Ungarischen Zionistenverbandes, Dr. Julius M i k 1 6 s: „Wer zwischen den Zeilen der Ankündigung Hofrat Sterns lesen kann, wird sofort herausfühlen, daß es ihm nicht so sehr um die Erreichung der angemeldeten Ziele geht als darum, eine Aktion gegen die Zionisten einzuleiten. Wahrend der jüngste« üeineirtdewahlen ist nämlich eine kleine Anzahl von Zionisten auf ürund eines Wahlpaktes in die Gcmeiiidercpräsentanz. eingezogen, wo sie natürlich eine oppositionelle Gruppe bildete, deren Hauptprogrammnunkt die Reform des Gemeindewahlrechtcs bildet. Von den 65 000 steuerzahlemkii Mitg.iedern der Fester Israelitischen Gemeinde irenießen nilich nur 15 000, also ein Fünftel, das Wahlrecht. Infolgedessen befindet sich die Leitung der Gemeinde in den Händen von jüdischen Bankiers, Großindustriellen. Großkaufleuten und einigen aus der Landespolitik ausgeschalteten alten Politikern, und da dieselben die Schwere der Zeit an ihrem eigenen Leibe noch nicht fühlen, haben sie natürlich auch kein Gefühl für die Bedürfnisse der breiten jüdischen Massen. Auch die acht Zionisten, die in die Wahlliste aufgenommen wurden, verdanken dies ausseliliertüch dein Wohlwollen dieser Herren, freilich nur deshalb, dauni kein Wahlkampf die seit Jahrzehnten gewohnte Eintönigkeit der Wahlen störe. Die Zionisten nahmen das Pal.tum aus Gründen der politischen Zweckmäßigkeit an, da ja eine Vertretung der Minderheit hier unbekannt ist und unter dun Drucke des Wahlapparates sonst kein »einziger t icsinnuiig!>geiii>»c in den Ausschuß gelangt wäre. Wir aber wollten den Kampf i^e^en das System von innen her fuhren. W ir bildeten denn auch sofort nach der Wahl eine Zionistische < n uppe, brachten die Wahlreform mit Gewalt auf die Tagesordnung und heute ist es sicher, daß dieses Problem den Schlüsselpunkt des Gemeindelebens in der nächsten Zukunft bilden wird. Was nun die von der Gemeinde zu begründende neue Konkurrenz - I» r o - I» a 1 a s t i n a - V e r e i n i g u n g anbelangt, hat sie folgende Vorgeschichte: In Ungarn existiert und wirkt seit ungefähr zehn Jahren eine Pro-I'alastina-Vereinigung mit der ausschließlichen Aufgabe, daß in deren Rahmen der KKL, sowie der Kern n Hajessod laut den Landesgesetzen eine legale Tätigkeit ausüben könne. Dem Prinzip der Jewish Agency entsprechend bestand die Leitung des Verbandes zur Hälfte aus Zionisten, zu 50 ".o aus Nichtzionisten, die miteinander bisher in g r ö Ii t e r Harmonie tätig waren. Im Interesse der nationalen Fonds und der Arbeitspropaganda delegierte der Zionistische Landesverband seine Besten in diese Verbindung, durch deren Vermittlung er den Weg zu den nichtzionistischen Massen suchte, auch oft fand. Die Arbeit wurde zum größten Teil von Zionisten geleistet, der „kleine Mann'* brachte die meisten Spenden auf, während die wohlhabenderen Kreise, die unter dem Einflüsse der Gemeindec!i<|ue standen, sieh nur sehr mäßig an den Eingängen beteiligten. Trotz dieser Lage leiteten die Zionisten Unterhandlungen mit dem Gemeindepräsidenten, Hofrat Stern, ein, um auch die offizielle Judenheit in die Pro-Palästina-Arbeit einzuschalten. Aus höheren Rücksichten kamen wir ihnen Schritt für Schritt entgegen, machten ihnen verschiedene Konzessionen, um die prinzipiellen Bedenken der üemeindeleitung zu zerstreuen; aber auch so konnte keine iiinignng zustande kommen. Die Bedingungen des Herrn Präsidenten Stern, daß 1. die Zionisten aus der Leitung der Pro-Palästina- Vereinigung sich zurückziehen, daß 2. die Pro-Paiästina-Verbindung keine Sammlungen zu ausgesprochenen Gunsten der nationalen Fonds veranstalte, und daß 3. die Pro-Palästina- Verbindung mit Ausschluß der allbekannten Keren-Kajemeth- Büchsen neue Büchsen in Anwendung bringe, erschienen unannehmbar. Der Zionistische Verband zog im Herbst auch den hier weilenden Direktor der Jerusalem er Kereu-1 lajessod-Zcntralc, Dr. A. H a n t k e, in die Verhandlungen ein, der aber nach seiner Besprechung mit Hofrat Stern feststellte, dali infolge des starren Standpunktes der Gemeinde ein Zusammenarbeiten unmöglich erscheine. So entstand die Idee der neuen Vereinigung. Wir sehen klar, daß die ausschließlichen lünkünfte der Vereinigung von den neu einzuführenden Büchsen erwartet werden, wegen deren Lizenz bei den Behörden die gehörigen Schritte bereits eingeleitet wurden. Hierzu sei bemerkt, daß die ministerielle Erlaubnis der KkT-Sammlungen seit Jahrzehnten von Jahr zu Jahr erteilt wird, dieses Jahr aber infolge unbekannter Umstände noch nicht erneuert w urde. Sclb-trc lend hat der Zionistische Landesverband sein Möglichstes getan, um die Lrlaubnis wieder zu erwirken, da ja die Regierung kaum zwei analoge Sammlungen erlauben dürfte und die Lizenz jener Büchsen den Tod unserer Keren-Kajemeth-Büchsen bedeuten wurde. Endlich sei noch erwähnt, daß die geplante neue Vereinigung nicht nur die Unterbringung der ungarischen jüdischen Jugend in Palästina in ihr Programm aufgenommen hat, sondern auch die Auswanderung nach anderen Ländern. In ihrem Aufrufe aber, den die Gemeinde in ihrem offiziellen Blatte veröffentlicht und zum Eintritt in den Verein auffordert, hielt sie es notwendig, zu erklären, die neue Aktion sei vollständig frei von Zionisten. Aus all diesem ist ersichtlich, daß die Lage der Zionisten in Ungarn keineswegs beneidenswert ist. Nichtsdestoweniger versichern wir jedermann, dali wir mit Ausdauer und Zähigkeit jeden Kampf aufnehmen, sowohl diesen, als in Frage der Wahfrcform. Dies die Wahrheit." Dr. A. F. Aus Bulgarien wird uns geschrieben: Eine „Liga der Freunde des KKL" ist in den Städten Sofia, Plovdiv, Rustschuk gegründet, in Varna die Gründung einer solchen Liga vorbereitet; damit gelang die Heranziehung von Erwachsenen zur Arbeit für den Kcren Kajemeth Lejisrael und die Gewinnung neuer Menschen und neuer Gcsellschaftsschichten für die zionistische Idee. Frau Dr. Else Bodcnhcimer- Btram, Haifa, hat außer dieser organisatorischen Leistung eine groß angelegte Aufklärung über die Situation in Palästina entfaltet. Es sind die den Unruhen entsprungenen Schäden, aber auch die dieser schweren Prüfungszeit folgenden Errungenschaften aufgezeigt worden: Hafenbau, Straßenbau, Wohnungsbeschaffimg für Flüchtlinge, damit Eingreifen der öffentlichen Hand in das Wohnungsproblem der minder bemittelten Schichten, Einstellung der jüdischen Hilfspolizisten, Gründung der „PASA" (Palestine Agricultural Settlemetit Association). Stärker noch als diese Einzeldinge wertet die Delegierte des KKL das Aufflammen eines neuen Siedllingswillens, der den Zug zur Stadt besiegt. Die Idee des Palästina-Aufbaus wurde in den Zionistischen Ortsgruppen, in den Kreisen der Wizo, der Logen, der Jugend gestärkt. Bella Gcrzowitz, Sofia Kultusgemeinde Wien im .Mifal Bizzaron" Bedauerlicher Tumult in der Kultusstube J.R., Wien, 3. Januar 1937 Am 28. Dezember trat der neue Kultusvorstand zu einer öffentlichen Plenarsitzung zusammen, in der über den von der „Union" eingebrachten Dringlichkeitsati trag wegen Anwendung des Proportionalsystems in den Vertretungskörperschaften der Kultusgemeinde, ferner über Bewilligung eines 20",oigcn Stcticrzuschlagcs für das abgelaufene Jahr 1936, der mit Rücksicht auf die großen Bedürfnisse für „Soziale Fürsorge" und der Mehrerfordernisse für die Winterhilfe zur Herabminderung des Defizites sich als notwendig erwies, schließlich — als dritten Punkt der Tagesordnung — die Bewilligung eines Budgetprovisoriums für die zwei Monate januar und Februar 1937 beraten werden sollte. Im Laufe der Sitzung kam es im Zusammenhang mit der Debatte über den unionistischen Dringlichkeitsantrag, für den sich auch die Vertreter der radikalen Zionisten und des „Arbeitenden Palästina" aussprachen und stimmten, zu überaus bedauernswerten, recht stürmischen Auseinander s e t z u n g e n, die in einen solchen stürmischen Tumult ausarteten, daß der Vorsitzende, Präsident Dr. Friedmann, die Sitzung unterbrechen mußte. Bei Wiedereröffnung der Sitzung wurde einstimmig ein Beitrag von 10 000 Schilling für Mital Bizzaron beschlossen. Der Antrag auf diese Beitragsleistung wurdle gemeinsam vom radikalziouistischen Vorsteher Dr. Leopold Plaschkes und den Vertretern des „Arbeitenden Palästina" eingebracht. Damit er noch im abgelaufenen Jahre seine Ver« abschiedung erfahre, mußte er als Dringlichkeitsantrag vorgebracht werden. Der Antrag wurde von allen Mitgliedern, darunter die prominentesten der unionistischen Vorstandsfraktion, unterzeichnet. In den Tagen, da ein in seinert Auswirkungen noch unabsehbarer Konflikt innerhalb der Gemeinde eine weitere Verschärfung erfuhr, ist ein solcher Beschluß, der der Palästina-Arbeit in Wien auch in den nichtzionistischen Kreisen ein neues Feld eröffnet, aufs wärmste zu begrüßen. Er zeigt deutlich, daß es auf der unverrückbaren Plattform der Palästina-Arbeit auch in Wien noch Möglichkeiten der Zusammenarbeit aller jüdischen Parteien und Gruppen ohne Rücksicht auf weltanschauliche oder andere Differenzen gibt. Der Antrag auf Bewilligung eines Budgetprovisoriuni9 wurde mit den zionistischen Stimmen angenommen, während die Annahme des Antrages eines 20 "oigen Steuerzuschlages durch Exodus der Minderheit unmöglich gemacht wurde, so daß dieser Antrag von der Major i t ä t selbst zurückgezogen wurde. | Jakob Nußbaum"") In Kinereth, wo er seit drei Jahren eine neue Heimat gefunden hatte, ist Jakob Nußbaum gestorben. Mit ihm Ist ein großer Künstler, ein liebenswerter Mensch mit reichen Geistesgaben dahingegangen. Eine stolze und schöne Erscheinung, ein Mann, dessen gütiger Blick und dessen melodiöse Stimme, dessen ganzes lebensfrohes Temperament so beglückend wirkte, ist nach schwerem Leiden aus einem arbeitsreichen Leben geschieden. Mit ihm ist einer der bedeutendsten Impressionisten nach Liebermann und Lesser Ury allzu früh der Kunst und vielen Freunden in der ganzen Welt entrissen worden. Das Leben Jakob Nußbaums ist mit wenigen Worten wiedergegeben. Er war so ganz Künstler, daß eigentlich die äußeren Etappen ziemlich belanglos sind. Seine Kunst war ]hm Wegweiser, Inhalt und Ausdruck, sie bedeutete ihm Lebensbejahung und Lebensfreude. Er war eine Vollnatur, deren üestajtungswillc ihn zu schöpferischen Leistungen begabte, die einer reichen Quelle reinen Erkennens entströmten. Am 3. Januar 1873 in dem kleinen hessischen Orte Rhina geboren, studierte er von 1893—1899 an der Mimchcner Akademie und ließ sich dann in Frankfurt a. M. nieder, wo er bis zu seinem 60. Lebensjahr als einer der geschätztesten und beliebtesten Künstler wirkte. Weite Reisen führten ihn nach Tunis, Teneriffa, den Kanarischen Inseln, nach Aegypten und Palästina, dann wieder in die Schweiz und nach Holland. Die Verbundenheit mit der Natur trieb ihn immer wieder aus der Stadt, vor allem in den benachbarten Odenwald. Dort, an abgelegenen Winkeln suchte und fand er seine Anregungen. Die Gebirgswelt und das weite Meer, der nordische Winter in tiefem Schnee, später der sonnig leuchtende Süden lockten ihn zu intensivem Studium, dem er sich mit der Leidenschaft hingab, die nur dem Berufenen gegeben ist. Nußbaum war dazu berufen, die Welt künstlerisch darzustellen. Bereits in seinen Frühwerken ist die impressionistische Anschauung klar gezeichnet. Von vornherein geht er konsequent seinen Weg, dessen Linie bis zu seinen letzten Schöpfungen ansteigt. Ohne Pathos und Uebcrtreibung erstrebt er möglichste Vereinfachung und großzügige Malweise. Es geht ihm immer um einheitliehe Zusammenfassung und künstlerische Geschlossenheit. Alles ist ihm malerische Konzeption. Er entwickelt manchmal eine kühne Technik, die, zumal in den Hochgcbirgslandschaften, etwas Gewaltsames hat, die er aber immer meistert und sich daher erlauben darf. Er erzählt nicht, verliert sich nie ins Kleinliche, sondern erstrebt das Große und Monumentale. Sein ganzes Wesen war so sehr auf Verstehen und Erkennen abgestellt, das sich hinter großem Können versteckt und eine gewisse Abgeklärtheit bedingt. So wirken denn seine Werke unproblematisch und sind von restloser Klarheit. 1894 beginnt Nußbaum seine immer wiederholten Studien im Odenwald. Die Motive, meist einfache Naturausschnitte, bleiben sich in all den Jahren ziemlich gleich. Neben den Gemälden entstehen unzählige Zeichnungen, oftmals schnelle Naturskizzen, dann wieder sorgfältig durchgeführte Studienblätter, die mit besonderer Sachlichkeit das Geschaute notieren. Aber die aus diesen Uebungen geborenen Gemälde werden zu großgefaßten Visionen. So entstehen auch eine Reihe von Großstadtbildern von besonderer Darsicllungskraft und feinem Empfinden für die die Dinge einhüllende Atmosphäre. Zu seinen bekanntesten Darstellungen gehören einige Frankfurter Städfeansichten, die in winterlichen Schnee eingehüllten Straßen, der Schillerplatz und die Hauptwache. Sie sind von einem überzeugten Impressionismus, von wundervoller harmonischer Konzeption und leuchtend in den Farben. Es ist bezeichnend für Nußbaums Kunstanschauung, daß ihn besonders enge Beziehungen mit Liebcrtnann verknüpften. 1908 lernten sich die beiden in Nordwyk kennen und seitdem verband sie häufiges gemeinsames Studium in den Sommermonaten und eine dauernde Freundschaft. D]" beiden Meister haben viel Achnlichkeit miteinander. Wie in Liebermanns Schaffen das rein Kosmische im Mittelpunkt steht, so auch bei Nußbaum: die Welt in all ihren Erscheinungen, Mensch und Natur, möglichst unpathetisch zu ergründen. So muß man auch die Nußbaumschen Porträts bewerten, die den Menschen in seiner ganzen Individualität zu fassen wissen. Ein frühes Selbstbildnis von 1900 wirkt wie ein Stück klassischer Malerei. 28 Jahre später begegnet uns wieder ein Selbstbildnis, und wir konstatieren bewundernd den konsequenten Weg durch ein Menschenalter. Schließlich ist als eine der ganz großen Porträticistungen impressionistischer Malerei — eine unwillkürliche Parallele mit dem Sauerbiuch-Porträt Liebermanns drängt sich hier auf, da beide Meister zu demselben Resultat malerisch und individueller Konzeption gelangen — das Bildnis des Chirurgen Dr. Altschüler zu nennen. Nicht minder star'- als die Gemälde sind die Schvvarzweiß-Blättcr, virtuose Niederschriften a priori, klar in jedem Strich, kraftvoll in zusammengeballten Flächen, oftmals in ihrer eindringlichen Impression die Farbe und das Leuchten des Lichtes vortäuschend. Vor 13 Jahren kam Nußbaum zum ersten Male nach Palästina. Er war schon viel gereist und hatte große Eindrücke gesammelt. Hier aber entdeckte er etwas Neues: die unstillbare Liebe zu einem Fleckchen Erde. Und diese intuitive Liebe hat ihn zu Leistungen begabt, die über alles Zufällige die intimsten Geheimnisse der Landschaft wiedergeben und die nur der zu erfassen vermag, der mit ihr durch eine geheimnisvolle Zauberformel verbunden ist. Diese Zauberformel war das Heimatsgefühl, das ihm in dem wundersamen Winkel des Kincrcthsces aufging. Hierher zog es ihn wieder, hier wollte er in stillem Schaffen seine Tage verbringen und reinstes und tiefstes Ericben in seiner Kunst ausklingen lassen. Als er s. Zt. mit den Schöpfungen seiner ersten Palästina-Reise zurückkam, zeigte er diese Blätter, herrliche Aquarelle meisterlichen Könnens, mit stolzer Freude, denn er empfand es selbst, daß sie als die Frucht seines beharrlichen Studiums durch viele Jahre unter allen Himmelstrichen seine reifsten und innersten Leistungen waren. Und beglückt und wunschlos war er, als er nun vor einigen Jahren dort sich niederlassen konnte. Oftmals erzählte er mir von den ihn beseligenden Eindrücken dieser einmaligen Natur und seinen Plänen weiterer Arbeit, die er, deir immer Bescheidene und im stillen Sehaffende, abseits von allem Trubel unternehmen wollte. Er war nach seiner Rückkehr ins Land trotz seiner Jahre wieder jung geworden. Daß diese jugendfrische Kraft sich nicht mehr entfalten konnte, daß schweres Leiden ihn so bald erlahmen ließ, ist die Tragik dieses sonst so frohen, harmonischen und ausgeglichenen Lebens. Dr. Karl Schwarz (Tel-Awiw) Die Zahl der jüdischen Rechtsanwälte in Berlin Auf der Jahresversammlung der Gaugruppe Rechtsanwälte des Gaues Berlin des NSRB. am 11. Dezember 1936 sprach Gaugruppenwalter R.-A. Dr. Staege nach einem in der „Juristischen Wochenschrift" vom 4.'9. Januar 1037 veröffentlichten Bericht über die gesetzlichen Maßnahmen zur Behebung der Notlage der Anwaltschaft, der ganz besondere und allein von ihr zu erfüllende Aufgaben vorbehalten seien. Hierzu bemerkte Dr. Staege: „Die übergroße Zahl der noch bei den Gerichten Berlin zugelassenen jüdischen Rechtsanwälte — das Verhältnis der arischen und jüdischen Bevölkerung Berlins, ist 16 zu 1, dasselbe Verhältnis bei der Anwaltschaft 2 zu 1 — erschwere jede generelle Regelung bezüglich der Zulassung der Anwaltschaft als Vertreter von Behörden und Partcidienststellen." _________ Das Toscanini-Konzert im Radio New York, 31. Dezember. (JTA.) In ganz Amerika, hörten viele tausende Rundfunkteilnehmer die Uebertragung des To scanin i -Konzerts aus dem Edison- Theater in Jerusalem. Zahlreiche jüdische Verbände organisierten Zusammenkünfte zum gemeinschaftlichen Abhören des Konzerts. Der Empfang war ausgezeichnet. Die zweiwöchige Tagung des Landesrats der Hadassah wurde unterbrochen, um den Teilnehmern das Hören des Konzertesi zu ermöglichen. Nach Beendigung der Sendung beglückwünschte die Hadassah telegraphisch Toscanini und Huberman. Wie aus Warschau gemeldet wird, ist das Jenisalcmer Konzert in Warschau am 30. Dezember um 20.50 Uhr von vielen Radio-Empfängern aufgefangen worden. Vorträge Ober „Das Judentum in der Wissenschaft" art der Universität München. Der NSD.-Dozenten-Bund und der NSD.-Studenten-Bund Gau München-Oberbayern veranstalten an der Münchener Universität einen Vortragszyklus „Das Judentum in der Universität". Es sind folgende Themen angekündigt: Dr. Mikorey, „Das Judentum in der Kriminalpsychologie''; Dr. Dinglcr. „Jüdische Naturwissenschaft?"; Dr, Gürkc, „Jüdische Staatstheorien"; Dr. Grunsky, „Der Einbruch das Judentums in die Philosophie"; Dr. Thüring, „Physik und Astronomie in der Hand des Juden"; Dr. Schärnke, „Das Judentum in der Biologie"; Dr. Vogel, „Was haben die Semiten in Altertum und Mittelalter zur Entwicklung der Mathematik beigetragen?" Schelk Arslan in Jugoslawien. Uns wird geschriebem Die „Jüdische Rundschau" brachte unlängst eine Nachricht über die arabische Propaganda in Jugoslawien unter den jugoslawischen Muselmanen. Wir sind heute in der Lage, nähere Einzelheiten über den Aufenthalt und die Aktion Schehib Arslans in Jugoslawien zu berichten. Arslan hielt sich in Jugoslawien über sechs Wochen auf und besuchte außer Sarajewo noch mehrere andere Städte, in denen Muselmanen in einer größeren Anzahl leben. Ueberall traf er die nationalen und besonders die religiösen Führer. Arslan konnte sich den jugoslawischen Muselmanen leicht annähern, da er als Exponent der antireformistischen .Bewegung gegen Kemai Attatürk auftrat und die jugoslawischen Muselmanen zu den konservativsten Muselmanen gehören. Sie sind deshalb auch erbitterte Gegner der Neuen Türkei. An den religiösen Konservativismus anknüpfend, versucht nun Emir Arslan überall in der Welt die Muselmanen zu einer festen Organisation zu vereinigen, die dann allerdings auch zu poliH tischen Zwecken ausgenützt werden würde. Die Herd- und Aus Wanderungsabteilung der Firma Hirsch Schuster wird ab 31. Dezember unter der Fiima „Hamburger & Metzger", Mannheim, F 3, 21 geführt. Die Inhaber sind die gleichen wie seither bei der Firma Hirsch Schuster. Die Eisen Warenabteilung geht ab 31. Dezember unter der Bezeichnung „Hirsch Schuster Nachf. Inn.: Gottlieb Joos" in arischen Besitz über. s

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