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Jüdische Rundschau · 1937-01-05 · Heft 1 (5.1.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 1 (5.1.1937)
Date
1937-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 1, 5.1.1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Keren Hajessod in Deutschland Rückblick und Ausblick Von Dr. Michael T r a u b Die Fülle der sich im jüdischen Leben überstürzenden Ereignisse lälit eine noch kaum entschwundene Gegenwart einer raschen Vergessenheit anheimfallen. An der Wende zweier Arbeitspensen ist es indessen von Wichtigkeit, Rückschau zu halten und sich die Etappen der Entwicklung zu vergegenwärtigen. Die Sonderaktion des Keren Hajessod gibt Anlaß, die Tätigkeit zu überprüfen, die er in Deutschland bis jetzt geleistet hat und im Zeichen der letzten Ereignisse in Palästina weiter leisten wird. I. Die Zionistische Organisation stand in dem Augenblick, als sie mit dem Ausgange des Krieges den langersehnten trfolg erzielte, den praktischen Möglichkeiten, die sich für eine Kolonisation in Palästina eröffneten, fast hilflos gegenüber. Ideale und Zweckmäßigkeitserwägungen kämpften miteinander, und übersteigerte Hoffnungen kennzeichneten in jenen Jahren die mannigfachen Auseinandersetzungen über den Aufbau Palästinas, die die Zionistische Organisation bewegten. Der Beschluß der Londoner Jahreskonferenz, den Palästina -Grundfonds (Keren Hajessod) zu schaffen, um dem werdenden Nationalheim die feste Grundlage einer breiten landwirtschaftlichen Siedlung zu geben, wurde zum Gegenstand heftiger ideologischer Diskussionen. Gelegentlich des 80. Geburtstages von Louis D. Brand eis ist darauf hingewiesen worden, wie die Heftigkeit jener Auseinandersetzungen, namentlich in Amerika, psychologischen Motiven entsprang, die in der Zwischenzeit eine weitgehende Wandlung erfuhren. Trotz dieser innerzionistischen Kämpfe, die die Palästina-Bewegung innerhalb des amerikanischen Judentums viele Jahre hindurch spalteten, entsprach die Gründung des Keren Hajessod einer inneren Notwendigkeit. Gerade in Amerika bekannte sich in jenen Jahren die jüdische Welt in unvergessenen Kundgebungen und beispielhafter Opferbei eitschaft zum Gedanken des Palästina-Aufbaus, und in Deutschland war es unter der Parole des Keren Hajessod zum ersten Male gelungen, bedeutende Persönlichkeiten der nichtzionistischen Judenheit für eine positive Mitarbeit am Palästina-Aufbau heranzuziehen. In der klaren Erkenntnis, daß trotz Ba!four-Dcklaration und Palästina-Mandat das jüdische Volk bei der kommenden Aufbauarbeit vorwiegend auf seine eigenen Kräfte angewiesen sein wird, wandte die Zionistische Vereinigung für Deutschland dem Keren Hajessod vom ersten Augenblick seines Bestehens an besondere Aufmerksamkeit zu. Sic stellte damit unter Beweis, daß der Zionismus eine Idee mit fordernder und verpflichtender Kraft ist, die auch in materieller Hinsicht sich bewähren muß. Daß fortan gemäß den Beschlüssen aller Delegiertentage eine M a a s s c r pflicht für Zionisten bestand, deren Höhe nach festgesetzten Richtlinien jeweils ersichtlich war, gab der ZVfD. erst das moralische Recht, an die Nichtzionistcn heranzutreten. Das Vorbild der Zionisten, die den Keren Hajessod trugen, übte eine moralische Anziehungskraft auf eine ständig sich erweiternde nichtzionistischc Peripherie aus, die in ihrer Mitwirkung am Palästinawerk eine positiv-jüdische Leistung erblickte. Als dann die Zionistische Organisation im Jahre 1929 durch Hinzutritt namhafter nichtzionistischer Gruppen und Körperschaften sich zur Jewäsh Agency im Sinne des Mandats erweiterte, war es in Deutschland nicht schwer, gestutzt auf den Kreis der um den Keren Hajessod sich gruppierenden Menschen, die nötigen organisatorischen Veränderungen vorzunehmen. Sie entsprachen einem durch die Ideenpropaganda des Keren Hajessod, deren vornehmster Träger Kurt B I u m e n f e 1 d war, längst angebahnten Gesinnungswandel weiter Kreise der Judenheit in Deutschland. Diese Palästina-Gesinnung fand ihre Bestätigung in dem Ergebnis der Aktion „Hilfe durch Aufbau", in der 1929 nach den arabischen Unruhen die Judenheit der Welt ihren unerschütterten Palästina-Willen eindrucksvoll dokumentierte. Die schwere Krise, die das deutsche Wirtschaftsleben nach 1929 erfaßte, machte sich in der Arbeit des Keren Hajessod empfindlich bemerkbar. So brachte das jüdische Jahr 5692 (1931/32) gegenüber 5689 (1928 29) einen Rückgang von nicht weniger als 58,6 o/o. Daß eine rückläufige Entwicklung aber für die Wirkungsmöglichkeit einer nationalen Parole, für die Ueberzeugtingskraft einer konstruktiven Idee nicht ausschlaggebend ist, bewies der Wiederanstieg der Einnahmen, der seit dem Jahre 1913 zu verzeichnen ist. Die tiefgehende Erschütterung, die die Judenheit in Deutschland im Jahre 1933 durchmachte, hat ihre Einstellung gegenüber dem Palästina-Aufbau und der Forderung des Keren Hajessod entscheidend verändert. Obwohl gerade diejenige Schicht, die bis 1933 den Keren Hajessod mit allen Kräften gestützt hatte, die Schicht der zionistischen Akademiker, in ihrer wirtschaftlichen Potenz weitgehend getroffen war, obwohl eine sehr große Zahl bewährter Mitarbeiter und Beamter des Keren Hajessod den Weg nach Erez Israel antrat, obwohl, ganz allgemein betrachtet, das wirtschaftliche Leistungsvermögen der .Judenheit in Deutschland gegenüber der früheren Zeit beträchtlich abnahm, konnte der Keren Hajessod während der letzten Jahre fortdauernd den Aktionsradius und die Wirksamkeit seiner Bemühungen vergrößern. Setzen wir die Kcren-Hajessod-Eingänge des lahres 5692 (1931/32) mit 100 ein, so ergibt sich folgendes Bild: 5692 (1931/32) 100 5693 (1932/33) 107 5694 (1033.04) 155.3 5695 (1934/35) 183,5 5696 (1935/36) 310,7. Während sich die materiellen Kräfte der Judenheit in Deutschland veminderten, hat sich ihre Bereitwilligkeit, am P a I ä s t i n a - A u f b a u teilzunehmen, um ein Vielfaches erhöht. Setzen wir in unsere Aufstellung noch das Jahr 5689 (1928 29), das einstige Rckordjahr, im Verhältnis zum Jahre 5692 (1931/32) mit 241,8 ein, so ergibt sich, daß das neue Rekord jähr 5696 (1035 36), das jetzt hinter uns liegt, selbst gegenüber dem Jahresergebnis der Keren-Hak-ssod-Aktion „Hilfe durch Aufbau" noch eine weitere wesentliche Steigerung aufweisen kann. Deutlich tritt in dieser Entwicklung die Erscheinung zutage, daß die Masse der Judenheit in Deutschland zum Keren Hajessod als dem Finanzinstrument des Palästina-Aufbaus eine innerliche Beziehung gewonnen hatte, daß sie sich, trotz verminderter Leistungsfähigkeit, an der Aktion beteiligen wollte, von der sie den entscheidenden Beitrag zur Beantwortung des auch für sie akut gewordenen Judenproblcms erhoffen durfte. Der Name „Keren Hajessod" verlor seinen Fremdwort-Charakter; er wurde zum Symbol nationaler Selbsthilfe. II. Werfen wir einen besonderen Rückblick auf das nun abgelaufene Jahr 5696 (1935/36), das in seinem absoluten Ergebnis die bei weitem erfolgreichste Arbeitsperiode gewesen ist, die der Keren Hajessod seit dem Beginn seiner Arbeit in Deutschland verzeichnen konnte, so finden wir die für die letzten Jahre charakteristischen Entwicklungslinieu der Kercn-Hajessod-Arbeit vollauf bestätigt. In 4SI Orten in Deutschland, in denen der Keren Hajessod während dieses Jahres gearbeitet hat, haben Juden, die früher oftmals abseits standen, sich zu Palästina bekannt und ihren Willen, am Palästina-Aufbau teilzunehmen, durch einen Keren- Hajcssod Beitrag bekundet. Die im Durchschnitt des Jahres erzielte Erhöhung von 69,35 ",« konnte in vielen Städten, so in Stuttgart, München, Breslau, Essen, Karlsruhe, Wuppertal-Elberfeld u. a. sogar übertroffen werden. Auch an Orten aber, deren Steigerungs/iffer unter diesem Durchschnitt geblieben ist, so in Hamburg, Frankfurt a. M., Mannheim, Königsberg, Chemnitz, Düsseldorf, Dresden usw., muß das erzielte Resultat als sehr erfolgreich bezeichnet werden. Was war das Wesen einer Tätigkeit, die derartige Ergebnisse erzielen konnte? Die Beantwortung der Frage ist im wesentlichen damit gegeben, daß der Keren Hajessod seine Arbeit niemals lediglich als eine finanzielle Aufbringungsaktion angesehen hat. So gewiß der Keren Hajessod sich mit unverbindlichen Sympathien nicht begnügen konnte, so betrachtete er es doch immer als seine vornehmste Aufgabe, durch Aufklärung, sachliche Darstellung des Palästinawerkes, Auseinandersetzung mit allen Strömungen des jüdischen Lebens die Erkenntnisse zu verbreiten, auf deren Boden erst die Leistung erwachsen kann. Diese Propaganda, die der Keren Hajessod in Gemeinschaft mit der jewish Agency in zahlreichen Versammlungen und Zirkeln entfaltete, und durch die er allein im vergangenen Jahre viele Zehn tausende jüdischer Menschen erfaßte, erfüllte im jüdischen Leben in Deutschland eine sehr wichtige Funktion. Dank dem organisatorisch weiteren Rahmen, in dem die Propaganda des Keren Hajessod sich bewegte, führte sie große Teile der Judenheit in Deutschland zu Klarheit über die Judenfrage und zu dem Willen, unter Anspannung der eigenen Kräfte das Schicksal zu meistern. Die Lage der Judenheit in verschiedenen Ländern der Welt, die Formen der jüdischen Wandcrbcwegimg, die natürliche Verschiedenheit der Alijah nach Erez Israel von der Auswanderung nach Ucbersee — deren Bedeutung angesichts der Situation voll gewürdigt, deren Problematik vom nationalen Gesichtspunkt aus jedoch nicht verkannt wurde — der Sinn des Palästina-Aufbaus, die Licht- und Schattenseiten der Prosperity, die Notwendigkeit nationalen Kapitals für die Erweiterung des landwirtschaftlichen Sektors in Pa'ästina, seine Schrittmacherrolle für private Initiative im wirtschaftlichen Leben überhaupt, die Bedeutung der Normalisierung und Gesundung unseres nationalen Lebens, all das waren — in wenigen Worten der Erinnerung zurückgerufen — die Gegenstände, mit denen die Propaganda des Keren Hajessod sich beschäftigte. In steigendem Maße setzten sich daher die maßgebenden Organisationen der Judenheit in Deutschland für den Keren Hajessod ein. Nachdem der XIX. Zionistenkongrcß tind der Council der Jewish Agency im September 1935 in Luzcrn bestimmt hatten, daß die Ergebnisse der Keren- Hajessod-Aktion im wesentlichen der Zentralstelle zur Ansicdlungvon Juden aus Deutschland in Palästina zugute kommen sollen, hat die Reichs Vertretung in ihrer proerammatbchen Erklärung vom 22. September 1935 die Arbeit für den Keren Hajessod Frankreichs neue Kolonialpolitik Von unserem Berichterstatter K. P a r i s, 3. Januar Der Umbau der inneren Organisation des französischen Kolonialreiches, der durch die Aufgabe des syrischen Mandates und seinen Ersatz durch Allianzverträge eingeleitet wurde, wird jetzt von der französischen Regierung durch eine wichtige Reform in Algerien fortgesetzt. Der französische Ministerpräsident Leon Blum hat die algerischen Vertreter im französischen Parlament zu sich gebeten und hat ihnen mitgeteilt, daß die französische Regierung zu Beginn des neuen Jahres eine Reform des Wahlstat utes in Algerien durchzuführen beahsich ig*. Bestimmte Ka'egoricn von Eingeborenen, die — trotzdem Algerien ein integrierender Bestandteil des Mutterlandes ist — bisher kein Wahlrecht zum Parlament hatten, werden jetzt in den französischen Wahlkörper aufgenommen werden. Etwa 23 000 Eingeborene werden durch diese Verordnung politische G I c i c h b c r c c h t i g u n g mit den französischen Kolonisten in Nordafrika erhalten. Diese Verordnung, die als der Beginn verschiedener anderer wichtiger Reformen in den nordafrikanischen Besitzungen angesehen wird, ist in den französischen Kolonistenkreisen und bei ihren französischen Vertretern auf Widerstand gestoßen. Man weist von dieser Stelle darauf hin, daß durch diese Verordnung die Wahlkörperschaft in Algerien um '/m crhöht würde, was erhebliche politische Konsequenzen haben könnte. Als bedenklich wird ferner angesehen, daß die Eingeborenen zwar politische Gleichberechtigung mit den Franzosen erhalten, aber gleichzeitig ihr religiöses und politisches Sonderstafut behalten/Das Sonderstatut der Eingeborenen sieht u. a. auch die Polygamie usw. vor. Die Regierung hat aber trotz diesen Widersprüchen die Absicht, auf ihrem Wege fortzufahren und weitere Reformen nach und nach in den nordarnkanischen Besitzungen vorzunehmen. So ist u. a. in einiger Zeit die Erteilung der Gleichberechtigung an weitere Eingeborenenkafegorieu beabsichtigt. Es sollen ferner einschneidende administrative Reformen vorgesehen sein, so die Aufhebung des bisherigen Generalgouvernements und sein Ersatz durch einen Oberkommissär, die allmähliche Beseitigung der administrativen Sonderstellung der Eingeborenen, z. B. durch Aufhebung der Direktion für Eingeborenen-Angelegenheiten und schließlich die wachsende Betei'igung der Eingeborenen an der lokalen Selbstverwaltung auf demokratischer Grundlage. Wie der „Temps" betont, laufen alle diese Maßnahmen aiif eine Angleichung der polnischen und rechtlichen Stellung der Eingeborenen an die der französischen Kolonisten hinaus und stoßen daher in diesen Kreisen auf besonders energischen Widerstand. Mit der Durchführung der algerischen Reform hat die von der Regierung geplante „demokratische Reform" der französischen Kolonialpolitik eine neue wichtige Etappe zurückgelegt. Diese neue Richtung der französischen Kolonialpolitik hat naturgemäß auch für die politische Entwicklung der Eingeborenen außerhalb der Grenzen des französischen Reiches erhebliche Bedeutung. Kolonialminister M outet hat ein herzliches Begrüßungstelegramm an den Senator Justin G o d a r t gerichtet, der sich zur Zeit im Auftrage der französischen Regierung aut einer Studienreise in den Kolonien befindet. Ziel dieser Reise ist, die sozialen Bedingungen der Eingeborenen-Arbeit zu untersuchen und Verbesserungen vorzuschlagen. Senator Godart, der sich jetzt nach Indochina eingeschifft hat, wird wahrscheinlich im April 1937 wieder in Frankreich eintreffen und dort von seiner Mission berichten. der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland als ein kardinales Erfordernis dargestellt. Eine große Anzahl von Gemeinden und Landesverbänden ist dem Rufe der Reichsvertretung gefolgt; der Keren Hajessod wurde immer mehr zur gemeinsamen Sache aller, denen eine festgefügte Zukunft des Judentums am Herzen liegt. III. Die friedliche Entwicklung des Aufbauwerkes in Palästina ist im letzten Frühling unterbrochen worden. Die Unruhen, die ein halbes Jahr anhielten und deren Auswirkungen noch jetzt spürbar sind, haben zwar eine an sich erstaunliche Solidität der jüdischen Wirtschaft bewiesen, andererseits aber auch Bedürfnisse und Notwendigkeiten geschaffen, die nur dann befriedigt werden können, wenn in erheblich vergrößertem Umfange nationales Kapital zur Verfügung steht. Die im Rahmen des außerordentlichen Budgets vorgezeichneten Arbeitsgebiete, wie die Verstärkung des Sicherheitswesens, der Bau von Häusern und Wegen, die Erweiterung der Anbaufläche für landwirtschaftliche Produkte, besonders für Gemüse, die Stützung der industriellen Erzeugung, der Bau der Mole von Tcl-Awiw u. a., sind Aufgaben von höchster aktueller Bedeutung, schaffen sie doch die wesentlichsten Vorbedingungen für den normalen Fortgang der Einwanderung und verbürgen sie im Falle ihres Gelingens die notwendige Sicherung und Konsolidierung des Aufbauwerkes. Die Sonderaktion des Keren Hajessod, vom Aktions-Comite der Zionistischen Organisation in Zürich und vom Administrative Committee der Jewish Agency in London beschlossen und proklamiert, wird daher in ihrem Endeffekt die weitere Gestaltung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina während des kommenden Jahres wesentlich beeinflussen. Konsolidierung und Festigung, aber auch weiterhin A n s i e d I u n g v o n Juden aus Deutschland in Palästina, sind die Losungsworte, unter denen der Keren Hajessod in diesem Jahre seine Arbeit in Deutschland durchführt. In noch stärkerem Maße als in den vergangenen Jahren wird es jetzt darauf ankommen, wie und in welchem Umfange die Judenheit in Deutschland dem Rufe ihrer maß gebenden Gremien, am Aufbau Palästinas teilzunehmen, folgen wird. Kennzcichncnderweise hat das Beispiel ihrer eigenen Opfcrbercitschaft unter den außerhalb D e u t s c h I a n d sieh e n d c n J u d c n Anfhaucncrgicn wachgerufen, die ihr selber zu Hilfe kamen. So sprechen die Ziffern des Palästinabudgets, das der Council for German Jewrv in London zugunsten der Abteilung für Ansiedltmg von Juden aus Deut-chiand in Palästina beschlossen hat, eine beredte Sprache. Die natürliche Andersartigkeit der Verhältnisse und Möglichkeiten inner halb der Judenheit Englands erlaubte allerdings dein Londoner Council weit höhere Summen aufzubringen, als es in Deutschland geschehen konnte. Dennoch besteht eine merkliche und lehrreiche Proportion zwischen diesen Summen und den Eingängen der Keren- Hajessod-Arbeit in Deutschland: Je starker die jüdische Gemeinschaft liier ihren Willen zu finanzieller Selbsthilfe bekräftigt, desto lebhafter wird außerhalb Deutschlands die Verpflichtung empfunden, diesen Willen durch eigene Einsatzbereitschaft zu stärken und zu fördern. Nicht zumindest wird aber diese Verpflichtung durch die Erkenntnis geleitet, daß die Sammlungen der nationalen Fonds in Deutschland beute nicht mehr einem materiellen Ucberfluß der jüdischen Bevölkerung entsprechen, sondern vielmehr ihren Willen dokumentieren, die Verbundenheit mit Palästina durch materielle Opfer zu erhärten. Welt-Rundfunkgespräch jüdischer Frauen London, 30. Dezember. (JTA.) Der National Council for Jewish Womcn of America veranstaltet am 11. Januar ein W e 11 - R u n d f u n k g c s p r ä c h jüdischer Frauen, an dem führende Persönlichkeiten verschiedener Länder teilnehmen werden. Ais Thema wurde „Die Stellung der Frau in der Welt" gewählt. Jede Rednerin erhält eine Redezeit von drei Minuten. Die Aneinanderreihung der Ansprachen aus London, den Vereinigten Staaten, Kanada, Paris, Amsterdam, Stockholm, Prag, Italien und Polen ist vorgesehen. Als R e d n e rinnen sind angemeldet die Vorsitzende des tschechoslowakischen Frauenrats, Frau Plaminkova, Miß Winifred Kycld, Dekan an der I rauenuniversität Kanadas und Delegierte hei der Friedenskonferenz, die Tochter des früheren schwedischen Ministerpräsidenten, Frau Branting-Wcstersthal, die französische Unterstaatssekretärin für Erziehungswesen, Madame Brunschvig, die Vorsitzende des jüdischen Hilfskomitees in Amsterdam, Frau van Tmyn, und schließlich drei Rednei innen aus London: die Pianistin Miß Harriet (lohen, die stellvertretende Vorsitzende des National Council ot Jewish Womcn of America, Mrs. L, Franklin, und die Witwe des Schriftstellers Israel Zangwill. Palästinaauf dcrPariserWeltausstellung Von unserem Berichterstatter j K., Pari s, im Dezember i Die Betciligttng Palästinas an der großen Pariser Welt« ausstcllung, die im Frühjahr 1037 eröffnet werden wird, tritt jetzt in das Stadium der Verwirklichung. Ende dieses Monats wird der (irundstein zu dem P a I ä s t i n a - Pa v i 11 o n der Weltausstellung gelegt werden. Das Projekt des Pavillons stammt von dem palästinensischen Architekten Tamir, der als Sieger aus einem Ausschreiben des Ausstellungskomitees hervorging. Der Pavillon, der sich über zirka 900 qm ausdehnen wird, ist in einfachen modernen Formen gehalten. Die Beteiligung Palästinas an der Weltausstellung ist der Initiative des in Paris gegründeten Ausstellungskomitees zu verdanken, an deren Spitze Senator Godatt steht und das bei seinen Bestrebungen die Unterstützung der Jewish Agency gefunden hat. Dagegen hat sich die Palästinaregierung gegen eine offizielle Beteiligung an der Ausstellung entschieden. Die Vertretung Palästinas wird daher im wesentlichen die Leistungen der Juden Palästinas wiedergeben, und der Name wird „La Nouvelle Palestinc (Le Foyer National Juif)" lauten. Die Kosten werden auf zirka 900 000 bis 1 Million frs. angegeben, von denen allerdings wie bei allen Ausstellungen ein erheblicher Teil von dem französischen Staat zur Verfügung gestellt wird. Die restlichen Beträge sind bereits zum größten Teil durch private Sammlungen aufgebracht worden. Die Organisation der Ausstcllung in Palästina ist der Direktion der Levantc-Messe in Tcl-Awiw übertragen worden. Der Palästinapavillon wird vier Abteilungen aufweisen: den Ralfour-Saal, in dem die Probleme der Alijah dargestellt werden, den D i z e n g o f f - S a a I, der die Fortschritte von Industrie, Handel und Landwirtschaft zeigen wird; den B i a I i k - S a a 1, in dem die kulturelle Entwicklung Palästinas dargestellt werden wird, und schließlich den Edmond de Rothschild-Saal, der die palästinensischen Produkte enthalten wird. Im Rahmen der Ausstellung der Palästinaprodukte wilj das Komitee auch den Versuch einer B e - teiligung der arabischen Industriellen machen, doch steht noch nicht fest, ob diese sich zu einer solchen Teilnahme entschließen werden.

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