Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1937)
- Date
- 1937-01-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653626--30092-2684622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JODISCHF RUNDSCHAU * Nr. 1, 5.1.1937 Einwanderung nach Südafrika Seita 2 europäischen Ländern alle derartigen Bemühungen illusorisch machen würde. Selbstverständlich bleibt die Grundvoraussetzung bestehen, daß nicht ein allzu starkes Anwachsen des Druckes, der die jüdischen Menschen in Deutschland zur Auswanderung treibt, alle Möglichkeiten der Aufnahme in Palästina und den überseeischen Ländern übersteigt und damit den Apparat der konstruktiven Wanderungsregtilierung überhaupt stillegt. Andererseits darf auch nicht verkannt werden, daß sich gewisse Panikerscheinungen und eine oft unüberlegte leichtsinnige und gemeinschaftsschädlichc Art der individuellen Entscheidung deswegen auch heute noch wiederholen, weil jüdische Bevölkerungsschichten, die sich bis jetzt nicht den Auswanderungsproblcmen gegenübergestellt sahen, nunmehr plötzlich in die Situation geraten. Berufsproblem und Schale Aus demselben Grunde ist es notwendig, das Programm der Berufsuni Schichtung, das sich bei den Sachverständigen vollständig durchgesetzt hat, im jüdischen Publikum immer wieder zu vertreten, weil immer noch zu viele Juden glauben, es genüge, eine Fahrkarte nach einem fremden Land zu lösen, um dort ungefähr so weiter leben zu können, wie man es hier gewohnt war. Wenn es bei Erwachsenen hierbei Ausnahmen von der Regel gibt, weil besondere Berufskenntnisse, insbesondere wenn sie sich mit Sprachkenntnissen verbinden, doch in vielen Fällen für eine neue Existenzgründung ausreichen, so ist das Berufsproblem der jüdischen Jugend eindeutig charakterisiert. Wenn wir allerdings die Hauptschwierigkeit bisher darin sehen mußten, daB die jüdische Jugend fast keine Aussichten mehr besaß, innerhalb Deutschland in das Berufs- und Erwerbsleben eingegliedert zu werden, so haben sich im abgelaufenen Knienderjahr diese Schwierigkeiten noch dadurch vermehrt, daß zur Bcrufsnot die A u s b i 1 d u n g s s c h w i e r i g k e i t e n hinzugetreten sind. Immer mehr hat sich die Möglichkeit der individuellen Berufsausbildung, insbesondere in nichtjüdischen Betrieben, vermindert. Um so stärker ergibt sich daraus die Notwendigkeit, für zentrale besonders hierfür geschaffene jüdische A u s b i 1 d u n g s s t ä 11 e n zu sorgen, was freilich die Kosten erheblich erhöht. Das Jahr löio war ein Jahr der Experimente auf diesem (iebiete. Neuntes Schuljahr, Berufsvorlehre, Grundlehre und Mittlerenhachscharah sind die verschiedenen nicht immer klar voneinander abgrenzbaren Bezeichnungen für die verschiedenen Typen der Lösung des Problems. Im Jahre 1937 wird auf Grund der gesammelten Erfahrungen ein systematischer Aufbau aller der Einrichtungen zu erfolgen haben, die eine Versorgung der jüdischen Jugend im Alter von 14—17 Jahren in erzieherischer und beruflicher Hinsicht gewährleisten. Es ist klar, daß die dabei zur Auswirkung kommenden Tendenzen auch das G e s a m t p r o b I e m der jüdischen Schul e, freilich auch die Situation derjenigen jüdischen Schüler, die sieh (noch) in nichtjüdischen Schulen befinden, berühren. Hier liegt vielleicht der schwächste Punkt in unserer jüdischen Gemeinschaftsarbeit überhaupt. Es ist besser, sich darüber klar zu werden, als sich Illusionen zu machen. Die Aufgabe, eine jüdische Jugend so zu erziehen, daß sie auf sich gestellt, in neuen Ländern der Aufgabe gewachsen ist, als Juden zu leben, und mit allen beruflichen, sozialen und kulturellen Problemen fertig zu werden, die sich aus der neuen L ebeussituation ergeben, ist fast unlösbar. Insbesondere kann ein Judentum, das sich über die Unzulänglichkeit seines jüdischen Eigenlebens doch mehr oder weniger klar sein muß, kaum in wenigen Jahren jenes Höchstmaß an jüdischer pädagogischer Energie aufzubringen, das hierzu nötig wäre. Erkennt mau dies, so ergibt sich freilich eine Konsequenz, die mit manchen pädagogisch-technischen Erwägungen der letzten Zeit unvereinbar ist. Dann kann ein Programm bewußter Judaisienmg und Hebraisicrung keineswegs für den Teil der jüdischen Jugend reserviert werden, der bewußt den Weg nach Palästina wählt, während der andere Teil der jüdischen Jugend für Uebcrsee mit englischen und spanischen Kenntnissen ausgerüstet werden soll." Dann muß erkannt werden, daß neben den unerläßlichen Kenntnissen der Landessprachen gerade die intensive Pflege des Hebräischen gerade auch für denjenigen Teil der jüdischen Jugend erforderlich ist, der nur durch sie den jüdischen Standort und die Verbindung mit den kulturellen Kräften der jüdischen Welt gewinnen und behalten kann. Neue and alte Siedlungsprojekte Die Aktualität dieser Frage ergibt sich insbesondere daraus, daß im abgelaufenen Kalenderjahr die ersten Versuche zu verzeichnen sind, neben die Einzclwanderung nach Uebcrsee die Planung bestimmter G r u p p e n w a nderungen und Gruppensiedlungen zu setzen. Neben die Siedlungsversuche, die auf dem Boden der ICA begonnen wurden, treten als halbfertige und in ihrer definitiven Gestaltung noch nicht genau übersehbare Pläne das Projekt in Parana, vielleicht auch Vorhaben in Cypern und — allerdings in einiger Feme noch — Projekte in Australien und Neuseeland. Palästina, das im Vorjahre für chaluzische Einwanderung in dem bereits dargelegten Samuel-Plan eine neue Form der Einordnung entwickelt hat, wird im kommenden Jahre hoffentlich trotz der zur Zeit noch ungelösten politischen Spannung einen weiteren Beitrag auf dem gleichen Gebiete leisten können. Die für das Winterhalbjahr 1930/37 auf die deutsche Quote entfallenen 200 Hachscharah-Zertifikate, die ja ebenfalls aus dem großen Councilbudget finanziert werden, sind ein weiterer Vor einer Neuregelung Die „Frankfurter Zeitung" vom 3. Januar veröffentlicht einen Bericht aus Kapstadt über die gesetzliche Neuregelung der Einwanderung nach Südafrika, die vorbereitet wird. Nach einem Hinweis auf die Diskussionen, die in Südafrika über die jüdische Einwanderung aus Deutschland geführt wurden, heißt es in dem Bericht u. a.: ..Die Keyu-iuiig mutite also, wölk« sie nicht auf diesem heiklen Ovbietv (Irr „Malaniien" (den von Dr. Malan geführten oppo- «üunellen Nationalisten. Kfd. der „J.K.") die Initiative überlassen, •sich zu neuen Maßnahmen in der Frage der EinwaiKlerung»polilik entschließen, die nun aber nicht mehr, wie die bisherigen Anordnungen, lcdi|;Ii< Ii veiwaltiing-lcchmschcr Natur, sondern grundlegend und Reetze ändernd sein werden. Die neue Vorlage wird, das ist bereits sicher, als erste und wichtig.te im Parlament zur lieratung kommen, l'eber ihren Inhalt wird noch völliges Schweigen bewahrt, die Ocffemlichkcit ist lediglich auf Vermutungen angewiesen, und zwar an Hand der über dieses Thema in der letzten Zeit gehaltenen Ministerreden. Gerade auf dem Höhepunkt der Diskussionen in Versammlungen und Presse trat ein für diese Frage nicht unbedeutsamer Minister Wechsel ein: Der bisherige Innenminister 11 o fnieyr gab dieses Amt — unter Beibehaltung seiner sonstigen Ressorts — ab, um als Nachfolger des als erster Südafrikaner zum Generilgouvcrncur et nannten Ministers Patrick Dinican da* Hergbauwescn zu verwalten. Der neue Innenminister, S t u 11 a f o r d, betonte in einer Rede, dal! Südafrika keineswegs zum äaminclltcrken für in anderen Ländern unerwünschte Kiemente werden dürfe. In .seinem Wahlkreis Smilhfield im Oranje-KrcUtaat erklärte Ministerpräsident. General liertzog — der an dieser Stelle regelmäßig vor l'arlnmentsbeginn programmatische Ausführungen vor seinen Wählern macht —, die Union werde künftighin die Einwanderung nach dem Gesichtspunkt neuregeln, daß der Neuankömmling nach E r z i e h u n g, Charaktereigenschaften und 15 e - ruf auch einen wirklichen Zuwachs lür das Land bedeute. Sowohl Hertzoj; als auch —. bei anderer Gelegenheit — General Smuts versicherten, daß irgendeine Diskriminierung bestimmter Einwanderer- Elemente durchaus nicht beabsichtigt sei, sondern daB Südafrika sich lediglich gegen eine Ucbersetzung einzelner Berultgruppen schützen und solche Einwanderer fernhalten wolle, die unter Berücksichtigung der genannten Voraussetzungen kulturell nicht In die Südafrikanische Union hineinpaßten. Wie die hier angedeuteten Richtlinien praktisch durchgeführt werden sollen, i^t noch nicht bekannt. Man kann nur annehmen, daß die c Neiucgclung die Einführung des allgemeinen V i s u m z w a n g e s bringen wird, der ja für die der Kontingentierung unte:liegenden Östlichen europäischen Länder schon seit einigen Jahren besteht. Die Prüfung des Einwanderungslustigen auf die Erfüllung der erwähnten Anforderungen könnte nur vor Antritt Beitrag zu einer neuen Lösung des Problems, wie bei allgemein sinkender Zertifikatsziffer die Quote der jüdischen Einwanderer aus Deutschland absolut gehalten werden kann. (Im Jahre 1930 ist die jüdische G e s a m t einwanderung gegenüber 1935 auf die Hälfte gesunken, dagegen die jüdische Einwanderung aus Deutschland nicht nur nicht gefallen, sondern wahrscheinlich um ein geringes gegenüber dem Vorjahre gestiegen.) Als drittes Problem für die Palästina-Wanderung bleibt für das beginnende Jahr die Mittelstandswanderung und Mittelstandskolonisation, für die vielleicht die noch unausgenutzte dritte Sparte des Samuel-Budgets nutzbar gemacht werden kann. Soziale und Organisatioi»»fragen Die Ucbertragung der Aufgabe der AX^interhilfe an die jüdischen Instanzen hat in gewissem Umfange dazu beigetragen, unsere Gemeinden und Gemeincleverbände davor zu bewahren, daß das Problem der jüdischen Wohlfahrtsleistungen vorschnell sich zu einem alles erdrückenden und unlösbaren Gcsamtproblem ausgeweitet hat. Die geglückte Mobilisierung erheblicher Mittel hat zweifellos dazu beigetragen, die Last der Altershypothek, die infolge der bekannten Altersgliederung der Juden in Deutschland auf der jüdischen Gemeinschaftsarbeit lastet, zunächst abzumindern. Freilich darf nicht einen Augenblick verkannt werden, daß das Problem der F i n a n z e n t w i c k I u n g die ernsteste Sorge jeder auf etwas längere Sicht geplanten jüdischen Gemeinschaftsarbeit bleibt. Wenn wir hier nicht eines Tages vor einer außerordentlich schwierigen Situation stehen wollen, dann müssen in einer relativ noch zur Entscheidung geeigneten Situation die notwendigen Entschlüsse gefaßt und in die Praxis umgesetzt werden. Der jetzige Aufbau des Organisationsapparates wird bei einer stärkeren Probe auf die finanzielle Tragfähigkeit nicht zu halten sein, denn allzu sehr widerspricht die Tendenz zu immer stärkerer Kooperation auf den verschiedensten Gebieten der bislang eifersüchtig festgehaltenen Autonomie der Gemeinden, insbesondere hinsichtlich ihrer Etatgestaltung und Finanzplanung. Das Jahr 1936 hat durch die Vereinfachung des organisatorischen Aufbaus im Zuge der Aufsaugung der kleinen norddeutschen Landesverbände durch den P r e u ß i's c h e n Landesverband zweifellos einen erhebliehen Fortschritt gebracht. Aber es gibt doch zu denken, wenn manche Kreise diesen Zusammenschluß so auswerten möchten, daß durch einen sehr groß gewordenen Preußischen Landesverband, dem vielleicht auch die Süddeutschen Verbände mehr oder weniger freiwillig angeschlossen werden könnten, die Reichsvertretuttg eigentlich überflüssig gemacht worden sei. VC'tr müssen zweifellos statt der bisherigen, wie sich zeigen wird aber meistens nur scheinbaren, Dreistufigkeit der jüdischen Gesamtorganisation (Gemeinde — Landesverband — Reichsvertretung) zu einer echten Zweistufigkeit (Gemeinde — Zentralinstanz) kommen. Man muß dabei freilich beachten, daß der Hauptteil der Arbeit der Landesverbände, insbesondere aber des Preußischen Landesverbandes, stufenmäßig gesehen, nicht unter oder gar über der Arbeit der Reichsvertretung He^gt, sondern n e - b e n ihr. Der Lastenausgleich für leistungsschwache Gemeinden, die Fürsorge für Bezirksrabbinate und -lehrer, die Lehreraus- und »einer Reise nach Südafrika, nicht abe« erst bei der Einreise in Kapstadt erfolgen, und diese Prozedur würde mit der Krtcilung oder aber mit der Verweigerung des Visums enden rnüs-eu: ein anderer Weg wäre schwer verstellbar. Einwanderer ou» (Junta-Landern mülS. ten schon immer bei den dipluniati.-chen Vertretungen der Union das Einreisevisum beantragen, das dann nur vom Innenministerium in Pretoria erteilt werden konnte. E., bliebe allenfalls noch die — in der Presse bereits angedeutete — Möglichkeit, eine neue Kontingentierung einzuführen, die sich nicht nur mit die Länder, sondern auch auf Hernie bezieht, um der l'cberfiiiluin; bc-timmter Hcrufs- »weige ein Ende zu machen, wie ck zum Beispiel jetzt auf dem Gebiete des Handels in der Union allgemein beklagt wird." Wie der Bericht weiter sagt, ist mit einer lebhaften Parlamentsdcbatte über die Vorlage zu rechnen, deren Durchbringung geraume Zeit dauern wurde. Die Zahl der Juden in Südafrika Zur Richtigstellung übertriebener Angaben, die in der judengegnerischeu Presse erschienen sind, teilt die offizielle Vertretung der südafrikanischen Judenheit, der South African Jewish Board of Dcputies, in einer Erklärung mit, daß es zur Zeit in Südafrika 05 000 Juden gibt, die etwa 4,75 o/o der Gesamtbevölkerung ausmachen. In der südafrikanischen Presse, so heißt es in der Erklärung des Board, sind jüngst völlig irrige und irreführende Zahlen über die jüdische Bevölkerung in Südafrika veröffentlicht worden. Es wurde erklärt, daß" die Juden 7 bis 7»'a °/o der europäischen Bevölkerung ausmachen, und demgemäß wurde die Zahl der jüdischen Bevölkerung mit 130 000 bis 140 000 berechnet. Die tatsächlichen Verhältnisse sind die folgenden: Die Ziffern der Zählung von 103t) sind noch nicht zusammengestellt worden. Nach höchst verläßlicher Schätzung der natürlichen Vermehrung und nach den amtlichen Einwanderungszahlen beträgt die Zahl der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1036 etwa 95 000. Dies macht knapp 4,75 der g.-iamten jetzigen europäischen Bevölkerung von etwas über 2 Millionen Seelen aus, gegenüber 4,25 «/« bei der Zählung von 1.126. Nicht weniger übertrieben und irreführend, heißt es zum Schluß, sind die Behauptungen über den Umfang der jüdischen Einwanderung. Tatsächlich zeigt die offizielle Statistik, daß in den fünf Jahren bis Dezember 1035 die Einwanderung von Juden aus allen Ländern insgesamt durchschnittlich 007 Personen jährlich umfaßte. Richtig ist es, daß 1036 die Zahl der Einwanderer aus Deutschland stieg und im Oktober ihren Höhepunkt erreichte. Doch ist dies darauf zurückzuführen, daß am 1. November d. J. die neuen Einwanderungsvorschriften in Kraft getreten sitid. -fortbildung und alle sonstigen Aufgaben sind in die Arbeit einer einheitlichen Zentralinstanz einzuordnen, wenn es gelingt, die sich aus der staatsrechtlichen und finanzrechtlichen Sonderstellung der Süddeutschen Verbände ergebenden Probleme sachlich zu sehen und sinnvoll einzubauen. Gerade die Aufgabe des Lastenausgleiehs drängt zu einer gemeinschaftlichen Lösung, da nicht einzusehen ist, warum dje hessischen Gemeinden schlechter und manche süddeutsche Gemeinde besser dastehen sollen, als der Durchschnitt der preußischen Gemeinden. Andererseits ist das Problem des Lastenausgleichs für die schwachen Gemeinden nicht die einzige Aufgabe. Immer stärker ist zu spüren, daß eine Planmäßigkeit der jüdischen Binnenwanderung nicht zu erzielen ist, wenn nicht neben den von jüdischer Seite unabhängigen Faktoren auch die außerordentliche Differenzierung der jüdischen Steuerlasten in gewissem Umfange ausgeschaltet werden kann. Dieses Problem ist freilich im Reichsmaßstab nicht zu lösen, weil die wirtschaftlichen und sonstigen Bedingungen in Aachen andere sind als in Königsberg, in Oberschicsien andere als in den Hansestädten. Aber für gewisse regional einheitlich zu beurteilende Gemeinden könnte sehr wohl eine gleichmäßige Ansetzung des Steuersatzes dazu führen, daß eine unerwünschte Binnenwanderung gerade der leistungsfähigen Steuerzahler, wenn auch nicht ausgeschaltet, so doch erheblich abgemindert wird. Hieraus würde sich eine sinngemäße Dezentralisierung ergeben, die allerdings nur durchgeführt werden kann, wenn die Frage des Zusammenschlusses und seiner Grenzen als politische Maditfrage empfunden wird. Der vorläufige Abschluß des organisatorischen Aufbaus der Reichsvertretung durch die Bildung des Rates bei der Reichsvertretung wird hoffentlich dazu führen, daß auch diese Fragen im laufenden Jahre einer befriedigenden Lösung nähergebracht werden können. Auch wenn uns das Jahr 1937 „nichts Neues" bringen sollte, so mufi es uns, wollen wir der Forderung des Tages Genüge tun, doch schon aus der uns gestellten Aufgabe so viel Neues bringen, daß nur die ernste Entschlossenheit aller uns befähigen wird, der Aufgabe des Jahres 1937 gerecht zu werden. Regxerungskommissar für die Warschauer Gemeinde Amtlich wurde noch vor Jahresbeginn in Warschau bekanntgegeben, daß der Vorsitzende des Verbandes jüdischer Händler, Mauricy Meisel, am Montag, dem 4. Januar, die Leitung der Warschauer Jüdischen Gemeinde als Regierungskommissar übernehmen wird. Gleichzeitig wird ein zweigliedriger Beirat eingesetzt. Das Warschauer Stadtpräsidiuni hat die Versendung von Geheimzirkularen an die Leiter und Lehrer der Abendschulen für Erwachsene angeordnet, deren Schüler sich in letzter Zeit an judcnfeindlkhen Ausschreitungen beteiligt haben. Jüdische Passanten, die bei diesen Schulen vorbeikamen, wurden immer wieder überfallen und schwer mißhandelt. In dem Rundschreiben werden die Schulleiter und Lehrer persönlich dafür haftbar gemacht, daß sie alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel anwenden werden, um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern. Hauptsehriftleiter: Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin - Chorlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenitein, Berlin W 15 AnzfiKcnleitcr und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i o n, Berlin W 18. Gültig Anzeigen Preisliste 6 vom i. April 1936. Verlag und Anxeigenveiwaltung« IQdiache Rundschau, Berlin W 15, Memekesu. MX D.A. Dezember 34 512. — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schöneberg. «