Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1938)
- Date
- 1938-11-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JDD1SCHE RUND SCHAU Nr. 89, 8. XI. 1938 Ein weiteres jüdisches Opfer Jerusalem, 5. November. Ein jüdisches Mädchen namens Edith Halberstadt wurde in der Nähe von Tel Isaac im Scharon getötet, tn der!Nähe von Jaffa wurde ein jüdischer Polizist verwundet. Gestern wurden zwei britische Soldaten in Nazareth leicht verwundet. In der Nähe von Bethlehem wurde ein britischer Soldat schwer verwundet. Ein Araber wurde in der Nähe von Dschenin erschossen. In Ramie wurde ein Teil der Postsache von arabischen Terroristen angeziindet. Jerusalem, 6. 11. Truppen führten heute ihre Durchsuchungen des ganzen Landes fort und verhafteten viele verdächtige Araber. Vier Araber wurden hei diesen Operationen getötet und einer verwundet. Brandstiftung im Haifaer Hafen Terroristen steckten gestern nacht die Zollspeicher im Haifaer Hafen in Brand, die das Eigentum der Levant Coinpanv sind. Das Feuer verursachte einen Schaden von etwa £P 60 000. ln der Stadt Haifa wurden britische Truppen aus einem vierstöckigen Gebäude beschossen. Dk Truppen stürmten das Gebäude, tim der Schützen habhaft zu werden. Fünf wurden gefangengenommen, einer wurde verwundet. Als Vergeltungsmallnahtue sprengten die Truppen das Gebäude in die Luft. Bewaffnete Araber überfielen am Sonntag das Postamt in Haifa und erbeuteten Goldbarren im Werte von 800 Pfund Sterling und einen Postsack mit Einschreibsendungen. In der Nähe der Stadt wurden Araber von den Truppen überrascht, als sie sielt an den Bahnanlagen zu schaffen machten. Drei Beschädigung an der Klagemauer J e r 11 s a 1 e m, 3. November. (Palcor.) Es wurde amtlich ntitgetcilt, da 11 ein Vertreter des \V.1ad Lcumi vergangenen Sonnabend, als er die Kl tigern au er nay 11 1!tägiger Abwesenheit Feuer gc>d1wär/t!' Eine''1 AnzahrGehdhüclu.'r^die^in 'einem anliegende:! Zimmer aufbewahrt wurden,^situi verbrannt worder Periode des Atisgehverbotes in der vergangenen Woche verursacht. Die Regierung erklärte in Beantwortung der Vorsteihingen des^ Oberrabbiiiats \vcgcn der Beschädigung der Klage- Es ist dringend zu wünschen, daf! die Untersuchung von seiten der Regierung oh ri e V er/11 g dureligefulirt wird. Das an der Klagcmaiicr ungestört zu beten, muß gegen jede Verletzung gewahrt werden. Je eher die Untersuchung Klarheit schafft, desto besser wird es sein. Wir hoffen, daß die Mandatsregierung alles tun wird, um eine erneute Gefährdung des Friedens zu verhindern, die bei der Empfindlichkeit der religiösen Gefühle infolge dieses Vorfalles leicht eintreten könnte. Es sollte jedenfalls alles dazu getan werden, um die an sich so geladene Atmosphäre Palästinas nicht mit einem neuen Zündstoff zu belasten, dessen Gefährlichkeit sich bei früheren Gelegenheiten erwiesen hat. Arabische Terroristen und USA Der arabische Terroristenführer Arif Abdul Razik hat einen offenen Brief an den amerikanischen Präsidenten Roosevelt und Staatssekretär Hu II gerichtet; in dem er sich gegen die Haltung der Vereinigten -Staaten in der Palästinafrage wendet. Er fordert sie auf, den Juden die das Judenproblem zu lösen, Amerika aber groß genug. Der Brief ersucht die amerikanischen Politiker, die Einmengung in die Palästinafrage zu mit erlassen, l at 1s dies nicht geschehe, würden alle arabischen .־Studenten aufgefordert werden, die amerikanischen Schulen und Universitäten zu verlassen, man werde die amerikanischen Waren boykottieren, alle amerikanischen^ Bauten in paläMina zerstören und das amerika- Arabische Vermutungen eine״ und die Juden vier Vertreter hauen. Fermer wurden fünf britische Mitglieder dem Rat angehören. Der High CornmissioiKT wurde den Titel ״Gen cralgoiivcriicur“ erhalten. Er soll in allen Fragen der Regierung ein Einspruchssollen "ständig 1״ einer ,\Vi 1ul e^r h JY t* voiwiiciit' n1ehr״<als einem I )ritte! tler Gesamt l>cv ölkerung bleiben. 1״. Selbstv er wal 111 ngs r e c 111 für Städte und Gemeinden; Verteilung einer britischen üendannenetruppe neben der örtlichen Polizei. 5 Eine langfristige Anleihe von fünf Millioticn Pfund für die Araber zur Unterstützung von Industrie und Landwirtschaft. 6. Nach Ablauf von zehn Jahren soll ein arabischer Bundesstaat unter britischer Schutz- Herrschaft errichtet werden, bestehend aus Palästina, Syrien, Transjordanien und evtl, dem Libanon. 7. Politische Amnestie und Freilassung aller politischen Gefangenen sowie Rückkehr der Verbannten und des Mufti von Jerusalem. Der ״Daily Express“ glaubt, daß <lie Araber auf dieser Grundlage zum Frieden bereit seien. Die britische Regierung sei bereit, die Forderung auf Wahl des ehemaligen Jerusalemer Mufti zum Kalifen zu unterstützen. (Bei diesem Bericht des ״Daily Express“ dürfte es sich um Kombinationen handeln, deren tatsächliche Grundlage die Wünsche arabischer Kreise sind. Red.) Von der Woche Aus Beirut wird gemeldet, daß die libanesische*! Hotels mit wohlhabenden Arabern überfüllt sind, die aus Palästina infolge des Druckes der Terroristen geflüchtet sind. Am Balfotir-Tage kam es in Beirut zu antijüdischen Unruhen in der amerikanischen Universität, als arabische Studenten, die streikten, jüdische Studenten überfielen, die die Vorlesungen besuchten. Polizei mußte herbeigeliolt werden, um die Unruhen zu beenden. Professor Michael Fekete, Professor für Mathematik an der Hebräischen Universität, wurde als Nachfolger von Dr. Weizmann zum Dekan der Fakultät für Naturwissen- *chaften ernannt. Jüdischer Lebensstandard‘ Die Frage des Lebensstandards der Juden in Palästina ist seit einiger Zeit wieder 111 Palästina zu einer der wichtigsten Fragen der Wirtschaftsdiskussion geworden. Einerscits wird die Frage gestellt, ob die Jüdische Wirtschaft den jüdischen Lebensstandard ertragen kann, d. h. mit ihm rentabel arbeiten kann, und andererseits wird argumentiert, daß der jüdische Nominallohn, d. 11. letzten Endes der Lebens- Standard, im Verhältnis zu Europa niedrig sei• Zweifellos ist die erste. Fragestellung von ausschlaggebender Bedeutung. Der jüdische Lebensstandard (und noch genauer das jüdische Preisniveau für Güter und Dienste lind der durchschnittliche Bedarf daran) ist wesentlich höher als der der Araber innerhalb oder außerhalb Palästinas. Es ist zweifelhaft, ob ein solch jüdisch-europäischer Lebens- Standard sicli im Orient auf die Dauer wird halten lassen, wenn man auf Dauersubventionen der jüdischen Wirtschaft verzichten will. Die Lohnkosten Der jüdische Nominallohn in Palästina ist erheblich höher als der arabische (und der Nominallolm ist von Wichtigkeit für die Flöhe der Produktionskosten). Nun wurde in dieser Stelle von ür. Kantorowitz argumentiert, daß nach dem letzten Zensus der jüdischen Industrie Arbeitslöhne nur 22,9׳ der Produktionskosten ausmachen. ״Insgesamt aber ist klar, daß die Lohn kosten mit nur 2310 von keinem erlieblichen Wert wären, wenn dadurch eine Senkung der Kosten herbeigeführt werden könnte. Eine etwaige Nominallohnsenkuiig von 2000 würde nicht mehr als eine Senkung der Herstellungskosten um 5 «0 ergeben.“ Diese Berechnung fußt auf einigen schwerwiegenden Fehlern: 1. Die jüdische Industrie als ganzes hat einen großen Bedarf an Rohstoffen und Halbfertigfabrikaten. Der Anteil der Inüuslriebearbeitung an dem Fertigprodukt ist daher in einigen Zweigen relativ gering. So wurde z. B. in diesen Zensus eine Firma atifgcnornmen, die Butter aus dem Ausland importiert und dann diese Butter in TelAviw aus Fässern in Pakete umpacken läßt. Natürlich ist hier der Lohnanteil klein. Um dieser möglichen Falschintcrpretation zu begegnen, hat man für jeden Industriezweig hinzugesetzt, wie groß die Wcrtsteigeriing des Produktes durch die Industriebcarbeitung ist. Errechnet man von dieser Wertsteigerung den Anteil von Lohnen und Gehältern — und dieses Verfahren ist schon weit richtiger als das von Dr, Kantorowitz —, so erhält mail einen Anteil von 63,3 0/0; den Rest bilden Amortisationen, Zinsen, Mieten, Gewinne usw. 2. Der zweite wichtige Einwand gegen die Berechnungsmetliode von Dr. Kantorowitz bestellt darin, daß er den Lohnanteil von der Brptt oproduRtion errechnet hat. Da das Produkt einer Fabrik häufig das Rohprodukt eines zweiten Unternehmens ist, werden bei einem Bruttoproduktionswert die Produkte mehrfach als Rohmaterialien erfaßt. Ein Beispiel wird dies deutlich machen. Nehmen wir an, daß eine Fabrik A. Rohbaumwolle importiert und sie in Garne verarbeitet. Diese Garne werden als ״Rohmaterialien“ von der Fabrik B. gekauft, die daraus Stoffe herstellt. Diese Stoffe wiederum werden von der Fabrik C., die Kleider!!erstellt, gekauft. Das folgende Schema zeigt die Kosten- Zusammenstellung der drei Fabriken und die Ergebnisse bei einem Zensus der Brutto- und Nettoproduktion•. Rohmatrnnlien Löhne und Gehälter Ander«. Tot»! Fabrik .4 30 2t) 10 60 ■ Fabrik B 60 30 20 HO Fabrik C HO_40_30_180 Endprodukt (1) Bruttoprod. 200 90 60 350 in 0/0 100 0/0 17,1 0« 25,7 0/0 57,2 0 ״ (2) Nettoprod. 30 90 60 180 in ״/o 16y 3 0/0 100 0׳0 331/3 0־0 50 ס/״ Der wichtigste Fehler eines Bruttoproduktionsvrerts in einem Zensus ist die mehrfache Erfassung der ״Rohstoffe“ mit entsprechenden geringen prozentualen Anteilen der anderen Kostenekmcntc. Ferner ist zu beachten, daß der Wert der jüdischen Industrieprodukte, die auf den Markt kommen, nicht £I> 9 Mil“ Honen beträgt, sondern erheblich weniger, da die verschieb denen Stadien der Produktion mitgezählt werden; aber der Wert des Endproduktes (des Industrieproduktes, das konsinniert oder exportiert wird)■ beträgt nur 180 und nicht 350, wie ihn der Zensus erfaßte (s. Schema). Leider gibt es für die jüdische Industrie bisher keine Nettoproduktionsziffern, wie wir sie in anderen Ländlern finden. Daher ist eine genaue Berechnung der Kostenelcmente der jüdischen Produktion nicht möglich. Unzweifelhaft jedoch ist der Anteil der Löhne und Gehälter höher, als er nach der Bruttoproduktion errechnet wurde. Damit füllt auch das oft mißbrauchte Argument, daß die hohen jüdischen Noininallöhne für die Produktionskosten der jüdischen Industrie unerheblich seien. Wenn dies wirklich der Fall wäre, wäre die billigere arabische Konkurrenz im ln- und Auslände nicht rational zu erklären. Die.se Konkurrenz, die unsere Industrie schon stark zu spüren bekommen hat, kann man, wenn man will, als ״soziales Dumping“ bezeichnen — letzten Endes ist «$ aber in einem erlieblichen Maße eine Lohnkonkurrenz, die uns trifft. Der neue Jerusalemer Rektor Wie wir bereits in der vorigen Ausgabe meldeteil, ist Professor Adolf F r a e 11 k e l zum Rektor der Universität Jerusalem gewählt worden. Prof. Fraenkel stammt aus Deutschland — er ist 1881 in München geboren — und lehrte hier au den Universitäten Marburg und Kiel Mathematik. Im Jahre 1930 siedelte er nach Palästina über, um eine Professur an der Hebräischen Umversität als Leiter des Mathematischen Insti'.u s zu übernehmen. In Deutschland trat Prof. Fraenkel im Rahmen des ״Misrachi“ in der zionistischen Arbeit hervor. Prof.Fraenkel tritt die Nachfolge von Prof. Hugo Bergmann an, der Proj. Adolf Fraenkel das Amt des Rektors drei Archiv Jahre bekleidet hatte. Aus diesen Ueberlcgungen ergibt sich weiter, daß der Anteil unserer Industrieproduktion, der exportiert oder von der nichtjüdischen Wirtschaft im Lande aufgenommen wird, weit höher ist als 5 ״/o, wie Dr. Kantorowitz behauptet; schätzungsweise würde ich 15—20 ״/״ annehmen. Die Bedeutung der Noininallöhne für die verschiedenen Zweige der Landwirtschaft ist offenbar und ist bisher kaum bestritten worden. Der Reallohn Die zweite Linie der Verteidigung, die von den Anhängern eines europäischen Lebensstandards in Palästina vorgebracht wird, ist der Hinweis, da 13 der Reallohn in Palästina n i e d r i g sei im Verhältnis zu Europa und schon deshalb eine Senkung des Nominallohns nicht in Frage käme. Man könnte diese Fragestellung einfach damit abtun, daß man sagt: Wenn die Wirtschaft des Nahen Orients diesen Lebensstandard nicht zuläßt, interessiert es mich auch gar nicht, ob dieser Standard hoch oder niedrig ist im Verhältnis zu Europa. Wenn man aber schon die Höhe des jüdischen Reallohns untersuchen will, wird man sich mit der Methode von Dr. Kantorowitz wohl kaum zufrieden geben können. Es sei nur darauf hingewiesen, daß Dr. Kantorowitz aus dem Regicrungsbulletin, in dem die Löhne von neun Berufsgruppen vorsichtig verglichen wurden, einen ungewogenen Durchschnitt berechnet hat, und diesen Durchschnitt bezcichnet er als Landesdurchschnitt. Diese Methode ist unhaltbar und die resultierenden Ziffern sind unbrauchbar. Zur Frage des R e a 1 lo 1111 s ist zu bemerken, daß er von drei Faktoren bestimmt wird: 1. von der Höhe der Nominallöhne, 2. von dem Preisniveau für Güter und Dienste und 3. von der Menge und Art der Güter, dk für die Bedarfsdeckung nötig sind. Die ]Qdischen Lebensgewohnheiten Wenn die jüdische Bevölkerung sicli von der arabisehen dadurch unterscheidet, daß sie teures australisches Mehl benutzt an Stelle von inländischem Getreide, oder importiertes Vieh an Stelle von inländischen Hammeln, oder importierte Butter an Stelle von Olivenöl, so muß diese Art der Güter natürlich einen Einfluß auf dk Höhe des Reallohns haben. Wenn sie teure importierte Lebensmittel bcnutzt, so ist das kein Zeichen eines niedrigen Lebensstandards, und doch findet Dr. Kantorowitz, daß die jüdischen und arabischen Reallöhne fast gleich stehen. Diese Rechnung kommt dadurch zustande, daß der Jude mehr für Nahrung ausgibt als der Araber.־ Daher wird der höhere jüdische Nominallohn gesenkt und der jüdische und arabische Reallohn liegt scheinbar nicht so weit auseinander. In Wirklichkeit kommt es daher, weil in den jüdischen Ausgaben für Nahrung, Wohnung usw. der höhere Lebensstandard schon in Rechnung gestellt ist. Würde der Jude so leben können wie der Araber, so würde der jüdische Reallohn sehr erheblich über dem arabischen liegen. Allgemein gesprochen sind die jüdischen Lebensgewohnheiten europäisch importiert und unpassend für den Orient. Dies gilt besonders für die europäische Küclicnführung; sie sollte aus klimatischen und wirtschaftlichen Gründen möglichst schnell abgeschafft werden. Die europäischen Lebensgewohnheiten bedingen nicht nur einen hohen jüdischen Nominallohn, sondern auch höhere Preise für alle jüdischen Dienste und Arbeiten. Der jüdische Kaufmann, Lehrer, Unternehmer usw. muß mehr verdienen als der entsprechende Araber. Daher" ist das Preisniveau für fast alle Güter und Dienste höher auf dem jüdischen Markt als auf dem arabischen. Dies trifft nicht nur für einheimische Waren (Gemüse, Eier, Milch, Geflügel, Streichhölzer, Näget usw.) und Dienste (Transportgebühren, Tel Awiwer Hafengebühren usw.) zu, sondern auch für importierte Waren. Tee und Kaffee z. B. ist in jüdischen Geschäften teurer als in arabischen. Der hohe Lebensstandard hat also nicht nur hohe Nominallöhne zur Fo-ige, sondern er resultiert in einem hohen Preisniveau, das wiederum in mannigfaltiger Weise verteuernd auf die Produktionskosten wirkt. Eine jüdische Wirtschaftspolitik auf lange Sicht muß auf eine Senkung des jüdischen Preisniveaus hinarbeiten. Hierbei ist zunächst auf Mietsenkung, Kredit- Verbilligung, Verringetung der Handelsspannen usw. hinzuzielen. Gelingt es uns, hierdurch die jüdische Wirtschaft, die gegenüber der arabischen den temporären Vorsprung des Kapitals der Fachleute und Facharbeiter hat, einigermaßen konkurrenzfähig zu machen, so wird eine Senkung der Reallöhne sich vielleicht nicht als nötig erweisen. Verfehlt aber ist der Glaube, daß eine Erziehung zum Tozereth Haarez-öedanken dem jüdischen Produkt, wenn es teurer ist, einen Markt sichern wird. Auch eine autarke Wirtschaftspolitik mit Schutzzöllen und Subventionen ■wird die halbe Million Juden nicht aus den Wirtschaftsbedingungen des Orients herausheben. Dr. Erwin Bromberger, Jerusalem. Sprach-Probleme Im ״Dawar“ schreibt, wie uns aus Tel Awiw berichtet wird, ein Mitarbeiter: Die Notwendigkeit für die besonderen Rubriken für die hebräische Sprache in den Zeitungen unter- Siegt keinem Zweifel. Die meisten Hebräischspreclienden haben ja diese Sprache erst erlernt, als sie schon im Besitz einer anderen Muttersprache waren. Der Einfluß der jeweiligen Muttersprache auf das Hebräische ist für den Einzelnen unmerkbar, und die Rubrik in der Zeitung verhilft oft dazu, solche Fehler zu erkennen und sie auszumerzen. Aber es besteht die Gefahr, daß diese Rubriken ru bloßen Sanunlungen von Sprachfehlern werden. Und noch schIimmer, der Redakteur der Rubrik nimmt oft mit leichter Hand Entschcidüngen vor, die «ft nicht nur offenbare Mißbräuche abstellen und durch unzweifelhaftes hebräisches Sprachgut ersetzen, sondern die auch auf den Schreibern nicht zustehendem Terrain Entscheidungen fällen. So wendet sich ein Redakteur gegen die Verwendung •eines mittelalterlichen Ausdrucks durch einen Lyriker. Man sollte annehmen, daß Lyriker und Schriftsteller eine Bindung zur Sprache haben, die sie oft über ihre Kritiker stellt. Trotzdem sind sie vor ihnen nicht sicher. Schncur mußte in seinen Kinderliedern in einer eigenen Bemerkung darauf hinweisen, daß er sich eines bestimmten Wortes nicht aus Nachlässigkeit, sondern auf Grund eines nnchgewies enen Sprachgebrauchs bediene. Agnon schrieb gar eine eigene Novelle zur Rechtfertigung eines von ihm gebrauchten Ausdrucks, den man angegriffen hatte. — Auch Absolventen der Seminare versucht man jetzt in negativer Form auf ihre Spr achkenntnissc zu prüfen und legt ihnen Fehlerverzeidmisse zum Verbessern vor. Dabei ist nicht immer ganz klar, ob der verfemte Sprachgebrauch wirklich einwandfrei ״falsch“ ist. Es wäre gut, wenn sich die Sprachvei besserer dessen bewußt würden, daß sie sich auf unsicherem Terrain bewegen und daß man viele ihrer ״Entscheidungen“ durch Gegenbeweise aus der Literatur aufheben könnte. *) Vgl. hierzu die Aufsätze von Emst Kahn in Nr. 63 und Dr, Kantorowitz in Nr. 72 der ״J. R.“.