Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1938)
- Date
- 1938-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 89, 8. XI. 1938 Messiaskünder, Märtyrer, Mystiker Zu dem neuen Buche von Schimon Bernstein Daß eine Gestalt, wie Salomo Molcho, der portugiesische Marrane, der zum Judentum zurückkehrte, ein Jahr• hundert vor Sabbatai Zcvi eine messianische Bewegung entfachte, Karl V. für seine Pläne zu gewinnen suchte, in Mantua verbrannt, von manchem späteren Historiker aber zum Betrüger oder gar zu einer legendären, nicht existierenden Persönlichkeit gestempelt wurde, — daß eine solche Gestalt nicht nur den Romanschriftsteller, sondern auch einen ge• lehrten Forscher anzieht, ist begreiflich. Denn eine Reihe von Fragen fordert hier Antwort: Was mochte wohl in dem Marraneu eine derartige innere Wandlung bewirkt haben? Und wie gelangte er, der vom Christentum kam, zu solchem Einfluß auf seine jüdischen Zeitgenossen? Warum ist er dennoch nur wie ein Komet über dem Judentum jener Zeit plötzlich aufgegangen und dann wieder fast spurlos versunken? Dieser sonderbaren Gestalt, ihrer Wiederbelebung und Rehabilitierung ist das umfangreichste Kapitel des netten Buches des bekannten in USA. lebenden hebräischen Forschers Dr. Schimon Bernstein (״Schomre hachomoth׳“ Id. h. MauerwächterJ, Strömungen und Epochen der jüdischen Renaissance, Verlag .\iizpa, Tel Awiw) gewidmet. Bernsteins Verdienst ist, diese ganze Epoche nach der Vertreibung der Juden aus Spanien in ihrem geistigen Habitus vor uns Wiedererstehen zu lassen. Der Schlag war so stark, daß der messianische Glaube — wie aus einem in dem Buche zitierten Briefe eines Zeitgenossen, Abraham Farissol, klar hervorgeht — für die Betroffenen einfach zu einer unabweisbaren psychologischen Notwendigkeit, zu einem kategorischen Imperativ wurde. Dieser Geist begünstigte die Wirksamkeit solcher Messiaskünder wie Rcubeni und Molcho. Während aber die bisherige historische Forschung (vgl. z. B. Dubnow, Vf, 99) in Molcho die persönliche Folge des Auftretens Reubenis sieht, und während in der Tat beide mit dem Gedanken an die Mobilisierung der Juden gegen die Türkei, in deren Besitz sich das Heilige Land befand, arbeiten, bemüht sich Bernstein, auch den geistigen Boden aufztizcigen, auf den insbesondere die mess.anische Propaganda Molehos fruchtbar fallen konnte. Dieser Boden ist, seiner Ansicht nach, von Don Abravanci vorbereitet worden. Auch in Abravanels Schriften spiegelt sich das Verlangen der Zeit nach einem niessianischen Glauben: am stärksten wohl in seiner Methode, selbst jene Bibelstellcn, die von der künftigen Erlösung Israels offenkundig im Sinne der Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft handeln, so umzudeuten, als ob sie sich auf die kommende Erlösung von den Qualen seiner Zeit bezögen. Aber auch eine ״real• politische“ Begründung suchte Abravanel seinen rnessianischeu, Hoffnungen zu geben. Er knünfte an den Präzedenzfall der' Kreuzzüge an, in dem Glauben, daß er sich wiederholen, daß es zu einem neuen Kampfe um das Heilige Land zwischen neuen Kreuzfahrern und Mohammedanern kommen wird, in dem sich die beiden Gegner aufreiben würden, worauf das Land seinen alten Besitzern zufallen würde.... Hat aber nach dieser Darstellung Abravanel den geistigen Boden für Molcho geebnet, so besteht doch ein großer Unterschied zwischen beiden in den Auswirkungen der messianischcn Lehre. Sehr charakteristisch bemerkt Bernstein: ״Der große Lehrer bereitete die Deutung vor, dem jungen Schüler aber, der dem jüdischen Geiste fremd war (von mir gesperrt. E. H.) schien es, daß man durch starken Willen und!nächtige Versuche die Lehre auch in die Tat umsetzen konnte.“ Dieser Hinweis auf den jüdischen Geist, der immer wieder zögerte, zur Tat zu schreiten, — ein Geist der Beharrung und Unentschlossenheit, den erst Sabbatai Zwi, und eigentlich erst Herzl überwand, — ist sicherlich richtig. Nur kann man nicht umhin, in Molehos Tatkraft nicht lediglich die Folge seiner christlichen Geburt, sondern auch des Vorbildes Reubenis zu erblicken: so sehr gleichen sich die ,,mächtigen Versuche“ beider — in dem Herantreten an Papst und Kaiser. Aber während Rcubeni wohl nur ein politischer Abenteurer war, paarte sich bei Molcho die politische Taktik mit messiamscher Lehre. Das wissen wir ja aus Molehos Schriften oder Predigten, Aber die in ihnen enthaltenen Dichtungsniethoden tragen keine persönliche Eigenart. Worin bestand also das Geheimnis seiner Wirkung? In der Neuartigkeit der Erseheinung, antwortet Bernstein, daß hier ein Mann vom Christentum 11er auf die Bühne trat, sich zum Judentum bekehrte und den Untergang Roms, des Urhebers der Inquisition, predigte, Roms, das er aus eigener Anschauung kennengelcnit hatte, und das ihm wohl auch ״weltpolitisch“ als unterminiert scheinen mochte. Aber eben der christliche Ursprung Molehos, meint Bernstein, hat doch auch bewirkt, daß er zwar einzelne glühende Aniiänger, auch einzelne Kreise von Anhängern, nicht aber die Gefolgschaft der Massen fand. Das mag zutreffen, nur in einem Punkte kann man dem Verfasser kaum folgen, wenn er nämlich die mangelnde Volkstümlichkeit Molehos durch die christliche Mystik erklärt, die dieser in sich cingesogen hatte, tuid die sich nun auch in seiner niessianischen Propaganda kundtat, besonders in den Gleichnissen von der ״Geliebten“ oder ״Verlobten“, mit denen er die Juden!- heit bedachte. Denn wie konnten solche Gleichnisse den jüdischen Geist abstoßen, da sie ihm selbst schon vom Sohar, ja von der tahruulischen Umdeutung des ״Liedes der Lieder“ her wohl vertraut waren? Durch seinen Märtyrertod für den jüdischen Glauben in Mantua hat sich aber Molcho im Herzen vieler ein Denkmal als Heiliger errichtet. Bernstein trägt sorgfältig die Zeugnisse zusammen, die dies erhärten. Von ihnen seien hier nur die Memoiren Jossels von Rosheim (obgleich dieser ein Gegner der politischen Wirksamkeit Molehos war), sowie der Heilige Schelo angeführt. Vor allem aber M_olcnos Reli- Regensburg nach Prag gebracht und dort in der drei Jahre nach Molehos Verbrennung (1532) erbauten Pinkas-Synagoge jahrhentertelang aufbewahrt wurden. Molehos Erscheinung überschattet das übrige portugiesische Marranentum. Aus diesem ist aber noch ein anderer Märtyrer für das Judentum hervorgegangen: Josef Saralyo. Sein Name war bisher fast verschollen. Nur ein einziges Klagelied über seine Verbrennung in Rom 1583 hatte sich erhalten. Bernstein gelang es, in einem in der Bücherei der rabbinischen Lehranstalt zu New York aufbewahrten Manuskript noch drei Klagelieder über Saralvo zu entdecken, und nun zieht er diesen Kämpfer aus der Vergessenheit ans Licht. Der junge Marrane floh aus Portugal fast zur selben Zeit wie Molcho nach Italien und widmete sich hier eifrig der Bekehrung anderer Marianen, an denen er auch die Be- 'schneidung vollzog, bis ihn ein Denunziant dem Gericht der Inquisition übergab, worauf er seinen Kampf für das Judentum mit dem Tode auf dem Scheiterhaufen bezahlte. Wie sehr diese ganze Epoche nach der Vertreibung der Juden aus Spanien voller politischer Gärung und messia־• nischcr Hoffnungen war, dafür liefert vielleicht den eigenartigsten Beweis eine ganz andere Persönlichkeit: Josef K a r 0. Wir alle wohl haben bei der Lektüre der jüdischen Geschichte das Gefühl der Verwunderung darüber gehabt, daß dieser Mann, der berühmte Verfasser des ״Schtilchan, Aruch“, der auf den ersten Blick ein Vertreter der starrsten Orthodoxie zu sein scheint, zugleich auch Mystiker war und sich zuletzt denn auch dem Schwärmerkreis von Safed anschloß. Die Erklärung liegt eben im Geiste jener Zeit selbst. Aber noch mehr: es wird überliefert, daß Karo zuerst Molcho, dann auch Josef Hanassi, den jüdischen Herzog von Naxos, unterstützte, als dieser daran ging, Tiberias wieder aufzubaucn (1564). Eben auf diesen Wiederaufbau bezieht Bernstein das berühmte ״Lecho daudi“ des Salomo Alkabcz, der Karo nahestand und der in jenem Ereignis den Beginn der Erlösung Israels erblickte, wie denn auch das Gefühl naher Befreiung deutlich in seinem Schabbathhymniis anklingt. Aber Bernstein geht noch einen Schritt weiter. Er verbindet die Entstehung des ,,Schulchan Aruch“ selbst mit der messianischen Grimdstimmung dieser Epoche und sieht in diesem Gesetzeskodex Karos Bestreben, deni so stark erhofften Judcnstnat in Palästina eine feste Verfassung, und zwar eine thcokratische Verfassung zu geben. Im Nahen Osten wurde die messianische Sehnsucht durch Besucher aus Palästina in den Gemeinden von Konstantinopel, Saloniki, Smyrna, Adrianopel, Damaskus, Aleppo immer wieder lebendig erhalten. So ist es kein Wunder, daß ihr hier (etwa in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts) ein Dichter in der Person von Josef Ganso entstand. Aus einem in der erwähnten Ncw-Yorkcr Bücherei befindlichen einzigen Exemplar bringt Bernstein 50 Gedichte Gansos. Noch Jahrzehnte später trieb die Sehnsucht nach Zion einen anderen berühmten Dichter, Mosche Chaim Luzatto (1707—1717), nach Palästina. Aber gerade im Heiligen Lande verstummte seine Muse. Dieses Rätsel erklärt Bernstein durch die Schilderung der trostlosen Zur stände im Lande: der materiellen Not und des Zerwürfnisses zwischen einzelnen Gemeinden. Aber eine Dichtung führt er an, die dort entstand, und die sprachlich und gedanklich zu, den Perlen der hebräischen Poesie gehört: ein Gedicht über die Wärmequellen von Tiberias. Luzattos Autorschaft an diesem Gedicht wird freilich von Bialik und Lachower angezweifelt, doch nicht mit zwingenden Beweisen. Bernsteins Buch, reich an wissenschaftlichem Material, an kühnen Hypothesen wie an lebendiger Milieuschilderung, ist ein wertvoller Beitrag zur Erkenntnis dieser ganzen Epoche. * Dr. Elias Hurwicz Jüdische Musik und neue Musiktheorien Jüdische und moderne :Musik scheinen unter einem ährtliehen Schicksal zu leiden: sie stoßen auf hartnäckigen Wider- •fand des Publikums und brauchen geraume Zeit, ehe sie die breite Masse erobern. Es scheint ein psychologisches Gesetz zu sein, daß der Musikhörer beträchtliche Zeit der Gewöhnung nötig hat, um etwas Neues zu akzeptieren. Die Musikgeschichte lehrt, daß jüdische und moderne Musik auf Grundlagen fußen, die vor 1350 maßgebend waren, die aber damals durch andere Prinzipien abgelöst wurden. Die letzte Mttsikepoche erst kehrt wieder — teils bewußt, teils unbewußt — zu den Erkenntnissen und Klangstilen der alten Zeiten zurück. Wenn der Konzerihörcr sich heutzutage über die vielen Quartklänge entsetzt, die ihm die neue Musik dissonant erscheinen lassen und die ja in der Tat in der klassischen Mu- Sikepoche als djssonant verschrien waren, möge er nicht vergessen, daß eben diese Quarten vor 1350 (zusammen mit Quinten und Oktaven) gerade als Konsonanzen erwünscht wareu, während Terz una Sext — die von der klassischen Zeit als konsonant bevorzugten Intervalle — damals gerade als Dissonanzen verboten waren. So ändert sich das Kianggefühl, Die jüdische Musik gehört ebenfalls zu den neuentdeckten Klangprovinzen, und in neuesten Werken jüdischer Musik können wir bereits mehr oder weniger geglückte Resultate dieser Konfrontierung der jüdischen mit der modernen Musik erkennen. Der Komponist von heute, der jüdische Musik kompoliieren will, kann nicht umhin, sich mit diesen Musiktheorien auseinander ziusetzen. Die theoretischen Grundlegungen beziehen sich auf dasjenige Gebiet der Musikkbre, das dem Musikliebhaber meist zuallerletzt zugänglich ist, nämlich auf die Harrncmielehre, die Kunst der Akkordverbindungen. Sie sind also in erster Lime Anweisungen für den Musiker. Dali die modernen Komponisten und Theoretiker nicht in erster Linie eine Theorie der M e 10 d i e 1 e 11 r c dargestellt haben, ist insofern verwunderlich, als die moderne Musik (ebenso wie die jüdische) ja gnade von einer neuen Auflassung der Melodie, ihren Konsequenzen für eins formale energetische und harmonische Geschehen in der Musik allsgeht. Das Gemeinsame aller modernen Musiktheoretiker liegt darin, daß versucht wird, eine Grundlegung der vielen neueroberten Klange zu gehen, ihre Entstehung zu erklären und schaffen. Es ist’ ja bekannt,'daß die traditionclk: Harmonie lehre, ■die die Grundlage der Komponistenerziehung bildet, höchstens bis zu den Ergebnissen der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts reicht. Seither ist aber das Klanggebiet so bereichert und so vielseitig ausgebaut worden, daß man mit der überalterten Harmonielehre nicht auskommt. Da aber auch der Musikhorer nur in diesen Grundlagen erzogen ist, die neue Grammatik der Musik noch nicht kermetigdernt hat, kann sich der moderne Komponist ihm noch nicht ver- Ständlich machen. All diese Probleme und Konflikte treffen auch auf die jüdische Musik zu. Es wäre wünschenswert, wenn die theoretisehen Grundlagen der neuen Musik dem jüdischen Konzert- Publikum in so verständlicher Form nahegebracht würden, daß der notwendige Kontakt zwischen Werk und Hörern geschaffen wird. Dies würde dem Verständnis jüdischer Musik zugute• kommen. Alice Jacob-Lcewenson (Jerusalem) Todesfall. Vor einigen Wochen verstarb in Hamburg nach einer schweren Magenoperation Dr. Edmund H o 1 z. Zahlreiche jüngere Zionisten, die Dr, Holz im jüdischen Wanderbund Blau-Weiß und 1 tu KJV. gekannt haben, trauern um den Tod eines hochbegabten Freundes, in dem manche Be- Sonderheiten der zionistischen Jugendbewegung in Deutsch- Und eine in ihrer Geschlossenheit eindrucksvolle Ver körperung erfahren haben. Bet der Jahresversammlung der kürzlich begründeten schaftlichen Institut der Londoner Unit er.-ität wurde 11. F, Schild zum Präsidenten der Gesellschaft für das neue Arbeitsjahr gewählt. Lstrella Garcia und Raphael Ruppin, Sohn von Dr. Arthur Kuppiti, wurden zu Sekretären ernannt. Bruno Walter in Zagreb, und Mischa Elmau,' der besonders in Belgrad stürmisch bejubelt wurde. Post nach Uehersee Die angegebenen Zeiten sind die Abgangs Zeiten der Züge b IW. 1 ׳ ־ . .lo 111 ׳ an I׳e 5 י t.g־n nwn 1-Hj S111r.de׳. ode: .11 cm 1 . " Z . 1״ , ,. IS-1 du Aut du,ft empfiehl! sich die Anbringung von Leitveiffieiken. Palästina (ab Anh. Bhf.) 22,50 Abgang Mmn , ■ 11 12 st ״.den -[״tcr• 16. Haifa, / 14. via' Belgrad, 18.’ Haiin. j 11 via Brindisi”mit ״Galiläa“, 20. Haifa, Luftpost: Mo. 3.30. 11.25 München, Mi. Haifa (Linie Brindisi— Haifa)! Di., Do., Sbd. 8.30, 11.25 München: Do., Sbr)., Mo. I.yrlda (Linie Amsterdam—Batavia über Rom); Mi. u. Fr. 8.30, 11.25 So. 8.30,’ 11.30 Frankfuii/Main, Di. TiberiasE (Linie London—’ Singapore über Rom). U.S. A. (Potsei. Bhf. 15.45): 11. via Cherbourg mit ״Queen Mary“, 17. New York. Südamerika10 ־. (Anh. Bhf. 22.50) via Neapel mit ״Xeptunia“, 24. Rio, 28. Buenos Aires. / 12. )!,oud. Bhf. 15.45) via Liwaixm mit ״Alcantara‘25 ,־. Rio, 29. Buenos Aires. / 16. (Bin. Cbarl. 11.15) via Lissabon mit ״Marsilia-, 29. Rio, 2. 12. Bucrro» Aires. Luftpost (auch nach Mittelametika und Westindien): ML Postschi 21.00, Do. 2.45 Frkit./M, Sbd. Rio, So. Buenos Aires (Deutsche Luftpost). / So. Postschi. 8.40, 10.40 Köln, Di- Rio, Mi, Buenos Aires (Franz, Luftpost) (nicht nach Bolivien und Kuba). Südafrika (Blif. Frwdrk'hstr. 13.57): 10. via Southampton mit ״Camarvon C“, 24. Kapstadt. / 17. via Southampton mit ״Stirling C“, 1. 12. Kapstadt. Luftpost: Mi., u. Sbd. 8.30, 11.15 München. Di. u. Fr. Kapstadt (Linie London—Kapstadt über Rom). Australien (Anh. Bhf. 9.20): 12. via Neapel mit ״Orford“, 11. 12. Melbourne, 12. 12. Sydney. Luftpost: Di. u. Do. 8.30, 11.25 München, Mi. u. Fr. (nach einer Woche) Sidftey (Linie Amsterdam—Batavia über Rom). Dr. Hertz, Pentateuch-Kommentar ,,Pentateuch und Haftaroth“. Hebräischer Text und deutsche Uebersefzung mit Kommentar von Dr. Joseph Herman Hertz, Oberrabbiner der jüdischen Gemeinden des Britisehen Reiches. Jüdischer Verlag, Berlin. Mit den letzten drei Bänder! ist die deutsche Ausgabe vom Pentateuchkornnientar des Chief Rabbi Dr. Hertz beendet. Die Vorzüge dieses einzigartigen Werkes, die wir schon an der englischen Ausgabe bewunderten, kann die deutschlesende Judenheit jetzt erst voll würdigen. Alle Gebiete des Wissens werden zur Erklärung des Bibelwortes herangezogen. Alles Wertvolle, das jemals erklärend und erläuternd zur Bibel gesagt worden ist, wird berücksichtigt. Midrasch und Talmud, älteste und neuere Kommentatoren kommen zum Wort. Wie aber all dies zur organischen Einheit gefügt wird, so daß überall den Leser das wort der Lehre anspricht, ist die geniale Leistung des Kommentators Hertz. Dieser Kommentar bietet Aufschluß über das gesamte religiöse und kulturelle Svstem des Judentums mit vielen wertvollen Hinweisen auf dessen Einfluß auf die Entwicklung der Kulturgeschichte. Hervorragend sind auch die sogenannten״ ־׳A n h ä n ge“ im Rahmen der einzelnen Bücher, wie — um nur einige aus den letzten drei Bänden zu nennen — ״Der Opferkult“, ״Der Priestersegen“, ״Das Schema: Seine Bedeutung und Geschichte“. ״Heirat, Scheidung und Stellung der Frau im Judentum“, die umfassende Darstellungen zu Einzelthemen bieten und sich doch in den Kommentar fügen. An diesen Anhängen wird die Lebensnahe des Gesamtwerkes besonders deutlich. Zu all dem kommt die bewundernswerte Klarheit der Darstellung und des Stils — Eigenschaften, durch die auch andere Werke Hertz’ sich auszeichnen. Hertz’ Pentateuch wird wohl der Kommentar unserer Generation werden. Rabbiner und Lehrer werden ihn nicht übersehen können, und für den ״Baal-Habajit“, mit dieser Bibel in der Hand der Tora- Vorlesung am Schabbath folgend, wird das Wort der Lehre wieder starkes Erlebnis sein. Dank dem Chief Rabbi Dr. Hertz, Dank aber auch deni Verlag, der uns eine Bibelausgabe vorlegt, um die wir die Judenheit Englands beneidet hatten. Rabbiner Dr, Eli L. Berkovits. Zufälliger Ausschnitt Unterhaltung zwischen zwei Juden am letzten Rosch Haschana, beim Verlassen der Synagoge: ״Und wo werden wir das nächste Jahr ,Scheliechejoriu‘ sagen?“ — ,.In Honolulu.“ Bericht eines Ratsuchenden in der Sprechstunde: ״Und dann, Herr Doktor, hatte ich einen Neffen, der war Ursprunglieh nach Kopenhagen gegangen, da konnte er dann nicht bleiben. Das Hilfskomitee hat ihn nach Paris geschickt, und von da ist er weiter nach Haiti gefahren. Denken Sie mal an, nach Haiti, und außer ihm noch mehrere Leute, eine Rechtsanwaltstamilie aus Berlin — 11a, aber da bekommt er auch keime Aufenthaltserlaubnis, und nun hat er geschrieben, der Hiiltsausscluiß dort hofft, daß sie nach den Vereinigten Staaten hereinkommen, und mm warten wir auf den nächsten Briet, es dauert ja wochenlang.“ Kopenhagen, Paris, Haiti — das ist ein zufälliger Ausschnitt aus dem, was wir jüdische Wanderungsbewegung nennen. Zufällig, aber nicht die Ausnahme! Die Hilfskomitees können sich selbst nicht anders helfen — was sollen sie anderes tun als Fahrkarten zu kaufen und die Petenten wciterzuschieben?! Dieser eine zufällige Bericht sagt deutlieber als alles andere, wie die Dinge heute stehen. Wenn das Evian-Komitec eine Aufgabe hat, dann ist sie hier klar gegeben: aus sinnlosen und unglücklichen Globetrottern Wanderer zu machen, die einem Ziele zustreben können. Dnickfehlerberichtigung. Im Leitartikel der letzten Nummer ist der Sinn eines Satzes entstellt worden. Es muß im vorletzten Absatz richtig heißen: ln seiner Hand liegt sowohl die Behandlung der Probleme Palästinas wie auch die Möglichkeit, der jüdischen Immigration in jene großen überseeischen Gebiete einen Zugang zu eröffnen, die heute mehr oder weniger menschenleer sind und für die ein williges, arbeitsames und kulturell hoc 11s teilend es Bevölkerungselcment zu schalten, gewiß eine wichtige Aufgabe der Londotier Zentralregierung wäre.