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Jüdische Rundschau · 1938-11-08 · Heft 89 (8.11.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 89 (8.11.1938)
Date
1938-11-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 89, 8. XI. 1938 JOD« SCHf RUNDSCHAU Seite 3 Kulturelles Leben ln Philadelphia Philadelphia, 23. Oktober Als Kunst- und speziell als Musikstadt hat Philadelphia, die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, einen guten Ruf. Für das kommende Halbjahr sind schon größere Veranstaitungen bekanntgeniacht worden. Viele Gastspiele und Vorträge sowie auch Ausstellungen sind angekündigt. Eine hiesige Operngesellschaft führt alle großen Opern auf. Die Metropolitan Opera New York erfreute ihre Zuhörer mit ca. 12 Gastspielen, die wohl tatsächlich kaum zu übertreffen waren. Man hörte die bekannten Klänge in Italienisch, Französisch oder Deutsch, selten in Englisch, in unvergleichlicher Musterhaftigkeit. — Vier Theater brachten Vorstellungen von jeweils etlichen Wochen, fast durchweg moderne Stücke von amerikanischen Schriftstellern. Eine große Rolle spielen hier die Kinos, die im Sommer sogar eisgekühlt und daher ein angenehmer Aufenthaltsort sind. Einer der besten Filme war zweifellos ״The Life of Emile Zola“ mit Paul Muni als Zola und Joseph Schildkraut als Dreyfuß. Jiddische Filme waren auf dem Standi- §en Spielplan einiger Theater, ein Beweis ihrer Güte und eliebtneit, Perez Hirschbeins ״Grüne Felder“ hatten großen Erfolg. Die Gestalt des Dyhuk ist meisterhaft dargestellt in einem gleichnamigen Film. Den jüdischen Familiensinn hat der Film ״Die Kraft fin Leben“ (The power of life) wunderbar wiedergegebeu. Ueber ״Jidl mit der Fidl“, braucht hier nichts gesagt zu werden, da er durch den Kulturbund in Deutschland bekanntgeworden ist. Tiefen Eindruck hinterließ auch auf alle der Film ״Wandering Jew“. Konzerte bildeten den Hauptfaktor fn Philadelphias Winterdarbietungen, hat doch das Philadelphia Orchester den Ruf, zu den Besten in der Welt zu gehören. Jehudi Menuhin und seine Schwester Hephzibra rissen das nuisikliebende Publikum, gelegentlich eines Gastsptofcis, zu Beifallsstürmen hin. Großen Einfluß auf das Musikleben Amerikas nimmt auch das Radio. Neben vollständigen Opern und Konzerten belegten die großen Autogesellschalten zu Reklamezwecken und unter Aufwendung riesiger Summen das Radio zu je einer Stunde ausgewiililtcster Musik. Männer wie Tauber, Kipnis, Joseph Schmidt und andere standen auf dem Programm und sind auch für dieses Jahr wieder vorgesehen, ln ähnlicher Weise haben auch die großen Tabakfabriken Orchesterdirigenten, Sänger und Filmschauspieler in ihren Dienst gestellt. Den Höhepunkt musika i.-c'ier Veranstaltungen bildeten Symphonickonzerte, dargeboten an zehn Abenden ab 10 Uhr über National Broadcasting Company, unter der Direktion Arturo Toscaninis. Fast sämtliche jüdischen Organisationen entfalteten eine rege Aktivität, und wer an ihren Veranstaltungen interessiert war, hatte reichlich Gelegenheit, sie zu pesuchen. Neben den mannigfachsten Klubs ist wohl die hiesige Zionistische Organisation am eifrigsten gewesen. Als Flaupiproblem beschäftigte sie natürlich die Teilung Palästinas, und so hat denn der Großteil der Redner sich diesem Thema zugewandt; man konnte alle stichhaltigen Gründe für und gegen den Plan hören. Diese Aufzählung von Ereignissen^ wäre aber nicht vollständig, wollte ich nicht noch zum Schluß die Sommermusik.veranstaltungen erwähnen. Inmitten des malerischen Fairmountparkes befindet sich eine Freilichtbühne, errichtet für Tausende von Menschen, und das Philadelphia Orchester bedachte seine Zuhörer mit Opern und Konzerten. Ernst Gottfried Budwig Lernt man Englisch Es ist zwar ein Gemeinplatz, daß man ohne Sprachkenntnisse im Ausland nicht vorwärtskommt, aber dennoch kann man hier viele Menschen beobachten, die mit ganz geringen Sprachke.uitnisscn ein gutes Leben machen. Zu diesen Leuten gehören nicht die Juden aus Deutschland; denn einen guten ״;ob" ohne hinreichendes Englisch bekommt nur derjenige, der ungewöhnliche handwerkliche Spczialfähigkciten hat. Wer aber über solche Fähigkeiten nicht verfügt, hat nur Aussicht auf einen Verdienst von 12—13 Dollar in der Woche, durch den man die Lebenshaltungskosten gerade decken kann. (Mädchen sind davon ausgenommen, sie können sich, wenn sic in einen Haushalt gehen, jeden Monat durchschnittlich 20-—10 Dollar sparen.) Der Anfänger ist froh und zufrieden, wenn er trotz der KRSIANER-MKNTBI ßKRSJUR Musik in Sao Paulo. Wir erhalten folgenden Bericht; Bei all den Schwierigkeiten, mit denen die Neueingewanderten in der ersten Zeit ihres Aufenthaltes zu kämpfen hatten, haben es die an Kunst und Kultur gewöhnten Menschen doch bald verstanden, ihre alten Interessen wieder aufzunehmen und sich aktiv oder passiv am Kunstleben zu beteiligen. Besonders auf dem Gebiete der Al u s i k sind sehr schöne Erfolge zu verzeichnen. Ein von Ernst Mehl ich geleitotes Sinfonie-Orchester pflegt in regelmäßigen Konzerten die einheimische und europäische klassische Musik. Die Aufführungen erfreuen sich eines ständig wachsenden Zuspruchs, vor allem der brasilianischen Kreise, die damit der europäischen Klassik — sie war bis vor wenigen Jahren noch recht unbekannt — zugeführt werden. Da wir hier keinen Konzertsaal besitzen, finden die Konzerte in dem schönen Munizipal-Theater statt, einem der Pariser Oper nachgebildcten Gebäude. — Prof. Max Modern erwirbt sich Anerkennung durch seine Tätigkeit als Dirigent und Vioün-Lehrer. Er gründete ein Liebhaberorchester, das in zahlreichen Aufführungen sich schon viele Lorbeeren holen durfte. In diesem Orcnester haben all die Dilettanten, denen sonst keine Möglichkeit gegeben ist, Musik auszuüben, Gelegenheit, sich in ihrer Kunst auszubilden und unter pädagogischer Leitung zu vervollkommnen. Prof. Modern, der hier ein Konservatorium leitet, erteilt auch Violiri-Unterrieht und sorgt so für einer! guten musikalischen Nachwuchs. — Hertha Kahn konnte in zahlreichen Konzerten Proben ihres hervorragenden Könnens ablegen. Anläßlich der im August erfolgten Einweihung des Tempel-Raumes der Congrega^ao wirkte sie als Solistin init. — Iin Rahmen des jüdischen Musiklebens spielt Oberkantor H. I. Fleischmann eine bedeutende Rolle, er entzückt seine Hörer nicht nur bei den Gottesdiensten, auch an den meisten Radiostationen ist er ein gern gehörter, erstklassiger Künstler des Gesanges. Er gründete den Synagogenchor, der unter seiner Leitung bereits beachtliche Leistungen auf zu weisen hat. — Die Sociedade Israelita Baulista, die gesellig-kulturelle Ziele verfolgt, veranstaltet sehr oft Konzerte, Klavier-Abende und Solisten-Aufführungen, mit denen sic sich immer reichliche Anerkennung und herzlichen Dank ihreT musikfreudigen Mitglieder erwirbt. Aber auch die Co!1grc<;ao Israelita Paulista läßt im Rahmen ihrer kulturellen Darbietungen sehr oft zu Konzerten aller Art einladen, sie veranstaltet Kammermusik-Abende, Gesangsvorträge und Schallplattenkonzerte, die auf besonders hohem Niveau stehen. — Schließlich bleibt noch zu erwähnen, daß viele Neueingewanderte hier ihren Beruf als Klavier- oder Violinlehrer fortsetzen und so Kindern wie Erwachsenen Gelegenheit gehen, guten Musikunterricht zu genießen. Was aber besonders hervorgehoben zu werden verdient, ist das erfreuliche Wiederaufleben der Hausmusik. Daß diese trotz mancherlei Schwierigkeiten immer mehr gepflegt wird, soll als ein Zeichen gelten, daß die Neueingewanderten genug Hoffnung und Mut besitzen, sich den schönen Künsten zu widmen. H erbert G erst mann _ Bttonder• günstige Angebot• *RMI B~ Max Weissler, nur Berlin W 62, Kfeiststr.12 hier bestehenden großen Arbeitslosigkeit sein Leben gerade verdienen kann und er hat auch Grund, darüber froh zu sein. — Nach einiger Zeit jedoch, wenn irgendwelche Neuanschaffungen nötig werden, wenn die Angehörigen draußen ihn um eine Bürgschaft bitten und er dann hier die Vcrantwortung für die Seinen übernehmen soll, wird er niedergeschlagen: Er kann von seinem Geld nichts erübrigen, sein Verdienst langt nicht, um diese dringenden Verpflichtungen zu übernehmen. Er sucht krampfhaft, sich zu verbessern, aber es gelingt — in sehr vielen Fällen — nicht. Er muß entdecken, daß für ungelernte Arbeiten, wie er sie hier tut, eine klare Verdienstgrenz e vorhanden ist, über die man nicht hinauskommt. (Das gleiche gilt übrigens auch für die Haushaltsstelten, wenngleich dort durch die Einsparung der Lebenshaltungskosten diese Grenze höher liegt.) 1) e b e r d i e s e G r e n z c k o m n! t n u r, w c r soviel E ״ g - lisch kann, daß er hier als Bewerber für eine vcrantwörtliche Stellung mit dem amerikanischen Anwärter in Konkurrenz treten kann. Soviel Englisch aber können die meisten von uns hier nicht. Sie können das daily-life-English, 500 Worte, nicht mehr. Und sie meinen, die Sprache lerne man hier von selbst. Es stimmt nicht! Nur d e Kinder lernen die Sprache von selbst und ohne systematische Arbeit. Erwachsene aber lernen von selbst nur die einfachsten Worte des täglichen Lebens, die Worte, die ihnen täglich auf der Straße, beim Metzger, beim Friseur und beim Bäcker bcgegnen, die Bezeichnungen fiir die üblichsten konkreten 1inge. Und dabei bleiben sic stehen und meinen, sie könnten die Sprache. Aber ihre dauernde Furcht vor dem Telephon verrät alles. Und wenn ein korrekter Brief geschrieben werden muß — wie oft müssen allein korrekte Bewcrbungsbriefe geschrieben werden! —, dann sind sie hilflos. Nicht nur hinsichtlich der Wortwahl. Wer mit den englischen Worten nur vom Hören her vertraut ist, kennt ihre Orthographie ja noch nicht. Bei einer Unterhaltung mit einem Amerikaner haben sie ein Gefühl, wie in einer Zwangsjacke zu stecken: sie verstehen ihn nur ungefähr und mit Aufbietung aller Aufmerksamkeit. Lesen sie die Zeitung oder einen Brief, so fassen sie zwar den allgemeinsten Sinn, aber nicht die Einzelheiten, auf die es gerade ankommt. " Die Voraussetzung, all dies tu ändern, ist die Erkenntnis, daß es mit dem Grundsatz ״Die Sprache lernt sich im Lande von selbst“ nicht getan ist. Fis muß klar erkannt werden, daß man nur bei fortgesetztem harten und bewußten Ringen um sprachliche Vervollkommnung am kulturellen und beruflichen Leben des Landes wieder voll wird t e i 1 n e 11 - men können. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis für den Leser in Deutschland muß sein, seine Bemühungen um sprachliche Vorbereitung zu vervielfachen in dem Bewußtsein, daß gute, schon aus Deutschland mitgebrachte Sprachkenntnisse, jedes Wort, das hier nicht erst noch neu gelernt werden muß, neben beruflichen Spezialkenntnissen die beste Vorbereitung darstellen. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis für unsere Menschen in Amerika muß sein, neben allem und trotz allem selbst in Amerika systematisch zu lernen. Es genügt nicht, mehr oder weniger regelmäßig in Abendschulen zu gehen (wobei man hinsichtlich der Lehrer und Klasse sehr wählerisch sein sollte!). Es ist nötig, sich soviel englisch sprechende Umgebung zu suchen, daß man die ״Zwangsjacke“ los wird. Das beste und immer bereite Mittel, um sich hörend an den Klang der Sprache Lord Winterton, der Vorsitzende des Intergouvernementalen Comitcs zur Behandlung der Emigranten frage, teilte den Regierungen, die in Evian vertreten waren, mit, daß die Emigranten aus dem Sudetengebiet unter die Kompetenz des Londoner Büros fallen. In London wurde ein •Eddie Ca ntor-Fonds zur Förderung der Auswanderung jüdischer Kinder aus Deu'sehland nach Palästina und anderen Teilen der Welt gc״ri:־״let. Er soll £ 100000, die von Eddie Ca;1lor bei seinem Aufenthalt in England aufgebracht wurden, verwalten. Feiertage in Johannesburg Bedurfte es eines Beweises der Anhänglichkeit der jüdisehen Auswanderer zur Religion ihrer Väter, so hätte ein Blick in die beiden großen Festsäle der Hebrew Congregation Ez Chajim während der Hohen Festtage dein stärksten Zweifler genügt; er hatte ein Bild vor Augen gehabt, das er so bald nicht vergessen wird. Drei Monate vor den Festtagen war mit der Vorarbeit für die Gottesdienste begonnen worden. Nach den Erfahrungen des vorigen Jahres hatte der Vorstand beschlossen, zwei Gottesdienste ein/urichten. -- Wenn man bedenkt, was in bezug auf den Aufbau der Chöre, die Ausschmückung der Hallen und die Organisation des Gottesdienstes von ehrenamtlich tätigen, jüdischen Menschen, die hart um ihr Leben zu kämpfen haben, einzig und allein aus Liehe zur Sache und in der Freude am Dienst für die Gesamtheit geschaffen worden ist, so bekommt man Respekt vor dieser Lei düng und versteht die vielen Anerkennungen, die der Genieindelcifung gegenüber ansgesproheen worden sind. Mehr als 1000 jüdische Einwanderer nahmen an den Andach cn tei’, ein«־ schöne Zahl, wenn 111;m bedenkt, wie jung die (ierociiide ist. Zlihl'e sie doch im vergangenen Jahr vor den Hohen Festtagen nicht mehr als zirka 40 Mitglieder. — Jeder Saal hatte zwei Cha onim und ei reu Chor. Fünf Herren hatten die Aufgabe übernommen, die Ansprachen zu halten. Durch das beispielhaft gute Zusammenarbeiten derjenigen, die ein Amt übernommen hatten, wurden Gottesdienste geschaffen, die an Weihe der Siunde und stimmungsvoller Andacht nichts zu wünschen übrigließen. Auch eine Anzahl alteingesessener Juden haben an den Gottesdiensten teilgenommen und dem Vorstand ihre Sympathie ausgesprochen. Felix M. Rosenthal, Johannesburg Am Schabbath Bereschith fand in der Großen Synagoge in Debrecen die feierliche Weihe jenes Sefer-Tora statt, welches die Zöglinge des Jüdischen Gymnasiums aus ihren eigenen Ersparnissen für den Jugendgottesdienst hatten schreiben lassen. in USA von selbst? zu gewöhnen, ist das Radio. Wem die Beobachtung der Sprechmimik beim Höien ein Hilfsmittel zum besseren Verstehen ist, hat außer Kino und Theater unzählige Gelegenheiten, kostenlos Predigten, Vorträgen und Reden zuztihören. Da man hierbei weniger das Vokabular bereichern, als das Laut- und Sinn Verständnis schulen soll, ist das Naclischlagen vieler Worte dem Hauptzweck des Hörens nur hinderlich. Das Naclischlagen unbekannter Worte ist viel mehr beim Lesen am Platze, weil die Unterbrechung liier das Verstehen des Sinnes und Zusammenhangs, der ja naciigelesen werden kann, nicht gefährdet. Leider beschränken die meisten von uns ihre Lektüre auf Zeitungen und Zeitschriften (sie lesen auch diese oft nicht regelmäßig genug!). Wenn auch die Lektüre des Buches unter unseren Lebensumständen nicht immer möglich ist, so darf sie doch nicht ganz unterbleiben. Nicht bloß um der allgemeinen Bildungswerte willen, sondern ganz besonders, um unser noch so schwaches englisches Stilgefühl zu schulen. Es gibt Leute, die bei jedem unbekannten Wort und jeder neuen Wendung, die ihnen begegnet, das Wörter— buch zücken. Natürlich können sie so viele neue Worte nicht im Kopfe behalten, als sic bei dieser Methode täglich treffen. Statt dessen sollte man täglich nicht mehr nachschen, als man je nach der Kapazität wirklich behalten kann (dieses Ma* terial aber schriftlich fcsthalten). Die meisten von uns, die noch irgendeine andere Fremdsprache erlernt haben, bcsitzen dazu große ged acht nis stützende H i 1 f s - mittel. Wer z. B. Latein oder Französisch kann, findet im Latein die Wurzeln und im Französischen die Verwandten besonders der englischen Abstrakta, ganz abgesehen von den zahllosen Beziehungen, die zwischen der englischen und der deutschen Sprache bestehen. Mit diesen mnemotechnischen Mitteln ist es möglich, im Durchschnitt täglich mindestens zehn neue Worte und Wendungen zu gewinnen. Bedenkt man, daß der Gebildete im Durchschnitt einen passiven Wortschatz von mindestens ötM 10 Worten hat. so ist zu erkennen, daß es nach der Beherrschung des dailv-life- Englisch noch Jahrsdauert, um so weit zu kommen. Man kann dabei den Rrozeli der W o r 1 s c h a t / e r w e i t e r u n g hei sich selbst sehr gut beobachten. Man kann erkennen, wie die Zahl der unbekannten Worte und Wendungen sich zusehends verkleinert, wie die ehemals Unbekannten einem immer mehr zu ..alten Bekannten‘־ werden, oft weiß man genau, wann, wo und in welchem Zusammenhang ihre Bekanntschaft gemacht worden ist, und ist man solchen beicits hekann'en Worten häufig genug begegnet, so gehen sic von dem passiven in den aktiven Wortschatz über. Man beginnt selbst, sie in den produktiven Sprachfunkhonen, beim Sprechen und Schreiben zu gebrauchen. Aber das ist nur dann möglich, wenn man sieh dazu, zum Englisch- Sprechen und Schreiben, dauernde Gelegenheit verschafft. Unterhaltungen mit Kindern, mit dem Nachbar, mit dem ״Mann aus dem Volke" sind außerordentlich geeignet, weil hier vic'e Hemmungen fortfallen. Hat man aber solche Unter- Haltungen schon gut bestanden, so wächst der Mut zum Sprechen im zweckhaften Gespräch immer mehr. Manche haben übrigens zuviel Mut. Sic schwätzen drauf los, unbekümmert um alle Fehler, und da sie nicht darauf achten, werden sie diese Fehler natürlich nicht ios. — Bei vielen Gesprächspartnern bestellt die Gefahr, sich sprachliche Unarten anzugewöhnen, die dem Anfänger schlecht stehen: Slang-Ausdrücke, während man auf der arideren Seite noch um ganz gewöhnliche Worte ringen muß, örtliche Aus- Spracheigentümlichkeiten zu einer Zeit, wo man noch unschwer den deutschen Dialekt — bayerisch, sächsisch, schwäbisch tisw. — seihst durch die" englische Aussprache hindurch hört. Diesen Dialekt aus der englischen Ausspräche aus/umerzen und zu einer wirklich englischen Lautfornmng zu gelangen, ist eine Aufgabe, an der mir die allerwenigsten arbeiten und für die man die Hilfe eines Lehrers kaum entbehren kann. Vor allem aber bedarf es der psyc 11 o I 0 g i s c 11 e!1 Bereitschaft zur Luitimitation, Auf die Bereitschaft und Fähigkeit zur Imitation sind wir auch beim Schreiben solange angewiesen, als wir noch nicht selbst ein sicheres Stilgefühl für die englische Sprache bc- Unsere Menschen sollen damit weder Redner noch Schriftsteller in englischer Sprache werden. Was sie sich bewußt erarbeiten sollen, ist soviel, wie man braucht, um voll am Leben hier teilnclime״ zu können. Es gewahrt ein tiefes (iliicksgefiihl, auf dem Wege dazu zu sein und zu erleben, wie einem die neue Sprache allmählich vertraut wird. Rein 11 old Herz, New York Palästina in der Thronrede In der Thronrede des britischen Königs, die zur Eröffverlesen wird, wird nach einer ״Meldung aus London 11, a. die Palästina frage behandelt werden. Biicbaiisstellunß in London. Mrs. Neville Chamber* lain hat die von der ״Sunda.v Time?״ veranstaltete Buch- Messe ״National Book Fair“ in Londons größter Ausstellungshallc eröffnet. Wie in den vergangenen Jahren haben sich alle englischen Verleger von Rang und Namen daran beteiligt. Die recht übersichtlichen Stände haben die Form eines 'Zimmers, in dem man zwei Wände mit Bücherregalen ausfüllte, in unserem Falle mit der literarischen Produktion des letzten Jahres. Geschichte, Biographie, Reisebcschrcibungen und -'!ihrer herrschen vor; wenige Uebersetzungcn aus fremden Snraehen. Weiten Raum nehmen Landkarten und Globusse und deren Herstellung, die mit viel Interesse betrachtet wird, ein. Die ״Antiquarian Booksellers’ Association“ hat es sich zur Aufgabe gen! acht, Seltenheiten, Kostbarkeiten, zu zeigen, die während der Dauer der Aus- Stellung unverkäuflich sind; von allgemeinem Interesse Homers ״Ilias und Odyssee“, auf griechisch, zum ersten Male 1188 im Druck erschienen; eine Shakespeare-Erstausgäbe von 1623, Folio, in London erschienen; Elisabethanisches England (1(1 Jhrh.) ist mit Stunclcnbüchern, Missalen und Werken der Schönen Literatur vertreten. Einen spez i e 1 1 jüdischen Stand hat es in diesem Jahr nicht gegeben. Dafür stellen die verschiedenen Verleger Werke jüdischer Autoren, oder von jüdischem Interesse, aus; so Seckel ft Warburg ,,No Ease in Zion“, von T. R. Feiwel. Das Buch gibt scharf umrissene Bilder im Vorderen Orient berühmt gewordener Männer, lebendige Schilderungen des täglichen Lebens in Palästina, und endlich einige gute Kapitel über die Rolle des Jaden in Her Geschichte. Unter den ״Raritäten“ ist für uns von BrleuUing eine ״Hoiv Bible“, ״Contcvning the Old Testament and the New“; ein stattlieber Folioband aus dem Jahre 1611. Das Titelblatt ziert ein Kupferstich, der Moses, die beiden Gesetzestafeln in der Hand haltend, zeigt. Dies Werk ist bekannt unter dem Namen ״King James' Authorized Version“. Ilse Cohnen

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