Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 88 (4.11.1938)
- Date
- 1938-11-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88, 4. XL 1*38 Der Schocken-AI man ach 5699 Vor kurzem klagte ein Freund bitter über die innere Verarmung der jüdischen Existenz in dieser Zeit. Ohne viel Worte wies ich ihn auf dies kleine gelbe Buch hin, das der Schocken-Verlag zum Jahresbeginn nun schon zum sechsten Male seinen Lesern schenkt. Auch in diesem Jahre — vielleicht in diesem Jahre ganz besonders — erfüllt es den Leser mit Dankbarkeit und Respekt vor dem universalen Rahmen seines Inhalts und der Fülle der Arbeitspläne, von denen es berichtet. Eine Welt, die um den jüdischen Mittelpunkt kreist — und die auf keine Richtung des Blickes verzichtet: Dichtung von einst und jetzt; Forschung in Geschichte und Philosophie des Judentums; Volkskunde aus allen Bezirken der Verstreuten; Statistik der jüdischen Wanderung; und eine unbekannte Zeichnung des alten Liebermann ״Betender Jude“ beschließt den gedankenweckenden Zug. Einen der geheimnisvollsten altjüdischen Pajtariim, Jannaj, der um das Jahr 60!) in Palästina lebte, hat Menachem Zulay in mühseliger Arbeit aus alten Handschriften- Testen in Jerusalem wieder zum Leben erweckt. Von diesem Unbekannten war uns allen (oder einem großen Teil von uns) längst seit der Kinderzeit ein Lied vertraut: jener b auc,h Tauentztensir.4 UU «Ul ■ vlbv Reparaturen t e 1010 00 02 24 : וו merkwürdige Mitternachtsgesang, den man am Sederabend singt, wenn die Becher schon fast geleert sind ״Es war um Mitternacht,..“ und der einst den jungen Heine zu seiner Vision des Belsazar erweckte. Hier lernen wir in ein paar Fragmenten aus Jannajs ״Kcrowoth“ (hebräisch und deutsch irr der cinfuhlciidcn Ueberlragung von M. Spitzer) diesen fast verschollenen [)!einer als einen wortgewaltigen Sprachkirnstler und mehr noch: als eine lebendige Stimme aus jenen stummen Jahrhunderten kennen. Das Bild der Lea — der verschmähten Frau, die (iott allein tröstet — gewinnt Gestalt ™ 4J!'11 'v'erse׳״ die vcm göttlichem Haß und göttlicher Liebe obten, aber nicht viel gelesenen grollen Sängers der Zionsliebe, he ״Geschichte der Juden im Kunde von der inneren Ent- 'nein Ringen um den Lebensspanischer Assimilation und It hat. In ein ähnlich vor die ich“ gestelltes Geschlecht, die Europa hn 19. Jahrhundert, Mas Wii die uns den Mann’ Juden zeigt. Den ti Geschichte geht, su heit des Tages t. htsame Zusammenhänge aufdeckende in o 11 zu einer Stelle aus Zunz, dem :heu Aufklärung im!9. Jahrhundert, Rationalismus als einen typischen Gegensatz, der durch die jüdische Leo Baeck darzustellen: Doppel- Zeiten — Schicksal und Irrtum des Tages sind auch das Judenschicksa.1; aber er vermag Zeiten zu erheben ״und zuletzt immer doch den Spruch des Ewige« zu vernehmen.“ — Aelwiieh will Eugen Tä übler in knappen Worten die frage nach der Renaissance des Judentums und der Mischung der Kräfte in ihr noch nicht «ergründen, aber durch bewußtes Offensein vorbereiten. Verwerfung oder Erwählung Israels: der alten Frage der Propheten naht sich hier Martin Buber durch eine ״Befrag urig der Bibel“ — in tiefen, fast den Rahmen dieser Jahresscfiau sprengenden Gedankengängen. Von jener großartigen Amos-Stelle geht er aus, die wir alljährlich als Begleitmelodie des Schabbaths ״Kedoschim“ (Heilig sollt ihr sein) vernehmen. ,,Seid Ihr mir nicht wie die Aethiopensöhne, Söhne Israels?“. Die Gleichstellung Israels als Gcschichtsvolk mit allen anderen Völkern im ,,nationalen Universalismus“ des ersten Schrittpropheten, und die Heratishebung zum Bunde, Scheiner&co. Maß-Schneiderei Unter den Linden 41 die Vei himllichkcit in Tun lind Lassen erteiflimg dem Juden seihst .,zugean cm neue« Geschlecht führt: das Gute, steüt!הו Tor die Ge- ','t '1 1 1 * ׳ ' . 11 י'! יי ,t 1:11׳ gtiuitDas s* ht 1 1 ,״ י I •1 , '1 י , - den 1 1׳ä1 i ״menthdl In sdiariem Grgi-n.-a:/ zu flenn - hier zwiespältig dargcsfelltem OhGm .'.i'omo1 ״ Line, dem Kiumi- und Kaufmann aus Ham- und dem " Ji-raeü prächtig herausai beitet und für'eine Widmungsniappe 7u!r, 60. Geburtstage Salman Schockens geschrieben wurde. Es ist fast *•möglich, die Fülle der Gaben, die sich hier auf dem schmälsten Raume verteilen, gebührend zu wtirdigen. Noch sprach ich nicht von den vielfachen gedankenreichen Dichtungen neuerer jüdischer Dichter; von dem aufrüttelnden Anruf Wolf s kehl s, dem farbenreichen Liede Mombcrts, den frischen und morgenschönen Liedern von Ludwig Strauß; vor allem nicht von dein Kleinod der Schau, der Ajnon sehen Erzählung ,,Im Wald und in der Stadt“, die M. Spitzer tihertragen hat; mir scheint, sie gehört zum Schönsten, was Agnon überhaupt geschrieben hat. Noch erzählte ich nicht von dem ergötzlichen Bilde New Yorks vor 90 Jahren, wie es ein jüdischer Reisender sah (Prof. Kisch fand diese Aufzeichnungen eines jüdischen Amerika Wanderers vom Jahre 1847) oder von den Negerjuden in New York, die Olafzer nach eigenen Eindrücken schildert. Und einen ernsten Rahmen tun all das Schöne und Tiefe zeichnen die ״Statistischen Tabellen“ von Albert P h i e b i g, die Daten von der Palästinawanderung und der Ucberseewanderung der letzten Jahre geben. Das zeichnet die Situation, in der dies schöne Buch entstand. Daß es in dieser Zeit entstehen konnte — dafür schulden wir neben den einzelnen Verfassern, dem Herausgeber und dem Verleger Dank. Bertha Badt-Strauß Schalom Aleichems Leidensweg Niemand war wohl so legitimiert, das Leben des großen jüdischen Humoristen aus nächster Nähe *u schildern, wie J. D. Berkawitz. Nicht nur weil enge Verwandtschaftliehe Beziehungen die beiden verbanden, sondern auch weil ßerkowitz, bei aller Anhänglichkeit an den Held seiner Erinnerungen, in seiner Beschreibung der Zeit, des Milieus und der Menschen, einschließlich Scha'om-Aleichems selbst, durchaus objektiv bleibt. Was uns an diesem Memoiren buch (Haiischonirn Kiwne-adam‘•, d. h. ״Die ersten als Menschen״. Erinnerungen an Schalom Aleichem und seine Zeitgenossen. Verlag ״Dwir“, Tel-Awiw 1938) vor allem packt und sicher viele Leser überraschen wird, das ist die große Summe der Leiden, die Schalom Aleichem auf seinem Lebensweg — trotz aller seiner Popularität — begleiteten. Darin liegt aber etwas für den jüdisclien Schriftsteller überhaupt Allgemcingültiges und zugleich etwas Bewundern«, vertes: daß er schaffen mußte (und muß) unter materieller Bedingungen, die das Schrifttum wohl keines anderen Volkes kennt. Kein anderer hat dies mit so unübertrefflicher Plastik geschildert, als Schalom Aleichem selbst (in einem von Berkowit7, zitierten Brief). Es war damals für ihn eine schwere Zeit. Er lebte in Kiew und befaßte sich mit Maklergeschäften. Doch der Drang zu schreiben, nahm immer stärker von ihm Besitz. Alle Fährnisse ertrug Schalom Aleichem indessen mit ungewöhnlicher Geduld, ja mit Humor. Aber nicht genug der materiellen Not, — mußte er in der ersten Zeit, wie Berkowitz bezeugt, auch gegen ein besonderes literarisches Vorurteil ankämpfen: damals schätzte man nur eine Literatur, die an den Leser Anforderungen stellte. Das galt auch hinsichtlich der Belletristik — so stark war damals die Erbschaft des Pilpul. Daher kleideten denn auch Menjlele und Perez ihre Schöpfungen in eine oft skurrile Form, bedienten sich der Andeutungen, die der Leser erst zu enträtseln hatte, u. dgl. Die schlichte, iekhte, verständliche Art Schalom Aleichems hingegen in seinem ״Tuwia der Milchige“, ״Menachem Mendel“ oder in seinen Fciertagserzählungen für jüdische Kinder erschien da als etwas ״Zu Leichtes“, als etwas Neues, das sich erst durchsetzen mußte. ״Man wußte darrials noch nicht“, bemerkt hierzu Berkowitz, ״daß Schalom Aleichem auch an diesem lekhten Stoff schwer arbeitete, unter Konzentrierung all seiner Sinne, stundenlang an seinem Arbeitstisch sitzend und die Fingernägel bis zum Blute zerkauend“. Aber auch die schlichte, natürliche Art des Menschen Schalom Aleichem war seinem Ansehen wenig zuträglich. So kam es, erzählt Berkowitz, daß man ihm in den Redaktionen nicht mit derselben Ehrfurcht wie z. B. Mendele oder Perez begegnete. Ja einmal wurde sogar der Versuch gemacht, Schalom Aleichem zu einem Werbereisenden für ein Blatt zu machen, — gerade in der Blütezeit seines Talentes, die jener Zeitung Tausende neuer Leser zuführte. Und was fast unwahrscheinlich klingt: Scha- 10m Aleichem nahm auf sich auch diese Mission — so groß war seine Not. Aber er hielt es nur zwei Wochen aus und kehrte nach Hause zurück.... Die Bekanntschaft zwischen Schalom Aleichem und seinem späteren Schwiegersohn und jetzigen Geschichtsschreiber kam im Jahre 1905 in Wilna zustande, wohin Schalom Aleichem in Begleitung seiner älteren Tochter gekommen war, um an der Zeitung ״Basman“ mitzuarbeiten. Was dieses Jahr »m Leben der russischen Juden bedeutete, ist bekannt. Schalom Aleichem war einer der wenigen, der die Hoffnung auf Besserung der Lage nkht teilte. Er selbst trug sich damals mit der Hoffnung, in W'ilna eine jüdische Zeitung zu gründen. Aber auch dieser Plan schlug fehl. In seiner Not schlug, er einen neuen Weg ein, der damals dem jüdischen Schriftsteiler noch fremd war: von Stadt zu Stadt zu reisen und seine Schöpfungen gegen Entgelt dem Publikum vor zulesen. ״Gewiß, das jüdische Publikum“, erzählt Berkowitz, ״erwies ihm überall Ehre, hob ihn empor, und er selbst mußte auch zufrieden sein: er liebte es ja, neue Städte, neue Menschen kennenzulernen und alles Neue in sich einztisaugen. Und dennoch kehrte er von diesen Reisen müde und deprimiert zurück, als wäre er nicht nur aus seinem häusliehen Milieu entwurzelt, mit dem er mit Leib und Seele verbunden war, sondern als hätte er auch sein inneres Gleichgewicht verloren.... Auch wußte er, daß man in den Schriftstellerkreisen von Odessa und Warschau diesen seinen neuen ״Verdienst“ schief ansah, mit dem er die Ehre der jüdischen Literatur entweihte.,. . Wie mußte er damals den alten Mendele in Odessa beneiden, der in seinem geräumtgen Arbeitszimmer saß, umringt von hohen Bücherregalen, fleckenlos und sicher ruhend auf seinen literarischen Lorbeeren, oder Perez in Warschau, der wie ein Hohepriester der Literatur, von Weihrauch umgeben, fungierte, während er selbst unruhig umherirren mußte, ein wandelnder Schau- Spieler gleichsam oder wandelnder Stern, und gezwungen war, seine Nächte im Eisenbahnwagen zu verbringen und nach der Ankunft in den kleinen Städtchen zweifelhafte Ehren einzuheimsen von den dortigen Intellektuellen, die ihm in gemütlicher ״Schalom Aieichemscher“ Art auf die Schulter klopften und ihm langweilige Anekdoten erzählten.“ Schalom Aleichems Pessimismus in bezug auf die weitere Entwicklung hat ihn nicht getäuscht Der Kiewer Pogrom im Herbst 1905 samt den vorangegangenen persönlichen Erfahrungen gaben Schalom-Aleichem den letzten Anstoß: er beschloß, das Land zu verlassen. Mit seiner siebenköpfigen Familie, zu der noch von früher her seine aufopferungsvolle Schwiegermutter und neuerdings ein Schwiegersohn, eben J. D. Berkowitz, hinzukamen, alles in allem eine Gesellschaft von zehn Mensehen, trat Schalom Aleichem den Weg nach Amerika völlig mittellos an. Er blieb daher zunächst in Lemberg, um von hier aus mit der jüdischen Presse der USA. h'ühlung zu nehmen und Mitte! zur Weiterreise zu beschaffen. Die große, von ihm selbst nicht geahnte Popularität seines Namens in Galizien bereitete ihm manche freudige Ueberraschung in dieser trüben Epoche seines Lebens — und veranlaßte ihn zu Vortragsreisen in den galizischen Städten. Zu dem gleichen Zwecke unternahm er kurze Reisen auch nach Rumänien, nach Paris und nach London, wo die Bekanntschaft mit Jakob Adler, dem berühmten jüdischen Theatermann New Yorks, ihn zu neuen Hoffnungen beflügelte, — und übersiedelte dann mit seiner ganzen Familie nach Genf. In dieser Stadt hielten sich damals — in der Zeit nach den russischen Pogromen — auch Mendele und Ben-Ami auf, deren Ge- Seilschaft und Gespräche Schalom-Aleichem manche trübe Stunde erheiterten. Endlich, im Oktober 1906, schiffte er sich mit seiner Frau und dem jüngsten Sahn in Southampton nach Amerika ein. Bald nach seiner Landung schon geriet er in den Wirbel von New York. Es regnete Vorschläge und Angebote verschiedenster Art: von Zeitungen, Theatern, gesellschaftlichen Unternehmungen. Unterdessen nahte auch der Tag des feierliehen Empfangs heran, für den Jakob Adler sein ״Grand- Theater“ zur Verfügung stellte. Die New-Yorker Juden bewiesen, daß Sclialom Aleichem ihnen ein teurer Gast war. Das Theater war übervoll, Schalom Aleichem las seine Er- Zahlungen vor, und der Abend verlief recht feierlich. Ihm folgte ein großes Bankett. Die Veranstaltung erbrachte 1000 Dollar. Alles schien sich zum Besten zu wenden. Aber bald begann der Alltag seine Forderungen zu stellen. Ein Brief Schalom Aleichems aus dieser Zeit an seine in Genf zurückgebliebenen Angehörigen kennzeichnet seine damalige Stimmung und seine Eindrücke: ״Ich besitze nicht genug dunkle Farben, um euch euer künftiges Leben in USA. unter den obwaltenden Bedingungen zu schildern. Wenn Du (Berkowitz) mit der Nähmaschine arbeiten könntest, oder Zu׳■ Schneider, Schneider oder dergleichen wärest, könntest Du hier zur Not oder sogar ganz gut Fuß fassen. Wenn Du einen Schiebkarren mit Waren schieben könntet, würdest Du sicher gut verdienen. Wenn du aber von schriftstellerischer Arbeit träumst — so kann ich Dir nichts Gutes voraus!- sagen.“ Schalom Aleichem selbst aber arbeitete unterdessen!*> mitten und unter der Einwirkung des New-Yorker Trubels an zwei Stücken zugleich für die dortigen jüdischen Thea« ter: für das dramatische Theater von Jakob Adler •und für, die Operette von Boris Tomaschewski. Den Stoff für beide! entnahm er seinen früheren, in Rußland entstandenen Schöp« fungen, mußte sie aber in Eile dem amerikanischen Geschmack anpassen und auch von einheimischen Sachkundigen und den Stars verschiedene Veränderungen vornehmen lassen. Für das ״People-Theater“ Tomaschewskis dramatisierte er, seinen ״Stempenii“, für Adler aber schrieb er eine Tragi«• komödie ״Samuel Pasternak“, aus dem Leben eines jüdisehen Börsianers. Um keines der beiden Theater zu bevor«• zugen, wurde vereinbart, daß die beiden Premieren am gleichen Abend stattfinden sollten. In den jüdischen Theater« kreisen raunte man sich zu, Schalom Aleichem habe zwei ״Knalleffekte“ gleichzeitig vorbereitet. Endlich rückte der Abend der beiden Premieren heran. Die beiden Theater waren überfüllt, in beiden wurden Schalom Aleichem stür« mische Ovationen bereitet. ״Es scheint mir“, schrieb er seinen Angehörigen, ״ich habe die Prüfung glänzend bestan« den“. Aber nach zwei Wochen schon wurden die beiden Stücke abgesetzt. Verschiedene Gründe trugen dazu hei: die Unruhe, mit der Schalom Aleichem an ihnen gearbeitet hatte, der amerikanische Geschmack, der trotz aller Anstrengungen sich doch nicht auf die Dauer befriedigt sah, und manches andere. Schalom Aleichem verfiel jetzt, zumal da auch große literarische Erfolge ausblieben, in Trauer. Er verlor die Hoffnung auf Amerika. Im Juni 1907 kehrte er nach Genf zurück. Sein Gesicht schien verfallen, die Haut pergamentgelb, seine ganze Gestalt in einem Jahre gealtert und kleiner geworden. Aber bald kam doch seine alte Natur zum Durchbruch. ״Er begann, uns die amerikanischen Juden in lebendigen Gestalten, in ihrem ganzen geistigen Habitus, vorzuführen. Und wenn er von New York erzählte, so spürte man seine Bewunderung.“ Jahrbuch und Festschrift Publikationen in Ungarn Im Jahre 1938 entbehrt das von Oherstudiendirektor Dr. Samuel Szemerc mit gewohnter Umsicht redigierte Jahrbuch derUng.-Isr. Literaturgesellschaft der aktuellen Jahres- und Jubiläumswürdigungen persönlicher Natur, die sonst vorherrschen. Auch die erzählende Belletristik kommt dieses Jahr kaum zu Worte, wohl aber Lyriker der älteren und jüngeren Generation, die mehr oder minder Jüdisches zum Ausdruck bringen. Die umfangreichste Arbeit des Bandes befaßt sich mit der Geschichte des vergangenen Jahres; sie stammt vom Historiker des Jüdischen Gymnasiums, Prof. Ph, Grünwald, und führt den Titel: Von dem Bericht der Peel-Kommission bis zu den Beschlüssen der Konferenz von Evian. Die Stellung des jüdischen Volkes in weltgeschichtlicher Beleuchtung würdigt Scminarprofessor Dr. Samuel Löwinger, die religiöse Funktion der jüdisehen Musik Dr. F. Krantcr-Kcszi. Rektor Dr. M. Guttmann untersucht die Bedeutung des Gelübdes in den talmudischen Quellen, Professor Dr. B. Heller geht den Beziehungen des Echod mi jodea in der Hagada nach. Interessante folkloristische Deutungen von Tefnlin, Tallith und Mesusa gibt Prof. B. Ko h Ibach, während Alex. Sc heiber Lots Töchter mit der agadischen Feuerflut in Verbindung bringt. Rabb, Dr. Max Pollak (Sopron) folgt den Spuren der Bibel in dem Moses-Drama des berühmten M a ־ däch, Rabb. Dr. E. Roth (Qyör) sammelt wertvolle Gedanken über ״Jüdische Bücher und jüdische Geschicke“, Mitteilungen über die Literaturgesellschaft und deren Jüdisches Museum schließen den Band ab. Rein wissenschaftlichen Charakter trägt die Fest- Schrift, die dem Professor an der Budapester Universität, Dr. Eduard Mahler, zu seinem 80. Geburtstag gewidmet wurde. Einleitende Aufsätze würdigen den Jubilar als Akademiker, Dozenten und Menschen, während eine Bibliograscher Forscher in ungarischer, deutscher, französischer, englischer, italienischer und hebräischer Sprache, in denen allen auch Mahler geschrieben hat. Ein Großteil der Arbeiten beschäftigt sich mit dem engeren Arbeitsgebiet des vielseitigen Orientalisten, besonders mit Äegyptologie und Assyriologie; auch der astronomisch begründeten Chronologie, in deren altbiblischen Beziehungen Mahler Grundlegendes feststellte, sind einige Artikel gewidmet. Von jüdischem Interesse ist die 3. und 4. Gruppe der Aufsätze. Rektor A. Büch ler (London) schreibt über einen talmudischen Ausdruck. Michael Guttmann über: Maimonides über das biblische jus tallonis, St. Hahn über: Sifre Minim, B. Heller über: Aegyptische Elemente in der Aggada, B. Kohlbach über: ßesominibehälter im Ungarischen Nationalmuseum, Sam Kr ausz (Wien) über: Rabbinische Nachrichten über das alte Aegypten, Immanuel Löw (Szeged) über: Lichlstrablende Eifelsteine, A. Marmorstein (London) über: Aegvptische Mythologie und babylonische Magik in Bibel und Talmud, R. Patai (Jerusalem) yber: Einige hebräische Meerlcgcnden, Alex. Sch ei ber über: Ursprung der Sprache im jüdisehen' Schrifttum; Professor S. Klein (Jerusalem) über: Bei- und Spottnamen im Hebräischen und Sam. Löwinger über: Ergänzungen zu den Fuchsmärchen. — Die Herausgäbe des Bandes lag in den Händen eines Festkomitees, an dessen Spitze Direktor Adolf W e r t h e i m e r stand. Dr. A. F. PIRSISNIR « Nllll fllbcrfilctii«. Simtl. P«lurt«n ILSSS-K US X BERLIN W 5 0