Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 88 (4.11.1938)
- Date
- 1938-11-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU SPORT-RUNDSCHAU Nr. 88, 4. NOVEMBER 1938 Rundblick auf die Sportplätze Schild Worms beim Bar Koctiba Frankfurt — Bar Kochba Frankfurt gewinnt 3:0 (1:0) Die Mannschaft aus Worins war nur mit sieben Spielern erschienen und wurde, um das Spiel durchführen zu können, durch Jugendspieler des Bar Koehba-Hakoah Frankfurt er• gänrt. Es _ entwickelte sich ein sehr flottes, ahwechslungsreiches Spiel, bei dein;׳war die Frankfurter Makkabim stets dominierten; aber die Mannschaft aus Worms setzte sich sehr ein und ersetzte mangelnde Technik durch großen Spieleifer. Der für dieses Spiel vom Bar Kochba Frankfurt entliehene Torwart Adler hielt die schwersten Bälle aus• gezeichnet und verhinderte somit eine größere Niederlage des Schild Worms. So konnten die Frankfurter bis Halbzeit nur mit einem Tor in Führung liegen. In der zweiten Spielhälfte wurde die lieberlegenheit der Frankfurter noch stärker zum Ausdruck gebracht. Hirsch und Sommer konnten noch je ein Tor einlenken und somit das Endspielergebnis von 3:0 Sickerstellen. Bar Kochba Frankfurt mußte einige Spieler durch Jugendliche ergänzen, von den insbesondere Addi Goldschmidt als Mittelläufer, Armin Stern in der Verteidigung und Joachim Hess im Tor ausgezeichnet gefallen konnten. Bei Schild Worms gefiel die Verteidigung gut, und in der Läuferreihe Hermann Federmann. Bar Kochba Frankfurt Jugend (kontb. mit Hakoah) gegen Schild Frankfurt 3:f (1:1) Dieses auf sehr hohem spielerischem Niveau stehende Jugendspiel war ein Fußbalikanipf von der ersten bis zur letzten Minute. Beide Mannschaften traten in der stärkstem Besetzung an, gaben das Beste, um den Sieg für ihre Vercsnsfarbvn .sicherzustellen. Die bessere Gesamtleistung und auch der größere Ehrgeiz der kombinierten Frankfurter Makkabim brachte diesen den verdienten Sieg. Bis Halbzeit war Makkabispieler etwas mehr im Vorteil lagen, ln der zweiten Spielhälfte wurde die t.'eherlegenheit des Bar Koehba-Hakoah deutlicher; tonangebend war insbesondere die sehr stabile Läuferreihe mit Addi (j o 1 d s c h m i d t, Theo Grünebaum und Walter (Jo I d s c 11 tu i dt. Diese stoppten die meisten Angriffe des Schild-Sturmes. Auch bei der Schild-Jugend war Werner Hess der Turm in der Schlacht. Er war der beste Spieler seiner Mannschaft. Neben ihm war noch Heinz Vorenberg sehr gut, der auch den Ehrentreffer erzielen konnte. Ernst S t r a;1 s s hielt im Tor die unglaublichst« Balle. Beim Bar Km:11ba-Hai<oah Frankfurt erzielte Joachim Hess auf wunderbare Vorlage von Addi Goldschmidt zwei Tore, während der dritte Treffer von Rudi Klebe geschossen wurde. Bar Koehba-Hakoah Frankfurt 1. Schüler gegen Schild Frankfurt 6:1 (3:1) Auch das Schülerspiel konnten die Frankfurter Makkabim für sich entscheiden; sie waren auch ständig stark überlegen und konnten durch besseres Zusammenspiel, größere Reife und Spielerfahrung einen eindeutigen Sieg erringen. Ausgezeichnet konnte die Stürmerreihe der Frankfurter Makkabim gefallen, in der Otto Mannheimer die meisten Tore erzielen konnte. Bei den Schild-Schülern war der kleine ,Torwart Maier-Bender der beste Spieler, Tag der ״Unentschieden'* So könnte die Veranstaltung des Jüdischen Box-Clubs ״Maccabi“ E. V, im Boxen, die am 25. Oktober in der Auguststraße 11—13 abgewickelt wurde, bezeichnet werden. Bei zehn Kämpfen gab es nur vier Sieger; die übrigen Paarungen endeten mit obigem Ergebnis, wobei noch zu erwähnen ist, daß im_ Kampfe Colin-Conti gegen Meigners das Urteil, das den Sieg an Colin-Conti gab, zweifelhaft ist, zumal dieser an Jahren und Gewicht seinem Partner gegenüber groß im Y'orteii war. — Unentschieden: Wasersztrum gegen Zellcikraut, Duchowny gegen Uscherowitz, Leßheim gegen Bclotetzki, Zylbermann gegen Toporek II, Cohn gegen Riemer, Manfred Hahn gegen Martin Margulies. (Hier war Hahn benachteiligt.) — E s siegten: Gerhard Hahn über Kuttncr, Sznur über Wasserreich, Baumer über Giesener, Colin-Conti über Meigners (siehe oben). Neue Leitung beim Makkabi Frankfurt Die neue Leitung des Makkabi Frankfurt — Bar Koehba-Hakoah — ist jetzt konstituiert worden. Der engere Vorstand besteht aus Max Bergmann, Heinz David und Dr. Martha Wertheimer, während der erweiterte Vorstand aus Berthoid Biene«, Justin Junker, Erich Künstlicher, Nach mann Liclmer, Gemeinderabbiner Dr. Heinrich Lemle, Alfred Reis und Hermann Speier gebildet wird. Die Tarbuth-Arbeit wird künftig von Dr. Martha Wert heim er und Erich Künstlicher geleitet. Auch im sporttechnischen Mitarbeiterstab des Makkabi Frankfurt sind einige wichtige Aenderungen eingetreten. Als Nachfolger von Lolles Metzger hat Robert Eskeles di« Obmannschaft der Leichtathletik übernommen; Berthoid Bien es wurde Obmann der Handballer, Tischtennis-Obmann ist Aron Schimmel; die Leitung der Hockey-Abteilung hat jetzt Heinz David, «dem als technische Berater Anna Hemp und Fritz Kulp zur Seite stehen, inne. Walter G o 1 d s c h m i d t übernimmt nach dem Weggang von Luddy Adler die Leitung der Faustball-Abtcilnng. W. Vom Bar Kochba Dresden. Am 25. Oktober fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt, die einen ungemein starken Besuch aufwics. Die vom Vorsitzenden Berthold Weinstein geleitete Versammlung befaßte sich mit einer Reihe innerorganisatorischer und sportlicher Angelegenheilen, wobei die seit dem ersten Vierteljahr 1938 akute Sportplatzfrage behandelt wurde. Das inzwischen erstellte Sportheim bietet Gelegenheit, wieder einen umfassenden Trainingsbetrieb durchzuführen. Der Heimordnungsplan der Vereinsleitung, wonach alle für die neue Ucbungsstättc zu leistenden Arbeiten von den Mitgliedern freiwillig selbst übernommen werden, fand einstimmige Annahme. Im Mittelpunkt stand das Referat von Dr. Hans Kuhn (Berlin), dessen aufschlußreiche Ausführungen begeisterte Zustimmung fanden. Ergebnisse aus Frankfurt a. M. Fußball: Hakoah Frankfurt Schüler I/Il kombiniert gegen Philanthropm Frankfurt 1,11 komb. 7:0 (3:0). — Handball: Hakoah Frankfurt Jugend gegen Philanthropin Frankfurt Jugend 3:8 (2:3). ׳־ Jüdische Boxer Boxen ist ohne Zweifel eine der härtesten Sportarten. Es ist gleichzeitig derjenige Sport, der die vielseitigste körperliehe Durchbildung verlangt und gewährleistet. Ein Polemik gegen die oft zu hörende Behauptung der ״Roheit“, die mit dem Boxen verbunden sein soll, dürfte sich erübrigen. Einmal muß zwischen dem Boxen als Kampfsport und als bloße Leibes Übung unterschieden werden. Gewiß verlangt Boxen, als Kampfsport betrieben, große Härte und Mut, und die aufregenden und wechselnden Phasen eines Boxkampfes mögen dem Laien mitunter das Bild einer wilden Schlacht bieten. Wer aber jemals zwei technisch gut geschulte Boxer im Ring gesehen hat, und, wie bei jeder anderen Sportart, eine gewisse Passion und Kenntnis initbringt, weilt, daß der Kampf unter Kontrolle des Ringrichters nach festen Regeln sich abwickelt, die bestimmte Schläge verbieten und aus einem Boxkampf das machen, was er nach Auflassung aller Anhänger dieses Sports sein soll: ein mit allen technischen Makkabi-Boxer Foto: H. Sonncnfcld . Mitteln, aber auch mit dem Einsatz der vollen physischen und seelischen Kraft und Widerstandsfähigkeit geführter Kampf, dessen oberster Grundsatz Fairness heißt. Wenn sich am Schluß des Kampfes die Gegner die Hände reichen und als Zeichen ihrer gegenseitigen Anerkennung häufig genug umarmen, so ist alle gegenseitige Erbitterung vergessen und zwei Freunde, nicht zwei Feinde, verlassen den Ring, ein Vorgang, den man bei anderen Sportarten nach Schluß des Spiels häufig genug ni-cht beobachtet. Wenn wir feststellen wollen, welche Rolle Juden im Boxen spielen, so muß gesagt werden, daß sie in dieser härtesten aller Sportarten an hervorragender Stelle vertreten sind. Ihre Leistungen sind, international gemessen, den Leistungen jüdischer Sportsleute in anderen Sportarten überlegen. Von den zahlreichen internationalen Boxern seien die markantesten aufgeführt, bei denen der Nachweis jüdischer Abstammung zweifelsfrei feststellt. Bereits 1781 stand mit Daniel Mendoza in England ein Mann im Ring, der alle Schwergewichte schlug, Meister von England und der erste jüdische Schwergewichts-Weltmeister wurde. Er kämpfte noch ohne Handschuhe mit den bloßen Fäusten. Sein Nachfolger in der Gegenwart ist allen bckannt, Max B a e r, der mit dem Davidstern aut der Kampfkleidung den Koloß Camera entscheidend schlug. Weitere berühmte Namen im Mutterland des Boxens, in England, waren von 1801 — 1820 Sainuel Elias", der als Mittelgewichtler die meisten Schwergewichtler schlug, und die Brüder Balasco. Später wurde Jaques Bloomfield Schwergevvichtsmeistcr von England und Teti Kied Lewis Weltmeister im Weltergewicht. Der frühere langjährige Titelhalter im Halbschwergewicht Max Rose 11 b 1 0oin war Jude. Benny Leonhard t, dessen wirklicher Name Leiner war, hielt jahrelang den Weltmeistertitel im Leichtgewicht, bis er, ungeschlagen, freiwillig sich zurückzog. Er gilt mit Recht als der kunstvollste Boxer der letzten Jahrzehnte. Im Federgewicht war der Jude Attell ebenso bekannt und erwarb den Weltmeistertitc! seiner Klasse. Die zahlreichen jüdischen Boxer, die sonst noch in amerikanischen und europäischen Ringen Erfolge errungen haben, lassen sich in diesem Rahmen nicht vollzählig anfübren. Erwähnt seien noch Lewinsky, Mandel), Masori, Frusli, Zood, Harry Greb, Fiekls, Berg, Roß, Percz, Sid Terris, Lew Tendier usw, In Deutschland ist die Geschichte <lcs jüdischen Amateur- Boxsports im wesentlichen die Geschichte des Jüdischen Boxclubs ״Makkabi“, wenn cs auch einige bekannte jüdische Boxer gegeben hat, die nicht aus dem Makkabilager hervorgegangen sind, wie z. B. den früheren Meister im Fliegen- und Federgewicht Harry Stein, im Bantamgewicht Felix Friedemann und im Mittel- und Halbschwergewicht S e e 1 i g. Die Namen der Makkabiboxer und ihrer Leistungen sind unvergessen. Malz, Noschkes, Branntwein, Weißkind. Ball, Buchbaum, Friedländer, Praiß, Neumann, Franke, Fuchs und zahlreiche andere kämpften in den Boxstaffeln des Makkabi und führten sie zum Siege. Verschiedene v-on ihnen trugen Meistertitel ihres "Verbandes, und noch in den letzte•: Jahren bewies eine Reihe internationaler Veranstaltungen in Berlin die Kampfstärke des Makkabi. Hervorzuheben sind auch die in den letzten Jahren mit Erfolg durchgeführten Boxexpeditionen des Makkabi nach Polen, Lettland, Estland und der Tscheeho-Slowakei, in denen der Boxclub ausgezeichnete sportliche Erfolge aufzuweisen hatte und eine erfolgreiclie Propaganda für den :Makkabi entfalten konnte. Einen Höhepunkt boxerischer Betätigung bedeutete für den Makkabi der Erfolg, den der Boxclub auf der II. Makkabiah erringen konnte. Er wurde Mannschaftssieger gegen eine außerordentlich starke Konkurrenz der Boxer der übrige:׳ Makkabikreisc, und alle, die diesen Kämpfen in der Taruchah in Tel Awiw beigewohnt haben, wissen, daß diese Kämpfe um die höchste sportliche Auszeichnung des Makkabi mit äußerster Erbitterung geführt worden. Nach seinem Anschluß an den Alakkabikreis im Jahre 1933 ist hier eine Boxbewcgung entstanden, die der Makkabikreis vorher als sportlicher Verband, der sich im wesentliehen auf Leichtathletik und Turnen beschränkte, nicht gekannt hat. Diese Entwicklung muß mit allen Kräften gefördert werden, denn wie kaum eine andere Sportart ist gerade das Boxen geeignet, das körperliche Niveau jüdischer Jugend zu heben und durch die mit ihm verbundene Härte aut die schweren Aufgaben vorzubereiten, die sie in Erez Jisrael und anderswo erwarten. Dr. Max Schcinmann Exiner und Sadger gehen zur Alija In diesem Monat sind zwei Menschen des Bar Kochba- Hakoah Berlin zur Alija gegangen, die aus der Arbeit des Makkabi kommend wichtigste Aufgaben im jüdischen Leben übernommen hatten und dennoch bis zuletzt gerade der Arbeit des jüdischen Sports eng verbunden blieben: Martin Exiner und AloisSadger. Martin Exiner kam aus der Berliner ״Ivria־“, dem jüdisehen Ruderklub, der als erster die volle Erfassung seiner Menschen und die zionistische Erziehung seiner Jugend praKtisch in Angriff nahm, Schon in der alten ״Jüdischen Turnerschaft“ arbeitete er endscheidend mit. In den Vordergrund trat er dann wieder in den letzten Jahren, als er den Vorsitz des größten jüdischen Sportvereins, des Bar Kochba- Hakoah Berlin, übernahm und den Verein getreulich und in unermüdlicher Kleinarbeit führte. Daneben bekleidete er viele Ehrenämter, er war insbesondere Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde und Vorsitzender des Verwaltungsrates im Jüdischen Kulturbund Berlin. Alois Sadger führte den jüdischen Fußbail-Verein ״Hakoah“ viele Jahre hindurch und war entscheidend an dem Zusammenschluß der ״Hakoah“ mit dem ״Bar Kochba“ im Jahre 1930 beteiligt. Nach dieser Zeit leitete er die Fußballabteilung des neuen Großvereins und wirkte tätig im Hauptvorstande des Bar Kochba mit. Auch er gehörte der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde an. Der langjährige erste und stellvertretende Vorsitzende des Bar Kochba Hamburg, Herr Martin S a 1 i 11 g e r, vollendet am 9. November seinen 5(1. Geburtstag. Salinger ist einer der eifrigsten Turner, Hockeyspieler und Faustballer gewesen. Er hat sich führend als Leiter der Faustballabtcilung beteiligt, auch heute noch sieht man ihn gern spielend mit der Jugend sich betätigen. Sein Haus war in früheren Jahren der Sammelpunkt der langjährigen Mitglieder des Bar Kochba. Zwei erwachsene Söhne leben bereits in Palästina. Seine Gattin, die aus einer eifrigen jüdischen Sportlerfamilie stammt, stand ihm stets bei seiner Bar K-ochba-Arbeit zur Seite. TIschtennls-Turnier. Der Bar Koehba-Hakoah Berlin veranstaltct Ende des Monats das erste große Tischtennis- Turnier dieses Winters. Meldungen an das Büro, Meinekestraße 10. Kraftsport im Makkabi Amsterdam Die neu gegründete Abteilung des Makkabi Amsterdam veranstaltete ein Ringerturnier, an den! einige der besten Ringer des Landes sich gegenüber standen. Eingcleitet wurde der Abend durch Herrn Jakob Frank, den 2. Vorsitzenden des holländischen Makkabi, der Worte des Dankes für die Mitwirkung an dem Aufbau dieser neuen Abteilung Nicht mehr in de* Wett! Wenn Sie auswandern, wahren Sie den Zusammenhang mit Ihren Verwandten und Freunden. Verabschieden Sie sich von ihnen und teilen Sie ihnen Ihre neue Anschrift mit. Sie sparen Arbeit und Kosten durch ein Inserat in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU an den Niederländischen Kraftsportbund richtete. Die Abteilung des Makkabi, di« erst drei Monate besteht, zahll heute schon über 100 Mitglieder. Der Makkabi Amsterdam hat durch Anschluß eines Fußballvereins nun auch ein« Fußballabteihing erhalten. Durch die neugegrimdeten Abteilungen, Handball, Kraftsport unc Fußball, gewann der Makkabi in den letzten drei Monaten ca.’200 neue Mitglieder. Kegelmeistersctiaften Am 27. November finden in Berlin die jüdischen Kegel• meisterschaften statt. Teilnahmeberechtigt sind alle Mitgliedei von Vereinen, die dem ReichsausschuB jüdischer Sportver׳ bände angeschlossen sind. Neben der Einzelmeisterschaft wer den ein Städtekampf sowie ein Zweien::: ׳;: ה T! unc einige Spezial Wettbewerbe ausgetrageu. Meldungen an die Geschäftsstelle des Jüdischen Sportkcglervereins, Fritz Kleczewski, Berlin 0112, Schreinerstr. 20.