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Jüdische Rundschau · 1938-11-01 · Heft 87 (1.11.1938) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 87 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU AUS DEM REICH Nr. 87, 1. NOVEMBER 1938 Die Jüdische Winierhilfe in Zahlen Die Zentralwohlfahrtsstelle bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland legt einen ״Rechenschaftsbericht des Jüdisehen Winterhilfe 1937/38“ vor, der auf 15 Seiten ein außerordentlich lehrreiches Bild von der Arbeit der JW’H im vergangenen Jahre vermittelt. Der Bericht enthält in übersiehtlieber Gliederung ein umfangreiches Zahlenmaterial, das für die Aufgaben der jüdischen Sozialpolitik in Deutschland überhaupt von Bedeutung ist. Nach Spendenzweigen verteilte sich das Aufkommen der JWH derart, daß monatliche und einmalige Spenden 79,80׳״ des Gesanifa 1!fkommens ausmachten; die Eintopfspende erbrachte 12,9»,'0 der Gesamtspenden. Die Gesamtzahl der unterstützten Personen betrug im Berichtsjahre 77 231 Seelen; dies bedeutet, daß nach den für die JWH gültigen Richtlinien ein reichhch es Fiintte! der jüdischen Bevölkerung hilfsbedürftig war. Nach Gebieten betrachtet, stand an der Spitze der Hilfsbedinftigkeit di« jüdische Bevölkerung in Pom m e r n , wo auf 100 Seelen 32 Hilfsbedürftige entfielen. An zweiter Stelle stand der Anteil der Hilfsbedürftigen im Bezirk Schleswig-Hols t e i n, wo ebenfalls mehr als 30 0/0 der jüdischen Bewohner auf die Jüdische Winterhilfe angewiesen waren. Beachtung verdient die Verteilung der Hilfsbedürftigen nach den Größenklass e n d e r G e m e i n d e n. Grundsätzlich kann man sagen, daß die Winterhilfe um so stärker tätig werden muß, je kleiner die Gemeinden sind. Die Hilfsbediirftigkeit der jüdischen Bevölkerung in den Gemeinden der Größenklasse von mehr als 500 Seelen lag etwas unter dem Reichsdurchschniti; in den Gemeinden von 100 bis 500 Seelen und irr den Gemeinden von weniger als 100 Seelen lag sie erheblich‘ darüber. Mehr und inehr trat bei der Arbeit der jüdischen Winterhilfe das Alter, ältere Ehepaare nämlich und alleinstehende ältere Personen, in den Vordergrund. Mehr als 50״'o aller unterstützten Parteien bestanden nur aus einer Fersen. Fast 8 00/0 der unterstützten Parteien hatten, keine Kinder; bei 170/״ aller Parteien wurden bis zu zwei Kinder mitunterstützt, und nur 30/״ der von der JWH betreuten Parteien hatten drei und mehr ־wmterhilfsbediirftige Kinder. 450׳״ der männlichen, 39׳״a der weiblichen Unterstützungsbedürftigen waren ledig. Etwa je ein Drittel der männlichen und weiblichen Hilfsbedürftigen standen im Alter von 45 bis 05 Jahren. Außerdem zeigt der Anteil der über 65jäl1rigen die Tendenz zum Wachsen, vor allem bei den Frauen in der Gemeindegrößenklasse von bis zu 100 Seelen, wo er mehr als ein Fünftel ausmachte. Rechnet man, daß innerhalb der Altersgruppe der 15- bis unter 05jährigen etwa ein Viertel bereits das 60. Lebensjahr überschritten hatten, so ergibt sich, daß etwa 19 000 bis 20 000 Hilfsbedürftige älter als 60 Jahre waren. — Die Aid- Wendungen für die Unterstützung der Hilfsbedürftigen durch die JWH betrugen insgesamt ca. 3 316 000 Mark. Fast ein Zehntel davon wurde für die K0111enver<orgu!1g auf gewandt. Der Bericht läßt in seiner nüchternen Form die seelischen Kräfte, die die Arbeit der Jüdischen Winterhilfe tragen, nur ahnen; dennoch ist er für alle, die mit dieser Arbeit verbünde! sind, eine willkommene Belehrung. Kulturbund-theater in Köln ״Regen und Wind" Durch die hohen Feiertage sind die künstlerischen Ereignisse sehr stark eingeschränkt worden, und nur der Kulturbund Rhein-Ruhr brachte mit der Erstaufführung von ״Regen undW ind“ einer Komödie von Merton Hodge, einige Abwechslung. Das Stück spielt m einer Universitäts- Staat Schottlands in einem Studentenheim und stellt die verschicdenen individuellen Charaktere und den immer wiederkehrenden Typus der englischen Studenten gegeneinander auf. Das Einflechten einiger gut empfundener Liebesszenen belebt die einzelnen Bilder. Im ganzen dürfte dem kleinen lekliten Spiel keine weittragende Zukunft prophezeit werden. Die Kölner Vorstellung unter Ben Spaniers szenischer Leitung war ausgezeichnet, nur etwas mehr Tempo wäre n-och zu wünschen gewesen. Von ganz besonders nachhaltigem Eindruck war die Anne der Ruth Festersen, in ihrer Herbheit und seelischen Kraft wohl die stärkste Erscheinung des Abends. Auch Jenny Boree (Marba) wirkte als Mutter überzeugend und voll Wärme. Mit viel Lob seien ferner erwähnt: Anneliese Töpfer und von den Herren: Fritz Bensch er, Max Koninski, Emst Rose, Rolf W. F e 1 d h e i m und der junge Friedrich Buch, mit dem ein erfreulich frischer Wind über die Bühne wehte. Vorher hatte der Kulturbund mit der aufs äußerste ausgeglichenen Erstaufführung von Ladislaus Fodors ״Arm wie eine Kirchenmaus“ unter Max Ehrlichs szenischer Leitung einen ganz starkem Widerhall zu verzeichnen, quicklebendig spielte Ruth Festersen die Rolle des jungen Mädchens, das sich durch Tüchtigkeit das Herz des reichen Bankiers erobert. Ihrer Rivalin Olly verlieh Friedl Münzer den Charme ihrer bestechenden Persönlichkeit, und auch die Herren: F r än kel - F ro on, Friedrich Herz, Werner Hinzelmann. Emst Rose und Ben Spanier boten wirksamste Typen. Das Bühnenbild von Egon Markus atmete befreiende Leichtigkeit. Erwähnt sei hier ferner noch ein wertvoller Vortrag mit Lichtbildern von Julius Bab über ״Shakespeare, Bedeutung und Bühnengestalt“. Für die weitere Spielzeit des Kulturbundes sollen Jetzt voraussichtlich Werke heiteren Inhalts herausgebracht werden. Es sind zur Vorbereitung angezeigt•. ״Der ideale Gatte“ von Oskar Wilde, ״Zwei Herren aus Verona“ von Shakes p e a r e, ״Der Stärkere von Düren“, ״Der Mann mit dem Kuckuck“, Lustspiel von Harwood, und ״Der Herr seines Herzens“, Schauspiel von ReynaJ. Zu einem vollen künstlerischen Erfolg wurde der stilvoll aufgezogene Abend des unvergleichlichen Flötisten Alfred Liclltenstein mit Werken von Platti, Chaminade, Roussel, Ferd. Langer und anderen. Vornehm und dezent begleitete ,Willy Salomon am Flügel. Dr. Klfbanski, der Leiter der Jawne, hat engtische Intensi v־Kurse ins Leben gerufen. Die durch den beginnenden Rückgang der Sclüiler/ahl an der Jawne bedenklich auftauchenden Schwierigkeiten wurden zu rechter Zeit durch die Initiative Dr. Klibanskäs gelöst Die seltenen Organisationsfähigkeiten dieses Mannes zeigten sich bereits, als Klibanski den Oedanken erfaßte, den Neusprachlerbestand an der Schule aufzufrischen. Englische Lehrer und solche, die durch Amerikaaufenthalt mit der amerikanischen Sonderart des Englischen vertraut sind, wurden für die Jawne gewonnen, und die Tatsache, daß 12 der Schüler nach so kurzer Zeit in der Matric-KIasse das ״school certificate“ der Universität Catnbrklge erworben haben, zeugte für die gute Disziplin und den geistigen Stand der Kinder. Und die Erfahrung, die in dieser Klasse gewannen wurde, kommt nun den Erwachsenen zugute. Die Vormittags-Intensiv-Kurse haben bereits 100 uni die Abendkurse 200 Teilnehmer. Gleichlaufend ist nun auch ein spanischer Kursus errichtet. Die neu aufgenommenen Ae rztekurse, die unter der Leitung von Prof. Dr. Kisch stehen, sind derart stark besucht, daß in dreifacher Besetzung gelesen werden muß. So ist, last not least, die Eigenhilfe, die der Leiter der Jawne zur Sanierung mit diesen einzig im Rhein- ]and stehenden Einrichtungen geschaffen hat, zu einer für die Jawne fühlbaren Erleichterung geworden. Auswärtige kommen täglich von Düsseldorf, Duisburg, Bonn, Aachen, Essen, Siegbürg usw. F. J. Zionistisches und Gemeindeleben Aus Rheinland und Westfalen Bochum. Am 29. September führte der ZOV. den Film de» KKL ״Der Neue Weg“ in der Synagoge vor einen! zalilrcichen Publikum vor. Fra« Berta Rosenbaum (Bochum) hielt eine sehr wirksame Ansprache. Dortmund. Am 28. September fand vor überfülltem Haus die Vorführung des Palästina-Tonfilms ,,Der Neue Weg" statt. Die An• spräche hielt Erich Frank (Dortmund). Essen. Am 22. Oktober sprach Dr. Fritz Ikenberg im Inreruivkrcis über Stand der Palästina-Politik. Vorher fand eine Besprechung der KKL-Arbeit statt. Hamm. Di« Roseh Ilaschana-Aktion, der sich die Gemeinde angeschlossen hatte, wurde am 11. Oktober mit einem Vortrag von Erich Frank (Dortmund) mit dem Thema ״Palästina im Kampf, Eindrücke einer Reise“ eröffnet. K6!n. Die Wizo eröffnete ihre Wintcrarbeit mit einem Vortrag von Dr. Biitow über ,Jüdisches Volk, jüdisches Land, jüdische Arbeit“. Die Anschauungen der jüdischen Jugend, führte er u. a. aus, haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten wesentlich gewandelt, auch die der Mädchen. Nicht das Einzelwesen bestimmt die Richtung — nach den Worten Gordons —, sondern das Volk, das die Gahrthseek■ ablcgen und sein eigenes Wesen erkennen und fortbilden soll. Die Vorsitzende, Frau Paula Loeb, dankte I)r. Biitow für seine gegenwartenahen Ausführungen. Zum Schluß wurde von Frau Stein weg mit eindringlichen Worten die Beteiligung an der KKL-Aktion zur Pflicht gemacht. MOIhelm (Ruhr). Am Jom Kippur fand die Schlußfeier der im Jahre 1907 erbauten großen Synagoge statt, die verkauft wurde, da die Gemeinde infolge ihrer finanziellen Lage das Gotteshaus nicht mehr halten konnte. Vor den vollzählig versammelten Gemeindenxitgliedem hielt Lehrer Emanucl die Schlußpredigt. WittUchs Im diesen Tagen siedelt der bisherige 1. Vorsitzende der Synagogengemeinde, Herr Max Ermann, nach USA. über. Nachdem Lehrer H artmann im Gottesdienst am Srmchas-Tora die Verdienste des Scheidenden um die Gemeinde in einer Ansprache würdigte, schließen sich der Vorstand und die Repräsentanten den Dankesworten an und wünschen Herrn Ermann und seiner Familie fernerhin alles Gute. Wuppertal. Am 25■ Oktober sprach Dr. Fritz l k e n - berg in einem gutbe-.ucbicn Abend des ZOV. über ״New York und Jerusalem“ (nach den Briefen von Arlosoroff). Die Ausschnitte!סי« Arlosoroff wirken, wie festzusiellea war, in ihrer plastischen Formulierung außerordentlich. Aus Oberschlesien Gleiwttz. Die Wizo veranstaltete ab Fii.icium״ ihrer Winter- Himfcnburg (O.-S.). Zugim-ten der J'idk,•!1!■״ Wint,!׳hilfe fand am 18 Oktober «1. Gun ״,de, «uni m - 1 m v Du \ ormit: Josef Zimmer mann (Gesang), Arthur Spitz (Klavier) und ein Sprechchor, Konstanz. Am 15. Oktober feierte Frau Hertha Geismar ihren 70. Geburtstag unter größter Teilnahme der Gemeinde, die hierbei ihrer Dankbarkeit für das segensreiche, allgemein anerkannte Wirken det hochgeehrten Jubilarin Ausdruck verlieh, ln der Synagoge fand ein festlich gestalteter Gottesdienst statt, wolx'i der Vorsteher der Gemeinde, Rechtsanwalt Bloch, ihre großen Verdienste würdigte. Kantot Godlewskv sprach ein der Bedeutung ries Tages angepaßtes Segensgehet für die Jubilarin, und Dorle Gump sang das Jechi* Scholom. München. Der Zionistische Ortsverb nn d . M ü n - c 11 e n gab der Tischri-Aktion besonderen Nachdruck und AuGchy.ung durch eine Kundgebung im Turnsaal des Itus, zu Her Rabbiner Dr. Max Nuß bäum, Berlin, als Hauptretlner gekommen war. Dr. Nußbaum errang einen imgewöhnliVhen. immer wieder einsetzenden Beifall. Dr. Nußbaum baute seine Rede auf der Gegenüber- Stellung von ״Evian“ als Fragenkomplex und Palästina als der unbestreitbaren Heimat der Juden auf. auf dem Gegensatz von Galuth, die überall in der Welt sein muß, wo Juden außerhalb Palästinas wohnen, und Erez JIsrael, das den -Mittelpunkt und den Halt für alle Zerstreuten bedeutet. Der Glaube an die jüdische Zukunft und die leidenschaftliche Hingabe an die Sache, die aus dem Vortrag strahlten, rissen die Zuhörer hin. \V. Barmlzwa-Termlnc. Am 5. November (11. .M.irchcscWsn): Siegfried — Mm Rodof f’, Sohn von Chajlm' Eodoff. Leipzig. Funken- Hager, Sohn v 11 1 ou R .nngu, I 1 m ki rm t- 25 ftlaudUuswaiZB Die vornehme u. elegante Jüdisch 8 Tanz- 0. Unterhaltungs-Qaststitte Es spielt täglich zur Unterhaltung und Tanz Ab 15 Uhr geöffnet Die gute Hauskepalle SCHOTTEX״ Ausstattungen für Aus wandere r! 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