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Jüdische Rundschau · 1938-11-01 · Heft 87 (1.11.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 87 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JGDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT Nr. 87,1. NOVEMBER 1938 Jüdische Industrie behauptet sich Personal -Ausweise Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel A v i w, 26. Oktober 1938. Wer aus Mitteleuropa nach Palästina kam, hat sich oft genug über ein System wundern müssen, in dem es keinen Anmcldezwang gab. Man landete an der palästinensischen Küste und verschwand sozusagen aus den Augen der Behörden. Die Polizei kümmerte sich nicht darum, in welcher Stadt, in welcher Gegend, in welcher Straße man wohnte. Von manchen Gesichtspunkten hatte das seine großen Vorteile. Es gab ein Gefühl der besonderen Freizügigkeit in Palästina, einer außergewöhnliehen Unabhängigkeit. Aber andererseits grollte der Mitteleuropäer oft genug über diese sonderbaren Sitten, die es jedem unmöglich machten, eine Adresse ausfindig zu machen, wo es keine Wohnungsregister gab und wo dazu die Leute immer wieder umzogen. Jetzt hört plötzlich mit einem Schlage dieses System auf. Jeder, der in Palästina von einer Stadt zur andern, von einer Kolonie zur andern fahren will, braucht einen besonderen Ausweis des Mflitärgouverneurs. Vom 1. November beginnt dieses neue Regime, das den Zweck hat, die Bewegung auf allen Straßen des Landes unter die Kontrolle der Behörden zu bringen. Es ist eine weitere Maßnahme des Quasi-Kriegszustandes, der itm Lande herrscht und fällt in dieselbe Kategorie wie die Sperrstunde, die seit langem nach sechs Uhr auf allen Chausseen herrscht, oder die Bestimmung, die in vielen Städten die Bewohner frühzeitig in die Häuser bannt. In der palästinensischen Wirtschaft bedeutet die neue Maßnahme einen tiefen Einschnitt. Man fährt im Lande ungewöhnlich viel, und wenn auch der Verkehr seit den Unruhen abgenommen hat, so ist er doch immer noch bedeutend, und eine Reise von Jerusalem nach Tel Awiw oder Haifa oder eine Fahrt in die Siedlungen gehört zu den Selbst• vmtändlichkeiten. Jetzt wird man zu jeder Fahrt eine Spezialerlaubnis haben müssen, und fraglos wird das den Verkehr verringern. In Jerusalem und Haifa besteht ein gewaltiger Ansturm auf die Regierungsbüros, wo gegen Vorlage von Paß und Bildern die neuen Ausweise ausgestellt werden. Und die Photographen haben Hochkonjunktur. Von der Woche Mosche Schertok und I. Ben Zw» haben sich fcn Flugzeug nach London begeben. Die Regierung kündigte die Schließung der Kadoori-Ackerbauschu 1 e am Berge Tabor wegen der dort herrschenden Unsicherheit an. Der Leiter der vier wichtigsten arabisch sprechenden christlichen Gemeinden Palästinas haben an Chamberlain ein Protesttelegramm wegen der Haltung der christlichen Organisationen Amerikas zugunsten der jüdischen Einwanderung nach Palästina gerichtet. Das arabische Frauenkomitee sandte an das amerikanische Generalkonsulat in Jerusalem ein Protesttelegramm wegen der Haltung der amerikanischen Regierung m der Palästinafrage. Aegyptische Studenten veranstalteten in Kairo eine antijüdische Kundgebung, die von der Polizei zerstreut wurde. Ern Kongreß ägyptischer Studenten ־wird in Kairo stattfinden, um die Palästinafrage zu erörtern. In den jüdischen Kadoori-Klub in Bagdad wurde eine Bombe geworfen; drei Juden wurden schwer verwundet. Smilansky hatte eine Besprechung mit den Militär- Kommandanten der südlichen Bezirke von Palästina, in der er ihnen einen Plan für den Schutz jüdischer Plantagen und Arbeiter während der Zitrus-Exportsalson unterbreitete. Da das dritte Amtsjahr Prof. Hugo Bergmanns abläuft, wird am 2. November der Senat der Hebräischen Universität einen neuen Rektor wählen. Nach einer Meldung der Londoner ״Daily Mail״ wurde in der Nähe von Haifa der arabische Dichter Nur Ibrahim mit vier weiteren Arabern erschossen. Nur Ibrahun sei als Dichter der arabischen nationalen Bewegung bekanntgeworden. Sukariot* Von Chajim Schwarz, Ramat Gan Manchmal kommt der Mensch in die Lage, seine Zeit in Parkanlagen verbringen zu müssen. Dagegen läßt sich nichts sagen: Es stärkt die Nerven. Da habe ich Glück gehabt, daß ich in Ramat Gan w׳ohne: Ramat Gan ist die Moschawa der Parkanlagen und Villen, der serpentinenbekränzten Hügel und der Ausblicke weit ins Land. Hier gibt es Punkte von einer Schönheit der Landschaft, die an Jerusalem erinnert, so enthüllt die rein« kristallklare Luft Palästinas unter einem hellblauen Himmel die dunkelblaue ins Uferlose wogende Flut ferner Berge, im Westen den stahlgrauen Streif des Meeres, zu den Füßen die Generalstabskarte der nächsten Umgebung, Wege, dunkle geometrische Figuren der Pardessim, weiße Siedlungspunkte, die etappenweise hinauslaufen in den Raum Palästinas, sich im großen ״Draußen“ verlieren. Alles wird zum Tal, ganz Palästina ist ein großes Tal, und hoch oben kreisen in mächtigem Andante die Falken. Dem Hauptpark des Höhenluftkurortes Ramat Gan fehlt nw der kleine Mineralwassertempel, um vollständig zu sein. Aut die Bänke müßte man schreiben: Nur für Kurgäste. Einige gebrechliche Herrschaften müßten auf- und abwandeln und Trinkgläser halten, die durch Glasröhrchen mit dem Mund in Verbindung stehen. Der Friede in dem Hauptpark von Ramat Gan, zwischen Eukalypten und Tannen, beschnittenen Hecken und bezäunten Rasen, sollte zahlungsfähigeres Publikum anziehen als die Arbeitslosen der Moschawa. Einen beobachte ich schon lange. Es ist ein dicker, gemütlicher Junge. Was hört sich Neues? fragt ihn ein Kollege, neben dem er Platz nimmt für zwei Minuten, denn der Hitpad ist eine Erfindung, die wunderbar zu der gemütlieben Stimmung eines Arbeitslosen paßt. Was hört sich Neues? Du spazierst dich stam? Stam bedeutet soviel wie: “einfach“, es ist ein Ausdruck für alle möglichen unbegründeten Handlungen und Alußerungen. Der andere schiebt die Mütze zurück, kratzt sich hinter *) Süßigkeiten. Jerusalem, 26. Oktober (Palcor.). Bei einer Konferenz des Industriellenverbandes in Tel Awiw, die gestern abgehalten wurde und an der 400 Delegierte aus dem ganzen Lande teilnahmen, erklärte Herr Fletcher, der das Zoll- und Handelsdepartement der Regierung vertrat, daß es zwei erfreulichen Tatsachen in Palästina gebe: die Solidität der Banken und die bemerkenswerte Lebensfähigkeit, die die Industrie während der 30 Monate dauernden Unruhen bewiesen habe und die die optimistischsten Erwartungen übertreffe. Er fügte hinzu, daß nach Ansicht der Regierung Ruhe und Ordnung in Kürze wiederhergestellt sein würden. Der Schatzmeister der Jewish Agency, Elieser Kaplan, richtete ein Schreiben an die Konferenz, in dem er die Solidität der jungen jüdischen Industrie betonte und darauf hinwies, daß die vereinigten Anstrengungen der Jewish Agency und der Fabrikanten zur Stärkung der Industrie beigetragen hätten. Der Tel Awiwer Bürgermeister Rokach betonte, daß die Tel Awiwer Stadtverwaltung im Jahre 1937 38 einen Betrag von Die Sicherheitslage Jerusalem, 26. Oktober. Bei den militärischen Operationen im Norden Palästinas wurden fünf Terroristen getötet. Durch die Explosion einer Granate wurden ein britischer Major, ein Sergeant und zwei Soldaten verwundet. Zwei der Verletzten erlagen ihren Wunden, ln der Nahe von Gaza wurden drei englische Offiziere bei einem Ueberfall getötet, zwei Terroristen wurden erschossen. Das arabische Dorf Tira wurde von Militär durchsucht; vier Araber, die zu fliehen versuchten, wurden erschossen bzvv. verwundet. Eine große Terroristengruppe, die in den Bergen, nordöstlieh von Haifa, operierte, ist eingekreist worden. Alisa Feingersh (18 Jahre alt), die bei einem Ueberfall auf ein Auto verwundet worden war, erlag ihren Verletzungen. Jerusalem, 27. Oktober. Eine Gruppe jemenitischer Arbeiter wurde gestern abend aut dem Heimwege aus dem Hinterhalt überfallen. Der 25jährige Israel Tarn, Sekretär der Jetneniten-Siedlung Tirath Schalom, wurde getötet. Ein Araber, der in die Feiierlinie geriet, wurde tödlieh verwundet. Gestern nacht wurde auf die Ackerbauschule von Mikwe Jisrael ein Ueberfall versucht, der von jüdischen Ghaffirim zurückgeschlagen wurde. Der 17jährige Schüler Dow Schefer aus Kaunas erlitt Verletzungen, denen er kurz darauf erlag, ein weiterer Schüler wurde verwundet. Der Arbeiter Jakob Katloffsky (24 Jahre alt) wurde schwer verwundet. Bei der Explosion einer Landrnine bei Kfar Sirkin wurden drei Soldaten schwer und ein jüdischer Hilfspolizist Willi N a c h e 1 (26 Jahre alt) tödlich verwundet. Als Vergeltungsmaßnahmen wurden i*1 einem benachbarten arabischen Dorf vier Häuser von Truppen demoliert; zwei Araber wurden erschossen. Zelig Gamer (30 Jahre alt), wurde in der Nähe von Neß Ziona getötet. Der jüdische Hilfspolizist Benzion Gradis (21 Jahre alt) wurde in der Nähe von Kfar Saba bei einer zufälligen Explosion g‘etötet Bürgermeister von Tiberlas erschossen Zaki El Ha de ff, der jüdische Bürgermeister von Tiberias, wurde heute von Terroristen angeschossen und schwer verwundet. El Hadeff verließ das Verwaltungsgebäude in Tiberias um 1.30 Uhr mittags, als er von drei Angreifern, die auf ihn warteten, beschossen wurde. Drei Kugeln trafen ihn im Rücken. Die Angreifer entkamen. Durch einen Zufall hörte Ben Zwi, der Vorsitzende des Waad Leumi, der gerade ifi Tiberias war, um von dort nach England zu fliegen, die Schüsse fallen, als das Auto, chauffiert von Joseph Nachmani, dem Vorsitzenden der jüdischen Geden Ohren. Man hat mir angeboten, am Nordzaun zu arbeiten, sagt er. Auf drei Monate muß man Kontrakt machen. Die Bedingungen sind gut: Dreißig Grüsch pro Tag, Essen frei. Aber ich habe ja Familie, ich kann ja nicht weg. Er geht weiter. Es ist eine Stunde, wo der Park fast leer ist. Nur der Gärtner und ein paar Gehilfen sind zu sehen; in der Ferne auf einer Bank sitzen zwei alte Männer und führen krächzend Gespräche über das jüdische Volk. Der Dicke mit dem Nordzaun ist inzwischen drüben an der Schaukel angelangt und bringt seinen Jungen, den er bei sich hat, in Schwingungen. Im weiten Umkreis, in meiner Nähe, befindet sich nur der Kollege des Dicken, der hören wollte, was sich Neues hört, und auf der zweiten Bank sitze ich, Offen gestanden, wir sind beide ergriffen von der Sache mit dem Nordzaun. Wir hatten einschlafen wollen, aber der Nordzaun hat uns beide aufgerüttelt. Wir starren vor uns hin, scharren mit der Fußspitze im Sand. Ich kenne genau seine Gedanken, wie er sicher meine kennt: Nordzaun, drei Monate, schönwäre es, es wäre etwas Neues und es wäre Geld. Der Nordzaun, der Nordzaun: In einigen Zaunfabriken ist lokale Prosperity. Irgendeine Uiruhe sicker(t durch. Wie romantisch ist der Höllenluftkurort Ramat Gan.'Jetzt kommen sie uns stören mit dem Nordzaun. Wie ich nach Hause gehe, ist plötzlich die ganze schöne Moschawa hinter einem Zaungewebe. Aale sind keine ״Wasserechlangen“. Ich protestiere gegen diesen Ausdruck. Es wird viel gesprochen über ״das neue Geschlecht“, das hier in Palästina aufwächst. Keiner weiß genau, was damit gemeint ist. Jeder verbindet mit dem Begriff ״neues Geschlecht“ seit! privates Persönliclikeitsideal, ohne sich das tatsächlich vorhandene neue Geschlecht anzusehen. Daß das neue Geschlecht, soweit es in den Städten aufwächst, wie alle städtische Jugend Vergnügen an Kino und jenem Tanz hat, der nicht die Horrah ist, das ist ein natürliches und nicht weiter aufregendes Moment. Der Durchschnittstyp des Tel Awlww Sabre, so weit er männ- £P 200 000 für öffentliche Arbeiten ausgegeben habe. Herr Schenkar, Präsident des Industriellenverbandes, berichtete über die an die Regierung gestellten Forderungen der Industrie und erklärte, es bestehe ein Vorschlag für einen fünfjährigen Vertrag zwischen dem Verband und der Histadruth zur Regelung der Arbeitsbeziehungen. Tag des Kofer Hajischuw Der Kofer Hajischuw veranstaltet am 31. Oktober eine Zählung der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Tausende von freiwilligen Mitarbeitern haben sich für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Sämtliche Geschäfte bleiben an diesem Tage geschlossen. Die einzige Ausnahme bilden die Banken, die bis 11 Uhr abends offen halten, um Spenden für den Kofer Hajischuw entgegenzunehmen. Das Rabbinat hat für den 31. Oktober einen öffentlichen Bettag angesetzt. Im ganzen Lande werden Versammlungen abgehalten. Für diejenigen, die ihre Pflicht gegenüber der Aktion erfüllt haben, werden Bescheinigungen ausgestellt. Zehntausend Personen meldeten sich freiwillig, um bei der Durchführung der Aktion zu helfen. meinde von Tiberias, vorfuhr, um Ben Zwi und Schertok nach dem Flugplatz zu fahren. Als sie die Schüsse hörten, fuhr Nachmani mit Ben Zwi *u der Uebcrfallstelle, wo sie den Bürgermeister schwer verwundet auffanden. Sie schafften ihn ins Krankenhaus. Ein Tagcs-Ausgchvcrbot wurde sofort in der Altstadt von Tiberias verkündet. Zaki El Hadeff ist am Sonnabend seinen Wunden erlegen. Jerusalem, 20. Oktober. Innerhalb der letzten zwölf Stunden wurden sechs Araber aus Dörfern von Terroristen getötet und einer verwundet, während drei Terroristen von der Polizei erschossen wurden. Heute wurde. Gaza von britischen Truppen wieder bcsetzt. Den Truppen wurde kein Widerstand geleistet. Truppen umzingelten ein Araberdorf in der Nähe von Megiddo und verhafteten sechzig Personen. Ferner wurden Waffen und Munition beschlagnahmt. Ein Terrorist, der einen Fluchtversuch machte, wurde erschossen. Das Ausgehverbot in der Neustadt von Jerusalern wurde heute etwas erleichtert. Es beginnt nunmehr um Mitternacht und endet um 5 Uhr früh. Der amerikanische Beobachter Der Vertreter der amerikanischen Regierung, Mr. Wallace Murray, der in Palästina zwei Tage weilte, konferierte bei dieser Gelegenheit u. a. mit Sir Harold Mac Michael und anderen Vertretern der Regierung, Mosche Schertok, Dr. Magncs, Dr. Julius Simon von der Palestine Economic Corporation, Mrs. Rose Halperin von der Hadassa ־und einer Reihe arabischer Führer. Eröffnung der Marineschule in Haifa. Die Eröffnung der neuen Marineschule am Hebräischen Technikum in Haifa fand am 20. Oktober statt. Herr K a p 1 a 11 s k y, der Direktor des Hebräischen Technikums, hielt die Eröffnungsrede. Dr. S. Bardin beschrieb, wie seine Pläne zur Gründung der Schule allmählich reiften. Dr. H. Wvdra überbrachte die Grüße der Schiffahrtsabteilung der Jewish Agency, während Dr. M. Soloweitschik, der im Namen der Jüdischen Seeliga sprach, jedem Studenten das Abzeichen der Liga überreichte. — Die Marineschule besitzt ein umfassendes Progratnin. Der Studicnplan schließt ein: Hebräisch, Englisch, Geographie, Geschichte, Algebra, Geometrie, Trigonometrie, Physik und Chemie unter den allgemeinen Fächern, und Seefahrt, Astronomie, Meteorologie, Kartographie und Elektrotechnik unter den maritimen Fächern. Der Studienplan ist verschieden für die beiden Abteilungen, die nautisches bzw. Maschinen-Personal ausbilden. Junge Leute von 14—16 Jahreu werden aufgenommen, und ihre Ausbildung umfaßt ein dreieinhalbjähriges Studium auf der Schule und eine dreijährige Volontärzcit auf See. Die Schule wird unterstützt von der jewish Agency, der Palästinensischen Sceliga und der British-Palästinensischen Seeliga in England. liehen Geschlechts ist, trägt mit .sechzehn Jahren Lippenbart und tadellas gebügelte, lange, braune Hosen, wie er es bei dem Engländer sieht; seine Landsmännin und üenerationsgenossin im gleichen Alter kopiert bereits mit Routine den Pariser Stil, den ihre Mutter von Warschau mitgebracht liat. Daß die Jugend in blauen Hemden eine andere Jugend ist: das ist ihr bewußtes Thema. Wenn ein Geschlecht ״neu“ ist in Palästina, dann ist es dieses Geschlecht der Arbeiterjugend. Aale sind keine Wasserschlangen. Man hört Kinder auf der Straße folgendes Gespräch führen: ״Habt Ihr schon Misch nah? Wir fangen jetzt mit Gemarah an.“ Das ist ja wunderbar. Der Verstand muß gcschult werden, natürlich. Die Tiefe der Beziehung zur jüdisehen Kultur drückt sich bisweilen in dem Quantum der praktischen Spitzfindigkeit aus. ״Was du ererbt hast von den Vätern...“ Auf der anderen Seite verbringen dieselben Kinder ihre Nachmittage mit spielerischen Exerzierübungcti. Die Absicht der Erziehung ist unverkennbar: Der gesunde Geist, Mischnah und Gemarah, im gesunden Körper. Ueber den Mangel an systematischer Arbeit in Botanik und Zoologie wagten nur die ersten zionistischen Schriftsteller zu sprechen, als sie das jüdische Volk der Galuth zu charakterisieren versuchten. Ich wiederhole: Aale sind keine Wasserschlangen. Ich spreche nicht von der Arbeiterjugend. Ich finde es denkwürdig, wenn ein zehnjähriger Junge da* Moschawa, der drei Schritte entfernt von einem großen Naturbach wohnt, nicht imstande ist, jenes sich durch den Schlamm ringelnde fischartige Tier bei seinem rechten Namen zu nennen, wenn er so ,wenig von diesem Tier weiß, daß er gezwungen ist, sich selbst einen Ausdruck zu bilden: Wasserschlangc. Aale sind keine Wasserschlangen. Ich habe einmal diese ״Wasserschlangen“ gefischt, da sind einige Kinder der Arbeiterjugend ekommen und haben mir den wahren hebräischen Namen er Wasserschlange gesagt. So ist es: Botanik und Zoologie oder Mischnah und Gemarah. Es kommt nicht darauf an, daß Körper und Geist sich irgendwie begegnen, sondern daß sie gesund sind, wenn sie einander begegnen.

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