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Jüdische Rundschau · 1938-10-28 · Heft 86 (28.10.1938) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 86 (28.10.1938)
Date
1938-10-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 »♦!״$ JODISCHE RUNDSCHAU Nr 86, 28 X. 1938 Kabinettsmitgliedern zum Studium der Palästinafrage eingesetzt hat, beschäftigt sich weiter mit dieser Materie. Der Bericht der Woodhead-Kommission dürfte nach den vorliegenden Meldungen in der ersten Novem» berwoche veröffentlicht werden. Gleichzeitig tritt das britische Parlament am 1. November zum Abschluß seine; alren Si./ungsgeiiode wieder zusammen, um sodann am 8. November in den neuen Arbeitsabschnitt einzutreten. In dieser Periode wird der Woodhead-Bericht zur Kenntnis des Parlamentes gebracht werden, und es ist zu erwarten, daß die Regierung in ihrer Stellungnahme zu dem Bericht sich über ihre künftigen Pläne zur Lösung des P a 1 ä s t i n a p 1׳ o b 1 e m s äußern wird, über die bisher nur eine Reine vor! Vermutungen in die Oeffcritlichkrit drangen. Dabei dürfte ohne Zweifel die einhellige Geschlossen heit d e s j ü dis c h e n Volkes in dieser Frage einen wichtigen Faktor darstellen, der die endgültige Entscheidung beeinflußt; diese Entschlossen! eit kam insbesondere auch in der Stellungnähme der Juden der Vereinigten Staaten eindrucksvol! zum Ausdruck. Die Regierung der USA. hat mehrfach durch ihren Botschafter In London ihr Interesse an der I,alästinafruge bekundet, und Präsident Remses eit erklärte erst vor wenigen Tagen, daß seine Regierung alles tun werde, was in ihrer Macht steht, um eine Beschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina zu verhindern. In der gleichen Richtung lag eine Aeußerung, die Dr. Vei/niann vor einer großen Kundgebung in London machte. Di. Wei/mann ergriff seit längerer Zeit zum ersten .Male wieder öffentlich das Wort, um den jüdischen Standpunkt in der Palastin.afrage zu formuliereu. Fr betonte die beiden grundlegenden Prinzipien, die Inr die jiidi wlie Stell ■!!;׳nähme Geltung haben, nämlich die Forderung nach Fortgang der Einwander int g und die .Ablehnung eines dauernden Min 0• ritotsstatus für die Juden Palästinas. 111 der Tat liegt: in diesen beiden Prinzipien der Kern des Problems, 11m) es w irtl darauf aiikominen, einen Weg zu finden, der sie sichert, /uc'cich aber die Befürchtungen auf arabischer Seile /erslie• 1t und -o einen All-gleich zwischen den jüdischen und arabischen Interessen herbeiführt. Aiic'i heute noch scheint uns die Möglichkeit hierfür gegeben, wenn beide Teile bereit sind, Opfer zu bringen, und wenn — wio bi-licr leider vielfach vermißt wurde — V!ui engli>chcr Seite ein energischer Vers ich gemacht wird, die Partner ziisainineiiziibringen, die bisher in feindliche Lager getrennt waren. Dr. Wei/mann hat in seiner Londoner Rede auch auf die innere Seite des Problems hingewiesen. Es kommt heute mehr denn je darauf an, die Nerven zu behalten, ln einem geschichtlichen Kampf, wie ihn das jüdische Volk heute um seine Zukunft in Palästina führen muß, KranHen-Uf rs cherunfl Phil BP UcHo X., ist die Nerven kraft ein nicht zu unterschätzender Faktor. Es ist klar, daß die Ereignisse in Palästina sowohl an den Jischuw, der sich Tag für Tag verteidigen muß, wie auch an das jüdische Volk in der Diaspora, dessen Hoffnungen auf eine Zukunft in Palästina gerichtet sind, höchste seelische A11 fordern ngen stellen. Um so mehr gilt es, in der Zeit vor der Entscheidung die Ruhe zu bewahren, 11ml darauf /u vertrauen, daß alles ge- Schicht, um unsere Position zu stärken. Die Einigkeit des jüdischen Volkes in allen Teilen der bewohnten Erde in seinem Wunsche des Wiederaufbaus von Erez Jisrael ist dabei der stnrk-te Faktor, auf den sich unser An- Spruch stützen kann. Die Kundgebungen dieser Einheit in den letzten Wochen haben ihre Wirkung nicht verfehlt, und zwar nicht nur für die Lösung des Problems als so!, hen, sondern auch für die entscheidende Vorfrage des F o r t g a 11 g cs der j ü d i s c h e n Ein w a n - de rung. Ibis jüdische Volk und besonders diejenigen seiner Gruppen, die .wie wir selbst — im Wanderprozeß eingoechlns-cn sind, haben mit Spannung׳ die Zuteilung der n e 11 e n E i 11 \\ a n d e r u 11 g s s c h e d u 1 e für das Winterhalbjahr envar.et, deren Bedeutung sowohl unter den! prinzipiellen Gesichtspunkt der Behandlung des Palästiiiaprnbleius wie auch unter dem der Hilfe für die notleidenden Teile unseres Volkes nicht liocli genug angeschlagen werden kann. Es wird daher eine Welle der E r 1 e i c 111 c 111 ׳ n g durch das jüdische Volk gehen, wenn es heute erfahrt, daß die Winterschedule erteilt ist. Sie ist ihrer Höhe timt der Zusammensetzung nach mit der Schedule des abgelaitfenen Sommer-Halbjahres• identisch. Damals wurden zwar zunächst nur 200 Zertifikate für Verwandten-Anforderung (d. 11. also in erster ReiJie für Eltern) atisgegeben, doch wurde diese Zahl Roosevell gegen Alija-Beschränkung Präsident Roosevelt sandte am 21. Oktober dem Bürgermeister der Stadt Hartford (Conn.), der sich für eine lntervention Amerikas bei der englischen Regierung zugunsten der jfldisehen Palastmarechte eingesetzt hatte, ein längeres Telegramm, das aut die Anregung mit Wärme antwortet. Präsident Roosevelt erklärte darin: ״Ich würdige vollkommen das Interesse an der Palästina- Situation, das in Ihrem Telegramm zum Ausdruck kommt. Bei zahlreichen Gelegenheiten habe ich meine Sympathie für die Begründung eines jüdischen Nationalheims zum Ausdruck gebracht, und trotz der durch die Unruhen der letzten Jahre eingctretenen Rückschläge hin ich durch den Fortschritt bestärkt worden, der erzielt worden ist, und durch die bcinerkenswerten Errungenschaften, die den jüdischer! Siedlern in Pal.istina verdankt werden. Wir haben durch Vermittlung unseres Botschafters in London ständig der briti schell Regierung das Interesse vor Augen gehalten, das das amerikanische Volk an Palästina nimmt, und ich habe allen Grund anzuiiehnien, daß die britische Regierung die öffentliche Li/OWtQ Jetzt noch billiger! I TOTDL-ftUSVERHSUF Wtgan F•*-״ ..T, a.M, Gegenüber dem Ba Nur!!•eh kuri« Xelt I Meinung Amerikas i!n dieser Angelegenheit vollkommen kennt. Bei den Erörterungen in London vor etwas mehr als einem Jahre hat 1ms die britische Regierung versichert, daß sie 11ns über alle Vorschläge voll informieren wurde, die sie mit dem Ziele einer Veränderung des Palästinamandats dem Völkerbundsrat vorlegen würde. Wir erwarten deshalb, Gelegenheit zu erlullten, der britischen Regierung unsere Ansichten über alle Veränderungen des Mandats mitzuteileu, die als Ergebnis des zu erwartenden Berichts der Woodhead-Kommission vorgeschlagen werden könnten. Wie ich weiß, können wir gemäß der amerikanisch-britisehen Palästina-Konvention Veränderungen des Mandats als solche nicht verhindern. Das AeuBerste, was ■wir tun können, ist, alle Veränderungen des Mandats, die amerikanische Interessen betreffen würden, als auf diese Interessen nicht anwendbar zu erklären, wenn wir derartigen Veränderungen nicht seihst zugestimmt haben. Sie dürfen versichert sein, daß wir weiterhin die Situation mit der größten Aufmerksamkeit verfolgen werden.“ Senator Robert F. W a g n e r besuchte am 23. Oktober den Präsidenten und hatte 1ni־t ihm eine längere Unterhaltung über die Palästinatrage. Der l’rrisideut gestattete dem Senator ausdrücklich, über diese Unterhaltung in der Qeffeiitliclikcit zu berichten. Senator Wagner erklärte 11. a.: für die Aufrechterhaltung Palästinas als einer Jüdischen F_ Stätte ohne Einschränkung einset/en. Fr versicherte mir ebenso, daß er die Situation aufmerksam beobachte, und daß die Regierung alles tun würde, was in ihrer Macht stehe, um eine Beschränkung der jüdischen Einwanderung zu verhindern. Angesichts der Entwicklung der Judenfrage müsse Palästina unter allen Umständen einschränlumgsios der jüdischen Einwanderung offen bleiben; andernfalls würden die Juden überhaupt keinen Platz haben, wohin sie gehen könnten. Ich glaube, daß wir unseren Protesten bei der britischen Regierung zur Wirksamkeit verhelfen können.“ Senator Wagner fügte hinzu, daß Amerika mehr tun könne, als lediglich formal bei England zu protestieren;; Näheres über diese weitergehenden Möglichkeiten sagte er jedoch nicht. Die Gesetzgebenden Körperschaften des Staates Pennsylvania sowie die des Staates New Jersey nahmen einstimmig Adressen an Präsident Roosevelt an; die’ amerikanische Regierung wird darin gebeten, die britische Regierung darauf hinzmveisen, daß Amerika erwartet, England werde an den Bestimmungen des Palästina-Mandats im Geiste der Baifour-Deklaration festhalten. Zahlreiche Rektoren von Universitäten und Professoren haben an Präsident Roosevelt im gleichen Sinne Appelle gerichtet. Der Vereinigte Rat der christlichen Kirchen in Amerika, die größte Organisation der protestantischen Kirchen in USA., richtete eine Petition an Präsident Roosevelt mit der Bitte, bei der britischen Regierung in der Frage der jüdi׳- sehen Einwanderung nach Palästina zu intervenieren. Eine entsprechende Stellungnahme richtete der Nationalrat katho- 1 isolier Männer an Präsident Roosevelt. Die amerikanisch-palästinensische jüdisehe Legion sandte ein Telegramm an Außenminister Cordell Hüll mit der Bitte, bei der britischen Regierung zwecks Aufrechterhaltung des jüdischen Nationalheims in Palästina zu intervenieren, in den letzten Tagen fanden in etwa 100 Gemeinden der Vereinigten Staaten öffentliche Versa mm- 1 ungen zur Behandlung der Palästina-Frage statt. Bis zum 2. November sollen weitere 350 Versammi urigen abgehalten werden. Der Londoner ״Daily Express“ teilt mit, Präsident Roosevelt sei dafür, daß Palästina auch weiterhin nationale Fleimat der Juden sein solle, und zwar ohne jede Einschränkung. Das Blatt meint, England solle diese Gelegenheit be• nutzen, die Amerikaner zu fragen, ob sie das Palästina-Mandat übernehmen wollten. England solle sich an Präsident Roosevelt wenden, um ihm die Ueber■ tragung des Mandats anzubieten. später auf 800 erhöht. Man darf annehmen, daß im Laufe des Winters wiederum 6000 bis 7000 Juden, entsprechend der Einwanderungs/ahl im Sommer-Halbjahr, nach Palästina kommen werden. Die Zahl ist gewiß unzureichend, wenn man sie an den Bedürfnissen des Diaspora-Judentums nach Eimvanderungsinöglich- Leiten mißt; sie fordert auch deshalb besondere Kritik heraus, weil wiederum die Zahl der Arbeiterzertifikate außerordentlich niedrig angesetzt ist. Dennoch erblicken wir in der Tatsache, daß die Einwanderung weiter geht, ein günstiges Vorzeichen für die kommende politische Entwicklung, und wir hoffen, daß auch die prinzipiellen Entscheidungen die grundlegenden jüdischen Forderungen anerkennen werden. * In dieser Zeit gilt es, nicht nur die Bewegungen auf dem Felde der Politik im einzelnen zu verfolgen, sondern sich auch darauf z.u besinnen, worum es wirklich geht. Wer in Palästina lebt, weiß dies aus der täglichen Erfahrung, und wer in Palästina einmal war, hat es selbst empfunden: Es geht um die Verwirk- Heilung jener großen Vision eines schöneren und besseren Lebens, die vor dem Volk der Juden steht, um eine Vision voller Romantik und zugleich voller Wirklichkcit, die an d e n Punkt der Welt gebunden ist, wo unsere große Vergangenheit auch heute noch lebendig ist, und wo zugleich Menschen, Juden unserer Tage wieder den Kling des Wortes Heimat empfinden gelernt haben, für diese Vision haben!Menschen große Opfer gebracht, und sie hat cs zustande gebracht, daß beinahe Unmögliches verwirklicht wurde. Wenn wir uns prüfen, wie wir zur Zukunft dieser Sache stehen, dann wissen wir, wie groß die Schwierigkeiten sind und sein werden, die auf dem Wege der Verwirklichung liegen, aber wir sind uns zugleich bewußt, daß wir daran glauben, dieses große Werk zu vollbringen, und daß wir im Innersten darauf vertrauen, daß das Schicksal uns in unseren Tagen die Kraft verleihen wird, es zu vollenden und die Widerstände zu überwinden. K. L. Board of Deputies gegen Einwanderungsbeschränkimg London, 23. Oktober (Palcqr). Der Board of De• p 11 fies of British Jews, eine Körperschaft, in der säurfc■ liehe jüdischen Organisationen Großbritanniens vertreten sind, hat einstimmig einen Beschluß angenommen, der folgernd®• maßen lautet: ״Der Board of Deputies erklärt sich mit der 'Jewtöl Agency for Palestine identisch in ihrer Ablehnung jeder Politik, die geeignet wäre, die jüdische Einwanderung nach Palästina künstlich zu beschränken oder den Jude® in Palästina den Status einer permanenten Minder• heit aufzuzwingen. Der Board bringt seine Ueberzetigung rum Ausdrudt, daB die endgültige Lösung des Palästina-Problems auf der historf* sehen Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina und auf den im Palästina-Mandat, das Großbritannien als heilige Aufgabe übernommen hat, verankerten Rechten beruhen muß. Das Bedürfnis der jüdischen Massen nach einem ständigen Heim macht eine solche Lösung unbedingt notwendig. Eine auf diesen Grundsätzen beruhende Politik, die die bttrgerliehen und religiösen Rechte der Araber gewährleistet, würde Palästina wieder die Möglichkeit geben, den Wirtschaftliehen Aufstieg fort/usetzen, der zur Zeit der großen jüdischen Einwanderung das Merkmal des Landes war und der gesamten Bevölkerung zum Wohle gereichte. Der Board begrüßt den Entschluß der englischen Regierung, wirksame Maßnahmen zur Unterdrückung des Terrors im Interesse sowohl der Araber als auch der Juden zu ergreifen, und gibt der Ueberzetigung Ausdruck, daß diese Politik schnell und in vollem Ausmaße zur Ausführung gelangen wird. Der Board ist überzeugt, daß die Wiederher- Stellung der Ordnung den Weg zu einer dauernden Zusam menarbeit zwischen Juden und Arabern in Palästina ebnen wird, im Interesse der allgemeinen Entwickiung und der Prosperität des Landes.“ Verantwortlicher Redakteur (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern): Zur Zeit unbesetzt, ä. V.: Kurt Loewcn stein, Berlin W 15. Anzeigenleiterund verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: [-.rieh Li ep mann, Berlin W 15. Gültig Anzeigen-Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin fV 15, Meinekestr. 10. D.A. III/1938: 25 313. — Druck: Max Licht witi (vormals Drurkereibetriebe Max Lichtwitz und Siegfried Scholem), Berlin SW 68. ז L Aus!unserem Ubersee •Prospekt: liebigi Dampf - Waschautomat mit absetzbarem Wasserschiff, mit ־salz für Pefroieurafeuerung, 50 3 96.50 Grö$$e4 114.50 *Speiial-Petroieumkochef ״Juwel*;für Pefroleurr.fuue run9,׳ Grössen 3 und 4. je rung, für .25.00 cz^otufetJicfiau DER GEDECKTE TISCH m «*a aitjfut eSjitjui UtuLuf /a. 71J,- ^cL r,ßt JMUl r«LUJlrLAu 7uL ReicheAu«*rahl ln kleinen u. grossen Ober*ee-Koffern . In verschiedenen | Auiführunoen BERLIN C 2 SPANDAUER STRASSE KÖNIG STRASSE GEGRÜNDET ISIS I Irr ־”A ö!®!§§i |1§|

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