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Jüdische Rundschau · 1938-10-28 · Heft 86 (28.10.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 86 (28.10.1938)
Date
1938-10-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ir. 81/Jahrgang 43 Preis 25 RpP, JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLIN ג׳ ח#ון תרצ״בז FREITAG, 28, OKTOBER 1938 Bußtag und Freitag. Gul< iverwaltang! Barllo W 15f M •ln eUe.tr• 10 drisiei Orghlp. — ln Fällen höhere! Gewalt ertmg oder Erstattung: etwa schon gezahlter eßlich Bestellgeld je Monat RM 2,-, je Viertel- ,88 baw. RM 5,39 (einschließlich Postuttungt• — Postscheck ־ Konten der Vertriebs-Abteilung 3, für das übrige Reich: Berlin 17392 Bezugs gebüh jahr RM 5,5ל; Familien - Anzeigen 71573, Der Zionismus erstrebt für das IQdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. {Baseler Programm) Neue Einwanderung^ - Schedule 2000 Kapitalisten-, 1000 Arbeiter-, 800 Verwandten-Zertifikate London, 27. Oktober 1938, 17 Uhr (telefonisch) Die Palästina-Regierung hat heute die neue Einwanderungsschedule für das Winterhalbjahr 1938/39 bekannt gegeben. Danach werden 2000 Zertifikate für Kapitalisteneinwanderer, 1000 Zertifikate für Arbeiter- Einwanderer und 800 Zertifikate für Verwandtenanforderung ausgegeben. Die Kapitalisten- und die Arbeiter-Zertifikate berechtigen zur Mitnahme von Fra« und Kindern unter 18 Jahren auf ein Zertifikat, während die Verwandten-Zertifikate für Einzelpersonen bestimmt sind, d. h. für jede Person ein besonderes Zertifikat benötigt wird. Die Zertifikate für Schüler und Studenten, zu denen auch die Jugend -Ali ja gehört, sind nicht numerisch begrenzt. Die Zahl der lür diese Kategorie auszugebenden Zertifikate hängt von der Erfüllung der allgemeinen Bestimmungen ab, die für diese Kategorie gültig sind, d. h. von der Zahl der in Palästina zur Verfügung stehenden Unterbringungsplätze und von den erforderlichen finanziellen Nachweisen. Um das Palästina-Problem Weizmanns Forderungen Fortsetzung der Einwanderung - Gegen Minoritäfsstafus Die Kundgebung Sn London London, 26. Oktober (telefonisch) Am Dientag abend fand in London eine von der Zionist Federation of Great Britain and Ireland veranstaltete Kundgebung unter Vorsitz von Dr. Weizmann statt, die sich zu einem besonderen Ereignis im jüdischen Leben Lörtdons gestaltete. Die Kundgebung war von 2000 "Personen besucht, während Hunderte wegen Ueberfüllung des Saales keinen Einlaß finden konnten. Dr. Weizmann eröffnete den Abend mit einer An- Sprache, kl der er folgendes ausführte: ln der letzten Zeit war die Luft voll von Gerüchten, die von allen Seiten verbreitet wurden, über angeblich bevorstehende Aendcrungen in der britischen Palästinapolitik. Ich ■will mich hier nicht mit den Geschehnissen der vergangenen zwei Jahre befassen oder mit den Aenderungen und Schwankungen, die die britische Politik während dieser Zeit durchgemacht hat. Es ist festzustellen, daß zu einer Zeit, da die Wiederherstellung der Ordnung ohne Schwierigkeiten möglich gewesen wäre, die von der Palästinaregierung ergriffenen Maßnahmen sich als merkwürdig unwirksam erwiesen haben. Infolge der relativ passiven Haltung der palästinensischen Administration gelang cs den arabischen Terroristen, im Lande derart festen Fuß zu fassen, daß die Regierung eines Tages zu ihrem eigenen Erstaunen feststellen mußte, daß, abgesehen von den jüdis sehen Siedlungen, wo Ruhe und Ordnung herrschte, große Gebiete Palästinas in den Händen der Terroristen waren. Heute hat es endlich den Anschein, daß ein ernsthafter V er suc h gemacht wird, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Was der Widerstand der Terroristen wirklich bedeutet, wenn sich die Regierung erst einmal ernsthaft mit der Aufgabe beschäftigt, läßt sich am besten vielleicht aus der sogenannten arabischen Besetzung Jerusalems ersehen. Es hieß, daß die Wiederherstellung der Ruhe innerhalb der Altstadt Jerusalems nur mit größten Schwierigkeiten und mit großen Opfern an Menschenleben durchzusetzen sei. Tatsächlich sind die Terroristen in wenigen Stunden hcraitsgejagt und ist die britische Autorität wiederhergestellt worden, ohne daß dabei — glücklicherweise — ein einziger englischer Soldat ums Leben gekommen wäre. Wir wissen noch immer nichts über die zukünftige Politik der Regierung. Klar ist dagegen die Politik der J e w i s h Agency. In erster _ Linie ist es von größter Wichtigkeit, daß die Jüdische Einwanderung nach Palästina ohne Beschränkung fortgesetzt wird. Mehr als 300 000 luden sind nach dem Kriege nach Paiästina gekommen. Sie waren berechtigt, auf Englands Wort zu vertrauen, und sic glaubten, daß die Politik des Jewish National Home eine dauernde Verpflichtung der englischen Regierung darstelle. In Europa aber gibt es eine Million Juden, für die Palästina heute die einzig( Hoffnung ist. Der zweite Punkt in unserer Politik, von dem wir nicht abweichen werden, ist, daß wir unter keinen Umständen irgendeine Lösung in Betracht ziehen können, durch die die Juden zum Status einer dauernden Minderheit in ihrem Nationalen Heim verurteilt werden würden. Was unsere zukünftigen Beziehungen zu der arabischen Bevölkerung Palästinas betrifft, so glauben wir, daß es unter ihr eine große Anzahl gibt, deren größter Wunsch es ist, eine friedliche Entwicklung des Landes zu sehen und in harmonischer und fruchtbarer Zusammenarbeit mit den Juden zu leben. Unglücklicherweise hat man die Terroristen die Macht über diese Menschen gewinnen lassen, und man hat damit die Stimme des friedliehen Arabers, wenigstens vorläufig, zum Schweigen gebracht. Doch die Zeit wird kommen, um Mittel und Wege zu finden, damit wir mit unseren arabischen Nachbarn in Palästina in Frieden und Eintracht leben können. Wir hoffen zuversichtlich, daß bei der Erreichung dieses Zieles England uns seine machtvolle Unterstützung angedeihen lassen wird. Dem jüdischen Volk will ich in diesem Augenblick ein Wort der Ermutigung senden: Laßt euch nicht beeinflussen durch Gerüchte, <ILe jetzt im Umlauf sind! Die Aufgabe des Augenblicks besteht nicht in fruchtlosem und unnötigem Lamentieren, sondern in der Fortführung unserer praktischen Arbeit in Palästina. Vertrauen auf Andere wird uns letzten Endes wenig nützen. Unser Erfolg muß auf unserer eigenen Kraft beruhen. Wir müssen fortfahren zu baiien und zu schaffen, wo andere zerstören. Hätten unsere Großväter sich diesen großen Aufgaben gewidmet, so würden wir heute den Nutzen ihrer Anstrengungen haben. Heute ist es an uns, das zu tun, was in unseren Kräften steht, so daß die künftigen Generationen uns dankbar dafür sein werden, was wir für sie erreichen konnten. (Den Bericht über die weiteren Reden bei dieser Kundgebung bringen wir auf Seite 4.) Kabineitsrat in London Unter Vorsitz von Premierminister Chamberlain fand am Montag nachmittag in London ein Minister rat statt. Daran nahmen teil Innenminister lfoare, Verteidigungsminister Inskip, Koloniaiminister MacDonald, Gesundheit-minister Elliot, Indienminister Lord Zetland und Unterstaatssekretär Cadogan. Ferner nahmen zwei hohe Beamte des Kolonialministeriums an der Sitzung teil. Es wird angenommen, daß die Paläst mafrage erörtert wurde. Der englische König empfing den früheren Oberkommissar von Palästina, General Sir Arthur Wauchope, in Audienz. USA-Botschafter bei MacDonald Der amerikanische Botschafter Kennedy stattete am Montag Koloniaiminister MacDonald im Kolonialministerium einen Besuch ab. Der diplomatische Korrespondent Reuters vermutet, daß es sich bei der Besprechung um die Palästinafrage gehandelt habe, in diesem Zusammenhang weist der Korrespondent darauf hin, daß Präsident Roosevelt sich kürzlich ״gegeneineBeschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina ausgesprochen hat“. W oodhead - Bericht Anfang November A.-C. am 11. November Das A.-C. ist nach London zum 41. November einberufen worden. Im Anschluß an die A. C.-Sitzung tritt das Administrative Committee der Jewish Agency zusammen. Man nimmt an, daß der Bericht der Woodhcad-Kommlssion in der ersten Woche des November in London publiziert werden wird, so daß er vor Zusammentritt des A. C. bekannt sein dürfte• Die Lage in Palästina hat sich in den letzten Tagen merklich beruhigt. Nach der Besetzung der Jerusalemer Altstadt durch britisches Militär ist nicht nur in Jerusalem selbst eine Entspannung eingetreteh, sondern auch im ganzen übrigen Lande ist die Zahl der Terrorakte und Zusammenstöße erheblich zurückgegangen. Zu diesem Resultat mag die Energie beigetragen haben, die von den englischen Militärbehörden im Falle der Jerusalemer Altstadt gezeigt wurde, aber auch der Umstand, daß das Eintreffen zahlreicher neuer Truppen und ihre Verteilung auf das Land einen starken demonstrativen Eindruck hinterließ. Hinzu kommt der Umstand, daß in allen Prägen des Sicherheitswesens eine einheitliche Leitung der Aktionen herbeigefiihrt wurde und die Behandlung dieser Fragen auf Militärkomniandanfen überging. Es zeigt sich, daß diese Maßnahmen, die noch von einer Reihe wirkungsvoller Verordnungen unterstützt wurden, ihren Eindruck nicht verfehlten und verhältnismäßig rasch zu einer gewissen Beruhigung führten. Zu hoffen ist, daß dieser Zustand anlialt und den Beginn einer weitergehenden Befriedung des 1.arides darstellt. Zu diesem Ziele werden ohne Zweifel noch energische Maßnahmen erforderlieh sein, deren Durchführung ׳nach allen Ankündigungen von englischer Seite in nächster Zeit zu erwarten ist. Diese Entwicklung im Lniule selbst ist natürlich 7.1.1nächst unter dem Gesichtspunkt der inneren Entwichlung Palästinas zu bewerten; ist doch nichts so sehr zu wünschen, :j 1s daß das Land endlich wieder den Frieden erhält, nach dem die jüdische Bevölkerung und alle friedliebenden Elemente überhaupt schnlichst Ausschau halten, damit die normale Arbeit überall dort wieder einsetzen kann, wo sie durch die Lasten der Wacht und der Verteidigung sowie durch den Druck des Terrors erschwert wurde. Aber auch für die politische Entwichlung des Palästinaproblems ist die Wiederherstellung des Friedens irn Lande die erste Voraussetzung, ohne deren Erfüllung eine Lösung der Frage, wie immer diese ausfallen mag, unmöglich erscheint. * Die Ereignisse in London, dem Schlüsselpunkt für die Entscheidung des Palästinaproblems in diesen \70chen, nehmen ihren Fortgang. Das britische Kabinett, das bekanntlich einen besonderen Ausschuß aus SavUk Ue&eA&Uck Präsident Roosevclt erklärte, daß die Regierung der Vereinigten Staaten alles tun werde, was in ihrer Macht steht, um eine Beschränkung der jüdischen Palästina-Einwimderung zu verhindern. ln Palästina ist in den letzten Tagen eilte gewisse Beruhigung eingetreten. Die Zahl der Terrorakte und Zusammenstöße ist zuräckgegangen. Auch in der Jerusah!- mer Altstadt trat eine Beruhigung ein. Ln Norden begann eine amfangreiche Militär-Aktion. Für sämtliche Chauffeure und Reisende in Autobussen, Privatautos und in der Eisenbahn in Palästina werden Personalausweise eingeführt.

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