Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 85 (25.10.1938)
- Date
- 1938-10-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNrmcHAll Nr. 85, 25. X. 1938 Israel und Zion Oberrabbiner Dr. Herzog an die ״Times״ In der ״Times“ vom 20. Oktober ■wendet sich der Ober• rabbiner von Palästina, Dr. Herzog, in einer längeren Zuschrift gegen den Brief der angelsächsischen Kirchen Häupter Palästinas, über den wir in N'r. 78 berichteten. Dr. Herzog bedauert diesen Brief, der zwar die Verpflichtung der Christenheit gegenüber der Judenfrage selbst betont, aber nicht das geringste zu einer Erfüllung dieser Verpflichtung praktisch vorgeschlagen habe. ״Für uns Juden ist die einzige gerechte Lösung der Palästinafrage die wirksame Erfüllung des Mandats dem Oeiste und dem Wortlaute nach mit der Aussicht auf die künftige Errichtung eines jüdischen Gemeinwesens, das allen seinen Einwohnern die gleiche Freiheit und das gleiche Recht gewährt.“ Er müsse seinen tiefen Kummer darüber aus■. drücken, in welch’ wegwerfender Weise die besondere Verbin düng des jüdischen Volkes zu Palästina von den Kirchenhäuptern behandelt worden sei. Die Verbindung des jüdischen Volkes in Palästina steht einzigartig in der Geschichte da. Das jüdische Volk hat sein Land niemals aus freiem Willen verlassen, immer blieb die Anhänglichkeit an dem heiligen Boden bestehen, und eine fast ununterbrochene Kontinuitat jüdischer Besiedlung verbindet den jüdischen Jischuw von heute mit dem jüdischen Staatswesen von einst. Gegenüber der Behauptung, daß der jüdische Anspruch aut Paiästina religiös aufgehoben sei, weist der Oberrabbiner darauf hin, wie viele bedeutende anglikanische Geistliehe in den letzten drei Jahrhunderten eine politische Wiederherstellung der Juden in Palästina warm gewünscht und häufig aktiv unterstützt haben. Zu der erwähnten dogrnatischen Behauptung steht durchaus die tiefe Sympathie in Gegensatz, die der Erzbischof vori Canterbury noch bei der Oberhausdebatte von 1937 der jüdischen Sache in Pa• Iästina bezeugt hat. König Georg V. hat einmal öffentlieh seiner Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, daß die Vorsehung ihm die Möglichkeit gegeben habe, bei der Ver• wirklichung der prophetischen Verheißungen für das jüdische Volk zu helfen. ״Ich bin überzeugt“, so heißt es zum Schluß, ״daß die Maase des britischen Volkes die historischen Hoff• nungen und Aspirationen nicht so summarisch abtun möchte, die uns befähigt haben, auch in der Zerstreuung weiterzuleben; wenn wir das vermochten, so nur durch unser unerschütterliches Vertrauen auf das göttliche Versprechen unserer schließlichen Wiederherstellung in Zion.“ Problematik des Tegart-Walls In einem Gedenk buch, das [Dokumente und Schilderungen, die den Bau des großen Stacheldrahtverhaus, der jetzt Pa- Iästina von Syrien abschließt, zum Gegenstände haben, findet sich die folgernde Betrachtung: An einem Morgen errichtet eine Gruppe von 12 jüdischen Arbeitern, bewacht von drei Hilfspolizisten, ein Tor im Stacheldrahtverhau. Dies Tor soll Hirten ermöglichen, eine Quelle jenseits der Mauer zum Tränken ihrer Herden zu benutzen. Während ein Arbeiter den letzten Hatnmerschlag tut, fragt er seinen Kollegen: ״Zweifelst du nicht an dem politischen und sozialen Werte des Drahtverhaus?“ Der andere hat sich von dem Eindruck der Frage noch nicht erholt, als eine Herde zum ersten Mal« das neue Tor passieren will. Die Hirten sind arabische Knaben. Das neue Tor schreckt die Herde, die trotz aller Bemühungen in wilder Flucht zurückweicht. Ein anderes"B|RJ: Der Wall führt durch Tabakfelder, die wie ein .Wunder in dieser wüsten Gegend stehen. Trotz aller Vorsicht werden Tausende von Pflanzen vernichtet, und wieder fragt derselbe Mann: ״Wir klagen über die Verwüstung unserer Felder. Müssen wir nicht wegen jeder dieser Pflanzen besorgt sein?“ — Der Wall trennt zwei Dörfer, die stets kn engster wirtschaftlicher Verbindung miteinander waren. Das eine Dorf holt sein Wasser von jenseits des Walls, während viele Felder des anderen Dorfes wiederum auf der Gegenseite liegen. Eine Abordnung alter Araber kommt zu den Arbeitern und bittet sie, einen Weg frei zu lassen. Einer antwortet ihnen, sie würden ein solches Entgegenkommen sicher zum Waffcnschmug'gel ausnützen. Aber der nachdenklichere Kollege bittet, ihnen zu übersetzen, daß ihr« Bitte berechtigt sei, und sie sollten sich an die Bauleitung wenden und ein Tor beantragen. — Bei der Rückkehr der Arbeiter nach Vollendung der Mauer findet in einem Kibbuz ein festlieber Empfang statt. Auch der obenerwähnte Arbeiter befand sich unter den Feiernden, und auch er nahm das Wort. Er sprach von der bitteren Notwendigkeit, hier, wo wir in harter Arbeit leben wollten, wo wir glaubten, mit den Nachbarvölkern in Frieden und Freundschaft leben zu können, ein kriegerisches Leben führen zu müssen. Bei all dem . aber werden wir nicht vergessen, daß kein Drahtverhau uns Sicherheit gewähren kann. Es wird der Tag kommen, an dem wir den Wall, den wir jetzt errichtet haben, mit eigener Hand zerstören werden. ״Mein Gebet gilt dem Tag, an dem ich ins Galil gehen werde, um den Stachekfrahtwall, den ich selbst errichtet habe, mit eigenen Händen zu zerstören, in der Hoffnung auf ein neues Palästina. Dieser Tag wird kommen!“ Der Redner setzte sich ergriffen und die Hörer lobten seinen Mut und die Ciradheit seiner Gesinnung. Von der Woche Die von uns bereits gemeldeten Maßnahmen über die Beschlagnahme und Zerstörung des Besitzes solcher Personen, die sich an politischen Vergehen beteiligt oder gegen Sicherb-eitsBestimmungen verstoßen haben, erstreckt sich auch auf solche Personen, die außerhalb Palästinas wohnen. Die Oberrabbiner von Palästina, Dr. Hertzog und Jacob Merr, haben ein Danktelegramm an Präsident Roosevelt wegen seiner Haltung in der Palästinafrage gesandt. Eine Delegation führender Persönlichkeiten des Jischuw wird nach Europa und den Vereinigten Staaten reisen, um die jüdische Stellungnahme in der Palästinafragc zu vertreten. 300 a m e r i k a n i s c h e Juden, die ln Palästina leben, hielten in Tel Awiw ein« Versammlung ai>, um die politische Lage zu besprechen. Der W a a d L e u m i hat an Dr. Solomon Goldman, Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, ein Telegramm gerichtet, in dem er ihm namens des Jischuw den Dank für die Teilnahme bei dem politischen Kampf um die nationale Heimstätte aifssprkht. . Die Regierungen van Libanon und Syrien haben e«ne Warnung gegen den Uebertritt bewaffneter Terroristen nach Palästina erlassen. König Ibn Saud hat an das ständige Kairoer Komit des panara bischen Kongresses, der ihm die Resolution■ des Kongresses übermittelte, telegraphiert und in dem Tel gramm sein Interesse an den Angelegenheiten der Arab und des Islam betont. Festtag in Jerusalem Oute Fahrt gl. Jerusalem, 18. Oktober 1938 Tel Awiw ist so voll wie nur je. Es ist am Vorabend von Simchath-Tora, dem Abschlußtag des Sukkothfestes, und die auch an sonstigen Tagen lebendige Stadt ist voll von grünen Zweigen, die die Kinder von Bäumen und Sträuchen! gerissen haben, um die Sukkoth damit auszuschmücken. Vor der großen Synagoge in der AHenby-Straße ist der Gehsteig voll mit den abgefallenen Blättern und zertretenen Zweigen der Weiden, und um die Verkäufer von Etrogim, die ihre gelben großen Früchte in Kästen vcll weicher Holzwolle am Bürgersteig ausgebreitet haben, drängen sich diejenigen, die dieses Festsymbol bisher noch nicht erstanden haben und doch am letzten Tage nicht ohne diese nach Hause kommen wollen. Es sieht alles sehr angeregt und lustig und friedlich aus und die Geschäfte haben auch ihren Anteil an den Festvorbereitungen. Vor den Abfahrtstellen der lieberlandtaxis wird ein wagen nach dem anderen abgefertigt, die Festtage haben trotz aller Vorsicht des Publikums die Reisehist wieder gehoben. Man kommt aus dem Zentrum von Tel Awiw heraus durch jenes arabische Viertel, das in den offiziellen Kommuniques oft genug genannt wird, und ist an der Stadtgrenze, die heute wie alle Ausgänge durch eine Stacheldrahtbarrikade bezeichnet ist. Jetzt am Vormittag, wo ein starker Verkehr in die und aus der Stadt führt, ist der spanische Reiter, der die Mitte abschließt, achtlos beiseitegeworfen. Man kann sich kaum vorstellen, daß man ihn überhaupt nötig haben sollte, so friedlich liegen die Straßen in der Sonne, so normal geht alles seiner Beschäftigung nach. Das Auto gleitet um die Kurve auf die Jerusalemer Chaussee hinaus. Es gab in letzter Zeit Tage, wo sie fast verlassen dalag, wo man kaum Wagen unterwegs traf. Die Lage war so unsicher. Heute dagegen ist ein starker Verkehr von Last- und Personenautos, und wer nicht weiß, daß im Lande Unruhen sind, der' wird an diesem leuchtenden Herbstmorgen kaum auf die Idee kommen, daß die dunkelgrün leuchtenden Orangengärten auch etwas anderes enthalten könnten als friedliche Arbeiter, die di« Ernte vorbereiten. In diese Oedanken bricht plötzlich und rauh eine lange Kolonne von gelben und braunen Armeeautomobilen, die in Begleitung von etlichen Panzerautos an der Chaussee aufgereiht sind. Die Gefährte sind leer, und die Soldaten, die sie hergebracht haben, sind ein Stück weiter auf dem Feld« aufgereiht in einer losen Kette, die etliche Hunderte von Arabern umgibt. Jeder in unserem Auto weiß, was diese Sammlung von Engländern und Fellachen bedeutet: Waffensuche im Dorf. Von dem großen Menschenhaufen, der aus allen Häusern des Dorfes zusammengetrieben ist, wird ein Mann nach dem andern abgesondert, visitiert, hinüber nach der Gruppe geschickt, wo sich die bereits Untersuchten befinden. Es sieht eher nach einer Versammlung als nach einer Militärexpedition aus, aber wir wissen genug, um uns zu sagen, daß solche Waffensuchen auch sehr oft anders verlaufen und daß vielleicht im nächsten Moment.... Aber da ist unser Wagen schon weit weg von jenem Punkte, man fährt überaus rasch in diesen Tagen. In wenigen Minuten sind wir mitten in Ramie, der kleinen arabischen Stadt, die sich zu beiden Seiten der Chaussee hin streckt und durch Schießen auf durchfahrende Autos in den letzten Wochen berühmt geworden ist. Aber heute wird nicht geschossen. Die Stadt ist völlig ausgestorben. Eine arbeitende Stadt hat ihren eigenen Rhythmus, eine feie nde ebenfalls. Das arbeitende Ramie hatte seine offenen Geschäfte, sein Hin und Her des Kaufens und Verkaufens, seine Ansammlung von Fellachen vor den Türen des Gerichtsgebäudes, an Feiertagen waren die Cafes zu beiden Seiten der Straße von rauchenden und schwatzenden Besuchern geräumt, der durchdringende Ton der Grammophone übertönte die Gespräche, gelegentlich unterbrochen von den Tönen des Radios aus Cairo. Aber heute gibt es nichts dergleichen. Die Stadt arbeitet nicht und leiert nicht. Sie hat Sperrstunde. Die Läden sind geschlossen, überall die Jalousien herabgelassen, kein Mensch auf den Straßen, kein Wagen» kein Esel, kein Kamel, kein Laut ist zu hören. Nur in der Nähe der Polizeistation sieht man ein paar englische Soldaten und jüdische Polizisten, das Gewehr in der Hand, an die Tftr gelehnt. Man hat von der Regierung auch für das arabische Ramie jetzt jüdische Polizisten angefordert. Ein paar Minuten weiter: Sarafend, das Militärlager, seit Jahren unverändert mit seinen stabilen Wohnbaracken und seinen Tennisplätzen. Jetzt ist hinter den Baracken ein großes Zeltlager entstanden. Das neue Militär kommt an und muß fürs erste notdürftig untergebracht werden. Den grünen Orangengürtel lösen die Felder ab, steinig und ausgedörrt, jetzt hungrig nach Regen, in einem unfaßbar friedlichen Gegensatz zu Militärautos und Panzerwagen und zusammengedrängten Lagerzelten. Aber wie eine Warnung, sich den friedlichen Feldern mit dem bläulichen Bergrana und ihren Illusionen hinzugeben, liegen am Wege reihenweise die umgerissenen Telephonposten, die Drähte schleifen am Boden. Jerusalem hat wieder einmal keine Verbindung mit Tel Awiw und die Arbeitergruppen kommen unter Bedeckung hinaus zur Reparatur. Eskorten und Arbeiter, Arbiter und Eskorten, bis hinauf nach Jerusalem. Dort langen wir in einer knappen Stunde an, man hat sehr schnell fahren gelernt in Palästina, denn sehr rasch sich bewegende Objekte sind mit Gewehrschüssen aus der Entfernung schwer zu treffen. Vor der Stadtgrenze noch eine Waffensuche im Auto, heute fast eine Selbstverständlichkeit geworden. Sie geht schnell und macht auf niemanden mehr einen Eindruck. Und so fahren wir ein, es war eine gute Fahrt für heutige Verhältnisse. Tanz Im Dunkeln In Jerusalem ist es in den letzten Tagen wieder unbebehaglich. Außer den üblichen Schießereien gab es an der Mauer der Altstadt einen grusligen Fund, zwei Köpfe in einem Sack. Wie man bald aus dem offiziellen Kommunique der Regierung vernahm, gehörten die Köpfe zu zwei Körpern, die in Tulkerem aufgefunden wurden, und beides zwei früheren marokkanischen Leibwächtern dos Exmufti, die von den Terroristen aus irgendwelchen Gründen ermordet wurden. Anscheinend hat die marokkanische Gemeinde in der Altstadt die Sache nicht so einfach mit dem Kommunique abgeschlossen, sondern ihre eigenen Maßnahmen ergriffen und in der Altstadt wird es wieder einmal unruhig. Sie wird stillgelegt, mit dem erprobten Mittel der Sperrstunde. Sie liegt keine zehn Minuten von dem Zentrum der Hauptstadt, keine Viertelstunde von Rechawiah und Talbieh, den großen jiidisehen Wohnvierteln, aber wer hier herumspaziert, merkt nichts von dem, was hinter den Mauern vor sich geht. Das ist das Charakteristische des heutigen Zustandes: Krieg und Frieden liegen dicht nebeneinander, wie in wasserdichten Kammern voneinander abgetreiwit, in einem Viertel ist es laut und fröhlich, im nächsten totenstill. Und Sperrstunde in der Altstadt oder nicht, Im jüdischen Jerusalem trifft man eifrig die letzten Vorbereitungen für Simchat-Tora. Das ist mehr als ein religiöses Fest, das ist ein Fest der Kinder, die seit Tagen mit ihren Fähnchen herumlaufen. Als die Dunkelheit einbricht, strömen׳ die Juden überall in Massen mit allen Kindern in die Synagogen. ln Rechawia in der großen neuen Synagoge ist es gedrängt voll, und unter den Singenden und Tanzenden sieht man viele bekannte und berühmte Gesichter. Ein groß«• Teil aber des modernen Jischuw geht nicht in die benachbarte Synagoge von Rechawia, man ■wandert in Gruppen und Trupps hinüber in die Bucharia, ins Jemenitenviertel, in die Gegenden des alten Jischuw, seinerzeit die einzigen jüdisehen Komplexe außerhalb der Altstadtmauer, heute hineingeschachtelt in die hohen Häuser des Jerusalem von 1930 bis 1936. Der Jischuw aus dem Westen will sehen, wie man im Osten Simchat Tora feiert, und so findet man sie im Dunkeln in den sonderbaren Höfen, vor den Eingängen zu den Bethäusern, vor den Fenstern, durch die inan in die Betsäle hineinschauen kann. Ein sonderbares Bild. Drinnen in den engen Zimmern und Höfen singen sie und tanzen, wie sie immer getanzt haben. Dicht aneinandergedrängt, die Tora auf dem Arm, die Kinder an der Hand, in einer Luft von Enge und Hitze, von flackernden Lichtem und bunten Farbklecksen. Vor der großen Synagoge der Buchajen stehen die Frauen dicht gedrängt, hier und da leuchtet noch die Seide der alten Trachten, grün neben rot und blau neben schwarz. Aber die Seidenpracht, die man noch vor zehn Jahren hier fand, als noch die ganze Gemeinde, Männer wie Frauen, am Festtag die alten Gewänder aiilegte, ist nicht mehr. Man ist verarmt, die Kleider sind zerschlissen, ein TeU der Kostbarkeiten verkauft. Die Jungen tragen schon vielfach europäische Kleidung, Und nicht nur bei den I3ucharen ist es so. Bei den Cnaßidim tanzen neben den Alten im Samtkaftan und Sireimel die Jungen im europäischen Anzug und in der kleinen Jemeniteiwynagoge am Eingang von Mea Schearim, die wie der Rahmen eines orientalischen Märchens aussah mit ihren Boden und Wände bedeckenden Teppichen und ihren Schnüren von Oellämpchen, hat die elektrische Beleuchtung ihren Einzug gehalten. Aber Seide oder Baumwolle, Oeldocht oder Glühlampe, sie tanzen, sie singen, unermüdlich und verzückt, wie sie jedes Jahr getanzt haben. Bis in den späten Abend geht der Tanz, in engen Räumen, die an dunklen Straßen liegen, in einer verwinkelten und dunkeln Stadt, wo man über un gepflasterte Felsen holpert, um plötzlich wieder in der Dunkelheit auf Singen und Hüpfen zu stoßen. Jerusalem hat seinen Festtag und läßt ihn sich nicht nehmen. Zur Frage der Liquidität Die Befürchtungen vor internationalen Verwicklungen haben auf den Handel und den Kredit Auswirkungen gehabt. Freilich war der Handel nicht so stark betroffen, wenn auch die Käufe zwecks Verproviantierung sicher nicht günstig wirkten. Hier wird sich das Gleichgewicht schnei! wieder herstellen. Schwerer waren die Auswirkungen auf das Bankwesen und damit auf das gesamte Wirtschaftsleben. Es gibt noch keine genaue Statistik der abgehobenen Einlagen, aber man schätzt sie zwischen 5 und 8 "/o der Oesamteinlagen. Die Bewegung war an den Banken nicht gleich stark, aber es muß hervorgehoben werden, daß sie diesmal auch die Großbanken betraf, an deren Liquidität kein Zweifel war. Es verdient betont zu werden, daß unter diesen schwlerigen Umständen auch nicht eine einzige Bank versagte. Einige konnten sich allerdings nicht so schnell das nötige Bargeld verschaffen, für diese aber sprangen andere ein. Die volle Liquidität aller Banken machte natürlich einen beruhigenden Eindruck. Seif einigen Tagen bringen die Bankkünden ihre Einlagen wieder zurück, und sicher hat das ganze nur die Wirkung gehabt, das Vertrauen des Publikums in seine Geldinstitute zu stärken. Trotzdem hat das Ereignis gewisse Wirkungen gehabt. Die Finanzkraft der Banken ist ein wenig gesunken und damit auch die Möglich.־ keif, Kredite zu geben. Schon bei dem Abessinien-Konflikt wirkte steh die Verminderung des Kredites ungünstig aus, und auch jetzt können daraus Schwierigkeiten entstehen. Die Banken versuchten in der letzten Zeit durch Bewahrung des Umfangs der Kredite die Wirtschaft nicht stocken zu lassen, und es steht zu hoffen, daß sie damit werden fortfahren können. Das Publikum muß wissen, daß es durch Rück- Zahlung der Einlagen dein allgemeinen Wirtschaftsleben und damit sich selbst hilft. Esrath Nashim ln Jerusalem. Der Kenner Jerusalems, namentlich der Altstadt, ist immer wieder entsetzt über gewisse, ihm täglich begegnende Geisteskranke. Wer aber gar beruflich auch in die Häuser hineingeht, der ־weiß von armseligen Wesen, die in überfüllten Räumen sich und ihrer Umgebung das Leben zur Hölle machen. In anderen, reicheren Ländern wären solche Gestalten längst in eine geschlossene Anstalt überführt. Hier fehlt es leider an den nötigen Mitteln. Denn die Anstalt selbst ist da, die Esrath Nashim; und was man von ihr hört, ist in jeder Beziehung ausgezeichnet. An der Spitze des Vorstandes steht eine der hervorragendsten Frauen des Landes, Frau David J eil in, die erst kürzlich für ihre Verdienste mit einem hohen Orden durch den englischen König ausgezeichnet wurde; medizinisch liegt die Leitung in aen Händen des angesehenen Psychiaters H. Herrmann, der mit den modernsten Methoden arbeitet und neuerdings auch die Insulin- und Cardiazol-Schock- Behandlung anwendet. Leider stehen aber die Einnahmen im Mißverhältnis zu dem dringenden Bedarf. Wenn in diesen Wochen auch Wohltäter in Europa gebeten werden, die Anstalt zu bedenken, so sollen sie wissen, daß sie für eine dringende Aufgabe geben. Ernst Kahn, Jerusalem Kurse palästinensischer Wertpapiere zu Tel Awiw notierten am 14. Oktober, wie Ellem’s Bank Ltr. mitteilt: Allgemeine Hypothekenbank 5°/oige Pfandbriefe 971/2 (961/2), 6«/0ige Pfandbriebe 1018/4 (1015/4), 60/0ige Vorzugsaktien 109»/» (108), Stammaktien 111V2 (110); Palestine Land Development Co. Ltd. 6»/0ige Vorzugsaktien 92 (891/2), Stammaktien 86 (85); Bi zur o°/0ige Obligationen ser. 2 98>/* (98V2); Ni*־ Ltd• 4°/0ige Obligationen Ser. 1 8540/0 ,(85) 4/יige Obligationen Ser. 2 85 (845/4), 50/oige Vorzugsaktien 67ys (66); Pasa 4 0/0 ige Obligationen 74y2 (74*/,); Palestine Potash 5!/s% Vorzugsaktien 16/3 (16/6). Die dauernde Schwäche des englischen Pfundes brachte etwas Material auf den Markt, das teilweise zu etwas ermäßigten Kursen willi# Aufnahme fand. Gegen Ende der Woche konnte wieder Kaufneigung festgestellt werden. (Schluß des Palästinatcils)