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Jüdische Rundschau · 1938-10-25 · Heft 85 (25.10.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 85 (25.10.1938)
Date
1938-10-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 85, 25. X. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 V er wandt eneinWanderung: nach Brasilien Von unserem Berichterstatter Sao Paulo, im Oktober Die brasilianische Regierung hat beschlossen, die Einreise von Verwandten erster Linie, also von Eltern und Kindern, ohne Rücksicht auf Nationalität und Konfession, wieder zu gestatten. Audi auf Ehegatten sowie Großeltern und Enkel finden diese Bestimmungen Anwendung, nicht jedoch auf Geschwister und Bräute, auch nicht auf dieicnigen Ehegatten, die ihre Ehe ״übers Meer“ durch einen Bevollmächtigten abgeschlossen haben, eine Art der Ehe- Schließung, die nach Brasilianischem Recht möglich ist. Wie wir in Nr. 84 mitteilten, werden grundsätzlich vor Ende des Jahres keine Dauervisen erteilt, so daß auch für die obenerwähnten Fälle nur eine Art von Touristen- Visen in Frage kommen. Man nimmt jedoch allgemein an, daß der vorübergehende Aufenthalt in Brasiliern später in einer dauernden umgewandelt werden kann. Doch sind darüber noch keine endgültigen Beschlüsse gefaßt. Das Einreisevertahren geht in der Weise vor sich, daß der in Brasilien ansässige Verwandte dem Außenministerium in Rio de Janeiro seinen legalen Aufenthalt im Lande nachweisen sowie einen Verwandtschaftsbewei* führen muß, was im allgemeinen durch Vorlage des Geburtsscheines möglich sein wird. Wird der Antrag genehmigt, so weis( das Ministerium den zuständigen Konsul an, das Visum zu erteilen. Diese Anweisung wird voraussichtlich auf dem gewohnlichen Verwaltungswege vor sich gehen, so daß eine Beschleunigung durch Benach ichtigung per Luftpost oder Kabel wohl nicht in Frage kommen wird. Dr. G. C. Jüdisches Leben in Chile Von unserem Berichterstatter Santiago, 11. Oktober 1938 Am 4. September traf in Santiago do Chile Professor Dr. Walter Fischel in einem Flugzeug von Buenos Aires ein und wurde bei seiner Ankunft von den Vertretern aller jüdischen Organisationen und einer riesigen Menschenmenge aufs herzlichste begrüßt. Dr. Fischei, dessen Besuch von der jüdischen Kolonie Chiles mit großer Spannung erwartet wurde, erfüllt bei seinen Besuchen südamerikanischer Länder eine doppelte Mission. Einmal sollen damit kulturelle Bande zwischen der Hebräischen Universität in Jerusalem und den südamerikanischen Universitäten geknüpft werden und außerdem gründete E>r. Fischel in den Städten, die er besuchte, Gesellschaften der Freunde der Hebräischen Universität in Jerusalem, wodurch die jüdische Bevölkerung ihre Verbundenheit mit dieser Universität zum Ausdruck bringen soll. Diese beiden Aufgaben 2u erfüllen, war auch der Zweck seines Chile-Besuches. Es war Dr. Fischel möglich, eine ganze Reihe von Universitätsprofessoren und chilenischen Intellektuellen zu sprechen, die sich mit größtem Interesse von der Universität Jerusalem berichten ließen. Die chilenische Presse berichtete ausführlich über den hiesigen Aufenthalt von Dr. Fischel und seine Mission una die zahlreich erschienenen Vertreter der chilenischen Presse anläßlich eines Presseempfangs, den Dr. Fischel gab, legten Zeugnis davon ab, daß man sich hier für die Hebräische Universität in Jerusalem sehr interessiert. In der Zionistischen Vereinigung von Chile fand am 6. September zu Ehren Dr. Fischeis ein Empfang statt, bei welchem der Präsident der Organisation den Gast begrüßte. Dann ergriff Dr. Abraham Mibaschan, der Vertreter der Jewish Agency und des Keren Hajeßod für Südamerika, das Wort, der die guten Beziehungen zwischen Palästina und Südamerika hervorhob. Oberrabbiner Maguenzo begrüßte den Gast in hebräischer Sprache. In seiner Antwort gab Dr. Fischel in fesselnder Weise einen Ucberblick über die Tätigkeit der Hebräischen Universität in Jerusalem. Zum Schluß des Empfangs wurde ein provisorisches Komitee gewählt, das die Vorarbeiten zur Gründung einer Gesellschaft der Freunde der Universität Jerusalem leisten sollte. In den folgenden Tagen hielt Dr. Fischel noch verschiedene Vorträge, u. a. auch vor den Juden aus Deutschland. Höhepunkt aller Veranstaltungen bildete ein Bankett am 11. September im Circulo Israelita zu Ehren von Dr. Fischel, das einen glänzenden Verlauf nahm und als einer der Höhepunkte im jüdischen Leben Chiles in den letzten Jahren• überhaupt gelten kann. An diesem Bankett nahmen mehr als 200 Personen teil (auch viele Juden aus Deutschland), unter denen sich die Vertreter sämtlicher jüdischen Institutionen Santiagos befanden. Im Namen der jüdischen Kolonie Santiagos begrüßte Gil Sinay den Gast mit herzlichen Worten, während Samuel Goren den Versammelten die Gründung der Gesellschaff •der Freunde der Hebräischen Universität mitteilte, worauf alle Anwesenden die Gründungsurkunde unterschrieben. Im Namen der sefardischen Juden sprach Enrique Testa, der auf das große Interesse hinwies, das die sefardischen Juden am jüdischen Kulturleben haben. Der folgende Redner war der jüdische Gelehrte Professor Alejandro Lipschütz aus Sanfiago. Dann sprach der jüdische Deputierte Dr. Natalio Berman, dessen Ausführungen darin gipfelten, daß jeder Jude, gleich welcher Anschauung, die Hebräische Universität in Jerusalem ideell oder finanziell unterstützen müßte. Weiter begrüßte Marcos Kaffman Professor Dr. Fischel im Namen der jüdischen Jugend Chiles. Dr. Fischel hielt dann am 12. September einen Vortrag in spanischer Sprache im Circulo Israelita vor der jüdischen Kolonie Santiagos über das Thema ״Unbekannte Juden in unbekannten Ländern“. Dr. Fischel weilte am 14. September in Valparaiso und hielt in dieser Stadt mit großem Erfolg einen Vortrag. Am 15. September gab der Präsident der Zionistischen Vereinigung von Chile, Samuel Goren, dem Gast ein Abschiedsbankett und am 17. September wohnte Dr. Fischel als Ehrengast der Eröffnung der zionistischen Tagung in Chile bei. ln der Zeit vom 17. bis 19. September fand in Santiago die Zionistentagung statt. Die Vertreter fast aller jüdischen Institutionen des Landes, unter denen sich auch die Interessengemeinschaft der .deutschsprechenden Zionisten befand, hielten Ansprachen. In den Sitzungen, die unter dem mustergültigen Präsidium der Herren Guillermo Arensburg, Roberto Levy und Adolfo Gomberoff verliefen, wurde immer wieder betont, daß die zionistische Arbeit in Chile immer mehr verstärkt werden muß. Die am Schlußtag der Tagung vorgenommene Wahl des Direktoriums der Zionistischen Vereinigung von Chile für 1938—39 hatte folgendes Ergebnis: Die Herren Adolfo Grenovich, Samuel Goren und Adolfo Rotter übernehmen gemeinsam die Präsidentschaft. Zum General- Sekretär und Direktor der Organisation wurde Matias Shapiro gewählt, zum II. Direktor: Miguel Maldavsky, Sekretär Ldon Alterman. Die Aktion für KH und KKL wurde in diesem Jahre gemeinsam durchgeführt und endete mit einem großen Erfolg, der is erster Lin» der Tätigkeit des Vertreters der Jewish Feiertage in Uebersee In San Francisco — Vor den Feiertagen wurde in den Tageszeitungen ziemlieh breit darauf hingewiesen, welche Gottesdienste stattfinden werden. Alle diese Notizen, im redaktionellen Teil, waren verbunden mit einer Erklärung, was diese hohen Festtage für die Judenheit bedeuten. Man konnte alle Themen ersehen, die die Rabbiner für ihre Predigten gewählt hatten. Eine der Gemeinden ließ sogar einen Gottesdienst mit deutschen Predigten stattfinden. Die Reformgemeinden feiern Rosch Haschanah nur einen Tag, aber in den anderen Synagogen wird traditionell das Fest zwei Tage lang gefeiert. In einer Reformsynagoge — so hat mir jemand erzählt, der dort zugegen war — wurde also am ersten Tage der offizielle Gottesdienst abgehalten, in englischei Sprache, die Herren ohne Kopfbedeckung usw. Am zweiten Tage, der also kein Feiertag für diese Gemeinde war, wurde der Gottesdienst halb privat in orthodoxer Weise verrichtet, Hebräisch, mit altem ״Nigum““, und mit Hut und Tallis Was uns ganz neu war, das war die Uebertragung von Andachten durch Radio. Es spricht sehr viel gegen eine solche Neuerung. Aber auf der anderen Seite muß man zugestehen, daß es doch vielen die Möglichkeit gibt, überhaupt einen Gottesdienst anzuhören; man denke an Kranke oder an solche, die zu weit von einem Gotteshause entfernt wohnen. Wir haben fast sämtliche Uebertragimgen gehört: aus New York, Chicago, Cincinnati. Die Veranstaltungen ■wurden von irgendwelchen Organisationen mit dem Zwecke einer Propaganda verbunden, also für Fonds usw. Die Reden waren ausczeichnet. Und was am deutlichsten auffiel, war, daß die nterschiede der verschiedenen. Riten, dte im Gotteshause so augenfällig sind, fast überhaupt nicht bemerkbar wurden. Man hatte nur das deutliche Gefühl einer jüdischen Andacht. Natürlich sind diese Feiern, die meist zu außergottesdienstlichen Zeiten stattfinden, zeitlich begrenzt, dauern etwa 1/2—*V1 Stunde. Irgendwie gibt es hier, wo seit etwa neunzig Jahren Juden wohnen, doch schon so etwas wie eine Lokaltradition. Vor kurzem wurde in einer Gemeinde der Tag, an dem der Kantor seit 48 Jahren ununterbrochen im Amt war, festlich begangen. Vor kurzem wurde hier das dritte Schuljahr der ״School for Jewish Studies“ begonnen. Der DTcktor der?'־hule ist Rabbi Jacob J. Weinstein. Die Zion' tische Ve ei i urig hat eine Gedenkfeier für ihren früheren Vorsitzenden, Dr. Henry Harris, veranstaltet. Die Gedenkreden wurden von Rabbi Dr. Weinstein, Dr. Lcake und Leo R a h i n o w i t z gehalten. Werner Bah und in Ch*cago Der Unterschied zwischen Chicago und den meisten anderen Plätzen besteht darin, daß die Ncueinwandercr keine eigene Gemeinde gegründet haben, sondern Gottesdienste, gesellschaftliche Veranstaltungen, Sport usw. in Zusammenarbeit mit einer der ältesten hier bestehenden Reformgemeinden, der Chicago Sinai Congregation, abhalten. Die Gottesdienste nach dem liberalen Ritus der dortigen Synagogen wurden zum ersten Male vor einem Jahre am Rosch Haschana veranstaltet. Vorbetcr, Organist und Chor werden von den Neueinwanderern gestellt. Die Gottesdienste wurden während des Jahres einmal an einem Freitagabend im Monat veranstallet, außerdem fanden Gottesdienste an Chanukka, Peßach und Schawuoth statt. — Die diesjährigen Hohen Feiertagsgottesdienste, die wie alle anderen gottesdienstlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen im Gemeindehaus der Chicago Sinai Congregation. dem Emil G. Hirsch Center, abgehalten wurden, waren von rund 850 Personen besucht. — Als Rabbiner amtierte ein Student des Hebrew Union College in Cincinnati, Hermann Schaalmann aus München, der auch schon i.m vorigen Jahr an den Holi-en Feiertagen hier war. Als Vorbeter wirkten die Herren Dr. Ewald Jaffe, ein Arzt aus Berlin, der an den Hohen Feiertagen bereits in Berlin in Betsälen vorbetete, und Ludwig Steinberger, früher Hauptkantor in Bad Kissingen. — Am Erew Rosch Haschana fand die feierliche Einweihung von vier Torarollen statt, die uns geschenkweise von Deutschland zur Verfügung gestellt worden sind. Die Berliner Gemeinde stellte uns die Musik und eine Anzahl Gebetbücher zur Verfügung, so daß die Gottesdienste nach einem einheitlichen Minhag abgehalten werden können. — Die Sinai-Gemeinde hat für die Gottesdienste eine Orgel zur Verfügung gestellt und besitzt ein besonderes Komitee, das sich ausschließlich mit unseren Problemen befaßt, und das in der Hauptsache aus Männern und Frauen zusammengesetzt ist, die vor 30 und 40 Jahren aus Deutschland hierher gekommen sind. Neben den Gottesdiensten, die auch in diesem Jahre während des ganzen Jahres abgehaltem werden, finden einmal im Monat ge sellschaftlicheVeransta!tungen statt, die dem Ncueinwandercr Gelegenheit bieten, sich mit dem ihm zunächst fremden amerikanischen Leben vertraut zu machen. An diesen Nachmittagen werden auch gute Unterhalturig geboten, so daß Alt und Jung■ Gelegenheit hat, einmal im Monat die Alltagssorgen zu vergessen. Um den Ncucinwanderer schneller in das amerikanische Leben einzugewöhnen, hat es die Sinai-Gemeinde unternommen, unsere '-Mitglieder ohne weitere Kosten als Vollmitglieder in den Men’s Club bzw. die Sistcrhood der Gemeinde aufzunehmen. Diese Veranstaltungen sind besonders wertvoll, weil hier ein direkter Kontakt zwischen dem ״Newcomer" und dem amerikanischen Juden hergestellt wird. Diese Veranstaltungcn finden selbstverständlich auf englisch statt, während die gesellschaftlichen Nachmittage und die Gottesdienste aut deutsch abgehaiten werden. Ferner hat jetzt die Stadt Chicago einen Sportplatz mit Halle zur Verfügung gestellt, so daß den Sportbegeisterten genügend Möglichkeit gegeben ist, zu trainieren. Zusaminetifassond ist zu sagen, dal! die Neueinvvanderer hier in Chicago in Zusammenarbeit mit einer amerikanischen Gemeinde es zuwege bringen konnten, daß es dem Neuankömmling nicht allzu schwer fallen sollte, sich in der ersten Zeit zurechtzufindcn. W. R. In Cali (Columbien) In Cah gibt es jetzt 1400 Juden. Vor drei Jahren waren es kaum 400. Die Stadt wachst in amerikanischem Tempo, und. auch die jüdische Gemeinde nimmt in einem Ausmaß zu, das die verantwortlichen jüdischen Stellen mit einer gewissen Besorgnis erfüllt, weil efinanziell sehr schwer ist, all die Bedürfnisse zu befriedigen, die e:ne solche Einohne Kapital ins Land kommt. Nur Bchritt für Schritt kann die Existenz des einzelnen atifgebaut werden —• ein Prozeß von Jahren, der an die Nerven und die Geduld erhebliche Anforderungen stellt. Daß es auch in religiös e r B cziehung sehr schwer ist, alle Richtungen zusammcnztifassen, war voraiwzusehcn. Der Versuch,, für die Juden aus 1 )euVschland cuieri gemeindennoch überraschend gut gegluckt. Konservativer wie liberaler Ritus wollten berücksichtigt sein; aber man half sich dadurch, daß man die Vorbetcr der verschiedensten Riehtungen je nach ihrer Art vorbeten ließ, so daß sich niemand zurückgesetzt fühlen konnte. Der liberale Ritus kam vor allem durch die Uebersetzung der Haftara sowie durch einige Gebete in deutscher Sprache zu seinen! Recht. Im ganzen war die Gemeinde mit diesem ersten Versuch ztifrieden. Die Stimmung war feierlich, die Gedanken c3er Betenden schweiften zu ihren Angehörigen in Deutschland. Am Vorabend des Rosch Haschana sprach ein junger Mann, der schon längere Zeit hier lebt, einige zu Herzen gehende Worte, in denen er zu Brüderlichkeit und Gemeinschaft atifrief; die Predigt am ersten Tag befaßte sich mit. den Fragen der Einordnung und dem religiösen Sinn jüdischen Schicksals. Erfreulich stark war die Jugend in diesem Gottesdienst vertrc'cn. l'ane' en gab es selbstverständlich auch Gottesdienste nach o't'ii l: ehern und sefardischen) Ritus. Die starke ostjüdische 'K,:nnie, die am längsten in dieser Stadt lebt, kostete nia•!che' Ueherrcding, um 'die!naßgebeiid* 1! Herren der Gemeinde zu überzeugen, daß der eigene Gottesdienst der Juden aus Deutschland keineseparatistischen Tendenzen in sieh traue. Gerade an diesem Beispiel der Gestaltung einer religiösen Feier konnte man erkennen, wie nahe im Judentum die Gefahr eines Schisma;; ist Obwolv es sich doch um dieselbe■ Sache handelt, ist cs nicht möglich, in den Einzelheiten — dic^ einem Aulicnstehemlen ^ft als Offenbar hat der Kudturkreis, aus dem er stammt, wesontlieh auf ihn cingewirkt. Während die anderen Andachten in dienst in der sehr schönen Synagoge der sefardischen Kolonie abgehalten. N. Agency und des Keren Hajeßod für Südamerika, Dr. Abraham Mibaschan, zuzuschreiben ist. Lob verdienen auch alle, die sich in den Dienst der Sammelaktion gestellt haben und dazu beitrugen, daß das Ergebnis ein so glänzend«; wurde. Hier müssen besonders der Vorsitzende der Sammelaktion, Dr. Luis Lamas, und der Direktor des Keren Hajeßod und Keren Kajemeth, Adolfo Rotter, genannt werden. Anläßlich der hohen Feiertage fanden in den verschiedenen Beträumen Santiagos Gottesdienste statt. Nach dem Vorbild des früheren Gemeindebundes deutschsprechender Juden führte die ״Chewra Kultus- und Bestattungsgemeinschaft" die Gottesdienste zu Rosch Haschana und Jom Kippur in mustergültiger Weise durch. Die Ansprachen der Herren Dr. Josef riirsehberg und Marcos Posen hinterließen einen tiefen Eindruck. Am 9. Oktober fand in dem riesigen Teatro Caupolican einem der größten Theater Südamerikas, vor 10000 begeisterten Zuhörern ein Symphoniekonzert statt, das Victo Tevah dirigierte. Der bekannte jüdische Violinist Victor Teva! hat sich wiederholt auch als Dirigent erprobt und ist aus dem Wege, der volkstümlichste Musiker Chiles zu werden ln dem Konzert, dein auch der Vertreter des Staatspräsidenten Arturo Alessandro, sowie die Spitzen der Behörden beiwohnten, wurden Victor Tevah und seinem Orchester bc geisterte Ovationen dargebracht. Die jüdische Pianistin Marta Weinstein (Santiago), ein׳ Schülerin der berühmten chilenischen Künstlerin Rosita Renard gab im nationalen Konservatorium mit großem Erfolg eii Konzert. Letzthin wurde den Hörern im Radio ein interessante jüdisches Programm geboten, das durch verschiedene hebrä!sehe Lieder eingeleitet wurde. Dann hielt I. Gomberoff eine Vortrag über Theodor Herzl und Luis ulisser sprach üb• Bialik. . Heinz Gott hi! In London weilt der Redakteur des ״Haolam“ Mosch! Kl ein mann. Er sprach über die Lage in Palästina in eine Versammlung der jüdischen Schriftsteller und Journalist« Königin Mary eröffnete im Londoner East ein jüd; sches Settlement für Mädchen; es wurde ihr bei dieser Ge legenheit ein herzlicher Empfang bereitet« Auswanderungsvorschriflen Auswanderunßsvorschriften für Juden in Deutschland. :)11 Dr. jur. Heinz Colin und Dr. oec. Erich Ooftfcld. - Josef Jastrow, Jüdischer Buchverlag, Berlin. Der Vorzug dieses nützlichen Buches liegt in seiner klugen Beschränkung auf das Wesentliche. Von den Informationsreisen über Paßcitcilung. Unbedenklichkeitsbescheinigung, Reichstluclitstencr, Transfcrinöglichkcitcn bis nun Umzugsgut und Bordgeld bespricht es alles, was für den Auswandc־ rer in Betracht kommt. Auf diese Weise erfährt der Aus- Wanderer, an welche Stellen er sich zu wenden, welche Wege er notwendig hat, was erlaubt und was verboten ist. Darüber hinaus ist natürlich von Bedeutung, welche Anträge nicht nur zulässig sind, sondern nach der praktischen Handhabung der Behörden auch Erfolg versprechen, welche Zeiten die einzelnen Anträge in Anspruch nehmen usw. Hierüber enthält das Buch nur einiges, und diese Eigenschaft ist sein großer Vorzug. Die hier notwendige Ergänzung ist, worauf das Vorwort mit Recht hinweist, Sache der Beratung durch die Beratungsstellen und berufsmäßigen Berater. Jüdische Musiker in London. Von prominenten jüdischen Künstlern, die in London im Laufe der diesjährigen Konzertsaison auftreten werden, sind angekündigt die Dirigenten Georg Szell (London Svinphony Orchestra und Courtauld- Sargent Concerts) und Bruno Walter (Rundfunkorchester und Philharmonie), die Pianisten Arthur Schnabel, Benno M o i s e w i t c h, Lo E 1 i!1 s o n mit einer Bach-Woche, Vera Benenson und die junge, vielversprechende Shulamith S a f i r, sowie der Cellist Sig. Feuermann. Von den Särtgern sind zu nennen Sabine Kalter, Nan Maryska und der ausgezeichnete Liederinterpret Mark Raphael. Von größeren Werken jüdischer Komponisten wird Sir Adrian Beult in einem der großen Rundfunkkonzerte Mahlers ״Lied von der Erde“ und Bruno Walter Mahlers Erste Symphonie aufführen, die liier seit geraumer Zeit nicht zu hören war. __ M. C. Der Gedenktag der jüdischen Frontkämpfer Englands wird am 6. November in London staftfinden. Lord Birkwood wird die Parade der ehernaligen Frontkämpfer abnehmen. Bei der Parade werden 7000 ehemalige Frontkümpfer und ihre Frauen aus allen Teilen des Königreiches anwesend sein,

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