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Jüdische Rundschau · 1938-10-21 · Heft 84 (21.10.1938) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 84 (21.10.1938)
Date
1938-10-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU SPORT-RUNDSCHAU Nr. 84, 21. OKTOBER 1938 40 Jahre Bar Kochba Berlin Die Gründungslahre Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte des vor 40 Jahren, arr» 22. Oktober 1898, begründeten Berliner Jüdischen Turnvereins Bar Kochba erweist seine zentrale Bedeutung für das jüdische Türnwesen in aller Welt. Er war der erste Turnverein mit einer bewußt national-jüdischen Tendenz. Um diese scharte sich eine Gruppe von 48 jungen Männern, die den ,,Bar Kochba“ begründeten. Bald nach der Gründüng und sogar nach einer Reihe von Jahren wurden selbst von hervorragenden Männern unseres Kreises Stimmen laut, die das Wort ״national““ aus unserer Tendenz streichen und unserem Verein eine allgemeine jüdische Grundlage geben wollten. Dies geschah aus taktischen Gründen. W i r aber kämpften mit Einsatz aller Kraft erfolgreich dagegen. Besser eine kleine, in sich festgefügte und begeisterte Gruppe, als eine große, lose und laue Gemeinschaft! Dieselben jüdischen Kreise, die schon die Idee eines jüdischen Turnvereins als lächerlich empfanden, gründeten selbst später tendenziöse Turnvereine von Juden, die ohne die vorangegan׳ ״ ne Gründung n a t i o n a 1 - jüdischer Turnvereine nie entstanden wären. Solche Gebilde haben keinen Bestand. Wir legten keinen entscheidenden Wert auf Turnvereine von Juden, sondern auf jüdische Menschen, die unter einer jüdischen Idee turnten. Seit Jahrtausenden waren wir ein landloses Volk. Der Zionismus wollte uns das Land schaffen. Wer konnte vor 40 Jahren wissen, ob und wann der Augenblick der Erfüllung eintreteu würde? Inzwischen mußte aber das jüdische Volk leben, und zwar nicht nur im physischen und biologischen Sinne, sondern als das ewige Substrat unserer Bewegung. Bei uns war das Nationale die Seele, war es die maßgebende Wesensgrundlage, und zwar weit mehr als bei dem ursprünglichen Zionismus Herzl'scher Prägung. Es war unbedingt notwendig, den programmatischen Begriff des NaHonalüiilcntums deutlich zu machen und ich formulierte folgendermaßen: ״Unter national-jüdischer Gesinnung verstehen wir die Auffassung, daß die Juden eine auf gemeinsamer Abstamm ung und (jeschichte, keineswegs mir auf religiöser Ueberzeugung beruhende Gemeinschaft darstellen, welche mit charakteristischer geistiger sowie seelischer Eigenart begabt, ein starkes Bewußtsein der Zusammengeh örigkc it bis auf den heutigen Tag bewahrt hat. Die Stärkung dieses nationalen Bewußtseins betrachten wir neben der Pflege des Turnens als unsere vornehmste Aufgab c.“ Damals war der ״Bar Kochba“ von 48 bereits auf 121 Mitglieder angewachsen. Aus der Frühzeit der Vereinsgeschichte erwähne ich den Einberufer der Gründungsversammlung, Wilhelm Lcwy (jetzt Rabbiner in Erez Jisrael), den ersten Vorsitzenden Dr. Jul. Katz, die damaligen Studenten Max Zirker und Richard Blum sowie den Unterzeichneten, die wir alle dem 1. Vorstand angehörten. Zirker (iel die Organisation, Blum der praktische Turnbetrieb zu und mir oblag die Propaganda. Wir arbeiteten jalirelang mit Lust und Liebe, ebenso auch die anderen Mitarbeiter, die ich nicht alle aufzählen kann. Der Verein wuchs, lnzwischen wurden Frauen- und Jugendabteilungen gegründet. Besonders wurde der Bar Kochba unter dem Vorsitz von Dr. Ernst Tuch zur Blüte gebracht. Ein eifriges Mitglied war auch unser Kassierer Artur 11 irscli. Wir förderten die Gründling jüdischer Turnvereine; trotzdem hielt sich alles in kleinem Rahmen. Eine Wendung kan! Briefmarken Fritz Lewin LUtzowstr.9lA durch die von Zirker angeregte Herausgabe der ״J i't d i - sehen T u r n z e i t u n g“ und das auf meine Anregung erfolgte 1. jüdische Schauturnen vor dem VI. Zionistenkongreß in Basel 1903. Damals schrieb ich: ״Welcher Erfolg, wenn in Basel, jener für uns klassischen Stätte, wo der Gedanke der jüdischen Turnbewegung geboren wurde, sich auch der Zusammenschluß der einzelnen und vereinzelten Turnvereine vollziehen würde.“ Im Jahre 1903 wurde die ״Jüdische T u rn e r s c 11 a f t“ gegründet. Nun begann ein neuer Start, das Einsetzen einer größeren Bewegung. —• Erster Vorsitzender der ״Jüdischen Turiicrscliaft' wurde Dr. Ernst Tuch, später trat Dr. Georg Arndt au die Spitze. Beide Männer waren zwar verschieden nach Beruf, Wesensart und Begabung, aber beide rein, edel, wahr, tapfer und voller Begeisterung für unsere Sache. Sehr jung mußte unser Georg Arndt, ein Arzt des Leibes und der Seele, dahingehen, und auch Dr. Tuch starb vor Vollendung des 50. Lebensjahres. Als Präside des V. Jüdischen Turntagcs 1912 sprach ich Worte des Gedenkens für Georg Arndt, und im Dezember 1923 hielt ich meinem Freunde Ernst Tuch die Grabrede. — Schließlich gedenke ich noch des wertvollen Wirkens unseres Freundes Theobald Sc ho lern, der jetzt nach Palästina übergesiedelt ist. Im Frühjahr 1912 zählte die Jüdische Turnerschaft 26 Vereine mit 2948 Erwachsenen und 1398 Jugendlichen. Doch nun genug der Statistik! ln Wehmut gedenken wir der Dahingeschiedenen, mit stolzer Freude des gewaltigen Aufschwungs unserer längst im Zeichen des Zionismus geeinten Bewegung. Mit gerechter Befriedigung dürfen wir auf vier erfolgreiche Jahrzehnte zurückblickcn, trotzdem oder gerade weil uns viele Schwierigkeiten und Hindernisse bereitet wurden. Unbeirrt gingen wir unseren Weg. In diesem Sinne schrieb ich den 1. Jahresbericht unseres Jubilars und schließe mit dem herzlichen Wunsch, daß uns diese begeisterte Zuversicht erhalten bleiben möge. Dr. Hermann J a 1 0 w i c z Glückwünsche zum Jubiläum Die ZVfD. gratuliert Dem Bar Kochba-Hakoah Berlin gelten zu seinem vierzigjährigen Jubiläum meine herzlichsten Wünsche. Als ein Teil des Makkabi wird er weiter ein Vorkämpfer für die große Bewegung sein, die durch Erneuerung aller Bezirke des jüdischen Daseins das Schicksal unseres unglücklicheti Volkes wenden will. Benno Cohn, Geschäftsführender Vorsitzender Der Makkabi-Weltverband Liebe Makkabiin! Mit großem und berechtigtem Stolz blickt der Makkabi-Weltverband aut seinen deutschen Kreis und dessen älteste und wichtigste Gruppe, den Bar Kochba- Hakoah. 40 Jahre, ein so verschwindender Zeitraum sie in der Geschichte unseres Volkes sind — für die junge, zionistisehe Bewegung bedeuten sie eine lange Periode, ln diesem Menschcnalter sind die meisten der Gründer und früheren Führer von uns gegangen; viele fielen im grollen Kriege. Doch nicht die Tatsache, daß ״Bar Kochba-Hakoah“ einer der ältesten Vereine ist, macht den 40jährigen Bestand für unsere Bewegung so bedeutsam. Bar Kochba wurde das Kernstück des deutschen Kreises und dieser wieder das Kernstück des ganzen Bereiches der Galuth; das verleiht dem Vierzigjahrestag eine überragende Bedeutung. Der Geist der Gründer hat sich im Bar Kochba lebendig erhalten, der Geist des großen Kämpfers Bar Kochba. ln guten wie in schlechten Zeiten hat der Verein in Gesinnung und Leistung Treue bewahrt, und ist an Disziplin und Opferfreudigkeit von keinem iibertroffen worden. Das ist Makkahigeist, geläutert, geübt und gestärkt i!i 40 Jahren zielbewußter, opferheischender, aber auch Befriedigung gewährender Arbeit. Auf dem Gebiete der körperlichen und geistig-kulturellen Erziehung der jungen Generation wurde und wird gleich viel geleistet. Der Makkabi-Weltverband beglückwünscht Euch, Makkabim und Makkabiot vom Bar Kochba-Hakoah, und er gratuliert sich, eine solch mustergültige Organisation zu besitzen, wie Ihr es seid. Euer Verhalten während dieser 40 Jahre kann jedem Makkabiklub der Welt zum Vorbild dienen. 4 0 J a 11 r e! Einst, als ein Jahr noch ein Jahr ■war, endlos lange Monde, Wochen und Tage, brachte unser Volk 40 Jahre in der Wüste zu, bis das verheißene Land erreicht war, das dann erst erworben, in Besitz genommen werden mußte. Makkabi ist unter den Vorbereitern. Makkabi weist den Weg und geht ihn selbst. Es kann kein kurzer und bequemer Weg sein, es kann wieder 40 Jahre dauern, bis er uns dem Ziele nahegebracht haben wird, aber wir sind auf dem Wege, und wir werden nicht haltmachen, was immer geschehen mag. Mögt Ihr, Makkabim und Makkabiot die Feier des vierzigsten Geburtstages als Brüder und Schwestern eines freien Volkes in seinem Lande begehen. J ugendpf legedezernat der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Die sportliche, sowie jüdisch-kulturelle Arbeit des Bar Kochba-Hakoah ist erziehungsgemäß aus der jüdischen Sport• bewegung nicht wegzudenken. Mit dein Beginn seines Be- Stehens vor 40 Jahren hat der Bar Kochba-Hakoah bahnbrechend für die Ertüchtigung der Jugend des jüdischen Volkes gewirkt und den Grundstein der jüdischen Turn- und Sportbewegung gelegt. Der unermeßlichen Arbeit seiner Besten ist es gelungen, aus diesem Berliner Verein eine Bewegung zu schaffen, die der Träger des jüdischen Sportes in allen Teilen der Welt ist. Mit dem Magen David auf der Brus׳ haben sich di« Turner und Sportler des Bar Kochba-Hakoaf zu allen Zeiten stolz zu ihrem Judentum und zum jüdische Volke bekannt. gez.: So b o t k e r. gez,: Engländer. Dr. F. A. TheilHaber schreibt: Lieber Bar Kochba! Als wir vor dem Weltkric einen jüdischen Sportplatz eröffnen wollten, schlug ich aß Schlagzeile vor: ״Ein Sportplatz ersetzt dretKran kenhäuser“. Unsere Ansichten haben sich in vielem gewandelt, aber trotz aller Relativität der Werturteile, diese! Satz hat seine Gülitgkeit behalten, ja seine Richtigkeit wird heute mehr denn je anerkannt. Jüdische Jugend zu jüdischer Jugend! Diese Jugend soll frisch und fröhlich sein, nicht dekadent wie die der assimilutorischen Kreise, sondern gesund und mutig, trotz Spiel und Sport im jüdischen Geist erzogen... In den ■10 Jahren der Entwicklung des Bar Kochba ist da: große jüdische Schicksal mit eingeschlossen, und die Ge schichte des Vereins spiegelt die Evolution des jüdischer Volkes wider; an dem Wandel der Epoche und an der Wand Schelner & Go. ^f^ld.enr4i lung der Geister w׳ar auch die Arbeit des Bar Kochba, des eisten Vereins der jüdischen Turnerschaft, deS Makkabi, entscheidend beteiligt. Heute sind in Erez Jisrael Hunderte, die im Bar Kochba die körperliche Ertüchtigung und ihre jüdische Erziehung genossen haben. Viele stehen auf Wacht und hüten die jüdisehe Erde. Mehrere gaben ihr Blut und ihr junges hoffnungsfrohes Leben zum Schutz ihrer Brüder und unseres Landes dahin. Das ist wohl das größte, was wir von Deinem jungen Makkabim sagen können. Dr. Felix A. TI1 ei Ih aber, Tel Awiw Pie Jubiläums-Veranstaltungen Sonnabend, den 22. Oktober 1938 Turnhalle Große Hamburger Str. 27 Beginn: 20.30 Uhr Ju&ttäwns-feiet Ansprachen: Dir. Heinrich Stahl Dr. Hans Friedenthal Dr. H. Jalowicz. R.-A. W. K a t s c h k e Chor unter Leitung von Jul. G o 1 d b e r g, Streichquartett der Jüdischen Künstlerhilfe Nur für geladene Gäste "׳mntag, den 23. Oktober 1938 Sportplatz G r u n e w a I d Beginn: 14 Uhr Makkabiauswahlmannscliaft REICH Makkahiauswahlmannschaft BERLIN m Handbai] und Fußball den 24. Oktober 1938 Turnhalle K u r f u r s t e n d a m m 119 Ecke Kroiiprin/endamm — Eingang Nedlitzer Str, Beginn: 9 Uhr /?. iketilaguHy. des UudckaU Nur für Delegierte und geladene Gäste Donnerstag, den 27. Oktober 1938 Turnhalle K u r f ü r s t e 11 d a m m 119 Ecke Kronprin/endamm — Eingang Nedlitzer Str. Beginn: 20.30 Uhr (jtofies Ju&itämns - SchauiuAHC+1 Ansprache: R.-A. Dr. Alfred Klee Chor unter Leitung von Jui. Goldberg 1914 —1928 Was soll von den vier langen Kriegsjahren gesagt werden, von jener Zeit, aus der die lange Reihe derer, die nicht mehr zurüekkarnen, noch einmal — lebendig und blutvoll — vorüberziehen, unter ihnen G rci fenhagen, Fritz Abraham, Julius lleilbrun, K a I i s k i, Caro, Salzmann und all die anderen Bar Kochbaner, deren Namen unsere Gedenktafel verzeichnet. 1A sind einige der Besten unserer Geschichte, und ihre Namen sollten auch für die junge Gene- Der Bar Kochba brach in diesen Jahren nicht zusammen. /.war'Vgub es s'chier "!niUemvvdmllidm^Sehw'ieGgkeh-cn4' orgaaisatori scher und finanzieller Art, — aber man hielt durch. Ein besonderer Dank kommt den Frauen unseres Vereins zu, die in dieser Notzeit muh Kräften bemüht waren, unsere Existenz zu sichern. Aul der anderen ■Seite waren es unsere und diTraclüi'onen unserer. Idee 11014111!ollen, vor nlk'in^ aber Dezember 1918. Generalversammlung des Bar Kochba, Die1 erste Stunde, 'ein ׳Fest'\les Wiedersehens, verbunden mit dem Gedenken an die, die nicht mehr dabei sind. Aber die Freude des Wiederdaseins übertönt auch dies — das Leben 'st stärker. Die neue Aera begann mit einem l'lutartigcn Zustrom za An Turnabenden. Erst lachen die Turner der alten Garde, och schließlich merken sie, daß da was dran ist. Es dauert ieht lange, und die .Abteilungen von früher sind wieder Nicht ganz so einfach geht cs mit der Neuorganisation ler Sportabteilung. Erstens ist noch Winter und also keine Zeit für Leichtathletik, und als das Frühjahr da ist, fehlt wieder einmal, ein eigener Sportplatz. Wir müssen uns für das YVoehentagstraining mit den städtischen Sportplätzen in Westend begnügen. Nichtsdestoweniger geht es auch hier im Laufe des Sommers aufwärts. Sehr schnell hat sich wieder unsere Hockey- Mannschaft entwickelt, während die Schafung einer Fußball-Mannschaft nicht mehr zustande kommt. Auch in die Sportnbtcilungen sind viel neue Menschen tekommen, darunter viele, denen es nur um Sport zu tun ist, über bald sondert sich auch hier die Spreu von dem Weizen, und was übrigbleibt, ist gut. Für einige von diesen war das Erlebnis das Krieges im Hinblick auf ihre jüdische Einstellung der entscheidende Wendepunkt, Das Musterbeispiel hierfür ist Ernst Simon. Mit ihm begann ein neuer sportlicher Aufstieg. Wir siegten bei einer großen öffentlichen SportveranstaUung in einer St liwedenstoffel (mit der Mannschaft: Simon, Bock, Heilborn, Kikoler) gegen die beste Klasse Berlins, ur»tl wenig später gewinnt Simon die Brandenburgisehe Meisterschalt über 800 m, während an dem gleichen Tage unsere Jugendmannsohafl einen großartigen Sieg in einer Olympisehen Staffel davonträgt. Der Name Bur Kochba wird wieder bekann(. Neben Simon müssen als besonders hervorragende Sportsleute dieser ersten Nachkriegsjahrc die Namen von Heilborn, Fried Undcr, Bock, Ni esselrot h, Czarlinski und von den Aeiteren noch Willi Lewin und Leo Kaminski genannt werden. Nicht 7.11 vergessen unsere damaligen Stabhochspringer Pfeifet und Eg er, die zwar in der Hauptsache Turner waren, aber in dieser ihrer Spezial- TRPPICHHAUS ZENTRUM AeuBerste Preise fOr Teppiche Gardinen - Läufer Berlin C 2, Spandauer StraBe 28 an der KSnlgstraße

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