Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 84 (21.10.1938)
- Date
- 1938-10-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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S׳dt« 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr 84, 21 X. 1938 Million Juden ist. Wir fürchten, diese Zahl ist noch zu niedrig gegriffen; in jedem Falle sind wir überzeugt, daß England keine Losung der Paläslinafrage als gerecht empfinden kann, die dem jüdischen Volke das einzige Recht nimmt oder schmälert, das es als Volk hat: in seine nationale Heim- Stätte einzuwandern. Wir miissen in diesem Augenblick auch darauf hin weisen, daß der Zionismus kein britisches Unternehmen ist. Er bedarf der Zustimmung der Machte, denn England hat das Mandat des Völkerbundes erhalten, um als Treuhänder die Durchführung des Zionismus zu fördern. Dieses Mandat ist noch heute in Kraft; von dieser Grundläge muß jeder künf.ige Schritt seinen Ausgang nehmen. Es ist dabei gewiß möglich, über Lösungen des Palästinaproblems zu sprechen, die von anderen Gesichtspunkten aiisgehen als denen des Petlschen Teilungsplanes. Von jüdischer Seite sind von allem Anfang an starke Argumente gegen die Teilung des Landes vorgebracht worden, die bis heute recht verstummt sind. Die beiden Gedanken der Einheit des Landes und der Kooperation zwischen Juden und Arabern sind ohne Zweifel Max Weissler B8rlinW,2״iKlei8tstr.12$k gut, wenn man sie zu v c r w i r k I i c I1 e n weiß. Bisher ist dies leider in der Vergangenheit nicht gelungen, und so gab es zwar eine Einheit des Landes, aber nur wenig oder gar nichts an echter Zusammenarbeit der beiden Völker, die das Land bewohnen. Die Peel-Koinmission wollte aus dieser Erfahrung der Vergangenheit die Konsequenz ziehen und beider! Völkern das geben, wonach sie am meisten verlangen, nämlich Sicherheit de r E i g e n e n t \v i c k 111 n g und friede n i m 1. a 11 d e. Dies wollte sie durch die S e p a - ration der beiden Völker und durch die Schaffung von zw ei g e trennt e n S t a a t s g e b i e t e ח erreichen. Wenn man diesen Gedanken, dessen Klarheit gewiß nicht abgeleugnet werden kann, heute verlassen will, dann ist dies mir dann akzeptabel, wenn die beiden Ziele des Lord Peel gleichfalls, wenn auch auf anderem Wege erreicht werden: nämlich Frieden im Lande 711 schaffen und freie Eigenentwickln!]״ für b e i d e Volker Palästinas zu sichern. Es geht also nicht etwa an, eine Lösung darin zu erblicken, daß man die Entwicklung des einen Volkes, nämlich des jüdischen, in Palästina in einer Weise einscliränkt, daß von Freiheit und Wachstum nicht mehr die Rede sein kann. Beide Teile müssen vielmehr Opfer bringen; es ist im Laufe der letzten Jahre von jüdischer Seite oft genug bewiesen worden, daß wir zu solchen Opfern im Interesse der Herstellung eines dauernden Friedens bereit sind. Wenn nunmehr von englischer Seite der Gedanke der Zusammenarbeit von Juden und Arabern in die Diskussion geworfen wird, so ist er nur dann sinnvoll, wenn er nicht rein abstrakt formuliert bleibt, sondern wenn auch auf der ,arabischen Seite der Partner vorhanden kt oder gefunden wird, der eine solche Zusammenarbeit akzeptiert und bereit lSff*tt1 ihrem Interesse Opfer nt' bringen and diese vor dem arabischen Volke zu vertreten. Wir wissen nicht, welche arabischen Gruppen eine solche Bereitschaft heute haben, würden aber nichts so sehr begrüßen, als wenn es sich herausstellen sollte, daß auf der anderen Seite ein Kreis verantwortlicher Menschen da ist, der entschlossen ist, dem Blutvergießen ein Ende zu machen, sich an den Beratungstiscli zu setzen ohne ultimative Forderungen und mit dem Willen, einen Ausgleich der Interessen zum Nutzen des ganzen Landes und beider Völker zu finden. Bis dahin mag noch ein weiter Weg sein, der in Palästina selbst in diesen Tagen und Wochen auch noch zu sehen wir — eine letzte Phase der Unruhen darstcllen möge. Eine Verhandlung am ,,runden Tisch" wird nur dann, wenn im Lande R t! h e herrscht, aufgenommen werden, und die judi-che Seite wird, dessen sind wir gewiß, eine wertvolle Gabe dabei einbringen: den g e s u 11 d e tv Menschenverstand, der frei ist vom Gedanken des Hasses und des Prestiges und der nichts anderes im Sinne hat, als d!!11 Lande den Frieden zu geben, mit dem das Herz unseres Volkes so tief verbunden ist, allen seinen Bewohnern die Möglichkeit einer besseren Zukunft zu verschaffen und zugleich für das jüdische Volk in den Landern der Welt die Tore Palästinas offen zu halten, * Wir alle blicken in diesen Tagen mit banger Erwartung nach Palästina und zugleich auf die Beratungszimmer in London. Es geht nicht allein um das Schicksal der 450000 Menschen des Jischuw: sondern um die Hoffnung des jiidisehen Volkes in den Ländern der Welt, um die Zukunft eines wichtigen Teiles seiner Jngentl. Unzweifelhaft wird diese Erwartung auch in London gespürt worden sein. Das amerik a n I s c h e J u (I e 111 ח in hat in einer machtvollen Demo»- s1 ration seine Meinung kundgegeben, die amerikanische Regicrung hat durch ihren Botschafter in London ihren Standpunkt in der Palästinafrage der britischen Regierung übermittelt. Auch der Botschafter Polens in London drückte die großen Sorgen aus, die das polnische Judentum in dieser Stunde bewegen. Es geht um die Lösung einer Frage von weltgeschichtlichem Ausmaß. Das kleine Land am Gestade des MFielmeeres, das in den Gebeten der Menschheit eine so große Rolle spielt, ist für uns das ganze Leb e n. Das jüdische Volk, das umherge'.rieben wird über die Länder des Erdballs, sieht in ihm die ganze Hoffnung seines Daseins. Es glaubt in diesen entscheidungsschweren Tagen daran, daß ihm seine Zukunft in jenem Lande erhalten bleiben wird, und es glaubt, daß es trotz allem, was in den! letzten Jahren geschah, einen Zeitpunkt geben wird, an dem es mit dem arabischen Nachbarvolke in den Werke« des friedliehen Aufbaus, in den Gütern der Kultur und Zivilisation wetteifern wird. K. L. Verantwort lieber Rrdakicur (and! verantwortlich Kr die Aufnahme von Bildern): Zur Zeit unbevMH, i. V,: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Ameigenleitcr und vcranuoriiich für den Inhalt der Anzeigen: Erwh I. i e j> m .*1 n n, Berlin W 15• OiiJtig Ahzeigen-Prcijliue S vom 1, April 1938. Verlag und Anzeigern•״* alHing: Jütisch. Kmulwhau. Berlin W 15. M<:1nckei,tr. 10. D.A. 111/1038: 25313. — Drurk: Max LichtwiU (vormals Druckereibetriebe Max Jüchtwitx und Siegfried Scholem), Berlin SW 08. Amerikanischer Schritt in London Amerikanisch־jüdische Delegation in Washington Erklärung des Staatsdepartements Eine Delegation, der alle Führer der amerikanischen Judenheit angehörten, suchte am 14. Oktober das Staats- Departement in Washington auf. Die Delegation wurde vom Staatssekretär des Aeußiren, Mr. Curdell H1111, empfangen, und übergab ihm ein Memorandum, das die Auffassungen der amerikanischen Judenheit in der Palästinaf rage wiedergibt. Das Memorandum unterstreicht die Tatsache, daß die amerikanische Judenheit den größeren Teil der Geldmittel für den Wiederaufbau Palästinas zur Verfügung gestellt hat und daß ei« radikaler Wechsel in der britisenen Politik diese Investitionen und Interessen gefährden würde. Das Memorandum bezieht sich weiter auf die britisch-amerikanische Palästina-Konvcntion von 1024 und fordert die amerikanische Regierung respektvoll auf, den Artikel? der Konvention! anzurufen. Im Zusammenhang mit dieser Delegation gab Staatssekretiir Huli eine Erklärung des Staatsdepartements heraus, in der es heißt: ״In den letzten Tagen hat die Regierung von Einzelpersonen und Organisationen Telegramme und Briefe in großer Zahl erhalten, die sich auf Palästina beziehen und die Möghchkeit einer Veränderung in der britischen Palästina-Politik zum Gegenstände haben. Da gesonderte Antworten an alle Absender unmöglich sind, wird diese Erklärung herausgegeben. Das amerikanische Volk hat bekanntlich seit vielen Jahren ein starkes Interesse an der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Palästina genommen. Seit Präsident Wilson haben alle Präsidenten bei einer oder mehreren Gelegenhcilen ihr eigenes Interesse an dem Gedanken eines Nationalheims und ihre persönliche Befriedigung über den bei seinem Aufbau erzielten Fortschritt kundgegeben. Die amerikanische Sympathie ist fernerhin durch eine Resolution beider Häuser des Kongresses von 1022 zum Ausdruck gekommen, die die wohlwollende Ffaltung der USA. gegenüber dieser Heimstätte in Erinnerung brachte. Als der Auswärtige Ausschuß des Repräsentantenhauses die Rcsolution dein Plenum vorlegte, berichtete er, daß diese Ent- Schließung ״unsere moralische Anteilnahme an und unsere wohlwollende Haltung gegenüber der Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina zum Ausdruck bringt. Sie verbindet uns zu keiner auswärtigen Verpflichtung oder Verwicklung.“ Angesichts dieser Interessen haben die amerikanische Regierung und das amerikanische Volk mit eifriger Sympathie die Entwicklung des Nationalheims i« Palästina verfolgt, eines Projektes, bei dem amerikanische Interessen und Ka- & B. NEUMANN IW PIANOS |R AD I O I B a r 11 n W 15,KurfQr»t«nd«mm «O» / Wut! 11 37 t6 pital eine führende Rolle gespielt' haben.'Bei mtjirferen Geiegenheiten hat die Regierung ihre Ansichten bezüglich der Rechte der USA., und^ jjirer,״ §t33t,S0ng^^cjrigcn iin^Pajästina der britischen Regierung vörgefragcri. D?e ‘*amcrikantfche^Regicrung erwartet deshalb, daß sie Gelegenheit haben wird, ihre Ansichten der britischenRegierung zu unterbreiten, wenn irgendwelche Veränderungen gelant sind, die amerikanische Rechte aus dem Palästinatandat betreffen. Diese Rechte, die in der amerikanisch-britische« Palästina-Konvcntion vom 3. Dezember 14)24 bestimmt sind, umfassen gleichmäßige Behandlung in Handelsangelegenherten, Schutz der wohlerworbenen Eigentumsrechte, Etlaubnis ׳ zur Begründung und Unterhaltung von Erziehungs-, Wohltätigkeits- und Religions-Institutionen, Garantien für die gerichtliehe und überhaupt für die Gleichheit in der allgemeinen Behandlung amerikanischer Bürger wie der aller anderen Nationen. Oie Rechte der USA. in Verbindung mit jeder Veränderung des Palästina-Mandates werden im Artikel 7 der genannten Konvention dargetan: ״Nichts, was in der vorliegenden Abmachung enthalten ist, kaftn durch irgend eine Aenderung in den oben z i - tierten Mandatsbestimm 11 ngen berührt werden, es sei denn, daß die USA. einer solchen Aenderung zustimme n.“ Die Regierung der USA. wird zwar durch diese Artikel nicht ermächtigt, aie Veränderung des Palästina-Mandates als solche zu verhindern. Die amerikantsche Regierung Ist jedoch nicht willens, irgend eine Aenrung des Mandates als gültig und auf die amerikanischen Interessen anwendbar anzuerkennen, wenn sie nicht einer solchen Aenderung selbst zugestimmt hat.“ Der amerikanische Botschafter hei Lord Halifax und MacDonald Am 14. Oktober stattete der amerikanische Botschafter in London, Mr. Kennedy, dem Auswärtigen Amt sowie dem Kolonialamt einen Besuch ab. Mr. Kennedy sprach mit Lord Halifax und Malcolm MacDonald und teilte den britischen Staatsmännern den Inhalt der Erklärung des amerikanischen Staatsdepartements mit. Brandeis bei Roosevelt Der Richter ain Obersten Amerikanischen Bundesgericht, Louis D. Brand eis, stattete am 14. Oktober dem Präsidenten Roosevelt auf dessen Einladung im Weißen Hause einen mehr als cinstündigen Besuch ab. Nach zwei Jahren ist dies der erste Besuch von Brandeis bei dem amerikanischen Staatsoberhaupt, und es wird angenommen, daß er im Zusammenhang mit der letzten Entwicklung der Palästinafrage steht, die ausführlich erörtert wurde. Die öffentliche Meinung in USA Der Stadtrat von New York nahm eiiröiinmig eine Entschließung an, die den Präsidenten Roosevelt auffordert, bei England in der Paläslinafrage zu intervenieren. Senator Wagner erklärte gegenüber Pressevertretern, er habe ein langes Telephongesprach mit Präsident Roosevelt gehabt und daraus die Gewißheit geschöpft, daß der Präsident an der gegenwärtigen Situation in Palästina tiefes Interesse nehme und alle Anstrengungen machen werde, die die Lage erfordern. Die ״New York Times“ schreibt in einem Leitartikel vom 13. Oktober, es würde ein Unglück sein, wenn die britische Regierung die Sperre oder eine drastische Einschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina ins Auge fassen würde, um die arabischen Nationalisten zufriedenzustellen. Das Blatt tritt dafür ein, daß das Verhältnis der uden zur Gesamtbevölkerung Palästinas zahlenmäßig fest egrenzi werden solle. Wenn die Befürchtung der Araber, zahlenmäßig überflügelt zu werden, beseitigt sei, würde eine Befriedung leichter sein. Der Artikel fährt dann fort: ״Sogar der Antizionist müßte gegen Vorschläge protestieren, die die Aussichten auf Ansiedlungen heute noch mehr beschrjinken würden als sie zu einer Zeit beschränkt waren, als Zion nur eine Heimstätte war und nicht auch eine Zuflucht für ־ Heimatlose. E$ ist unvorstellbar, daß eine sotehe Ein- Schränkung ׳erwogen werden könnte. In׳ keinem Falle könnte sie ohne die Kooperation. der USA. anferlegt werden, dic^an der Ausführung des Palästinamandatcs unmittelbar interessiert sind.“ Die ״New York Times“ berufen sich ebenfalls, auf Artikel 7 der englisch-amerikanischen Konvention, der die Zü- Stimmung der USA. zu jeder Aenderung des Mandates erforderlich macht. Am 23. Oktober werden in 450 jüdischen Gemeinden in garu Amerika Massenversammlungen stattfinden, auf denen an England appelliert werden soll, cfie Tore für jüdische Einwanderung nach Palästina offenzuhalten. Demarche des polnischen Botschafters Der polnische Botschafter in London, Graf Raczinski, besuchte Sir Alexander Cadogan, den ständigen Unterstaats- Sekretär des Auswärtigen Amtes, und stellte Fragen über die Pläne der britischen Regierung in bezug auf Palästina. Die Anfragen wurden, wie der polnische Botschafter erklärte, durch die tiefe Beunruhigung der jüdischen Bevölkerung Polens in der Frage der Einwanderung nach Palästina verursacht. Frankreich und Syrien Ein Sonderkommisaar für Minderheiten K Paris, 19. Oktober Die durch die internationale Krise unterbrochenen französisch-syrischen Verhandlungen sind' jetzt wieder aufgenommen worden. Der syrische Ministerpräsident D j e m a 1 M e r d a ni Bey> der non mehr bereits .seit zwei Monaten in Paris weilt, ist in diesen Tagen erneut von dem französisehen Außenminister Bon net empfangen worden. Die Atmo- Sphäre, in der zur Zeit die französisch-syrischen Verhandlungen geführt werden, ist freilich von der zu Beginn der Aussprache weit entfernt. Wenn auch die französische Regierung noch grundsätzlich an dem Vertrage, der Syrien die Unabhängigkeit in einiger Zeit gewähren, soll, festhält, so ist sie doch entschlossen, die französischen Interessen in einem unabhängigen Syrien fester zu verankern, als es in dem ursprünglichen Vertrag vorgesehen war. Da aber die Syrer mit einer nur nominellen Unabhängigkeit ihres neuen Staates nicht einverstanden sind, gestalte« sich die Besprechungen recht schwierig. Die Ratifizierung der Verträge durch das französische Parlament, die Ursprunglieh Mitte des Jahres, später im Herbst 1938 stattfinden sollte, ist erneut auf unbestimmte Zeit verschoben wofden. Unter den strittigen Punkten, über die zur Zeit verhalldelt wird, ist bisher vor allem, ein Uebeirinkominen über den Schutz der Minderheiten erzielt worden. Die französische Regierung wird als Berater der syrischen Regierung einen Sonderkommisaar für Minderheiten ernennen, der mit besonders großen Vollmachten ausgestattet sein wird. Dieser französische Berater wird in Konfliktsfällen als Schiedsrichter zwischen der syrischen Regierung und ihren Minderheiten auftreten. Ueber die militärischen Klauseln der Verträge wird noch verhandelt, da die Syrer eine weitergehende Einschränkung-, des,. französisehen Besatzungsrechtes fordern, als Frankreich unter detn Gesichtspunkt des Schutzes seiner' Interessen bewilligen ,zu können glaubt. Die Versuche ־ des syrischen Ministerprasjdeuten, eine Aenderung des Sändschakstatutes im syrischen Sinne zu erreichen, sind in Paris auf kein Verständnis gestoßen. Der Protest, den kürzlich ein französischer Senator in einem offenen Brief gegen die französische Politik in der Sandschakaffäre lautwerden ließ, wird diese Richtlinie <fEs französischen Verhaltens nicht beeinflussen. Die für den 22. September festgesetzte Reise des französischen Außenministers Bonnet nach Ankara mußte infolge der Ereignisse in Europa aufgeschoben werden und ist nun durch die Erkrankung von Kemal Atatiirk erneut verhindert worden. Das Reiseprojekt wird bei passender Gelegenheit zur Durchführung kommen. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß der bisherige Hochkommissar de Märtel, der zur Zeit in Paris weilt, wahrscheinlich nicht aui seinen Posten zurückkehren, sondern durch einen jüngeren französischen Diplomaten ersetzt werden wird. Bekanntlich ist die Stellung de Martcls in dem französisch-syrischen Verhältnis sowohl in Damaskus wie in Parte heftig umstritten gewesen. Einwanderung nach Chile Das chilenische Konsulat m Berlin weist darauf hin, daß alle Anfragen und Anträge privater Personen an das Konsulat betreffs Einwanderung nach Chile nur berücksichtigt werden, wenn sie vom Hilfs verein der Juden in Deutschland bereits geprüft und befürwortet worden sind. Deshalb werden alle Interessenten gebeten, sich in erster Linie an den Hilfsverein zu wenden. Australische Möglichkeiten Die Zeitschrift ״The British Australian and the New Zcalander“ setzt sich in einein Leitartikel für die Zulassung einer großen jüdischen Einwanderung ein. In dem Kirnberley-Be/irk von Westaustralien gibt es zur Zeit noch nicht 200 Weiße. Auf einem Gebiet von?0 000 Quadratmeilen könnten mehr als eine Million Menschen bequem angesiedelt werden. Australien könne dadurch mir gewinnen; niemand würde dort den Eingesessenen Arbeit vvegnehmen, viele Australier hingegen von der Erschließung bisher uribesiedelter Räume wirtschaftlichen Vorteil haben.! Aut Einladung des Board of Deputees fanden in London Beratungen jüdischer Organisationen über das Emigrantenproblem statt.