Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 84 (21.10.1938)
- Date
- 1938-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr» 84 / Jahrgang 43 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion,Verlag undAnzelgenverwaHang! BerUnWlS.Neli1eke1tT.lt• Fernruf: 919031, Telegramm •Ad«■»ei Orghlp. - In Fällen häheret Gewalt besieht kein Anspruch »uf Nachlieferung oder Errtattung etwa schon geiahlter Beiugagebühten, Baiugipreis eimchlieBlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75; bei Abholung RM 1,88 brw. RM 5,39 (einscblieBlidi Postieitunfsgebühr von 10% Rpl je Monat). — Postscheck - Konten der Vertriebs. Abteilung für Groß-Berlin! Berlin 71573, für das übrige Reich! BerUn 17393 BERLIN כ״ו תשרי תרצ״ט FREITAG, 21. OKTOBER 1938 Eredielnt Jeden Dienntag and Freitag. Gültig ist die Anzelgenpretsliate Nr. 5 vom 1. April 1936. Die zwölfgespaltene mm - Zelle 20 Rpf, für Familien* Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewähr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmten au( Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis FreUag 9 — 18 Uhf Annahmeschluß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag . Ausgabe : Mittwoch 15 Uhr. Familien ■ Anzeigen am Tag vor Erscheinen 1« Uhr Der Zionismus erstrebt tOr das )Odlscha Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina• (Baseler Programm) Militär-Aktion gebilligt Die Londoner Kabinetts-Sitzung: — Noch kein politischer Beschluß - Die Zukunft des Teilungsplanes — Eine Round T able - Konferenz? Tatsachen und Kombinationen In diesen Tagen beginnt in Palästina die von der brifischen Regierung bei den in London geführten Besprechungen beschlossene umfassende Aktion zur Bekämpfung des arabischen Terrors. Zugleich mit der Rückkehr des High Coinmissioners trafen starke Truppenkontingente im Lande ein. Durch eine Reihe von Verordnungen wurde t".׳ Bekämpfung des Terrors wirksam gestaltet. Die Polizei v. ::de dem militärischen Oberbefehl unterstellt, und an einer Reihe von wichtigen Plätzen, darunter in Jerusalem, wurden .Viilitä-gouvenmire eingesetzt, denen die zivilen Distriktskommissare als Berater zur Seite beigegeben wurden, während die zivilen Angelegenheiten selbst weiter in den Händen der ständigen Behörden bleiben. Ferner wurden die Behörden ermächtigt, das Recht zum Waffentragen auf weitere Personen auszutleiinen, und es ist anzunehmen, daß hierdurch der Umsatz weirerer jüdischer Freiwilliger zur Bckämpfung der Terroristen ermöglicht werden soil. Schließlich wurde die Beschlagnahme und Zerslörung des Besitzes von Personen, die a!11 Terror teilnehmcn, verfügt. Der britische Kabinettsrat, der am Mittwoch in London tagte, hat die bisher getroffenen und geplanten Maßnahmen gebilligt, so daß nunmehr alle Voraussetzungen dafür gegeben sind, um in energischer Weise den Kampf gegen die Terroristen aufzunehmen. Bereits in den letzten Tagen haben größere Aktionen eingesetzt. So wurde in der Jerusalemer Alt- Stadt, in der die Spannung seit vergangener Woche erheblieh angestiegen war, eine größere militärische Aktion durchgeführt, die mit einer Suche nach Terroristen verbunden war, mit dem Ergebnis, daß die Terroristen teils aufgegriffen, teils auf dem Tempelplatz zusammengedrängt wurden. Auch in Akko wurde ein größeres militärisches Unternehmen gegen die Terroristen durchgeführt, und es ist zu erwarten, daß sich die Mäßjjaiitfieii ‘ tu tferr nächsten Tagen auch in anderen Bezirket! auswirken werden. Sie sollen die Bahn für die politische Behandlung des Palästina- Problems frei machen. Es geht aus allen Erklärungen, die i« London abgegeben worden sind, hervor, daß die Niederwcrfimg des Terrors als Voraussetzung jeder Verhandlung angc.-־ hen wird. ,!:;:bei muß man heute zurückschauend sagen: Wieviel unersetzliche Verluste hätten vermieden, wieviel Hunderte von Menschenleben hätten erhalten werden können, wenn die Palästinaverwaltung sich bereits 1936 zu energischem Handeln entschlossen hätte! Die gleiche Mandatarmacht, die vor zweieinhalb Jahren sich scheute, einen ungesetzlichen Streik mit durchgreifender Anwendung von Polizeimitteln zu beenden, muß heute siebzehn Bataillone konzentrieren, um den Terror militärisch niederzukämpfen. Wo die Strenge des bürgerlichen Gesetzes ausgereicht hätte, muß nun die Ge- Walt des Militärs angerufen werden * L)as britische Kabinett hat entgegen Meldungen, die vorher durch die englische Presse gingen, keinen Beschluß politischer Art gefaßt; die politische Seite des Problems wurde in der letzten Kabinettssiizimg nach den vorliegenden Meldungen überhaupt nicht eingehender erörtert. Eifl Ausschuß des Kabinetts soll vielmehr in Zusammenarbeit mit dem Koloniahninister sein besonderes Augenmerk der politisehen Seite des Paläslinaproblems zuwendetv, zumal ja nach den vorliegenden Mitteilungen mit der Publikation des Woodhcad-Berichtes in naher Zukunft gerechnet werden muß. Inzwischen sind in der britischen Oeffentlichkeit Mutmaßiingcn über die Pläne der Regierung bekannt geworden, denen man, da sie an der Regierung nahestehender ג.eile publiziert wurden, eine gewisse Bedeutung beilegen muß. Der Londoner ״Daily Telegraph“ veröffentlichte Lin/ ■!heilen über einen neuen Plan zur Lösung des Palästina- ״ obö'ins, der den Gedanken der Teilung des Landes iufgibt und ein einheitliches Palästina auf der Grundlage arabisch -jüdischer Kooperation und unter bri- .:;:eher Führung bcibehalten will. Die Frage der Immi־ r a ion soll dabei in der Art geregelt werden, daß die;üjisehe Einwanderung so begrenzt wird, daß keine Veräuderung der Proportion der beiden Bevölkerun ״steile Eintritt; auf der andern Seite soll jedoch keine Sperre der jüdischen Einwanderung erfolgen. Als eine Ergänzung dieses Planes sind wohl weitere englische Presseäußerungen aufzufassen, die davon sprechen, cs sei beabsichtigt, eine jüdisch-arabische Round Table- Konferenz nach Niederwerfung des Terrors ei!unberufen mit der Aufgabe, die Pläne für eine jüdisch-arabische Koopcration in Palästina zu erörtern. Es ist gewiß erforderlich, all diese Mitteilungen mit einer gewissen Zurückhaltung aufzunehmen, solange sie nicht von amtlicher britischer Stelle bestätigt sind. Man wird zunächst die Veröffentlichung des Woodhead-Berichtes abzuwarten haben und feststellen, welche Stellung dieser Bericht zu dem ursprünglichen Peelschen Teilungsplan einnimint, welche Vorschläge er zu seiner Realisierung macht, t>zw. ob er unter Ausdehnung der ursprünglich der Kommission gegebenen Kompetenzen sich zu dem Prinzip der Teilung überhaupt äußert und davon abweichende Gegen Vorschläge macht Wenn man sich auf den Bericht des ״Daily Tele• Wie aus London initgcteilt wird, berichtete Kolonialminister Malcolm MacDonald bei der Sitzung des britischen Kabinetts am Mittwoch ausführlich Uber die Palästinafrage. Es wurde ein Cabinets-Councit zur weiteren Behandlung des Problems eingesetzt, dem außer dem Kolonialminister mehrere Kabinettsrriitgiicder angehören. Eine Entscheidung Uber die politische Zukunft Palästinas und über die Frage der Einwanderung wurde nicht getroffen. Premierminister Chainberlain wurde nach der Sitzung vom König empfangen. Nach einer Mitteilung des politischen Korrespondenten des ״Even in g Standard“ hat das Kabinett die zur Beendigung der Unruhen in Palästina getroffenen Maßnahmen gebilligt. Ueber, die Zukunft Palästinas habe das Kabinett noch keinerlei Beschlüsse gefaßt. Nach Aufgabe des Teilurgsplanes, auf die in unter richteten Kreisen hingewiesen werde, würde vielleicht dei nächste Schritt eine Round Table-Konferenz. z.wisehen den Führern der Araber und der Juden sein. Eine derartige Konferenz könne jedoch erst nach Beendigung der Unruhen zusammentreten. Ferner meldet der parlamentarische Korrespondent der ״Preß Association“, daß der Bericht der Woodhead- Kommission dem Kabinett 11 och 11 i c 111 Vorgelegen habe. Der Korrespondent rechnet mit weitgehenden Aenderungen des von dieser Kommission ausgearbeiteten Planes, und berichtet, daß inoffiziell von einer Round Table-Konferenz die Rede sei, um die Gutwilligen auf beiden Seiten in Palästina zur Zusammenarbeit in der Form eines ״Vereinigten Pala- &liuanimier ״britischer Kontrolle“ zu bringen. 0er Londoner ״Daily T c 1 e g r a p 11“ vom Mittwoch hat — noch vor der Kabinettssiizung — zur Finge dei politischen Entscheidung des Palästinaprohleins einen Artikel seines politischen Korrespondenten veröffentlicht, der sich mit den Vorschlägen beschäftigt, die Koloniahninister Malcolm MacDonald dem Kabinett machen wollte, ln dem Artikel heißt es, daß MacDonald dem Kabinett neue Vorschläge zur Bestätigung unterbreiten wol'e, weiche die Aufgabe de Teilungspläne enthalten, wie sie seinerzeit von der Peel Kommission gemacht worden sind. Der Korrespondent wil erfshrten haben, daß die Mac-Dcnald-Vorschläge die Fort äauär dör britischen Administration im Lande und die schließllche Errichtung eines einheitlichen Staates unter bri flacher Führung zum Inhalt haben. Du-c Vorschläge wiirden auf Grund des Berichtes der Wooühcad-Kommissiou gemacht, die eine Teilung des Landes in einen britischen und einen jüdischen Staat weder als gerecht noch als in vollem Umfange durchführbar erkläre. Angesichts der neuen Vorschläge sei es unwahrscheinlich, daß eine Entscheidung auf Unterbrechung der jüdischen Einwanderung getroffen werde, möglich sei aber, daß temporär eine ausgedehnte Kontrolle der Einwanderung für zweckmäßig erachtet werden wird. Die Vorschläge, die Malcolm MacDonald dem Kabinett machen wolle, betreffen: grapli“ stützt, so erscheint letzteres wahrscheinlich. Gerüchte, die über die Tätigkeit der Woodhead-Kommission in der letzten Zeit durchsickcrien, sprachen ja bereits davon, daß diese Kommission starke Bedenken gegen die Schaffung zweier getrennter Staaten in Palästina geäußert habe bzw. daß sie, wenn überhaupt eine Teilung durchgeführt wird, neue Vorschläge gemacht habe, die von dem Ursprungliehen Peelschen Schema erheblich abweichen. Wir haben an dieser Stelle im Laufe der letzten Monate verschiedene derartige Projekte, die sich mit der Grenzziehung beschäftigten, veröffentlicht, aus denen zu ersehen war, daß Kräfte am Werke waren, das Peelsehe Schema stark zu korrigieren. Trotzdem wird inan zunächst abzuvvarten haben, welche konkreten Vorschläge der neue Bericht tatsächlich enthält, ehe von unserer Seite dazu Stellung genommen werden kann. Betrachtet man sachlich die Angaben, die über die neuen Pläne des Koloniahriinisters bekannt wurden, so ist es insbesondere wichtig, sich die zahlenmäßigen Verhältnisse vor Augen zu führen, die sich auf Grund eines derartigen Projektes auf dem Gebiete der Einwanderung ergeben würden. Man kommt dann auf Grund der statistischen Angaben über die Bevölkerungsbewegung Palästinas, die im Peel-Bericht enthalten waren, zu dem Ergebnis, daß ein derartiger Vorschlag, der die gegenwärtige Proportion der beiden Bevölkerungsteile im Lande aufrecht erhalten will, cincjüdischc Einwanderung von etwa zehn- bis zwölftausend Seelen pro jahr zuließe. Das aber würde bedeuten, daß nicht nur das bisher geltende Prinzip der vvirtschaftliehen Kapazität des Landes endgültig verlassen würde — während von englischer Seite immer betont wurde, daß die Einführung einer ״politischen" Einwanderungsquote nur eine vorübergehende Maßnahme sei, —, sondern daß sogar eine Einwanderungszahl festgelegt würde, die weit unter jener Zahl liegt, die die arabischen Befürchtungen vor einer Majorisierung durch die Juden in einer für politische Entscheidungen ernsthaft in Frage kommenden Zeitspanne zerstreuen könnte. Wir wissen nicht, ob die Angaben des!.Bewilligung der bereits in Palästina getroffenen Maßnah men; 2. E n c r g i s e h e A k t i o 11 im ganzen Lande, um die Ruhe und Ordnung wieder herz״stellen; 3- Vorläufige Verhandlungen mit dem Ziele der schließlichen Schaffung eines geeinten Staates in Palästina, wird, jiannoiiisch z'u s '1 iiniHMiVua r beit e ״'״3 ,״ Der Artikel führt weiter aus, daß Mae Donald^ in den verschiedener Kreise der öffentlichen Meinung. Er habe genaue und ins ^einzelne gehende Pläne _ aus gearbeitet. Wenn d i ese P o I i t i k in Kraft z'u“ s e t z e!1. I )er" Bericht der Woodhead-Kommission befinde sieh bereits im Besitze von MacDonald und werde nächste Woche publiziert werden. Der Koloniahninister habe diesen Bericht zur Unterstützung seiner Vorschläge heranzieheu können. Das Kabinett Werde diese wichtigen Punkte ausführlich erörtern, bevor man zu einem allgemeinen Uebereinkonimen in der Palästinapolitik kommen könne, das v o m P a r 1 a in e n t gutgeheißen werden muß. Es könne angenommen werden, daß dem Kabinett in großen Zügen vorgetragen werden wird, es sei kein Grund zu der Annahme vorhanden, warum es nicht schließlich zu einer Regelung auf der Basis der Kooperation zwischen Juden und Arabern kommen solle unter der Voraussetzung, daß das gegemvärtige Bevölkerungsverhältnis zwischen Juden und Arabern aufrechterhalten bliebe. Es sei unwahrschein- Sich, daß die Regierung eiuer Unterbrechung der jüdischen Einwanderung /!!stimmen wird, solange diese Einwanderung durch das Einströmen von Arabern wett gern acht wird. Gleich- ■eitig aber werde man erwägen, daß die Einwanderung von allen Seiten vorerst reguliert werden solle, wenn auch licht wirklich suspendiert, und zwar für einen befristeten Zeitraum, bis man zu einem Uebereinkonimen über eine lermanente Regelung gelangt sein wird. Wie hierzu aus London gemeldet wird, steht das Pro•;ekt einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz nicht 1 in Widerspruch zu den Ausführungen des ״Daily Telegraph“. Vielmehr erscheint dieser Vorschlag als der erste Schritt zur Durchführung der jetzt in Aussicht genornmenen jüdisch-arabischen Kooperation in einem ungeteilten. Pa- Nach Mitteilung aus London ist in der ״Times* vom Donnerstag ein Artikel des parlamentarischen Korrcspondeuten des Blattes erschienen. ln diesem Artikel wird gesagt, daß die Frage der I»alästina-P0!itik überhaupt nicht Gegenstand einer längeren Diskussion innerhalb des britisehen Kabinetts am ‘Mittwoch gewesen ist. Es sei unrichtig, daß — wie es in britische Kabinett sich dafür neue Haltung in der Teiluiigsplan fallen 711 ״Daily Telegraph“ über die Art der Regelung des Einwaiiderungsproblems authentisch sind, oder oh es sich hierbei um Erkundungen der öffentlichen Meinung handelt. In jedem Fall aber wird dieser Punkt den schärfsten Widerstand von jüdischer Seite finden» ist doch das Problem der Einwanderung nach Palästina der Zentralpunkt, um den es in erster Linie geht, da von seiner Regelung das Schicksal des jüdisehen Aufbauwerkes nicht nur quantitativ abhängt, sondern auch seine ganze innere Struktur davon bestimmt wird, ob es durch einen genügend breiten Einwanderungsstrom belebende Kräfte zugeführt bekommt. Ein Engländer sagte in der ״Sunday Times“ vom letzten Sonntag seinen Landsleuten, daß Zionismus heute die bare Voraussetzung erträglichen Daseins für eine Oivtei UebetMLck Der a m c r i h a n i $ c h e u n d der polnische Bol - schaf ler intervenierten in der Pulästinafragc in London. Die Polizei in Palästina wurde eiern Oberbefehlshoher der MilitärstreUkräftc unterstellt. In einer Reihe von Städten wurden M ilit är g o 11 ue r ne u re eingesetzt, denen Truppen und Polizei unterstellt wurden. Die Beschlagnahme und Zerslörung von Besitz solcher Personen, die an den t Ulrichen tcilgenomnien haben, wurde als zulässig erklärt. Ferner kann die Zahl der Personen, die zum Waffentragen berechtigt sind, erhöht werden. Iligh Commissioner Sir Herbert Mac Michael traf am 16. Oktober in Jerusalem ein. In der abgetaufenett Woche war die Spannung besonders i der Jerusalemer Al l s l a dt sehr stark. Die eng lisclien Truppen unternahmen eine Aktion zur Säuberung der Altstadt. — Bai den Ueherfällen der letzten Tage waren sieben j 0 d i s v h e T o t c zu beklagen. Paula Ollendorf starb in Jerusalem im Alter non 78 Jahren.!d den