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Jüdische Rundschau · 1938-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1938)
Date
1938-10-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 82/83,14, X, 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Zu den Londoner Verhandlungen Die Lage in Palästina, die sich in den letzten Wochen sehr verschärft hatte, war der Anlaß zur Reise des High Commissioners nach London und hat, wie wir an anderer Stelle der heutigen Ausgabe berichten, zu weitgehenden Vollmachten für den High Commissioner und zur erneuten Verstärkung der britischen Streitkräftc im Lande geführt. Während diese Maßnahmen beschlossen wurden bzw. in der Durchführung begriffen sind, hat sich die Situation in Palästina s';bst nur wenig geändert. Die letzten Tage brachten eine-Reihe von Terrorakten und Gefechten. Man darf aber wohl annehmen, daß nach der am Donnerstag erfolgten Heimkehr Sir Harold MacMichaels und der inzwischen vorgenommenen Auss-hiffung sehr erheblicher Truppenkontingente, zu denen jetzt auch Artillerie und Panzerwagen gehören, in ve.häl nismäßig kurzer Zeit eine Wendung der Ereignisse Platz greifen wird. Es spricht sehr viel dafür, daß England beabsichtigt, eine umfassende militärische Aktion in Palästina in den nächsten Wochen durchzuführen, und man spricht in diesem Zusammenhänge von einer ״zwei en Eroberung des Landes“, die sich an die erste Eroberung während der Kriegäzöit durch Allenby anreiht. Es ist in den letzten Tagen auch deutlieh geworden, daß die britische Regierung keine politische Entscheidung über das Schicksal Palästinas treffen und verkünden wird, bevor es nicht gelungen ist, der arabischen Terroristen Herr zu werden. So stehen wir in Palästina im Augenblick in einer U e b e rgangssituation, von der anzunehmen ist, daß sie in verhältnismäßig kurzer Frist von einer neuen Lage abgelöst werden wird, was die Haltung der Mandatsregierung dem arabischen Terror gegenüber anbelangt. Nicht weniger labil ist aber auch die Situation auf dem Hauptschauplatz der politischen Entscheidung, nämlich in London. Wir berichten hierüber ausführlich an anderer Stelle. Die Ereignisse in Londan knüpfen sich an den Besuch des High Commissioners und an die gleichzeitige Anwesenheit des irakischen Außenministers, der England einen Vorschiag zur politischen Behandlung des Palästina-Konfliktes unterbreitet hat. Es ist nicht das erstemal, daß von seiten des Irak bzw. der arabischen Fürsten in der Palästina-Frage interveniert wird. Eine Vermittlung wird gewiß von keinem der Partner, die an diesem Problem interessiert sind, von vornherein abgelehnt werden, ja man wird sie gewiß dann wr anmn-u»r81c1tBPuna Philipp ucho 14;״״ begrüßen können, wenn sie von einer Stelle ausgeht, die durch eine gewisse Distanz zu den Dingen bereit ist, einen objektiven Beitrag zum Frieden in Palästina zu geben. Dagegen muß eine solche Vermittlung von vornherein aussichtslos erscheinen, wenn der Vorschlag mehr oder weniger den Standpunkt der einen Partei, nämlich in diesem Falle der .arabischen Seite, eirtnimrat und Bedingungen auferlegen will, die nahezu eine völlige Aufgabe der jüdischen Bestrebungen in Palästina darstellen würden. Dies gilt von dem Vermittlungsvorschlag; den der irakische Außenminister in London gemacht hat, gegen den sich daher mit Recht sogleich eine einheitliche jüdische Abwehrfront gebildet hat. Dieser Vorschlag kommt den radikalen Forderungen nahe, die der Kairoer arabische Kongreß, der gleichzeitig tagte, in der Palästina-Frage gestellt hat. All solche Vorschläge können das Problem aus der Sackgasse, in die es geraten ist, nicht hinausführen; das Problem einer wirklichen Beeinflussung der Dinge liegt vielmehr darin, einen Ausweg zu finden und vorzuschlagen, der es beiden Parteien ermöglicht, ihn zu akzeptieren, ohne daß das Lebensrecht der einen oder anderen preisgegeben wird. Soweit die Dinge im gegenwärtigen Moment überblickt werden können, werden die Vorschläge des Irak bzw. des Kairoer Kongresses — der gewiß Bedeutung hatte, wenn auch wichtige Faktoren im arabischen Lager sich von ihm distanzierten oder fernhielten — nicht die Billigung der britischen Regierung fin> den. Es ist daher bei aller Aufmerksamkeit, die von jiidischer Seite der gegenwärtigen Entwicklung geschenkt werden muß, kein Grund vorhanden, allzu große Befürchtungen zu hegen. Genau wie in der Frage der Abwehr des Terrors seitens des Jischuw das erste Gebot war und ist, in allen noch so schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren, so gilt es jetzt für das jüdische Volk, den Dingen ruhig entgegenzusehen und durch die Geschlossenheit seines Bekenntnisses für das jüdische Werk in Palästina sich als ge> wichtiger Faktor zu erweisen. Es tut mehr denn je not, den für die Führung unserer Palästina-Angelegenheiten verantwortlichen Instanzen und Männern Gefolgschaft zu leisten und ihnen das Bewußtsein zu geben, daß sie in dem schweren Kampfe dieser Tage von allen Schichten des jüdischen Volkes in allen Teilen der Welt getragen werden. Das Telegramm, das der Waad Leumi an Dr. Weizmann gerichtet hat, bringt daher nicht nur die Gefühle des Jischuw zum Ausdruck, sondern ebensosehr dje Meinung des jüdischen Volkes, wo immer es lebt, Bei der Auseinandersetzung, die als Vorbereitung der politischen Entscheidung durch die englische Regierung geführt wird, spielt ohne Zweifel das Gewicht der öffentliehen Meinung eine erhebliche Rolle. Die Stimmen, die in dieser Hinsicht aus England vorliegen, scheinen zu bestätigen, daß die Aufrechterhaltung des Prestiges Großbritanniens im Nahen Osten, das durch den Palästina-Konflikt gefährdet erscheint, als wesentlich empfunden wird, und daß unter diesem Gesichtspunkt nicht nur die militä 1! ״:־en Manßahmen zu beurteilen sind, sondern auch die Ache Entscheidung gefällt werden dürfte. Dabei kom ine Zweifel den Stirnmen, die aus Amerika über dun Ozean dringen, eine besondere Bedeutung zu. Das amerikanische Judentum hat sich in seltener Einmütigkeit in dieser Stunde der Ent- Scheidung hinter die Jewish Agency und das jüdische Palästinawerk gestellt, und zugleich haben auch einflußreiche nichtjüdische Kreise in gleichem Sinne ihre Stimme erho ben. Wir glauben, daß die Argumente, die hierbei angeführt werden, nicht ungehört verhallen werden. Welche Bedeutung die Entscheidung über das polt tische Schicksal Palästinas für uns selbst, di-e Juden in Deutschland und das jüdische Volk in den meisten Ländern Europas besitzt, braucht an dieser Stelle nicht ausgeführt zu werden. Im Leitartikel der heutigen Ausgabe kommt unsere Stellungnahme zu der gegenwärtigen politischen Auseinandersetzung zum Ausdruck. Wir sind überzeugt davon, daß'es auch aus den gegenwärtigen Schv .rigkeiten einen Ausweg gibt, der allerdings voraussetzt, daß alle Seiten, nicht nur die jüdische, bereit sind, Opfer zu bringen und den Weg des Ausgleichs zu beschreiten. Es sind im Laufe der Erörterungen manche Vorschläge aufgetaucht, die vielleicht die Basis einer wirklichen Vermittlung sein können. Der wichtigste dieser Vorschläge ist und bleibt auch heute das Teilungsprojekt des Peel- Planes mit seinem Vorschläge, einen jüdischen Staat auf einem Teilgebiet Palästinas zu schaffen. Der Vorschlag ist nur dann sinnvoll, wenn er diesem Staate ein genügend großes Territorium zuteilt, damit Einwanderung und Kolonisation in großem Maßstabe weitergehen können. Es wird selbstverständlich möglich sein, darüber hinaus Verhandlungen über das Schicksal der Teilgebiete Palästinas zu führen, und hierbei ist der Gedanke der Bildung eines Föderativ- Staates gewiß nicht von!der Hand zu weisen, wie er neuerdings von englischer Seite in den Vordergrund gestellt wird. Gerade an dieser Stelle ist seit vielen Jahren darauf Stimmen ans USA zur Palästina frage New York, 7. Oktober. (Palcor.) Sämtliche Gruppen der amerikanischen Judenheit vereinigten sich heute zum erstenmal seit langer Zeit in einer Aktion, um die Versuche, die Baltour-Deklaration zu verwerfen, aufs schärfste zu bekämpfen. Das Amerikanisch-Jüdische Komitee sandte ein Telegramm an Dr. Weiimann zur Weiterleitung an den Koionialminister, in dem Großbri'annien aufs dringendste aufgefordert wird, seinen Verpflichtungen auf Grund der Balfour-Deklaration nachzukommen. Dr. Cyrus Adler und Dr. Stephen Wise sandten ein Telegramm zusammen mit der Zionistischen Organisation von Amerika, der Hadassah, dem Misrachi und anderen Organisationen an den Kolonialminister, in dem sie erklären, sie könnten den Berichten keinen Glauben schenken, denen zufolge Großbritannien sich mit Plänen befasse, die dahin gerichtet sind, die Politik des Jüdischen Nationalheims zu unterminieren. Beim Staatsdepartement in Washington sind Tausende von Telegrammen mit der Bitte um Eingrciten der amerikanischen Regierung in der Palästina-Frage eingelaufen. Auch zahlreiche Senatoren haben sich mit Telegrammen an die Regierung gewandt. Unter den Telegrammen wird insbesondere ein Telegramm von Senator Wagner beachtet, der zu dem engsten Kreise der Mitarbeiter des Präsidenten Roosevelt gehört. Es wird in den Telegrammen die Aufrechterhaltung der dem jüdischen Volke in der Palästina- Frage gemachten Versprechungen und der jüdischen Einwanderung verlangt. Der amerikanische Staatssekretär des Aeußern Hüll, teilte mit, daß er möglicherweise nach Durchsicht der eingegangenen Telegramme in einigen Tagen in der Lage sein werde, eine Erklärung zu der Frage abzugeben. Eine Deputation der amerikanischen Juden wurde vom britischen Botschafter in Washington empfangen. Aut Grund der Meldungen über die Pläne der britischen Palästina-Politik wurde ein Telegramm von einer Reihe christlicher Organisationen in USA an Premierminister Chamberlain gerichtet, in dem die britische Regierang gebeten wird, an der Balfour-Deklaration festzuha! en. Das Telegramm erinnert an die Versprechungen, die dem jüdisehen Volke durch England zur Schaffung eines Nationalheimes in Palästina gegeben worden sind, und an die Leistungen, die in der bisherigen Arbeit für das Jüdische Nationaiheim Für Sdiabbath, den 15. Oktober 1938 Da sprach der Ewige zu Mosche: ״Auch das, was du gesprochen, will Ich tun; denn du hast Gunst in meinen Augen geiunden, und Ich habe dich mit Namen erkannt." Da sprach er: ״Lab mich doch deine Herrlichkeit schauen 1" Und er sprach: ״Ich werde alle meine Schöne an deinem Angesicht vorüberziehen lassen und werde den Namen ,Ewiger׳ vor dir ausrufen: Ich begnade, den ich begnaden will, und erbarme mich, dessen ich mich erbarmen will.', 11. Buch Mote, hap.33.1T—19 Uebcrseftt von Hatiy Totczyncr hingewiesen worden, welche Bedeutung ein jüdischer Staat in Palästina haben könnte, der nicht isoliert besteht, sondern seine Energien und seine Ausstrahlungen zugunsten des arabischen Orients verwertet und ein wichtiger Faktor für die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung dieses ganzen großen Landgebietes sein würde. Heute gilt es, solche Gedankengänge von wirklich konstruktiver Natur mehr denn je zu betonen und dadurch deutlich zu machen, welche Chancen für alle Beteiligten, Juden wie Araber, in einer Lösung des Palästina-Problems liegen, die nicht auf der Durchsetzung der Gewalt beruht, sondern der Stimme der Vernunft gehorcht, dem Lande den Frieden gibt, nach dem sich die Mehrzahl seiner Bewohner sehnt und zugleich neue, unübersehbare Perspektiven für. die Entwicklung Palästinas und seiner Nachbarländer eröffnet. K. L. von den Juden vollbracht worden sind. Ferner weisen die Unterzeichner des Telegrammes auf den Nutzen hin, den die jüdische Arbeit auch den Arabern im Lande gebracht habe. Ein Abgehen von der Politik der Baüour-I:eklaration würde das Prestige Großbritanniens schädigen. Die Unterzeichner bitten die britische Regierung, dem jüdischen Volke bei der Einrichtung in seinem Heimatlande Palästina alle Hilfe zu leisten. Das Telegramm ist von einer Anzahl , n und Mitgliedern protestantischer und katholischer Kirchen in den Vereinigten Staaten unterzeichnet. Unter den Unterzeichnern befinden sich Vertreter der baptistischen, methodistischen, presbyterianischen, protestantisch-episkopalen, unitarischen Kirche, sowie der Society of Friends. Drohungen gegen orientalische Juden Der Präsident des arabischen Palästi;: erteidigungskomitees in Damaskus, Nabihel Azme, sandte an Dr. Weizmann ein Telegramm, in dem er sagt, daß die Araber, koste es, was es wolle, nicht dulden würden, daß die Juden in Palästina eine Majorität bekämen. Die Juden müßten sich mit dem begnügen, was sie in Palästina bereits besitzen. Die Araber würden die Juden so behandeln, wie Sultan | ZIGARREN WOLF ■ U Frankfurt a. M. (eil 49 | Groß- und Klalnvarkauf. Versand ob RM. 20.- frei Haus ^3 Omar einst die Einwohner von Palästina behände!, habe, wenn England zur Verteidigung der Juden in Palästina zum Kriege gegen die Araber schreiten würde. Großbritannien könne weder die Juden in den arabischen Ländem noch im ganzen Orient schützen. Das Telegramm warnt Dr. Weizmann, nicht durch die Haltung in der Palästinafrage für a l! e J u d e n! וד O r i e n t große Schwierigkeiten h c raufzubeschwören Gegen dieses Telegramm hat die J e w! s h A g e .1 c v eine Erklärung in arabischer Sprache in Damaskus veröffentlicht. DP Je:u־alemer ״Palestine Post" erklärte in• einem Leitartikel, daß nichts mehr die Opposition der Juden gegen einen Minderheiten-Status stärken könne, als die Vorstellung der Lage der Juden in anderen orientalischen Ländern. Jüdische Winterhilfe 1938/39 Wiederum tritt im Gange des Jahres die Aufgabe der Jüdischen Winterhilfe an uns heran. Sie zu erfüllen, ist allen ein Selbstverständliches geworden, sie bedarf keines Wortes der Begründung und Mahnung mehr. Auch das wissen wir alle, daß der Bereich unseres Könnens wieder enger, das Gebiet unserer Verpflichtung weiter geworden ist. Der Winter, der vor uns liegt, wird härter und noch schicksalsvoller sein. An uns tritt die Frage heran: Soll das Geschick uns nur niederbeugen, oder wollen wir es versuchen, ihm unsere seelische Kraft entgegenzusetzen? Aus einem wächst Immer innere Kraft, aus dem Helfen und Wohltun. Wer ein Opfer zu bringen vermag, der erfährt um etwas, was ihn aufrichtet und fest macht. Auch um unseretwilien, damit wir Achtung vor uns hegen können, sollen wir das leisten, was in diesem Winter von uns gefordert ist. Wir wollen dessen gewiß sein, daß in unseren Gemeinden jede Hand, jedes Haus bereit sein wird, für die Jüdische Winterhilfe mehr noch zu geben, als verlangt wird. Reichsvertretung der Juden in Deutschland Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin — Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden — Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Oberrat der Israeliten Badens — Sächsischer Israelitischer Gemeindeverband — Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschalt Würt'embergs — Landesverband israelitischer Religionsgemeinden Hessens — Landes- Organisation der Agudas Jisroel in Deutschland — Allgemeiner Rabbinerverband in Deutschland — Jüdischer Central- Verein E.V. — Jüdischer Frauenbund — Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände — Reichsbund jüdischer Front- Soldaten — Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland — Reichsverband der jüdischen Lehrervereine — Vereinigung für das religiös-liberale Judentum — Vertretung der unabhängigen jüdischen Orthodoxie Deutschlands — Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands — Zionistische Vereinigung für Deutschland. GeoffnetU,/ 1I-J0 MW D,C «״״־׳ s”״"׳״116״ ■״ “•,".ff.“־ Ernst Hersaimal a^ag«aaaiaaM«MWWMhMBagB» Berlin W 30, Harburger Str. 9 a. d. Augtburg» Str. 0.80 I £J ck: RM 1 RM

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