Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 80-81 (7.10.1938)
- Date
- 1938-10-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 80/81, 7. X, 1938 jüdische Rundschau Seite 5 Arbeitet mit uns! Der Keren Kajemeth Lejisrael hat alle jü* dischen Männer und Frauen in Deutschland auf* gerufen, sich in das Sefer Sikaron einztizeichnen und damit zugleich zur Erlösung des Bodens von Tel Sikaron beizutragen. Dieser große Gedanke muß in alle Kreise des Judentums getragen werden. Wir appellieren deshalb an alle unsere Mitglieder und Freunde, sich dem KKL für die Durchführung der Eintragungsaktion als Helfer zur Verfügung zu stellen. Der gemeinsame Einsatz aller mit Palästina verbundenen Kräfte soll das Gedenkwerk der Juden Deutschlands zu einer bleibenden Wirklichkeit machen. Zionistische Vereinigung für Deutschland Benno Cohn Dr. Hans Friedenthal Unabhängige Misrachi-Lande »-Organisation Dr. Samuel Grünberg ״WIZO“ Frauenarbeitsgemcinschait ihr Palästina Irene Tugendreich Jüdischer Frauenbund O. Schoerewald Hannah Karminski Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Dr. Hardy Swarsensky Das Präsidium des deutschen Makkabi- Kreises Dr. Hans Friedenthal Hechalua Deutscher Landesverband Ludwig Stern Jüdische Jugendarbeit in Holland RL. Den Haag, 4, Oktober 1938 Die Jüdische Jugendföderation hielt am 2. Oktober in Amsterdam ihre 19. Jahresversammlung ab. In seiner Eröffnungsrede betonte der Vorsitzende, Karel D. Hartog, daß das wesentliche Streben der zionistischem Jugend darauf gerichtet sein müßte, persönlich am Aufbau Palästinas initzuarbeiten. Nach Begrüßungsansprachen der Vertreter verschiedener Zionistischer Organisationen, darunter auch der Belgischen Jüdischen Jugendföderation und der Deventer-Vereinigung, fand die Aussprache über die Arbeit der Jugendföderation im vergangenen Jahre statt. * In der Nadimittagssitzung sprach Mr. Abel J. Herzberg, fn den angenommenen Resolutionen wurde rum Ausdruck gcbrtrclrt,־ daß Chahrziuth die erste Notwendigkeit für das OClingen des zionistischen Aufbaus sei, so daß jbder junge Zionist •ernsthaft erwägen müsse,׳ ob •er Chaluz werden solle, und ferner daß die Kenntnis des Hebräischen zur Erhaltung der Verbindung mit dem jüdischen Volke notwendig sei, sodaß־*die hebräische Arbeit in den Ortsgruppen verstärkt werden müsse. Für das Jahr 5099 wurde ein Präsidium, bestehend aus F. Bolle, M. Levano und J. Melkman, gewählt. Der Leidener Professor Mr. E. M. M e i j e r s, Vorsitzender' der Niederländischen Juristenvereinigung, wurde anläßlieh der Jahrhundertfeier der niederländischen bürgerlichen Gesetzgebung zum Kommandeur im Orden von Oranje-Nassau ernannt. Prof. Meijers sprach auf der vom Justizminister veranstalteten Gedenkfeierlichkeit im Haager Rittersaal. — In der Amsterdamer Jubiläumsausstellung ״Aus den Schatzkammern des Altertums“ im Städtischen Museum sind zahlreiche holländische Erwerbungen antiker Ausgrabung«! der letzten vierzig Jahre vereinigt. Die Länder des Nahen Ostens nehmen einen besonderen Platz ein. Auch Palästina ist vertreten, — Der Pianist Arthur Rubinstein wirkte als Solist bei dem ersten Konzert des Utrechter Städtischen Orchesters in dieser Saison mit. Bathj a Erzählung von Sdialom Ben-Cliorin!. Fortsetzung Viele Jahre später erst (sie hatte den verbotenen Ausflug in die ״Welt“ schon längst vergessen) begann Bathja zu verstehen, warum ihre Kindertage abgeschlossen waren von fröhlichen Spielen mit den Jungen und Mädchen der Nachbar- Schaft, warum sie nur das winzige Stückchen Himmel sehen durfte. Es war die ,gestorbene Hand längst zerfallener Ahnen, die freudezerstörena hineingriff in das unbewußte, seines Fluches unbewußte Dasein des Kindes. Bis zum Jahre 1929 lebten noch drei Karäerfamilien in der Altstadt Jerusalems, Nach den blutigen Unruhen dieses Jahres waren zwei dieser Familien nach Aegypten zurückgekehrt, und allein Bathjas Eltern bewohnten nun mit ihrer Tochter, einem alten Junggesellen, dem Stiefbruder der Mutter, Onkel Chamina gerufen und zwei weitläufigen Verwandten des Vaters den Hof der Karäer, der abgeschlossen, eine Festung der Ketzerei, gegenüber der hochgebauten Synagoge Nissan Back lag, die ihre Kuppe! als ein Wahrzeichen der sieghaft gebliebenen rabbanithehen Reclitgläubigkeit in die blauflitrtmernde Luft Jerusalems erhob. Was wußte die flinke, dunkle Bathja von dem kühnen Versuche des Anan ben David, der ״vor mehr als tausend Jahren Israel das reine Wort Gottes, das die Tabnudisten (nach seiner Meinung) entstellt und verdreht hatten, wiedergeben wollte, was wußte sie von den Kämpfen des Geistes und der Gewalt, die der Gaon Säadja und der Philosoph Maimonides gegen die Anhänger dieses späten Nachkommen der Könige Israels, den Anticxiarchen Anan führten. Das Echo der Bannflüche hallte ihr ungehört, unverstanden iin Blut. Karäer: Anschej Mikra, Schriftgläubige nannten sich die Ihren. Aber auch ihr Leben war eingeengt und beschwert von Geboten und Verboten, welche die Schrift nicht enthielt. Seltsame Bräuche — unverstanden und mißdeutet, dem Sohn vom Vater überkommen. Was hatte Bathja mit alledem zu schaffen? Siebzehnjährig, schlank, großgevvachsen stand sie im Hohlraum eines un- Verstandenen Schicksals, aber die gestorbene Hand zerfallener Ahnen griff nach ihr, um das ranke Mädel mit dem kecken Stubs naschen, auf dessen Sattel ein paar Sommersprossen kicherten, fortzureißen. Sie wehrte sich., q, wie sie sich wehrte. 14%ftiscUu Xesestofä Wir beginnen heute unsere in Nr, 76/77 angekßndigte neue Rubrik. Die Anmerkungen wollen helfen, schwierigere Stellen im Texte zu erklären. Die Rubrik wird von Frau Alice Hirschfeld, Studienrätin a. D., geleitet. (Red.) Although it is not yet five vears 4since the Daniel Sieff Research Institute 2was officiatly opened, it has already become of oulstanding importance in the life of Palestine; 3both for the distindion of its academic work, and the contribution which 4its researches are making towards the solution of the pradical problems that arise in the development and improvement of the country’s economy. As its name implies, the Institute is dedicated to researcli. On the negative side this means that its fundions do 110t include teaching; on the positive side, it means that its object is the extension of the bouudaries of knowledge. The particular tasks of the Institute, limited as they must necessarily bc by its size and equipment, are of course determined primarily by the needs of Palestine, but it was realised from the outset that a scientiiic ,,institute pursuing solcly practical ends would be condenmed to sterility. Real and lasfing advance in the technical aspects of industry and agricullure can be made ©nly if it «is preceded by and based upon the disinterested search for :truth, unfettered by considerations of narrow commercial Utility. The 8programme of work undertaken by the Institute achieves a proper and commendable balance between the theoretic and the practical. The Institute has three departments— organic chemistry, biochemistry and bacteriology, and physics and physical chemistry. fn its applied aspect, the work falls under three heads, agricultural chemistry, technical bacteriology, and synthetic and pharmaceutical chemistry. The work is directed by Dr. Ch. Wcizmann, assisted by Dr. Bergmann. . Although it is an entirelv independent body, the Institute collaborates dosely witli the Hebrew University and the Agricultural Experimental Station maintained by the Jewish Agency at Rehovoth. The Institute and the Station are, in fact, dose neighbours, share the same dub-house, and are jointly responsible for the visits of guest lecturers. This latter aetivity is partieuiarly useful, ״since it serves to mairitain living contact, in a country remote from the great centres of resc-arch and learning, with the scientific world. The Agricultural Station is concerned with the problems of soil and plant physiology, the Institute with the technical utilisation of agricultural products. On such questions as the introduefion of new crops and varietirs and tlie improvement of existing strains by selective breeding, there is very dose collaboration between the two bodies. By far the greater part of the 40work being done by the members of the Institute is of an extremely specialis«! nature, but a good deal of it has a direct and important bcaring on the industrial development of the country and the welfare of Aus der Haftara für Sdiabbath, 8. Oktober 1938 Treutrommem zeigst du treu dldi, Untadlig Wadrerm du untadelig. ' Mit Lauterm bist du lauter, Mit Krummem ungerade. Bedrücktem Volk« hilfst du. Senkst nieder, kommt dein Blick auf Stolze. Denn du bist meine leudite, Ewiger, Der Ewige erhelit mein Dunkel. Denn mit dir renn Ich Scharen an, Mit meinem Gotle setz ich über Mauern. ,Ja Gott, untadlig Ist sein Weg, Des Ewgen Spruch gelfiutert. Ein Schild er allen, die bei ihm sich bergen. Denn wer ist Gott, wenn nicht der Ewige, Und w r eo Fels, wäre es nldit unser Gott! Sdtemuel II. 22, 26-32 Uebersetzt von Harry Toiczyncr Unheimlich waren ihr die kindvertrauten Gebete und Lieder geworden, seit sie erfahren hatte, daß eben sie das Trennende waren, das sie fernhielt von Menschen ihres Blutes, Menschen ihrer engsten Umgebung, das ihr die hebräische Schule verschloß und sie in die französische der Zions- Schwestern führte. Nirgends zugehörig, geschah es, daß die damals zwölfjährige Bathja sich der jungen, schönen Schwester Jeanne anschloß, und oft stundenlang heimlich vor dem Altar mit dem Madonnenbilde, das auf eine wunderliche Weise Jeanne ähnelte, betete. Betete — um Aufhören der Einsamkeit, die sie abschnürte vom Leben und sic bitterer dünkte als Krankheit und Armut. Mit fünfzehn Jahren kam Bathja zu einer armenischen Schneiderin in die Lehre. Von da an wurde ihr Leben ein ganz klein wenig heller. Ja, was anderen Mädchen ihres Alters wohl drückend und traurig erschienen wäre — vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht gemeinsam mit einer kleinen Jüdin aus Odessa und zwei gleichaltrigen arinenisehen Mädchen in der dumpfen, feucht-warmen Nähstube zu hocken — ihr erschien es fast schön, fühlte sie doch die Weite der Welt noch in der Enge der Werkstatt. Immerhin gab es hier Menschen, mit denen man sprechen konnte, arglose Menschen, die nichts von Anan und Maimonides wußten, nichts von den dunklen Verfluchungen, die Bathjas Blut versehrt hatten, noch ehe es begann, in ihren Adern zu strömen. Und dann kam Manfred- Zuerst hatte Bathja den schmalen, hoch-aufgeschossenen Jungen iti der grauen Segeltuchuniform der Hilfspolizisten und der schwarzen Lammfellmütze kaum beachtet. Wenn sie am Morgen kurz nach f) Uhr die winkligen Gassen des alten udenviertels, in dem es immer nach Oel und gebratenem 'Icisch, nach Abfällen und starken Gewürzen verwirrend roch, verließ, drückte sie sich scheu an der Mauer entlang, um nicht die Männer mit den langen Schläfenlocken zu streifen, die den Gcbetmantel unte m Arm um diese Stunde die vielen Betstuben der alten Stadt aufsüchten oder auch den Weg zur Klagemauer nahmen. Bei der Enge der Gäßchen ließ es sich freilich kaum vermeiden, daß Bathja von ungefähr einmal einen der Frommen streifte. Manfred hatte von alledem keine Ahnung. Seit der große blonde Junge mit der Narbe über dem rechten Auge (sie stammte von einem unglücklichen Sturz beim Skifahrer!) hier im Judenviertel der urweltalten Jerusalemer Altstadt Wachtdienst versah, ging ihm überhaupt allmählich auf, daß er von Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe its citizcns and of the world at large. For cxaniple, ״one group of 4-'investigations now being made has been found to bear directly on the subject of caricer-producitig substanccs, and this work is now being carried 011 in close collaboration with the Cancer Research Department of the Faculty of Medicine of the Hebrew University. To the public the Institute is best known for its work on citrus fruits. Citrus is the chief Palestine crop, and its inost important raw material, and a great deal at attention has naturally beeil devoted to it. The investigations into the uses of the fruit, the peel, and the waste products have already reached an advaneed stage. 13As the citrus crop expands, the problem of i4its profitable marketing becoines more urgent. In cssence, the problem consists in the con- Version of perishable into non-perishable products; and the results so far obtained afford a strong case for optimism in this respect. The budget of the Institute does not excecd £ 12OCX) a ycar, derived entirely from voluntary donations by the founders and a few ind’ividuals and organisations, and there are only twenty-four workers on the entire staff, twelve research workers and twelve technical assistants. It is early yet to give a precise appraisal of the value of the work being done bv the Institute, both to the country io which it is situated and to the world of Science, but it has already won international rccognifion, as was noted in the Report of the Ped Commission, bv the quality and quantity of the material it contributes to iearned journals in various countries. Anmerkungen: I not yet five vears since the Institute was opened ... Die einfache Vergangenheit (Past) steht, weil zeitlich bestimmt ist, dal! die Handlung, nämlich die Eröffnung des Instituts, vor nicht; ganz fünf fahren statrgefunden hat. ״ was officiallv opened ... offi'ciallv, das Umstandswort der Art und Weise, das auf die Frage: wie geschieht etwas? antwortet, steht immer zwischen Hilfszeitwort und Zeitwort (Verb), außer wenn es ganz stark betont wird; dann tritt cs hinter• das Zeitwort, ■־ both . .. and . .. sowohl als auch. 4 its researches are making ... Die Dauerform (Progressive Form) der Gegenwart’ bedeutet: gerade jetzt zur Zeit, nicht irgendwann, wird die Handlung ausgeführt. . 5 .111־ institute pursuing ... Statt des Nebensatzes, eingeleitet durch ״der" oder ״welcher״, verkürzt das Englische häufig durch das Mittelwort des Zeitworts auf -ing (Participiuni Praesentis), wenn es sich darum handelt, im Nebensatz eine Tatform (Aktiv) auszudrücken. 6 it is preceded bv and based upon ... To precede ist mit dem vierten Fall (Akkusativ) zu brauchen, z. B. he prccedes bis fatlier. Die genaue Angabe vor! by nach precede und van upon nach based ist charakteristisch und unbedingt notwendig. י truth unfettered by ... Vgl. 5! Wieder Verkürzung des Nebensatzes durch Mittelwort der Vergangenheit (Participium Perfecti) des Zeitworts. Hier wird i in Nebensatz (im Gegensatz zu 5) ausgesagt, daß cs sich nicht um die Tatform (Aktiv) handelt, sondern dal! ״die Stiche nach Wahrheit unbehindert ist“, daß also etwas getan wird, nicht selbst tätig ist. s Programme of work undertaken by ... Vgl. 7! 5 since - da, entspricht: insofern als inasmuch as. 111 work being done ... Hier nicht nur: work being done, wie bei 7, sondern Verkürzung in der Dauerform: ״Arbeit, die jetzt getan wird“ - work which is heilig done. II one group 11,1s been found ... man findet eine Gruppe. Deutsch ״man“ wird häufig durch die Leideform (Passiv) des Zeitworts wiedergegeben: ״eine Gruppe wird gefunden". Ferner .,has been found•‘; die zusammengesetzte Zeit und nicht die einfache Gegenwart wird gebraucht, weil die Handlung in der Vergangenheit anfängt (hei der Gründüng vor fünf Jahren) und in der Gegenwart fortdauert. 12 investigations now being made . .. vgl. 10. Entstanden aus ״investigations which are now being made“. 43 as the crop expands ... as da, hier begründend, oft auch zeitlich. J< its marketing ... to market -־־ auf dein Markte verkaufen. Durch die Endung —ing wird das Zeitwort zum Hauptwort, es steht daher das besitzanzeigende Fürwort (Possessiv) davor. allerlei keine Ahnung hatte, was seine Brüder aus Tarnopol und Bagdad, aus Buchara und Jemen anlangte. Ais er, Manfred Leven, vor fast genau zwölf Monaten nach dreijähriger Vorbereitung endlich ein Zertifikat in Händen hielt, das ihm die Tore Elrez-jisraels öffnete (Zauberschlüssel eines entzauberten Zeitalters), hatte er durchaus nicht das bange Gefühl vor dem Neuen, Unbekannten, das sonst einen Aus- Wanderer befallen mochte. Dieses Land Palästina war ihm kindvertraut. Als zehnjähriger• Knirps hatte er bereits auf Fahrt fröhlich und falsch gesungen: ״Ami 01 im arza beschira uwesimra“ (״Wir ziehen' nach Palästina, mit Liedern und mit Singen“), und eifrig mit Buntstiften eine Karte Palästinas gezeichnet, auf der der Besitz des Jüdischen Nationalfonds blau schraffiert angegeben war und voll Stolz jeder neue Siedlungspunkt im Lande naehgetragen wurde. Nun, es stellte sich später heraus, daß man zum Zug ins Land Palästina weniger der Lieder und des Gesanges bedarf als vielmehr eines recht schwer zu erlangenden Zertifikates — — aber auch diese Erkenntnis war nicht nett. Man wußte das schon längst, ehe man selbst in die Reihe der Anwärter auf so ein Zertifikat trat. Die Jahre der Vorbereitung hatte Manfred Leven dazu benutzt, seine hebräischen Kenntnisse zu vervollkommnen. Er sprach schon recht ordentlich, war sogar in der Lage, sofort nach seiner Landung sich aus der hebräischen Tageszeitung über das Neue in der Welt zu unterrichten, . Palästina konnte für ihn kein Land der Ucberraschungen seid, ln tausend Bildern hatte' er das Gesicht des Landes vorauserlcbf, seine Sprache verstand er, die Probleme des Aufbaus waren ihm vertraut aus einer Unzahl von Zeitungsartikeln und Broschüren . .. vom ersten Tage an fühlte sich Manfred Leven als Bürger Erez Jisraels. Besser gesagt vom ersten bis zum etwa dreihundertstel!. Dann aber änderte sich sein Heimatsgefühl in ernsthafter, ihn seihst bedrohender Weise. Die Erlebnisse in einer kleinen Siedlung im Scharon waren nicht von umwälzender Bedeutung für ihn gewesen, ja, so hatte er sich das Lehen in einem Kibbuz vorgestellt. Hart, bis an den Rand gefüllt mit schwerer und schwerster Arbeit, reich an Entbehrungen, bitter arm an Bequemlichkeit, überaus problematisch, was das Zusammenleben mit einer Vielfalt ungleicher Menschen anging — aber dennoch beglückend durch das Bewußtsein, daß man einen guten und richtigen Weg ging, daß man ein Leben über den Tag hinaus führte, ein Leben, das sinnvoll war und wichtig nicht nur für einen seihst. Dann kam die Malaria. Manfred dachte nicht gern an die durchfieberten Tage in dem weiten weißen Krankensaal