Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 79 (4.10.1938)
- Date
- 1938-10-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 79, 4 X. 1938 JIDDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Zum Jom Kippur Die Gestaltung des Festes Wenn die Formung und Sinnerfüilung der Feiertage eine schwere und bisher noch nicht befriedigend gelöste Aufgabe für ein Geschlecht ist, das den Glauben der Väter verloren hat, so gilt das in besonderem Maße vom Jom Kippur. Andere Feiertage haben neben ihrer religiösen auch nationale Bedentung oder sind mit dem Kreislauf der Natur verbunden. Doch keine dieser Stützen hilft uns bei der Gestaltung des rein religiösen ״Tags der Sühne“. Das Fasten ist eine äußerliche Form und zum Gebet ist es schwer, eine Beziehung zu finden. Im Mittelpunkt der Gebete steht die ״Awoda“, die Schilderung des Opferdienstes im Tempel. Und was sagt dem modernen Menschen das Opfer? Es ist also deutlich, daß Voraussetzung jeder Neugestaltung des Jom Kippur eine Klärung des Opfergedankens ist. Vielleicht ist es möglich, gerade von diesem Punkte aus einen Weg zu finden. Die Grundlage des primitiven Opfers ist die Angst. Die Angst des Menschen vor dem Tode, der ihn bedroht, und dem Leid, das ihn belauert. Der primitive Mensch schreibt dieses Unheil geheimnisvollen Mächten zu: Dämonen, Götter. Die Todesangst wandelt sich in Götterfurcht. Min erzählt sich vom Neid der Götter. Die Götter versucht man zu besänftigen, abzufinden, zu bestechen: durch das Opfer, je größer, desto besser. Der Grieche opfert Hekatomben (100 Rinder), der Semite seinen Erstgeborenen. Die Ueberw'indung dieser Auffassung bedeutet die A k ed a, die Bindung — nicht Opferung — Isaaks. Ob wir die Akeda als ein historisches oder ein agadisches Ereignis bctrachten, ist in diesem Zusammenhang belanglos. Die Opferung des einzigen Sohnes, an dein die Verheißung hängt, würde Opfer der eigenen Zukunft, seiner selbst, bedeuten. Doch Gott verlangt nicht Opfer, er ist zufrieden mit der Bindung. An die Stelle des Sohnes tritt das Tier. Diese Bindung gestaltet sich zum ״Bund“, einem Vertragsverhältnis zwischen Mensch und Gott. Der unberechenbare Despot wandelt sich zum ge* rechten Weltregenten. Gottes Wille ist nun bekannt. Er will das Leben (3. B. M. 18,5), also Ueberwindung des Todes. Die unbestimmte Götterfurcht des Heiden wird zur Gottesfurcht, d, h. Furcht vor der Sünde. Die Sünde ist Ursache des Todes und des Leides (Siindenfall). Die Erfahrung lehrt, daß der Mensch sich von der Sünde nicht freihalten kann. Das Judentum nimmt die fahrlässige Sünde vom Menschen im Sühneopfer, das nicht Buße oder Geschenk, sondern symbolisches Selbstopfer ist und daher ohne die Reue bis zur Identifizierung mit dem Opfertier sinn- und zwecklos ist. Von der unvermeidbaren Sünde und der Sünde wider besseres Wissen reinigt der Jom Kippur, in dessen Mittelpunkt das Sühneöpfer für das Volk steht. Das Tier wird symbolisch mit der Sünde beladen (Semicha) und stirbt. Rein und unbefleckt, befreit von der Sünde beginnt der Mensch das neue Jahr. Das Prinzip des Bundes, das Gesetz führt schließlich zur Vorstellung des Gerichts. Zuerst in der Form des großen Weltgerichts am Ende der Tage. Da aber nicht nur die Welt, sondern auch jeder Einzelne für sein Tun und Lassen Verautvvortung ablegen muß, ergibt sich die Vorstellung des Gerichts über die einzelne Seele. Am Jom Kippur wird dieses Gericht vorweggenommen. Gott richtet und urteilt über jedes Geschöpf und dieses richtet über sich selbst in der ״Teschuwa“. Die Teschuwa ist die Voraussetzung des Gnadenaktes der ״Kappara“ (Von kapper bedecken), der Bedeckung der durch die Sünde entstandenen Unvollkommenheiten im Wel(gefüge. Das Fasten und das Anziehen der Totenkleider (Kittel) bedeutet eine symbolische Loslösung des Menschen vom Leben und verkörpert so in sich den Opfergedanken. Wir haben das Opfer nicht mehr und wollen es auch nicht mehr wiederherstellen. Gott zu dienen mit etwas, das als Grausamkeit uns widerstrebt, ist uns unvorstellbar. Doch glaube ich, daß wir, wenn auch keinen Zugang zum Opfer selbst, so doch zum Opfer g e d a n k e n haben. Das Opfer bedeutet Verzicht; Verzicht auf einen niederen Genuß zugunsten eines zukünftigen Genusses. Die Mittel, die der Mensch zur Befriedigung seiner geistigen und seelischen Bedürfnisse aufwendet, muß er dem materiellen Genuß entzieh cn. Der Landmann, der seinen Acker bestellt, um zu ernten, muß erst das Samenkorn in die Erde versenken. So ist das Opfer im weiteren Sinne Grundlage von Zivilisation und Kultur. Hugo Valentin (Upsala) 50 Jahre Unser schwedischer H. R.*Berichterstatter schreibt uns: Am 4. Oktober begeht der Dozent der Upsalaer Universität Hugo Valentin seinen 50. Geburtstag. Er hat auf seinem Gebiete, der Historie, bedeutende Werke über jüdis.,1e und allgemeineThemen vero rentlicht. Nach langjährigen Archivstudien gab er 1924 die ״Geschichte der schwedisehen Juden“ heraus. Zusammen mit Dr. A. Brody (Stockholm) veröffentlichte er 1932 in Upsala ״Aron Isa* acs Minnen“ (Erinnerungen), wobei nach handschriftliehen Aufzeichnungen Aron Isaacs’ Erinnerungen erstmalig aus dem Hebräischen transkribiert und erklärt wurden. Sehr große Verdienste hat sich Valentin um den schwedischen Zionis* m u s erworben. Aus völlig assimiliertem Milieu kommend, ging Valentin vor einigen Jahrzehnten zum Zionismus über; als Delegierter bei den verschiedenen Kongressen ist er in der zionistischen Welt weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt. Er ist erster Vorsitzender der Stockholmer Zionistenvereinigung sowie Vorsitzender des Schwedischen Zionistenverbandes; durch den Charme seiner Persönlichkeit, seine rhetorischen Fähigkeiten und offene Gesinnung erfreut sich Valentin in zionistischen wie nichtzionistischen Kreisen Skandinaviens wohlverdienter Beliebtheit. Anläßlich seines 50. Geburtstages soll ln Palästina ein Hugo Valentin-Hain des KKL geschaffen werden. Alles Geistige wird durch materielle Opfer erkauft, alle Zukunft durch Verzicht auf Gegenwärtiges. Wenn wir nun zur Ausgangsfrage nach der Gestaltung des Jom Kippur zurückkehren, so sind uns seine beiden grundlegenden Inhaltspunkte klar: Die Teschuwa und das Opfer. Die Teschuwa, die Verantwortung des eigenen Lebens vor der absoluten Forderung, die von Gott kommt, und das Opfer, die Bereitschaft, Gut und Blut einzusetzen für höhere Werte und für die Zukunft. Auf dieser Grundlage wird es auch dem modernen Juden möglich sein, den Jom Kippur sinnvoll zu gestalten. Schlomoh Wechsler, Petach Tikwah Ein erlaubter Genuß Die Erhebung des Jom Kippur zu einem seelischen Erlebnis soll nach dem Torawort durch Kasteiung erfolgen, d.h. de: Körper muß Vielem entsagen, an das er gewohnt ist, er soll nicht essen, nicht trinken usw. Und die Seele, die nun von den Beschwerden befreit ist, die der Körper ihr bereitet, wird sich erheben, wird ohne den Be geschmack der Materie leben E i n Genuß ist nun gerade deshalb gestattet, ja vielleicht auch geboten, weil er dem Körper nichts, nur der Seele etwas m111111111111111m111111!111111n!111111m!!1!1!1111!1mm1111111mu11M11m11111m111H111!11111111111111111111m111!1111111m11m1111111111111111 BITTE Von Gerson 5tern Laß diese Gnade mir erstehn, Daß ich betfihifif bin zu beten. Um in der Regung wachem Flehn י mben In das Sein au sehn Und näher an mein Selbst zu treten. In der Empfindung mSehfgem S! wall Wird aller Wesen Wert sich segnen. Hingabe wallet durch das All, Da& sich ln Ihrem Widerhall Geschöpf und Schöpfer still begegnen. fibt: an Wohlriechendem sich zu laben. Die Begrünung erfolgt historisch und religiös: Alle Sinne beteiligten sich bei der Sünde Adams im Garten Eden, Eva sah, sie nahm — Tatsinn —, sie aß — Geschmackssinn —, sie hörte; nur der Geruchssinn war nicht dabei. Daher wird der künftige Erlöser mit ihm begabt erscheinen und von der Ehrfurcht vor dem Höchsten begnadet sein. Wie es heißt (Jes. 11, 3): Er wird den Geruch der Ehrfurcht vor dem Höchsten in sich tragen und von sich geben. Es ist frommer Brauch, täglich 100 Segenssprüche zu sagen. Wie die talmudischen Weisen bereits erklären: Was (mah) wird von dir verlangt? Lies nicht mah (— was), sondern meah (= 100). Dfe Gebete dieses Tages nun enthalten gerade weniger Berachoth — denn das tägliche Achtzehngcbet fällt fort —, daher bestrebe man sich, auf andere Weise die Zahl der 100 zu erreichen. ״Daher ist es gut, daß jeder wohlriechende Kräuter oder Palmenblätter mitnehme und daran rieche und den entsprechenden Segensspruch spreche. Da man die Synagoge an diesem Tage nicht verläßt, muß man schon gestatten, diese wohlriechenden Blätter dorthin zu nehmen.“ So ist der Brauch entstanden —- den gewiß viele zumindest aus ihrer Jugend kennen: Nelken oder ähn'iche Stengel in einen Apfel zu stecken, um daran zu riechen. Für die Kinder bereitet man auch anregende scharfe Tronfen, damit sie daran riechen, und so stets zu aufmerksamer Andacht ermunt'׳ ■־ werden. (Siehe S. J. Agnon, Jamim noraiin S. 279 f.) A. Postier, Jerusalem. Aus dem Midrasch Rabba R. Pinchas sagte im Namen des R. Meir und R. Jirmjah im Namen des R. Chija bar Abba: ln der Stunde, da Israel betet, beten nicht alle zusammen, sondern jede Gemeinde betet für sich, die eine Gemeinde zuerst und die andere später. Und nachdem alle Gemeinden ihre Gebete beendigt haben, nimmt der Engel, der für die Gebete Israels eingesetzt ist, alle Gebete, die in sämtlichen Gemeinden gesprochen wurden, und fertigt aus ihnen Kronen und setzt sie auf das Haupt des Heiligen, Gelobt sei Er. (Schmot Rabbah 21). Charakteristische Merkmale.der Feier des Versöhnungstages werden durch diese Legende der Midraschweisen anscnaulich gema״h‘, A״f dem ganzen Erdenrunde, in den Ländem der Go'a wie in Erez M rael, versammeln sich dieölie 'er des jüdischen Volkes, wenn die Schatten des zehnten Tischri sich zur Erde herniedersenken, und wenden sich mit Gebeten um Verzeihung zu Gott. Ueberall, wo es Judensiedlungen gibt, stehen die Sündenbekenntnisse des Aschamnu im Mittelpunkte der Festgebete dieses Tages, und wenn sie auch an weit auseinanderliegenden Punkten der Erde gesprochen werden, so klingen sie doch zu einem einzJgen Bekenntnis zusammen, zu dem schon seit Jahrtausenden der Vc־söhnungstag aufge-ufen hat. Wie es in der Legende der Midraschweisen heißt, der Engel,• der für die Gehe'e Israels eingesetzt ist, nimmt sie alle, wo auch immer sie zu Gott gerichtet werden, und fertigt aus ihnen Kronen und schmück‘ mit ihnen Gott. Gewiß haben die Midraschsveisen, die in ihrer bi'dhaften Sprache andeuten, daß es keine schönere und grß’U-e Verherrii-'-mg Gottes als das Gemeindegebet Israe’s gibt, auch an die Festgebete des Versöhnungstages geda־h\ weil die Feier des versöhn11ngs*ages eine besonders sPnflT’ige Maö'estation des Judeseins zu allen Zei'en war und noch heute ist. Ernst Steckelmacher, Ludwigshafen Die hebräirch-deutsche Pentateu h-Ausgabe von Chief- Rabbi Dr. Hertz. Mit dem soeben vom Jüdischen Verlag, Berlin W 50, Nürnberger Sfr. 8, abgegebenen fünften Band des ״Pentateuch und Hafta-oth mit Kommentar des Chief-Rabbi Dr. J. H. Hertz, London“, liegt nunmehr dieses Werk abgeschlossen vor. Es enthält auf über 30''0 Seiten Großoktav rechts den hebräischen Text der Fünf Bücher Mosis und der Haftaroth (Abschnitte aus den Propheten), links die deutsche Uebersetzung nach Zunz, und auf beiden Seiten unter dem Text, sowie in einer großen Zahl in sich geschlossener Kapitel den Kommentar des Chief-Rabbi. Das Werk ist eine die letzten Ergebnisse der Bibelwissenschaft berücksichti• ende Ausgabe des Schrifttexfcs bei traditioneller Grundaltung, des Kommentars, der auch dem Laien leicht verständlich ist. Probleme des Gottesdienstes Es gibt im Judentum einen elementaren Satz: Wisse, vor wem du stehst. Er besagt, daß man jedes Tun und jedes Lassen im Hinblick auf das Höchste üben soll. Er macht damit das ganze Leben des Menschen zu einem einzigen Gottesdienst. Wer aber ehrlich sich selbst gegenüber ist, weiß, wie schwer es ist, sein Leben so zu gestalten. Der Kampf des Menschen — auch des frömmsten — mit den Schatten des Menschlichen dauert sein Leben lang und ist oft ein hartes Und bitteres Ringen. Jeder Kampf erfordert Kraft und bedarf zur Führung stets neuer Reserven. Diese neue Kraft und die stärkenden Reserven soll sich der Mensch für den Lebensgottesdienst des alltäglichen Daseins im besonderen Gottesdienst des Gotteshauses in der Gemeinschaft holen. Gerade dann auch, wenn ihm, wie bei den meisten Menschen, von Haus aus die innere Gottes- Sehnsucht allzu dürftig gestillt wurde. Nicht nur der religiösen Not soll der Gottesdienst im Judentum abhelfen, er soll dem Menschen von seiner Seelenarrnut befreien und ihm das unruhige Lenen des Alltags er* leichtern oder gar überhaupt zu führen ermöglichen. Dabei aber werden wir erinnert an eine andere Ausdrucksform unserer Welt und unseres Lebens, die eine ähnliche Absicht hat und die in der Religion ihren Anfang nahm. Es ist die Kunst. Zwischen ihr und dem Gottesdienst bestehen seit ihrem Eintritt in das Leben der Menschheit enge Beziehungen. Das Leben als Gottesdienst erlangt in der Kunst eine höchste Steigerung, aber auch die gottesdienstliche Veranstaltung durch die Kunst. Deshalb wäre es ein Verzicht auf eine Steigerung der Anbetung des Höchsten, wenn wir auf die Kunst im Gottesdienst verzichfen wollten. Das Judentum hat dies auch nie getan — auch nicht im Altertum. Es hat der Kunst Grenzen gesetzt, weil sie eben höchste Steigerung des Lebensgottesdienstes sein soll und nicht Höchstes und Unabhängiges, von jeder Rücksicht Freies. Das Judentum kannte die Macht ihrer Gnade wohl und wollte 'sie nicht missen. Zwei große Künste waren es, die unsere Ahnen schon zu hoher und höchster Blute brachten. Dichtung und Musik. Bedarf dies eines Beweises? Die Psalmen und die levitischen Tempelgesänge sind eine unbestreitbare geschichtliche Tatsache. Dichtung und Gesang steigerten auch im Mittelalter die Andacht der Juden. Die Instrumentalmusik sollte erst im Tempel w ieder hinzukommen. Die Zeit der stärksten Assimilation stellte das Judentum vor zwei neue und ernste Probleme auf dem Gebiete der Beziehung von Gottesdienst und Kunst. Eine angeblich rcligiöse Kunst drohte zur Gefahr für den jüdischen Gottesdienst zu werden. Statt daß der Gesang die Andaehtsbereiten in eine gehobene Sphäre versetzte, sollte er nun, von einem Virtuosen vorgetragen, die Gleichgültigen oder gar Leugner ins Gotteshaus locken und ihnen dort ein ganz und gar nicht andächtiges Vergnügen bereiten. Die Synagoge drohte zum Konzerts a a 1 zu werden. Die religiösen Gesänge, einst von tiefgläubigen Menschen geschaffen und gesungen, sollten nun nicht mehr einer Versenkung ins Göttliche dienen und eine Kraftquelle des Lebens sein, sondern zum Behagen oder bestenfalls zum billigen Kunstenthusiasmus da sein. Der Ablauf der Ereignisse der jüdischen Geschichte hat Wesentliches dazu beigetragen, diese Gefahr des Gottesdienstes zu bannen. Das andere Problem, das hierher gehört, wird bezeichnet durch Versuche einer baukünstlerischen Gestaltung der jüdischen Gotteshäuser. Es gab genügend Experimente auf diesem Gebiete — Synagogen in maurischem, romanischem, gotischem oder auch undcfinicrbarem Stil. Sie drückten indes nicht das eigene jüdische Wesen aus. Mag irgendwo ein jüdischer Baumeister versucht haben, original Jüdisches zu schaffen. Wo aber is1 es gelungen, das Problem zu lösen, Isrze's Gottesliebe und Gottesverbundenheit auch in den ßauwcikcn offenbart zu sehen, die der gemeinsamen Anbetung des ewigen Gottes eines ewigen Volkes gewidmet sind? Das Gotteshaus, in dessen Linien die lnh־unst des Beters mit der Inbrunst des Künstlers zur Verherrlichung des Höchsten Wir sollten gerade in unserer Zeit unser Augenmerk darauf rich'en. fäs ist eine Z it der Wanderung. Jede Wanderung im Judentum jedoch ist verbunden mit einem neuen Aufbau und einer neuen Seßhaftmachung. Auch in unseren Tagen «ntstehen neue Gemeinden und Zentren auf alter und neuer Erde. Gottesdienste werden eingerichtet, neue Gotteshäuser gebaut. Dann sollten wir an diese Problem״ und ihre Lösung denken. Gerade eine so’che Zeit weist uns darauf hin, Gott und unsere geistiger! Güter sozusagen anschatu.,1 zu machen. Wir sollen und müssen um jede neue Form der Gottesanbetung ringen. Rabb. Dr. K 1 i e r s f e 1 d, Bochum Drei Patai-Biidier Von Dr. Josef Patai (Budapest) sind in den letzten Wochen gleichzeitig drei Werke erschienen. ln der Serie der anläßlich seines 30jahrigen Schriftstellerjubiläums erscheinenden ״Gesammelten Werke“ ist der 3. Band unter dem Titel: ״Auf den Wegen des neuen Palästina“ herausgekommen. Eigentlich sollte dieser Band die Neuausgabe jenes ״Auferstehenden Heiligen Landes“ darstellen, das Patai nach seiner ersten Palästinafahrt (1924) veröffentlicht und das als erstes ungarische Palästinabuch, der Palästinaurkunde gewidmet war. Seither hat Patai diese Fahrt in Form von Gesellschaftsstudienreisen lomal wiederholt. Wenn auch manche wiederholten Kapitel uns heute fast ״prähistorisch“ anmuten, was ihre Daten anbelangt. Patai versteht es, die Jahr für Jahr anwachsenden Jahresringe seiner Schilderungen in ein einheitl'ches Bild und Gebilde zusamtnenzufassen, das uns heute ebenso ergreift wie am ersten Tag. Denn einheitlich blieb die Form und unverändert der Geist des Buches: das echtjüdische Denken, das empfängliche Gemüt und das künstlerisch-poetische Auge, mit denen der Verfasser Palästina beschreibt. Doch Patai hat für den Palästinagedanken auch außerhalb seiner Heimat Bedeutendes geleistet. Vor Jahren hat er Theodor Herzl ein Buch gewidmet, das in der Herzl-Literatur einen vornehmen Platz einnimmt und von der Kritik besonders wegen seiner auf die Abstammung, die Eltern und die Budapester Jugendjahre Herzis bezügliehen neuen Daten und Forschungen gewürdigt wurde. Dieses Buch, dessen einzelne Abschnitte zu dem Schönsten gehören, was über den Begründer des Zionismus geschrieben wurde, ist jetzt in Palästina gleichzeitig in de ntscher und hebräischer Uebersetzung erschienen. Die erstere wurde von Frau Dr. Barsi (Minna Freund), die andere von dem hebräischen Schriftsteller, J. L. Baruch, besorgt, beide von der Tel Awiwer Verlagsanstalt Omanuth dem Publikum vorgelegt. Da Patai den zwei Publikationen eine Reihe bisher unbekannter, das ganze Leben und Wirken Herzis umfassender Photos und Personaldokumente beigefügt hat, wird diese Ausgabe auch von diesem Gesichtspunkte den Lesern Neues bieten. A. F.