Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 78 (30.9.1938)
- Date
- 1938-09-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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ד־-יליי—- Seife 12 jüdische Rundschau Nr. 78, 30. IX. 1938 Die Bilanz der Depression .Anfang September sind drei Jahre seit dem plötzlichen Abbruch der Prosperität im Zusammenhang mit der kritischen Situation im Mitteimeergebiet im Herbst 1935 vergangen, purch die ein halbes Jahr später ausgebrochenen Unruhen ist die Depression, die ursprünglich nur vorübergehenden Charakter zu haben schien, vertieft tmd chronisch geworden. Sie hat in ihrer Dauer nunmehr bereits die etwa 2> »jährige Prosperitätsperiode vom Frühjahr 1933 bis zum Herbst 1935 übertroffen, und der jetzt abgelaufene Zeitabschnitt gibt Veranlassimg, die wirtschaftliche Situation einer Betrachtung zu unterziehen. Die Wirtschaftslage Im Spiegel des Außenhandels Da der bei weitem grollte Teil der auf den palästinensischen Markt gelangenden Güter noch immer den Aullenhandel durchlauft, spiegelt sich die Entwicklung der Wirtschaftslage in den Import- und Evporlziffern in umfassenderer W eise wider, als das in Ländern der Fall ist, in denen nur Spit/cninengen des Bedarfes und der Produktion durch den Außenhandel gehen. Der palästinensische Außenhandel umfaßt auf der Importscile einem sehr großen Teil der direkten Konsumwaren wie der Rohstoffe und Produktionsmittel für die inländische Gütererzeugung, aut der Export- Seite vor allem das wichtigste Landeser/eugnis in Gestalt der Citrnisfrticht bis auf den relativ geringfügigen inländischen Verbrauchsanteil. Daraus ergibt sich ohne weiteres die Bedeutung, die den Außenltmidels/iffern für die palästinensische Wirtschaft und Wi!tschat'tsbvtrachtung zukommt. Die Ent« irkhmg des Außenhandels im ersten Halbjahr 1 d33 beaaspinein im übrigen insofern besondere Beachtung, als in ihr ( tue \\ e n d u n g der bisherigen Sit u a t i o n zum Ausdruck kommt. N aehdem der palästinensische Import im Spitzen!.׳ihr d!׳r I 'ro.gmrit.tt P) i!) eine Maximalliohe von .CP. 1 Tg) Millionen erreicht hatte, erfolgte allerdings jrn Jahre l׳Hp bereits cm starker Ritt kschlag ries Importes auf CP. 14 Millionen. Dabei war aber zu berücksichtigen, daß der Importhandel gerade i!n letzten Stadium der Prosperität im Hinblick auf die erwartete wettere Entwicklung des Wirtschaff-'״liiimms zehr groli/ugtg disponiert hatte, so daß aus den linporum des Jahres lö 15 erhebliche Vorräte in das Jahr Id io übernommen wurden. Der Importruekgang drückte infolgedessen keine entsprechende Einschränkung des Handels- \olumens bezw. der Kaufkraft aus. Noch dazu nahm der Import in der /',reiten Jahreshälfte 1930 nach den anfängliehen riii.schrankimgen wieder eine stark ansteigende Tendenz, an. Diese F.nta, icklung hat sich auch im I)epressioitsjahr!937 weiter fortgesetzt, und es war die Erscheinung zu konstatieren, daß sich der Import trotz anhaltender Depression von TP. 11,0 Millionen im Jahre 1036 auf CP. 15,9 Millionen im vergangenen Jahre steigerte. Angesichts der eingangs skizzierten Bedeutung des Importes für die palästinensische Wirtschaft war darin eines der llauptsyniptome der inneren W j d e r .s t a n d s f ä 11 i g k c i t der Wirts c halt gegenüber den Depressionstaktoren zu erblicken. .Allerdings wurde der Import im vergangenen Jahre wertmäßig durch die internationale Warenpreishatissc in die Höhe getrieben — immerhin aber war die palästinensiehe Wirtschaft in der Lage, den erhöhten Importwert aufzunehmen und kaufkraftmäfiig zu finanzieren. In der ersten Jahreshälfte 1933 ist jedoch ein sehr empfindlicher Rückgang des Importes von £P. 8,1 Mil-!innen in der entsprechenden Vorjahreshälfte aut EP. 6,6 Millionen eingetreten; prozentual macht dieser Rückgang rund 18 ו>״ aus. Im Juli machte die Reduktion des Importes weitere Fortschritte und steigerte sich auf 25 <״•־ des Vorjahresumfanges. Es hat demnach den /Anschein, daß das Handelsvolumcn, für dessen Entwicklung der Import eines der wichtigsten Symptome bildet, in der ersten Hälfte dieses Jahres ruckartig einen hctraelitiichen Rückschlag erfahren hat. Das ist bis zu einem gewissen Grade tatsächlich der Fall, obwohl zu beachten ist, daß der Import in diesem 1 ahn? auf Basis eines wiederum stark reduzierten 1■ ‘ r e i s n i v c a u s erfolgt ist und die Importwerte ent.-prei diend herabgedrückt werden, jedoch haben sieh darüber hi na 11auch die Importmengen vermindert. Ion genauerer [0 ubliek m die in der ersten Maine dieses Jahres in f.rseheinan g getretenen Import- Verschiebungen und die ihnen zugrunde 'liegenden Wirtschaftliehen Zusammenhänge kann sieh jedoch nur aus einer Aufgiiedmmg der Import/iffern, wenigstens nach den wichtigsten Warenkategorien, ergeben (in EP. 10t>0) 1. R .ISj.hr 1938 1, 1937 Gesamtlmport 6 641 8 130 davon: Agrarproduktc Getreide, Mehl 350 776 Reis, Zucker 120 207 Sch’achtvieh, Fleisch. Fische 342 384 Milchprodukte, Eier 248 293 Früchte, Gemüse 168 203 Getränke 29 30 Andere Nahrungsmittel 360 366 Lebende Tiere 9 32 Tabak, Tabakwaren 55 58 Insgesamt 1681 2 349 O •r• -x: O Bauu, »• Holz 202 187 Oeltrüchte, Rohöl 294 362 Verschiedene 124 210 Insgesamt 620 759 I. Hslbj.hr 1938 I. H.ihjshr 1937 Industrieprodukt« Zement. Ton- und Glaswaren 189 291 Eisenwaren 443 786 Metallwaren 102 150 Stahlwaren, Instrumente 141 181 Elektrische Artikel 155 278 Maschinen 378 382 Kistenholz u, a. 365 277 Baumwollwaren 288 330 Seiden- und Kunsiseidenwaren 137 209 Wollu. a. Textilwaren 184 199 Bekleidungsgegenstände 188 235 Chemikalien Benzin, Kerosene, Schmieröl 228 241 Leder, Gummiprodukte 112 181 Automobile, Flugu. a, Fahrzeuge 289 311 Andere Induatriewaren 1 141 980 Insgesamt 4 340 5031 Bei einer näheren Betrachtung der Importziffern zeigt sich, daß der Itnportrückgang in der ersten Hälfte dieses Jahres, der annähernd EP. 11! Millionen ausmacht, fast zur Hälfte auf die Verringerung des N a 11 r ״ n g s m i 11 c I i tn p o r t e s entfällt, und zwar vor allem des Getreide- und Mehlimportes. Der stark verringerte Getreide- und Mehlimport erklärt sich jedoch aus der günstigeren Vorjahrsernte. Auch bei einer Reihe anderer Nahrungsmittel sind fniportrückgänga emgetreten, die sich zum Teil aus einer Steigerung der inländischen Produktion, zum Teil auch aus Preisrückgängen erklären. Bei einzelnen Produkten mögen auch geringfügige Verbrauchsriiekgättge cingetrcten sein, frti ganzen aber ergibt sich, daß die Rückgänge beim Nahrungsmittelimport nicht auf eine Schrumpfung des Handelsvolumens hindeuten, sondern im Gegenteil sich im wesentlichen aus. i n I ä n d i sc h e n Produktio ns Steigerungen und Preisrückgängen erklären. Dagegen treten beim Industrie Warenimport zum Teil außerordentlich scharfe Importrückgänge in Erscheinung, und zwar vor allem bei Zement, Ton- und Glaswaren, Eisenwaren und elektrischen Artikeln, d, h. vor allem bei Baunuterialicn. In der Tat hat sich die Bautätigkeit in der eisten Hälfte dieses Jahres verringert. Wenn sich auch bei den Konsumgütern wie Baumwoll-, Seiden-, Kunstseiden- und anderen Textilwaren Importrückgänge ergeben, die nur teilweise durch Preisrückgänge und Vorratsanhiiuhingen erklärt weiden können, so finden darin tatsächliche Verbrauchsein- Schränkungen Ausdruck, die in diesem Jahre unter den Ein- Wirkungen der Depression in stärkerem Umfang als bisher Platz gegriffen haben. Das E x p o r t v 0 111 m e n, das sich in den Depressionsjaliren stark erhöhen konnte und von EP. 4,2 Millionen im Jahre 1935 auf EP 5,8 Millionen i 111 Jahre 1937 anstieg, konnte im ersten Halbjahr 1938 gehalten werden. Statistisch ergibt sich zwar ein Rückgang des Cifrusexportes, der aber auf handelsstatistischcn Fehlerquellen beruht, da der Exportwert in* Jahre 1937 auf Basis eines zu hohen Durchschnittspreises berechnet wurde, der jetzt korrigiert worden ist. Die wichtigsten Kategorien der Exportwaren weisen folgende Entwicklung auf (in EP. 1000): 1. Halb! . 1938 1. Halb}. 1933 Export insgesamt 3 259 3 755 Landwirtschaftliche Produkte 2 710 3126 davon: Citrusfrüchte 2 672 3090 R oh ato ffe 87 188 davon: Häute und Felle 48 94 Alteisen und -metalle 12 63 fndustrieprodokte 462 441 davon: Speiseöle, Oelkuchen Andere Produkte der Nahrungsmittel- 69 122 Industrie 76 83 Kali, Brom 160 55 Eisen-, Metallwaren 13 9 T extilwaren 33 27 Bekleidungsgetfen stände 12 28 Verschiedene Chemikalien, Kosmetika, Seifen 42 57 Durch die starke Entwicklung des Kaliu n ״ B r 0 m ex partes der Palestin e Potash, der sich gegenüber dem Vorjahr annähernd verdreifacht hat, sind Rückschläge bei einer Reihe anderer Exportprodukte weitgehend ausgeglichen worden. Der Rohstoffexport, der im vergangenen Jahr durch die starke internationale Nachfrage und die erhöhten Preise angeregt wurde, ist in diesem Jahre sehr abgesunken. Auch bei einer Reihe von I n d 11 s t r i e \v a r e n ergeben sich Rückschläge. Im ganzen aber ist der Industrieproduktenexport etwas gestiegen. I)!e Entwicklung der Handelsbilanz, die sich in der Depression von Jahr zu Jahr verbessert hat, ist in der ersten Jahreshälfte PDS besonders günstig. Das Defizit der Handelshilanz, das sich in der ersten Hälfte 1935 noch auf EP. 5,3 Mil• lionen stellte, ist im ersten Halbjahr 1938 auf EP. 3,1 Millionen zurüekgegaugen, die schrittweise Reduktion ergibt sich aus folgenden Ziffern (in EP. 1000): 1. Hnlbjnhf 193Ä 1937 1936 1935 Import 6 641 8130 6 733 8 608 Export und Reexport 3 550 4162 2 396 3 357 Importüberschuß 3 091 3 968 4 337 5 251 Der Importriickgang auf der einen Seite hat in Verbindung mit der Exportsteigerung andererseits zu einer Entlastung der Handels- und Zahlungsbilanz geführt, der in der ersten Jahreshälfte 1938 einen sprunghaften weiteren Fortschritt gemacht hat. Die allgemeine Entwicklung der Wirtschaftslage Nachdem die Wirtschaftslage das Jahr 1937 hindurch den politischen Belastungsproben gegenüber eine starke Wider- Standsfähigkeit an den Tag legte, hat sich in diesem Jahre in Uebercinstimmung mit der Entwicklung des Außenhandels- Wirtschaftliche Tätigkeit der Jewish Jerusalem, 22. September (Palcor). Die Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem hielt heute eine Presse- Konferenz ab, in der Elieser Kaplan, Schatzmeister der Exekutive, über die wirtschaftliche Tätigkeit der Agency berichtete. Er sagte, daß im vergangenen Jahre £ 176000 für Kolonisation verausgabt worden sind. Für Sicherheit szwecke und das Politische Departement der Extkirtive sind in den zwei Jahren der Unruhen £ 125 000 ausgegeben worden; für Anleihen an Arbeitslose £ 70000; für Handel und Industrie £ 42 000, während I a ח grristige Kredite und Garantien an die Banken die Gc- Währung von Anleihen im Gesamtbeträge von £ 150 000 ermöglichtcii. Ueberdies ist ein Garantiefonds geschaffen worden, der es möglich gemacht hat, Darlehen an Pflanzer, Kaufleute und Handwerker zu gewähren. Die Jewish Agency hat sich auch an der Finanzierung von öffentlichen Arbeiten beteiligt und dadurch in TclAwiw allein 1300 Personen Beschäftigung, u. a. beim Bau des neuen Fingplatzes, verschafft. Kaplan berichtete über eine Vereinbarung, die zwischen der Jewish Agency und der jüdischen Schiffahrtsgesellschaft ״Atid“ getroffen worden ist. Die Gesellschaft hat sich der Kontrolle der Jewish Agency unterstellt, die der Gesellschaft eine nominelle Subvention bewilligte. Mosche Schcrtok beantwortete Fragen, die sich auf die politische Lage bezogen, und erklärte, daß die Jewish Agcncv der Regierung ihren Vorschlag betreffend die E i nvv a n d c r u n g s ־ S c 11 e d u 1 e für die nächsten sechs Monate unterbreitet hat. Dieser Do bk in, der Fragen betreffend Einwandcru ng ׳ beantwortete, sagte, daß in den sechs Monaten, die mit dem 30. September 1938 abschließen, etwa 6 5 0 0 jüdische Einwanderer sich im Lande niedergelassen haben. Jerusalemer Vorträge. In einer von der Misrachi-Fraucngruppe in der Jeschurun-Synagoge veranstalteten, sehr gut besuchten Kundgebung sprach Frau Bertha Frankel- Ehrentreu (früher München) über die historische Sendung der Propheten. —- Die Zionistisch-Akademische Gesellschaft lud ihre Freunde und Mitglieder zu einem Vortrag von Prof. Dr. S. Rosen ha um (TclAwiw): ״Die Ernährung des Jischuw״ ein. Der Vortrag stellte dieses wichtige Problem für Volkswirte und Hausfrauen in gemeinverständlicher Form dar. S. B. C. Volumens eine Abschwächung ergeben. Die Investit i o n s t ä t i g k ei t, die sich in aer Depression zwar stark verringert, aber bisher immer noch einc-n nicht zu unterschätzenden Umfang beibehalten hatte, wurde in diesem Jahre in Anbetracht der politischen Unsicherheit weiter eingeschränkt. Investitionsschätzungen werden erst nach Abschluß des Jahres verfügbar sein, jedoch gehen die Kapitairegistrierungcn des Handelsregisters einen, wenn auch nur rohen Anhaltspunkt. Diese stellten sich im Spitzenjahr 'der Prosperität 1935 auf EP. 5,0 Millionen und erreichten (nach einem stärkeren Rückschlag im Jahre 1936) i 111 letzten Jahr 1917 wieder eine Höhe von EP. 3,8 Millionen; sie haben sich in der ersten Hälfte des laufenden Jahres auf EP. 0,8 Millionen reduziert. Diese Ziffern sprechen für einen erheblichen Rückgang der Investitions- Tätigkeit, soweit sie in Oesellschaftsgriindtingen und Kapitalerhöhungen zum Ausdruck kommt. Die I an d w i rt s c h a f tliehen Investitionen in Neugriindmi gen von Siedlungen und Erweiterungen bestehender Siedlungen werden dagegen fortgesetzt. Für die Aktivität auf diesem Gebiet ist bezeichnencl, dal) die j ü d i s c h c n Boden k ü u f e aus nichtjüdischen Händen sich gerade in der ersten Jahreshälfte 1938 auf rund 25 000 Dunam erhöhten gegenüber 13 000 Dunam in der entsprechenden Vorjahresperiode. Fs handelt sich bei diesen Käufen meist um landwirtschaftliche Böden, die von den nationalen jüdischen Institutionen erworben wurden. Die Einschränkung der städtischen Investitionstätigkeit hat im ersten Halbjahr 1938 auch auf die Bautätigkeit in den vier großen Städten übergegriffen, die folgende Entwicklung aufweist (Baubewilligungen in Quadratmetern): Jerusalem Tel Awiw Haifa Jaffa Insgesamt 1. H.lbj.W 1938 48000 88000 60 000 10 000 1. Halbjahr 1937 78 000 82 000 107 000 20000 206 000 287 000 Die starken Rückgänge in Jerusalem und Haifa er. klären sich daraus, daß im Vorjahr dort verschiedene große Baukomplexe zur Ausführung gelangten. Dagegen hat sich in TclAwiw die Bautätigkeit reichlich auf *lern Vorjahrsniveau gehalten, während die arabische Bautätigkeit in Jaffa auf ein Minimum zurückgegangen ist. Der Arbeit s markt hat durch Abwanderung städtischer Arbeitskräfte aufs Land, ferner durch umfangreiche öffentliche Arbeiten der Regierung und Einstellung jüdischer Arbeitskräfte in Regierungsbetrieben, wie auch durch Heranziehungen zum Polizei-, Hilfspolizei- und Bewachungsdienst eine erhebliche Entlastung erfahren, so daß die Arbeitslosigkeit trotz der Einschränkung des Wirtschaftsvolumens eher eine Abnahme als Zunahme zu verzeichnen hat. Wenn trotzdem im Detailhandel gewisse Umsatzriickgänge eingetreten sein dürften, so ist das mit auf die psychologischen Folgen der anhaltenden Unsicherheit zurückzufiihren, die auch die wohlhabenderen Käuferschichten zur Zurückhaltung bei nicht unbedingt erforderlichen Ausgaben veranlaßt. Im ganzen ist unverkennbar, daß seit dem Frühjahr die Konjuukturlage eine gewisse Abschwächung erfahren hat, die sich unschwer aus der Verschärfung der politischen Krise im Lande und der gegenwärtigen Undurchsichtigkeit der politischen Aussichten erklärt. Die günstigen Wirtschafts- Symptome, die gerade im Frühjahr im Zusammenhang mit den erfreulicheren Ergebnissen der Citrussaison und der Verstärkung des Kapitalzustromes zu verzeichnen waren, sind dadurch wieder überdeckt worden. Trotzdem sind die Stabilitätsfaktoreil, die bisher die drei Depressionsjahre hindurch trotz schwerster Belastungsproben intakt geblieben sind, n oc h ungebrochen — sie bestehen vor allein in der weitgehen• den Aufreehterhaltung des Produktions- und Handelsvolumens, das den Massen der jüdischen Bevölkerung im großen und! ganzen das Durchlialten der Existenz ermöglicht (wenn diese Existenzbasis auch eine schmalere geworden ist); sie bestehen ferner in der unversehrt geblichenen Widerstandskraft der Finanzinstitutionen, Banken und vor allem der führenden großen Industrieunternehmen, sie bestehen weiter in der vor kurzem an dieser Stelle (Nr. 64 vom 12. August) behandelten gesunden Verfassung des Geld- und Kapitalmarktes, obwohl er nur mehr durch eine stark reduzierte Kapitaleinwanderung gespeist wird, und sie bestehen nicht zuletzt in der weiteren Entwicklung des landwirtschaftlichen Siedlungswesens wie der Produktionskraft der jüdischen Landwirtschaft. Die Wjder- Standskraft, die all diese Faktoren trotz großer Schwierigkeiten während der drei abgelaufenen Depressionsjahre an den Tag legten, ist sicherlich keine unbegrenzte. Sie läßt aber hoffen, daß auch die weiteren Etappen der politischen Ent- Wicklung durchgehalten werden können. Dr. Alfred Michaelis, Tel Awiw Ist Schuldhaft häufig? Schon oft ist gegen die Institution der Schuldhaft in Palästina polemisiert worden. (Jeher die Zahl der Schuldner, die sich in Haft befinde״, weil sie nicht imstande waren, ihre Schulden zu begleichen, waren im Publikum verschiedenartige Gerüchte verbreitet. Das Los dieser Menschen war Gegenstand scharfer Diskussionen, besonders wenn sich die Zeit der Feiertage näherte. Bisher konnte inan den Umfang dieser Erscheinung nicht überblicken, da offizielle Angaben nicht Vorlagen. Erst jetzt hat die Regierung die genaue Anzahl der Menschen (Juden und Nichtjuden) veröffentlicht, die am jeweils letzten Tage des Jahres in Schuldhaft waren: im Jahre 1931 — 151; 1932 — 66; 1933 - 48; 1934 — 57; 1935 _ 34; 1Q36 — 37; 1937 — 46. W«m man annimmt, daß diese Zahlen etwa dem Jahresdurchschnitt entsprechen, so sind die Fälle von Schuldhaft stark zairiickgegangcn, nicht mir in den letzten Jahren überhaupt, sondern auch noch während der Wirtschaftskrise. Obgleich die Anzahl im letzteil Jahre gestiegen ist, so erreicht sie doch noch nicht die Höhe des Jahres 1934 während der Zeit der höchsten Wirtscliaftsblüte. Allerdings fehlen alle Angaben über die Dauer der Schuldhaft in den einzelnen Fällen. Kurse palästinensischerWertpapiere In Tel Awiw notierten am 23. September, wie Ellern’s Bank Ltd. mitteilt, Allgemeine Hypothekenbank: 5 0'״ige Pfandbriefe 97! ■. 95) ״״«ö ״'״ 6;(0׳<׳ige Pfandbriefe 101*/0'<׳ ״ (1016;(״״ "oige Vorzugsaktien 108 ״'״,*104) 0'״); Stammaktien U01״,.׳o (107 ״׳״). Palestine Land Development Ca Ltd.: 6 ״״ige Vorzugsaktien 891 0'״ 2׳ (SIE!״/״); Stammaktien 83 ״81°) «'״). Bi/ur 6 ״״ige Obligationen Ser. 2: OG0״ ,׳ (98 0׳״). Nir Ltd.: 4״״ige Obligationen Ser. 1 851;״«851/1) ״״ ,׳); 4 °oige Obligationen Ser. 2 85 ״,.0 5;( 85) 0'״ige Vorzugsaktien 65 0,״ 2׳י62) ״'״). KKL 2G, ״bige Schuldverschreibungen 78"״'״ 4< 78) ״׳,״ ״׳׳). Pasa 4 ״/״ige Obligationen 76(2 ״״ (76> '■> ״'״). Palestine Potash 51.'« ״'oige Vorzugsaktien sli 15 9 (sh 15/—). Die Nervosität hat auch in der abgelaufenen Woche angehaltcn und teilweise erhebliche Kursschwankungen zur Folge gehabt. Größere Kaufaufträge bewirkten Kurs- Steigerungen von einigen Prozenten in den Hauptwerten. Gegenüber den Schlulikursen der Vorwoche sind folgende Kurssteigerungen zu vermerken: Al'gemcine Hypothekenbank: 5 »,״ige Pfandbriefe plus 2״', 6 ,״״ige plus ׳י*"», Preference und Ordinary Shares je r 3>,4 P. L. D. C. Ordinary und Pref. Shares je plus 2 »,5. 1 I