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Jüdische Rundschau · 1938-09-30 · Heft 78 (30.9.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 78 (30.9.1938)
Date
1938-09-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 78 30 IX. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite $ Jüdische Sozialarbeit Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland veranstaltete ain 9. und 10. September in den Räumen der Leßler- Schule (Berlin-Grunewald) eine Sozialarbeiter-Tagung, an der mehr als 100 Mitarbeiter der jüdischen Körperschaften und Organisationen tcilnahmen. Die Tagung galt dem Versuch, Richtlinien für die jüdische Sozialarbeit der nächsten Zukunft zu gewinnen. Den Rahmen dafür zeichnete Dr. Otto Hirsch in einem Vortrag über den Ein-,atz der organisatorischen und fin an ziel len Kräfte. Er wies nach, daß nur mit stärkster Konzentration der Kräfte eine ständig wachsende Aufgabe von einer dauernd sich vermindernden und an Leistungsfähigkeit verlierenden Gemeinschaft geleistet werden könne. In der Organisation, die, auf den Gemeinden aufbauend, Schritt für Schritt zentral aiisgchaut worden und nun durch die Schaffung des Reiclisverbandcs zu einem gev,:,-י י- , AksziiluB gekommen sei, müßten auch die noch gebliebenen Lücken durch interne Zusammenfassung von Verwaltungsstellen und durch engere Verbindung mit den jüdischen Organisationen ausgefüllt werden. Die finanzielle Grundlage müssen wie bisher die Gemeindcheiträge und freiwillige Abgaben, insbesondere auch von Auswanderern bilden, neben den Zuschußleistungcn der ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen. Um die erforderliche Leistungssteigerung zu ermögliehen, wird daher zu einem Notopfer aufgerttfen werden müssen. Das zweite Vcrhandlungsthcina galt der Auswanderung in der Planung der jüdischen Sozialarbcit. Dr. Paul Eppstein berichtete über die trotz aller Schwierigkeiten noch erzielte Steigerung der Auswanderung in diesem Jahre, die hauptsächlich auf den Altreu-Transfer und die durch den Attreufoncis bewilligten Darlehen an Minderbcmittelte ziirückzuführcn ist. Die Konferenz, von Evian scheine sich als eine Zäsur zwischen zwei Atiswanderungs- Verwaltung jüdischen Hausbesitzes Der von der Deutschen Arbeitsfront, Gauwaitung Berlin, Abteilung Haus und Heim, dem Bund der Berliner Hausbesitzen und Grimdbesitzcrvcreine c. V., und der Fachgruppe Grundstücks- und Hypothekeninakler, Bezirksgruppe Berlin- Brandenburg, gebildete Arbeitsausschuß für Hausverwalter weist auf folgendes hin: ״Mit dem Gesetz vom 6. Juli 1038 — Ausschaltung der Juden aus dem Gewerbe der Hausverwalter — hat der Gesetzgeber die nicht zu verkennende Absicht verfolgt, den Juden und seinen Einfluß auf die Hausverwaltungen auszuschaitcn. Der arische Mieter soll von der Persönlichkeit des Juden in der Hausgemeinschaft restlos befreit werden. Es hat sich nun ganz allgemein zur Umgehung der Absichten des Gesetzgebers die Gepflogenheit herausgcbildet, daß die jüdischen Eigentümer ihre Grundstücke, die sie bisher verwalten ließen, in Selbstverwaltung nehmen und sich damit in den krassesten Widerspruch zu den Absichten des Gesetzgebers stellen. Der jüdische Hauseigentümer hat deshalb aus den Be- Stimmungen des Gesetzes heraus insbesondere in Erfüllung der vom Gesetzgeber verfolgten Absichten, in jedem Falle f ii r die Verwaltung seines Hauses durch einen arischen,'qualifizierten Hausverwalter Sorge zu tragen. Die diesbezüglichen Anträge auf Namhaftmachung von geeigneten Hausverwaltern sind an den Arbcitsausschuß für Hausverwalter (Berlin SO 16, Michaelkirchplatz 1/2) zu richten.“ , Grundstlicksveräußerung durch Juden nicht genehmlgungspflichtig. Der Rciehswirtscliaftsminister hat in einem Bescheid darauf hingewiesen, daß die Veräußerung eines städtisehen M i e 1 vv o h n g r u 11 c! s t ii c k c s im Falle der Beteiligung eines Juden regelmäßig nicht der Genehmigungspflicht nach der Anordnung vom 26. April 1938 unterliegt, soweit nicht die VcräiiBerung wirtschaftlich der Veräußerung eines gewerblichen Betriebes gleichkommt. Die Genehmigungsbehörden haben eine entsprechende Anweisung erhalten. kurzstämmigen^ Bäume hingen noch die Früchte und wie in den Kinderjahren begann sie abzuzählen, ob ja, ob nein. In dem Hofraum versagten ihr die Kräfte, an eine Scheunenwand gelehnt, starrte sie auf ihre staubigen Sandalen. Ein Junger Hund, der verhebt mit sich und dem Sonnenlicht spielte, unterbrach seine Beschäftigung und starrte aus ernsthaften Kugelangen zu ihr auf. Und seltsam, dieser kurzbeinige Kerl gab der Mutter den Mut, ja, sic wurde jaulend und schwanzwedelnd bis zur Schwelle des Kinderhauses begleitet. Dann freilich mußt« sie allein hineingehen und erklären, was sie herführe. :Man überantwortete ihr nicht ohne weiteres den Kleinen, doch war es ein glücklicher Umstand, daß die Nachbarn sie kannten; schon einmal hatte sie bei ihnen gearbeitet. Wie damals nun, schritt sie jeden frühen Morgen zur Siedlung und kehrte nach vollem Arbeitstag zurück. Eine geheime Hoffnung trug sie: dieses Kind, das dem ihren so ähnlich war, einmal mit hinüber zu nehmen und es wie ein eigenes zu liegen. Aber da war der Vater, der sich gegen solche Einmischung erhob, auch er war allein und des Trostes bedürftig.. Und da war der Beschluß der eigenen Siedlung, die es nicht dtildete, daß sie in der fremden Wirtschaft Arbeit suchte. Gab es uw diese Jahreszeit nicht genügend zu tun? In der neuerbaiiten Küche waren die Platten einzusetzen und die Wände zu kalken. Das Vorratshaus sollte einem größeren Schuppen weichen, der noch im Rohbau stand. Für den Gemüsegarten und die Felder reichten die Hände kaum aus! Und da mußte sie, die kräftig lind flink war, hinabgehen und den Nachbarn ihren Dienst an bieten! Sie war jung, sie würde wieder ein Kind haben, man war nicht länger gewillt, dieses Schm erzergeben mit anzusehen. Rachel wurde 711rßckgeholt, sie nahm es ohne Murren hin. Sie schleppte die Eimer mit dem weißblasigen Kalk heran und begann, auf dein obersten Tritt der Leiter stehend, zu streichen. Da das Dach noch nicht fertig gedeckt war, sah sie durch die Luken den Himmel und ein paar Streifen weißglühender Sonne. Sie nahm hungrig ihre Mahlzeiten, sie tanzte an den Festtagen, aber ihr Herz war leer wie ein Flußbett, aus dem die Wasser geriehen sind. In der kurzen Zeit der Tkitnmerung gingen die Glückliehen mit ihren Kindern spazieren, und manchmal wurde Rachei in ihrer Baracke besucht. Sie nahm dann der Eintretenden ihr Kleines vom Arm und ging wohl selbst ein Stück vor dem Eingang auf und nieder. Sie zeigte ihm die Pflanzen, den Abendhirninei oder deutete aut einen Stern, der zwischen den Hügeln stand. Und die Augen des Kindes basen darzustellen, deren Zweite auf noch stärkerer Lenung der Auswanderung beruhen dürfte. — Dr. Georg Lubinski behandelte die Einbeziehung der berufslos werdenden Personengruppen in d ie jüdische Sozialarbeit. Er gab einen Ueberblick über die zum 1. Oktober zu erwartenden Auswirkungen des Gewerbeverbots und des Berufsverbots für die Aerzte. Er erläuterte die Möglichkeiten einer Berufs- Umschichtung in kurzfristig erlernbare Berufe, um auch die Aclteren auswanderungsfähig zu machen, legte aber dar, daß für eine erhebliche Anzahl der berufslos werdenden Personen und ihre Familien die soziale Fürsorge werde eintreten müssen. Für Jugendliche muß versucht werden. Atisbildungsplatze im Ausland zu gewinnen. In Deutschland selbst muß!ede Gelegenheit praktischer Arbttifshilfe ausge nutzt werden. Ain Freitagabend fand ein Zusammensein der Teilnehmer statt, bei dem Rabbiner Dr. Baeek eine Ansprache hielt. In die Tagung fiel der Abschied von Dr. Georg Lub i n s k i, der nach Palästina answandert. Alle Mitarbeiter brachten zum Ausdruck, was die jüdische Sozialarbeit in Deutschland, zumal in den Ict/ten Jahren, Georg Lubinski verdankt. Seine Leistlingen, vor al'em auf den Gebieten der Berufsausbildung und der Wohlfahrtspflege, fariden ebenso dankbare Anerkennung wie seine Verdienste um die Gestaltung der gesamten jüdischen Sodalarbeit und der inneren Beziehungen des Sozialarbeiters zu seinen besonderen Aufgaben in dieser Zeit. An die Sozialarbeiter-Tagung schloß sich am 12. September eine Besprechung von Sonderfragcn der Jüdischen K r c d i t h il re, an der unter Leitung von Dr. Paul Eppstein Sozialarbeiter und Leiter jüdischer Darlehnskasscn tcilnahmen. Auf Grund eines einleitenden Referates von Dr. Bruno Mendelsohn, Berlin, wurde insbesondere über die Aufgaben gesprochen, die sich auf dem Gebiete der l.iquidaiionskreditlülfe, der Wirtschaftshilfc und -fürsorge ergeben. Aus der Wirtschaft Folgende Firmen gingen in arischen Besitz über: Warenhaus Adolf Frank in Braunschweig. — Reißinann ft Chaim, I )amenkicidei fahrikation in Berlin. — Spittel ft t ranken, Tuchfabrik in Aachen. — Kauf hau■; Oskar Rosendorf in Gart/ a.d. O. — Adolf Moses ft Co., Baiiinwoliwarengroßhamlliing in ülogaii. — Ft aus Faiilhabcr, Uniformfabrik in Wurzbtu,g. Kaufhaus Bernhard Bchr Nacht., Herren- und Berufskleidung in Hamburg. — Emil Stein, Ttichgroßliandlung in Frankfurt a. M. — L. Lese Ilhorn, Lcdcrvarcn 11ml R eiscartikel in Frankfurt a. M. — Ludwig Bcndhcim in Nürnberg. - Hermann Schapiro, Wäschefabrik in Wien. — M. Mosberg, Arbeiter- und Berufskleiderfabrik in Bielefeld — I. Tiit/er ft Co., Damenkragcnherstellung in Berlin. — Geschw. Knopf in Karlsruhe. — Eit. de Jonge ft Co. KG., Herrcnstoffgeseliaft in Frankfurt a. M. — B. Ebcrle, Kurzwarengroßhandhing in Ulm. — Firma Bacher ft Leon, Besat/artikelfabrik in Berlin. — Norbert Jutschmka, Modellbau.« in Berlin. — M. Ruppin, Handstickereien, Berlin. — Julius Sfc n, Baumwollwareu- und Leinengroßhandlung in Frankfurt a. M. — Anna Hahn, Her- Stellung von Damenniänteln, in Berlin. — Ernst Kaß AG., Bielefeld, Herrenwäschefabrik. — Kaufhaus Gehr. Biuhm, Gcrhstedt. — Maruifakturwarengoscliäft J. Sponsel jr. in Hanau a. Main, — Firma Friedrich Finkenstem, Wäsche, Trikotagcn, Wol!waren, Strümnfc, in Königsberg i. Pr. — Schuhhäuser AM. Joseph in Köln und Bonn. — Ephraimson ft Neumann, Herstellung von Datnenmänleln und Kostümen. — Conrad Mendelsohn, Spezialhaus für Daincnkteidung, in Königsberg i. Pr. — Die Firma ״Record“, Herrenkleidung, Norbert Frank, in Berlin. — Eva Friedländer, Knopfmontagen, in Berlin. — Josef Ziegelmann, Flerrenbekleiiknig, in Leipzig. — D. M. Neuburger, Großhandlung in Seiden- und Posamcntierwaren, in München. — Gcbr. Braun, Wäschefabrik, in Wien. — Flach ft Engel, Kurzwaren und Fiamtarbeitsgarne, in Berlin. — Adolf Heimann, Modewaren und namenfertigkleidung, in Göppingen. — Seelig Miclte's, Manufaktur- und Modewaren, in Regenwaldc (Poinm.). -- Trampler Schuhfabrik GmbH. Julius Lewinsohn & Söhne in Weißenfels. — Schuhfabrik Aaquist ft Co. in Weißenfels. — A. Marum Wwc., Strumpf- und Wollwarenfabrik in Sobernlieim a. d. N. Der frühere Sejm-Deputiertc Dr. Abraham 111 s 1 e r starb in Lemberg im Alter von 48 Jahren. folgten der ausgestreckten Hand und manchmal nickte es, kurz und geheimnisvoll, wie Eingeweihte. — So ging die Zeit hin, man I1c»rte von Kampf und Terror, jeden Tag könnt« man die Namen der Gefallenen in der Zeitung lesen. Die Wachtposten wurden verstärkt, niemand durfte mehr allein auf die Felder hinaus — und doch lag die Erde ruhig, ih׳׳em Wachstum hingegeben, als verwehre sie sieh anderem Wissen. Die Felder trieben ihre Frucht, und an den Spitzen der Feigenstöcke rollte sich das junge Blatt auf. An einem klaren Morgen wurde Rachel zu den Nachharn gerufen. Der Vater ihres Pfleglings war im Wachtriicnst verwundet worden, stundenlang lag er ohne Hilfe auf dem Felde, bis man ihn auffand. Auf dem Weg zuni Krankenhaus bat er, daß Rachel sich um das Kind kümmere. Bestaubt und glühend kam sie in der ״Siedlung der grünen Tore“ an. F>ort standen sie in erregten Gruppen beisammen und aus allem, was sie hörte, entnahm Rachel schlimme Befürchtung, Sic fragt« nicht, sie gab sich mit ganzem Sein der Pflege des Kindes. Die Zeit des Glückes ist eine süße Zeit, seihst für den, der weiß, daß sie vorüberzieht. Rachel arbeitete im Kinderhaus, und des morgens drang ihr als erstes das vielstimmige Geschrei und der Geruch der nassen Wäsche entgegen. Vor den Fenstern lag jene aufhellende Dämmerung, die sich auf das Emportauchen der Sonne vorbereitet. Wenn die Säuglinge ihren Müttern hingebracht wurden, fielen gerade die ersten Strahlen in den Hof, und beim Zurücktragen mußte man die kleinen Gesichter mit einem Tuch abdecken, so mächtig war die Sonne geworden! in dem buntgckalkten Zimmer der KrahMkinder war schon alles auf den Beinen, oder besser, auf den Knien. Gad hatte auf Rachel gewartet, denn er empfand sie schon ganz als die Seine. Er verlangte als erster aufgenommen zu werden mul lief rot an, wenn sie seine kleinen Hände aus dem Teller zog und ihn im hingegebenen Spiel mit dem Gernüsebrei störte. Er begann Herrsclierrechte geltend zti machen, denn er fühlte es dumpf, daß Rachel schwach war vor Liebe. Sie hatte ihm ein Klapperbiichschen und einen Vorliangring geschenkt, er gab seine Schätze nicht einmal während des Bades her. Am Mittag, wenn die Kinder schliefen und Rachel vorsichtig mit dem nassen Scheuerlappen unter die Bettchcn fuhr, um die Hitze im Zimmer zu mildern, stand er wackelnd und sicli ans Gitter krallend auf und verfolgte jede ihrer Bewegungen. Wenn sic ihn so sah» Wurde ihr Herz voll wie ein Strombett, in das die Wasser fluten. Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlotff&nburg, Wilmersdorf er Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe Seltsamkeiten Von S. M e i s e I s (Wien) Welche Sprache sprach Adam Ina Paradiese? Die Uchcrschrift könnte die Vermutung aufkommen lassen, daß cs sich hier um eine Scherzfrage oder gar um eine linguistische Satire handle. Das ist keineswegs der Fall. Die Frage ist tatsächlich in dieser Form und allen Ernstes gestellt worden, und zwar von keinem ,Geringem als — Dante Alighieri. Dabei ist aber nichts Seltsames. Denn die Frage nach der Ursprache hat von jeher den forschenden Menschengeist beschäftigt. Schon licrodot weil) uns von einem Versuch zu berichten, den der ägyptische König Psammelich zur Lösung dieser Frage gemacht habe. König Psammelich ließ nämlich zwei Kinder abgesondert vt»11 allen Menschen, erziehen, so daß kein Laut einer menschlichen Sprache zu ihnen dringen konnte; auf diese Weise sollten die Kinder gezwungen werden, sich eine eigene Sprache zu erfinden, und diese ihre seibsterftindene Sprache sollte darüber Aufschluß geben, welche die erste Sprache des Menschen war. Die moderne Sprachforschung tut allerdings die ,,Ursprache“ als eine Art Fabelwesen ab. Aber bis zum Ausgang des Mittelalters war der Glaube an eine gemeinsame Sprache des Menschengeschlechtes stark gefestigt und es wurde daher nach der Ursprache eifrig geforscht. Es darf uns also nicht Wunder nehmen, daß Dante in seiner Schrift ,,De vulgär! cloqneiitia“ aiii'11 Frustes die t rage atifwirft, welche Sprache Atlant im Paradiese gesprochen habe. I )ante nimmt eine Sprache vom Ui beginn als gegeben an, und es fragt sich bloß, welche von allen Spiachen den Vorzug hatte, als erste nach der Vdlersi.hafiung gesprochen zu werden. Mit I litte dogmatischer, abstiakt theoretischer 1 )ediiktioiien kommt I )ante zu dem Lrgeb:! is, daß Adam das 11 c b r .1 i s c 11 1׳ gesprochen habe, jene Sprache, die die I leb!.!er als einzige nach der babylonischen Sprachen win ung behielten, ״damit sieh dereinst der t Ich! and nicht der Sprache di 1 \ erwirrung, sondern der Sprache der (in ade bedienen könne“. Ls ist nun intercssant, dal’ -ich auch die talmiidischen Weisen mit dieser Frage beschäftigen und ebenfalls zu dem Schluß gelangen, daß das Hebräische die Sprache Adams gewesen sei. Aber Mährend Dante seine Ansicht dogmatisch begründet, fuhren die talmudiselien Weisen einen rein sprachlichen Beweis. In der Bibel hei 15t es nämlich: Adam nannte das Weib ״!schab“, denn er .sprach, vom ״!sch“ (Mann) ist sie genommen. Da mm — so meinen die Rribbinen in keiner anderen Sprache ein Gleiehklang hei der Wortableitung von Mann und Weib vorhanden sei, so könne Adam nur hebräisch gesprachen habrii, Fm anderer Rabbi sucht dagegen, ebenfalls auf rein sprachlicher Grundlage, zu beweisen, daß Adam aramäisch gesprochen hätte. Wie dem aber auch sei, es ist allenfalls seltsam, daß bisher alle Versuche, den Olcichklang von Isch und fschah auch in der Ucbcrsetzung festzuhalten (wie etwa das von Mann abgeleitete ״Männin") nicht durchgedrungen sind. Wortkoppelung Das lässige Sprechen, das Verschlingen mehrerer Worte oder gar eines ganzen Satzes in einem Atemzuge hat schon mitunter die merkwürdigsten Blüten von Wortverbindungen und Redefigtircn gezeitigt. Das gesprochene Wort bleibt häufig an Klarheit 11ml Genauigkeit hinter dem geschriebenen zurück. Wortkoppehingen entstehen meistens durch fehlerhafte Aussprache oder durch allzu rasches Reden, wobei Laute und Silben ineinander verschmelzen. Der jüdische I'hilosoph Moritz Lazarus erzählt in seinen Lebenserinnerungen von einem Kriatvm, den seine Mutter ein Geltet lehrte, das mit den Worten schloß: ״Wasehappel und Gerechtigkeit“. Dieses riebet sprach der Knabe allabendlich vor dem Schlafengehen und das Wort Waschappel stimmte ihn besonders andächtig. Einmal fragte er den Vater, wer denn der ״Waschnppel“ sei. zu dem er allabendlich bete. Der Knabe war offenbar der Meinung, Wasciiappei sei irgendein Fleiliger, der sieh mit der (ie׳•echtigkeit verbunden hatte. Es stellte sich jedoch lieraus. daß der Satz im Gehet richtig lautet: ״Wasch ab all Ungerechtigkeit!״ Die Mutter hatte den Satz rasch, wohl s ilhenversc lilungi 11 gesprochen. und der Kindermunil formte daraus das drollige Wortgehilde, das wohl zu den seltsamsten Wortkoppehmgen gehört. Nach langen Wochen kehrte Jaakow, der Wächter, zurück und man beging ein Fest arn Abend seiner Heimkehr. D:c Drangsal der Krankheit hatte ihn warb gemacht, er sah das Gesicht seines Nächsten ohne Schleier. Er erschrak wie sebie Gefährten, mit denen er jahrelang gelebt hatte, sich ihm verwandt Iten, wie nah und wie fremd 111 einem sie ihm waren. Das /filtern, das /wochen Rachel und dem Kinde hin und wiilcrselnvatig, teilte sich :hin mit und bewegte ihn. Bevor er nach dem steinigen (ialii fuhr, rief er seine Genassen in dem großen E firn tim zu-,1m 1 und bat sie zu entscheiden, oh man Rachel das Kind für ein Halbjahr anvertrauen dürfe. Ja und nein wurde lau., einige lehnten diq Idee als imgeluirig ab, um («rund und Gegengrund entspann sielt ein lauter Streit. Rachel sitzt draußen auf einer Rank in der schwachwerdenden Sonne. Sie lächelt, wenn sie sich vorstellt, den kleinen Gad hei sich zu haben, im eigenen Kibbuz, ja rlort wird er noch mehr der ihre. In der Frühe darf sie ihn aufnehmen und des Abends ihn zum Schlaf betten, am Sehabbath wird er in ihr Zimmer kommen, um zu spielen. Vielleicht kann sie ihm in der Freizeit ein Kleid nähen, ein Paar klein« weiße Hosen und einen Leinenl-ittel. Vielleicht wird sie vor ihrem Fenster jene dunkclrote dirkstieüge B'ume hoch/iehen, deren Anblick er so liebt... Und dann? Was wird nach dem Halbjahr, wenn sie ihn /tirückgeben muß? Wie wird er weinen, wenn sie ihm sein Zuhause ausmalt, ja weiß er denn noch, welches sein Zuhause ist? Die Mutter stützte den Kord in die Hände, ein Schauer überfiel sie, die Sonne war schon fast erloschen. Der Wind hing sich in ein Zelttuch und verlängerte die Schatten auf dem grauen Grund, ein losgerissenes Blcchstiick klapperte wie Schritte. Ihr war so sonderbar, die Stimmen schwollen an und brachen ab, der Duft einer Blume zog ganz nah vorüber. Wie sic dasaß, vornübergebeugt, überfiel sie c:n Schwinde!, 1111(1 sie erinnerte sieh der Uebelkeit wie einer fernen, vergangenen. Sie wollte selber zu dem roitgesti icltenen Eßsaa! hinübergehen, um ihnen zu sagen, daß sic jetzt ohne Bitterkeit auf den kleinen Gad verzichten könne. Aber der Weg über den Hofplatz, schien ihr so weit, und dann wußte sie nicht, ob sie die richtigen Worte finden werde. So blieb sie, halb wachend, halb träumend, den Blick an die lierausbrechenden Sterne gebannt. Als das Geräusch der Stimmen im Eßsaa! immer mehr verstummte, ak einige aus dem hdlerleucliteten Rahmen ins Nächtliche traten, ging sic hinüber und nahm das Nein der Entscheidung entgegen.

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