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Jüdische Rundschau · 1938-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1938) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1938)
Date
1938-09-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Kfc 76 77, 23. IX. 1938 jüdische Rundschau Seile 15 ״Erste Hilfe“ in Erez Jisrael Die besten Krankenhäuser und vorzüglichsten Chirurgen niitzen uns wenig, wenn wir nicht eine Institution besitzen, die für den sofortigen und sachgemäßen Abtransport von Verunglückten oder Verwundeten und für fachmännisch geleistete ״Erste Hilfe״ sorgt. Den Anstoll zur Organisierung eines selchen Werkes gaben die arabischen Unruhen des Jahres 1929. Auf Initiative von I)r. M, Levontjn — damals wie heute Direktor des Tel Awiwer liadaßa-Krankciihauses — und anderer Persönlichkeiten erfolgte in Tel Awiw die Ein• richturig eines zunächst kleinen Ambulatoriums, aus dem sich das beachtliche Werk des ״Magen David Adom" entwickelte. Selbst wenn nicht Ucbcrfälle damals — und leider heute wieder — die Notwendigkeit einer solchen Gründung beweisen würden, wäre sie schon durch das grollstadtmäliige Anwachsen Tel Awiws und der jüdischen Stadtteile Jerusalerns und Haifas (mit automatischem Ansteigen von Vcrkehrs- und sonstigen Unfällen) bedingt. Es ist auch klar, daß bei dem seit 1929 erfolgten stetigen Ausbau der Organe sation in erster Reihe dieses Moment in Rechnung ge- - * י«» « " 1■*1"־־INT f V"״V r ,*w ו W ff» *Äff" Straßennnlall in Tel .Uom׳. Die Ankunft des Autos des Magen Dawid Adom zieht zahlreiche Neugierige an. stellt wurde und nicht die außergewöhnliche Lage, in der wir uns seit Beginn der Terrorwelle befinden. Der ,,Magen David Adom-‘ war von Anfang an und ist bis heute ein von keiner Partei abhängiges, soziales Unternehmen, durch Privatinitiative ins Leben gerufen und erhalten. Seine Hilfe steht jedem, ob arm oder reich, Jude, Moslem oder Christ, unverzüglich und unentgeltlich zur Vcrftigting bis zur Ablieferung eines Verunglückten in seiner Wohnung oder —- falls eine Aufnahme notwendig — im Krankenfiatis. Es kam nicht selten vor, daß der ״Magen David Adom“ nach Jaffa alarmiert wurde, wo es eine älutlicke Einrichtung nicht gibt. Im Oktober 1933, als es in Jaffa zu Zusammenstößen zwischen Arabern und englischer Lolizei kam, wurden die (nichtjüdischcn) Verletzten von den Ambulanzen und Helfern des ״Magen David Adom“ abtransportiert bzvv. verbunden; und es erscheint wie eine lilustrierung der gegenwärtigen Situation, wenn die Statistik berichtet, daß zwei Araber ״Erste Hilfe“ empfingen und im Krankenauto sicher nach Jaffa geleitet wurden am gl eieben Tag, an dem zwei Kraiikenhaussclnvcstern, die trotz aller Warnungen ihren Dienst im Jaffacr Rcgicrungshospital nicht verließen, dort ermordet wurden. Obwohl der ״Magen David Adom“ (wenn man von den englischen Militär-Ambulanzen absieht) die Aufgaben erfüllt, Das Auto des Magen Dawid Adom Ins rgte den Transport I «11 :־!%;׳ ter o r K an .er vom Bau des VegarUvalls ins Krankenhaus. Der Wagen ist feldgrau angestrichrn. Im Hintergrund jüdische Arbeiter beim Bau des Stacheldrahtverhaus. Amatcurfoto! die in den Ländern des Britischen Imperiums das ״Rote Kreuz“ aus/uführen hat, gewährt die Palästina-Regierung weder eine direkte finanzielle Hilfe noch eine indirekte Unter- Stützung. Von jüdischen Behörden beweist die Tel Awiwer Stadtverwaltung Interesse am Aushau und an der Erhaltung der Institution; das wurde vor allem durch die Genehmigung des Antrages auf kostenlose Zuweisung eines Bauplatzes bewiesen, die im Jahre 1934, in Anerkennung der um das Wohl der Einwohnerschaft Tel Awhvs und seiner Umgebung erworbenen Verdienste, erteilt wurde. Der damalige Stadtveroidnete, heutige Bürgermeister Kok ach stand an der Spitze des Baukomitccs, dem es gelang, die Baukosten für das in der Mazestraßc befindliche Haus - zirka 5000 Pfund - fast restlos durch Spenden aufzuhringen. Das Haus wurde im Jahre 1933 durch den verstorbenen Bürgermeister D i z e n - goff seiner Bestimmung übergeben. Mit Eröffnung des neuen Hauses erreichte der ״Magen David Adom“ ein neues Eutwicklungsstadium. Tel Awiw wurde gleichzeitig der Sitz einer ..Landeszentrale“, die heute außer in Jerusalem und Haifa noch 15 weitere Stationen in den Kolonien betreut. Aus der kleinen Gruppe, die in der ersten Baracke den Helferdienst versah, ist heute im ganzen Land ein Stab von mehr als 1090 (in Tel Awiw zirka 300) freiwilligen, aiisgebildctcn Sanitätern geworden, die Tag, und Nacht turnusmäßig einander ablösen. Sie alle -- ebenso wie die Leitung —- arbeiten ohne Entgelt und stellen die freie Zeit, die das Berufsleben ihnen laßt, diesem Werk der Nachstenliebe zur Verfügung. Besoldet werden lediglich die Büroangcstellfeii, die Aerzte und die Chauffeure. Die Einnahmen des ״Magen David Adom" stammen aus monatlichen Beiträgen eines Freundeskreises, einmaligen Spenden, Straßensammlungcn und aus dem Ucbcrsehult des jährlieh veranstalteten Balles. 1111 übrigen steuerte die Tel Awiwer Stadtverwaltung in den letzten zwei Jahren je 120 Pfund (= zirka 15״״ des Tel Awiwer Ausgabenetats) bei. Die Organisation verfügt heute über neun Krankenautos (vier davon in Tel Awiw), die, abgesehen vom Chassis, restlos im Lande hergcstellt sind. Die großen weißen Krankenwagen, die eine knappe Minute nach erfolgtem Tclephonanruf ihr Depot verlassen, gehören heute zum Bild Tel Awiws und des Landes überhaupt. Je nach Lage der Station ist für ״Erste Hilfe״ und Transport auf einen Umkreis bis zu 00 km zu sorgen. In jedem Auto befindet sich ausreichend Platz fiir Begleitpersonell, für zwei in verstellbarem Mechanismus ruhende Krankenbahren (mit der Möglichkeit, eine stets zur Reserve mitgcfiihrtc dritte bequem aufzusfellen). Wasserleitung, Vcrband- und Instrumentenkasten, Sauerstoffapparat mul elekfrischer Projektor ermöglichen, bereits während des Transportes die ״Erste Hjlfe" fortzusetzen, oder mit ihr zu heginnen, falls sie am Unfallort selbst nicht gleich geleistet werden konnte. Das Hcrannahen der Ambulanz bedeutet in ruhigen Zeiten: ein Verkehrs- oder Arbeitsunfall, die Ucberfiihrung eines Patienten, eines vom Ertrinken geretteten oder vom elektrischen Strom Getroffenen. Große Aufmerksamkeit wird z. B. der Unfall vcrh ü t u 11 ff gewidmet In der Landes presse waren wochenlang kleine Skizzen mit entsprechendem Text zu finden, die das Publikum anleiteten, die Straßen mit der nötigen Umsicht zu überqueren. In Schulen, Fabriken und Sportvereinen wurden Vorträge arrangiert, in den Kinos Unfallverliiilungsfilme gezeigt, Broschüren wurden verschickt. Bei Massenveranstaltimgen sind stets Hilfsambulatorien in ausreichender Zahl errichtet. Die Zentrale versendet regelmäßig an alle jüdisehen Punkte im Lande Packungen, in denen alles zur ״Ersten Hilfe“ Erforderliche enthalten ist. Das ist von besonderer Bedeutung für die exponiert liegenden neuen Sierilungsptinkte. Natürlich gibt es in jedem Kibbuz eine großenteils vom ״Magen David Adom“ eingerichtete Krankenstation, die von einem Arzt der ״Kupath Cholitn“ (Arbeiterkrankenkasse der Histadruth) geleitet wird. Selbst dort kann aber auf eine direkte Zusammenarbeit mit dem ״Magen David Adom“ in Fällen, die einen Transport des Verletzten erfordern, nur schwer verzichtet werden. Beim Bau des ״Tcgart-Wal!“ au der Nordgrenze des Landes war ein Ambulanzwagen in Ergäimmg der ״Kupath Cholin1"-Station zur Stelle, der in zwölf Hillen Transporte (sieben Erkrankte und fünf Verletzte) ins Krankenhaus nach Tiberias bzw. Haifa brachte. Ein besonderes Verdienst erwarb man sich durch die vor zwei Jahren arrangierte Zusammenstellung einer besoiideren Helfer-Truppe: der Blutspender. Durch Messerstiebe, Schüsse, Bombensplitter lebensgefährlich Verwundete sind häufig zu retten, wenn eine sofortige Bluttransfusion erfolgen kann, die nicht hinauszusehicben ist, bis die Suche nach einem Spender gleicher Blutgruppe wie die des Vcrletzten erfolgreich war. Man nahm daher die Registrierung und Griippeneinteilung all derer vor, die sich zu diesem Dienst bereit erklärten. Die Blutspender — soweit nicht in ihrer Eigenschaft als ״Helfer“ sowieso in Bereitschaft — sind Tag und Nacht erreichbar (besuchen z. B, kein Theater oder Kino, ohne Platznuinmcr und Reihe in der Zentrale zu hinterlassen) und treffen erforderlichenfalls wenige Minuten nach Einlieferung des Patienten im Krankenhause ein. Ebenso wie die anderen freiwilligen Helfer und Helferinnen werden sie nicht bezahlt und nicht darüber informiert, für wen sie Blut gespendet haben. Zahlen demonstrieren, was die palästinensische Bevölkerung dem charitativen Werk des ״Magen David Adom“ verdankt. Die Zahl der Fälle, in denen die Organisation eingriff, betrug: Im ünvon «uf "ifj• T,i Awiw entfallend t 1935 (vor den UnniSen) 5 745 4192 1936 (Beginn der Unruhen) 7 446 5 541 1937 . . .. 7 975 5878 1938 (1. Jan. bi■ 1, Au*.) — 3620 Obwohl man also eine immense Leistungsfähigkeit bewiesen hat, gibt sich die Leitung mit dem bisher Geschaffenen nicht zufrieden. Vor allem fehlt es an Mitteln für die dringend notwendige Anschaffung weiterer Krankenwagen, die in jenen wichtigen aber kleinen Zentren, die selbst ein Budget nicht atifbringen können, stationiert werden sollen. Damit wäre■ die nnbedingt erforderliche Verkleinerung der einzelnen Transport-Bezirke möglich. Wie man allen Eventualitäten vorzubeugen versucht, demonstriert das Tel Awiwer Beispiel: cs sind Vereinbarungen mit Besitzern von Privatautos und Lastwagen getroffen, deren Maschinen nötigenfalls sofort auf TelephonjP!| isai&i׳ wft'mv Das Gebäude des Magen Dawid Adom in Tel .lu'/iu. Das Ambalanzaulo verläßt eine knappe Minute nach einem tele• phänischen Anruf das Hans, an ruf für Transportzwechc zur Verfügung stehen. So waren innerhalb weniger Minuten etwa 20 Lastwagen mobilisierbar, 111 die je 2 -3 besonder.-, konstruierte und stets bereitgehaltene Krankenbahren geschoben; **■e werden können. Aber begreiflichen.( eise ist da״ kein vollgültiger I rsatz für die lanzi n. Das Tel ״Magin David I laubesucht( Begleitung demandanten" i' r e n K e ehmiamtl Ambu- Awiwer Adom"- ich in ״Korn- Mosche und des heu Sekrc- Autos beim Der Chauffeur des Dawid Adnm, das stationiert war. Im Hintergrund Zelte jüdischcr Arbeiter. stes und der Aerzte, die Gebäudes, wo gleichfalls tars der Organisation, I >r. Jacob •M i e 11 1 i n. An der 1311 fahrt (neben der sieh die Garage, Werkstatte und die Chauffeurzimmer befinden); empfing man uns mit dem letzten Rapport. Im oberen Stockwerk waren in einem geräuniigen Saal, der (mit Anschauung« tafeln u. a. auf dem Katheder) den Eindruck eines medizinischen Uni vcrsitäts-Auditoriimis machte, beim Ausbildungsktirs einige Huridort Chawcroth und Chawerim versammelt, die tagsüber als Arbeiter, hinter dem Dank: ehalter, an der Schreibmaschine oder am Vcrkaul'stisch ihren Berul aiisüben. Wir be.'ielitigfeii die Biiros Ve! bandniagazinc, Tag- und Nachträume tick Bereitschaftsdien- Bibliothek und auch das Dach des ein Kursus abgelebten wurde. M a 11 f r cd Gei s, Tel Awiw des Magen Te'gartwall Englische Offiziere in Palästina. In dir ״Times״ vom 1-1. September wurde berichtet, dal! engl stdie 1 )ffi/icre tiir Tapferkeit in Palästina ausgezeichnet worden sind. Es sind dies 11. a. WingaSe (Roval Artiilcry). der den ..Dislmgiü-hed Service Order" erhielt, und 2nd Lieutenant B r e 11 1 11. M. (-• (Royal Ulster Rifles), der die Auszeichnung ״Bar to the Military Cross“ erhiell. Captain Wingate hat wahrend der letzten drei Monate eine ays englischen Soldaten und 111dischen (ihaffiriin z11sa1mncnge.su llti׳ Spezial,ibteilung trainiert und angeführt, deren Aufgabe' Naehtrnzz eil gegen arabisehe Terroristen ist. Sowohl er als auch Lieutenant Hmlin taten sich dabei wiederholt durch besondere Tapferkeit hervor, und beide wurden bei einem schweren Gefecht bei I)abbnrijeh in der Nacht des 10. Juli verwundet. Sie blieben jedoch trotz Blutverlust bei der Truppe und liihrtcii sie sicher in die nächste jüdische Siediung zuruck. Lim■ Bekannte seiner Familie erzählt hierzu folgendes: Die Familie gehört zu den ״Plymouth Brethren", einer englisch-christlichen Sekte, die unter anderem daran glaubt, daß die Juden nach Palästina zurückkehren werden (vgl. Ilerzls Ercuml und .Mitarbeiter Rev. Hechler). Wmgate selbst interessierte sich nicht für die Sekte; er schlug die .Milita! laufbahn ein und wurde schließlich vor drei Jahren nach Palästina versetzt. Bei seiner Ankunft sprach er bereits fließend arabisch, wußte aber nichts vom jüdischen Aufhauwerk. Als er damit in Kontakt kam, wurde er ein großer Freund der zionistischen Bestrebungen und lernte sogar Hebrä sch. Die Erinnerung an den Glauben der ״Plymouth Brcthrcu" mag daoei mitgespielt haben. Seine Freundschaft nahm rasch praktische Eormen an: er betätigte sich aktiv heim Training der jüdischen ühaffirini von Chanita und setzte sich innerhalb des englischen Heeres für die Juden ein, von deren soldatischen Eigenschaften er viel hält. A 11 a r o 11 Ellern Historische Dokumente. l)r. Samuel de Wolff (Universität Amsterdam) schenkte kürzlich der Autographcn- und Porträt-Abteilung der Jüdischen National- und Duiv,ersitäts- Bibliothek Jerusalem, die vor allen Dingen die berühmte Sammlung Dr. Ahraham S c 11 w a d r 0 n enthält, fünf Originalbriefc aus dem Jahre 1892 von Moses H e IS, dem Verfasser von ״Rom und Jerusalem״. Der Inhalt der Briefe bezieht sich auf dieses Buch und ebenso auf Gcldsammlimgcn fiir den damaligen Jischuw in Palästina. Dr. Josef M o 11 i I e w e r, Jerusalem, übergab der gleichen Sammlung eine Reihe von Briefen aus d«m Nachlaß seines berühmten Großvaters, des Gründers und Führers der ersten Chowewe Zion-Ge- Seilschaft in Warschau, Rabbi Samuel M o h i I e w e r. Mohilewer stand, besonders zur Zeit der Gründung der Kolonie Ckron, in enger Verbindung mit dem Baron Edmoucl de Rothschild und dem damaligen Oroßrabbiner von Frankreich, Zadock Kahn. (Schluß des Palästinateils)

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