Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 76-77 (23.9.1938)
- Date
- 1938-09-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU RÖSCH R ISCHANA-BEILAOE Nr. 76/77, 23. SEPT. 1938 Geschichte und Sittlichkeit Die ZVfD. zu Rösch Hasdiana Den Zionisten in Deutschland und denen, die In die Länder der Welt gegangen sind, entbieten wir unsere Wünsche zu Roseh Hasdiana 5699. Das Jahr, an dessen Ende wir stehen, war reich an gewaltigen neuen Erschütterungen in der Gola, und es war ein Jahr fortgesetzten schweren Kampfes in Erez Jisracl. Im neuen Jahr wird das jüdische Volk in immer größer werdenden Bezirken der Diaspora in einem sieh ständig verengernden Lebensraume stehen. Die großartige Neusdiöpl'ung in Palästina, unerschüttert in ihren Grundlagen und auch in den Jahren der Not sieh weiter verwurzelnd, verteidigt sieh heldenmütig gegen den Angriff auf ihre nationale Existenz. Alle unsere Kräfte galten in diesen letzten schweren Jahren den immer schwieriger werdenden Gemeinschaftsauf gaben der sich auflösenden Judenheit in Deutschland. Sie galten der Erziehung dieser Judenheit zu einem neuen Yolksbewußtscin, sie galten der Stärkung und Stützung des Werkes in Erez Jisracl, mit dem wir unlöslich verbunden sind. In das neue Jahr gehen wir mit dem festen Entschluß hinein, auch weiterhin im Geiste des Aionisin ... mit allen Kräften für die Neuordnung jüdischen Daseins in der Welt und für die Fortführung und Stärkung des großen V olkswerkes in Erez Jisracl zu wirken. Von den Zionisten erwarten wir weiter stärksten Einsatz und aufrechte Haltung. Der große Erneucrungsgcdankc des Zionismus wird uns auch in den schweren Zeiten, die unser V olk und jeder Einzelne in ihm zu bestehen haben. Krall und Zuversieht geben. Zionistische Vereinigung für Deutschland Benno Cohn II a n s F r 1 c d e n t h a! Von Oskar Wolf sh erg (Jerusalem) Was einst journalistische Uebung und Brauch war: an der Jahreswende Rückschau und Ausblick 711 halten, die Vergangenheit des zu Ende gehenden Jahres zu werten und für das kommende eine Prognose zu stellen, ist heute zu einer lebensnotwendigen Funktion geworden, früher hegte!- teteii wir sozusagen den Lauf der Dinge mit einem Kommentar, der mehr unserem Bedürfnis zu deuten entsprang als unserer Ueberzeugung, daß eben von unserer Art zu kommentieren, künftiges Schicksal abhängig sei. Heute setzt sich gerade diese Erkenntnis durch, daß unsere Wertung ein Wcrdebestimmer ist. Diese Einsicht kann nur aus der Schwere unseres Erlebens geboren sein. Aber bei allem Bedrückenden, das sie bringt, appelliert sie vernehmlich an unser bestes Ich. Wir sind aufgeriifen, grölte Verantwortung zu übernehmen, zu begreifen, daß in den Zeiten ernstester Entscheidungen und folgenschwerster Umwälzungen unser individueller und kollektiver — Anteil bedeutsam ist. Diese Erkenntnis ist nicht selbstverständlich und ist zeitgeboren. Nur aus dem Eindringen in die besondere Gesetzmäßigkeit der Zeitgeschickte, die in ganz, besonderem Maße Geschichte ist, ergibt sich gebieterisch diese Auffassung. Was aber wird heute besonders von uns gefordert, an der Schwelle des Jahres 5WW, gefordert vom Gesetz, der Geschichte seihst und ihrem Gesetzgeber? Ich vermesse mich nicht, das zu erschöpfen. Aber ich will doch versuchen, es zu sagen. Ein Volk unserer Geschichte, unserer Opfer und Sendüng kann nicht im Wert-losen verharren, kann nicht schlicht historisch denken, sondern muß Ereignisse mit Werten verknüpfen. Die Erfahrungen der letzten Jahre erscheinen uns als Prüfung. Es ist der Geschichte eigentümlich, daß sie ihre Lehren eindringlich ausspriclit. Der Irrtum der Assimilation erweist sich so als ein Unrecht, eine Sünde, und wie eine Strafe tritt uns das Dementi entgegen. Aber wir finden doch so zu unserer Bestimmung zurück zu Volk, Heimat. Eigenart und dem Verhältnis des Juden zu der Ewigkeit. Aber unsere Wandlung und Rückkehr ist kein idyllisches Geschehen. Selbst der Heimweg ist voll Gefahren. Und die Wertung dieser Konflikte, wie sie insbesondere in Erez Jisracl in den letzlcn 2' ■< Jahren manifest geworden sind, hängt aufs engste mit unserer Orientierung auf die Zuk 11 11 i t hin zusammen. Werte — so sagten wir müssen uns erfüllen und den Weg bezeichnen, Bei dem großen Netibruch und Umbruch, der sich vollzieht, kann das keine Fortsetzung gewohnten Sehreitens sein. Eine Erneuerung der Werte ist notwendig, f ler jischmv verstand vom Beginn der Unruhen an, daß er in charakteristischer Weise auf alle Feindseligkeiten zu reagieren habe. Er tat es, indem er nur Verteidigung als sittlich zulässig ansah und fand dafür nachher einen Beriff: Hawlaga. Das ist — ungeachtet mancher Verstoße — unsere Linie geblieben. Was anfangs als Episode erscheinen mochte, ist nunmehr ein langdauernder Prozeß geworden. 2m Jahr leben wir in diesem ruhelosen Zustand. Ein zweiter Wert — scheinbar ebenso passives Heldentum, Warten, Selbstzucht und ־Zügelung — mußte sich hinzugesellen: Ssawlanuth (Getluld). Wer den Vorgang versteht, weiß, daß er nicht zu den schnell abklingenclen Ereignissen gehört. Das ist schmerzlieh, und das Wissen 11m diese Tatsächlichkeit bedeutet nicht, daß wir sie billigen und alle Unterlassungssünden der verantvvortlichen Regierungsstellen gutheißen. Es soll nur zum Ausdruck gebracht werden, daß wir die nervöse Unruhe mancher Menschen und ihr mangelndes Verständnis für das Vulkanische unserer Gegenwart nicht als adäquate Haltung erachten. Hawlaga und Sawlanuth wird von den Gegnern einer solchen Altitude als Entschlußlosigkeit und fehlender Mut verurteilt. Das ist eine Verkennung. Schon die Prägung dieser Begriffe deutet darauf hin, daß etwas Neuartiges, Positives sich hier verwirklicht. In der Diskussion über den Begriff Hawlaga machte Rabbi A in i e I geltend, daß er für uns Juden überflüssig sei: das Verbot des Mordetis im Dekalog iegt unsere Auffassung fest, und die mündliche Lehre hat diese Lehre noch außerordentlich verfeinert, hat selbst die Kompetenz des Gerichts außerordentlich beschränkt. Das ist durchaus richtig. Aber R. Amiel verkennt, daß das Wort des Dekalogs, das die Norm festlegt, nicht selten von Rckennern dieses Gesetz verletzt worden ist. Ich bin der letzte, der die wurzelhafte Bedeutung des klassischen Verbots der zwei Tafeln herabsetzen oder die Rolle der mündlichen Lehre in der Verfeinerung der gesetzlichen Bestimmungen geringschätzen wollte. Aber ungeachtet dieser Einstellung ist es mir klar, daß eine solche Norm in jeder konkreten geschichtlichcn Situation einer Parole bedarf, einer Vcrdcut- Hebung, die ihre Geltung für diese besondere Wirkliehkeit klarmacht und überzeugend gestaltet. Diese Funktion hat insbesondere das Postulat H a w 1 a g a erfüllt, und cs ist deshalb unverständlich, daß Menschen, die die biblische Norm vertreten und die lialachischcn Bestimmungen anerkennen, den ungeheueren Wert der zeitgenössischen Parole in Frage stellen, die geradezu der Ausdruck ■jener alten Bcstimmungen ist. Es bedarf keines Nachweises, wieviel echtes, schlichtes Heldentum der Hawlaga imiewohnt. Sie ist eben nicht nur Zeichen sittlicher Haltung. Und so ist auch Geduld keine simple bürgerliche, philiströse Tugend, sondern Selbstbewußtsein und Kraftgcfiihl. Wir sind an den entscheidenden Punkt unserer Darlcgungen gelangt. Es erweist sich, daß der sittliche Weg, der uns gewiesen ist, zugleich der einzig gangbare für uns ist. Er schließt das wahre Heldentum ein, das einzige, das sinnvoll ist, er erweist sich auch als der vernünftige gegenüber manchen anderen, die zur Katastrophe führen würden. Vielleicht manifestiert sich hier ein charakleristischer Zug der jüdischen Geschichte; was einst, in ferner Zukunft allgemein erkannt und als umfassendes Gesetz rezipiert werden wird, wird uns schon jetzt verdeutlicht. Vielleicht bedeutet diese Erkenntnis, die nicht in bloßer Theorie stecken bleibt, sondern ins Leben dringt, es erfüllt und ihm die Richtung gibt, einen Gewinn von so hohem Wert, daß manches Opfer und die große Not unserer Tage sich dadurch ein wenig rechtfertigen. Wir müssen empfänglich sein für geschichtliche Lehren; nicht die Ereignisse sind das Letzte, Fundamentale, sondern die Ideen, die sich in ihnen allssprechen. So darf uns Leid und Schmerz, nicht entmannen. An der Schwelle des neuen Jahres sollen wir uns der Punktfürmigkeit und der Relativität geschichtlicher Augenblicke — soweit sie nur gesehen sind — bewußt werden und uns von der Kraft des Paradoxons durchdringen lassen, die in düsteren Stunden unserer Nationalgeschickte einen Rabbi Akiba erfüllte. Ihm war das Unglück nur Bestätigung einer frühen Prophetie. Um wieviel mehr aber muß die noch 11 i c 11 t v e r w i r k I i e h t e Verheiß 11 11 (g des Grollen, des echten Glücks eines Tages manifest werden! So diente dem Rabbi Akiba das Eintreffen der düsteren Prophetie des Unterganges von Staat und Heiligtum nur als - fast willkommenes Präludium und als Garantie der kommenden Erlösung. Damm lachte er, als seine Gefährten im Angcsich'c des veröl 'en Tempelberges weinten. Und sie erkannten seine Deutung an und fühlten sich durch ihn getröstet. Uns kann der gleiche Trost erfüllen. Er wird uns zuteil worden und uns der Zukunft - für die das neue Jahr naher Ausdruck ist -- teilhaftig werden lassen, wenn uns die gleiche Kraft des Glaubens erfüllt wie unsere Großen einst. Der Glaube an die Dauer unserer Nation (furch alle geschiehtliehen Epochen hindurch aber ist eng verknüpft mit dem Ethos, das aus unserer religiösen Duelle fließt und sich in unseren Tagen im Dasein und Wirken unserer wahren Helden hoffnungsvoll erneuert. Wir stehen, wie am ersten Roseh Haschana, vor einer erstehenden Welt! Vieles versinkt, aber es ist nicht die Stunde des Weltuntergangs, sondern ihrer Erneuerung, ihrer schme7־voi'en Wiedergeburt! IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIM Wir aber sind wie die Spreu Von Manfred Sturmann Wie ein trauriges Lied Verhallte das Jahr. Eh* wir es ahnten, War cs dahin über die Dämmernden Hügel Unsrer Verlassenheit. Selig der Berg! Seine Wurzel Ruht an dem Herzen der Erde, Und die Jahre ziehen hinweg lieber ihn wie leichtes Gewölk. Wir aber sind wie die Spreu, Unter den Launen des Windes Hierhin und dorthin geraten. Unser Schicksal ist dunkel Und schwankt wie das Rohr Im Anhauch der Wetter.!llllllllll!l!lllllllllllllllllllllllllilllllllll!il!lllllllllllll!ll!ll!IIM Die Wirklichkeit der Religion Von Schalo m B c n - (I h o r i n (Jeni-alem) U'/r veröffentlichten in Sr. 64 vom 12.S.3S eine 1leihe von Beiträgen zum jüdisch■!■ eligiösen Problem. Als F.rgiinznng bringen!vir heute eine Schlußhemerkung von Schalom Bcn-Chorin, dessen Aufsatz in unserer diesjährigen Peßach- Stimmer mit den Anlaß zur Diskussion gegehrt! halle. (Red.) Nichts kann (len Ernst und die Schwere der gegenwiirtigcn jüdisch-religiösen Situation in Palästina und in der Diaspora deutlicher machen als eine Diskussion von der Art, wie sie an dieser Stelle geführt wurde. Die ganze Fraglichkeit unserer Situation tat sich hier wieder auf, und jedem unvoreingenommenen Leser konnte an diesem Beispiel eines jüdischen Religionsgcsprachs klar werden, daß längst nicht mehr nach dem ״Wie“, sondern letzten Endes nach dem ״Ob" gefragt wird. Nicht: Wie kann Religion gelebt und verwirklicht werden? fragen viele unter uns (und dies allein wäre eine fruchtbare Frage), sondern es ist dahin gekommen, daß gefragt werden muß: Kann Religion für uns heute Wirklichkeit werden? Und diese F rage ist nichts anderes als eine vorsichtige Verklausulierung der eiementaren Frage: Wo ist Gott? Diese Frage aber ist schon die Frage des kh'alls (eitles Abfalls, der schicksalhaft ist und nicht die Schul''f״ng•' aufkommen läßt) — auf die es keine Antwort vom b-nsclten her gehen kann. Und darin liegt die tiefe Tragik dieser Frage. Allein der Mensch, der weiß, daß über ihn bereits verfugt ist und daII et geiragt ist. noch che er zu fragen vermag, ist der Antwort gewürdigt. Er selbst gibt sie •- mit seinem Leben. Dieser Mensch fragt nicht: Wo ist Gott?, sondern weiß, daß Gott ihn fragt: ״Wo bNt du?“ (Gen. 3. d) und, daß es ihm aufgegeben ist, so zu leben, daß ihn die Frage nicht m das Versteck der eigenen Angst treibt, soinlem dali er allezeit sagen kann: ״Hier bin ich“ (Gen. 22, 1). 1). 11. in die Sprache unserer Problematik übersetzt, er fragt nicht: Kann Religion für mich in meinem!.eben Wirklichkeit werden? — Sie ist es ja schon geworden dadurch, daß der Mensch sich gefragt weiß; die Frage kamt für ihn nur lauten: W i e kann ich je und je das Wort Gottes erkennen und verwirklichen?, und seine Antwort auf diese Frage ist —■ Gebet: ״Lehce mich deine Rechte und unterweise mich!וזו Weg deiner Befehle“ (P.s, 110, 2b -27). Und allein auf diese Frage nach der letzten erkennbaren Wahrheit gibt es eine Antwort. Sie kann gewonnen werden durch Neu- Konfrontation mit dem Offenbarungszeugnis der Schrift, Aus seiner eigenen, heutigen Bewußtseinslage soll sich der Jude in gläubigem Gehorsam dem Worte stellen und bestrebt sein, ein Leben in der Nachahmung Gottes zu führen. Ben-Gav riet warf mir vor, daß ״Nachahmung Gottes“ ״nichts oder bestenfalls etwas Unmögliches, Unvorstellbares atissagt“. Dieser Vorwurf ist halb verfehlt und halb beredttigt. In der Nachahmung (iottes lebe״, sagt durchaus etwas aus, etwas unerhört l'itiselie iilcndes sogar, ja es beinhaltet den kategorischen Imper.viv Israels: ״Ihr sollt heilig sein, denn ich hin heilig. der Herr, euer (iott“ (Lev.!<), 2). Aber dennoch hat Bcn-t iavriei n:c 11t um echt, wenn er sagt, daß dies ״etwas Unmögliches, t'nvo s cUbarc-" ist.!)er Anspruch Gottes, ihm gleich zu werden, ist cm Anspruch jenseits der gegebenen oder als gegeben vorstellbare!t Möglichkeit. Freilieh übersteigt dieser Anspruch alles menschliche Malt — aber es ist eben kein mensrh licher Anspruch . und allein durch den Beistand der Gnade vermag der Mensch ihm zu genügen. Immer ist tlet Anspruch Gottes, wenn er sich auf das Verhältnis des ,Menschen zu (iott bezieht ״etwas Unmögliches, l )!)vorstellbares", weil Gott seihst, trotz seiner Offenbarung, der Ewig-Unvorstellbare bleibt. In jeder Generation muß also der Versuch, (las U11mögliche (vermöge der Gnade) möglich zu niäelien, neu gewagt werden, Ben-Gavriel meint zwar, daß ״eine /wischen den Generationen .stehende Generation’‘ dazu nicht befähigt sei; allein welche Generation wlirf keine ״(jeneratiou zwischen den Generationen“ und konnte' daher nicht aus dieser ihrer Zwischenstellung das scheinbare Recht zu einer Suspcndiertrng des Entschcidmigsnnspiiichs ablciten? ״Es gibt keine literarischen Aufrufe vom Schreibtisch her und keine noch so fein ziselierten Vortrage, denn beide kommen nicht aus dem gelebten leben und munden nicht in das sich immer *neu sich au fbatiemie Leben“, entgegnet Ren- Gavriel mir, und behält erfahrungsgeniäfl damit Unrecht. Nichts bedarf so sehr des s t ä 11 d i ge 11 Aufrufs als jene weittragende religiöse Fntschcidimg. vor die der Jude sich immer wieder gestellt sieht. Denn jeder Generation in Israel ist gesagt: ״Siehe, ich habe dir heute vorgclcgt das Leben tmd das Oute, den Tod und das Böse" (l)cut, 30, 15) und jeder Generation muß am Tage solch er Walt' gesagt werden: Wähle das Leben! Aber jede Zeit hat ihre eigene Sprache. Die Sprache, dieetwa den westlichen jüdischen Intellektuellen dieser Tage erreicht, ist die des ״fein ziselierten Vortrags“ (der trotz all seiner ״Peinheil“ natürlich aus der wirklichen Position des Sprechenden kommen muß) und die der ״literarischen Aufrufe vom Schreibtisch her" — denn das Zeitalter der prophetischen I lammenrede uml Gleichnistat ist unwiderruflich dahin. Ben-Gavriel meinte mit den ״fein ziselierten Vorträge״‘‘ primär (wenngleich nicht nur diese) die in der ״Jüdisch-theologischen Gesprächsrunde“ in lerusalem gehaltenen. In diesem Kreise suchender, vorwiegend junger Juden bemüht man sich tatsächlich in thcorctiselten Erörterungen um Gewinnung einer religiösen Position jenseits von Orthodoxie uml Liberalismus. .Aber es ist nicht wahr, daß diese Erörterungen nicht aus dem ״gelebten Leben“ kommen und ins Lehen führen. Im Gegenteil: die Problematik unseres eigenen Lehens zwing! uns, es immer wieder am ewigen Maßstab des geoffenbarien göttlichen Willens zu messen und zu versuchen, unser Weltbild nach diesem Willen 7-11 formen. Man überschätze das .,gelebte Leben“ nicht —■ auch wenn es sich auf dem heiligen Boden Erez Jisracls vollzieht. Das ״gelebte Leben" ist nicht immer jenes ״Leben", von dein der angeführte Erttscliejdungsauinit des Deuteronomium spricht. Vielmehr ist cs die praktische Aufabe aller theologischen Arbeit im Judentum, das ״gelebte eben“ erst zu dem Leben rtt machen, von dem die Schrift