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Jüdische Rundschau · 1938-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1938) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1938)
Date
1938-09-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 76f77, 23. IX. 1938 wünschen, weil wir zuinnerst wissen, daß die Verbindung des Judentums mit Erez Jisrael aus Kanälen gespeist wird, die tiefer in 11ns liegen und unzerstörbar sind als die Adern unseres Körpers. Wir sehnen uns besonders in diesen Tagen der Besinnung nach Frieden in Erez Jisrael, nicht nur deshalb, weil wir keine unnötigen Opfer wollen, sondern — und in erster Linie — aus Achtung vor der Kreatur; auch im Moment des Kampfes erblicken wir im Menschen, auf welcher Seite er stehen mag, das Geschöpf Gottes und ehren sein Werk. Gerade «1 dieser Zeit, in der es nicht leicht ist, in der Welt als Jude zu leben, in der auch auf dem Boden Erez Jisracls ein Teil des Kampfes 11m Zukunft und Existenz, des jüdischen Volkes ausgefochten wird, gilt cs, das G c s e t z u nseres Wesens, das in uns liegt, zu wahren. Das ist gewiß manchmal schwer, aber gerade dann zeigt sich ja die Fähigkeit zu jener Wahl zwischen Gut und Böse, die dem jüdischen Volke zu Anbeginn seiner Geschichte aufgegeben wurde. Wir können verlieren, was wir an äußeren Gütern besitzen, — aber eines ist unser unverlierbares Eigentum, wenn wir es nicht freiwillig aufgeben: Das sind die sittlichen Vorstellungen, die das jüdische Volk durch die Jahrtausende geführt haben und die es, so sehr es auch zu Zeiten vom Wege abzuirren drohte, doch beibehielt. Das ist der Antrieb unseres Willens zum (inten, /um Leben, der uns nicht den Kräften der Zeit aus!ieterf, sondern uns zeitlos leben läßt und uns auch dort, wo wir neue Formen unseres nationalen Daseins schaffen, diese in den Elementen unserer (ieschichte verankern hißt. Leber alle Not des Tages und über die Sorgen des F.in/elnen hinweg gilt cs, dies in unserem Bewußtsein zu stärken, weil nur so unsere nationale Erneuerung ihren menschlichen Inhalt sichern kann, der gerade dann not tut, wenn die Begriffe schwanken und Unsicherheit über unseren Weg herrscht. Dies wird das Fimdament unseres Volkslebens und — wenn es dazu kommen sollte — auch unseres staatlichen Daseins sein, das uns befähigt, nach innen Gehorsam und Einordnung zu verlangen, nach außen aber die Kraft zu besitzen, um unser Werk zu verteidigen, Gerade wenn wir glauben, daß wir einer Zeit schwerer Entscheidungen entgegengehen, die für den neuen Kern des Volkes, der sich in Palästina bildet, zukunftshestimmend sind, braueher! wir mehr denn je dieses innere Kristallisations- Zentrum, tim das sicFi alle Kräfte des nationalen Körpers gruppieren können. Fleute gilt es, einig im Willen und brüderlich in der Verantwortung zusammenzustehen, um die Probleme dieser Zeit zu meistern und allen Widerständen zum Trotz die nationale Zukunft der Juden zu gewährleisten. Sie ist ein Werk des Friedens, und nichts erhoffen wir daher von dem kommenden Jahr für Erez Jisrael sehnlicher als die Wiederherstellung des Friedens, die Möglichkeit zu ungestörter, schaffender Arbeit für unsere Jugend, deren Kampf um Sicherheit des Lebens und für das Werk ihrer Hände wir täglich mit innerster Anteilnahme verfolgen. * In einer Zeit der Ungewißheit bauen wir an dem Haus unserer Zukunft, jeder zu seinem Teil, mancher vielleicht, ohne sich dessen bewußt zu werden. Mögen die Tage des Jahresbeginnes ein Anlaß sein, der in jedem von uns den Willen stärkt, mehr zu sein als ein Träger der 1 agessorgen, nämlich ein echtes Glied in der langen Kette unserer Geschichte und zugleich ein Baustein für jenes Judentum, das mehr bedeutet als die physische Existenz eines kleinen Volkes, weil in ihm das Gesetz lebt und n ach V e r \v i r k 1 i c h u 11 g drängt,- das ihm zu Beginn seines Weges in die Weltgeschichte gegeben wurde. K. L. Palästina - Bildbericht Der heutigen Ausgabe der ״jüdischen Rundschau“ liegt eine Palästina-Bildbeilage bei, die über die Fortschritte des Aufbaus im abgelaufenen Jahr berichtet. Bei der Zusammen- Stellung des erforderlichen Materials wurden wir von den Herren Dr. Ernst Mechner und Otte Wal lisch in Tel Awiw, die unseren Lesern als Verfasser wichtiger 710nistisch-propagandistischer Arbeiten seit vielen Jahren bekannt sind, unterstützt. Wir glauben, daß unsere Leser die Beigabe dieses sehr instruktiven Bildberichtes besonders begrüßen werden. Als Mediziner in England Bristol, im September 1038 Im Juli 1033 kam ich nach England. Ich war damals Medizinstudent und stand im 7, Semester. Unter großen Schwierigkeiten und unter Inanspruchnahme von allen mögliehen und unmöglichen ״Beziehungen“ ersten, zweiten und dritten Grades gelang es mir und noch drei weiteren Medizinstudenten, an der Universität in Bristol unterzukommen. Für diese vier Plätze gab es etwa 60—70 Bewerber. Seitdem ist dann alles ohne weitere Reibung■ und Zwischenfälle abgelaufen. Bristol und St. Andrews waren die einzigen Universitäten, an denen das in Deutschland bestandene Physikum anerkannt wurde, so daß wir hier gleich mit den klinischen Studien anfangen konnten, ohne Examina nachmachen zu müssen oder Zeit zu verlieren. Nach der nor¬ B. HEITMANN PIANOS | RAD I O ■ (rllnWtl, KurfllriUniUmmtOS / Ruf: •13Tts malen Zeit von drei Jahren haben wir dann alle das Final Examen bestanden und an den der Universität angeschlosscneri Hospitälern Stellen gefunden. Das Home Office erteilte dafür ohne weitere Schwierigkeiten seine Genehmigung. Nach einigen Wechseln an den verschiedenen Stationen, wie das hier üblich ist, haben wir die Hospitäler verlassen. Flier, wie in ganz England nimmt man derartige Stellen nur für sechs Monate an, und nach drei bis vier solcher Stellen macht man Platz für den Nachwuchs, ich habe zur Zeit eine Stelle als Research Fellow im Rahmen der British Empire Cancer Campaign (Krebsforschung). Die anderen ehema'igcn Mitstudenten sind in Privatpraxis Imv. als Arzt in einem Erholungskrankenhaus tätig. Wirtschaftlich können wir uns alle über Wasser halten, was heute ja recht viel heißen will. Es wird wohl interessieren, welche weiteren Auswanderer hier in Bristol leben. Es sind hier: ein Zahnarzt mit deirtschem Diplom, der auch die Erlaubnis zur Niederlassung hat, verschiedene Forschungsarbeiter am physikalischen lnstitut der Universität, einige Fabrikanten und eine Anzahl junger Mädchen, die ״au pair“ in Familien sind, lies: bessere Dienstmädchenstellen entnehmen. Alles in allem etwa 25 Personen. Einige Bemerkungen über Bristol: Trotz 400 000 Einwohnern und Bedeutung als Haupthandelsstadt des Westens ist Bristol eine Provinzstadt. Sehr schön gelegen, mit wunderbarer Umgebung, zeigt es, wie viele englische Städte, starke Kontraste zwischen Reich und Arm. Die Sonntage sind tot, kein Kino, Theater, ja kaum ein Restaurant ist offen, und bis vor kurzem gab es nicht einmal Verkehrsmittel vor 15 Uhr. In jeder Hinsicht versuchte man, uns freundlich aufzunehmen und uns zu helfen, soweit das möglieh war. Jeder weitere Versuch zur Unterbringung neuer Emigranten stößt aber auf starken Widerstand der Berufskreise, die sieh davon betroffen fühlen. Einzelne Leute werden immer noch Unterkommen können, und jeder Fall wird von den zuständigen Stellen einzeln geprüft werden, aber eine Masseneinwanderttng wird nie zugelassen. Nun einige Worte über die Juden in Bristol. Es sind hier etwa 100 Familien ansässig, ca. 600 Seelen,, die alle Stufen des Wohlstandes ”vertreten. Eine Synagoge.ist orthodox. Die Beteiligung am Gottesdienst ist sehr gering. Selbst am Schabbath morgen sind seiten mehr als 25 Männer vorhanden. Ich muß sagen, daß die Juden aus Deutschland leider mit schlechtem Beispiel vorangehen, was Beteiligung am Gottesdienst angeht. Ucber die Zukunft der Einwanderer in England brauchen die wenigen Glücklichen, die hercingekommen sind, sich wohl keine Sorgen zu machen. Sie müssen nur versuchen, sich in das englische Lehen einzufügen. Die Bildung von ״Kolonien“ wie West Hampstead in■ London muß zu Reaktionen führen, die der Gesamtheit der Eimvanderer schaden. In der Provinz, ist die Einordnung leichter, und es wäre zu begrüßen, wenn die Einwanderer sich weiter dezentralisierten. Die zionistische Aktivität hier beschränkt sich auf das Leeren der KKL-Biirhsen, und auch das wird nicht regelmäßig getan. Zu meiner Studentenzeit waren die Ergebnisse recht befriedigend, aber mit der unregelmäßigen Leerung läßt natürlich auch der Inhalt der Büchsen nach. Wir versuchten seiner Zeit durch Veranstaltungen wie Singkreis, Bazars, Filmvorführungen mehr Interesse und Anteilnahme zu erwecken, doch schlug das leider fehl. B. I ss e r 1 i n Teilung:» debatte im Völkerbund In der Vöikerbundversam 1u I u n g sprach der Verfreier des Irak, Außenminister T e w f i k el Sttwaidi, in der Generaldebatte zur Frage der Teilung Palästinas. Er betonte, daß die irakische Regierung und Bevölkerung von den Unruhen in Palästina schwer betroffen seien. Irak sei an der arabischen Einigkeit interessiert und betrachte die Frage des Friedens im östlichen Teil des Mittelmeeres als eine Angelegenheit von erstrangiger Bedeutung. Die Ereignisse in Palästina hätten schwere Befürchtungen im Irak erzeugt, und die Regierung und das Volk des Irak erwarten, daß die Teilung nicht als Lösung für die Palästinafrage angewandt werden w ü r d e. Weiterhin erklärte der Minister, daß er hoffe, daß die Britische Regierung die Opposition der arabischen Welt gegen die Teilung berücksichtigen werde, und, daß die neue Palästinakonimission zu AUSWANDERUNGS-VORSCHRIFTEN für Juden in Deutschland von Dr. Heinz Cohn u« Dr. Erich Gottfeld 112 Seiten RM. 2.50 Zu bazlehsn durch die jüditchen Buchhandlunaen und Joseph Jastrow! Jiid. Buchverlag, Berlin W15 den! Ergebnis komme, daß die Teilung weder durchführ bar noch praktisch sei; sie werde — so hoffe er — eine Lösung Vorschlägen, die die Rechte der Araber wahre. Ferner sprach in der Völkerbnndversaminlung 11er Vertreter des Iran im Namen seiner Regierung die Hoffnung aus, daß eine Lösung des Palästinaproblems gefunden werde, die gerecht und durchführbar sei. Die sechste (Politische) K 0 m in i s s i o n der Völkerbtindsversammlting erörterte am 20. September den Berieht der Permanenten Mandatskommission, der vom Rat des Völkerbundes gebilligt worden ist. Der Parlamentarische Unter- Staatssekretär des Britischen Auswärtigen Amtes, Mr. Butler, vertrat die Mandatsregierung. Die Debatte behandelte hauptsächlich die Frage der T cifung, wozu wiederum der Außenminister des Irak ablehnend Stellung nahm. Er schlug an Stelle der Teilung die Schaffung eines souveränen Staates in Palästina vor, der in seinem Innern ausgedehnte lokale und religiöse Autonomie gewähren sollte. — Der französische (Delegierte Paul Boncour betonte, daß angesichts der Entwicklung der Judenfrage in der Welt eine Befriedung in Palästina besonders erwünscht sei. Er widersprach der Behauptung des irakischen Außenministers, wonach das 1922 angenommene Mandat heute nicht mehr zeitgemäß sei. Aus der übrigen Debatte, an der sich die Vertreter von Dänemark, Albanien, Haiti und Rmnänien beteiligten, isf die Rede des rumänischem Delegierten erwähnenswert, der das starke Interesse seiner Regierung an einer möglichst weitgehenden Erleichterung jüdischer Einwanderung nach Palästina unterstrich. Unter- Staatssekretär Butler wiederholte seine Erklärung, daß die britische Regierung nach wie vor für die Teilung eintrete und unmittelbar nach Veröffentlichung des Woodhead- Berichtes eine Entscheidung treffen werde. Als Berichterstatter für die Vollversammlung wurde der dänische Delegierte Holgar Andersen bestimmt. Einwanderer in Belgien Von unserem Berichterstatter ־ Brüssel, 17.9.38 Der Zustrom illegaler Einwanderer hat die b e 1 g i s c h e Regierung zu einer Erklärung veranlaßt, in der cs heißt: ״Angdsichts der politischen und wirtschaftlichen Lage haben sich die belgischen Behörden gezwungen gesehen, sofortige Maßnahmen zu treffen, um eine Einwanderung größeren Umfangs zu verhindern. Seit dem 15.3.38 sind die belgischen Konsulate angewiesen worden, nur mit äußerster Vorsicht Visa an Personen zu erteilen, die sich nicht im Besitz ordnungsmäßiger Ausweise befinden." Es hat sich heraiisgestcllt, daß die Emigranten eine ganz bestimmte Richtung cinschlagen, um über die belgische Grenze zu gelangen. Um dieser Lage ein Ende zu machet:, sind ganz erhebliche Verstärkungen an Gendarmerie an die Grenze entsandt worden. Im Lande selbst werden Recherchen allgestellt, um die illegalen Einwanderer ausfindig zu machen. Diejenigen, die sich vor dem 27. August 1938 an das jüdische Hilfskomitee gewandt haben, erhalten ein provisorisches Aufenthaltsrecht, um den verschiedenen Komitees die Möglichkeit m geben, die Weiterwanderung vorzubereiten. Wer nach diesem Termin in Belgien eingetroffen ist oder sich an die Komitees gewandt hat, wird über die Grenze zurückgeführt, über die er hineingekommen ist. P. R. Aus der Wirtschaft Folgende Firmen gingen in arischen Besitz über: Kahn ft Oppenheimer, Baumwolhvaren-Großausriistung i!1 Frankfort a. M. — Gummi-Weil, GmbH,, Gummi- und Krankenpflegeartikel in Frankfurt a. M. — ,,Jottgla Krawattenfabrik AG“, Berlin C 2, — Fa. M. Rosenbamn, Schneidemühl. — Damenkleidcr- und Pclzhaus Oskar Bacharach in Frankfurt a. M. — Korsettfabrik Gutmann Söhne in Stuttgart. — Bindfadengroßhandlung Eduard Sisitrn Nachf. in tdannover und Essen. — Gebr, Strauß Gesellschaft für tierische Rohprodukte mbH. in Frankfurt a. M. — G. Fetzner GmbH., Hautleimwerke in Ladenburg (Bergstraße). — Ver. Möbelfabriken Gebr. Marbürg, Fulda. — Julius Flanter, Küchengeräte, Stolp i. P. — Tuchfabrik Neuvverk W. E, Schlapp (3 Co., Aachen. — Tuch- Fabrik Petrieh ft Horten in Aachen. — Magazin Fortuna (Inhaber Richard Lewyj, Berlin, Wilmersdorfer Straße 134. — Schuhhaiis Bodenheirner in Lörrach. ׳— Schönigsehe Schuhgeschält in Zittau. — Mechanische Herrenkleiderfabrik M. Mosberg in Bielefeld. — Julie Kugclniann, Damenmoden, Lcipzig. — Spcz.ialhaus für Herrenbekleidung Fischet & Co., Leipzig. — Tuchfabrik Meyerfeld ft Herz in Aachen. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert W e 11 s c h. Berlin-Charl. 0 (auch verantwortlich fiir die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein. Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anz.cigen: Erich L i e p m a n n, Berlin \V 15. Gültig Anzeigen-Preidisle S vom 1. April 1936. Verlag und AnzeigenverwaUung: Jüdische Rundschau. Berlin \V 15, Meinekestr. 10. D.A. 11/1938: 26045. — Druck: Max Lichtwitz (vormals Druckereibetriebe Max Lichtwitz und Siegfried Scholem), Berlin SW 68. ImiM AN DEN FEIERTAGEN MONTAG, DEN 26״ DIENSTAG, DEN 27. SEPTEMBER BLEIBT UNSER HAUS GESCHLOSSEN eem/nt c2 - stmasse * tattubsTRAsse

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