Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1938)
- Date
- 1938-09-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JH MSf Ht= RilNrxtrH Alt Nr. 75, 20. IX. 1938 Sozialarbeit in Palästina Eine Statistik des Waad Lsumi ln den nächsten Tagen erscheint in dem amtlichen Organ der SosHa'abteüung des Waad Lanni*) eine umfasse•־(!? Statistik, die über die Arbeit und die Finanzierung der Büros für soziale Arbeit und Hilfe in den Atonalen Oktober 1937 bis April 1938 berichtet. Bei dem Ihirchiesei! der Zahlen ist man e״staunt, in Palästina eine sj genaue Statistik zu finden. Jeder Besuch in einer der Sozialstellen, von denen es jetzt im Lande 35 in 23 Orte;! gibt» ist . •rzed-lnet, ebenso die Arten der Bitten und der Hilfe. Niemand, der diesen Bericht sieht, kann sich dcr.1 Eindruck entziehen, daB trotz aller Wiederstänclc, die ein Unbeteiligter sich gar nicht vorstellen kann, es der Arbeitskraft von Miss Szolti und ihrem Mitarbeiterkreis gelungen ist, hier ein großes Werk aufzurichten. Heute kann man sich noch oft des Eindruckes nicht erwehren, daß nicht nur die grolle Masse, sondern auch viele der einflußreichen Mensch ״ 11׳Su/ia'noütik“ mit ״Altnosengeben“ verwechseln. Wie soll man es sich sonst erklären, wenn mir nc1.׳li׳:l1 ein Berniter des Waad Leumi in einem Oespiäch über den jüdischen Staat, so wie ihn sich ein fortschrittlich denkende; Zion'st vorstellt, sagte: ״Diese ganze Sozialarbeit haben wir dann hoffentlich nicht mehr nötig“. Vermutlich wollte er sagen, dieses Altnosengebcn, das ihr da mit den armen Leuten macht, wird dann Wegfällen. Aber steiler meinte er nicht, daß wir dann auf Berufsberatung verzichten könnten, keine Heime mehr für gefährdete und schwer-errehbare Kinder bc״n׳i1״cn, daß es keine Kranke und keine Greise mehr geben würde, die auf Hilfe und Unter- Stützung und Rat angewiesen sind. Aber so denken viele. Sie alle stehen dem jungen Sozialwerk zwar nicht mit Ai hnmg gegenüber, aber glauben doch, daß wir eigentlich ,.ganz, andere Aufgaben“ hier zu erfüllen haben. Sonst konnte man es sich einfach nicht vorstellen, daß B. die Sozialbüros von Jerusalem lind Haifa, von Rcrliowoth und Chedera, von Rair.atajim und Afule ihre Berichte dem zentralen Bi'ro einrciclien —, aber daß die Büros der ersten jüdischen Großstadt, die der Sozialabteilung des Stadtratcs und der Gemeinde in Tel Awiw, dieses nicht tun. Es ist bisher no:h nicht gehn ge1׳, eine logische Arbcitsteiiung oder eine Ver.-chnielzung der So/ialbüros des Stadtrates und des tieniei ndevorstamles — die sich augcnWick-!ich ״Konkiirrui •“ machen — in Tel Aw iw Itcrbui/ii fuhren. Wenn wir uns jetzt also der Betrachtung der Zahlen zuwenden, müssen wir uns vor Alicen halten, daß für Ted Awiw lediglich die Arbeit des von der ״Deutschen Abteilung“ finanzierten, vom Waad Leumi abhängigen! Sozialhüros für Olim aus Deutschland angeführt ist und von Neß- Ziona nur die Berichts/ahlen des Büros, nicht dagegen der Finanzbericht veröffentlicht wurde. Die gesamten Einnahmen der Büros in 20 Orten Palästinas. (Jerusalem, Haifa, Spe/ialbüru Tel Awiw, Tilterias, Safe I. Petach-T ikwa. kechowoth, Neli-Ziona, Risehon!’Zion, Herzlia, Ratnana, Klar Saht, Magdk'l, Ramat-Gan und benachbaTte Orte, Kamaiaii••!, Ne;mia, Chedera, Pardeß-Chana, Bcnjamina, Sichron-Ja.ikow), die in der Berichrs׳cit bereits bestanrlen — in den letzten Monaten sind noch Gedera, Kfar Hadar und Afule 11i1u1:!1,׳ kommen — betrugen in der Berichts/eit l i IS9 Pfund, ln sämtlichen Orten wird ein Teil der Einnahmen von Geldern, die das So/iakleptrtment des Waad Leutni zur Verfügung »stellt, bestritten. Das Department beteiligt sich an den Ausgaben für Einordnung von Olim — diese Gelder kommen von der Aliia-Abteiluru׳ bzw. ״Deutsehen Abteilung“ der Jcvvish Agency — für Einordnung von Kindern in geschlossenen Anstalten und bei Privatleuten wie auch für Schulgelder und, bei neuRegn'indcten Büros, für Administration und Gehälter, mit insgesamt 23,3 "0 ־Vom Gesamtbudeet Nicht an allen Orten steuern die kommunalen Verwnlfungen ihren Anteil an den Aufwendungen ihrer sozialen Büros bei. In Safed ist die Lage der jüdischen Bevölkerung derart, daß man es auch nur sehr schwer von ih-er Gemeinde verlangen kann. Hier beteiligt sich das Depirtmciit mit 93 °n an dem Budget in I leihe von £P 277. Die restliche!) 7 «0 sind durch Spenden der Einwohner, 7um großen Teile durch die auch im der jüdischen Wohlfahrtsarbeit aus Deutschland bekannte und von dort übernommene ״Blaue Karte“ gedeckt. Jedoch auch in Magdiel, Raanara. R.imataiim und Pardeß- Chans verzeichnet die Statistik keine Mi'hilfe der Komm 11• nalvert retiing. Dl• Blaue Karte Als dritte und damit letzte ׳ - denn von der Regierung gibt es keine Zuschüsse — bedeutende Einnahmequelle der öffentlichen Soualarbclt Palästinas ist der Posten ״S p e n ■ d e!1“ und darunter inslv’s.'mdere die genannte ״Blaue Karte“ /!! erwähnen. Die ״Blaue Karte“ wurde 1935 36 zuerst in der lerus.i'erner Gern ■unlo ■ei 11 geführt, und nachdem sin siel! dort bewahrte, ging man dazu über, sie systematisch auch in den übrigen Orten zu venve!den, Heute sehen wir bereits, daß untren Jerusalem auch Tel Av iw (Spezialbüro), Safed, Tibcrias, Pctach-T ikwa, Recli-owoth, Magdiel. Kfar Saba, Herzlia, Ramnt־( ian, Ramatajint, Raanana, Pardeß- Ghana und Chedera bereits größere oder kleinere Erfolge durch diese Art der Heranziehung der Einwoliner an dein Budget zu verzeichnen haben. Von oben envälinten Gesamt! udget entfallen 7,8 auf Einnahmen ans der .,Blauen Karte“, wobei man sich allerdings vor Augen führen muß, daß an sechs Orten die Einführim׳׳ der Karte erst noch bevorstelit und inzwischen 7, T. erfolgt ist. Die A u s g a b e ns e i t e weist eine Gliederung in die folgenden Positionen auf: Firste Einordnung von Olim; Ein- Ordnung in Arbeitsplätze; Lebensunterhaltskostcn; Ueheniachtungs- und Reisebeihilfe? Kleidung; Hilfe bei Krankheit; Hilfe für Kranke, die zu dringenden Kurzweckerl ins Ausland fallren müssen; Schn1- und Anstaftsgelder für Kinder; Bertifsaus- Bildung: Unterstützung■ Jugendlicher; Beihilfe für die Anstallen der öffentlichen und der freier» Wohlfahrtspflege und administrative Ausgaben. Die Ausgaben für Lebens unterhalts kosten in Höhe von £P 3506 und die für Unterbringt! ng von Kindern in geschlossenen An stallen und Schulen bzw. bei Privatleuten in I leihe von £P 3055 nehmen den größten Anteil des Landesbudgets von £P 12S17 ein. Administrative Ausgaben, die insbesondere auch die Gehälter der ausgebildetcn Sozialarbeiterinneri enthalten, betragen £P 1901, also 14,8 «■0. Auch hier gibt es selbstverständlich an den verschiedenen Orten verschiedene Bilder. Betrachten wir z. B, die Ausgaben der drei Stellen des Jerusalemer Büros, so ergibt sich, ׳!aß von dem Gesamtetat in Höhe von £P 3250 mit die '־.׳Hi i•;sten Ausgabenposten prozentual folgende Anteile entfallen: * Einordnung in Arbeitsplätze 2 ״״, Untcrhaltskosten 38״:, Krankenhilfe einschl. Unterstützung für ins Ausland fahrende Kranke 10 "0, Kinder- und Jugendhilfe 30 :'n, Administration 15 "h, verschiedene Hilfszweige 5 <!׳<,. Dagegen in Haifa bei einem Gesamtbudget von CP 3809, in der gleichen Reihenfolge 7, 29, 12, 25 , 7, 20 "0. In einem Landört, der einen großen Teil von jemenitisehen Arbeitern hat, Rechowoih, betrug das Budget in der Zeit von Oktober bis März £P 553; aufgewendet wurden ידיעות על העבודה הסוציאלית באדץ־יזזיאל" ף, im Verlag der Abteilung für soziale Arbeit des Waad Leumi. DIE KEFFIYE / Von M. Y. Ben-gavriel Als Mustapha Kemal in der Türkei den Kampf gegen den Fez aufnahm, hat es immerhin eine gewisse Zeit gedauert, ehe diese rote Kopfbedeckung, deren Erfindung merkwürdigerweise sowohl Türken wie Araber ablehnen, verschwand. Ais aber die palästinensisch-arabischen Terroristen vor einigen Tagen dein Fez den Krieg erklärten, dauerte es nicht mehr als zwei Tage, und man sah keinen Fez mehr. Er ist derart restlos aus dein Straßenbikl Palästinas verschwunden, daß man glauben könnte, das Land läge in der neuen Türkei, Aber, u;ui das ist das Weseid iche, der Kampf der Terroristen gilt keineswegs a'lein dem Fez — der übrigens richtig Tarbtisch beißt —, und darin unterscheiden sie sich grundlegend von der Türkei, sondern gleicherweise dem europäischen Hut, Es gilt nämlich nicht, wie in der Türkei, die Assimilation a;1 Europa zu symbolisieren, sondern eine radika'e Ablösung von Euiopa schon äußerlieh kenntlich zu machen. Diese ״Vinierung des Straßenbildes in den arabischen Quartieren, die fast über Nacht und unter Anwendu;g durchaus eindeutiger Mitte! du chge'ührt wurde, macht die K e f f i y e zur einzigen und ob igatorischen Kopfbedepkung a'lcr Araber und aller Griechen und Armenier, die in aiaHsdien Gegenden wohnen. Was ist nun die Keffiye? Die wahrscheinlich malerischeste Kopfbedeckung der Welt, ein großes, dreieckförmig zusammengelegtes Tuch mit F1anz.cn, das durch einen schwarzen oder goldüurcliwirkten Ring — ’Aga! — auf dem Kopf gehalten, vor Sonne, Staub und Regen schützt. Seit mehreren Tagen a'so müssen sämtliche Einwohn er Palästinas, die nich. luden o-c.; 1 j, mit dieser Keffiye in der üeffentlichkoit erscheinen. Regierungsbeamte, Effendis, Aerzte, Leute, die nie im Leben etwas anderes als den Fez. oder den Hut benii zten, müssen nun diese, im Anfang immerhin ein wenig komplizierte Kopfbedeckung tragen, die aufrechte und immer ein wenig feierliche Körpernaltung erfordert. Die Leute der oberen Schichten, die stets_ den Fe'lachen verachteten, für die das W׳ort Fellache ein Schimpfwort ist, müssen sich nun der Tracht eben dieser Fellachen bedienen, denn sie wissen, daß heute im arabisehen Pa'ästina nicht nur die Verweigerung finanzieller Unter- Stützung der Terroristen, sondern auch die Nichtbenu'zung der Keffiye sehr unangenehme Folgen haben kann. Es wäre gegen diesen immerhin, historisch und psychologisch interessanten Krieg gegen den unschönen und unprakfischen Fez und gegen den ebenso farblosen und nicht in die Landschaft passenden Hut nichts einzuwenden, wenn es nicht einige Hintergründe gäbe, die weit über die romantische Symbolik dieses Kampfes hinausreichen. Hinter diesem, mit der Waffe. In der Hand erzwungenen Griff in die Kostümgeschickte des Volkes, stehen auch tiefere, weit weniger primitive und weit weniger spontane An ässe. So zum Beispiel durchaus ökonomische; der Tarbusch wird im Ausland erzeug^ alljährlich gehen 80 und so viele tausend Pfunde nach Europa, die für bessere Zwecke verwendet werden könnten. Und der andere Grund, der ein wenig an den bekannten roten Faden erinnert, den man dem einen Zwillingskind nach der Gehurt umbindet, um es vom anderen zu unterscheiden, ist der, daß die Keffiye zum generellen Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Araber und seinem, ihm oft sehr ähnlichen jüdischen Zwillingsbruder werden soll. Wiederholt schon ist es vorgekommen, daß auf Grund von Verwechslungen Araber sta.t Juden abgeschossen wurden. Ob frei'ich dieser nationale Symbolismus, den die Propaganda für eine Kopfbedeckung darstellt, zu einem Ziel führen wird, ist eine andere Frage. Er kommt nämlich aus einer Welt der Sentimente und ist durchaus religiös fundiert. Gleichzeitig setzte die Propaganda zur Rückkehr zur arabischen Nationalkleidung ein, und schon macht sich in den arabischen Quartieren ein ziemlich handgreiflich sich äußernder Zwang bemerkbar, der dahin zielt, daß selbst ch r ist I ich-arabische Frauen, die niemals verschleiert gingen, den Gesichtsschleier tragen und die Arme bis zu den Händen bedecken müssen. Diese Propaganda, die aus den Bezirken wahabischen Puritanertums kommt, ist im heiligen Wiistenbe/irk Mekkas und in seinem religiös gesättigten Milieu natürlich, stößt aber auf in diesem Augenblick noch unorganisierte, nur individuelle Ablehnung städtischer Araber, die halbeuropäische Erziehung genossen, viel mit Europäern verkehrten, und, selbst wenn sie noch so glühende Patrioten sind, den Tendenzen dieser, religiöse Inhalte säkufrisierenden Zeit längst unterlagen. So ist die ״Bewegung der Keffiye“ zumindest in den Städten Palästinas noch ein wenig unnatürlich. Kein Mensch aber kann sagen, ob sie, wenn sie zur Gewohnheit wird, nicht eines Tages schließlich ebenso natürlich wird, wie die Gewohnheit, einen Fez zu tragen. für die in obiger Reihenfolge aufgeführten Zwecke 2, 21, 29, 33, 1 ו und 4 0־״. Die Tabellen mit den Zahlen der bearbeiteten Fälle weisen eine Einteilung in Herkunftsgruppen auf, die jedoch erst Im kommenden Halbjahr vollkommen durchgeführt werden kann. Heute ist nur an einigen Orten wie z. B. Jerusaletn eine Teilung in aschkenasische, sephardische, fernenitische und übrige orientalische Juden durcligefiihrt. Jeru- »saletn, das in dieser Statistik a»1 der Spitze steht, weist in in der Brrichtszeif 10 903 Besuche von 6853 Bittstellern auf, von denen 1308 Aschkenasitn, 607 Scfardim, 443 Jemeniten, 4202 sonstige Orientalen und der Rest Olim aller Kreise waren. Diese 0853 Bittsteller erbaten für 10 579 verschiedene Angelegenheiten Hilfe, Und bei dem geringen Budget konnte lediglich in 757 Angelegenheiten den Bestellern eine finanzielle Hilfe gewährt werden. Weitere 3520 Bitten konnten durch Beratung und anderweitige Bemühungen erfüllt werden, 4912 Besuche entfallen auf Rückfragen für andere Bitten, und der Rest — 1360 Bitten (unter ihnen 164, bei denen die Berechtigung der Bitte nicht bestätigt wurde) — mußte abgelehnt werden. Wer jedoch nur einen Spaziergang in einigen Jerusalemer S adtvierieln inacht, der weiß, wie vielen Menschen gerade in Jerusalem, das wohl der ärmste Ort des Landes ist mit seinem hohen Prozentsatz von Menschen des alten Jischuw und der orientalischen Juden, geholfen werden müßte. Hier in Jerusalem sieht man am deutlichsten den klaffenden Gegensatz zwischen Notwendigkeit und Möglichkeit der Hilfe. Auch in Haifa ist die Zahl der Bittsteller nicht viel kleiner. 7998 Besuche in 90'JO Angelegenheiten erfolgten hier. Jedoch in Haifa konnte man aus den größeren Geldmitteln schon 2276 Menschen eine finanzielle Unterstützung gewähren, 1535 Bitten konnten auf andere Weise erfüllt werden und, wen« man die Zahl von 4767 Bitten abzieht, die lediglich in Zusammenhang mit in Klärung befindlichen Bitten erfolgten, so bleibt eine Zahl von 405 Fällen, in denen nicht geholfen werden konnte, und 47, in denen ein Eingreifen des Büros nicht notwendig erschien. 2630 Besudle erfolgten in Haifa aus aschkenasischen, 28136 aus orientalischen Kreisen, und der Rest verteilt sich auf Olim aus allen Ländern, Es muß im übrigen genügen, wenn hier die Zahlen für das ganze Land gebracht werden: von insgesamt 21 568 Fällen, von denen 356 keine Hilfeleistung notwendig machten, konnte in 7324 Fällen eine finanzielle Hilfe und in 11 653 Fällen eine sonstige Hille gegeben werden, in 2235 Fällen wurde die Berechtigung der B:tte bestätigt, aber das Büro sah sich nicht in de- Lage, Hilfe zu leisten. Diese Zahlen geben ein anschauliches Bild van dem Umfang der heutigen öffentlichen Sozialarbeit irt Palästina. Zweifellos kann man diesen Bericht noch nach vielen Seiten hin erweitern. Hier sollte U:li''ich de־ V״rs׳wh unternommen werden, an Hand der genr 01 ״ SDF’ik eine Skizze über die Tätigkeit der rWlichcn B• ros des So»ia'depart״ments des Waad Leumi zu e!1tw׳rfen und Hem Leser ein Bild davon zu geben, daß in verhältnismäßig kurz׳״ Zeit ein verheißurgsvoller Anfang auf diesem so wichtigen Gebiet geschaffen wurde, trotz aller Schwierigkeiten, unter denen nicht die geringste das Fehlen eines ausreichenden, gesich *rten Budgets zu nennen ist. Je hu da Rülf Von **er Wac**e Infolge der LJnmö״' chkeit, ihre Produkte nich Jerusalem zu bringen, befinden sieh die arabischen Dörfer zwischeu Jerusalem und Lvdda in e?ner äußerst schweren Lage. Die Dorfbewohner erleiden schwere finanziere Verluste, da der Eisenbahnverkehr auf dieser Linie infolge von Sabotageakteit e'ngestel't wurde. Im ganzen Lande werden dem Kofer Hajischuw von den Frauen Geschenke von Juwelen gebrec'd. besonders Hfcltzeltsrlnge. Das Direktorium des Kofer Ha 'sc' uw verteilt an die Ablieferer von Goldringen ״Tabaoth .Magen“ (Stahl- Verteidigungsringe). Die Palästina-Regierung hat für die Dauer von drei Monaten die arabischen Zeitungen ״Risul ei Adal“ in Beirut und ״Al Amal al Qawmi“ aus Damaskus in Palästina verboten. Die Wahlen zuin Vorstand der jüdischen Gemeinde Tel Awiw—Jaffa sollen Ende Oktober statt.'inden. Die Wählerlist enthält 88000 Wahlberechtigte. ln Jerusalem, starb im Alter von 74 Jahren einer der Gründer der Kolonie Risehon k Zion, Gerschon H u r v i t z. Premiere im Ohel I. er; Brüder Aschkenasi Tel Awiw, September 1938 Die Handlungszeit des Stückes umfaßt 90 Jahre. Die Aufführungsdauer beträgt 3*;'2 Stunden. 17 Bilder (die Zwischen.• aktfüller nicht gerechnet), 40 Rollen und 11 Gruppen von Statisten nennt der Personenzettel, alles darzustellen von etwa 25 Schauspielern des Qhel. Die Zahl der zu klebenden Bärte wird leider nicht angegeben. Vorsichtig geschätzt beträgt sie 150, denn die Schauspieler eVsdieinen in vier- bis sechsfacher Gestalt, wandeln sich vom Jüngling zum Mann und zum Greis — und wieder zurück. Das Ganze wurde von Morris Schwartz ״zwischen zwei Flugzeugen“, Innerhalb von drei Wochen einstudiert. Leider hat er sich, leider auch seinen Schauspielern, und zweimal leider: seinen Zuschauern ein wenig zuviel zage» mutet. Das Wort ״Effekte“ hat im Jiddischen wie Amerikanischcn — den beiden Muttersprachen von Morris Schwartz — seinen bestimmten Klang. Für das künstlerische, vertanerlichte Theater erscheint es uns kein erstrebenswertes Requisit. Alles ist' hier auf Quantität, nichts auf Qualität gestellt. Die Uneinheitlichkeit einer Regieführung, die ״sich nichts entgehen lassen will“, wird nicht nur wiederholt grob durdh di« Dekoration bewiesen, wenn im Vordergrund der Bühne alles bis ins kleinste Detail naturalistisch sich darbietet und aut den Kulissenhintergrund Möbelstücke aufgemalt sind; die Schauspieler, die eben noch bis zum Ueberdruß drastisch ״■wie im Leben“ waren, spielen plötzlich pantomimische, ״stilisierte“ Szenen wie bei einer Filmvorführung, bei der unerwartet die Tonapparatur aussetzt; und auf die Frage, ob hier ein Drama, eine Tragödie oder Komödie aufgeführt wird, kann man mit Sicherheit nur antworten: eine Karikatur. Karikatur — und nicht von der amüsanten Art — jüdischer Menschen, religiöser Bräuche, einer jüdischen Bewegung, des Chassidismus, als deren Schwarz-Maler sich der Autor Singer und der, ihn darin aufs heftigste untersiüfzende, Regisseur sich bereits in der Aufführung von ״Josche Kalb“ vorstellten, die immerhin noch einige künstlerische Aktivposten aufzu weisen hatte. Aus der Fülle des in Text und Spiel Dick-Aufgetragenen, der Lautheit, des Gepolters, des Durcheinanders und einer degoutanten Liebesaffäre, blieb mir der — vom Regisseur offenbar als besonders ״witzig“ empfundene — Auftritt eines hinkenden Mädchens in einer eleganten Gesellschafts-Szene in Erinnerung. — Die beiden Brüder verkörpern nicht etwa den Gegensalz: gut — schlecht. Sie sind beide, jeder aut seine Weise, nicht viel wert und ebensowenig Repräsentanten wahren Judentums wie die — mit den Augen des Autors wohl ״positiv“ gesehene — Figur des Vaters. Was die Entwicklung der jüdischen Textilindustrie in Lodz betrifft, so ist sie nicht Hintergrund und Vorwand für ein Kunst-, sondern für ein Machwerk. Schade um die Energien und die Begabung eines Schwartz, die nicht durch das Maß an Geschmack ergänzt werden, das erst den Künstler bestätigt. Schade um die ungeheure Mühe der Ühel-Leute, die gerade kürzlich bewiesen, daß mit ge ingen Mitteln Kunst produziert werden kann. Schade um die interessanie Musik von Veidina S c h 1 o n s k y, um das aus zwei, drei Bildern hervorieuchtende Können des Bühnenbildners Frenke!, um die Liebersetzungsarbeit von Abraham Schlonsky. Morris Schwartz hielt es für angebracht, bei einem Abschiedsbankett mit einigen Sätzen die fast einstimmig ablehnende Haltung der hebräischen Presse zu ■bagatellisieren, und wies auf die großen ausländischen Erfo'ge seiner Inszenierung hin. Ohne es kontrollieren zu können, wollen wir als richtig unterstellen, daß man in Brooklyn, Bronx, Warschau und Whitechapel eine Aufführung nach ihrem Aufwand und nicht nach ihrem Gehalt beurteilt, und daß dort Teile des jüdischen Publikums sich geduldig einen Zerrspiegel Vorhalten lassen. Wenn Erez Jisrael einen Menschcntyp geformt hat, dessen Reaktion eine andere ist, so sind ■ :.‘ ׳ו•־׳ fernt davon, das zu bedauern.; M a n f r ״ * O ״ (Schluß des Palästinateila)