Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1938)
- Date
- 1938-09-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74 16. IX. 1938 Probleme der Massenelnwanderung Anläßlich des Einströmens von Juden aus Oesterreich, die auf die Verhältnisse in Palästina nicht vorbereitet sind, schreibt, wie uns aus Tel Ae.iw mitgeteilt wird, S. Pik er im .,Dawar“: Sicher ist uns diese Einwanderung erwünscht, aber man muß offen zugeben, daß sie eine Gefahr für uns werden kann, wenn sie nicht in die rechten Bahnen gelenkt wird. Es soll hier nicht von der Jugend-Einwanderung die Rede sein, denn diese Frage hat schon ihre Lösung gefunden. Es handelt sich um die mittleren und höheren Altersschicht e 11, unter denen es Handwerker und Techniker gibt, aber auch viele Handlungsgehilfen ti. ä.» die in ihrem Berufe in unseren Städten kein Brot finden können. Man kann ihnen Notwohnungen und Essen geben, aber das löst das Problem nicht. Freilich wird damit das Schlimmste verhindert, nämlieh daß solche Leute versuchen, mit den geringen Mitteln, die ihnen vielleicht mr Verfügung stehen, noch einen Laden oder noch ein Restaurant eröffnen und so in einen ausweglosen Zustand zu geraten. Man muß von den Einwanderern Disziplin und Unterordnung unter einen bestimmten Plan verlangen, und wenn viele darin auch einen Zwang sehen werden, so werden doch die meisten cinsehen, daß es zu ihren» Resten ist. Man muß den Einwanderern ihre Not- Wohnungen nicht in den Städten einrichten. Das muß vielmehr auf dem Lande geschehen, möglichst auf freiem Siedlung*- land, und neben den Wohnbaracken rmiß der Ort alle nötigen Maschinen und Geräte enthalten, so daß sich die Einwanderer nach Möglichkeit und Kräften an die Arbeiten eines Siedlers gewöhnen können. Das ״Einwandererlager“ sollte so allmählich zu einem neuen S i e d 1 n ח gs p 11 n k t entwickelt werden. Für die Erziehung der Kinder soll am Ort gesorgt werden, und seihst die Alten und Schwachen können hier besser versorgt werden a's bei dem freien Wettbewerb in den Städte;!. So konnten alhmihlirh neue Siedlungen auf nationalen Boden entstehen. Natürlich sind zur Durchführung dieses Vorschlags große Mittel nötig. Palästina sollte sich mit einem Appell an die Diaspora wenden, um hierfür einen netten Fonds zu schaffen, damit die Einwanderung aus Oesterreich für uns und für die Einwandernden selbst zum Segen wird. Gemüsemärkte in den Städten — Schabbathruhe im Dort Aus Tel Awiw wird uns geschrieben: Die Marktverhältnissc in den Städten stellen für die Einhaltung der Schabbath- Ruhe auf dem l.a!1de ein schweres Hindernis dar. Die H n 11 p t m a 1 k t f a g <■ für Obst und Gemüse, so führt der ״Haare/“ in einem‘ Artikel aus, sind Donnerstag und Sonntag. Am I lonnerstag versorgen sich die Kleinhändler mit Waren, denn an diesem Tag und in den Morgenstunden des Freitags kauft die Hausfrau in der Stadt für den Seitabbat!! ein. Was der Großhändler am Donnerstag übrig behält, verkauft er den Hausierern zu Verlustpreisen. Was beim Kleinhändler am Freitag übrig bleibt, muß fortgewerfen wettjctt; denn die Ware ist ja am Mittwoch geerntet worden und Mit sich nicht länger als zwei bis drei Tage. Selbst während dieser kurzen Zeitspanne* verdirbt noch vieles, und der Händler trägl den Schaden. Bei Beginn ■der neuen Woche hat der Kleinhändler keinerlei Vorrat. Am Sonntagmorgen ist deshalb die Konkurrenz der einkaufenden Kleinhändler groß und die Preise sind hoch. Der Großhändler bekomm* seine neuen Vorräte ganz, früh am Sonntag, und je früher der Siedler ihn beliefern kann, desto bessere Preise erzielt er. Kommt die -Ware-spät am Sonntag, so sind die Preise bereits wieder gesunken. Die Aussicht auf Gewinn bringt viele dazu, am Schabbath zu ernten. Sie berufen sich dabei auf die schlechten Zeiten und auf die Verluste, die der Erzeuger erleidet, der von Mittwoch bis einschließlich Sonntag seine Produkte nicht pflücken darf. Ein Mittel gegen diesen Zustand wäre die Errichtung zentraler Markthallen mH großen Kühlanlagen. Die Großhändler könnten Gemüse und Obst am Freitagnachmittag bekommen, es in den Kühlhäusern lassen und am Sonntagfrüh an die Kleinhändler weiter verkaufen. Es ist ein schwerer Fehler, daß bei Frrirlitiuig des Zoiitralmarktes in Haifa der Bau der Kühlhäuser auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Der Zentralmarkt in Tel Awiw soll Ktihlanlagen erhalten. Außer diesem Mittel zum Schutz der Schabbath- Ruhe wäre es noch nötig, daß die Stadtverwaltung das Anliefern von Obst und Gemüse zur jüdischen Zentralin,arkthalle in den frühen Stunden des Sonntags verbieten, denn sonst kann der Großhändler seinen Vorrat vom Freitag nicht mehr absetzen und der jüdische Bauer hätte immer noch unter dem Wettbewerb der Nichtjuden zu leiden, die am Schabbath pflücken dürfen. _______ Nahrungsmiltelcrzeugung und -vertrieb in Tel Awiw. Das jüngst erschienene Jahrbuch der Stadt Tel Awiw bringt folgende Angaben über die Tel Awiwer Unternehmungen, die sich mit Erzeugung oder Vertrieb von Nahrungsmitteln befassen und unter der Aufsicht der Gesunilheitsbehörde stehen: Im Jahre 103$ wurden auf diesem Gebiet 4062 Konzessionen erteilt (beinahe doppelt so viel wie im Jahre 1936). 3)6 davon berechtigen zum Ausschank alkoho'isrhcr Getränke, P zum Betrieb von Vergnügungslokalen. 656 Kon- Zessionen wurden für Lebensmittelgeschäfte erteilt, 630 für Hausierer, 273 f 11 r Kaffeehäuser und Restaurationen, 63 für Hotels, 2 für Getreidemühlen, ■14 für Bäckereien, 18 für Gctreidehiindler, 5$ für Läden zum Verkauf von Backwaren, 73 für Verkauf von Milch und Milchprodukten, 245 zum Verkauf von Obst und Gemüse, 10 für Kaffeemühlen, 103 für Milch-, Eis- und Fleischausträger, 176 für Fleischerläden, 4 für Wurstfabriken, 36 für Verkauf von Geflügel, 54 zum Verkauf von Fischen, 2 für Margarinefabriken, 7 für Eier- Fielen, 1 für eine Oeffabrik, 21 für Oelladen, 3 für Eisfahrikeil, 2 für Eisläden, 4 für Sodawasserfabriken, 161 für Sodawasservertrieb, 22 für die Erzeugung vor! Speiseeis, 50 für den Vertrieb von Speiseeis, 7 für Zuckerwarenerzeu!- gang, 20 für den Vertrieb von Zuckerwaren, 474 für den Verkauf von Petroleum. Alle diese Betriebe befinden sieth im Stadtgebiet von Tel Awiw. Dazu kommen nodi Fabriken, di« sich außerhalb der Stadt befinden, aber hauptsächlich oder ganz ihre Waren in Tel Awiw absetzen. Kurse palästinensischer Wertnapiere. In Tel Awiw notierteil am 9. September, wie Eüern’s Bank Ltd. mitteilt, Allgemeine Hypothekenbank: 5 °״i::e Pfandbriefe 07"»« (99* , ».!), 6 1׳.■ige Pfandbriefe 101*2״,׳ 6 ,(«102°) ״״ige Vorzugsakticn 106״״108) »״), Stammaktien 1Ö8>4 ״״ (HO0.״). — Palestine Land Development Co, Ltd.: 6 ״״ige Vorzugsaktien 001-4 ״ 02) ״׳״«), Stammaktien 85 (85(4 0/0). — Bizur: 6 0/״ige Obligationen Ser. 2 0$ 0.0 (09*/, ״<׳). — Nir Ltd.: 4 ״״ige Obligationen Ser. 1 854 ,(<>״1׳יר$) 4%י o'Gge Obligationen Ser. 2 85 ״׳״ 5 ,(״» 85) »״ige Vorzugsaktien 63 (65(4 ״'<׳). — Pasa : 4 01״ ec Obligationen 7662761) »״* «>). — Pnlestine Potash: 5* *״״ige Vorzugsaktien sh 15 6 d (sh 16'3 d). Abschläge von durchschnittlich 2 ׳״« waren an der Tages- Ordnung. Verglichen mit den Bewegungen an anderen Börsen müssen diese Schwankungen als außerordentlich gering bezeichnet werden. Hervorzuheben ist, daß die Obligationen des KKL und der Nir Ltd. keinerlei Kurseinbuße erlitten. Tel-Awiwer Fragen Anleihe — Sicherheit — Flugplatz Von unserem palästinensischen Korrespondenten. Regierung läßt sich bei der Behandlung dieser Fragen viel zu viel Zeit und verursacht damit Nöte, die bei rascherem Durehgreifen vermeidlich sind. gl. T e 1A w i w, 6. September 1038 Seit Jahren wird in der Stadtverwaltung von Tel Awiw ein Projekt besprochen, das für die Siadt von entscheidender Bedeutung ist. Es besteht der Plan, die größte Stadt Palästinas mit einem Kanalisationsnetz zu versehen, das bis jetzt fehlt und dringend notwendig ist. Seit Jahren bemüht sich die Munizipalität um einen entsprechenden Plan und die nötigen Geldmittel, und immer wieder wurde die frohe Nachricht verbreitet, daß endlich Pläne und Kapitalbeschaffung so weit gediehen seien, daß man mit dem Beginn des Werkes in kurzer Zeit rechnen könne. In den Zeiten der Prosperität gehörte dieses Kanalisatiousprojekt zum Bilde der wachsenden und aufbliihenden Stadt, die es als ihre Aufgabe betrachtete, auf allen Gebieten sieh zu modernisieren und den größeren Anforderungen zu entsprechen. Jetzt in den Zeiten der Depression erweckt der Plan besonderes Interesse nicht nur wegen des Nutzens, den er der Stadt zu bringen verspricht, sondern auch wegen der großen A r b e i t s m «glichk eiten, die er eröffnet. Die Stadt horcht also jedes Mal auf, wenn im Stadtrat von neuem über das Projekt beraten und berichtet wird, wie es in diesen Tagen der Fall war. Die Mittel für die Kanalisation sollten aus der großen A 1t I e i h e von 1 Million Pfund fließen, die die Londoner ״Prudential Insurance Company" derS adt Tel Awiw zu geben bereit war. Die Gesellschaft zog sieh jedoch, als sich die Wirtschaftslage in der Siadt verschlechterte, von ihrem Angebot zurück, und damit war auch das Kanalisatiousprojekt, für das man unterdessen durch englische Experten Pläne hatte machen lassen, wieder in die Ferne gerückt. Die Regierung, die in den Finanz- und damit mittelbar auch den Arbeitsgelegenheiten Tel Awiws das entscheidende Wort mifzusprechen hat, scheint unterdessen die Meinung gefaßt zu haben, daß die Einführung der Kanalisation für Tel Awiw die wichtigste Aufgäbe sei und will von anderen kleineren Projekten, die ebenfalls aut der Tagesordnung stehen, nichts hören, bevor man nicht diese Aufgabe bewäl.igt hätte. Für Tel Awiw Ist aber heute Arbeitsbeschaffung eine der dringendsten Probleme, und wenn es im Moment unmöglich ist, eine große Anleihe zu bekommen, weil man in London Investitionen in Palästina mit großer Zuriickhal'ung gegenübersteht, so muß man an £i*1 fescUmlt zu dm TwAlaym Was Wo Dip all» Sille, .-u den Feiertagen Mähestehenden dweh Geschenke Freude zu bereiten, wird auch in diesem Jahre eingehalten werden. Je nach der Vermögenslage werden kleinere Aufmerksainkriten oder mich wertvollere Gegenstände geschenkt. Aber: schenken kaufen?ן Haben Sie sich und Ihre Waren den Käufern schon in Erinnerung gebracht? fetzt ist es Zeit, vrh m den Wettbewerb einruschaltenf Wmn Sie jetzt in der ״Jüdisch en H mul schau" inserieren, so erfassen Sie die Menschen, au] die es Ihnen anknmml. Gehen Sie uns Ltescheid, und wir werden Sie unverhindlieh und fachkundig beraten. •indische Rundschau j Anzeigenabteilung Berlin W 13 ׳׳׳ MelnekestraBe IO / Ruf 919031 kleinere Projekte herangehen, die weniger Geld erfordern und doch ein Minimum von Arbeit schaffen. Die Regierung aber hielt fest an ihrem Kanalisationsplan. Da nicht genug Geld von London zu beschaffen war, machte sich der Stadtrat an die schwierige Aufgabe, Mittel im Lande zu beschaffen, und das Schatzamt der Regierung versprach daraufhin, seinerseits für zusätzliche Kapitalien zu sorgen. Zuerst verlangte die Regierung eine Verpflichtung der paläs'inensischcn Banken auf einen Kredit von £P. 350 000, woraut sie dann die fehlenden 250 (XXI (das Projekt verlangt CP. 600 000) beschaffen wollte. Nach vielen Miihen verpflichteten sich die palästinensischen Banken, diese große Stimme von CP. 350 000 zu beschaffen. Jedoch stellte sich bald heraus, daß damit die Hindernisse nicht überwunden waren. Die Regierung bestand auf der Meinung, daß die Kanalisation nicht £P. 600 000, sondern £P. 670 000 kosten müsse, und die Verpflichtung der einheimischen Banken mußte auf CP. 400 ÜOÖ erhöht werden. Schließlich schlug die Regierung vor, daß sich die Stadt an den Colonial Development Fund in London wenden solle, um für den Rest eine zinslose Anleihe für zehn Jahre zu bekommen. Der Stadtrat hat beschlossen, diesem Vorschlag zuzustimmen und man hofft, daß der Development Fund Ende Oktober über den Antrag von Tel Awiw beraten wird. Sollte er sofort positiv entscheiden, so könnten die Arbeiten im Frühjahr beginnen. Würde es sich um die erste Beratung des Kanalisations- Projektes handeln, so könnte man sich mit diesem Ablauf der Dinge gut abfinden. Tel Awiw hätte dann frir nächstes Frühjahr die Aussicht auf große Arbeiten, die Arbeitslose absorbieren und wirtschaftliche Erleichterung schaffen. So wie jedoch die Dinge liegen, kann man keineswegs sicher sein, daß wir uns der Ausführung des Projektes ohne neue Hindernisse nähern. Schon oft schien der Beginn der Arbeiten in greifbarer Nähe, schon einmal schien das Geld vorhanden und immer wieder gab cs Komplikationen und Verzögerungen. Wir können keineswegs sicher sein, daß wir wirklich Ende Oktober von London die zusätzlichen Gelder erlangen und damit die Vorbereitungen für das W'erk in Angriff nehmen können. Unterdessen aber ist der Weg für andere kleinere Arbeiten versperrt, und Tel Awiw kann es sieh unter den gegenwärtigen wirtschaftsbed ist gütigen nicht leisten, kostbare Wochen und vielleicht Monate bei der Arbeitsbeschaffung zu verlieren. Die Schutz von Tel Awiw Mit der ״Verlegung des Kriegsschauplatzes“ in den Süddisfrikt ist die Sicherung von 1 ei Awiw aktuell geworden. Diese größte Stadt des Landes war bisher wegen ihrer Sicherheit berühmt und schien durch die Konzentrierung von 150 000 Juden gegen Angriffe gefeit. Für Jerusalem, das in den ersten Jahren der Unruhen so schwer unter Attentaten und der Sperrstunde zu leiden hatte, bildete Tel Awiw mit seinem bewegten Straßenlcben, seinen hellen und vollbesetzten Lokalcn und seiner Bewegungsfreiheit geradezu einen Erhohingsaufenthalt für Nerven und Stimmung. Auch heute noch ist Tel Awiw ohne Frage der sicherste Ort im Land, aber in der Umgebung ist es in den letzten Wochen manchmal unangenehm geworden. Die Grenze nach Jaffa, verschiedene Außenviertet und manche Wege, die aus der S.adt fuhren, sind nicht mehr so sicher wie sje waren. Dazu kommt, daß nach übereinstimmenden Berichten Jaffa zu einem wichtigen Stützpunkt der Terroristen geworden ist, und was würde daher näher liegen als der Plan, Tel Awiw einmal aus seiner so wohltuenden Ruhe aufzustören. Es ist also eine Selbstverständlichkeit, daß sich di־e für Tel Awiw verantwortlichen Männer darum bekümmern, ob alles dazu getan wird, daß der Stadt ihre Sicherheit ungefährdet ei halten bleibt. Eine Delegation der Stadtverwaltung wandte sich daher an den Distriklskoinrnissar mit verschiedenen Vorschlügen, was zur Sicherung der Stadt za tun sei. Sie verlangte Verstärkung der Polizei kraft e, Verbarrikad'icrung bestimmter gefährlicher Punkte, Sicherung der Wege, die aus der Stadt führen, Schutz der außerhalb der Stadt (in Jaffa, Ludd usw.) arbeitenden Einwohner von Tel Awiw, Die Staut ist dabei bereit, die notwendigen M e n s c h e 11 zu stellen, eventuell auch Autos, Benzin und Fahrer für Patrotiillen, und verlangt von der Regierung nichts als Waffen. Die Antwort des Distriktskommissars war nicht sehr ermutigend. Er lehntfe es zuerst einmal ab, über irgendwelche Fragen zu sprechen, die nicht strikt zu TeiAwiw und seinen Grenzen gehören. Er versprach, mit den zuständigen Stellen die Forderung nach einer Verstärkung der Polizeikräfte, bezw. der Schaffung einer bewaffneten Bürger miliz zu klären, ließ jedoch durchblicken, daß man in Tel Awiw in Fragen der Sicherheit etwas nervös sei. Nichts kann kurzsichtiger sein als dieser Standpunkt. Es ist nichts damit gewonnen, wenn man aus falschem Optimismus Vorsichtsmaßregeln unterläßt, die Unglück verhüten können. Allein wenn die Terroristen wissen, daß Tel-Awiw sich gegen Ueberfälle und Attentate rüstet, daß seine Grenzen gut bewacht sind und seine Straßen in den Außen viert ein ständig abpatrouilliert werden, werden sie sich ihre Aktionen doppelt überlegen. Es ist der Regierung bisher noch nie gut bekommen, wenn sie im Nachhinein, nachdem bereits etwas geschehen ist, die Sicherheit wieder hcrzustcllen sucht. Es ist besser, erst gar nicht das Uebel aufkommen zu lassen. Und da Tel Awiw bereit ist, für diese Zwecke Menschen zu stellen und nichts als Waffen verlangt, so ist eine zögernde Haltung der Regierung nicht zu rechtfertigen. Ein Flugplatz am Jarkon Jenseits des Jarkon, im Norden von Tel Awiw, ist im Zusammenhang mit den von der Stadt im letzten Halbjahre ausgeführten Nivellierungsarbeiten ein Flugplatz angelegt worden. Man hat über dieses Unternehmen Stillschweigen bewahrt und viele waren überrascht, als plötzlich gemeldet wurde, daß das erste paliistincnsichc Privatflugzcug jenseits des Jarkon in Tel Awiw gelandet wäre. Man darf in den unruhigen Zeiten, die wir gegenwärtig durchleben, die Bedeutung dieses Werkes nicht unterschätzen. So wie der Hafen von Tel Awiw mit der Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, heute nicht nur für die Landung von Waren, sondern auch für Passagiere immer wichtiger wird, so ist auch ein von Tel Awiw direkt zugänglicher Flugplatz unter bestimmten Umständen eine Notwendigkeit. Wir haben es in den letzten Jahren wieder und wieder erlebt, daß die Sicherung von Transportmöglichkeiten von cinschneielender Bedeutung für die palästinensische Wirtschaft ist. Ausgang zum Meere und Landungsmöglichkeit, Führung von Wegen durch jüdisches Gebiet, das sind unter den bestehenden Umständen, wo strategische Fragen immer größeres Gewicht bekommen, dringende Notwendigkeiten. Ein Flugplatz im Norden von Tel Awiw, in nächster Nähe des neuen Elektrizitätswerkes und des Hafens, ist eine bedeutsame Errungenschaft. Das Recht der Wüste. Im Süddistrikt Palästinas, ln dem zahlreiche Beduinenstämme leben, bemüht sich die Mandatsregierung, Recht m!d Ordnung in einer Weise aufrecht zu erhalten, die den Beduinen verständlich ist. Zu diesem Zweck hat sie in B eerscheba ein Gericht geschaffen, irr dem Beduinenscheichs und englische Beamte gemeinsam in dreigliedrigen Kammern (zwei Scheichs, ein Engländer) rach dem Gesetz der Wüste Recht sprechen. Es gelingt allmählich, den unaufhörlichen Stammesfehden ein Ende zu machen und sie stark zuriiekzudrängen. Dieser Vorgang ist in der Rechtsgeschichte oft festzustellen: er besteht im wesent'ichen darin, daß Geldbußen, je nach Größe des Verlustes, vereinbart werden und dadurch Genugtuung gegeben wird. Die Skala dieser Strafen, die Harold f. Shepstone, Mitglied der Königlich Britischen Geographischen Gesellschaft in London, in einem Aufsatz der ״Palestine Post“ mitteilt, ist von besonderem Interesse. Ein Menschenleben wird mit 40 Kamelen bewertet, d. 11. etwa mit £P 200. Für den Verlust eines Beines in einem Kampf wird eine Buße von £P 75 erhoben, eines Auges £P 120, eines Armes £P 100, für den Raub einer Frau £P 200. Gezahlt werden alle diese Bußen meistens nicht in barem Geld, sondern in Kamelen. Da der Wert der Kamele nach ihrem Alter differiert, so wird bestimmt, wieviel dreijährige, vierjährige usw. Tiere gegeben werden müssen. Der High Commissroner Sir Haroid Mac Michael nahm kürzlich an einem Gerichtstag in Beerscheba teil und beteiligte sich dank seiner Kenntnis des Arabischen an einigen Ver- Handlungen. Vom Palästlna-Symphonie-Orchester. Bei einer Pressekonferenz am Vorabend der Eröffnung der neuen Saison wurde mitgeteilt, daß seit der Gründung des Orehestere vor zwei Jahren 175 Konzerte von dem Orehester gegeben wurden, denen 270 000 Personen beiwohnten. Bronislaw Huberman will wahrend der neuen Saison ein Konzert geben, das sein erstes Auftreten seit seinem Upfall sein wird. JmSwh* JLu •559 «JBkjHL. JL, BIRLIH W 5 0 Augsburger Strass• 43 Pt RS IAN BK HIRZ■ Silberfüchse. Slmtl. Paliarfen