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Jüdische Rundschau · 1938-09-16 · Heft 74 (16.9.1938) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 74 (16.9.1938)
Date
1938-09-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 74 16. IX. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Um neue Tafeln Religion in Zion Von Dr. Manfred Meir Rose nb erg, Tel Awiw Die nationale Vereinigung für Kultur und Religion ״B e th- Jisrael“ veranstaltete vor einiger Zeit in Tel /ltiuüe eine Kundgebung, bei der Dr. Wilhelm (Jerusalem), Ur. Elk (Haifa) und Dr. Rosenberg (Tel Awiw) sprachen. W'ährend Dr. Elk die praktische Arbeit auf Grund seiner Erfahrungen in Haifa schilderte, amriß Dr. Rosenberg die geistige Situation in einem Referat, aus dem wir folgende Abschnitte veröffentlichen. Die Darlegungen gehören zu dem Thema, das Dr. Nuftbaum und Sch. Ben (horin vor einiger Zeit in der ״l.R." angeschnitten und zu den sich dann noch andere Mitarbeiter geäußert haben. Natürlich trägt der l er• fasser allein die Verantwortung für seine hier ausgesprochenen Mein :■!gen, die ivir auf Grund des Prinzips freier Diskussion abdrucken. (Red.) Zionismus und jddJsche Kultur Das Recht, die Entwicklung der hebräischen Kultur in Erez Jisrael kritisch zu betrachten, ist und bleibt ein Reseivat der Zionisten. Palästina ist kein Auswandermigslaud wie alle anderen Länder, sondern Palästina ist die Heimstatt des jüdischen Volkes, nach dessen östlichen Gestaden — bald deutlich offenbar, bald verschüttet unbewußt — sich das jüdische Volk von seinen westlichen Wohnsitzen her stets esehnt hat. Ob nun der lüde im abendländischen Kulturreis stärker durch die Analyse seiner Situation und die Erkenntnis des kulturellen und gesellschaftlichen Zerbrfickelungs- Prozesses des Judentums auf die Rückkehr nach Erez Jisrael gelenkt wurde, oder ob im ostjüdischen Kreis die vitalere Kraft der Völkerzusanamengehörigkeit die Chibbat Zion und die aus ihr entspringende praktische Aufbauarbeit auslöste, eines ist dem zionistischen Bewußtsein gemeinsam, daß nur ein freies jüdisches Volk die Bindungen seines Volkstums auf sich nehmen und deren Entwicklung fördern kann. Die Rückkehr nach Erez. jisrael ist für uns nicht nur die Rückkehr des Juden in sein Vaterland, sondern ist sein Aufstieg, seine Alija in ein starkes sich regenerierendes Volkstum, auf dessen Antlitz der Wille dieser Generation des Volkes und die Forcierung seiner seit Generationen überlieferten Kultur cingezeicluiet ist. Aus dieser Verantwortung vor der Gesamtheit des jiidi- Sehen Volkes und vor jüdischer Vergangenheit und Zukunft muß das hebräische Kuiturproblem betrachtet werden. Denn nicht wir — zum Teil nur zufällig — in Erez Jisrael ansässigen Menschen handeln hier auf der Bühne des jüdischen Geschehens, sondern das jüdische Volk. Form und Inhalt Jede Kultur hat ihren spezifischen Inhalt und ihre eigenen Formen. Der Inhalt der jüdischen Kultur in ihrer Jahrtausende alten Ueberlieferung ist religiös, gottnahe oder gottfern, aber in ständiger Auseinandersetzung mit ihm. Wir können unsere Kinder die Schätze jüdischer Vergangenheit nicht lehren, ohne immer wieder aut diese Frage zurückzukommen. Es mögen weite Kreise die Wirklichkeit und das .Wirken eines Gottes über ihnen ablehnen, aber die Auseinandersetz urig bleibt keiner Generation des jüdischen Volkes erspart, die als Erbin jüdischen Kulturgutes auftreten will. Wir können die religiöse Frage im jüdischen Volke nicht totschweigen, wollen wir nicht unsere ganze Vergangenheit totschweigen. Wodurch wird die Frage der religiösen Haltung der Kultur in Erez Jisrael so brennend? Nicht, daß die Menschen hier religiöser wären als anderswo! Daß das seelische Bedürfnis der Menschen darauf gerichtet ist, aus dem engen Bezirk des individuellen Daseins lierauszutreten und sich in höhere umfassendere Bezirke einzuordnen, zeigt_ die Haltung gerade der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft, die von jenen, die die Religion als Monopol mit Beschlag belegt haben, besonders angegriffen wird. Aber woher kommt es, daß jenen Kreisen soviel Angriffspunkte geboten werden? Der jischuvv von Erez Jisrael steht in seiner religiösen Entwicklung noch aut der Stufe־ daß er Form und Inhalt miteinander verwechselt. G.ewiß hat jede Kultur ihren spezifischen Inhalt und die diesem eigenen Formen. Aber eine Entscheidung über den Wert des Inhalts nach den geübten Formen ist besonders aut dem religiösen Gebiete unzulässig, da wo es sich um Ausdruck der sublimsten Regungen der Menschenseeie handelt. Doch die Wächter der Religion erkennen als religiösen Ausdruck nur an, was dem ihnen heiligen Brauch entspricht. So wenden sich jene bewußt von einer solchen Religion ab und bringen die Opfer ihres Herzens dem Gott, der ihrem Leben näher steht, und sind bereit, endgültig die Bande zur alten jüdischen Form um ihres totalen und alleinigen Herrschaftsanspruchs willen zu zerreißen. ilOdlsches Volk — Jüdische Form Das jüdische Volk steht zu seiner Formemvelt in einem anderen Verhältnis als alle anderen Völker, denn durch diese Formen hat es zwei Jahrtausende sein!Dasein erhalten. Es war eine der weisesten Maßnahmen unserer Rabhanim, einst die Gültigkeit dieser Formen auf den göttlichen Willen zu stützen, um sie so dem Zugriff des menschlichen Willens zu entziehen. Diese jüdische Gesetzeswelt hat das jüdische Volk erhalten, ohne sie könnte es heute nicht mehr Träger seiner kulturellen Sendung sein. Aber die Welt des Gesetzes ist geborsten, nicht nur fn Erez Israel, sondern in der ganzen Welt, aber auch hier nicht weniger als in der ganzen Welt. Aus der historischen Verquickung von jüdischer Religion und diesem so bestehenden jüdischen Gesetz leiten die Hüter der Unwandelbarkeit dieses Gesetzes ihre Monopolstellung als Träger der jüdischen Religion ab und stoßen alle mit ihnen nicht übereinstimmenden Elemente aus dem Lager der jüdischen Religion heraus. Die Verdrängung des nicht-gesetzestreuen Juden aus dein Lager der jüdischen Religion ist eine der bedenklichsten Erscheinungen Erez Jisraels, der Stätte, in der wir die kulturelle Renaissance unseres Volkes erhofften. Wenn auch das Zeitalter der Herrschaft des jüdischen Gesetzes vorbei ist und nicht wiederkehren wird, ist darum doch die Bedeutung der Religion im jüdischen Volk nicht geschmälert. Das großartige Erlebnis unserer Väter am Sinai wird auch ferneren Generationen als Symbol der Offenbarung göttlichen Willens bleiben, nur wird dieser göttliche Wille mit der Forderung der absoluten Gerechtigkeit und der absoluten Sittlichkeit verbunden sein. Die Offenbarung am Sinai ist uns nicht ein einmaliges Erlebnis am Beginn unseres Volkstums nur, in dessen zeitlicher Entfernung das Wissen um den göttlichen Willen in uns mehr und mehr verblaßt. Nein, wir wollen den jüdischen Menschen bewegen, daß er wieder zu hören lerne und sich bemühe, sich selbst den Weg zum Sinai zu bahnen. Dann braucht er das Erlebnis am Sinai nicht nur als historische Tatsache zu registrieren. Jüdische Kulturwende Wir stehen an der Wende unserer jüdischen Kultur. Nach zwei Jahrtausenden begegnet wieder die Realität eines jiidisehen Volkes auf seinem Boden seiner altüberlieferten Kultur. Die einen sagen, die wesentltche Bestimmung dieser religiösen Kultur wäre die traditionelle Formenwelt an sich. Ja, man geht sogar so weit, die ״Religion“ für eine Erfindung der europäischen Assimilation zu halten, weil dieser Begrift dem Judentum fremd sei und das Wort dem hebräischen Sprachschätz fehle (Emunah Treue, Glaube; Dat Gesetz). Jüdische Kultur, jüdisches Volkstum und darin eingeschlossen jüdische Religion seien mir vom treuen Bewahren dieses alten Gesetzes abhängig, das Jahrtausende unverändert auf uns überkommen sei. Auch die anderen sagen, jüdische Religion sei jüdisches Gesetz, aber da dieses Gesetz im Leben des Volkes nicht mehr walte, habe sich das jüdische Volk von der jüdischen Religion emanzipiert. Die so sprechen, drücken tatsächlich aus, was in ihrer Seele vorgeht. Denn sie selbst aus einer Welt des Ghettos, in dem die Gesetzeskraft unbeschränkt waltete, in die freie Welt Palästinas entsprungen, machen nun den Prozeß durch, den die abendländische Judenheit vor eineinhalb Jahrhunderten erlebte, sie fliehen die seelische Heimat, die ihnen nur Heimat der Enge gewesen ist. Und so wie damals Scharen aus dem Judentum heraus zum Taufbecken drängten, so wendet man sich heute anderen Idealen zu, in denen aber die Seele des jüdischen Volkes nicht Heimat findet. Doch hier in Erez. Jisrael kann der einzelne nicht die gefährliche Kluft, die sich in seiner Seele nach der Loslüsung von der Kultur seines Volkes auftut, durch Assimilation an eine fremde Kultur verhüllen. Die Reaktion pflegt hier im Land vielmehr das ängstliche Anklammern an irgendein anderes geistiges Svstern zu sein, wodurch die doktrinäre Haltung gh ich' welcher Richtung bei vielen Menschen hier vcrstäml- Sich wird. Beth-Jisrael In diese geistige Situation von Erez Jisrael stellt Be Ui- Jisrael sein Wirken. Was wir wollen, ist unbeliebt bei rechts mul links. Denn auf beiden Seiten spürt man, daß vir den Boden vorbereiten, auf dem die Entwicklung des jüdischen Volkes sich entfalten kann und kein Platz für Krampt und Starre, dem Nährboden für Extreme, bleibt. Wir wollen das Leben des Volkes in Erez Jisrael mit dem Geist seiner Tradition wieder verein e n. Wir betrachten mit großem Respekt, was die konservative Haltung dem Judentum bewahrt hat. Wir wissen, daß sie es war, die von innen her den Auflösungsprozeß im letzten Jahrhundert gehemmt hat. Wir wissen, daß kein Volk die Jahrhunderte seiner Geschichte beiseite lassen kann. Was aus Geist und Form der Vergangenheit in unsere Gegenwart hineinreicht, werden wir nicht nur respektvoll auf/uiiehmeii verstehen, sondern werden ihm einen Platz in unserer Mitte bereiten, der seinem inneren Reichtum gemäß ist. Man nennt uns ,,liberal“, tun dem Wort im zionistischen Ohr einen bösen Beiklang aus früherer Erfahrung zu gehen. Aber njeht deshalb lehnen wir das Wort ,,liberal‘‘ ab, sondern weil mit dem Liberalismus eine Art von Individualismus verbunden ist, die den Einzelnen frei über die Entscheidttng der Formen des Volkslebens stellt. Gerade dies lehnen wir ab, wir sind wieder ein junges Volk geworden, das Ordnung und Unterordnung verlangt. Obwohl auf religiösem Gebiet letzten Endes das Gewissen jedes einzelnen entscheiden muß, was er zu tun oder zu lassen hat, scheint uns doch genug Platz in unserem jüdisch-gesellschaftlichen Leben zu sein, um dem Einzelnen die Formen einer religiösen ~~*e historische Umgebung־ von Afu'e Landschaft und Geschichte Ein wirt cltaf lieh ־zwar hedt■trriDcr, aber hedon-wh herzlieh unhedcut 'tnlcr Ort i;t A f 11! " im En1־׳k Jc-wee'. In der Geschichte habe ich es nur einmal erwähnt " f im'en, 1md zwar in dem Huche des Oh<rstcn I rvrencv . '.׳u-c-ind in der Wüste“. Und auch hier ist es nur die beiläufig־׳ Bemerkung, daß die en־:!״c!m Kavalier je h •i Ve: fni ־־!ing der zwischen Jaffa und dem G ׳bi!•ge geschlagenen Türken 101$ als Ziel Nazareth und Afuie angewiesen erhaben hatte. Afttle liegt gerat!(■ im Mittelnunkt des Emek, von Flöh ו•״ umgehen, und gleicht einer Perle in einer Muschel. D־r Boden ist fruehtbarstes Schwemmland, welches de־ Regen von den ihrer Wälder entkleideten Bergen herab ■׳ ■ führt hat. Im Norden wird Afuie von den Bergen von Nazareth und dem Tabor begrenzt. Im Osten anschließend erhebt sich wie ein wuchtiger Klotz der ״Hüter des Emek“, der Tabor. Hier hatte die Prophetin Debora ihr Quartier, bevor sie durch das Emek, a'«0 offenbar durch Afuie nach dem KPehon zog zu dem grollen Kampf gegen Sissera. 7wisc!1en den Bergen von Nazareth und dem Tabor vorgeschoben in das Emek erhebt sich der Givath More, dessen kegelförmige Snitze seine vulkanische Entstellung verrät. Er besteht in der Tat auch aus vulkanischem Gestein, aus Rasalt. Nördlich des Oivafh More lagerten die Midianiter vor ihrer Schlacht mit Gideon, der seine Truppen in der Nähe der heutigen Kwuza Charod, nämlich am Quell Ejn Charod, sammelte. Klein ist die Entfernung zwischen Giv'ath More und Ein Charod. Aber dazwischen lie־״t ein reiches Stück jüdischer Geschichte, idyllisch und tragisch. Am Nnrdabliang des Givath More in halber Höhe liegt das Dorf Endor, wo Sau! am Vorabend seines Todes seinen unheimlichen rächtliehen Beseelt hei der Totcnhcschwörerin machte, die ihm den Geist Samuels heraufbeschwor. Das Emek wird zwischen Givath More und Ein Charod im Osten '׳ott dem Gebirge Gilboa begrenzt. In der Senke zwischen Givath More und Gilhoa schweift der Blick hinaus bis ins Ostiordanland, den Bergen von Oilead, und in dieser Senke, noch im Ftnek, liegt das Dorf Sunem, wo die schöne Abisa״ von Sunem wohnte, bis sie als Pflegerin des greisen Könius David an den Hof nach!enisnlern geholt wurde und wo sie sniiter nach Davids Ableben den Anlaß 7u dem tragischen F־<! ״ des Davidsohnes Adonia gab. Denn Adonia hatte seine Blicke zur schönen Ahisag erhoben und begehrte sie zum Weibe. Koni״ Salomo sah hierin nicht m׳r eine Verletzung der kindlichen Autorität, sondern wohl auch einen bedenklichen politischen Akt. Auf dem Gebirge Oilboa zeigt man heute noch die sogenannte ״verfluchte Höhe“. Dort ist Saul mit seinen drei Söhnen im Kampf gegen die Philister gefallen, und David hat in seinem Klagelied diese Höhe als Ungliicksplatz verflucht. Am Nordostabhang von Gilboa, also dem Emek abgekehrt, liegt der bereits erwähnte Quell Ejn Charod. Vor dem Gebirge Gilboa ins Emek zu, etwas vorgeschoben, erhebt sich ein Hügel, der jetzt das arabische Dorf Serin trägt. Dieses Serin ist, wie archäologisch allgemein anerkannt, die alte Sommerresidenz der Könige von Jisrael, nämlich Jesreel, nacfi dem auch das Emek seinen Namen hat, ״Emek Jesreel“. Jesreel ist aus den Büchern der Könige und der Chronik bekannt als die Stadt der ewigen Revolutionen und Kontgsmorde. Und doch hat — ein moralisches Zeichen für Jisrael — kein Mord und keine Revolution in Jisrael einen solchen Eindruck auf die Geschichte gemacht, wie der Mord an dem Privatmann Naboth, hervorgerufen durch die moralische Revolution der thyrisclien Isebel, der Gattin Ahabs. Um dem König die Gelegenheit zu verschaffen, ein ihm gelegenes Stückchen Bauernland zu kon• Oppenheim Dos bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wllmeridorfer Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe Gemeinschaft auferlegen zu können, soweit nur die Formen dem Leben der Gemeinschaft entsprechen und dem Gewissen des Einzelnen nicht widersprechen. Dem religiösen Bewußtsein eines nationalen Juden schlägt die Tatsache ins Gesicht, daß auf Grund jüdischer Gesetzesvorschriften jüdischer Boden im Schmittajahr an Araber verkauft wird. Es geht nicht an, die Rentabilität einer jüdischer! Landwirtschaft in Frage zu stellen, weil ,am Schabbath nicht gemolken oder gewisse Futteriiiischuugen nicht angebaut werden dürfen. Vollends unmöglich ist es aber für ein religiöses Denken, das nach absoluten Maßstäben strebt, sich damit zu benihigen, daß mittels balachischer Exegese morgen doch erlaubt werden kann, was gestern noch verboten war. Wir spüren, hier stimmt etwas nicht. Entweder ist diese Religion dem Leben fern und kann daher im Herzen des Volkes sich ihren Platz nicht zurückerobern, oder sie ist tatsächlich keine Religion, die beanspruchen dürfte, als Unterwerfung unter das Höchste und als dessen Ausdruck zu gelten. Nationale Mlzwoth In uns die Sehnsucht nach Religion zu erwecken, in uns wieder das Bewußtsein zu entfachen, daß unser Leben auf überpersönliche, absolut geltende Maßstübc zu beziehen ist, gilt die Arbeit von ״Beth-Jisracl“. Wir rufen nicht nach einem neuen Synhedrion, um in den Alltag wirkende Gesetze abzuändern. Unsere Sorge geht nicht darum, unseren Alltag von Gesetzen zu befreien, sondern wir spüren, daß die Grundläge des alten Systems erschüttert ist. Unser Streben geht dahin, die neue jüdisch e G e s e I 1 s c h a f t mit der religiösen V e r a 111 w o r 11111 g 7 11 b e 1 a s t c n, daß sie von sich aus ihrem religiösen Leben die religiöse f orm zu geben vermag. Als religiöse Form gilt uns nicht mir das, was durch die Jahrtausende geheiligt ist, sondern das, was durche die Heiligkeit der nationalen Eotdcrutig in dieser Stunde geadelt wird; denn einer! religiösen Charakter bekommt eine Tat nicht durch sieh seihst, sondern du teil ihre Gesinmmg. U n d d i e s e n A d ei religiöser (i 0 s j n n u!1 g gilt es, d e n Handlnn g e n d e s 11 a t i o tt a I e 11 Aufbans auf zuprägen und nicht in den Menschen, die den Pilug über das Fand führen, das Gefühl aufkommen zu lassen, daß ihnen der irdische Teil der Schöpfung auferlegt sei und jenen anderen der himmlische. Ein gesunder Instinkt ist für die Aufgabe notwendig, im Chaos der Vo'.kswcrdung befanden sich unsere Väter auch schon in anderer Stunde, und die starke ITaml, die Mosche vor den Augen des ganzen Volkes gezeigt hat, bezieh» der Talmud auf die Tat, mit der Mosche die ersten Tafeln zerbrochen hat. Blasphemie hätte man dieses Lob genannt, stände es nicht im Talmud, doch menschliche Aufgabe scheint es zu sein, Tafeln zu zerbrechen und um neue zu ringen. Der Talmud erzählt weiter: Gott wollte Mosche die neuen Tafeln nicht geben, da rang Mosche mit Gott und entriß sie ihm., Una um dieses Ringen gellt es uns in dieser historischen Stunde. Der Mut, die Tafeln als zerbrochen zu erkennen, muß gepaart sein mit dem Willen, um neue zu ringen. db fiszierctr, welches der Eigentümer gegen Bezahlung, nicht gutwillig hergeben wollte, stiftete Isebel einen falschen Prozeß gegen Naboth an, der mit dessen Steinigung lind der Konfiskation des strittigen Bodens endete. Und liier, quer durch den Emek, als das verkörperte moralische Gewissen seiner Zeit schreitend, tritt der Prophet Elias in Aktion. Gilboa begrenzt den Emek im Osten, clc-r Karmel im Westen. Dort hauste der von Isebel gehaßte Elia in der Verborgenheit einer Felskluft. Die ruchlose Tat rief ihn aus seiner Verborgenheit und quer durch das Emek eilend hielt er dem Aliab das Verbrechen vor und verkündete ihm das göttliche Strafgericht. So haben wir Afttle als Mittelpunkt einer historischen Landschaft im Norden von den Bergen Nazareth, Givath More und Tabor, im Osten vom Gilboa und der Talscnke zwischen Gilboa und Givath More und im Westen vom Karmel begrenzt gesehen. Auf der Flöhe des Kännel südlich des erwähnten Altars des Elias liegt noch Jok nennt, bekannt atts dem Buche losua, wo der König von J״k׳u־nn1 der Koalition der kanaanitischon Könige gegen Josua nngeliörte und mit ihnen geschlagen wurde. Und wieder nur eine kurze Strecke ins Emek hinein von Jokne.am ans hegt auf einer Bodenwelle Nahalal, heufe eine blühende Siedlung, zu Josuns Zeilen gleichfalls die Residenz einer der gegen Josua verbündeten kanaanitischen Gau-Fürsten. Fs!)leiht nur noch übrig, die historische Landschaft von Afuie im Süden abziisehließen. Auch hier Berg׳.*, um das Bild der Muschel zu vervollständigen. Es ist das Gebirge Ephraim, welches der Stamm Ephraim bei Eroberung des Landes durch Josua in Besitz nahm. Heute sitzen die Araber darauf wie überall auf den Bergen um Afuie, während die luden das Tal besetzt hatten. Damals hielten die Juden die Berge besetzt, denn — wie es im Buche Josua beißt . die Ephraimitcn konnten die Kanaaniter des Tales nicht vertreiben, weil sie eiserne Wagen besaßen. Nur Tributpflicht konnten die Ephraimiten von den Kanaanitern des Tales erzwingen. Wie Serin als historischer Vorposten von Gilboa von Osten nach Westen ins Emek vorgeschoben ist, so ist im Gebirge Ephraim auf einer Bodenwelle als historischer Posten Megid'do vorgeschoben, früher eine bedeutende Stadt, heute nur eine pcographisehe Bezeichnung. Gilboa und Megiddo bezeichnen zwei schicksalsschwere Namen in der jüdischen Geschichte. Mcgiddo ist bei der Geschichte Salomos erwähnt: Er hat diese Stadt ausbaueil lassen. Und wie bei Gilboa der erste König der damals noch nicht getrennten Juda und Israel fiel, so fiel bei Gilboa einer der letzten jtidäisclicn Könige, Josia. losia hatte als Vasall des Babyloniers Nebukadnezar die Wacht gegen Süden zu halten. Pharao Nccho rückte heran, um den uralten Kampf zwischen Nord und Süd um das Gebiet zwischen dem Euphrat und dem Strome Aegyptens zu erneuern. Pharao Necho marschierte auf der alten einzig möglichen Heer- Straße, welche die Eroberer von Süden nach Norden gezogen sind, längs der Küste. Dort ist später der Ptolomäer gegen Antiochus von Syrien gezogen und noch viel später Napoleon auf seinem Kriegszug• gegen die Türken, der ihn bis vor die Mauern Akkos führte. Auch die Engländer 1111 Jahre 1918 marschierten denselben Weg. Offenbar hatte Josia sich überraschen lassen, da Necho durch die Landenge bei Jaffa zwischen Gebirge und Meer ungehindert zog. Josia zog hinter dem Heere des Aegypfers her, und bei Megiddo kam es zur Entscheidung. Josia, der große König der religiösen Reform nach Hiskia, fiel. Sein Tod war gewissermaßen das Wetterleuchten, welches das nahe Gewitter verkündete, unter dessen Schlägen der letzte Rest der jüdischen Selbständigkeit zusammenbrechen sollte. So rundet sich von Afuie aus der Blick ringsum über idyllische und tragische Vorkommnisse der jüdischen Geschichte. Dr, St., Afuie (Schluß des Palästinateils) ו

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