Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-09-06 · Heft 71 (6.9.1938) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 71 (6.9.1938)
Date
1938-09-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653609--32627-2684364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 71, 6. IX. 1938 ״Fundamental-Bedingungen“ Zur Meinungsäußerung der englischen Zionisten drei gefährliche. Uie Selm u \ er wunUcien sind Joseph Ben Schlomo (35 Jahre alt). Mrhael Daviüoff (•1,1 jalue) und Benjamin Bebe'ialm (37 Jahre alt). Eine kleine Synagoge im Sehe 11 u!1 a t Sch a pi ro- V'iertel an der $:adtgrenze von Jaffa wurde heute früh von Tcrrorhteu in Brand gas eckt und zerstört. Die Torarollen konnten gerötet werden. Der hei (hin Jawiie verwundete Ch.ina Lieblich (26 Jahre) erlag heute seinen Verletzungen. Der jüdische I amte•■ Salman Lei b 0 v i t s c h wurde heute morgen, ab■; er in der Nahe■ von S 1 c!1 r o!1 j a a k 0 \v arbeitete, ve־׳w!!m!et. Heute morgen fielen zwei Araber dem internen arabischen Terror zum Opfer. Lin diii-ilicher Araber wurde in der Nähe des I )aina:- kus-Tore.-, in Jerusalem erschossen, und in Jaffa wurde eiu arabischer!Minist ermordet. Gestern morgen begann vor den! Militärgericht in Jerusalcm die Verhaft!111;11׳ gegen Dacid AI a d a r, ei:>״;n ■ISjährigen Jemeniten, der unter der An Rage stellt, am 3. Juli eine Bombe in ein arabisches Kaffeehaus an der Fel Auixver Stadtgrenze ge wo; feu zu hauen, Aladar wurde frei gesproclicu. Beamten-EmUr runq Wadieh Issawi, der amüsier,de Bezirksbeamte von Nazareth, zwei a;ahische Steuerbeanite und zwei andere Araber wurden gestern naehmitt.ig von iiswaf inelen Terroristen versehlep[)(. naduie :1 Dc eine Uei Ibulle '0.1׳ C '200 aus entern in vier Nahe li ׳getulen .A! ,!öe.dorf ׳ i.r/e ■; •t Itat’en. Die verschleppten Arebm I,ci1r 111 11 eine nach Nn/anth zurück. In dem arabischen I )orf K!! b e l> e, das au der Land- Straße zwischen J e; 11s;.:1;1! und iafia liegt, winde!: im Zusammenbang mit den in k,,״c:׳ Zeit d״ t. verüb’׳••! Angriffen auf voruberfahreu.ie Manen niciirei'e 11 ,user zerstört. Größeres Gefecht Jerusalem, ■1. re:,011:1.er. Am Wh..lienemle sind in Palästina e.ne Ap/ohl 'D.Iim־;;:'•: /n e er/ueitneit gewesen. Bei einem 1;1eh wtundigcü tietd.h: / ..-,climi I>: i. 1 -110:1 Tiuppen!1 *ul arabischen Twrun-tw: t'ivku 1! ״er N.whi /!im Gj!!1!ta:’ in der Nahe um Haita emr/Din A׳a1;wr. \A>:! arabi-ehe 11 Terroristen wurden in der Nicht /:!:n ü :1111! 1g in i i ai t a ein arabischer Kaufniaiiu und in Julia ei•! aiaw .eher Loli/ist und ein j 11 d i .> c h e r Krall v. .1 gen I!1 11 1 c 1' erschossen. Im linkn um I!,! i 1: ־ v, :;•de e ::1 je li idter ,oldteaiu: er durch Schtose ernstlich verlernt. 111 der Nahe von Haifa kam ein arabischer Terror;■* hei! dien! Schul iw ec!;-••! 11:1' einem jmlischeu Polizisten 11 in ג Leben. Kampf gegen den Typhus Aus Anlall einer '1! piuoepiJe,me in der Kwu/.a Afikim schreibt, w.e uns aus 'Du Ate.« her.eh, et wird, Professor YD. Strauss!111 ״D.1* au׳: Das Vcrk 11׳! inen einreiner Typhus- und Pa.atyr.husiaIle kann mein vermieden werden. Wühl aber die cpinVm.urtigi• Verbreitung der Krankheit.!3er Zustand in der. Kibbuz 111 ist heute so: Lin .Md‘g!ied hat die Aufgabe, die sanitären hin rieldimgeii zu üW■ wachen. Dieser Mann kämplt gegen de Eiegcurdagc, heauNid! i׳.i den Zustand der Klosetts usw. AAc:-1 fehlt ihm jede Vorb.ldung zu seiner Arbeit. I li'Histens hat er eiamai einen Kurs durchgemacht und 1 ersucht sich jetzt durch Selbst:!:be t weiterzubihlcu. Natürlich liat er, da er nicht Sachverstandiger ist, im Kibbuz nicht die nö>i׳.;e Autorität für sein Amt. Die fachgemäße Ausbildung tile-er Menschen für ihre Aufgabe wäre der erste Schritt zur Bekämpfung der Epidemien. Anwc.sungen der Aerzte allein geiiii teil nicht, wenn nicht •ein vorantivortlichcr •S a 1: h. v erstand: e r am Pialz ist. Unvollkommcne propl;\iaktNche M ׳Ihm 1111:111. ehe 11 ieins nutzen, bestärken nur die Nur hiaavghmt. u e il die Menschen das Gefühl Ile knniineit, daß?,׳:u . .:anzc Prop! ivlaxv u mrt'os ist. Der T vp'l n 0. kann Um. kkidl ui InUn: I r :ikw'nssur. Nah* rundum f jזז. •,!׳.׳׳;umi .A11:-r :in:; ' u1!1 MriUi'h /:! Me iim'Ii. Alle «Ire; m 1!!! m * ' i] V . -x־ ׳; '! :׳; . ,, . ״ ■ \ \ -1 mrüimh •u werden. Dem T ■11׳״ UV,!" - V f 1;!־.i׳; d :e rk iü... 0 1 ,i!!׳׳n i’.eit'.m 11 cl mc 1!lischt w< ftk'ii . 1 •';1- V n-O;!; .1 ■׳r.;:; ruu,T v .. rü ", ו kt!! ir’mlier;ns Kränkln״;-. ijlu'ik: .>t J:1 > Ulm•'! d Nüini.:׳/, 1 י teil! •;׳: m-c'nafts- Küche :.,׳!:י!;! luh/;gig! ru (hü! e ־1! k!: ־ru: i>! \ ahu;1-lia t, wo mir u:f! v f t " J ■ ’ ׳ 1? 0: Hf!' i.׳ U »•,־ J ׳ V .!יד: l ׳’. J .kt ü (?01! K’Wm- 7;1י! NC hon durch 1 a;!1! ז \׳m l\‘h:‘-! r.ukui ״״ H׳he'׳en. Auch!1 ׳d'׳: UllilüdÜKt־ .G *;• 1 ivוי־ ״ t!-; ׳. Al!, r ck r Schutz 1 hü o hu ,;־ d׳ ״: י:ן u;: Ji,; liLiKi) w.e d:e Behänd h;!r j ׳J׳:!' /:::n R i; ־ - - h U : Uli; u; Xain uno-aii ttel. Dm Ar in hl d r Iv! 1■ r; rt hv ׳ uihu le Krim; sc. .Wan■;׳: kann Iß - hfl Io 11t; /:! :■uv. , --־uhD U. r H ׳ o! ׳.mhta :10!t'oieiu-r י^! 11 v> ז sr-hr-t. :: c , / 1 :R■;’. , '! hf :־ D" ist u •n t '::׳.In Il,;, s.־; VO' r:tu־r l rrof; ■ eil /am M״ üu; ־■־v. 1; ׳;־״, t! t: /1; n 1 Teil rtu: ־ t;1! u Y0n1lvr1'׳'-־‘־ in! ז! dm־ Karr:;!, JvU n. 11! Ai km z. B. 1 Ul!( ■u :n 31. ::1 Mu 1t. m - 0 c f ■; :1, 1 11־, mch; Wu11:gu r :! - Oh Vl.üctiui .:1 -L ׳r Ivicnr ,.׳v, trbu;u! ' ■ v *1 ist‘!)0 M , .ivh t ך?* •II tu ך ן111 :!/. U‘״■ u •' i 1t Y <! t!!1. st n: ״'I eilt a 1/11iichnu׳! .׳ i'1!;!ilst11 ׳ u uh j!'( 1j־ ];(. J (! n jhrniuj und Vor- 5; du 1 I) ־ Jur 1!v־ 1:n;'r ÜC ÜD GÜ.il, ( Iv .1־. n die Üe i>ertra״unc von M ׳'!Uk;1; M. •ml! : ¬י! rU- - D hi 's'.• MOtel V crmelrung der \V;1 00 h; :ihGDr[1 f:׳';;uY:. U- ■1'! ־:> : in ׳Jen * ToiU'tt״ n .Wie groß die Wi d\N r 1111kl 1! --iiiht 111 k 1 : 1 L ־: 1 •:'itßi'ter In s;i enScher Vörsichtsmaßre.!ein u', /u.;/ru ■ ai Al:k:m, wo kein einziges Kind an Typhus erkrankte, obgleich sechs von den in der Kinderstube 11,u-elu!t,gten Mauchen von der Krankheit ergriffen wurden. Der Monat E!ul in Jerusalem Am V o r a b e n d d e s N c 11 in o 11 d t a g e s des M o - nats L I u I ist es ein heiliger Br,111,1! der sephnrdischen Gemeintle in Jerusalem, au di,-:,;11 Tage die Gräber auf dem Oelberg aui/iisuchen. Jung und,;alt strömt vom fnilien Morgen an auf den ()eiben;. Die I tauen bringen Linier und Kalk mit, um die Gr.iher zu kalken, und die Minner verhandeln mit den < )bmämiern der Lilie",1; ר Ka.'iüber Anshesserimg.-arheiten an den (iriiheni. I )ort stellt eine Sephardin und liest in Ladino ein Liebe', und die Zuhoreriniien schluchzen und klagen, und hier sagt ein Minjan von Männern Psalmen, liie Saiiinielbuciisc gebt reihum unter dem Ruf: ״Mildtätigkeit errettet vom Tode!" So geht es bis zum Nachmittag. Die A-chLena-i:!׳, fasten meist an diesem Tage, Zur Zeit des Mlncha•(!vb,׳;cs versammeln sic sich in den Synagogen und feiern ilc'1 ״kleinen Jot n Kippur“. An diesem läge beginnt man auch das Grab Rachels hei Bethlehem aufzusnehen. lag für Tag und in ruhigen Zeiten auch in der Nnclit bis zum Vornbcnd des VersöhiPingD.ages. Am Gr,alve Rachels gibt e. einen Wamerfall für 11 io Durs'.igen. Der Quell ist durch ein, 11 Sgin bedeckt, der folgende eingemeißelte Inschrift trügt: Dieser Brunnen wurde gefaßt durch die erhabenen fürsten, unsere Brüder, die i!1 Bombay wohnen, zu Lhrcii der ganzen bi li-chen Gemeinschaft, die wallfahrtet, um sich am Grans״!:״ unserer Mutter Rachei niederzmverfen. durch die Beniii'nung!des Rabbi Awraham Mosche Chajim (sein Andenken sei zum Segen) aus Basra, der im Jahre 1S3Q von Mesopotamien nach Palästina kam.“ Die nach ihrem Vorsitzenden sogenannte Woodhead-Commission arbeitet zur Zeit in London. Wie berichtet, hat sie auch dort eine Reihe von Zeugen gehört, unter ihnen den .früheren High Commissioner, Sir Arthur Wauchope. Man erwartet, daß etwa Anfang Oktober der Bericht vorliegen wird, der auf die Frage Antwort geben soll, ob die von der Peel- Kommission vorgeschlagene und in großen Zügen skizzierte Teilung Palästinas iin einzelnen durchführbar ist, und, falls diese Antwort bejahend ausfällt, in welcher Weise die Durchführung erfolgen kann. Es ist erklärlich, daß nunmehr von vielen Seiten versucht wird, im Wege der Kombination zu ermitteln, was das mutmaßliche Ergebnis des Berichtes sein wird. Die begreifliche Wißbegierde verbindet sich — ein schon gewohntes Spiel — mit Versuchen, durch Pressemeldungen die Erfüllung bestimmter Wünsche als sicher hinzustellen und damit für diese Wünsche selbst Propaganda zu machen. Die Üeffcntlichkeil wird dadurch in gewissem Maße irritiert, und das Rätselraten beginnt von neuem und mit größerer Intensität als 711 vor. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, dieses Gewebe der Vermutungen unsererseits weiterzuspinnen. So begreiflich die U n r u h c ist, die sich vieler Juden angesichts der Nachrichten über den möglichen Ausschluß Galiläas aus dem jüdischeu Staat, über Altcrnativvorsch'äge zum Peel-Plan u. ä. bemächtigt, so wenig sinnvoll ist es, sich auf den Scharfsinn zu verlassen und ein Ergebnis der Woodhead-Commission zu konstruieren, das in Wirklichkeit eben noch nicht vorhanden ist. Die Wartezeit wird dadurch um nichts verkürzt, die Atrno- ,Sphäre der Nervosität, die sie erfüllt, eher verstärkt. Unsere Aufgäbe ist es, in diesen Wochen, in denen eine bedeutungsvolle Entscheidung näherrückt, unseren eigenen Standpunkt nochmals zu überdenken und zu präzisieren. * Die englischen Zionisten haben (vgl. Nr. 69 unseres Biatics — Red.) die Grundbedingungen formuliert, die in jeder künftigen Lösung des Paläs,inaproWems gegeben sein müssen, wenn eine solche Lösung für die jüdische Seite annehmbar sein soll. Sie haben drei derartige Bedingungen angegeben: das Recht auf dauernde jüdische Einwanderung, innerhalb der Gr uzen der wirtscha'Pichen Aufnahmefähigkeit des Landes, wobei diese Fähigkeit erfahrungsgemäß dank jüdischer Arbeit größer werden kann; das Recht auf ungehindei te Erweiterung unserer I a nd wirtschaftlichen Kolonisation, schließlich Anerkennung des K 0 1 i e k t i v - rechtes des jüdischen Volkes auf Palästina und Anerkennung seines- Anspruches, in Palästina nicht mehr das Leben einer Minderheit führen zu müssen. Sicher geben diese drei Thesen dem Vorstellungen Ausdruck, die das ganze jüdische Volk mh dem Begriff einer ״Nationalen Heimstätte“ verbindet. Würden diese Kardin Vanschauungen nicht verwirklicht werden, sondern theoretische Forderungen bfeiben, so würde das Gefühl nicht zu unterdrücken sein, daß der Zionismus in Palästina sein eigentliches Ziel ve׳fehlt hat. Daß in einem solchen Falle nicht mehr verletzt werden würde als nur die Eigenliebe und der Programinpatriotismus einer bestimmten Organisation, wird niemand behaupten dürfen. Die Verwirklichung jener drei oben genannten Thesen s'eilt die einzige Hoffnung dar, die ein Volk von 1f> Millionen hat. Wie die Forderung nach dauernder jüdischer Einwand er 1111 g zustande kommt, braucht im Zeitalter der Konferenz von l'vian nicht breit erläutert zu werden. Zweilinddreißig Staaten haben durch ihre Teilnahme an dieser Konferenz zu erkennen gegeben, daß sie in der Existenz der jüdischen Wandernngsnot ein Problem sehen, dessen rasche und großzügige Lösung ein gemeinsames Anliegen aller Völker darstellt. Auf einer K־׳>n׳erenz der interparlamentarischen Union im Haag hat der äg'Ttische De'״g':erte, also ein Araber, in einer Rede zum Palästinaproblcm rückhaltlos anerkannt, daß das Tande׳ un״sbedtirfnis der Judenbeit Berücksichtigung verdient. Wir haben unsere Augen niemals vor der Tatsache verschlossen, daß dieses Wandern»״sbeiliirfnis in den letzten 1ahreu Dimensionen angenommen hat. die seine Erfüllung in den Grenzen Pa'ästinas nicht als möglich erscheinen lassen. Ls wäre ab״r ein groteskes Spiel, wenn die Beantwortung der Frage: ״Wohin mit der jüdischen Auswanderung'5“ von der Man;latarmacht Pa'ästinas dem MiiEHand des Bri'ish Empire ziigerchoben werden würde und umgekehrt. Gerade wenn man die Schwierigkeiten betont, die es mit sich bringen würde, um gleichberechtigte M'tglieder des Commonwealth of British N’ations zur Aufnahme einer irgend erheblichen jüdischen Einwanderung zu veranlassen, so'lte man nicht das Recht auf Das Werk der Jugend-Alija 3000 Jugendliche In Palästina Die Jugend-Alija hat innerhalb der gültigen _ Einwanderungs-Schedule Zertifikate ohne numerische' Bc- Schränkung erhalten. Dadurch ist es der Arbeitsgerne inschaft für Kinder- und Jugend-Alija möglich, bis zum 1. Oktober 1938 etwa 803 Jugendliche zur Alija zu brin* gen. Außerdem stehen noch die Bestätigungen für etwa 145 Zertifikate in Aussicht, Damit erreicht die Gesamtzahl der durch die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alija nach Palästina gebrachten Jugendlichen bis 1. Oktober 1938 rund 30,30. Von der Woche Die Gesandtschaft von Saudi-Arabien in London dementiert die Nachricht, daß König lbn Saud der Britischen Regierung zur Lösung der Palästinafrage e.nen Waffenstillstand für zehn Jahre auf der Grundlage des Status quo vorgeschlagen habe. Die Stadtverwaltung von Petach Tikwa erhielt von der Regierung die Genehmigung, eine Anleihe in Höhe von 11 1I0!0 zur Begleichung von Schulden von Barclays Bank zu erhalten. Der erste Passagier, der in dem neuen Flughafen von Tel Awiw, der noch nicht ganz fertiggestellt ist, landete, war Pinchas Ruten berg, der von Haifa eint al. Der Flugbaten liegt in der Nähe des Reading-Elektrizitätswerkes an der Mündung des Jarkon. jüdische Einwanderung dort verkürzen oder in Frage stellen, wo es seit zwei Jahrzehnten in aller Form besteht und sich für die Entwicklung und zivilisatorische Erschließung eines rückständigen Landes von höchster Bedeutung erwiesen hat. Landwirtschaftliche A 11 s i e d 1 u n g ist das Herz- und Kernstück des jüdischen Paläsfinaaufbaus. Manche Beobachter haben bemerkt, daß auch in Palästina die Tendenz zum städtischen Leben sich geltend mache und nur ein Teil der jüdischen Einwanderung die psychologischen und praktischen Voraussetzungen mitbringt, die zur Begründung eines landwirtschaftlichen Siedlungswerkes unerläßlich sind. Dennoch weiß jeder, der einmal in Palästina gewesen ist, welch’ außerordentliche Leistung die Juden gerade in der Landwirtschaft vollbracht haben. Es gibt zahlreiche hochgestellte Engländer, die — nach ihrer eigenen Aussage — der Anblick jüdischer Dörfer in aufrichtige Bewunderung versetzt hat. Jeder Kenner Palästinas, der das Land vor zehn, zwanzig und dreißig Jahren bereist hat* und es in der letzten ,Zeit wiedersah, war betroffen von dem Anblick eines in weiten Teilen grünen Landes. Tausende jüdischer Jugendlicher bereiten sicii in vielen Ländern darauf vor, ein Leben bäuerlicher Arbeit in Palästina zu führen. Die höchsten Hoffnungen richten sich auf diese Menschen, du:ch deren Arbeit auch ein Ideal menschlicher Erneuerung Gestalt gewinnen soll. Das jüdische Volk hat in langen Jahrhunderten der Zerstreuung schmerzlich erfahren, wie unsicher es usn eine Gruppe von Menschen bestellt ist, die nicht im Boden verwurzelt ist. ln den Moschawim und Kavuzoth in Palästina ist der Wunsch der Juden verkörpert, endlich ein Leben zu begründen, das Dauer und Bestand verspricht. Daß das jüdische Volk durch seine historische Verbundenheit mit Palästina einen Kollektivanspruch auf eine Nationale Heimstätte in diesem Lande hat, ist im Mandat des Völkerbundes, demjenigen DokunLnt, das für die englische Position in Palästina die Rechtsgrundlage bildet, feierlich anerkannt. Es ist wohl nicht ernstlich anzunehmen, daß diese Anerkennung widerrufen werden kann. Die Frage ist nur die, welche tatsächlichen Folgerungen aus dieser Anerkennung hergeleitet werden sollen. Es steht unseres Erachtens mit dieser Frage in genauem Zusammenhang, wenn die Zionisten in England die Forderung nach dieser Anerkennung mit der Erklärung verbinden, daß das Leben des jüdischen Volkes in Palästina nicht das Stigma eines Minderheitendaseins tragen darf. Diese Erklärung stammt aus dem Bedürfnis, die tatsächlichen Verhältnisse des Lebens derart zu entwickeln, daß die theoretische und formelle Anerkennung des Kollektivrechtes in der politischen Praxis nicht in Frage gestellt werden kann. Allzu zahlreich sind die Beispiele der Geschichte, daß die wohlklingendsten Erklärungen, die hesterdachten Verträge, die sorgfältigst formulierten diplomatischen!Dokumente nicht imstande sind, einer Minderheit wirkliche Freiheit der Entfaltung zu verbürgen, wenn nicht das natürliche Gewicht . in es genügend großen Bevölkerungsanteils len Buchstaben der Verträge lebendig macht. Wir starren nicht gebannt auf irgendein Prozentverhältnis und sind nicht des Glaubens, daß Friede und Sicherheit von irgendeiner Relation der Zahl allein abhängt. Aber man kann einem Volke, das überall Minderheit ist und von den Grenzen der Wir* kungskraft zwischenstaatlicher Garantien oft genug sich überzeugen konnte, nicht verargen, wenn es sich vor ähnlichen Gefahren wenigstens in d e in Gebiet schützen will, das den stolzen Namen einer Nationalen Heimstätte trägt. * Die Kräfteverhältnisse des erheblich größeren Raumes, zu dem Palästina gehört, werden durch eine Erfüllung der jüdischen Forderungen in Palästina keineswegs verschoben. Die Idee, diesen größeren Raum, in föderativen Formen politisch zu organisieren, findet unsere Sympathie. Die friedlichen Güter der Wohlfahrt könnten durch eine solche Organisierung um ein Vielfaches vermehrt werden, und gewiß nicht nur in Palästina selbst. Der Stachcldrahtzaun, der gegenwärtig die Nordgrenze Palästinas von Syrien absperrt, um eine Unterstützung des Terrors von außen zu verhindern, ist nicht unser politisches Ideal. Die Zusammenfassung von Völkern, die national, kulturell, nach den Stufen ihrer gesellschaftlichen Entwicklung durch tiefgreifende Unterschiede von einander gesondert sind, kann aber nur dann gelingen, wenn die geschiehtliehen Eigenarten eines jeden Volkes respektiert werden und jedem Volk ein Raum zur Verfügung stellt, in dem diese Eigenart ihre gestaltenden Fähigkeiten bewähren kann. Das große Ganze wird nur dann leben können, wenn die Partner, die es bilden, in ihren Lebensrechten nicht verkümmert werden. —s. Chaluzim der Arbeit in der Stadt. Gelegentlich der Erinnerungen an den ermordeten Alexander Seid wird von dem Beginn städtischer Arbeit durch die Pioniere des neuen Jischuw erzählt: Vor 33 Jahren fand sich die erste Kwuza der Steinmetzen in Jerusalem zusammen. Dies Ereignis bedeutet den Anfang der Neubelebung der alten Stadt, in der damals der alte Jischuw herrschend war. Der Bann gegen Ben-Jehuda, den Erwecker der hebräischen Sprache, tat noch seine Wirkung. Es war nur eine kleuie Gruppe von Chaluzim, die hier eine Bresche schlug: Ben-Jehuda, den Lehrer joschua Barsilai, Prof. Schatz, den Begründer des Bezalei, eine Gruppe von Mädchen, die Teppichweberei im Bezalei lernte, und die ersten jüdischen Steinnietzen in Jerusalem. In titiem Keller in der Jaftastrafie kochte man sich nach einem schweren Arbeitstag eine dünne Suppe, wie es damals üblich war. Es war eitle Gruppe von ״Barfüßlern“, s:e lebte von trockenem Brot und Oliven, aber in den Herzen brannte ein Feuer. Todesfall. 111 Tel Awiw, wo er seit fünf Jahren lebte, verschied kurz vor Vollendung seines 81. Lebensjahres, der Rabbiner und Schriftsteller Dir. Isaak Muenz. Dreißig Jahre lang wirkte Dr. Isaak Muenz als Rabbiner in der Gemeinde Be re nt bei Danzig. Bekannt wurde er durch seine schriftstellerischen Arbeiten. Seine große Maimonides-Biographie, ein Standardwerk, ist in deutscher und englischer Sprache erschienen und wurde in gekürzter hebräischer Ausgabe anläßlich des Rarabam-Jubiläums als Schulprämie in Tel Awiw vielfach verwandt. Von seinen anderen größeren kulturhistorischen Arbeiten seien noch erwähnt: ״Jüdisches Leben im Mittelalter“, ״Jüdische Aerzte im Mittelalter“, ״Stammtafel des Schemen Rokeach“, sowie eine Fülle wissenschaftlicher Artikel in der jüdischen Presse. (Schluß des Palästina Teils)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.