Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1938)
- Date
- 1938-09-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653549-2653609--32626-2684363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 71, 6. SEPTEMBER 1938 Die palästinensische Araberin Kürzungen im Budget von Tel Awiw Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Awiw, 30. August 1933 Man hat sich bereits in Tel Awiw daran gewöhnt, daß das Budget für das laufende Jahr mit großer Verspätung beschlossen wird. Zu Beginn des Jahres — das heißt in diesem Fall von April an — bemüht sich der Stadtrat in einer langen Reihe von Sitzungen um die Etatberatungen, di« sich Monate hinzuzichen pflegen. Ist schließlich nach vieler Mühe und mit beträchtlicher Verspätung ein Budget- Vorschlag zustandegekommen, so ,beginnt der Kampf um die Bestätigung der Regierung, die nach der 'herrschenden Munizipalit.ätenordnung die Kontrolle über die Finanzgebarung der Stadt besitzt und sie in der Regel dazu benutzt, die Ausgaben von Tel Awiw zu beschneiden, ln diesem Jahre gehen die Din ge noch langsamer und mit noch größeren Schwierigkeiten als sonst vor sich. Wir haben bereits fünf Monate des laufenden Budgetjahres hinter uns, aber noch immer kein bestätigtes Budget. Nachdem innerhalb der Stadt- Verwaltung nach einer Verhandlung von Monaten der Etat Anfang Juni verabschiedet worden war, wurde er Ende Juli von der" Regierung zurückgesandt, und zwar mit betrachtliehen Modifijierungsforderungen versehen. Seitdem sitzt der Stadtrat von neuem in Budgetberatungen — die diesmal unter Ausschluß des Publikums stattfinden — und bemüht sich tim die notwendigen Kürzungen. Diese Woche ist das zweite Budget in Tel Awiw verabschiedet worden, das nun noch einmal dem Distriktkommissariat zur Bestätigung vorgelegt wird. Wenn alles gut geht, wird also die Stadt nach Verlauf eines halben Jahres ihr Budget für das laufende Jahr fertig haben. Anormale Bedingungen Die Stadt Tel Awiw ist heute so groß geworden, ihre Verwaltungsaufgahcn so bedeutend und ihr Gewicht in der jüdischen Wirtschaft des Landes so stark, daß man ihr Budget nicht einfach als das irgendeiner Stadt in Palästina ansprechen kann. Von ihren Einnahmen und Ausgaben han* gen die öffentlichen Dienste für ein Drittel der palästinensischen Judenhcit ab, von ihrer organisatorischen Begabung und Hilfsfähigkeit das Schicksal der wirtschaftlich schwächsten Elemente der Bevölkerung. Die Stadt hat die letzten fünf Jahre hindurch immer unter anormalen B e d i n - gitngen arbeiten müssen. Wahrend der Prosperity konnte sic die verschiedenen Zweige ihrer Verwaltung nicht rasch genug ausbauen, um mit der Expansion der Stadt Schritt zu halten. In den letzten Jahren wiederum hatte sie schwer unter der immer drückender werdenden Wirtschaftskrise zu leiden, die ihre Einnahmen verringerte und zugleich die Anforderungen an soziale Hilfe erhöhte.. Der Kampf, der in den letzten Monaten in der Stadtverwaltung ausgefoehten; wurde, ging um die Art, wie man diese Widersprüche zwischen Einnahmen und Ausgaben einigermaßen ausg'eichen könnte. Ohne Frage hat dieser Kampf viel zu viel Zeit in Anspruch genommen, hätte auch bei inehr organisatorischem Geschick und besserer Regie leichter gestaltet werden können. Selbst bei idealen Verhältnissen im Stadtrat wären jedoch die Dinge immer noch sehr kompliziert geblieben, da die Munizipalität nicht allein über ihre Ausgaben entscheiden Idarf, sondern auf die Bestätigung der Regierung angewiesen ist. Hier liegt der Grund für weitere Verschleppitiigcn, für endlose Verhandlungen, für unnötige Härten in der Kasseiitühiung. Tel Awiw ist im Grunde über die Fesseln, die ihr durch das Munizipalitätcngesetz angelegt i sind, längst hinausgcwachsen, und es breitet sich immer mehr die Ansicht auch bei den objektivsten Leuten aus, daß ־ 'e»n den Behörden ans kaum Hilfe, dafür Verzögerungen und ' Erschwerungen zu erwarten sind. Der ״Dawar“ beginnt, wie uns aus Tel Awiw geschrieben wird, mit der Veröffentlichung einer Artikelserie über das interne Leben d er palästinensischen Araber. Die Verfasserin ist eine nichtjüdische Europäerin, die längere Zeit unter den mohammedanischen Arabern Palästinas gelebt hat. Der erste dieser Artikel behandelt die Lage der palästinensischen Ara b erin: Die hier geschilderten Zustände sind für OS Prozent der arabischen Frauen Palästinas charakteristisch. Nur etwa zwei Prozent der Frauen aus den reichsten Familien, die sieh eurerpäischen Sitten angepaßt haben, leben ein anderes Leben. Im ganzen ist der europäische Einfluß liier bei den Frauen nicht spürbar, während er sich in der Türkei und auch in Aegypten stark bemerkbar macht. D e Engländer neigen nicht dazu, sich in solch« Dinge einzumischen, und die Araber selbst sind daran interessiert, die Frauen auf diesem ihnen bequemen Niveau zu halten. Zudem macht die Unkenntnis anderer Verhältnisse als die des c'genen Landes und Volkes die arabische Frau zu einer eifrigen Nationalistin. Das arabische Mädchen wird nur für die Ehe und d e Mutterschaft erzog:: 1. Sie lernt völlige Unterwerfung und Genügsamkeit, auch wenn sie aus wohlhabenden Kreisen stammt. Früh begre'ft sie, daß sie ein Geschöpf minderen Ranges ist, und daß in erster Linie ihre Brüder kommen, Die Brüder erhalten eine bessere Erziehung, besseres Essen und ärztliche Hilfe im Falle der Erkrankung. Ein Mädchen muff meist von selbst gesund werden. Mit 7—8 Jahren kennt das arabische Mädchen alle inneren Verhältnisse der Familie und der Nachbarschaft. Gespräche der Frauen auch über intim« Wohnverhältnisse bringen häufig eine frühe Aufklärung mit sich. Das Ziel der Mädchcncrzichung ist die Heranbildung einer guten Hausfra 11 und einer g e 11 o r s a m e!1 E h e - frau. Wenn sie dem .Mann noch Söhne geb'ert, so steigt sie im Wert und im Einfluß. Ist sie jedoch kinderlos oder gefällt sonstwie ihrem Mann nicht, so droht ihr die Gefahr der Scheidung oder de der Nebenfrau. Freilich sind beide Erscheinungen aus verschiedenen Gründen in letzter Zeit zurückgegangen, aber trotzdem existieren sie noch und sind keineszwecke, Einnahmen für Bauerlaubnisse, die Abgaben für Vergnügungen (Kinos usw.) zeigen einen bedenklichen, aus der Wirtschaftslage leicht erklärlichen Rückgang. Nimmt man dazu, daß auch die Eingänge aus den Verkehrskooperativen der Gemeinde usw. gesunken sind, so sind die Aussichten für das laufende Jahr in der Tat nicht rosig. Kampf um Kürzungen Die Stadtverwaltung konnte sich also den Forderungen der Regierung nach Kürzungen schlecht verschließen. Es handelt sich um ungefähr 10 0״ der Ausgaben, also um ca. 50 000 Pfund, von denen 20 000 Pfund in Reserve!gestellt, 30 000 Pfund cingespart werden müssen. Um di« Art, wie dieses geschehen sollte, wurde im Stadtrat in einer Reihe geschlossener Sitzungen gekämpft. Der Bürgermeister Rokacli versuchte der Frage so beizukomnien, daß er auf die Zusammenstellung des früheren Budgets zurückgriff und die in diesem Jahre projektierten Zuschläge zu streichen vorschlug. Bei einem Teil der Streichungen wurde Einstimmigkeit erzielt, bei dem Rest, der nur etliche tausend Pfund umfaßte, gab es scharfe Meinungsverschiedenheiten, weil hier besonders umkämpfte Posten (zum Beispiel auch der Beitrag zur Arbeiterschule in Tel Awiw) zur Debatte standen. Nach vieler Mühe wurde ein Kompromiß erreicht und Kürzungen im Betrage von 20 0 00 Pfund vorgenommen. Für den zu kürzenden Restbetrag von 10 ODO Pfund forderte der Vertreter der Hausbesitzer Schoschani die Kürzung der Beamtengehälter in der Stadtverwaltung in Höhe von 10 bis 30 ",0. Dieser Vorschlag, dem auch Rokacli nicht zustimmte, wurde zurückgewiesen und beschlossen, den Beamten das Gehalt für die letzten zwei Wochen des Jahres zu kürzen oder bis auf bessere Zeiten zurückzustellen. Schoschani, der seit dem Ucbergang der Arbeiterfraktion in die Opposition mit Rokach zusammen die Leitung des Stadtrats bildet, hat es nach diesem Beschluß abgelehnt, die Verantwortung für das Budget zu tragen und hat seine Acmter in der Verwaltung niedergelegt. Somit ist der Bürgermeister heute allein für die Führung der Geschäfte verantwortlich. Die budgetäre Lage von Tel Awiw ist heute für die Stadt von außerordentlicher Bedeuung. Man hat in den letzten!Monaten — obwohl das Budget nicht bestätigt war — sich mit allen Kräften bemüht, der Arbeitslosigkeit durch öffentliche Arbeiten zu steuern. Dabei wurde weitgehend mit der Jewish Agency zusammen gearbeitet, die auch bedeutende Gelder der Stadt zur Verfügung stellte. Nördlich des Jarkon werden umj«ssemle Nivellierungsarbeiten vorgenommen, ebenfalls im Stielen bei Kirjath Awodab. Außerdem besteht ein um lassender Plan für Sc 11111 b a u t e n, die die Stadt dringend braucht, und für Vervollständigung des Straßennetzes. Jedoch braucht man für jeden derartigen Plan, der besondere Geldbeschaffung verlangt, die Bestätigung der Regierung, und diese wird nur mit außerordentlichen Verzögerungen und auch dann nicht immer erlangt. Für die Wetterführung öffentlicher Arbeiten ebenso wie für die Unterstützung der Schichten, die augenblicklich aus dem Arbeitsprozeß eliminiert sind, ist jedoch rasche Geldbeschaffung eine absolute Notwendigkeit. Auch jetzt ist die Situation in der Stadt durchaus ernst, die städtischer! Arbeiten haben jedoch bisher einer Verschlechterung einen Riegel vorgeschoben. Während uie von den Behörden verlangten Kürzungen zu verstehen sind, ist die Kreditpolitik der Regierung der Stadt Tel Awiw gegenüber durchaus unbegreiflich. Da nicht anzunchmen ist, daß sie die Lage in der Stadt nicht kennt und ihr die Dringlichkeit der Arbeitskredite unbekannt ist, erhält man den Eindruck, daß di« zuständigen Behörden den wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Stadt mit Gleichgültigkeit gegenüberstehen. Diese zu überwinden, der Stadt den Weg für rasche Kredite und damit große öffentliche Arbeiten wieder frei zu machen, ist eine der dringenden Aufgaben der nächsten Zeit. Eine neue Pica-Kolonie Die Palestine jewish Colonisation Association (Pica) hat ihr Programm zur Schaffung neuer Siedlungen mit der Gründüng der Kvvuza Mayan in der Nähe von Sichron Jaakow eingeleitet. An dieser Stelle nahmen Angehörige des Makkabi Hazair aus Deutschland von 860 Dunarn Besitz. wegs selten. Die Vielehe herrscht besonders auf dem Lande, denn dort ^bedeutet eine Frau eine Arbeitskraft, und daher kommt auch die Sitte, die Frau gleichsam zu kaufen, d. h. den Vater für die 111m verlorengehende Arbeitskraft einmalig zu. entschädigen. De Institution der Vielehe erschwert natürlieh das Leben für die I ran. Häufig ist nicht Eifersucht der Grund der Schwierigkeit. Manche Frau würde ihrem Mann jede Freiheit gewähren, wenn er mir keine andere Frau ins Haus bringt, mit der sie die Herrschaft in der Küche und im Hause teilen muß und deren Kinder das Erbrecht ihrer eigeneii Kinder beeinträchtigen. Daß die Frauen ihr Los trotz allem widerstandslos hinnchnien, liegt an dem M a n g e I m o derner E rzieh u n g. Ungefähr 90 Prozent der palästinensischen Molrainmedanerinneil sind Analphahetimicn. Ihre einzige geistige Erziehung Et die religiöse. Ihr (iottesbegriff aller ist sehr primitiv. Gott ist für sie ein richtender Greis, der oft harte, den Menschen unverständliche Urteilsspriiehc fällt. Die Frauen sind bei weitern fatalistischer als die Männer. 13,1s Zentrum des Frauenlebens ist die Familie. Häufig lieht die Frau ihren jungen Gatten sehr, aber sie wird ihm nie ihre Gefühle zeigen. -So hemmungslos die arabischen Frauen untereinander in intimen Gesprächen sind, so keusch sind sie dem Manne gegenüber. Ihre Kinder liehen sie bis zur Selbstaufopferung. Auch ihren Brüdern sind sie meist >ehr zugetan, und häufig bleibt der Finflul! der!?rüder auf die Sclnvtc-ier auch noch nach ihrer Verheiratung bestehen. Die Araberin fühlt sich durch ihre Fehensf 111111־ keineswegs beengt oder bedrückt. Im Gegenteil, sie hält das [..eben hinter dem Schleier für das einer Frau aiigciiHowiiv und sie verachtet oder bedauert ihre europ,'Esche Schwester, die des Schlitzes und des Schleiers entbehrt. Der Seide er ist ja ein Vorrecht der höheren Schichten; die a! abisclie Bäuerin, die aut dem Felde arbeitet, tragt ihn nie, und jeder Vater, der es sieh leisten kann, läßt seine 'lochte•־ nicht arbeiten und kauft ihr einen Schleier. Die Lage der Araberin ist ein großes f tc 111 um ifür die F!1f- Wicklung <1 es Volkes, aller es besteht unter den Arabern selbst kein große» Verlangen, sie zu ändern. Spuren der Vergangenheit Antikenfund bei Schawe Zion Zwischen der neuen Siedlung Schawe Zion, wo bekannflich eine geschlossene Gruppe von Einwanderern aus der jüdischen Gemeinde Rexingen aiigc-iedclt wird, und der Siedlung Naharia wurde ein interessantes Denkmal aus der Römerzeit Palästinas gefunden. Fs handelt sich, wie die Vierteljahresschrift des Regicrnngs-I )epartements für Altertümer mitteilt, um einen teil einer alten Straße, die etwa 500 Meter westlich parallel zur heutigen Straße verläuft. Die Straße war mit Sandsteinen gepflastert und sieben Meter breit. Am östlichen Rande dieser Straße fand man einen Stein mit folgender Inschrift: ״IMP(eratori) / NER(oni) / CAESAR(i) ׳ COL(onia) / PTOl.(emais) 7 VETFRfanorum) NER.I-1.(?) / NEA COL(onia) / ־ ET GEDERV. Zur Zeit des Kaisers Claudius zwischen den Jahren 52 und 54 der gewöhnlichen Zeitrechnung wurde in Akko eine römische Kolonie gegründet, in der ausgediente Legionäre angesiedelt wurden. Die Worte Nea Colonia könnten sieb entweder auf Akko selbst beziehen (das würde bedeuten, daß man die Inschrift auf den Beginn der Herrschaft Neros datieren nuifite) oder auf den Platz, der als Kfar Akko in der talmsutisehen Literauir bekannt ist, Uedru ist höchstwahrscheinlieh das (iedora der talmmlischeii Quellen; die Römerstralle zw Gehen Akko und Antioehia wurde unter Nero erbaut. Ein amleiar Ucberred dii-cr Stralle wurde nördlich des Dorfes ez Zib in! jalire 1820 gefunden. Arabisch - religiöser Aufruf gegen Mord ■An.- :irabi.'Clu n Krctwii 1 erlautet, daß mehrere Führer der molum inedaniwlu'ii (ioüi.likci , darunter der Kadi von J e r 0 aale 111 und der .M t:!' t i v o 11 A k k 1>, :ווו die Terrarlstcniiihrer appclbrrt halten, wählend der nächsten drei Monate, k e! :1 e n M o r;1 / u b e g!■ 11 e!1. Der 1i;.a1au1;11:׳d;mi,c'1e11 '1 raditioti /iilolge >!ml diese drei Monate der Buße geweiht mul sind als ..Scheimr AIharam“ bekannt. Die Tc! rnri-teii halten -drli jedoch geweigert, (be-ain Auf ul lö'gc zu leiSut, und mehre re Geistliche erhielten wegen Un:crSut/ung des Aufrufes Drohbriefe. Neue Zwischenfälle Jerusalem, 31. August. (Palcor.) Ein arabischer Ghaffir wurde heute morgen schwer verwundet, als auf ihn au» der Richtung des Damaskus-Tores in J erusalern geschossen wurde. Der Muktar eines arabischen Dorfes int Bezirk von Jerusalem wurde heute am Spätnachmittag in der Altstadt von Jerusalem auf der Straße erschossen und sein Begleiter verwundet. Weitere jüdische Opfer Jerusalem, 1. Sepieniber. (Palcor.) Der 50jährige Sam u e I W e i 11 e r aus Jerusalem und Gabriel C h e 1 o u c 11 e, ein Ingenieur aus Tel Awiw, die am 26. August bei einem arabischen Ueberfall auf ein jüdisches Auto in der Nähe von Sarafcnd verwundet wurden, erlagen heute ihren Ver- Ictzungen. Fliezer B a I a b a n, ein 36j.'thriger jüdischer Eisenbahn- Vorarbeiter in Jaffa, wurde heute morgen von Arabern durch Messerstich« s e h w er verletzt. Heute wurde aut' der Schwelle ries Hauses von Profcssor Leon Roth in Rehawia eine Bombe gefunden, die noch nicht explodiert war. Leon Roth ist Professor an der Hebräischen Universität. Der Buh ״Hof von Deir Fs Scheich wurde in Brand gesteckt und vollkommen zersiöit. Im Bezirk von N a / a r e t h ' wurde mehreren Dörfern wegen Anholirens der OeMGtung und Korn 11 iehstahls aus einer jüdischen Siedlung Geldbußen auferlegt. Weiter wurden Geldbußen über die Stadt Akko und .sichen Dörfer wegen Anschlägen auf das Leben von zwei Juden verhängt. Heute morgen machte eine Gruppe von Arabern aus umliegenden Dörfern den Versuch, mit Revolvern in die Ott om a n i sch e Bank in Jaffa ein/t'li ingen. Arabische Polizisten hielten sie zurück, bis Poli/eiverstarkung «eintraf und die Bande vertrieb. Bombe in Tel Awiw Jerusalem, 2. September. (Palcor.) An der Stadtgrenze von Tel Awiw explodierte heute eine Bombe in einem Korb mit Weintraube.1, der von Arabern gebracht worden war. Neun Juden erlitten Verletzungen, davon Budget: 515 000 LP Das Budget, das die Stadt Tel Awiw in diesem Jahre der Regierung verlegte, belief sich a.uf 515000 Pfund gegenüber dem vom vorigen Jahre von 478 000 Pfund. Als die Regierung im Juni diesen Etat vorgelegt bekam, verlangte sie Streichungen, die einer Verringerung auf die höhe des Vorjahres fast gleiehkam. Die Einnahmen der Stadt in den ersten Sommermonaten waren i!1 der Tat schlecht. Fs ist freilich in Rechnung zu stellen, daß die städtischen Einnahmen in den ersten Monaten immer geringer sind als in der zweiten Hälfte des Jahres, aber auch mit dieser Ein- Schränkung ließen cs die eingehenden Gelder zweifelhaft erscheinen, ob sie eine Deckung des Budgets gewährleisten wurden. Der Grund für die niedrigen Eingänge liegt einerseits in der schwierigen Wirtschaftslage — was ohne weitere Erklärungen einleuchtend ist —, andererseits in einer neuartigen Einschätzung׳, die von der Regierung verlangt wurde. Bisher wurden die Steuereinschätzungen in der buidt nach Bezirken vorgenommen, wobei je nach der günstigen oder schlechteren Lage eine bestimmte Bewertung der Mieten vorgenommen wurde. Nach der neuen Methode seilte die Einschätzung individuell erfolgen nach der Bewertu 11g der Mieten in jedem Haus. Dadurch wurde ein großer Apparat notwendig, und außer einer EinschätzungskonimissEon begann eine Berufungsinstanz zu funktionieren, die sich bald Massen von Berufungen von Hausbesitzern gegenüber sah, 111« sich ungerecht eingeschätzt fühlten. Der Hausbesitzerverein, der hier eine gute Gelegenheit sah, daß seine Mitffiiccler ihre Steuern für einige Zeit zurückhalten konnten, forderte 7.11 alledem seine Mitglieder auf, sich zum Schutze ib rer Interessen gegenüber der neuen Einschätzung a'ler legitimen Mittel zu bedienen, wodurch sich naturgemäß ebenfalls die Eingänge in den ersten Monaten verkleinerten. Man kann —■ wie das meistens der Fall ist — eine Besserung in den letzten Jahresmonaten erwarten, aber es ist unwahrscheinlich. daß die Eingänge so anstcigen werden, daß sich das vorgcschlagcnc Budget decken läßt. Aus den Steuern fließen in Tel Awiw roh gerechnet drei Fünftel der Einnahmen. Der Rest entstammt verschiedenen anderen Beiträgen wie Wassergeld, Zuschüssen für Schulen, Krankenhäuser, Konzessionen usw. Auch hier ist ein Niedergang zu verzeichnen. Wassergeld für Baud