Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-09-06 · Heft 71 (6.9.1938) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 71 (6.9.1938)
Date
1938-09-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653609--32623-2684360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 71. 6. IX. 1238 jüdischen Auswanderung nach Uebersee, insbesondere nach Südamerika, die Seßhaftmachung von Menschen auf dem Lande einen Teil des jüdischen Arbeitsprograinmes darstellt. Aber auch das Problem der Erleichterung des Bevölker11ng>tibe1 schusses durch Auswanderung ist für uns wichtig, wird doch gerade diese Frage von polnischer Seite i!!1 Zusammenhang mit der Behandlung des polnischen judcnproblems in der! Vordergrund der Diskussion gerückt. Außer diesen mehr theoretischen Fragen wird in Genf das Problem der weiterer! Organisation der Flucht־ lingshilfe des Völkerbundes auf der Tagesord- 11u״g stellen, und es ist an/unelimen, daß die beiden bisher bestellenden Büros, Nansenamt und Hig Coinmissioner für Emigranten ans Deutschland, 211 einer einheitlichen Körpersdiaft verbunden werden, die allerdings in erster Linie Aufgaben!iqul 11 .-dorischen Charakters zu erledigen haben wird. Die eigentlichen konstruktiven Aufgaben sind bereits auf das vom Völkerbund unabhängige Londoner Büro übergegangen und werden in Zukunft wohl noch stärker dort konzentriert werden. Dabei muß immer wieder auf jene Gesichtspunkte hingewiesen werden, die bei der Einberufung der Konferenz von Evian im Vordergrund standen. Durch die Entwicklung der letzten Jahre hat eine wachsende Zahl jüdischer Menschen Heimat und Existenz verloren; vor den im Londoner Büro vertretenen Regierungen steht die Aufgäbe, diesen .Menschen zu helfen, um zu verhindern, daß sie ohne fernen Boden unter den Fußen von Fand zu Land ziehen, soziale Probleme verschleppen und dadurch zu einer Belastung werden. Dazu kommt die Erkenntnis und das Gefühl, daß .Menschen einen moralischen Anspruch auf Hilfe haben, die im Zuge von tiefgehenden Umwälzungen der sta;• :liehen und nationalen V er Stellungen eliminiert wordm sin! 1 Aul uns Juden seihst ld eibt bei aller noch so weitgern mli n Hilfe, die uns von a; ׳!11 rn zuteil werden mag, den- ־ Hauptlast und die vo: de Schwere des Wanderungspr. H'-se - liegen. 1 )as W a g n i s der W a n d e r u n g, das Sldlnll ( )ft Tei lei! unseres Vo! kt ■s ats Schicksal zufiel , ist iic'itr \ nederitm ver uns g(-s tr lit mit allen seinen Kon- Sequenz! an an Armut und Sor; pp- , an Verzicht auf Lebensfri 11:111! und t Vbrrwindung v׳> n Schwierigkeiten, aber auch mit -eii 1er Cb,,!nee. eine neue Lebensbasis für kommende Cksi. hie: :liier zu begründen. * Die in Antwerpen tagende zionistische Konferenz beschäftigt sieh mit Problemen der Selbsthilfe. Obwohl sie in erster I t!1;e der Tätigkeit des Keren Hajeßod in der kommenden Arbwigwriode gewidmet sei11 soll, ist es nicht 7u ve:nu!den, daß die politischen Probleme Palästinas in Zusammenbau!־׳ mit den Arbeiten der Technischen Kommission, die ihrem F!!de entgegen gehe!], im Vordergrund des Intercsses stehen. V c i z in a n!1 hat in seiner Rede auf der Konferenz mit großer Klarheit den Standpunkt tmirissen, den das jüdische Volk, das auf unserer Seite der eigentliche handelnde Faktor bei dem Kampf um das Land ist, in dieser Frage einnimmt. Das jüdische Volk kann und wird nicht auf den An- Spruch verzichten, in Palästina ein großes Werk zu schaffen, das Massen von Juden die Möglichkeit gibt, an ihm• teil/unelinien und im Lande ein Leben produktiver Arbeit zu führen. Wie immer im einzelnen die Lösung des Paläsfinaprohlems attssehen mag, auf diese Orundfordermig werden wir nicht verzichten. Von jüdischer Seite wird jedem Versuch energischer Widerstand entgegengesetzt werden, Palästina gegen jüdische MassenetirtWanderung zu verschließen. Wir wissen, daß es in dieser Hinsicht mancherlei Projekte gibt, die in der letzten Zeit auch an dieser Stelle registriert worden sind, und es ist daher gut, daß Dr. Wcizmann mit großer Klarheit erklärt hat, bis zu welcher Grenze wir gehen können, soll nicht unser Werk im l andeillusorisch werden. So schwer cs für da* 1■ jüdische Volk, tias mit Erez Jisrael bistorisch mul See!Belt verbunden ist, war, den Gedanken der Tei- Max Weissler Berlin W, Kleäststr. 12 das Haus f. gescumacK«. ELZE hing des La ׳!des, der 111! Peel-Plan niedergeh gt wurde, zu akzepdrren, so ,weil) ist es, daß eine V t r s t ii 111 mein 11 g (lir-is Planes mit dem Ziele eines rein imaginären Staatsgei׳,;!es ohne praktische Bedeutung für ' das nach Pa- 1,'sriua Mich׳ ode Volk In der (iahnh von keiner jüdischen Guippe gi biiliet u eitlen wird. Verständnis hierfür wird das judi-t he Volk w, iß 1h i all jenen, insbesondere in England fimlwi, die sein;.־ Lage mit ihren großen Schwierigkeiten er- Zue'tich not Wu/nunti in seiner Rede auch in dieser Stunde d׳׳s Kumpfes 111:1 Palästina die Bereitschaft der Juden zur f r i c d I i c h e 11 K o o p e r;.11 i o!! mit dem a r a b i - sch e n V o I k e tu i < e in d r u < k s v 0 I I e n W o r t c n erneut verkündet. Wir sind davon überzeugt, daß auch nach den bitteren Erlebnissen der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart ein Weg zum Frieden gefunden werden kann, und glauben, daII dieser notwendig ist, auch wenn die Frage durch England in einer politischen Entscheidung gelöst wird. A tt c 11 11 a c h der Teilung <1 e s Landes bleibt die Aufgabe bestehe n, m i t dem anderen Volke Pa- 1 a" s t i n a s 7 1t einer f r i e d liehen U ebereinkunft zu gelangen. Fs wird sich dabei um eine U e b e r e i nk u n f t handeln müssen und nicht um ein stillschweigendes Ncheneinauderleben; die früheren arabischen Unruhen sind mehr oder weniger versandet, ohne dal! dem Lande ein dauerhafter Frieden geschenkt wurde. Auch bei den Unruhen des Jahres K)3f> glaubte man zunächst an einen ähnlichen Ablauf, was sich;!P Irrtum erwiesen hat. [die arabische Nationalbewegung hat sich in ihrem aktivistischen Teil als stark genug erwiesen, um ein solches Versanden zu verhindern. Der Uebergang zu dem Zustand der Ruhe wird daher in irgendeiner Form durch eine Art ״Friedensschluß“ besiegelt werden müssen. Auf unserer Seite besteht dafür gewiß volle Bereitschaff, haben wir den Kampf doch niemals gewünscht; not tut nur, daß wir uns an manche Begriffe gewöhnen, die in früherer Zeit vielfach nicht anerkannt wurden, und daß wir innerlich darauf vorbereitet sind, zu einem Zeitpunkt, der kommen muß, wenn er auch nicht vorher bestimmt werden kann, einen Pakt des Friedens abzuschließen. Die Lage im Lande ist dabei heute nicht einfach. Wir veröffentlichten in der vorigen Nummer einet! Bericht unseres palästinensischen Korrespondenten, der sich mit der ״Regierpg der Nächte“ beschäftigte. Die Terroristen haben im Aufgaben für Palästina Aus der Einleitungsrede au! der Konferenz des Keren HajeOod in Antwerpen Von Dr. Art hui• Hantke, Direktor des Keren HajeBod, Jerusalem Bisher haben Konferenzen des Keren Hajeßod nur im Zusammenhang mit zionistischen Kongressen oder Tagungen des Aktionskomitees stattgefunden. Das Direktorium des Keren Hajeßod glaubte aber, diesmal einen Schritt weitergehen zu müssen und unablässig von anderen Tagungen eine Konferenz des Keren Hajeßod einberufen zu sollen. Viele Momente kamen zusammen. Seit zwei Jahren lebt Erez Jisrael in einem schweren Uebergangsstadimn. Auch andere Völker machen solche Zeiten durch und überwinden ihre Folgen, auch wenn sie Jahre und Jahre dauern, Aber das jüdische Nationalheim ist erst im Aufbau begriffen. Und diesen Aufbau durch Jahre fortzusetzen und gleichzeitig so starke Angriffe abzuwehren und das Wirtschaftsleben aufrecht zu erhalten, das ist nicht nur eine schwere Nervenprobe für die palästinensische Judenheit selbst, sondern vielmehr noch mehr für die Masse der Zeichner des Keren Hajeßod überall in den Ländern der Erde. Gerade in einem solchen schweren Moment haben cs die Umstände mit sich gebracht, daß ausnahmsweise und im Gegensatz zti allem, was bisher in der Geschichte der zionistisehen Bewegung üblich war, weder ein Kongreß noch eine Sitzung des Aktionskomitees einberufen werden konnte. Es erschien dem Direktorium des Keren Hajeßod unmöglich, im Oktober das neue Arbeitsjahr zu eröffnen, ohne daß die Masse der Keren Hajeßod-Zeichncr die Parole für das neue Jahr bekam und ohne daß die aktivsten und die am meisten repräsentativsten Mitarbeiter des Keren Hajeßod Gelegenheit zu einer gemeinsamen Aussprache und Beratung und zu einem direkten Kontakt mit der Exekutive der Jewish Agency fanden. Steht doch vor 1!!1s ein Jahr weiterer politischer und wirtschaftlicher Ungewißheit. Und in einem so schweren Jahre haben wir die Aufgabe zu erfüllen, die uns der zionistische Kongreß und der Council der Jewish Agencv im vergangenen Jahr gestellt haben; C 600 000 netto allein für den Keren Hajeßod aufzubringen, ist nicht leicht. Das jetzt zu Ende gehende Jahr hat die Einnahmen des Keren Hajeßod auf eine halbe Million Pfund ansteigen lassen. Was im Jahr zuvor mit Hilfe der Sondersammlung des Mifal Bizaron als einmalige Leistung gelungen war, ist in diesem Jahr der normale Standard geworden. Aber es wird doch großer Kraftanstrengung bedürfen, um auf dieser so jungen Grundlage eine weitere Vermehrung von .£ 100 000 aufzubauen. Wir wollen nicht von der katastrophalen Lage so vieler Judcnheiten und von den vielen technischen Hindernissen sprechen, die unsere Arbeit erschweren. Es war immer unser Stolz, äußere Schwierigkeiten zu überwinden lind auch in Zeiten des Niedergangs die Palästina- Stimmung zu wecken! die letzten Endes die einzige Voraussetzung, aber auch die unumgänglich notwendige Voraussetzung der Keren Hajefiod-'Arbeit ist. Im Augenblick stehen die Möglichkeiten zur Aufnahme von Einwanderern in Erez Jisrael in keinem genügenden ‘Verhältnis 711 den Notwendigkeiten der Auswanderung aus vielen Ländern der Qaluth. Die Wirtschaftslage in Erez Jisrael reizt auch nicht den jüdischen Kapitalisten, sein Geld dort arbeiten zu lassen. Industrie und Handel möchten gar zu gern warten auf den Moment, wo wenigstens die politische Ungewißheit über unsere zukünftige Entwicklung gesdiwtin— den ist. Die Palästina-Stimmung, die unsere Arbeit tragen muß, kann daher nicht auf Aussichten aufgebaut sein, die sich für den einzelnen heute oder morgen erfüllen. Viel schärfer als in den Zeiten der ״Prosperitv“ in Erez Jisrael muß wieder die alte Wahrheit ausgesprochen werden, daß der Zionismus und der Aufbau eines jüdischen Palästina nicht die Lösung der olitisclien und wirtschaftlichen Nöte eines jeden jüdischen ndividuums bringen kann, sondern den Wiederaufbau eines jüdischen Zentrums, das in allmählieh ansteigender Entwicklung einen immer größeren Teil der Judenheit aufnimmt und den äußeren Rahmen für eine neue Periode nationalen Aufstiegs der jiidisehen Gesamtheit gibt. Wir fühlen, daß die zionistischen Organisationen auf einen solchen Moment nicht vorbereitet sind. In Zeiten, in denen die Zahl der Juden, die atiswandern müssen, immer mehr anschwillt und auch solche Kategorien von Juden den Wanderstab ergreifen müssen, die aus Gründen des Alters oder au!s Gründen ihrer wirtschaftlichen Vorbereitung, oder aus anderen objektiven Gründen heraus, ein geeignetes Einwandcriirigseiement für ein Land wie Erez Jisrael nicht sind, ist die bequeme Methode nicht mehr anwendbar, in der man in den Zeiten der Prosperity 1md unter einem geringeren Auswanderungsdruck als heute die Propaganda für die Fonds führen könnte. Wir selien daher die Hauptaufgabe dieser Konferenz darin, daß wir uns über die tatsächliche Situation klar werden und den Ausgangspunkt gewinnen, von dem aus wir uns überlegen können, weichen Sinn unsere Arbeit unter den veränderten Verhältnissen hat. Wir kommen zu dieser Konferenz nicht mit einer fertigen Lösung. Wir sind auch in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht mit einer fertigen Lösung vor die Judenheit getreten, sondern wir haben damals der Judenheit die Diagnose gestellt. Wir haben auf Grund der Diagnose eine Tendenz gezeigt, die zur Uebenvindung der Krankheit führen kann, und die Rieh tun g angegeben, aus der wir die Heilung erwarten. Erst in der ständigen aktiven Arbeit, in der Ausnutzung der äußeren Möglichkeiten, hat dann der Zionismus seinen Weg allmählich konkretisiert, bis ein lebendiges jüdisches Leben in Erez Jisrael die ständige Demonstration unserer Hoffnungen fiir die Zukunft geworden ist. Wir müssen heute wieder den Mut haben, eine Diagnose zu stellen, aber wir können heute diese Diagnose uns selbst stellen. Wir Zionisten sind zur richtunggebenden und entscheidenden Aktiv gruppe der Judenheit geworden. Aus uns selbst kann und muß die Grundlage der Ueberwindung der Krise hervorgehen. Der Jischuw in Erez Jisrael wächst. Er wächst sogar heute, und wir hoffen, daß bald die Zeit stärkeren Wachstums zurückkehren wird. Die Galuth sinkt. Jede neue Woche lehrt uns, daß wir am Ende der Leiden noch nicht angekommen sind; aber noch viele, viele Jahre wird der Aufbau des National- Heims i!1 Erez Jisrael nicht nur eine starke Einwanderung produktiver Elemente aus dem Galuth brauchen, sondern •die sich jährlich vergrößernde Opfcnv i 11 i g k e i t der Juden in allen Ländern der Galuth. Keren Hajeßod und Keren Kajemeth Lejisrael müssen noch lange Zeit di׳e stärksten Pfeiler sein, welche die Verbindung zwischen Galuth und Erez Jisrael sichern. Ich bin sicher daß es der einträchtigen Zusammenarbeit von Direktorium, Delegierten, freiwilligen Mitarbeitern gelingen wird, wonach wir alle uns sehnen: eine zionistische pro-palästinensische Arbeit oberhalb aller Meinungsverschicdenfieiten, kleinlicher Tagespolitik, getragen vom Geiste einer zionistischen Palästina-Stimmung, wie sie die Aelteren von uns einmal erfüllt hat, als wir zum ersten Male die Fahne des Zionismus entrollten. Lande eine• Art Nebenregferung anfgerichtot, die heute nicht nur mit militärischen, sondern auch mit primitiven Verwaltungsmittein arbeitet. Verkennen wir nicht, welch große Gefahr darin liegt, wenn dieser Zustand sich innerlich befestigt, denn aus der Anwendung der Gewalt kann ein Zustand des Rechtes entstehen, dessen spätere Beseitigung durch die legale Landesregierung nur allzu schwer sein wird. Heute ist es evident, daß die ״Mächte der Nacht“ in Palästina auf der brutalen Gewalt von Bomben und Gewehren und auf der Einschüchterung der friedlichen Mehrheit der arabischen Bevölkerung beruhen — übermorgen werden diese Mächte einen Schein des Rechtes präsentieren können, der ihnen eine moralische Basis verleiht. Um so energischer muß von unserer Seite die Forderung vertreten werden, diesen anarchischen Zustand mit allen Mitteln der Regierung zu bekämpfen und zu b c s e i t igen, damit zugleich mit den kommendem Erklärungen der Londoner Regierung, die im Zusammenhang mit dem Bericht der Teilnngskommission zu erwarten sind, in Palästina selbst ein Zustand herbeigeführt wird, der die Voraussetzung dafür bietet, das Land zu pazifizieren und unter den um seine Ent- Wicklung wirklich besorgten Vertretern beider Völker die Bereitschaft zu einem dauerhaften und ehrlichen Frieden zu stärken. K. L. Kleine Nachrichten Präsident Rooseve It hat zum Jahrestag des Verbandes der jüdischen Kriegsveteranen in USA. eine Botschaft gerichtet, in der er den Beitrag der Juden zur Entwicklung der Vereinigten Staaten hervorhebt. Ein Denkmal soll für die jüdischen Kriegsveteraucn in USA. errichtet werden. Es soll in Gettysburg in Pennsylvanicn stehen, wo 1335 uden an der größten Schlacht des amerikanischen Bürgerrieges teilnahmen. Dem Britischen Gewerkschaftskongreß in Blackpool wird ein Antrag vorgc'egt werden, nach dem 50 Medizinstudenten und 50 Aerzte jährlich aus dem Auslande in Großbritannien zugelassen werden sollen. Die Irnmigrationsbehördcn in Melbourne haben eine Verfügung gegen den Versuch von Einwanderern erlassen, sich aut Touristenvisum in Australien dauernd niederzulassen. Die Verfügung weist darauf hin, daß die Regierung derartige Touristen nach Ablauf der ihnen zustehenden Aufcnthaltszeit deportieren werde. Der!Maharadscha von B i k a n e r hat Dr. R. J. Weingarten, einen jüdischen Arzt aus Deutschland, zum ersten medizinischen Beamten des Hospitals von Bikaner ernannt, einer der bedeutendsten staatlichen medizinischen Institutionen in Indien. Die Pariser jüdische Schule ״Ecofe Maimonides“, die nach modernen pädagogischen Gesichtspunkten geleitet wird, wird ihre Tätigkeit im Winter 1938 in erweitertem Rahmen aufnehmen. D e Schulleitung hat ein Haus mit großem Garten in Boulogne-sur Seine erworben. Die Schule istlnternat und Externat und bereitet bis zur Reifeprüfung vor. Judengesetze Sn Italien Der italienische Ministerrat hat am 1. Septemher folgendes Gesetz beschlossen: ״Die Stellung der Ausländer j ii d i s c h e r Rasse, die sich nach dem Weltkrieg, und zwar vom 1. Januar 1919 an, in Italien, Libyen und den Besitzungen im Aegäischen Meer niedergelassen haben — einschließlich der wenigen, die in der Zwischenzeit die italienische Staatsangehörigkeit erlangt haben — wird wie folgt geregelt; A rt i k e 1 I. Vom Tage der Veröffentlichung dieses üesetzdekretes an ist es jüdische 11 A1!sländernverbo׳tcn1inItalien, Libyen und in den Besitzungen im Aegäischen Meerfesten Wohnsitz zu nehmen. Artikel II. Als Jude gilt im Rahmen dieses Gesetzes, wer von jüdisehen Eltern, die beide der jüdischen Rasse angehören, abstammt, auch wenn er sich zu einer von der jüdisehen verschiedenen Religion bekennt. Artikel III. Die Zuerkennung der italienischen Staatsange- Hörigkeit, die nach dem 1. Januar 1919 an jüdische Auslander erteilt wurde, gilt in jeder Hinsicht als aufgehoben. Artikel IV. Die Ausländer jüdischer Rasse, die am Tage der Veröffentlichung dieses Gesetzes sich in Italien, Libyen oder den Besitzungen im Aegäischen Meer aufhalten und erst nach dem 1. Januar 19i9 sich dort niedergelassen haben, müssen das Gebiet Italiens, Libyens oder der Be- Sitzungen im Aegäischen Meer innerhalb von sechs Monaten nach der Veröffentlichung dieses Gesetzes verlassen. Die* jenigen, die nicht dieser Verordnung innerhalb der gesetzten Frist nachgekommen sind, werden auf Grund von Artikel 150 der Polizeiverordnung auch unter Anwendung der vorgeseheneu Gesetzesslrafen ausgewiesen werden.“ Der italienische Ministerrat hat ferner am 2. Sepfernher eine Maßnahme gegen die Juden italienischer Staatsangehörigkeit beschlossen. Alle Juden, Hoch- Schullehrer, Lehrer und Schüler, werden von sämtlichen Hochschulen und Schulen Italiens entfernt. Die Berufsverbände in Nicosia (Cypern) haben an den btacUrat ein Memorandum eingereicht, in dem die Verhinderung ausländischer Einwanderung nach Cypern gefordert wird. Verantwortlicher Redakteur! Dr. Robert VV e 11 s c h, Berlin-Charl. 9 (auch veranU örtlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loew enstein, Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Erich Liepmann, Berlin W15. Gültig Arizeigcn-Prcisiiste 5 vom 1. April 1936. Verlag und AnzcigcnverwaUung: Jüdische Rundschau. Berlin W15, Mcinekestr. 10. D.A. 11/1938: 26 045. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.