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Jüdische Rundschau · 1938-09-06 · Heft 71 (6.9.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 71 (6.9.1938)
Date
1938-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9.1338 צ־ Nr. 71 / Jahrgang 43 Preis 29 Rpl. JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion• Verlag and A nzelgenverwaltangi BerlinW15, Melnekestr.10 Fernruft 919031, Telegramm-Adresse 1 Orghlp• - In Falles höherer Gewalt besteh» kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgehühren. Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahi HM 5,75; bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39 (einschließlich Postzeitungsgebühr von 10 Rpl je Monat). — Postscheck Konten der Vertriebs - Abteilung für Groß-Berlin• Berlin 71573» für das übrige Reich: Berlin 17392 Der Zionismus erstrebt für das (Odlsche Volk die BERLIN י, אלול תרצ״ח DIENSTAG, 6. SEPTEMBER 1938 Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Erscheint jedien Dienstag and Freitag• Gültig ist die Anxelgenprelsliate Nr. 5 vom 1, April 1936. Die zwölfgespnltene mm-Zeile?0 Rpf, für Familien• Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewähr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung aut Postscheck •Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. AnnahmeschluB für die Dienstag-Ausgabe: Montag 10 Uhr, für die Freitag *Ausgabe« Mittwoch 15 Uhr. Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Weizmann in Antwerpen J״agnis der Wanderung — Konferenzen — Unsicherheitsfaktoren der Emi- ״Wir werden niemals einer Lösung zustimmen, die unsere Massen der Hoffnung auf große Einwanderung beraubt“ Nachstehend gehen wir an der Hand des offiziellen Communiques einen Auszug aus der Erklärung Dr. Weizmanns in der Eröffnungssitzung der Keren llajessod-Konferenz in Antwerpen am 3. September. (Red.) Das jüdische Volk, das zweitausend Jahre lang keine Ruhe und keinen Frieden gehabt hat, erlebt gegenwärtig die schicksalsvollste Krisis in seiner Geschichte. Unsere Lage ist jetzt in so akuter Weise kritisch geworden, daß wir eine dauernde Lösung für unser Problem fordern m ii s s e n. Diese Lösung kann nur in Palästina gefunden werden — der nationalen Heimstätte eines heimatlosen Volkes. Trotz der IJnruhen, welche das Land in den letzten zwei Jahren heimgesucht haben, hat Palästina in dieser Zeit etwa 35 (MX) jiidisclie Einwanderer absorbiert, und sogar heute, wo die Ein- Wanderung durch die Regierung aus politischen Gründen gedrosselt worden ist, nimmt Palästina mehr jüdische Ein- Wanderer auf als irgendein anderes Land mit Ausnahme der Vereinigten Staaten. Sogar unter dem beispiellosen Druck der letzten zwei Jahre haben wir 24 neue landwirtschaftliche Siedlungen gegründet, und trotz der unzureichenden Unterstützung, die die Regierung uns in unserer Arbeit der Selbstverteidigung und des wirtschaftlichen Aufbaus gewährt hat, gelang es uns, jeden Angriff abzuwehren und unsere Position zu konsolidieren. Die Einwanderungsbcschränkung, von der man irrtümlicherweise glaubte, daß sie die Terroristen beruhigen würde, ist als ein Zeichen der Schwäche auf Seiten der Regierung interpretiert worden und dies hatte nur zwei Ergebnisse: es hat die Kräfte der Unordnung und Revolte ermutigt und es hat das friedliche Werk des Wiederaufbaus behindert, dem unsere heroischen Pioniere ihr Leben geweiht und in vielen Füllen geopfert haben. Wir wissen nicht, was die T e i 1 u n g s k o m m i s - sion Vorschlägen oder was d'e letzte Entscheidung der Regierung sein wird. Aber wir werden niemals zu irgendeiner Lösung unsere Hand darreichen, welche unsere zerstreuten Massen der Hoffnung e:ner Einwanderung in großem Ausmaße nach Palästina berauben würde, eine Einwanderung, die — wie wir überzeugt sind — möglich ist, welche entgegengesetzten Meinungen auch immer von Zeit zu Zeit durch die verschiedensten Experten verbreitet werden mögen. Wir werden keiner Lösung zustimmen, die uns der Hoffnung beraubt, endlich den nationalen Status zu erreichen, der wesentlich ist für unsere Rehabilitierung unter den Völkern der Welt. Unsere unmittelbaren Forderungen sind: die Wiederherstellung des Grundsatzes, daß jüdische Einwanderung nach Palästina 7.u regeln ist im Einklang mit der Absorpiion s f ä h i g k e i t des Landes, und daß die Regierung unseren Männern und Frauen in Palästina ausreichenden Schutz angedeihen läßt — und besonders, daß der jüdische Anteil an der Erhaltung der öffentlichen Sicherheit, der ständig wächst, weiter erhöht wird, bis er den wahren Bedürfnissen der Lage entspricht. Wir senden unsere Grüße dem Jischuw in Palästina. Seine heroische Haltung und seine wunderbaren Errungenschäften sind eine Quelle des Stolzes und der Ermutigung in dieser tragischen Stunde für die Juden in der ganzen Welf. Wir rufen das jüdische V o 1 k in allen L ä ndem auf, den Jischuw in seinem Kampf, den er für ganz Israel führt, zu unterstützen. Wir rufen Cs auf, die Mittel zu Vom Londoner Emigrations-Büro Sitzung der Vorsitzenden Lord Winterton, der Vorsitzende des intergouverne- ״:culalen Komitees zur Fortsetzung der Arbeiten der Kauferenz von Evian, hielt eine Informations-Sitzung der Vize- Vorsitzenden des Komitees ab. Die Vertreter der Vereinigten Staaten, von Frankreich, Floll and und Brasilien waren dabei anwesend. Bei dieser Sitzung wurde der amerikanische Direktor des Londoner Büros, George R u b 1 e e, bei den Vizevorsitzenden «ingeführt. Ferner wurde ein Bericht über die Entwicklung der Arbeit des Komitees erstattet. Ferner hat in Paris eine Besprechung zwischen dem Vize- Vorsitzenden Myron C. Taylor, den Herren George Rublee und Robert Pell und verschiedenen amerikanischen diplomatischen Vertretern stattgefunden. ♦ Einwanderung nach Argentinien Der Hilfsverein teilt folgendes mit: Im Hinblick auf die am 1. Oktober 1038 in Kraft tretende Neuregelung der argentinischen Einwanderungsbest i m in un g e n werden gegenwärtig auf Llamaden keine Visen ertedt. Inhaber bereits visierter Pässe dürfen landen, und zwar nach den neuesten Nachrichten auch dann, wenn sie nach dem 1. Oktober in einem argentinischen Hafen eintreffen. beschaffen, um unsere Position in Palästina zo konsolidieren und die Basis für unser Kolonisationswerk zu erweitern, uns zu helfen, den Weg zu bahnen für die Aufnahme einer großen Immigration und unsere politische Aktion zu unterstützen, durch die wir unter der zionistischen Flagge den Kampf führen für unsere historischen Rechte im Lande unserer Väter. Komme was da wolle, wir werden unser Werk und den 'Kampf für die Verwirklichung unseres Ideals fortsetzen. Wir lehnen es ab, das arabische Volk zu identifizieren mit den Angriffen der Terroristen. In dieser ernsten Stunde richten wir wieder an das arabische Volk den Aufruf zum Frieden und zur Zusammenarbeit in der Entwicklung des Landes i׳m Interesse aller seiner Bcwolmer. Heute wie niemals zuvor verlangt die Gerechtigkeit von den Nationen der Welt, eine der schwersten Ungerechtigkeifen der Geschichte wicdergutzimiachen und das jüdische Volk in seinem Kampf tun die Erringung der elementaren Menschenrechte und um seine nationale Wiederaufrichtung in Palästina zu unterstützen. Der VerlauK der Konferenz Keren Hajeßod soll verdoppelt werden Die vom Direktorium des Keren Hajeßod in Jerusalem ,.,ich Antwerpen cinbc ufene Konferenz ist Sonnabend abend, den 3. September, im Zionistischen Hans eröffnet worden. Die Teilnehmer der Konferenz aus den verschiedenen Ländern Europas, aus Erez Jisrael, aus den Vereinigten Staaten und einigen anderen überseeischen Ländern waren schon im Laufe des Donnerstag und Freitag eingetroffen und hatten unter sich timl mit den Direktoren des Keren Hajeßod und der Exekutive der Jewish Agency Vorkonferenzen abgehaltcn. Im fesfliclt erleuchteten Saal eröffnefe um ,)Uhr Leib Jaffe, Direktor des Keren Hajeßod, die Konferenz, und gedachte zunächst der in Erez Jisrael Gefallenen, sowie der in den letzten Monaten verstorbenen Führer der Bewegung, vor allem Dr. Ilertliokl Feiwels, Prof. Otto Warburgs, Felix Warbttrgs, I)r. I־'. Rot!enstreiehs. Er begrüßte Präsident Weizmann, Ben Gurion und die übrigen Mitglieder der Exekutive, die Mitglieder des Direktoriums und alle anwesenden Mitarbeiter des Keren Hajeßod. Nach der Eröffnungsrede Jaffes hielt Dr. Arthur H a n t k e, Direktor des Keren Hajeßod, ein Referat über die Bedeutung und die Zwecke der Konferenz. (Wir veröffentlichen dieses Referat auf Seite 2 der heutigen Nummer. Red ) Hierauf begrüßten Prof. Speyer, Brüssel, Vorsitzender des Administrative Committees, und Nalnim Torczvnor, Präsident der belgischen Zionisten, die Konferenz, und vor allem Dr. Weizmann. Von stürmischem Beifall begrüßt, hielt hierauf Dr. Weizmann das Hauptreferat der Sitzung. Die zweite Sitzung begann Sonntag früh mit dem Referat von Elieser Kaplan, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency: ״Die wirtschaftliche Lage in Erez Jisrael und die Aufgaben des Keren Hajeßod.“ Anschließend daran sprach Kurt B 11! m e n f e I d über Methoden der Propaganda. Sonntag nachmittag sprachen Mosche Smilanski und Josef Baraz, beide aus Palästina, über die Bedürfnisse Palästinas in dieser Zeit. Immigrations-Angebot Brasiliens? Nach Meldungen französischer Blätter hat die brasili;! - nisclie Regierung beschlossen, 10(100 Juden ans Deutschland und Oesterreich aufzunehmen, unter der Bulingung, daß die Aufgenommenen sich ausschließlich der Laust - Wirtschaft widmen und von den jüdischen Hilfs-Organisationen ein c .tsprechendes Kapital zur Anschaffung landwirtschaftlicher Ausrüstungen ei halfen. Die brasilianische Presse fordert die Errichtung eines Immigrationsministeriums, da das!.and noch ungefähr 50(100 Arbeiter benötigt, damit die natürliehen Wirtscliaftsmöglichkeiteii ausgenützt werden können. Ferner soll die Regierung von Paraguay bereit sein, eine gewisse Zahl jüdischer Emigranten, hauptsächlich solche, die sich mit der Landwirtschaft befassen wollen und über ein Kapital von 10(11X1 Francs verfügen, auf/unchmen. (Wir registricrcn diese Nachrichten mit allem Vorbehalt. Red.) Ein Kuriosum Die Pariser Ausgabe der ״New York H e r a 1 d Tributte“ veröffentlicht in großer Aufmachung einen Vorschlag — Korsika den Juden zu Kolonisationszvvecken zur Vorfiigung zu stellen, Ajaccio soll ein unabhängiger Freistaat werden und die übrigen 250 (MX) Korsen sollen ausgekauft werden. Landessprache soll englisch werden. Der Vorschlag hat wohl nur als Kuriosum Bedeutung und zeigt wieder, zu welchen merkwürdigen Ideen die Lage des jüdischen Volkes Anlaß gibt. gration — Die Antwerpener Tagung — Kampf und Friedensschluß in Palästina in diesen Tagen finden an einer Reihe von Orten Verhandlangen statt, die sielt ganz oder teilweise mit der jüdischen Frage beschäftigen. 111 London und zum Teil auch in Paris 113t das Büro der zwischenstaatlichen Regieriuigskonferenz von Evian seine Tätigkeit aufgenommen, und es haben verschiedene Beratungen unter den Mitgliedern des Büros und auch mit außenstehenden an der Sache inter* essierten Kreisen stattgefunden. 111 Genf tritt der Völkerbund zu seiner Jahresversammlung zusammen, und bei dieser Gelegenheit sollen die Probleme der Elüehtlingshilfe nach ihrer organisatorischen Seife sowie eine Reihe von Fragen und Berichten ans dem Gebiete der internationalen Wanderung beraten werden. In Antwerpen schließlich findet eine vom Keren llajessod einbenifene Konferenz von zionistischen Vertretern aus einer großen Anzahl von I.ändern statt, die der Einleitung der Winterkampagne des Keren llajessod dient und zugleich Gelegenheit gibt, die aktuellen Fragen Pal.äslinas vor einem größeren Kreise zu erörtern. lieber dem Hauptproblem, das uns Juden selbst und die an der Judeiifnige interessierten Faktoren beschäftigt, der Frage der jüdischen Emigration, liegt als eins der bestimmenden Elemente, das jede Planung der Arbeit erschwert, eine erhebliche Lin- Sicherheit. Diese wirkt sich nach zwei Richtungen hin aus. Einmal wechselt die Möglichkeit, Menschen in den in Frage kommenden überseeischen Ländern für die Dauer unter zubringen, in verhältnismäßig kurzen Intervallen; die Einw a n d e r u 11 g s b e s t i m rn u 11 g e n unterliegen vielfachen Acnderungcn, so daß der einzelne Einwandeningskandidat, der sich für die Einwanderung iit ein bestimmtes Land entschieden hat und sich darauf vorbereitet, in Ungewißheit lebt, ob er wirklich den Weg dorthin wird antreten können; auch für die Organisationen, die sieh mit der Durchführung lind Planung der Einwanderung befassen, treten dadurch ganz außerordentliche Schwierigkeiten auf. So kommt es, daß gerade dieses Gebiet ein fruchtbares Feld für Gerüchte und Kombinationen ist, daß die Hoffnungen, die sielt an bestimmte Einwanderungslande!׳ knüpfen, sieh gelegentlich zu verfrühten Meldungen über erleichterte Einwamierungsbedingtingeii verdichten, wie auf ei er anderen Seite naturgemäß mancherlei Befürchtungen entstellen, die sich hinterher nicht als berechtigt erweisen. Und ebenso fruchtbar wie für Gerüchte ist dieses Feld für Projektemacher, da es sein leicht ist, dieses oder jenes Land — in letzter Zeit tauchen dabei häufig Inseln auf — für die Aufnahme heimatlos gewordener Juden vorztischlagen, wobei leider nur zumeist übersehen wird, daß die betreffenden Gehilfe bewohnt und nicht evakuierbar sind. Die Unsicherheit der Fntuiekhmg auf dem Gebiete der Emigration geht aber nicht allein von den Einwanderungsgebieten aus, sondern vielleicht in noch stärkerem Maße von der Neue der A u s \v a n d e r e 1׳ sei b s t. Die Zahl der in Frage kommenden Menschen unterliegt starken Schwankungen. Infolge von Maßnahmen, die jüdisclie G1 uppen betreffen, erscheint plötzlich eine erliebliche 7.1111 von Auswainleningskaiuliilalt-ii, an die bisher niemand gedacht hat und deren I hiferhringung fiir die Dauer oder wenigstens, falls dies nicht in vollem Umfange sogleich möglich ist, zeitweilig ein Gebot der Humanitat ist. Es ist klar, dal! durch das Auftreten von derart!־ gen neuen Auswanderer,»!! ippen die Arbeit der jüdischen Hilfsorganisationen wie auch die Bemühungen der internationalen Körperschaften, die sich mit diesem Problem befassen, sehr kompliziert wird, und daß von ihnen nicht nur ein hohes Maß an organisatorischer Anpassung^- fähigkeit verlangt werden muß, sondern auch eine tiefgehende Bereitschaft zu wirklicher Hilfe. Die Yerhandhingen, die im GenferV ölkerb und auf diesem Ge biete geführt werden sollen, haben mehr theoretischen Charakter. Sie beschäftigen sich u. a. mit den Fragen der k o I 0 n i s a t o r i s c 11 e n \V a n d e r u n g und der Emigration zum Zwecke der Liquidierung eines Bev ö! k e r 11 11 g s ii b e r s c I! u s s e s und sollen wohl zunächst gewisse allgemeine Richtlinien für die Durchführung derartiger Aktionen schaffen. Es ist klar, daß die Frage der Ansicdlung im Zusammen hange mit der Emigration für uns große Bedeutung hat, da im Rahmen der Sidek Ue&eMUk ln Pnliistina kam es in den letzten Tagen zu einer Reihe von Zwischenfällen und Terrorakten. Es waren vier jüdische Tote zu verzeichnen. Die Pica hat eine neue Kolonie hei Sichron huicob, Mayan, gegründet. Bei Tel Awiw wurde ein Flughafen eröffnet. Die Z.tihl der mit der Jugend •Alifa nach Palästina gekommenen Jugendlichen beträgt bisher 3000. ln Italien müssen dir seit 1. Januar 1910 eingewanderten Juden ausländischer Stantsangchürigkeit das Land binnen sechs Monaten verlassen. Die jüdischen Professoren, Lehrer und Schüler werden von den italienischen tichulen und Hochschulen entfernt.

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