Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1938)
- Date
- 1938-09-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 JO Dl S CHE RUNDSCHAU Nr. 70 2. IX. 1938 Lvikla von einem arabischen Passagier erschossen. Der Mörder entkam. Zwei arabische Doktoren vom Regierungskrankenhaus in Hebron wurden Mittwoch, als sie von einem in der Nähe liegenden Dorf nach Hebron ruruckkehr.cn, verschleppt. Man nimm! an, daß die Aerzte von Terroristen zur Behandlung ihrer Verwundeten benötigt werden, Tewfiq S e h a 111 i, der Neffe des Herausgebers der arabischen Zeitung ״Adifaa", wurde Mittwoch in Jaffa ermord e t, als er in dem Wartezimmer eines bekannten Arztes saß. Schanti war erst Dienstag aus dein Krankenhaus entlassen worden, in dem er seit vergangener Woche nach einem Attentat auf sein Lehen gelegen hatte. » Ein Polizist e r s c 11 o ß in der Niihe des Haifaer Bahnhoi es einen bekannten arabischen Terroristen. In dem Bezirk von Na/areth wurden mehreren Dörfern wegen Anbohrens der Oelleitung und Diebstahls von Korn aus jüdischen Siedlungen Geldbußen auferlegt. Weiter wurden Geldstrafen über die Stadt Akko und sieben Dörfern verhängt. Die A 11 g I o P a le s t i 11 c Bank hat vorübergehend ihre Filiale in Jaffa geschlossen. | Gedalja Unna ז״ל Ein P.onler der Tora und der Arbeit Die Siedlung Tirath Zwi hat ihr erstes Todesopfer zu beklagen: einer der Gründer der Siedlung und der Träger der Kihh'.i/hewcgurg des Itapoel hamlsrachi, Rabbiner Dr. Gabor U!1 11;1, ist plötzlich am 12. Anglist an den Folgen einer Malaria Im Alter um 37 Jahren gesiorbeu. Tirath Zwi hat mit ihm einen Men.wlicn vcloren. der unermüdlich unter den schwierigsten t 'mst.imlen die geistige Arbeit in Tirath Zwi leitete. I'er religiösen Kibbu/bewegiuig und darüber hinaus dem re.■',׳.,.׳!! Judentum ist die Persö!'ichkeit entrissen, die mehr als irgeiule n anderer dir5 Synthese von Tora und divml.i (Lehre und Arbeit) in seinem Leben verwirkh.'bte. ();:!)■>;- I '1:1,1 cni-tammte der bekaiinteii Rabbinerfamilie aus M.iniiheim (Sohn de:; eliema’igeii Mannheimer Rabbiners l)r. J. t'nna), ahsolvirrte die I 'niversit.it und das Rabbinersemiriar in Berlin. Semen jüdischen Kenntnissen nach, die alle Gibiete des Judentums, vor allein aber die Halacha, umfällten, durfte er als ein Groller unter den Rabbinern gelten. Seim• IT bcrscli-mg des ly-amtcn Gehalies der jüdischen Iraditm» \erbaml er mit einem tiefen Eindringen in die N’atarvvissmi• chafu 11. die Matlmmatik, die Klassik und in die s111־׳iti«che11 S[ir:!;־l1r!1, die!ihm vor allem wieder die jüdischen Disziplinen tiefer veis'ehen ließ, 1, Dieser Verbindung von ״Iura" um! ..I )ererb. Enz“ (hier im Sinne von Allgemeinbildimg) gest Ute sieh früh eine heiße Liebe zum heiligen Lande 7:1. die ihm ah einer der ersten gesetzestreuen Olim aus I k'OKhihml hen i:s 127״ nach Frcz Jisrael gehen hießen. Dort wirkte er lange Jahre am Lehrerseminar des Misrachi in Jerusalem, lö'G schloß er sich als Chawer dem Kibbuz Rodges an. Ihm, dem Raw tmd Lehrer, kam es nicht nur auf die körperliche Arbeit an sich an. vielmehr drang er in alle Einzelfragen der Yvirtschaf's/wcige ein und übernahm für eine gewisse Zeit die Leitung des Kiiehcnmagazsns, um eine bessere und rentablere Verpflegung zu erzählen. Mit vollem Bewußtsein bejahte er den Kibbuzgedanken, da er in ihm den passenden Rahmen sah für die Erneuerung einer auf der Tora und der sozialen Gerechtigkeit aufgebauten Gemeinschaft. Sein besonderes Aufgabengebiet sah er aber in der Aufrollutig und Lösung der vielen neuen Fragen, die aus der nach so langer Zeit zum ersten Male erfolgenden B e g e gnung der Tora mit dem Leben in seiner ganzen Breite» vor allem i:1 der Landwirtschaft, erwuchsen. Und noch die letzte Unterhaltung, die er im Kreise seiner Chaworin! fuluen durfte, war den re'igiösen Fragen des Land- Wirtschaft ichen (iemeiitsehaftshetrichcs gewidmet. Unna war einer der ersten, die den Gedanken einer Alija nach fleth schäm verwirklichten. Und als er nach dem Ausbruch der Unruhen KDö Reth schaan verlassen mußte, ging er mit der ersten Gruppe der religiösen |ugemla!ija mit. die nach der Boimlipmig ihrer Aii'bihlung eine eigene Kwiiza in Kfar Jona und später i!1 (.hedera schul. Der ersten Gruppe, die wiederum den Weg nach Reth schaan, diesmal nach Tirath Zw: :ich bahnte. n hUG (1ed;djahu Un-'a >i־׳h wiederum an. So crslaml \nr uns ln unseren Redien ein neuer Typus oder vielleicht nur die Erneuerung einer längst vertrauten Frschi'immg des l.elu ers und Raws in Israel, der mit den Chawerim in der Gemeinschaft lebt und mit ihnen arbeitet und •hdurch d-'e 'Fora, die er vertritt, in eine Lehre d״s Lehens \ cnvamlch Mdige das Andenken an ihn über die engere Bewegung der religiösen Arbeiterschaft und besonders Tirath Zwi hiinus wehen Krei <■״ e : 1״:י׳ der A1!fn,1!)e -ein. die■ unserer Generation obliegt: die Fülle des Erbes der Verga»״enheit in dem neuen Bau der jüdischen 0(mehischan zu er-rh’icBen und zu verlebendigen. F rieh R o s e n b 1 ü 111, Kibbuz Rodges Notibelebung der karäischen Gemeinde in Jerusalem? FVe kh׳:r;c, nur ar.s wenigen Personen bestehende karäische (icmemde in lenwahni hat in der letzten Zeit schwere innere Kämpfe diireligetimeht. Die große karii sehe Gemeinde in Aegvpien hat Inures-e an der völlig darnmderliegenden Geme in de :11 Ji rtisa'ent genommen, und es ist ihr jetzt gelungen, e׳ncn GcrVht de. sfhhif! zu erwirken, der ihr die Venva’fung der Aip'f'eweiiueH'n der )erusa'emcr Rchwestergcmc'nde überträgt, Der Gemeindebesitz in Jerusalem, um den der Kamnt ging, war früher sehr groß, jetzt aber sind nur drei Gebäude in der .Vtstndt. der Friedhof der ICaräer und etwas Grimrlbesitz außerha'b der A'tstadt übrig geh'׳׳*ben. D;c Gemeinde zäh't!»■egeiiwär’i j 12 Seelen — zwei Männer, vier Frauen, sechs Kinder (darunter nur en Knabe). Unter all diesen gibt es nur ein Ehepaar. Der Ehemann verwaltete frsher den Gemcinricbesitz. Im September des vergangenen fahre« forderten Genieindeniitglieder von der Regierung die Einsetzung eine* bestimmten Karäers aus Aegypten a's Vermögenaverwalter. Demgegenüber forderte im Anfang dieses Jahres die Ehefrau des damaligen Verwalters seine Rclassung in diesem Amt. Sir war das einzige Ocmeindcmitgücd, das für die Bestellung ihres Mannes zum Vermögensverwalter des Gemeindebesitzes war. In dem sieh daraus entwickelnden Prozeß spielten zwei Fragen eine Rolle: 1. Oh das Ebikommen aus dem Gcmeindebesitz nur den ferusatemer Armen der Gemeinde oder auch den Armen der Karaergetneintlen in Kairo und Hamaskus nistehe: 2. ob die Bestallung eines Verwalters des Jerusalemer Gemeindeveiuiögens einer Bestätigung des Chachams der Kar, 1er in Aegypten bedürfe und ob die Würde des Jerusalemer Verwalters erblich sei. Die erste Frage entschied das Gericht auf (inmd eines mehrere Jahrhunderte alten Dokumentes und setzte fest, daß die Nutznießer des Gemeindevermögens sowohl eingesessene wie zugewanderte Karäer in Jerusalem seien. Zur zweiten Frage stellte das Oerieht fest, daß der Verwalter der Zustimmung des Chachams von Aegypten bedürfe und daß der Rosten nicht erblich sei. So ging das Amt des Verwalters an einen Karäer aus Aegypten über. Fs wird freilich noch einige Zeit dauern, bis es ihm gelingen wird, ade nötigen Unterlagen und Vollmachten in seine Hand zu bekommen. Er beabsichtigt dann die Karäergcmeimic von Jerusalem neu zu beleben iwul zwanzig Karäerfamilien aus Kairo hierher zu bringen. Als Arzt in Wissen Sie, wo Sarid liegt? Sie können sich beruhigen. Ich habe es bis vor kurzem auch nicht gewußt. Bis ich vor 14 Tagen den Auftrag erhielt, den Arzt hier, der auf einen Monat auf Urlaub gegangen ist, zu vertreten. Darüber war ich sehr erfreut, stolz und glücklich. Erfreut: weil ich hoffe, daß dies der Anfang des ״Sicheinordnens'1 ist, außerdem das erste wesentliche Geldverdienen. Stolz: weil es mir gelungen ist, sechs Wochen, nachdem ich die Lizenz erhalten habe, in die Kuppath Cholim (Krankenkasse) einzudringen. Und das ist ja das Schwierigste: den ersten Schritt zu machen. Und glücklich: weil es so, wie ich es nach meinen Vorbereitungen, Vorarbeiten und Maßnahmen beabsichtigt habe, eingetroffen ist. Ich habe sehr intensiv hebräisch gearbeitet, was notwendig ist zur Vertretung in der Kuppath Cholim, hesonders im Kibbuz auf dem Lande. Ich war in der Kuppath Cholim als Hospitant tätig, um den Betrieb kennenzulernen, und wußte nun mit den Gepflogenheiten Bescheid. Und so konnte ich getrost hier die Vertretung übernehmen. So sitze ich nun hier, sozusagen als Landarzt. Ich habe nicht nur Sarid zu versorgen, sondern noch drei andere Kibbuzim, nämlich fiwatli, Gunegar und Misrah, alles in allem schätzungsweise 700 Seelen. Diese vier Orte liegen aufgereiht an der Chaussee Afuleh—Nahalal. Vom ersten bis zum letzten Ort sind es etwa 12 km. Die Reihenfolge (von Nahalal nach Afuleh gerechnet) und der Kilometerabsfand ist: Gwath—Sarid 2 km, Sarid —Ginegar 3 km, Genegar—Misrah 7 km. Der ständige Arzt hier hat ein Auto. Ich muß den Autobus benutzen. Gern würde ich die kurzen Strecken nach Gwath und Ginegar oft laufen, aber es verbietet sich leider bei dem jetzigen Zustand, diese Strecken zu laufen. So muß ich den Autobus benutzen und muß mich nach dem Fahrplan richten, d. h. ich muß oft warten. Aber die Zeit vergeht schnell: Da werden mir die Besonderheiten der einzelnen Kibbuzim gezeigt, z. B, in Gwath eine elektrische Musterküche mit einem besonderem Schrankmodell, das sich ein Chawer ausgedacht hat, sozusagen ein drehbarer Turm, der auf den Kugellagern eines alten Autos läuft. — Wenn ich in Ginegar Zeit habe bis zinn nächsten Auto, dann gehe ich dort in den Balfwir-Wald spazieren. Ja, ein richtiger Wald ist dort. Er ist zwar erst 15 Jahre alt. aber wenn hier etwas gepflanzt und gehegt wird, entwickelt es sich ja er- *taunüch schnell. Es ist wirklicher Wald mit Kiefern, Zypressen, Lebensbäuinen, mit Gras und Grünem und vielen herrlichen Blumen. Wenn man den Berg ansteigt in Riehtung der Straße Haifa■—Nazareth und Ausschau hält auf das Emek Jesreel, glaubt man, sich im Harz zu befinden: grüne Wipfel, blühende Dörfer, saftig grüne Ebene. Wenn man im Sommer durch diese Ebene fährt und alles Pflanzenlchcn verdorrt ist und einem graubraunen Einerlei Platz gemacht hat, kann man sich gar nicht vorstellen, daß im Frühlino alles in so saftigem Oriin nrangt, und daß ciie herrlichsten Blumen hier wachsen. Es gibt Aloenveilchen, ro'bÜHi're Anemonen, maude- und zart-pastell-liia-farbige Wicken, weiObliiHge Alpenlilien und violette Feldlilien, g-oßPhitiger Natterkopf, weiße und gelbe Margeriten, roter Mohn und dunkelb’aiie Kornblumen, weißer, gelber, roter Klee und viele, andere hekarnte und unbekannte Blumen. Und zwar in solcher Fülle, daß ganze Flächen weiß. Wau, rot. reib miss eben, wie man es sonst fast nur von Alpenwiesen kennt. Auch Sarid liegt r׳anz besonders schön. Auch hier gibt es Wald, Der Wald hier ist noch etwas jünger, aber auch schon hübsch. Am Schihhath mache ich darin Spaziergänge und beobachte die Natur. Wo Wald ist, ist ia auch mehr Tierleben: es gibt viele Eidechsen hi«*'־. mnl zwar sowohl die glatte Art, die wir von Deutschland h״r kennen, als auch die gepanzerte Art (sie sieht aus wie ein vonvUtliches Lehewesen en miniature, ist aber harmlos). Heute fand icli auch eine Srhifdkröf״. Auch Hie VogelweP Dt reie'>. wo cs Wald gibt. Es gibt R״ubvö׳zcl und auch hühs־׳be Sin.gvö״e1 (Pinkeitl. auch Störche sto'zieren an den Wa'd-ündern. lind ׳'acb's heulen die Schakale; das ist so wie rin Gemisch von Hundejaulen, Katzengrcinen und Kinderweinen, also nicht gerade melodisch, eher schaurig. Sarid liegt am Nordrande der Ebene fesroeL auf einer Höhe, 1md beherrrhf die ganze Gegend. Nach allen Sälen hat man einen schönen Blick, auf die Ebene |es־cel, nach Nahalal zu und nach Aflile, auf die Karmel-Ausläufer und auf die Berge von Nazareth und den Berg Tabor. Wenn ich vor der Tür meines Zimmerch״ns sitze, s״l1e Hi das alles vor mir, und geradeaus schneidet die S'raße Afti'״ -■N’alnlal einen hellen Strich durch das Grün, während die Waldränder eine ästhetisch schöne Diagonale ziehen. Diese vier Kibbuzim umfassen etwa je 150 bis über 200 Leute, alles sehr nette M־.׳n«ehen, Elite des jüdischen Von der Woche Einer der arabischen Terroristen, d ie am 15. August nach dem Ucberfall auf einen jüdischen Omnibus bei laaroth Hakarmc! im Besitz, eines Gewehres verhaftet wurden, ist vom Militärgericht in Haifa zum Tode verurteilt worden. Zwei Terroristen wurden bereits im Zu■ samnienhang mit diesem Ucberfall zum Tode verurteilt. Die TelAwiwer hebräische Zeitung ״Haboker“ berichtet: Auf Anweisung der Terroristenführer beginnen die Araber den T a r b u s c h gegen K c f i j e h und Aga! einzutauschen, die zur na'ionalcn Tracht e־klärt wurden. Der curopäische Hut ist verboten, um den Terroristen ihre Aktionen gegen die Fremden nicht zu erschweren. Infolge der großen Nachfrage sind die Preise für die nationale Kopftracht gestiegen.' In Jaffa sollen mehr als 300 Terroristen, darunter auch Verwundete tmd Invaliden, ihren ״Urlaub“ verbringen. Die Terroristen sandten an die Einwohner von Lvcida einen schriftlichen Befehl, das Hören von Radiomusik zu unterlassen, weil di« in der Kriegszeit nicht passend sei. Pressemeldungen besagen, daß sich die MilitäTrchörilcn an die eingesessenen C 11 a u f f e u r v e r b ä n d e wegen der Stellung von Kraftfahrern für Militärautos gewandt lnben. Das Militärkommando will alle Soldaten zu rein miüPirPchen Opcrationen verwenden und zieht deshalb Chauffeure, Köche usw. aus der Zivilbevölkerung heran. Die arabische Presse veröffentlicht ein Interview mit Dr, Tannous nach seiner Rückkehr aus London, in we'chem er erklärte, daß die Palästina-Teilungskommission sich gegen den Teilungspfan aussprechen werde und eine neue Lösung Vorschlägen wolle. Die palästinensischen Behörden wandten sich an die Polizeiverwaltung in Kairo mit der Bitte um Fahndung nach den Geldscheinen, die von der Barclay’s Bank in Nablus geraubt worden sind. Der palästina-arabische Journalist und Agitator Ali el Tahr wurde aus dem Libanon ausgewiesen. Er zählt zur Mufti- Partei, Das arabisch-moslemische Pro-Palästina-Komitee in Damaskus hat für den 2. September einen ״Palästinader Kwuza Volkes, wirkliche Chaluzim. Auch viele von der Jugend-Alija sind hier eingereiht oder werden gerade eingereiht; gerade sind wieder neue angekommen, die ich untersuchen und gegen Typhus impfen linilite. Es ist wunderbar, wie sie aufgenommen werden; ein Gluck, daß sie hier eingereiht werden können. Sie fühlen und wissen das. In Saria sind einige schon zwei Jahre; sie haben gewissermaßen ihre Lehrlingszeit hinter sich, sind verwachsen mit Land und Leuten, sehen wunderbar aus, sprechen natürlich nur hebräisch und sind landwirtschaftlich gut ausgebildet. Sie werden den Kern einer neuen Siedlung bilden. Man nennt sie daher nicht mehr ״Noar Germani“, sondern ״Gar’in“ (Kern). Ein großer Teil der Chawerim ist zehn Jahre und länger hier, viel frühere Akademiker. Als ich vorigen Schabbath spazieren ging und an der weidenden Kuhherde vorbeikam, entpuppte steh der Kuhhirt als ein L)r. B., der allerdings hier auch tierärztlich tätig ist, aber nebenbei auch einmal die Kühe zur Weide führt. Ursprünglich waren hier Leute aus der Tschechoslowakei: jetzt sind außerdem Mensch.cn aus Polen, Rumänien und' von der Jugend-Alija liier. Am Tage ״verarzte“ ich also. Und das ist so eingeteilt: einen Tag bin ich in Sarid und Gwath tätig, den anderen in Ginegar und Misra. Augenblicklich ist der Gesundheitszustand sehr gut, und so läßt sich die Arbeit bequem bewältigen. Jetzt sind wenig Kranke und ich kann nicht über ״Sensations“-Fälle oder ״interessante“ Fälle berichten. Es ist auch besser so, denn die interessanten Fälle machen ja nicht nur den Betroffenen, sondern auch dem Arzt Kopfschmerzen, und liier bei der zerstreuten Lage und der Schwierigkeit, besonders jetzt, die einzelnen Orte zu erreichen, um so mehr. Die ärztliche Versorgung ist ausgezeichnet. Haifa ist etwa eine Autostunde entfernt, und das Krankenhaus Afufe ist noch näher. Mit modernstem Rüstzeug wird geforscht, und Bhifkörpcrehen-Senkungs-Untersuchung und Leukozytcn-Zäh- I11113 ist gang und gäbe. — In jedem Siedlungspunkt ist ein Arzt-Raum, wo das notwendigste Instrumentarium vorhanden ist, außerdem eine ganz gut eingerichtete Apotheke, d. h. cm Vorrat von Arzneien, Salben, Tees, Tabletten, Ampullen usw־., den eine Schwester verwaltet. Die Schwestern sind hierr.ilamle sehr tüchtig und selbständig. Sie heißen nicht, allgemein wenigstens, ״Achoth“, sondern ״Chowescheth“, d. h. Verhinderin. Damit drückt sieh schon ihre mehr verantwortliehe und selbständigere Tätigkeit aus. Damit wird auch dem Arzt ein Teil der mechanischen Arbeit abgenommen. Auch Spritzen, mit Ausnahme der intravenösen, macht die Chowesclufh. Spritzen sind übrigens bei den hiesigen Patienten äußerst belicht, und so wird z. R. auch reichlichst von intravenösen Kalzium- und Glukose-Injektionen Gebrauch gemacht. So iibe ich nun wieder richtige ärztliche Tätigkeit aus. Zehn Monate bin ich im Lande. Den ersten Monat bin ich hm.irr.gefahrcn. Neun Monate später mußte nun etwas ״herauskommen“. Inzwischen war ich ein ״Embryo“, und wi-e ein Embryo in kurzer Zusammenfassung alle Stufen der Entwicklung durehmacht, so kommt es mir vor, als ob man kurz alle Stufen der Entwicklung noch einmal durchmacht und frühere Stationen seines Lebens wieder passiert. Angefangen bei dir Sprache: Man beginnt wieder wie ein Kind zu stammeln, auf Hebräisch. Wenn die Entwicklung auch nur langsam vorwärtfzugelien scheint, so nimmt man doch in Wirklichkeit viele Stufen auf eoimal. So kann ich .immerhin, wenn auch mit Anstrengung, Zeitung lesen, und zwar den Teil, der für die Neucinw,anderer bestimmt ist (La-olch), schon ohne Schwierigkeit. Durch die hebräische Umgebung hier in Sarid lerne ich nun auch besser sprechen. Die Sprache ist eine ganz frühe Lebensstation gewesen. Amlcre St״:■Ionen waren .Militärzeit, Assistenz-Zeit im Krankr:־!!;ms und im Kinderheim. Vieles erinnert mich an diese Zeilen. In einem Zei f habe ich ein kleines Zimmerchen. Wie einst heim Militär schlafe ich auf einem Strohsack (übrigens sch r gut). Z.mti V/. C. (ist aber w irklich ein W. C.) und zum Waschen geht man durchs Gelände, abends mit einer Taschen• lampe;:(,״gerüste:. Nachts tastet wie ein bleicher Riesenfing:■!■ der Projektor die Gegend ab. Vor dem Zrif ein doppeltcr S01rh(׳u1־׳ahö':un, daneben ein kleiner Schutzstand. Wie einst im Feld. So kam es mir ja überhaupt vor, als ich im vorigen Jahr heraiivdng. Und wollte hinzusetzen: Nur geschossen wird nicht. Aber sogar das kann ja Vorkommen, wenn auch nicht so schlimm wie im Kriege. — Und an Krankenhaur und Kinderheini erinnert mich wieder das Zusammenarbeiten mit den Schwestern, der Besuch der Kinderhäuser und (ier Säuglings-Stationen. Nur nicht ״Onkel■ Doktor“ sagen die Kinder, sondern ״Schalom, Röpke“. Dr. E i s e n s t ä d t, Sarid Tag“ für alle Moslems in Nordafrika, Indien und Java proklamiert. Es fordert die Moslems auf, gegen die Politik der Schaffung eines Jüdischen Nationalheims zu protestieren und Gelder für die 4-arabischen Aufständischen in Palästina auf Zubringer!. Nach dem letzten Feueriiberfall auf die jüdische Kolonie Ruchamn, die in der Vorkriegszeit von russischen Juden sieben Kilometer westlich von Gaza gegründet worden ist, vci ließ jetzt der letzte Jude die Siedlung. Die Kolonie wurde bereits einmal während der Unruhen von 1929 verlassen. Ragheb Bcy N a s c h a s c h i b i, der frühere Bürgermeister von Jerusalem, verließ Palästina auf dem Luftwege, um sieh einige Monate in Europa aufzuhalten. Der stellvertretende englische Luftfahrtminister Capt. Bai f our fliegt am 5. September von London ab, um die Luftflotte von Aegypten, dem Sudan, Kenya, Palästina. Transjordanien, dem Irak und Malta zu besuchen. Er kehrt um den 7. Oktober nach England zurück. Die jüdische Abordnung des Palästina-Pavillons auf der Messe von Smyrna hatte, einer Palcor-Mcldung aus Smyrna /uk!ge, eine Zusammenkunft mit dem türkischen Wirtsc 11 a f f s m i n i st e r. Bei der Unterredung wurde die Frage der I estigtmg der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Palästina und der Türkei h'*11,1mleit. Man besprach u. a. den Plan der Einrichtung eines Seedienstes für Passagiere und Frachten auf der Linie Istanbul-Smyrna—Tel Awiw־. Im Hafen von Tel Awiw wmrde ein Rekord aufgis c It, «als elf Schiffe an einem Tag dort anlegten, darunter drei Passngierdampfer, die WO Reisende und Einwanderer brachten. Dr. Ahron Barth ist vor einiger Zeit zum *tellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Angio Palestine Bank gewiih’t worden (Vorsitzender des Aufsiehtsrates ist Fliese:־ Brande). Dr. Barth ist zur Uebernahme seiner Tätigkeit von Haifa nach Tel Awiw übersiedelt. Der Aufgabenkreis Dr. Barths wurde so festgesetzt, daß er den Direktor der Bank, Herrn Hoofien, in der Leitung der Bankgeschäfte unterstützt.