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Jüdische Rundschau · 1938-08-30 · Heft 69 (30.8.1938) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 69 (30.8.1938)
Date
1938-08-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 69, 30. VIII. 1936 Zum Andenken an Hermann Gumpertz Von O skar W 0 1 f s b c r g, Jerusalem Hermann Gunipertz, der im 87. Lebensjahr von uns gegangen ist, ist den jüngeren in unserer umgestafteten weit nicht so vertraut wie der älteren Oe Iteration. Gerade deshalb und um seiner Eigenart und Grolle willen möchte ich als Zeuge seine Rolle und Bedeutung, die mehr als zwei .Ueiischenalter unbestritten war, aus weiter Ferne sein Gedachtnis feiern. Dieser mit ungewöhnlichen Gaben ansgestattete Mann, aus Frankfurt stammend, Sohn einer Familie, die eine Reihe berühmter Männer unserem Volke gegeben hat (s. das Buch von David Kant'hiann). in Suddeutschland erzogen, verbrachte etwa 00 Jahre in Hamburg, war aber in der ganzen Welt zu Hause, besonders in Italien und Frankreich. Bereits vor 10 Jahren weilte er auch auf einer ernsten Studienreise lange in Lrez jmaci: auch nach Amerika zog es ihn. Dieser große Kenner ries rabbinischen Judentums war zugleich einer der belesensten und kultiviertesten Köpfe in vielen Literaturen, bewandert in der Kunstgeschichte und eifriger Besucher der Kimstdenkmaler vieler Lander und Zeilen. Der kaufmännische Bend schlug ihn nie in Fesseln. Imm er wußte er sich aus ihm ns De,en, immer galt sein eigentliches Mühen dein Studium der I ora. Hier war er der Lrbe der besten Traditionen des kh'Dsrbrn 1 cnicis. dessen Ziel nicht geistreicher Disput, sondern Frgrunduug des exakten Sinnes war. Es ist keine Lebertreibimg. wenn man sagt, daß keiner in seiner Zeit ihm in Deutschland hier gleich kam. Kein Zweig der großen Lite* ratur w urde 11,1 \ r m.n 11 ko, gt: B hei, Talmud, Dc/isoren, Kornmcutaie Ull'.i Vvrikr der Rehginnsph ünsophm wurden von ihm lernend und lehrend durchdrungen mit einer Kenntnis des r—MAGISTER KIRSCH—, Der gute I i kör Magister-Likörfabrik» München VII DctaiD und mit einem Blick auf das Ganze, die mir die (!ndUei t,׳Teichen. s111׳׳e Meisterschaft im Reiche der Tora setzte ihn :י״•:!:!-.!, h11׳..:e Jahte als!)man ehrenamtlich zu werken und wiederholt in den Zeiten 11er Vakanz des Hamhnreer ()bet rnbbnuis vite!־unktionen des Rabbiners zu versehen. 11.10 Bcso.'hliTe an f )ermann Dumper)/ aber war de Fülle ■,einer (lallen und die Kralt der Sv!!t!1e.-e auf hohem Niveau. Adiludtl ,:dien hochtrabenden Parolen, lern aller kämpferischen und ar.'pi ueh'V 1 dl a ufti ctemlui Oithodox.e. war er in Wirkhehkut last der eui/ige alu'minme Jude, der auf beiden Geb.eUui;!11 der I o ru und in der Ze; t k u 1111 r eine ganz hohe L bene emuchte. (»,,iiiipcit/ wirkte auf uns, seine Bewunderer, wie ein /vage;m,;luderem Bezirk.. Wir fühlten angesichts dieses Manne' mehr als sonst, was Vergangenheit, was Geschichte bedeutet, wenn sie diu. 11 das Medium eines Lebenden zu uns spricht. In (. jumpert/ sprach die große jüdische Vergangeuheit zu uns, die kkisM-ciie Epoche. Die Notwendigkeit beider Wege: der T raditioii und der Forschung waren ihm eine Gegebenheit. Dann aber erinnerte vieles an ihm an den .Menschen der Renaissance. Fülle und Glanz waren sein Teil. Das Südliche — in einem sehr weiten Sinn, der das Italienische entschließt — machte sein Wesen aus. Daher der R'iidiuiin, die Klarheit und die I larmouie seines Geistes, sein schrankenloses Verständnis, das Unersättliche, nicht zu s.utii;ende seine■« Wissensdranges und seine edle Gemißt,ihigkeit. Die ergreifende Harmonie seiner äußeren Erscheinung: cbciimuß gi• mann 1,eite Schönheit, und seines geistigen Wcsens bestätigte die Meinung, daß hier ein Begnadeter unter uns weilte. Fr führte im Tiefsten eine vita contemplativa. Aber es ist klar, daß dieser Reichtum sich in Taten entlud. Der I Limburger Gemeinde war er ein kluger Führer und Berater.!11! Zionismus war er nicht aktiv. Aber er gehörte zu den Wenigen, du: truh und stets mit vie'em Interesse und giioDm Vci.s.mdnis unsere Bewegung verfolgten. Vor ID : Jahri 11 nahm er an einer Juhilä 11m.sfe׳er des Misrachi teil u;k! :muhte einen außerorduitlichcn Findrtick durch die gerechte Anerkennung, die c־ unserer Sache zuteil werden b"D AD!הי Jahre!* 1Hl Bialik einmal in Hamburg sprach, twe'gc 1h 11 ׳ jumpert/ in euicr sein me :1 Rede, und beide Männer Luiden s,J1 sclmrll in großer S\ mpathie. Ich erinnere mich, not v.Dihuu I.r.tiiii■■!amiuis mir Bialik bald nachher von die- I * i'scr M .-,!ן muß m der Erinnerung von Zeitgenossen und N:!ci,;.הסeii unvergessen bleiben und sein Bild, das einer gruadii. In 1 eu Würdigung bedarf, soll wenigstens als Skizze w. Du! :! t/t! .\1ert w erden. Name ein׳ r Stadt aus iiinen und gab ihnen die Weihe: j c r n >;1 1 e m! Judith war ghiikhch. Sie vergaß Vergangenheiten. Sie vergaß, weiter zu D-eu in den Büchern, von denen sie erfüllt gevv esen war. Sh: liebte. Jeder Tag rar ein Fest, eine Freude. I Jamals war sie IS Jahre. Als dann!1:0 h Monaten der Geliebte an einem plötzlichen Fieber starb, stand sie wie eine Waise ohne Heimat vor dem offenen Gral). Drei I Lindvoll Frdc und zwei lichte Rosen warf sie in die Grubt■. Dann schritt sie die schmalen Bretter zurück, die noch die letzte Brücke bildeten zwischen der Lebenden und dem Toten. Und war wieder allein. Und war wieder fremd. Und es war keiner, der sic tröstete. Es folgten wieder Jahre der Unrast. Judith pendelte zwischen Städten und Ländern hin und her, die ihr alle gleich fremd und vertraut in einem waren. Sie sali die Not von Briidcrn und Schwestern, denen nur die vorübergehende Gnade eines Gesetzes Haus und Hof sicherte. Sie hörte die Polemiken auf Kongressen, deren Teilnehmer in lebhaften Debatten das Schicksal von Menschen berieten, zu denen sie iin Grunde keine Beziehung hatten. Sie las Berichte über den Aufbau des Landes. Sie prüfte die Abbildungen lind Photographien, in denen sie die Stationen eines lamgen, langen Weges zu erblicken meinte, Manchmal fand sie Bilder von Jerusalem. Dann war ihr Gesicht wie von innen erleuchtet. Dann konnte es geschehen, (lall der Tag für sie nt Ende ging, ohne daß sie imstande gewesen wäre, einem Neuert sich zuzmvenden, einer Beschäftigung, einer Bewegung, die die unterbrochene Stunde fortsetzte. Immer noch schrieb Judith Verse. Sie wuchsen an zu einem Bündel, das sie eines Tages der üeffentiiehkeit übergab. Das Buch hatte keinen Namen, Es stand ganz schlicht nur als Aufschrift: Gedichte, Und darunter schmal und gleichsam lautlos ihr Name: Judith Holländer. In jenen Tage« begann Judith mit einigen Aufzeichnungen eigentümlicher Art. Man hätte meinen können, daß diese Niederschriften Wort gewordene Gedanken in Form von Tagehuchnotizen waren. Aber das war nichts anderes ah die sachliehe Mitteilung von Ereignissen, Abschriften aus Tageszeitun¬ Die Vornamen für Juden Wie bereits gemeldet, dürfen neugeborene jiidisch« Kinder iri Deutschland, sofern sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder staatenlos sind, nur solche Vornamen erhalten, die in den Richtlinien des Reichstninistcrs des Innern hierzu bestimmt wurden. Das den Richtlinien des Reichsministers des Innern beigegebene Verzeichnis der jüdischen Vornamen umfaßt folgende Namen: a) Männliche Vornamen ,,hei» Abieser, Abiinelech, Abncr, Absalom, Ahab, Aliasja, Ahasver, Akiba, Amon, Anschel, Aron, Asahel, Asaria, Ascher, Asriel, Assur, Athalja, Awigdor, Awrutn; Bach ja, Barak, Bartich, Benaja, Berek, Beil, Boas, Bud; Chageai, Chai, Chajin, Chamor, Chananja, Chanoch, Chaskel, Chawa, Chiel; Dan, Denny; Efim. Efraitn, Ehud, Eisig, Eli, Elias, Elihu, Elieser, Eljakim, Elkan, Enoch, Esati, Esra, Ezechiel; Faleg, Feibisch, Feirel, Feitel, Feiwel, Feleg; Gad, Gdaleo, Gedalja, Gerson, Gideon; Habakuk, Hagai, Heinor, Henoch, Merodes, Hesekiel, Hille!, Hiob, Hosea; Isaac, Isai, Isacbar, Isboseth, Isidor, Ismael, Israel, Itzig; JachieL Jaffe, Jakar, Jakusiel, Jecheskel, Jechiel, Jeliti, Jehuda, Jelmsiel, Jeremia, Jerobeam, Jesaja, jethro, Jiftach, Jizchak, Joab, Jochanan, Joel, Jomtcb, Jona, Jonathan, Josia, Juda; Kain an, Kaiphas, Kaleb, Koraclt; Laban, Lazarus, Leev, Leiser, Lcvi, Levvek, Lot, Lnpn; Macliol, Maiiti, Malcliistta, Maleachi, Manassc, Mardochai, Meehel, Mcnachem, Moab, Moehain, Mordeehai, Mosche, .Moses; Nachschon, Nachutn, Naftali, Nathan, Nauin, Nazary, Seitab, Nehemia, Nissini, Noa, Nochern; Obadja, Orew, Osclier, Osias; PcLsach, Pinchas, Pinkus; Raclmtiel, Ruhen; Sablmtai, Sacher, Saflum, Sallv, Salo, Salonton, Salusch, Samaja, Sami, Samuel, Sandei, Saudik, Saul, Schaloin, Schani, Schinul, Schmu), Schneur, Schoachana, Scholem, Sebtiion. Semi, Scred, Sichern, Sirach, Simson; Teit, Tewcle; Uri, UritJ, Uriel; Zadck, Zcdckia, Zephanja, Zerttja, Zcwi. b) Weibliche Vornamen Abigail; Baschewa, Beile, Bela, Beseha, Bihri, Billia, Breine, Briewe, Brocha; Cltaita, Chawa, Cheiche. Cltcile, Chinke; Deiche, Dcwaara, Driesel; Egcle; Faugel, Feigle, Feile, Fradchen, Fradel, Frommet; Geliehen, Geltet, Ginendel, Gittel, Gole; Hadasse, Haie, llatmadta, llitzel; Jaclict, Jachewad, Jcdidja, Jeute, Jezabel, Judis, Jyske, Jyttel; Keile, Kreiitdel; Laue, Leie, Libsche, Libc, Li wie; Macltlc, Mathel, Milkcle, Miitdel; Naclta, Nachme; Peirche, Pellehen, Pesse, Pessel, Pirlc; Rachel, Rntise, Rebekka, Rechel, Reha, Reichel, Reisel, Reitzge, Rcit/sche, Riwki; Sara. Schäme, Scheimlel, Scheine, Schcwa, Schlämche, Semche, Simclic, Slowe, Sprin/e; Tana, Tel/e, Titze, Treiböl; Zercl, Zilla, Zimle, Zine, Zäpora, Zirel, Zortliel. Aus der Wirtschaft Die Sommerfelder Texfilwerke in Sommerfeld N.-L. sind in den Besitz von F ritz Tillmattn, Berlin, üherßegangen. — Die Firma Wilhelm Krtruibein Strickwaren-Fabrik hat die Betriebsstätten der jüdischen Firma Rollmann ft Rose-Köln in Hoheneiche und Röhrda (Kreis Eschwege) übernommen. — Die Firma Gego Schuhgroßhandei üoldbhim K-Gin üelscnkirchen wurde von der Firma (ielsenkirchener Schuh- Großhandlung Keuper & Spcckler K.G. iibeniomnten. — Das Schuhgeschäft N. Beltr in Lüneburg ist in den Besitz, von Carl Schnabel übergcgangeti. — Das Scltuliliaits Brandt in München ist in arischen Besitz übergegangen. Erwerber ist Emil 1 lartirnaier. — Die Firma A. Hecht, Kleiderfabrik und Kauinwollwarengrollhandlung, in Lübbecke i. W., ist in ariselten Besitz übergegangen. Erwerberin ist die Firma ״Fübbccker Kleiderfabrik Kaufmann ft Co. K.G.". — Die Firma Junker ft Gitratt, Herreitkleiderfabrik, in Stettin, ist in arischen Besitz, übergeleitct worden. Erwerber ist Friedrich Malmfeldt. — Die Firma Leopold Joachim, Fabrikation von Röcken und Kleidern, Berlin, ist in arischen Besitz übergeleitet worden. Erwerber ist l>r. Schütz. Die nachstehenden, bisher im jüdischen Besitz befindlichen Firmen sind in arischer! Besitz übergeleitct worden: Die Wäschefabrik Moritz Eisrier, Nordhausen, an Gottlieb Haiisbramit, Wäsche- und Berufskleiderfabrik sowie Weiß-, W«ll- und Ktirzwaren-üroßltandlung in Halberstadt; das Kaufhaus Pintus ft Ahlfeld, Nordhausen, an die Firma Reiuhold ft Botteher Komm.ües, in Mühlhausen; das Modehaus Wilhelm Schönberk, Nordhausen, an die Firma Kpamer O Wolf, Nardhausen und Herlord; sowie das Kleinpreisgeschiäft Löser GmbH., Nordhausen, an eine Anzahl Nordhauser Kaufleute, die die gesamten Anteile erwarben. — Die Firma Wilhelm Fonfe, Herrenausstattungen, Stettin, ist in den arischen Besitz der neuerrichteten Firma ״Haus Sudermann ft CaM übergegangen. Mitinhaber ist Fritz Hemieberg. — Die Firma Berit ft Silberstein, Großhandel mit Strumpfwarcn, Trikotagen, Berlin, ist durch Kauf in den Besitz der Firma Pfeiffer ft Schmidt, Großhandel mit Garnen, Kurz- und Wirkwaren, Modeartikeln, Braunschweig, übergegangen und damit in arisehen Besitz übergeleitet worden. — Die Bekleidungswerke KG Marx ft Co. in Bcnsheim situ! in arischen Besitz tibergeleitet worden. — Die Firma L. Kornicker, Fabrik feiner gestrickter Kinderbekleidung, in Erfurt, ist von Chr. Hermann, Inhaber der Firma Fritz Brodheck ft Co., Strickwarenfabrik, Nürtingen, übernommen worden. -- Die Kurzwaren-Großhandlang Gehr. Foerder in Glciwitz ist auf die Firma Oswald Janotta übergcgangeti. —- Die Tuchfabrik Hanf ■ft Kaufmann in M.-Gladbach ist in die Feiitluchfabrik AG. übergegangen. — Die Ttichgroßhandltmg VoreJtheimer ft Isner Nürnberg ist in den Besitz, der Finna Willy Hühner ft Co. ttbiTgegaiigeii. — Das ICur/warengeschäft ’S. Sclnvarzenberger in Wür/burg-HeiditigslYki ging in den Besitz der Gesebwistor Wagner iiber. — Die Zigarren- und Stumpenfabrik B. llocliherr ft Cie in Heidelberg ist in arischen Besitz übergegangen. Die neuen Inhaber sind Hermann Thiele, Friedrieh Thiele und Wilhelm von Stinttim, Mitinhaber der Firma. Kessittg ft Thiele in Bunde i. W. י־ Der Kapitalanteil des Rlienniiia-Schiiiahrts-Kon/ents in Mannheim, der bisher bei der nichtariSclieti Familie Hecht lag, ist von der Firma Franz Hailid 11. Cie., Duisburg-Ruhrort, übernommen worden. Zählung der Juden in Italien Die Zählung der in Italien befindlichen Juden wurde nach dem Stande um Mitternacht des 22. August vorgenommen. Seit einiger Zeit wurden au alle Familien, die als jüdisch bekannt sind, Fragebogen verschickt. Dabei genügt das Vorhandensein eitles jüdischen Familienmitgliedes, damit eine Familie der Auskunftspflicht unterworfen wird. Unter ״Staatszugehörigkeit“ müssen Fremde, die sich über diese nicht ausreichend answei.sen können, den letzten Wollt!- ort aitgeben, oder wenn dieser fehlt, die eigene Nationalität. Wer nach seiner Gehurt die italienische Staatsangchörigkeit erworben hat, muß den Staat angeben, aus dem er stammt, oder eine Begründung dafür geben, weshalb er vorher keine Staatsangehörigkeit besessen hat. Als Religion ist an/ugeben, die man durch Taufakt oder durch andere Umstände tatsächlich hei der Gehurt erhalten hat. Konve! titen müssen alle erforderlichen Daten über den Religionswechsel mit amtlichen Beglaubigungen anfültren. Ehegatten haben die hei der Eheschließung maßgebende Religion anzugeben. Israelitische Ehegatten müssen dazu die Religionsgcnieinde mitteiien, der sie angeboren. Dein Datum über den Eintritt in die Faschistische Partei ist von Parteimitgiiedern die Mitgliedsnummer bei/uftigen. Kriegs- und andere Verdienste sind ebenfalls anzugeben. Kleine Nachrichten Am Freitag vernahm die Palästina-l'eilungskomanssion in' London Sir Arthur W a 11 c h o p e, den früheren High Commissioner, und Mr. Colin Balav, den stellvertretenden Direktor eitler archäologischen Expedition. Wie aus Warschau gemeldet wird, beabsichtigt die polnische Regierung, eine Expedition von Experten nach Kenya zu senden, um die dortigen Möglichkeiten der Ein- Wanderung und Ansiedlung zu untersuchen. gen, das Echo einer Radiomeldnng, der Dialog eines Ciespräches, den sie nicht aus dem Gedächtnis zu wischen vermochte. Alle diese Notierungen hatten eine untere Ordnung und Reihenfolge, die deutlich erkennen ließen, daß sie hestimmten Absichten zufolge gesammelt worden waren. Tine Verfügung aus dem Staate New York, eine Aeußcrung iiber die unterschiede zwischen Juden und Christen, Berichte aus Pölert, aus Rumänien, Prozesse, die eine außerordentliche Wendung genommen hatten, Texte von Plakaten in Universitäten. — Judith sammelte unermüdlich. Sic lebte wie unter einem Zwange, der sie nicht freigab. Sie hatte zu wachen, zu schauen, bewußt zu sein, während ringsum Gleichntut und Ahnungslosigkeit in inniger Vermählung von einem Tage zum anderen lebten. Hie Menschen, die dem Mädchen in jener Zeit begegneten, konnten sich eines ungewöhnlichen Eindruckes, der von ihr ausging, nicht erwehren. Und einer, dem ein Zufall Gelegenheit’ gab, ein etwas längeres Gespräch mit ihr zu führen, nannte das Mädchen von nun an — vielleicht mit einiger llehertreibung seines entflammten Herzens — ״die Prophetin Judith“.- Als dann in späteren Jahren die große Wandlung geschab, da Menschen aus langer Seßhaftigkeit aufschreckten in die krasse Forderung von Ereignissen, die kaum einer unter ihnen für möglich gehalten hätte, als dann die Satten, die Zufriedenen, die Sicheren auf einmal statt der Ebene des Heute ttnd Morgen nur Abgründe vor sich sahen, über die ihre Füße nicht hiniiberzuschreiten vermochten, als plötzlich Haus und Hof zur Fremde wurden, die keine Wärme mehr gab, war es, als hätte ludith das Ende einer langen, langen Vorbereitung erreicht. Sie trug das Leid mit weitg!:öffneten und unerschrockenen Augen. Sie sprach mit Menschen, die sie zuvor nie gekannt hatte, und die Entsetzen nun gesprächig machte. Sie sah die jähgcfüllten Tempel, sah Lippen, die Gebete hauchten, als könnten diese lange vergessenen Worte ein Schicksal ändern oder heilen. Und Judith sah die vielen, vielen Tränen von Müttern, Vätern, Kindern, von Geliebten. Und sah י ו׳ l'i h Heims' los« nach einer Heimat suchen. Sic hafte keine Tränen, als auch für sie die Stunde des Abschieds gekommen war. Sie hatte keinen Haß und keinen Groll, Sie löste sich mit einem letzten Lebewohl aus der Umklammerung von Händen, die einmal noch, mir noch einmal sie halten wollten. Der Weg war weit, den sie mm vor sich hatte. Er ging über Länder, Meere, Erdteile. Sie wußte nicht, welchem Schicksal sie entgegenfuhr, als sie ganz starr und aufrecht vom Deck «tirücksah, bis —- erst die Menschen, dann das Land, all dieses, dem sie seit den ersten Tagen ihres Lebens zugehört halte, sieh nur noch wie Punkte an den Grenzen des Horizontes nbzeichneten. Judith erhoffte oder erwartete nicht viel von dieser Aus- Wanderung. Nur einen neuen Aufenthalt erfand sie sich auf diese Weise, eine Rast, die Tage oder Jahrzehnte dauern konnte, und die doch nichts zu ändern vermochte an einem Schicksal, das ihrem Herzen seit frühester Jugend den Weg wies. 111 der kleinen Kabine ihrer schwimmenden Fierberge versuchte das Mädchen, es sich ein wenig heimisch zu machen, Atter am Ende galt sie den Versuch auf, durch Hin- und Herrücken von Stühlen, Schrank und Tisch der gleichgültigen Unnahbarkeit des Raumes ein Gesicht zu verleiben. War sie nicht überall zu I lause und dennoch nirgends? Kehrte sie nicht zurück, auch wenn nur Fremde und Ferne sie jetzt erwarteten? — Manchmal auf dieser weiten Reise schrieb Judith Verse in ein kleines Heft. Immer noch schrieb sie Verse. Manchmal ergriff sie Feder und Tinte und Papier und fügte dem Bündel der bereits vorhandenen Blätter ein neues Blatt hinzu, als hätte sie noch immer nicht genug Dokumente beisammen. Und manchmal, an Abenden, wenn sie hintreibend tlurch die Dunkelheit mit wachen Augen gleichsam lahrtausende an sieh vorüberziehen sah, geschah es wohl, daß sich ihr Blick verlor zu einem kleinen Bildchen an der Wand, das sie gleich in der ersten Stunde, da sie ihre Kajüte betreten hatte, über ihrem Bette befestigt hatte. Fs war eine Ansicht der Stadt Odessa, die das Mädchen '' ■'׳esc Weise mit in ihr neues Leben hinühernah•".

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