Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 69 (30.8.1938)
- Date
- 1938-08-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 69, 30. VIII. 1938 Die jüdische Kolonie in Sno Pnulo Von unserem Berichterstatter über die Haltung seines Landes in der Eimvandcrungsfrage Erklärungen abgegeben, die zeigten, daß für die weitere Aufnahme jüdische! Immigranten gewisse Schwierigkeiten bestehen. Es wird jet/t darauf ankonunen, in direkten Ver- Handlungen zwischen dem in London arbeitenden Büro und der argentinischen Regie• rung diese Schwierigkeiten zu überbrücken, wobei ohne Zweifel darauf hingcarbeitet werden kann, daß von jüdischer Seife aus Garantien übernommen werden, die eine wehere all zu starke Massierung der Juden in der Haupt- Stadt Buenos Aires verhindern. Auf diesem Gebiet gibt es unzweifelhaft (nicht nur in Argentinien) Chancen für die zukünftige Arbeit, handelt es sich doch um Länder von gewaltigen Ausmaßen, die zum Teil noch der Entwicklung bedürfen und außerhalb der großen Städte erhebliche Möglichkeiten der Einordnung bieten. Dabei konnte die Zusammenarbeit des Londoner Büros mit den i!1 Frage kommenden jüdischen lnstitutionen von großem Wert sein. Aber auch die Lage einer erheblichen Zahl jüdischer Aus- Wanderer in den Ländern Europas bietet in der letzten Zeit Anlaß zur Sorge. So sind in der Schweiz jüdische Emigranten aus Oesterreich zusammengedrängt, die (dank dem Entgegenkommen der zuständigen Schweizer Behörden, die auf eine Deportation illegal Zugewanderter verzichteten), zum Teil in Sammeiunterkiinften untergebracht sind, für die aber keine Aussicht auf dauernden Aufenthalt und Erwerb in der Schweiz besteht. Der Vertreter des beim Völkerbund bestehenden High Commissoners für Emlgrauten, l.ord Du neu n non, hat ihre Lage an Ort und Stelle studiert und ist, wie man hört, zu dem Ergebnis gekommen, daß ihre vorläufige Unterbringung in Sammellagern zweckmäßig sei. bis eine Ueberfulinmg der Aus- Wanderer nach überseeischen (jebieten möglich sein wird. Die Tragik dieser Situation ist offenbar, und man kann nur den Wunsch aussprechen, daß es gelingt, so rasch wie möglieh Menschen von dem traurigen Los zu befreien, ohne Arbeit und ohne legalen Aufenthaltsort zu sein. Auch die westlichen I ander haben in der letzten Zeit schärfere Maßnahmen gegen die Zuwanderung getroffen; nachdem fl o I ־ fand in dieser I linsicht vorangegangen w״rsind Belgien lind Luxemburg gefolgt, wahrend 111 Frankreich ein System der schärferen Frcmdenuberwaehtmg eingefiihrt wurde. All dies zeigt, eiaß die Länder Europas mir in sehr geringem Umfange bereit sind, Zuwanderer aufzunehmen, und daß die Anstrengungen desto mehr darauf gerichtet sein müssen, in den überseeischen bzw. kolonialen Gegenden neuen Lebensraum zu schaffen. * Diese Situation und die Langsamkeit des Ingangkommens der Maschinerie, die im Auslände zur Bewältigung; des Problems geschaffen wurde, hat bei vielen Juden in Deutschland eine schwere Depression hervorgerufen. Die Zahl derer, die wirklich zur Auswanderung kommen, steht in einem krassen Mißverhältnis zt! dem W ti n s c h jener t ,eberzahl, die ihnen möglichst bald nachfolgcn wollen. So kommt cs, daß man das Empfinden hat, auf der Schattenseite des Lebens zu stehen, ja es wird sogar hier und da zum Ausdruck gebracht, das Leben als Jude in der Welt sei ein ״Leben im Schatten“, sei doch die Lage des jüdischen Volkes in weiten Gebieten Europas nahezu ausweglos und habe cs doch — und besonders seine Jugend — keinen Anteil an den Bewegungen und an der Freude und Schönheit der Welt. Man weist in diesem Zusammenhänge auch darauf hin, daß der schwere Kampf, der in Palästina ausgebrochen ist, mit seinen zahlreichen Opfern und seiner scheinbaren Ausweglosigkeit die Dunkelheit noch verstärke, die über dem Wege des jüdischen Volkes iiegt. Uns scheint diese Meinung gewiß psychologisch verstündlich, wenn sie der Einzelne atwspricht, der von sich und seinem Schicksal ausgeht. Dennoch tut es not, auf die Lage der Gesamtheit zu blicken und zu sehen, wie andere Gruppen des jüdischen Volkes Zeiten auf sich nahmen, die für sie gewiß nicht leicht waren. Die Juden Osteuropas haben tiefgehende Krisen ihrer Existenz durchgemacht, sie haben in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts Hunderttausend(■ über den Ozean gesandt, sie mußten nach dem W־e!tkm׳ge 7citen voll bitterer Erlebnisse ertragen. Haben sie darauf mit dem Ruf der Verzweiflung reagiert’ Haben ihre Kräfte jemals nachgelassen, oder haben sie nicht ans ihrer Mitte Menschen entsandt, die mit Kraft und innerer Wurde ein neues Leben au (bauten, in Palästina nicht weniger als in Amerika oder Südafrika? Vielleicht waren ihre O 1 a u b e n s k r ä f t e tiefer als die, über die wir verfügen, nachdem wir durch eine Epoche innerer Auflösung gegangen sind, aber dennoch scheint es uns, daß auch jetzt nicht die Stunde gekommen ist, um von einem (.eben auf der Schattenseite des Daseins 711 sprechen, das uns beschieden ist. So schwer auch für viele der Aufbau einer neuen Existenz sein mag. so sehr müssen wir doch erkennen, daß zur gleichen Zeit Hunderttatisenclc, ja Millionen Juden auf der Welt ein Leben führen, das Anteil an allem Großen und Schönen hat; wir müssen wissen, daß auch Menschen, die aus unserem eigenen Kreise herausgegangen sind, bereits mit Erfolg begonnen haben, die Grundlagen eines neuen, menschlich und jüdisch befriedigenden Daseins zu legen. * Wenn wir einen Blick nach Palästina werfen, so wird dies trotz allem auch in dieser politisch bewegten Zeit bestätigt. Die Einwanderung in das Land ist gewiß zahlenmäßig nicht ausreichend, wenn wir seine Funktion im Prozeß der jüdischen Emigration betrachten; dennoch wird der Monat E 1 uI, der mit dem letzten Monat der Sommer- Einwancleriingsquote zusammenfällt, wiederum eine große Zahl von Menschen in das Land bringen, die vor Ablauf der Einwanderungscrlaubnis ihre Alija durchführen. In den Häfen des Landes, in Haifa und dieses Mai auch in Tel Awiw, werden volle Schiffe landen, die neue arbeitswillige Kräfte seinem Boden zuführen, nicht zuletzt Jugend, die bereit ist, ihren Idealismus, ihre ungebrochene Lebenskraft für dieses große Werk der Erneuerung einzusetzen und davon nicht abzulassen, wie immer die äußeren Bedingungen sein mögen. Und während das Land unter dem arabischen Terror leidet, breitet sich in aller Stille das Werk der jüdischen Siedlung ans. Ein neues Siedlungsgebiet ist in diesen!Wochen und Monaten in Angriff genommen worden, die Ebene von A k k 0, au der Nordwestgrenze des Landes. Dort gab es, wenn man die Vorstadtsiedlungen in der Haifa-Bay hinter sich hatte, vor kurzer Zeit noch keinen jüdischen Siedlungspunkt. Ganz allein existiert seit einiger Zeit die von Juden aus Deutschland geschaffene mittelständische Siedlung Sao Paulo, 25. August Ein Merkmal der brasilianischen Großstädte sind die Ausländer-Kolonien; sie bestehen nicht in dem Sinne wie etwa in China als ausländische Konzession, aber doch als Gruppenerscheinung. Die am längsten in Säo Paulo ansässigen Juden sind die Scphardim, die aus den Ländern des Orients herkamen. Nie sprechen spaniolisch und portugiesisch, man kann sie als vollkommen dem Brasilianertuni assimiliert betrachten. Ein Teil von ihnen ist führend im Tabakhandel, die meisten sind aber in mittleren Berufen, wie im Obst- und Gemüsehandel oder als Angestellte des Straßenbahn- und Autobusbetriebes beschäftigt. Die sephardische Gemeinde ist nicht sehr groß. Sie besitzt aber ihren eigenen, sehr schmuck eingerichteten Tempel, und in neuester Zeit beschäftigt sie auch einen Rahbincr. Ein enger Konnex zwischen ihnen und den aus Deutschland eingewanderten Juden besteht nicht, wahrscheinlich wegen der vorhandenen Spraehschwrerigkeit Der Präsident der sephardischen Gemeinde hat sich aber in den ersten drei Jahren der Neuernwanderung mit seinem Rat, seinen Be- Ziehungen und seiner Arbeitskraft unermüdlich für die Ein- Ordnung der Juden aus Deutschland eingesetzt und regelmäßig int Hilfskomitee mitgearbeitet. Die neue deutschsprachige jüdische Gemeinde hat ihn in diesen Tagen dadurch geehrt, daß sie ihn zum Ehrenmitglied ihrer Gemeinschaft ernannt hat. Viele, die durch seine Arbeit und Hilfsbereitschaft vorwiirtsgekommen sind, haben dies mit besonderer Freude begrüßt. Die größte hiesige jüdische Kolonie ist die ostjüdische. In ihrer großen Mehrheit wohnen unsere Glattbensbrüder aus dem Osten Europas in dem Stadtteil ״Born Rctiro“, das matt ins Deutsche mit ״Gute Zuflucht״ übersetzen kann, lind den meisten ist es nach den Pogromen nach dem Kriege in der Ukraine wirklich eine gute Zuflucht geworden. Wer die Pelikanstraße in Antwerpen oder das Judenviertel in Amsterdam kennt, kann sich ungefähr ein Bild von diesem Pakistaner Stadtviertel machen. In der Hauptstraße befinden sich fast nur jüdische Geschäfte. An den hohen Feiertagen (iin Gegensatz zum Scbabbath) wird es nicht möglich sein, dort irgend etwas zu kaufen. Der Bäcker, der Friseur, der Milchhändier, alle sind Juden. Jiddische Reklametafeln, jiddische Theateranzeigen, jiddische Preislisten in den Restaurants zeugen von dem Charakter Born Retiros. Die Umgangssprache ist jiddisch, bei der Jugend aber schon portugiesisch. Das Hebritische Gymnasium sorgt für die geistige Erziehung der Jugend, der Sportklub ״Makkabi“ für ihre körperliche Ertüchtigung. Nachdem er eine Zcitlang in Lethargie gelegen hat, hat er durch die Mitarbeit der Juden aus Deutschland einen mächtigen Aufschwung erfahren. Wer als jetzt neu hierher kommt und an Sport gewöhnt ist, dem steht eine große Betätigung auf dem neuen Sportplatz des Makkabi bevor. Unsere Beziehungen zu den Ostjuden sind ganz erheblieh enger als zu den Scphardim. Auch sie haben sich im Jahre 1033 dem Hilfskomitee zur Verfügung gestellt, und mancher Einwanderer ist in ostjüdischen Geschäften untergekomnicn. Andere haben sich als selbständige Kaufieute in Born Rctiro niedergelassen und leben dort in bestem Einvernehmen mit ihren ostjüdischen Nachbarn. Man kommt in diesem Stadtviertel mit der deutschen Sprache durch, und bald lernt man aüdi jiddisch. Die ostjüdische Kolonie ist die einzige, die ziemlich geschlossen wohnt und einem Stadtteil sein Gepräge gegeben hat. Die ungarischen und die französischen Juden — zwei kleinere Kolonien — wohnen verstreut über Einwanderung nach Chi’י״ Von unserem Berichterstatter. Santiago, 23. Aug. 38. Es muß der in jüdischen Kreisen verbreiteten Ansicht widersprochen werden, daß eine Anforderung durch Verwandte. Bekannte oder durch einen Arbeitsvertrag nach Chile möglich ist. Das ist vollkommen ausgeschlossen. Es können nur unter bestimmten Voraussetzungen Eltern (von denen ein Teil unter 60 Jahre alt sein muß) von ihren Kindern an gefordert werden und umgekehrt. Auch kann die Einwanderung durch Fern-Heirat gestattet werden. Es muß auch darauf hinewiesen werden, daß im chilenischen Außenministerium die nsicht vorherrscht, nur Personen die Einreise zu gestatten, die Berufslandwirte oder Handwerker sind. Eine in letzter Zeit erlassene Verfügung besagt, daß die chilenischen Konsuln er- •nächtigt sind, Berufslandwirten die Einreise nach Chile zu gestatten, die auch in Chile die Landwirtschaft seihst betreiben müssen, andernfalls sie aus Chile ausgewiesen Max WeisslerB«'« Berlin W,S״jKleiststr. 12 I CL^EbC werden. Für Kaufleute, Akademiker und sonstige freie Berufe besteht also kaum eine Möglichkeit, die Einreise nach Chile zu erlangen. Für Musiker besteht ein generelles Einwanderungsverbot, wie aus einer Bekanntmachung des Außenministeriums hervorgeht. Dieses Verbot wurde aut Bitten des Arbeitsministeriums ausgesprochen, um die Arbeitslosigkeit unter den hiesigen Musikern zu beseitigen. Die Einwanderungs- Vorschriften werden sehr strikt durchgeführt, und es ist voll- N a h a r i a an der Küste nördlich von Akko. Vor ein paar Monaten kam die Rexinger Gruppe nach Schawe Zion, während in den Bergen an der Grenze C h a n i t a gegründet wurde, dessen Name zu einem Symbol der Arbeit und der Wacht geworden ist. Und jetzt wurde eine Arbeitergruppe in der Nähe von Akko unter dem Namen Ejn Bamifratz angesiedelt, die in der Form des Kibbuz einen 6000 Dunam großen Komplex bearbeiten wird. Gewiß sind es nur Anfänge, die hier geschaffen wurden, aber zugleich belebt sich die Landkarte Palästinas mit neuen Punkten jüdischer Arbeit, und ein Gebiet, das bisher nur dünn besiedelt war, wird intensiver Kultur erschlossen. Es ist ein Symbol für das pulsierende Leben, das trotz allen Sorgen und allen llngewißheiten unseres Daseins im Körper des jüdischen Volkes herrscht. Wir glauben daran, daß auch wir daran teilnehmen werden, daß jeder Einzelne dazu berufen ist, am schaffenden Leben mitzuwirken, wenn er sich eines bewahrt: die Tatkraft und den Willen, Neues zu gestalten, und die Entschlossenheit, nicht auf d ”• Schattenseite des Daseins stehen zu b!־׳ib יי־, K. L. ganz. Säo Paulo. Di« ungarischen Juden haben ihren eigenen Club und ihre eigene Synagoge; sie sind assimiliert, halten aber dem Judentum die Treue. Im Gegensatz dazu halten sich die meisten französischen Juden allen jüdischen Dingen fern. Sie bilden die kleinste jüdische Kolonie, wenn man vott den wenigen englischen und nordaincrikanischen Juden absieht. Im Jahre 1033 war die Kolonie der Juden aus Deutschland noch kleiner. Sie umfaßte vielleicht zehn Familien. Als dann vor nunmehr 5 Jahren der Einwanderungsström einsetzte, taten sich diese Wenigen, von den anderen jüdischen Gruppen unterstützt, zum Hilfskomitee zusammen. In der ersten Zeit wurden genügend Geldmittel zu Unterstüfziirigszweckcn aufgebracht. Auch Stellungen standen reichlieh für die Einwanderer zur Verfügung. Dann aber, als in den Jahren 1035 und 1036 unsere Gruppe auf 3000 bis 4000 Menschen stieg, wurde cs schwieriger, zu helfen. Kritische Wochen und Monate traten ein, die vorübergehend zur Schlie- Billig des Hilfskomitees führten. Es gelang dann einer führenden Persönlichkeit unserer Kolonie, nordainerihanische Kreise für uns zu interessieren und dadurch flössen die Mittel wieder etwas reichlicher. Es war aber unser Wille, unsere Brüder aus Deutschland möglichst aus eigenen Kräften zu stützen, und so schlossen wir uns denn, wieder unter Führung der seit 1033 i!n Hilfskomitee arbeitenden Persönlichkeiten, zu einer J ü d i s c!1 e!1 (i e itt e i 11 d e, zur C o!1 g r e g a y 5 o I s r a elita Paul isla zusammen. Ende 1036 gegründet, besitzt die Gemeinde heute ein Gemeindehaus mit Betraum, ein Kinderheim und eine Bibliothek mit rund 1000 Bänden, di« alle gespendet worden sind. Es besteht ein Frauenbund, ein Jugendbund und eine Cltewra Kadiselia, deren Männer und Frauen aufopferungsvoll für die Gemeinschaft tätig׳■ sind. Die Gemeinde beschäftigt einen Rabbiner und einen Kantor; selbstverständlieh wird auch Religionsunterricht erteilt. Neben der Gemeinde, aber doch innerhalb ihrer Organisation und im selben Gebäude, besteht die sogenannte Beratungsstelle. Sie ist dazu da, tun Neueinwanderer zu beraten und ihnen wirtschaftlich zu helfen. In Aufenthalts- und Legalisierungsfragen hat sie in den letzten Monaten Hervorragendes geleistet und vielen durch Verstreckung der nicht geringen Verwalfiingsgebüliren die Erlangung des legalen Aufenthalts ermöglicht. Mitglieder der Gemeinde haben sich in selbstloser Weise in notwendigen füllen den Behörden gegenüber als Bürgen zur Verfügung gestellt und dadurch manche Verhaftung und Ausweisung verhindert. Durch kleine Darlehen hat die Gemeinde schon vielen zu einer Existenz verholten. So mancher, der mit Unterstützung des Hilfsvereins oder der westeuropäischen Komitees hierhergekornmen ist und der heute eine kleine Existenz hat, iiat durch Beitritt zur Ge• mciiule gezeigt, daß er jetzt bereit ist, den anderen zu helfen. Das gesellschaftliche Leben der Juden aus Deutschland spielt sielt hauptsächlich in privaten Zirkeln ab. Audi die jüdische Gemeinde veranstaltet jetzt — neben ihren großen sozialen und religiösen Aufgaben — noch Kulturabende. Vorträge aus der amerikanischen Geschichte über jüdische Probleme, oder auch musikalische Darbietungen sorgen für die verschiedensten Interessen der Mitglieder. Schon vor mehr als vier Jahren wurde ein Kultur- und Gcsclligkeitsverein, die S. I.P. (Seciedade Israelita Paulista), gegründet, der seinen Mitgliedern Tanzabende, Theateratifführungen, Kabarettvcranstnltungen und auch kulturelle Vorträge bietet. Eine Zeitung wird jeden Monat herausgegeben und von Mitgliedern und Nichtmitgliedern gern gelesen. Dr. Gert Caspary kommen zwecklos zu glauben, daß eine Einwanderung nach Chile unter anderen Voraussetzungen möglich ist. Jeder, der entgegen diesen Bestimmungen «Inwandert, setzt sich der Gefahr der Ausweisung aus. Das Hilfskomitee für Juden aus Deutschland kann nichts i!1 F.imvanderungsfragen tun. Es hat daher keine״ Zweck, an dasselbe Anfragen zu richten. * Der Vertreter der Jewish Agency und des Keren Hajeßod für Südamerika, Dr. Ahraham Al i base ha n, ist Anfang August in Santiago eingetroffen, um die Keren Hajeßod- und Keren KajcrnetliAktion, die in diesem Jahre in Chile gemeinsam durciigeführt wird, zu organisieren, Dr. Mibaschan, der zum dritten Male nach Chile kommt und der sich in allen jüdischen Kreisen der größten Wertschätzung erfreut, gestaltete seinen Aufenthalt zu einem vollen Erfolg. Dr. Mibaschan hielt bereits verschiedene Vorträge, u. a. auch vor den deutschsprechenden Juden. Mit größtem Interesse wird die Palästinaausstellung erwartet. Die Ausstellungsgegenstände (dieselben, die in der Pariser Weltausstellung zu sehen waren) sind bereits «ittgetroffen, nachdem der Ausstellung in Argentinien ein voller Erfolg beschieden war. Auf Initiative der zionistischer! Jugendorganisation hin wurde das Zionistische Seminar ins Leben gerufen. Die Er- Öffnung fana am 20. August im Beisein von Dr.Mibaschan im Circulo Israelita statt. Mit größtem Interesse erwartet die chilenische Judenheit für die nächste Zeit den Besuch des Professors der Hebräischeu Universität in Jerusalem, Dr. Walter Eise hei. Leon Ros ent hak Santiago de Chile (früher Berlin), ist als Vertreter der Juden aus Deutschland in das chilenische Hicem-Komitee als Direktor gewählt worden. H.G. Die juniorefi-Meisterschaften des Makkabi. Am Sonntag wurden in Berlin die Jugend- und Junioren-Mcisterschaften des Makkabikreises ausgetragen. Ein •sehr trübes Wetter verhinderte überragende Leistungen und einen Publikumserfolg. Immerhin nahmen 150() Zuschauer, zumeist jugendliche, an den spannenden Wettkämpfen regsten Anteil. In allen Disziplinett zeigte sich, daß der sportliche jüdische Nachwuchs immer noch hervorragend ist. Fast alle Entscheidungen waren von einer ganzen Reihe von Bewerbern scharf umstritten. Besonderen Beifall fanden Trampolin-Barrenvorfiihnmgen von Mädchen des Bar Kochba-Hakoah Berlin. Die abschließende ״Elli Kendziorra-Gedärhtiiisstaffd“־ wurde vom Bar Kochba- Hakoali Berlin vor Bar Kochba Leipzig und Bar Kochba Hamburg gewonnen. Verantwortlicher Redakteur•■ Dr. Robert W c 1 t 5 c h. Berlin-Charl. 9 (auch verantwortlich Kr die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt 1, 0 e w e n s t c i n, Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Erich L i e p m a n n, Berlin \V 15. Gültig Anrcigcn-Picidi-le 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverwaliung: Jüdische Rundschau. Berlin VV 15, Meinekestr. 10. D.A. 11/1938: 26 045. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schoneberg.