Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1938)
- Date
- 1938-08-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JOD ISCHE RUNDSCHAU Nr. 67. 23 VIII. 193t Jüdischer XXXII. Elijahu Gaon Litauen als Kort des Rabbinlsmus. Nach dem Tode des Israel Baal Schem-Tob vermochte der C 11 a s s i d i s - nuis im häufe eines Mensclienciltcrs die breiten Massen Dolens, Rodolieiis und Vt'olhynieris unter seine Herrschaft zu bringen. Se ne ungeahnten Erfolge hatte er der eifrigen Werbt.utigket der Schüler des Beseht, hauptsächlich des 0״ r o ü c n Maggid" Rabbi Hier aus Mesiritsch (1719 bis 1772) zu verdanken, ln! nordwestlichen Gebiet Rußlands gelang es aber dem Chassid.smns nicht, festen Fuß zu fassen. Vor allem L i t a tt e 11, das eine Mittlerrolle spielen sollte zwischen dem Aufkliirmigsrationa! smus der bcnachbarten judenheit Preußens und der mystischen Religiosität der no'tiis, 11 - ukrainischen M issen, blieb tler rabb nischen Tratliluin treu und setzte dem Sirgo/ug 11er neuen Volksb1'\ve׳:um; ein Z cl. 111 der altht.m sehen Hauptstadt Wilna, d e wegen ihrer fuhreiulen Bed.׳!innig im Kulturleben der!) , H 11 >-,!!•1• (;,!,.״׳ ( M jmlenheit spater das ״li- ״ . 1 י :> t.v.: sehe Jerusalem“ genannt :;• ' : \ , war,U',!eilte und wirkte der "י' י hervorragendste Vertreter des k’iibbinisimis in der l'ebcr-!׳ ui. .0 t /׳-:״hoi dein m li-e'ien sp.itmittc kalter und der \. 1׳ t, .: :׳ g,•öliger Antipode des Baal Sehern — l .,11: ׳ ס::׳ K ,;npie geil dm ״ket/. ersehe“ (diassidnn- Persönlichkeit. II i; j a!1;1 bei! S a 1 o 111 o aus Wilna |d!"d! Id) ), vm cci! :-1 ae! .׳:;lidCudvoluihehen üeltlirsamke t ree i 1c Im t v.׳m \hhkc;nt dem Titel ״(i 1 011" aus- •י.• du.; (,.her W : 1 :1 a e r Gaon‘•), erlangte bere.ts m 1;ac.;d; j: 1 d; e::, njcioidii er vcmeliieiiene Geb:etc Polens 1:cc i 1 : d!:1.י - (bin.Invalidert hatte, eine unbestnltene, 1 ׳ .V.t״: tu ad c*/( geh1:!:׳er und geistiger Führer des d.:;:■י, icc Ju Im (legdi-cit/ zu den meisten zeit- :׳m -1: .;-,.יי (;eie hrte::!)׳. -uepte׳ Fl jalm Ci um nie eine j ...! und 'cd: :11 dadurch unberührt vom 1.111(11111 der auf de (iue!':,:ui '1 ,almu du ehseb ukw verbre teteu spitzfindigk :1:!׳;.,י!-..ס Muhl■• ,e (..P.ipiii׳•). Er vcrküi perte am reinsten adv Grund; .1;1י diaitu: eie•- k!:!>s -du!1 Ra bbin smus. Die 71!..׳c, der sc!1 Tcci um! I lande 11 bestimmten, waren: fana- I׳.-.a11 e Trau 1i!m,treue. (ie-et/eSdogmatiMiius, Ptliclitrigoris- 1111h und adieimdie Sdbsi/udit einerseits, unbcd'ng.e Wahriidt-liebr, iHkI;1׳׳rnc Krit.k und Snchiiehkeit tles Urteils, imbeirrbiire Charakterfest gke t. Bi scheden'ueit und tiefe Achtilng vor dem Wissen andererseits. Elijahu Gaoii leimte es ab, irgend«!1 Amt zu bekleiden, lebte in einsamer Zurückpe/.o׳;enl!eit mul Anmit, begnügte sich mit e'nfacher, dürftiger Kost und go.'intt; sieh nur wenige Stunden taghellen Schlafes. Seine ican/e 1 ebeiiskraft widmete er ausselibeßl e!1 dem 'Ionistujaaii, da; er als die höchste Aufgabe des!Menschen betrachtete. ■1# 4־ JxiZ׳ 4' pf Der!deenkampf. Im Kampfe gegen die chnss'iFschcn ..Abtiunnigi :■״ /e g*e wh dir (1:1011 aus Wilna von unnaehs ca! ,:er M11:1:;e im.i ruck'Svbtsloser Harte, die sowohl im V e-e;1 -de .Mm־:;״. ,!!> auch in;]er Scharfe der weitatisehattbdceu (iegi!1-1! .1׳ iliivu (irmid hatten. De! 11!ibcStimmtheit ries (ie'u'ho, d I , ׳len 1(0/ de-: (',hass d'smus für die Massen .ר:;'.!!: .chte.!1־ d e Best in m t h e i t 1.1 e 1־ Ci 1׳ s e f 7 e s - י ח rm un:!1 Kdo'de י J,׳s au i de Tnr:u'!׳k־׳nn:11's gerieht'.-'e;: \h , -tau.:׳ s e׳:t:1 ׳.״. ״. X׳ ׳:! so;.־dir das vom (.liassid's- 1 1 •׳1:0 ׳ i ,!»> n o - ( , In׳:;;!!;gier ^,!וןסו{;;ng, "׳):־ dic .:•׳'>,־., i ri׳: . <׳euhe; d c S.a.ijoers!!her ains (ii'sehaffone v .: 11:1׳ du i 1 I :•11 ׳;•!!■׳'IZ! dum der 1110 -1:111 1׳ fungott- : me m.1 1 ...uo; ,, iceilt - V, e Beseht 1- 10hl tc -- ...1 ) ״. '.;.cd' 1 e ■ 1־ v 1 [:׳,׳ j.gt;-d e!1-.t1 siuolerri int (ieigell-! a» /m c.s 1 ,־.mimm! audi ״;eilt da- AegoneimH׳ oder mu'/l.c.,, : r mra da- Üenii : ,alten tler (jimet/e s\or-rhr f teil an ec; -n :1, l)m׳ t j. t;, -u en-t sei Selbst/uuek : ..Elijahu“ Briefe an die Redaktion Jüdische Probleme in USA Los Angeles, im .August Sehr geehrte Reaktion! Werner Bah, S;m Fmnrh• •\ Ijrirvjt in Xr. 52 <׳1!ף.• Berich!!־ gung cinfs ,.ro:ei!i■jen IJcoh.u־■!!- trrs־‘, der nach Kampa vr.n -Iehfn ji!i!iis׳'hen Sendern herich’ct hatte. Nur!) >c:n׳r Be• lichiigung gibt cmir Sendungen van 1 j Stund־.׳ D,. n<־r. /!!!!׳efianci n? jo;iרי־יי׳. du!’ drei Sander gib! (!ihei die ic!1 s('hc׳n ,in <];cacr Steile iw־:ich?ct< i. vw'ii denen zwei am sS'1:nt.!g;c eint* Stunde w a iiren-! d־.-r diifie I) tti-Mg. Miawoch je eine Stande und um Breitdg tu Stunden ühc-tugt. ( iciiir־--•!.'!! an י!!■!! g!j’־.׳n >׳ sinken t]rr;avir׳ t־n \'e! ja!un^cn im R;־,t!h>ve-eז•! ,1־ la'i;.-w kui •rh d׳■! Weit diewr K(-g- .mmkf'it gwina. .ר’!er — et!-׳ :iS B!n־h'm:;t.j| v,!:וי!,ד!״ ו zu I'htn!i’:ci;׳H־gi״!.hingEii. G i wk«u;1- ד•)'!■!־ H'W. ein ni ri 1t wt;;/:;dn.• kciiier F.dcto!■. (l.c;?? ,uv. m:,■ nert an die \a!ir!n;th nah: u'>. ik de■ ..ju׳!. Run'iarii.m*• V־p i':1. A\ caa man jc-(l!k’I .;•!n *l.t■ A'׳u ־ .!nn!düngen de! lif 1׳ i-cGt u Ku!• mriainde^ in Den* -rhlawi akf, limfl.ea Kimsi'oi, dir! Kua: 1!!.er yberdede;!! (M,1\ RGnhardt Ix!־ ginnt gerade za a;lu׳:ten und ׳!!ן uni nente ui ־׳ 1׳che J•'! :mkünst* ler und Ko!n;; •nh! c:1 ie'uui hier) pich׳ s f 1V! ־ ׳ ׳ jü■!•■ hon Stunden 1 h einer der \1:;1!י)1־ Autorinnen ,,k 1 :;־!t׳!r', die li'aer die ^!a’ioaen ve: lügen uni '־pni! weitvoile judi־! i,e Ka'‘u׳a bt it leinen. Ganz 7ai י.'.:•׳־ e'?cn v■ u!!.]er B.i'j'ia־ g. -ndaaih! k‘. die!üb Idee dm Ju 'ei!tum■״ im 2י־!-׳! i׳wn '"tm;e i>e• n-'n ju■ ii-ui!1ז G ct-Te־;ni!eiter Geh an de; W!!יreiלung 1׳h? i thei.f'r hdaui dum!! das Kadia ein fh;-!ae' nehmen. Malt h. n in!׳iui0}K't krim.il ihugiil, wie 'ein (in- C!ui יי en!um hier nkhv autnn: un! wie (ler amen* k..!ו■-: m• Sh!11 ,ul! eiuih 1 e'tg; in! 1;n!■ ׳ ictnt w ud. d c 1 k e i n X ׳ t; ־. n a i i s 5 1!!!ן! |m euH'ini 1. ־!.;! >־'. d,ei! S iiiiit׳ i-t (jt h .-,:;m■ dm- :!11 < h׳kG P1 ■aiz zu einer < ic mipdä i; 11 nie■ ■! ii h.-• hen I .a- ~,c 11 na mit A’enit.! ngung des Ke'igi'!חסי ah hi,;!■ ,!ine. i-1ik der ( ie:־1׳mv,trt. -kiz/ie1 n־.) Nicht un. d.th el.rhtliehc Ort:< men (keim ”('k au!'־י:; Sr!;u• dem und ihm Kr<!׳;cr nur dymini eh( r Re 'c.ci'ih' venugen, «hi* Xcgm', M awwen und M.wikm.c; imt k; msz! 11;!■ ׳׳:gn n Krtien;!׳:tu (" -f. Zr:w f.Pül'U■ r.-vod, <1:1 Sh die Ideen Amerikas auf Christiid:c!n X;ih!huden hciuhen. Jü־ vci steht cicli von selbst, (läb die Juden Amciikas hier e incr At>simi'ationsgefahr gegen• ubei 'fehen, die sic scheinhar nicht schien und die -י .e c 1iC.v ihfgto 211111 passiven!-סי■ 1 ie s t cn Objekt de, politischen Oeeehcliens iic! ab drücken könnte, wenn seine geistigen Pühier «len l'o'gen (n״dcutun£-10־dgkcit iü * di'dier Ideen. \ e!•^laiicinisiü'ig• heit für den Zionismus) niclit bcgegiicu koimcii. Gemeint ist Philadelphia, Pa.. 10. August Sehr geehrte RedaiUiem! M<ine ungeuuhn'i h lange Ar- Lcit-z it van 78 Wochenstunden macht nur leider die direkte lh. a 11! \\ oi tung aller auf meinen l!e! ich! ,.Geber hoiujun nach Ti!i ’ade'phkG zugcgangciK-n Anlugen u;mp"1J׳icl1. I:'h will daher ku 1 zu-ammcnikm -ca. nam von «11!gemeine ein hucsC'vC sein konnte: Bei ule, in *Iciu-n nach meiner K1! uhsiiüg ider rasch Arbeit za linden i-t. sind: fl a u ■ 11 <1! t s s t c i I c n frei fi ei er Station wöchentlich von S 5 bim 15: S e h w e s f e r n, Pflöge-! : n n e n und K inder1׳ ״. r t - n e r; 11 ח!■ n bei freie־׳ Station, Bezahlung wie ob-en: hier nicht die Aktivierung d«ft jüdischen NationaHsmui, ak vielmehr die Aufrollung der jüdisehen Idee im Konzert der re* ligiösen und politischen Ideen der Umwelt. Aber — so wird der Leser sagen — ist die ,,Jüdische Rund* schau“ der geeignete Platz, darüber zu schreiben? Ich möchte die־c Frage bejahen, denn es handelt sich um eine Angelegen* heit von allgemeinem, nidht iö* kal begrenztem jüdischen Inter* esse. Isi Hepner Ehepaare, Mann: Diener, Chauffeur oder Gärtner. Frau: Ilaushaltshilfe oder Köchin, bei freier Station von $ 50 bis 120 monatlich; Küche und Köchinnen S 60 bis 90 monatlich; Heilmassage große Nach• fiage und gute Bezahlung. Sprechstundenhilfen wie in Deutschland gibt es hier nicht. Bei Affidavits, Stellungen und Recherchen nach Verwandten kann ich leider nicht behilflich sein. Falle, die Philadelphia be• treffen, bearbeitet: Miß Era ShecrH. c/o Xanonal Caordinat* ing Committee. Broad and Pine Streets, Philadc! pbia, Pa. Günstige Untcrbringungsmög* lichkcitcn von Kindern und Er* wachsenen sind vorhanden. R. S. He am• Statt vieler Antworten — sagte er von sich selbst — ״konnte und sollte Gott dienen auch ohne die Hoffnung auf ein Jenseits.“ Werk und Wirkung. Her Gaon wirkte bahnbrechend sowohl für die Neugestaltung des Talnuidstudimns und die innere Stärkung־ des Rabbniisinus als auch für die Reform des jüdischen Iirnehunpswesens in moderner R chtunp* und für die Erweckung des j ti d; s c 11 - w 1 s s e n s c It a f 11 i c 11 c n Geistes im Osten, trotz seines strengen Konservatismus und seiner Eincp’sjiiossenheit in der geistigen Welt des jüdischeit Mittela'icrs förderte er in mancher Hinsicht — z. T. bewußt, 7. T. ttnbewußt — das moderne Bildimgsideal. Denn dieser große Eiferer für die rahhimsehe Tradition war kein Feind der Wissenschaft. Im Gegenteil: er erkannte als einer der ersten im jütischen Osten, daß das Studium der profniien Wi-seus/we;ge eine notwendige Voraussetzung des Torastudiutns ist, schrieb seihst Werke über Mathematik, Astronomie und hcbrü'sebe Grammatik und verlangte — im Gegensatz zu den damaligen Unterrichtsmethoden —, daß die Kenntnis der Bibel, der hebräischen Sprachlehre und der Miscbna den! Talnmd'cnicri vorn 11 g i 11 ״ t. Ein überzciifi'ter Anhänger der Inpanischen Kabbala, war er zugleich tili entseli edener Gegner tler ״verfluchten Philosoph c“, die — wie er me'nte — sogar einen Maitnonidcs irregeleitet hatte mul die — in <|er Gestalt der Aufklärung - im Westen die Grundlagen des Judentums erschütterte. Seine zahlreichen Schriften über alle (je biete des talmudiseh-rabbinischeii Wissens zeicliiim sich durch k'tuve, Prägnanz 11 es Stils, Gednnkentiefe und Eindringlichkeit der kritisch׳*!! Analvse aus. Besondere Aufmerksamkeit widmete er der Erforschung des ursprünglichen Wortsinnes der früheren Tabuiidqiielleu und der vergleichenden Analyse der Texte, wodurch er ״der Vater der modernen 131 n!tulkiitischen Wissenschaft״ wurde. (!;. 11־. Weiß.) Literatur. IVbir den Kampf des r.liialm-(ia<>11 gegen den Chassidismus siehe d׳e_ im Aufsatze Nr. XXXI angeführte I iterattir. — l : e b 1׳ r d a .י L c b c n u 11 d VC i r k e n d e s Elijahu 0 a 0 11: W'nter und Wunsche, Jüdische I.iterattir, Hl, "6ר; J. Unmi, Rabbi Elia, der Gaon von Wi'na (Frankfurt a- M.; Jmhsclii* Voik-bucluTe', Nr. FJ); L. (iiiizberg, Elia Wilna (engüselr, New York 19(9). Ur. J.H. Haus-wirtschaftliche Schulung Uns wird geschrieben: Das Erholungsheim Leh• nitz, Berlin-Nordbahn, Viktoriastr. 19, beabsichtigt, einen vier monatlichen Schnellkursus für Mädchen in Hauswirtschaft und Sprachen durchzuführen, die die hau»• wirtschaftliche Ausbildung im Auslande als ein Sprungbrett benutzen, um später einmal in ihre eigentlichen Berufe zu• rückzukehren. In Betracht kommen in erster Linie Mädchen und junge Frauen, die schon kaufmännisch gearbeitet haben oder Acrztinnen usw. Es kommen also nur Menschen kl Frage, die schon beruflich gearbeitet haben. Schulentlassene Mädchen scheiden ans. Der Kursus soll zu gleichen Teilt« auf Sprachen und hauswirtschaftliche Arbeiten zugeschnitten sein. Als Arbeitsplan ist vorgesehen: 17 Arbeitswochen zu je 6 Arbeitstagen, nämlich 2 Wochen Zimmer aufräumen (einicnl. Bohnern, Fensterputzen usw.); 2 Wochen Hausarbeit (mit Silberputzen, Bürstenwaschen, Möbelreinigen, Entdecken usw.); 2 Wochen Wäsche einschi. Legen, Rollen. Plätten; 2mtl 2 Wochen Kiiche; 2rnal 2 Wöchen Nähen; 3 Wochen Wieder• holung der liier vorgeschlagenen Arbeitspensen in kombinier» ter Form. An den Nachmittagen findet Sprachunterricht statt. Englisch steht im Vordergrund, bei genügender Betei• ligtmg soll auch Spanisch gelehrt werden. Neben den tüff• liehen 2 Sprachstunden ist I Arbeitsstunde vorgesehen. Dt# Abende sollen für Musik, judentumskunde, Handfertigkeiten, baiiswirtschaftliche Theorie und zur Orientierung über die Auswanderungsliinder verwandt werden. Nach diesen vier Mo•!taten intensiven Lernens ist noch zur Vertiefung der unverhältnismäßig schnell erworbenen Kenntnisse zweimonatlich« praktische Arbeit in einem Privathaushalt vorgesehen. Die Religiöse Auswanderer-Betreuung Agudas Jliroil, Berlin N 4, joliannisstr. 8, teilt mit: Es hegt erneut Veran» lassung vor, darauf hinzuweisen, daß bei jeder Buchung einer Schiffs-Passage mit ritueller Verpflegung eine Rückfrage über die Zuverlässigkeit des Kaschruth bei uns notwendig ist. Für die ״Fahrt nach Nordamerika“ haben wir ein besondere» Merkblatt herausgegeben (Spesen 15 Pfg.), Berichte über die jüdisch-religiösen Verhältnisse in allen Einwanderung»• Lindern stehen zur Verfügung. — Gesetzestreue Bäcker, aie nach USA. attswandern, bitten wir um Aufgabe ihrer Anschrift. \ (Hl in Mesiritsch Moritz K a s w n n (F1)1־!M.־tzu11g) Die Zun■! ■itxx«׳ie-.11׳H11׳ ließen den eingesihüchterten .!i'.nVüJui ur.uilii׳.! aus ihrem (iritf und gesellten sieh wieder mit li.iii'.'iii uiiil wunücrsi'uh• men Herzen zu den übrigen. Du, Weiß iF's T'isi in״, und das Weiß ihrer Kleidung verm iiw;Immen in der׳ Deimnenm׳.!, und die Schatten des Abends inniUn in 11110־ (icsiehler scU-uiim׳ Verwandtschaften lind Mi nxohen/ih’t hinein, die ihre Seelen verwandelten und ihre Aueeii \!>11 dem!>1111-4 iles Alltags reinigten, daß sie auch in den unscheinbarsten Bildern ein wundersames 1.ein hteii \\ ahrn.dimen. Gar erst als der Große Maggül seine nein Weise zu sagen anliob. Da glich (ler abendfui'tei׳(* Baum einem hohen Gewölbe, und die fallt darin war erfüllt vom Schwirren der gefiederten Engel. Und die Augen, die solches sahen, waren sicher, nie habe die Welt ähnliches gesehen und vernommen. Der Mnggid sprach zeit und Ictsc. als dürllen seine Lippen die gesagten 15,nte nicht verraten: bald jedoch schwang seine Hede in Mi'lunder Inbrunst anf und entfachte in den Herzen seiner Zuliä-ier ein ״sausendes Empor'‘. Er sammel te die hergcsa׳jlen Sprüche der Tora zu einer dichten Garbe aus tönenden Achren und legt« um sic, wie man um eine 'l’orarolle ein weinrotes, goldgewirkles Kleid lesä, ein Band des Trostes und der Verheißung: Die Summe!dien I,ebene ist Gott, so begann der Mnggid, und will das Menschenkind Gott recht hörig sein, so muß es sich mit der Schöpfung und mit allem, tvtis darin west, vereinen; denn kein Ort ist leer von Gott. Dem Schöpfer aber dient jedes Erschaffene auf seiner Stufe gleich gut: das Blatt im Bauingewirr anders als der Baum seihst, lind der schlichte Mann anders als der Zacklik. Wer aber meint, daß deshalb der schlichte Mann bei der Besehen- Lang der ■Seelen leer atisgelie, ist gleich töricht wie der, tler da spricht, am Schatten des Baumes haben die Blatter keinen Teil. So wie meine Augen die Süße des Lichtes empfinden, so auch eure, und wohl tut’s den Augen, die Sonne zu schollen... Die Sonne aber ist die 'Fora, und die Süße des Lichtes — das ist die Weise des BaulscUcn»... Der Mnggid schwieg eine Meile und sprach dann; EI1 wir die Süße tles Luchtes nicht spüren, br1n״t die Sonne nur den Glanz, des Winters. Die Sonne aber, das ist wiederum tler Zuddik des Zeitalters. Lad er bringt die Süße des Eiclitos — eine neue Weise — so leicht und einfach, daß jedes Kind im Volke sie naehsingen kann. . . Wie aber der höchste und reinste Ton einer Flöte erst wahrhaft aniklingt im Wechselklang mit den liefen und mittleren Tönen, so steigt auch die neue Weise erst zu rechtem Klang, wenn sie sich vereint mit allem, was lebt und teiliiat au der lebendigen Schöpfung. Abermals schwieg der Maggiil, indes seine Zuhörer in der abendlichen Stube nodi enger z.iisanmi nzöckten und lautlos Atem schöpften. Der Mnggid fuhr fort; Wohl den! Geschlecht, das zu einen Zaddik zieht, denn in ihm wohnt Gott, und jeder .Schrift zum Zaddik ist ein Stein für das Heiligtum, welches ihr seinem Narnen hauen sollt . . . So bettet eure Seelen an die Seele des Zaddiks: sein Dasein ist Bürge für den Sieg des Gebetes und l'ür die Segnung eures Brotes, und das brennt euch zum Schluß in eure Ilerz.cn ein: Wie der Acker nicht aufblüht ohne Wärme, so die Seele nicht ohne Freude. Wähnt aber nicht, der Sturm und der liegen wären die Schwemmt und die Kasteiung. Euer Gebet sei ein Spinn gen Himmel, dos die Kraft ]’.saus lähme and das Geklirr seiner Wulfen überfülle; dann wird es gewißlich dazu kommen: ״Jakob wird Wur/.cln schlagen, und Israel blühen und grünen, und sic werden die Erde mit ihren Früchten erfüllen.“ — Die Sätze des Maggids verhallten wie nacht ferne Rufe. Ir saß zurilcligelehnt wie ein Schlummernder mit goschlossenen Augen, das Haupt leicht auf die Brust gestützt, daß die Silberspitzen seines Bartes sich sanft aulöviirts wellten, indes die Menschen um ihn in Schweigen und Dunkel untergegangen zu sein schienen. Da aber wurde aus der unmittelbaren Nahe des Rabbi» eine zage Folge von 'Fönen vernehmlich, die rusch höher stieg und in einer Melodie schwang, wie klugende Töchter sie vor Zeiten am Brunnen zu singen pflegten, hold aber in Seufzer und Weltrufe umsehlugen, wie sie irrenden Wanderern entfliehen, dann wieder in stilles Jauchzen übergingen, als erhöbe sich di« Seele über silbernen Leuchtern und festlichem Wein. Ein Nigun stieg zu Ehren de» Mag» gids und seiner Gäste auf und erlöste die reglose Tischruna• aus dem Klamm des Vernommenen. Ihre Stimmen fielen in den Nigun ein wie feurige Funken auf trockne Scheiter, und wiihrend sich draußen vor den Fenstern langsam di« Frauen und Kinder ansatnmeltcn, um einen Schein des heiligen Inneren zu erhaschen, nahm drinnen der Gesang er«t ein Ende, als der Maggid sich zum Gebet erhob. Sein Körper schwankte unmerklich wie der eine» Aar« vor dem Flug«, seine Stimme aber drang bis an die Ohren der vor den Fenstern Lauschenden. Er hob den Becher und sprach den Segensspruch über den Wein. Seine schmalen Hände näherten sich dem Kegel des Lichtes. Das Licht schien hindurch wie durch gläsern« Gefäße. Danach vcrzischte die Flamme in drei Tropfen verschütteten Weines und nach der Stelle, wo das Licht erloschen, griffen die Finger der Chassidim und netzten di« Nagelspitzen «nit den Tropfen und füllten mit dem winziges Naß ihre Taschen, als wäre es ein Haufen von silbernes Münzen. Der Maggid aber stimmte inzwischen ein Lied an, die«• mal ein echtes Lied mit hellen Tönen, in das die Chasaidiaa snngesbereit einficlcn. Es war ein Lied, zu dem man in di« Hände klatschen und tanzen konnte, fast ein Reiterlied, wie Kosaken cs erschallen lassen, wenn sie auf ihren flinken Ponys vom Hufe sprengen. Und ebenso jäh wie ein wilder Chor brach da» Lied des Großen Maggids ab, und die Chassidim umdrängten ihn, und jeder schrie so laut er nur konnte: Gute Woch, Hebln׳! Und der Mesiritscher Rabbi gab zurück: Gute Woch. Juden. Da war jedoch einer, der hielt sich abseits und wartete, bis die liedtrunkenen Gemüter aus dem Gewühl« fanden, und der Zugang zum Maggid auch für ihn off«■ stand, aber der Singsang der Freudigen schien eben auf* neue zu entflammen. Schon rückte man die Bänke ZUf Seite, um, wie es hei ihnen Brauch geworden, die Reihe« zum Tanze zu schließen. Di« Ansammlung vor den Fenstern des Hauses wurde dichter, die Für öffnete sich trotz der widerstrebenden Chassidim; und die Zuschouenden streckte« neugierig ihre Köpfe in die Richtung der Tanzenden. (Schluß folgt)